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Quelle:Fws/Sachße Tennstedt 1986

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Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Christoph Sachße, Florian Tennstedt
Titel    Sicherheit und Disziplin: Eine Skizze zur Einführung
Sammlung    Soziale Sicherheit und soziale Disziplinierung
Herausgeber    Christoph Sachße
Ort    Frankfurt
Verlag    Suhrkamp
Jahr    1986
Seiten    11-44
Umfang    34
URN    https://kobra.bibliothek.uni-kassel.de/handle/urn:nbn:de:hebis:34-2010072133811
URL    https://kobra.bibliothek.uni-kassel.de/bitstream/urn:nbn:de:hebis:34-2010072133811/1/TennstedtSicherheitDisziplin.pdf

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    ja
Fragmente    7


Fragmente der Quelle:
[1.] Fws/Fragment 267 04 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-11-02 06:56:43 Agrippina1
BauernOpfer, Fragment, Fws, Gesichtet, SMWFragment, Sachße Tennstedt 1986, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Yacay
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 267, Zeilen: 4-8
Quelle: Sachße Tennstedt 1986
Seite(n): 14, Zeilen: 26-30
Denn die historischen Wurzeln moderner Sozialpolitik in Deutschland6 finden sich dort, wo die traditionelle, auf Subsistenzwirtschaft beruhende, mittelalterlich-feudale Gesellschaftsordnung erstmals erschüttert und überfordert wurde: in den deutschen Städten des späten Mittelalters.7

6 Sachße Ch./Tennstedt, F., Sicherheit und Disziplin: Eine Skizze zur Einführung, in: dies. (Hrsg.), Soziale Sicherheit und soziale Disziplinierung, Frankfurt a. M. 1986, S. 14; Jütte, R., Disziplinierungsmechanismen in der städtischen Armenfürsorge der Frühneuzeit, in: Sachße Ch./Tennstedt, F. (Hrsg.), Soziale Sicherheit und soziale Disziplinierung, Frankfurt a. M. 1986, S. 102.

7 Ausführlich zu den qualitativen und quantiativen (sic!) Aspekten städtischer Armut sowie zur dokumentenreich belegten Ablösung städtischer Almosenpraxis, Sachße Ch./Tennstedt, F., Geschichte der Armenfürsorge in Deutschland. Vom Spätmittelalter bis zum 1. Weltkrieg, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1980, S. 27, 28 ff., Dokumente insbesondere S. 63 ff.

Die historischen Wurzeln moderner Sozialpolitik in Deutschland finden sich dort, wo die traditionelle, auf Subsistenzwirtschaft beruhende, mittelalterlich-feudale Gesellschaftsordnung erstmals erschüttert und überfordert wurde: in den deutschen Städten des späten Mittelalters.10

10 Grundlegend: Fischer, Thomas: Städtische Armut und Armenfürsorge im 15. und 16. Jahrhundert. Sozialgeschichtliche Untersuchungen am Beispiel der Städte Basel, Freiburg i. Br. u. Straßburg, Göttingen 1979; ders.: Der Beginn frühmoderner Sozialpolitik in den deutschen Städten des 16. Jahrhunderts, in:Jahrbuch der Sozialarbeit 4, hg. v. Christoph Sachße u. Florian Tennstedt, Reinbek 1981, 46 ff. und Marzahn, Chr./Hans G. Ritz (Hg.), Zähmen und Bewahren. Die Anfänge bürgerlicher Sozialpolitik, Bielefeld 1984, S. 69 ff. Jütte, Robert: Obrigkeitliche Armenfürsorge in deutschen Reichsstädten der frühen Neuzeit. Städtisches Armenwesen in Frankfurt am Main und Köln ,Köln u. Wien 1984; Moritz, Werner: Die bürgerlichen Fürsorgeanstalten der Reichsstadt Frankfurt a.M. im späten Mittelalter, Frankfurt/M. 1981; zusammenfassend: Sachße, Christoph/Florian Tennstedt: Geschichte der Armenfürsorge in Deutschland. Vom Spätmittelalter bis zum 1. Weltkrieg, Stuttgart, Berlin, Köln u. Mainz 1980, 23 ff.

Anmerkungen

Der Verfasser übernimmt zwei Sätze wörtlich aus "Sicherheit und Disziplin: Eine Skizze zur Einführung" von Sachße/Tennstedt, weist aber nur nach dem ersten Satz auf diese Quelle hin. Nach einem kurzen Einschub folgen auf der gleichen Seite großflächige weitere wörtliche Übernahmen aus der Quelle.

In dem auch in der Quelle angegebenen Buch Sachße Ch./Tennstedt, F. (1980) findet sich der übernommene Wortlaut nicht.

Sichter
(Yacay), Hindemith

[2.] Fws/Fragment 267 13 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-10-09 00:50:34 Sotho Tal Ker
BauernOpfer, Fragment, Fws, Gesichtet, SMWFragment, Sachße Tennstedt 1986, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Yacay
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 267, Zeilen: 13-22
Quelle: Sachße Tennstedt 1986
Seite(n): 14f, Zeilen: 35-37, 1-11
Das Bevölkerungswachstum seit dem 11. Jahrhundert und die dadurch verursachte neue Mobilität, der Aufschwung der Städte nach den großen Pestzügen um die Mitte des 14. Jahrhunderts, die Entfaltung des Fernhandels und der gewerblichen Produktion, all dies brachte neben neuartigem gesellschaftlichen Reichtum auch eine neue Armut hervor, die sich vor allem in den Städten ballte und vor allem dort als Problem empfunden wurde, obwohl sie in den ländlichen Gebieten kaum weniger grassierte. Die neuen städtischen Unterschichten waren dadurch charakterisiert, daß sie aus dem Gefüge ständischer Ordnung herausfielen. Sie gehörten keinem der traditionalen Systeme der Subsistenzsicherung an und mußten ihre Arbeitskraft gegen Lohn verkaufen oder [aber ihren Unterhalt durch Betteln bestreiten. In jedem Fall waren sie auf Transferleistungen angewiesen.9]

9 Sachße Ch./Tennstedt, F., Sicherheit und Disziplin: Eine Skizze zur Einführung, in: dies. (Hrsg.), Soziale Sicherheit und soziale Disziplinierung, Frankfurt a. M. 1986, S. 15.

Das Bevölkerungswachstum seit dem 11. Jahrhundert und die dadurch verursachte neue Mobilität, der Aufschwung der Städte nach den großen Pestzügen um die Mitte des 14. Jahrhunderts, die Entfaltung des Fernhandels und der gewerblichen Produktion, all dies brachte neben neuartigem gesellschaftlichen Reichtum auch eine neue Armut hervor, die sich vor allem in den Städten ballte und vor allem dort als Problem empfunden wurde, obwohl sie in den ländlichen Gebieten kaum weniger grassierte. Die neuen städtischen Unterschichten waren dadurch charakterisiert, daß sie aus dem Gefüge ständischer Ordnung herausfielen. Sie gehörten keinem der traditionalen Systeme der Subsistenzsicherung an und mußten ihre Arbeitskraft gegen Lohn verkaufen oder aber ihren Unterhalt durch Betteln bestreiten. In jedem Fall waren sie auf Transferleistungen angewiesen.
Anmerkungen

Der Verfasser übernimmt eine halbe Seite der Quelle wörtlich, weist aber nur in einer Fußnote auf die Quelle hin.

Sichter
(Yacay) Agrippina1

[3.] Fws/Fragment 268 06 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-10-09 00:46:42 Sotho Tal Ker
BauernOpfer, Fragment, Fws, Gesichtet, SMWFragment, Sachße Tennstedt 1986, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Yacay
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 268, Zeilen: 6-11
Quelle: Sachße Tennstedt 1986
Seite(n): 15, Zeilen: 11-17
[...;] dennoch überforderte seine dauerhafte Existenz die traditionalen, ganz auf eine statische Subsistenzwirtschaft zugeschnittenen Fürsorgeeinrichtungen und gefährdete zugleich die ständische Gesellschaftsordnung insgesamt. Die städtische Obrigkeit reagierte auf diese Herausforderung mit der verstärkten Produktion von Ordnungsnormen, die eine herrschaftliche Regulierung des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt anstrebten.11

11 Sachße Ch./Tennstedt, F., Sicherheit und Disziplin: Eine Skizze zur Einführung, in: dies. (Hrsg.), Soziale Sicherheit und soziale Disziplinierung, Frankfurt a. M. 1986, S. 15.

Ihre Existenz überforderte die traditionalen, ganz auf eine statische Subsistenzwirtschaft zugeschnittenen Fürsorgeeinrichtungen und gefährdete zugleich die ständische Gesellschaftsordnung insgesamt. Die städtische Obrigkeit reagierte auf diese Herausforderung mit der verstärkten Produktion von Ordnungsnormen, die eine herrschaftliche Regulierung des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt anstrebten.
Anmerkungen

Der Verfasser gibt die Quelle an, aber nicht die wörtliche Übernahme.

Sichter
(Yacay) Agrippina1

[4.] Fws/Fragment 270 02 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-10-09 22:13:14 Hindemith
BauernOpfer, Fragment, Fws, Gesichtet, SMWFragment, Sachße Tennstedt 1986, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Yacay
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 270, Zeilen: 2-19
Quelle: Sachße Tennstedt 1986
Seite(n): 19, Zeilen: 17ff
Denn schon im Laufe des 17. Jahrhunderts zogen die Wirren des 30-jährigen Krieges erneut Entwurzelung und gesellschaftliche Desintegration nach sich. Das seit der Mitte des 18. Jahrhunderts verstärkt einsetzende Bevölkerungswachstum vermehrte vor allem die besitzlosen Unterschichten auf dem Lande und in der Stadt und vergrößerte den Teil der Bevölkerung, der ohne ausreichende Einkünfte und Erwerbsmöglichkeiten lebte und nicht mehr fest in die Heimatgemeinde integriert war. Und aus dieser Schicht vor allem rekrutierte sich die größer werdende Vagantenpopulation des 18. Jahrhunderts. Wer zu Hause weder Arbeit noch Sicherheit fand, begab sich auf Wanderschaft, auf die Suche nach Lohn und Brot anderswo. Die "Notökonomie" der Vaganten konnte ihn leicht vom arbeitsuchenden Landfahrer zum Bettler, Gelegenheitsdieb, womöglich zum gewalttätigen Räuber machen. Obwohl diesen letzten Schritt freilich nur wenige taten, waren Vaganten-Karrieren das Los vieler.18 Zwischen 4% und 10% der Gesamtbevölkerung - so schätzt man - waren im 18. Jahrhundert der "nicht-seßhaften Armut" zuzuordnen; eine Vagantenbevölkerung, bei der die Grenzen zwischen Bettler und Gauner fließend waren und die als Gefahr für Eigentum und Sicherheit empfunden wurden.19

18 Sachße Ch./Tennstedt, F., Sicherheit und Disziplin: Eine Skizze zur Einführung, in: dies. (Hrsg.), Soziale Sicherheit und soziale Disziplinierung, Frankfurt a. M. 1986, S. 19; diese üblichen Begleiterscheinungen von Armut lassen erahnen, weshalb Armut zunehmend nicht nur als persönliche Lasterhaftigkeit, sondern als öffentliches Sicherheitsrisiko empfunden wurde.

19 Sachße Ch./Tennstedt, F., Sicherheit und Disziplin: Eine Skizze zur Einführung, in: dies. (Hrsg.), Soziale Sicherheit und soziale Disziplinierung, Frankfurt a. M. 1986, S. 19, unter Hinweis auf die Arbeiten von Küther, C., Räuber und Gauner in Deutschland, Göttingen 1976 und Küther, C., Räuber, Volk und Obrigkeit. Zur Wirkungsweise und Funktion staatlicher Strafverfolgung im 18. Jahrhundert, in: Reif, H. (Hrsg.), Räuber, Volk und Obrigkeit. Studien zur Geschichte der Kriminalität in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert, Frankfurt a. M. 1984, S. 17 ff.

Die Wirren des Dreißigjährigen Krieges zogen Entwurzelung und gesellschaftliche Desintegration nach sich. Das seit der Mitte des 18. Jahrhunderts verstärkt einsetzende Bevölkerungswachstum vermehrte vor allem die besitzlosen Unterschichten auf dem Lande und in der Stadt und vergrößerte den Teil der Bevölkerung, der ohne ausreichende Einkünfte und Erwerbsmöglichkeiten lebte und nicht mehr fest in die Heimatgemeinde integriert war. Und aus dieser Schicht vor allem rekrutierte sich die größer werdende Vagantenpopulation des 18. Jahrhunderts. Wer zu Hause weder Arbeit noch Sicherheit fand, begab sich auf die Wanderschaft, auf die Suche nach Lohn und Brot anderswo. Die "Notökonomie" der Vaganten konnte ihn leicht vom arbeitssuchenden Landfahrer zum Bettler, Gelegenheitsdieb, womöglich zum gewalttätigen Räuber machen. Diesen letzten Schritt taten freilich nur wenige. Vaganten-Karrieren dagegen waren das Los vieler. Zwischen 4% und 10% der Gesamtbevölkerung - so schätzt man - waren im 18. Jahrhundert der "nicht-seßhaften Armut" zuzuordnen; einer Vagantenbevölkerung, bei der die Grenzen zwischen Bettler und Gauner fließend waren und die als Gefahr für Eigentum und Sicherheit empfunden wurden.15

15 Vgl. Küther, Carsten: Räuber und Gauner in Deutschland, Göttingen 1976, ders.: Menschen auf der Straße. Vagierende Unterschichten in Bayern, Franken und Schwaben in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Göttingen 1983, ders.: Räuber, Volk und Obrigkeit. Zur Wirkungsweise und Funktion staatlicher Strafverfolgung im 18. Jahrhundert, in: Reif, Heinz (Hg.): Räuber, Volk und Obrigkeit. Studien zur Geschichte der Kriminalität in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert, Frankfurt/M. 1984, 17 ff.

Anmerkungen

Großflächige wörtliche Übernahme mit leichten Anpassungen, aber keine Kennzeichnung durch Anführungszeichen. Die Quelle der wörtlichen Übernahmen wird immerhin ganz exakt angegeben.

Sichter
(Yacay), Hindemith

[5.] Fws/Fragment 270 20 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-10-09 00:20:16 Kybot
Fragment, Fws, KeinPlagiat, SMWFragment, Sachße Tennstedt 1986, Schutzlevel, ZuSichten

Typus
KeinPlagiat
Bearbeiter
Yacay
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 270, Zeilen: 20-24
Quelle: Sachße Tennstedt 1986
Seite(n): 20, Zeilen: 1ff
Eine sich verstärkende Abschottungspraxis der ohnehin überforderten städtischen Wohlfahrtsinstitutionen, heute zuweilen etwas irreführend als Beginn der Kommunalisierung der Armenfürsorge beschrieben, hinderte die heimatlose Armutsbevölkerung vollends, je wieder seßhaft zu werden. Sie forderte geradezu Anschlußkonzepte einer verstärkt polizeilich-militärischen Verfolgung der nicht-seßhaften [Armut heraus, die zwar nur den geringsten Teil der Vagantenbevölkerung erreichten, aber durch Demonstration hoheitlicher Machtfülle eben doch Akte symbolischer Disziplinierung jener unordentlichen "Gegengesellschaft" der Bettler, Tagediebe und Vagabunden zu setzen vermochte.20]

20 Sachße Ch./Tennstedt, F„ Sicherheit und Disziplin: Eine Skizze zur Einführung, in: dies. (Hrsg.), Soziale Sicherheit und soziale Disziplinierung, Frankfurt a. M. 1986, S. 20.

Die Abschottungspraktiken hinderten die unstete, heimatlose Armutsbevölkerung vollends, je wieder seßhaft zu werden. An die Stelle neuer sozialer Sicherungseinrichtung trat die verstärkte polizeilich-militärische Verfolgung der nicht-seßhaften Armut, die sich primär gegen die organisierten Räuber- und Gaunerbanden richtete.

[...]

Die faktische Bedeutung militärischer Gaunerverfolgung bestand daher eher in der Demonstration hoheitlicher Machtfülle ; einer symbolischen Disziplinierung jener unordentlichen »Gegengesellschaft« der Vaganten, Bettler und Tagediebe, die dem staatlichen Disziplinaranspruch radikal zuwiderliefen, ohne daß er doch die Möglichkeit gehabt hätte, sie mit seinen Disziplinarmaßnahmen zu erreichen.

Anmerkungen

Der Verfasser paraphrasiert hier - fast untadelig - die Quelle und übernimmt nur einzelne Satzfragmente.

Sichter
(Yacay)

[6.] Fws/Fragment 271 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-10-09 00:20:26 Kybot
Fragment, Fws, KeinPlagiat, SMWFragment, Sachße Tennstedt 1986, Schutzlevel, ZuSichten

Typus
KeinPlagiat
Bearbeiter
Yacay
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 271, Zeilen: 1-4
Quelle: Sachße Tennstedt 1986
Seite(n): 20, Zeilen: 1ff
[Eine sich verstärkende Abschottungspraxis der ohnehin überforderten städtischen Wohlfahrtsinstitutionen, heute zuweilen etwas irreführend als Beginn der Kommunalisierung der Armenfürsorge beschrieben, hinderte die heimatlose Armutsbevölkerung vollends, je wieder seßhaft zu werden. Sie forderte geradezu Anschlußkonzepte einer verstärkt polizeilich-militärischen Verfolgung der nicht-seßhaften] Armut heraus, die zwar nur den geringsten Teil der Vagantenbevölkerung erreichten, aber durch Demonstration hoheitlicher Machtfülle eben doch Akte symbolischer Disziplinierung jener unordentlichen "Gegengesellschaft" der Bettler, Tagediebe und Vagabunden zu setzen vermochte.20

20 Sachße Ch./Tennstedt, F„ Sicherheit und Disziplin: Eine Skizze zur Einführung, in: dies. (Hrsg.), Soziale Sicherheit und soziale Disziplinierung, Frankfurt a. M. 1986, S. 20.

Die Abschottungspraktiken hinderten die unstete, heimatlose Armutsbevölkerung vollends, je wieder seßhaft zu werden. An die Stelle neuer sozialer Sicherungseinrichtung trat die verstärkte polizeilich-militärische Verfolgung der nicht-seßhaften Armut, die sich primär gegen die organisierten Räuber- und Gaunerbanden richtete.

[...]

Die faktische Bedeutung militärischer Gaunerverfolgung bestand daher eher in der Demonstration hoheitlicher Machtfülle ; einer symbolischen Disziplinierung jener unordentlichen »Gegengesellschaft« der Vaganten, Bettler und Tagediebe, die dem staatlichen Disziplinaranspruch radikal zuwiderliefen, ohne daß er doch die Möglichkeit gehabt hätte, sie mit seinen Disziplinarmaßnahmen zu erreichen.

Anmerkungen

Der Verfasser paraphrasiert hier - fast untadelig - die Quelle und übernimmt nur einzelne Satzfragmente.

Sichter
(Yacay)

[7.] Fws/Fragment 273 06 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-10-11 21:55:58 Hindemith
Fragment, Fws, KeineWertung, SMWFragment, Sachße Tennstedt 1986, Schutzlevel, ZuSichten

Typus
KeineWertung
Bearbeiter
Hindemith
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 273, Zeilen: 6-17
Quelle: Sachße Tennstedt 1986
Seite(n): 17, Zeilen: 17ff
Die von der weltlichen Obrigkeit der spätmittelalterlichen Städte entwickelten Ansätze zur Durchsetzung rationaler Verhaltensdisziplin erfuhren im Zeitalter des Absolutismus ihren Ausbau zu effektiven einheitsstiftenden Faktoren für die Herausbildung von Gemeinwesen neuerer Größenordnung, den Flächenstaaten. In ihnen materialisierte sich die staatsphilosophisch vorbereitete Vorstellung 28 einer machtvollen, zentralen öffentlichen Gewalt, die - gestützt auf einen disziplinierten militärischen und administrativen Apparat - die heterogenen gesellschaftlichen Kräfte zu einem geordneten Gemeinwesen vereinheitlichen sollte.29 Die alten, vorwiegend auf äußere Gefahren gerichteten Schutzpflichten des Feudalherren wurden im Absolutismus 30 zu einem umfassenden Programm der Sicherheit ausgeweitet. Sicherheit wurde zur Staatsaufgabe. Die Produktion "sozialer Sicherheit" in Notlagen war nur ein Bestandteil dieses Gesamtprogramms.31

28 Entgegen Maier, H., Die ältere deutsche Staats- und Verwaltungslehre, 2. Aufl. München 1980, S. 282, hat Stolleis, M., Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland, 1. Band, Reichspublizistik und Polizeiwissenschaft 1600-1800, München 1988, S. 174, darauf insistiert, daß die tragenden Elemente der Souveränitätskonzeption Jean Bodins ihre prägende Kraft auch im deutschen Staatsdenken des ausgehenden 16. und 17. Jahrhunderts entwickelt haben. Knappe Zusammenfassung bei Schnur, R., Bodin, Staatslexikon, 7. Aufl. 1985, Sp, 861 ff.

29 Sachße Ch./Tennstedt, F ., Sicherheit und Disziplin: Eine Skizze zur Einführung, in: dies. (Hrsg.), Soziale Sicherheit und soziale Disziplinierung, Frankfurt a. M. 1986, S. 17.

30 Zur Typologie der feudalen Gesellschaftsformation Anderson, P., Von der Antike zum Feudalismus. Spuren der Übergangsgesellschaften, 2. Aufl. Frankfurt a. M. 1981, S. 183 ff.; differenzierte Bewertung dieses Ablösungsvorgangs bei Barudio, G., Das Zeitalter des Absolutismus und der Aufklärung 1648 bis 1789, Frankfurt a. M. 1981, S. 203 ff., der dem Verlust der Libertät als Element der mittelalterlichen Ordnungspolitik eine sensible historische Studie gewidmet hat (Barudio, G., Absolutismus - Zerstörung der "libertären Verfassung", Frankfurt a. M. 1976); s. auch Schulze, W., Deutsche Geschichte im 16. Jahrhundert, Frankfurt a. M. 1986, S. 222ff.

31 Sachße Ch./Tennstedt, F., Sicherheit und Disziplin: Eine Skizze zur Einführung, in: dies. (Hrsg.), Soziale Sicherheit und soziale Disziplinierung, Frankfurt a. M. 1986, S. 17; Maier, H., Die ältere deutsche Staats- und Verwaltungslehre, 2. Aufl. München 1980, S. 69; gedrängte Zusammenfassung zur Entwicklung von Policeyrecht und Policeywisscnschaft bei Stolleis, M., Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland, 1. Band, Reichspublizistik und Polizeiwissenschaft 16001800, München 1988, S. 366 ff.; Knemeyer, F. L., Polizeibegriffe in Gesetzen des 15. bis 18. Jahrhunderts. Kritische Bemerkungen zur Literatur über die Entwicklung des Polizeibegriffs, AöR 92 (1967), S. 153 ff.

Die von der weltlichen Obrigkeit der spätmittelalterlichen Städte entwickelten Vorstellungen der Disziplinierung wurden vom Landesherrn aufgegriffen und als einheitstiftender Faktor für die Herausbildung von Gemeinwesen neuerer Größenordnung, der Flächenstaaten, benutzt. Aus der Verbindung der städtischen Vorbilder mit der politischen Philosophie des Neustoizismus erwuchs die Vorstellung einer machtvollen, zentralen öffentlichen Gewalt, die - gestützt auf einen disziplinierten militärischen und administrativen Apparat - die heterogenen gesellschaftlichen Kräfte zu einem geordneten Gemeinwesen vereinheitlichen könnte. Diese alten, vorwiegend auf äußere Gefahren gerichteten Schutzpflichen des Feudalherrn gegenüber seinen Vasallen wurden im Absolutismus zu einem umfassenden Programm der Sicherheit ausgeweitet. Sicherheit wurde zur Staatsaufgabe. 11 Sie legitimierte eine Fürstenherrschaft, die vom ungesicherten Natur- zum geordneten bürgerlichen Zustand führen sollte. Die Produktion sozialer Sicherheit in Notlagen war nur ein Bestandteil dieses Gesamtprogramms.

11 Vgl. Conze, Werner: Art.: Sicherheit, Schutz, in: Brunner, Otto, u. a. (Hg.), Geschichtliche Grundbegriffe, Bd. 5, Stuttgart 1984, 831 H. (hier: S. 845 ff.).

Anmerkungen

Die Quelle wird in den FN 29 und 31 genannt, wörtliche Übernahmen werden aber nicht gekennzeichnet.

Sichter
(Hindemith)

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