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Quelle:Fws/Sachße Tennstedt 1988

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Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Christoph Sachße, Florian Tennstedt
Titel    Geschichte der Armenfürsorge in Deutschland. Band 2: Fürsorge und Wohlfahrtspflege. 1871-1929
Ort    Stuttgart (u.a.)
Verlag    Kohlhammer
Jahr    1988
Umfang    272
ISBN    3-17-010083-1
URN    urn:nbn:de:hebis:34-2009071328740
URL    http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:34-2009071328740

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    ja
Fragmente    6


Fragmente der Quelle:
[1.] Fws/Fragment 284 117 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-10-09 00:37:46 Sotho Tal Ker
BauernOpfer, Fragment, Fws, Gesichtet, SMWFragment, Sachße Tennstedt 1988, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Yacay
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 284, Zeilen: 117-126
Quelle: Sachße Tennstedt 1988
Seite(n): 23, 27, Zeilen: 8-11, 42-48
81 Obwohl das "Reichsgesetz über den Unterstützungswohnsitz" (UWG) v. 16. April 1871 das Prinzip des Unterstützungswohnsitzes als Anknüpfungspunkt für Unterstützungsleistungen der Armenfürsorge, das zuerst in Preußen 1842 eingeführt worden war, reichsweit verallgemeinert und damit das traditionelle Heimatprinzip einheitlich aufgegeben hatte, blieb es trotz der Neuregelung bei den negativen juristischen Sanktionen, mit denen die Inanspruchnahme von Unterstützungsleistungen der Armenfürsorge verbunden waren, insbesondere die Beeinträchtigungen der Freizügigkeit des Unterstützungsempfängers gem. §§ 4 u. 5 des Freizügigkeitsgesetzes v. 1. Nov. 1867 sowie den Verlust des Reichstags-, Landtags- und Gemeindewahlrechts gem. § 3 des Reichswahlgesetzes v. 31. Mai 1869 und der entsprechenden landesgesetzlichen und kommunalen Bestimmungen. Dazu Sachße, Chr./Tennstedt, F., Geschichte der Armenfürsorge in Deutschland, Bd. 2, Fürsorge und Wohlfahrtspflege 1871-1929, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1988, S. 23, 27 ff.; Barabas, F./Sachße, Ch., Bundessozialhilfegesetz - sozialstaatliche Versorgung oder Armenpolizei, KJ 1976, S. 368; Stolleis, M., Quellen zur Geschichte des Sozialrechts, Göttingen 1976, S. 19, mit Nachweisen für die Rechtslage in den Einzelstaaten des Deutschen Reiches. Das "Reichs-Gesetz über den Unterstützungswohnsitz" (UWG) vom 16. April 1871 hatte das Prinzip des Unterstützungswohnsitzes als Anknüpfungspunkt für Unterstützungsleistungen der

Armenfürsorge, das zuerst in Preußen 1842 eingeführt worden war, reichsweit verallgemeinert und damit das traditionelle Heimatprinzip einheitlich aufgegeben.37

[Seite 27]

Zum zweiten ging es um die negativen juristischen Sanktionen, mit denen die Inanspruchnahme von Unterstützungsleistungen der Armenfürsorge verbunden waren, insbesondere die Beeinträchtigungen der Freizügigkeit des Unterstützungsempfängers gem. §§ 4 und 5 des Freizügigkeitsgesetzes vom 1. November 1867 sowie den Verlust des Reichstags-, Landtags- und Gemeindewahlrechts gem. § 3 des Reichswahlgesetzes vom 31. Mai 1869 und der entsprechenden landesgesetzlichen und kommunalen Bestimmungen.


37 Zur Durchsetzung des Unterstützungswohnsitzprinzips in Deutschland in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts sowie den in Bayern bis 1916 und in Elsaß-Lothringen bis 1910 geltenden Sonderregelungen vgl. ausführlich Sachße/Tennstedt 1980, S. 275 ff.; für eine Übersicht über die gesetzlichen Grundlagen der Armenfürsorge im Deutschen Reich vgl. Münsterberg 1897, S. 30 ff.; umfassend Rocholl 1873

Anmerkungen

Am Ende der Fußnote ist die direkte Quelle korrekt angegeben, eine hinreichende Kennzeichnung der weitgehend wörtlichen Übernahme erfolgt nicht. Auch die eigentlichen Referenzen aus der Quelle werden vom Verfasser nicht angegeben.

Sichter
(Yacay) KayH

[2.] Fws/Fragment 285 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-10-09 07:51:28 Hindemith
BauernOpfer, Fragment, Fws, Gesichtet, SMWFragment, Sachße Tennstedt 1988, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Yacay
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 285, Zeilen: 1-23
Quelle: Sachße Tennstedt 1988
Seite(n): 27, 28, 36, Zeilen: 27: 22ff; 28: 29ff; 36: 15ff
[Gemeint ist der Prozeß] einer zunehmenden Ausdifferenzierung spezifischer Armutsrisiken aus der bislang als Universalfürsorge verstandenen Arbeit der nach Reichsrecht zuständigen Ortsarmenverbände,83 dessen Bedeutung für die Entwicklung staatlicher und kommunaler Sozialpolitik nicht gering geschätzt werden darf. In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstand die Herausbildung besonderer Zweige der Gesundheits-, Jugend-, Wohnungs- und Erwerbslosenfürsorge neben und außerhalb der klassischen Armenfürsorge, die man zeitgenössisch die "sociale Ausgestaltung" der Fürsorge nannte.84 Dieser Ausdifferenzierungsprozeß zielte auf die planmäßige, öffentliche Gestaltung der Lebensbedingungen der städtischen Unterschichten und war Bestandteil eines umfassenderen Prozesses des Ausbaus kommunaler Leistungsverwaltung in der Folge von Industrialisierung und Verstädterung, indem sich die "Trennung der Menschen von den Lebensgütern" spiegelt.85

Die für den Ausbau und die Weiterentwicklung der kommunalen Fürsorge in den folgenden Jahrzehnten bedeutendsten Innovationspotentiale kamen aus dem Bereich der Gesundheitsfürsorge,86 die seit den 90er Jahren in den deutschen Großstädten als eigenständiger, vom Odium der Armenfürsorge befreiter Bereich ausgebaut wurde.87 Im engen Zusammenhang mit ihr, aber schwächer in der Konturierung einer eigenen sozialen Programmatik, läßt sich die Ausdifferenzierung kommunaler Wohnungsfürsorge aus der herkömmlichen Armenfürsorge beschreiben. Gegenüber weitgehend erfolglosen Versuchen kommunaler Bodenreform lassen sich hier durchaus nachhaltig wirksame Instrumente der Wohnungsreform ausmachen. Die Wohnungsreform erstreckte sich von einer zunehmenden [öffentlichen Förderung des (Klein-) Wohnungsbaues, vor allem der gemeinnützigen Baugesellschaften und Baugenossenschaften, bis zum Erlaß von Wohnungsordnungen und der geregelten Durchführung einer Wohnungsaufsicht.88]


83 Sachße, Chr./Tennstedt, F., Geschichte der Armenfürsorge in Deutschland, Bd. 2, Fürsorge und Wohlfahrtspflege 1871-1929, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1988, S. 27.

84 Die weitgespannten Hoffnungen, die zu Beginn der Weimarer Republik auf das Siedlungswesen als Beitrag zur Verminderung des Wohnungs- und des Erwerbslosigkeitsproblems gesetzt wurden,erfüllten sich allerdings nicht; vgl. Preller, L., Sozialpolitik in der Weimarer Republik, Düsseldorf 1949 (Neudruck 1978), S. 288, 387.

85 Sachße, Chr./Tennstedt, F., Geschichte der Armenfürsorge in Deutschland, Bd. 2, Fürsorge und Wohlfahrtspflege 1871-1929, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1988, S. 27;

86 Göckenjan, G., Kurieren und Staat machen. Gesundheit und Medizin in der bürgerlichen Welt, Frankfurt a. M. 1985, S. 327 ff., dort auch interessante historische Hinweise zur Entwicklung und Etablierung des Kassenarztwesens. Zugespitzt ist die dort aufgearbeitete Historie in dem Beitrag Göckenjan, G., Medizin und Ärzte als Faktor der Disziplinierung der Unterschichten: Der Kassenarzt, in: Sachße Ch./Tennstedt, F. (Hrsg.), Soziale Sicherheit und soziale Disziplinierung, Frankfurt a. M. 1986, S. 286 f. enthalten.

87 Sachße, Chr./Tennstedt, F., Geschichte der Armenfürsorge in Deutschland, Bd. 2, Fürsorge und Wohlfahrtspflege 1871-1929, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1988, S. 28.

88 Ebenda, S. 36; vgl. allgemeiner Labisch, A., Hygiene ist Moral - Moral ist Hygiene, in: Sachße, Chr./Tennstedt, F. (Hrsg.), Soziale Sicherheit und soziale Disziplinierung, Frankfurt a. M. 1986, s. 265 ff.

Am bedeutsamsten für die Entwicklung kommunaler Sozialpolitik war jedoch der - in den 90er Jahren einsetzende - Prozeß einer zunehmenden Ausdifferenzierung spezifischer Armutsrisiken aus der bislang als Universalfürsorge verstandenen kommunalen Armenfürsorge; die Herausbildung besonderer Zweige der Gesundheits-, Jugend-, Wohnungs- und Erwerbslosenfürsorge neben und außerhalb der klassischen Armenfürsorge, die man zeitgenössisch die "sociale Ausgestaltung" der Fürsorge nannte.51 Dieser Ausdifferenzierungsprozeß zielte auf die planmäßige, öffentliche Gestaltung der Lebensbedingungen der städtischen Unterschichten und war Bestandteil eines umfassenderen Prozesses des Ausbaus kommunaler Leistungsverwaltung in der Folge von Industrialisierung und Verstädterung, in dem sich die "Trennung der Menschen von den Lebensgütern" spiegelt.52

[Seite 28]

Die für den Ausbau und die Weiterentwicklung der kommunalen Fürsorge in den folgenden Jahrzehnten bedeutendsten Innovationspotentiale kamen aus dem Bereich der Gesundheitsfürsorge, die seit den 90er Jahren in den deutschen Großstädten als eigenständiger, vom Odium der Armenfürsorge befreiter Bereich aufgebaut wurde.

[Seite 36]

Die Ausdifferenzierung kommunaler Wohnungs- und Erwerbslosenfürsorge aus der herkömmlichen Armenfürsorge sei abschließend nur noch angedeutet. Die Maßnahmen der kommunalen Wohnungsfürsorge lassen sich danach differenzieren, was ihr unmittelbares Objekt war: der Boden, auf dem die Wohnungen erbaut wurden (Bodenreform) oder aber die Wohnung selbst (Wohnungsreform).91 Die Wohnungsreform erstreckte sich von einer zunehmenden öffentlichen Förderung des (Klein-)Wohnungsbaues, vor allem der gemeinnützigen Baugesellschaften und Baugenossenschaften, bis zum Erlaß von Wohnungsordnungen und der geregelten Durchführung einer Wohnungsaufsicht.92


51 Vgl. die grundlegenden Referate zum Thema Flesch/Soetbeer 1901; eine detaillierte Gesamtdarstellung fehlt, eine vergleichende Untersuchung der Entwicklung in Dortmund und Münster bei Krabbe 1985 b; Quellenmaterial zur Entwicklung bieten zunächst die Verwaltungsberichte der einzelnen Städte (bibliographisch erfaßt: Stadtbibliothek Frankfurt/M. 1914) und die jeweiligen auf Umfragen beruhenden Berichte bzw. Schriften des DV, von einzelnen Magistraten herausgegebene Darstellungen anläßlich von Jahrestagungen des Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege (z. B. Gesundheits- und Wohlfahrtspflege Breslau 1912) und des DV (z. B. Wohltätigkeits- und gemeinnützige Veranstaltungen 1889), zusammenfassend: Lindemann 1906; Wuttke 1904; Dawson 1914; Statistische Materialien unterschiedlicher Qualität bei Silbergleit 1908, im Statistischen Jahrbuch deutscher Städte 1890 ff. und im Kommunalen Jahrbuch 1908 ff.; hinzu kommen weitere, nur einzelne (Groß-)Städte umfassende Statistische Berichte, z. T. aufgeführt bei Münsterberg 1900 und Stadtbibliothek Frankfurt/M. 1914

52 Forsthoff 1938, S. 4.

[...]

91 Einführend: Most 1913, Bd.2, S. 44ff.; materialreiches Nachschlagewerk: Eberstadt 1917; eine breite Dokumentation zeitgenössischer Quellen zur Wohnungssituation vor 1914: Teuteberg/Wischermann 1985

92 Vgl. v. Kalckstein 1907

Anmerkungen

Der Verfasser weist zwar die exakten Fundstellen seiner Quelle in den Fußnoten aus, eine Kennzeichnung der erheblichen wörtlichen Übernahmen bleibt jedoch aus. Auch FN 84 ist ohne Quellenangabe übernommen: Fws/Fragment_285_103.

Sichter
(Yacay) KayH

[3.] Fws/Fragment 285 103 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-10-09 09:48:36 Hindemith
Fragment, Fws, Gesichtet, KomplettPlagiat, SMWFragment, Sachße Tennstedt 1988, Schutzlevel sysop

Typus
KomplettPlagiat
Bearbeiter
Yacay
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 285, Zeilen: 103-106
Quelle: Sachße Tennstedt 1988
Seite(n): 224, Zeilen: -
84 Die weitgespannten Hoffnungen, die zu Beginn der Weimarer Republik auf das Siedlungswesen als Beitrag zur Verminderung des Wohnungs- und des Erwerbslosigkeitsproblems gesetzt wurden, erfüllten sich allerdings nicht; vgl. Preller, L., Sozialpolitik in der Weimarer Republik, Düsseldorf 1949 (Neudruck 1978), S. 288, 387. 51 Vgl. Boyens 1959. Die weitgespannten Hoffnungen, die zu Beginn der Weimarer Republik auf das Siedlungswesen als Beitrag zur Verminderung des Wohnungs- und des Erwerbslosigkeitsproblems gesetzt wurden, erfüllten sich allerdings nicht (vgl. Preller 1978, S. 288, 387).
Anmerkungen

Bewertung und weiterführende Quellenangabe inkl. exakter Seitenzahlen übernommen. Kein Hinweis auf Originalquelle.

Man vergleiche Fws/Fragment 285 01. Dort wird der übernommene Fließtext der Seite 285 dokumentiert. Es fällt auf, dass hier der Autor die Endnote 51 des Kapitels 4 der Quelle übernimmt, während er im Fließtext aus Kapitel 2 der Quelle übernimmt, die übernommene Endnote deshalb thematisch auch nicht zum übernommenen Fließtext passt (Die Endnote behandelt die frühe Weimarer Republik, der Fließtext aber die "90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts").

Sichter
(Yacay), Hindemith

[4.] Fws/Fragment 286 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-10-09 13:11:59 Hindemith
BauernOpfer, Fragment, Fws, Gesichtet, SMWFragment, Sachße Tennstedt 1988, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Yacay
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 286, Zeilen: 1-21
Quelle: Sachße Tennstedt 1988
Seite(n): 36, Zeilen: 19-53
[Die Wohnungsreform erstreckte sich von einer zunehmenden] öffentlichen Förderung des (Klein-) Wohnungsbaues, vor allem der gemeinnützigen Baugesellschaften und Baugenossenschaften, bis zum Erlaß von Wohnungsordnungen und der geregelten Durchführung einer Wohnungsaufsicht.88 Bei der Wohnungsaufsicht wiederum zeigt sich der Einfluß der Hygienebewegung des 19. Jahrhunderts besonders deutlich. Sie entwickelte sich von einer zunächst polizeilichen Ordnungsmaßnahme zunehmend zu einer auf Verhaltensänderung der Bewohner abzielende [sic] Beratungs- und Betreuungstätigkeit. Kommunale Wohnungsordnungen stellten "die Mindestforderungen fest, die in gesundheitlicher wie in sittlicher Hinsicht an die zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmten Räume zu stellen waren. Die Wohnungsaufsicht achtet auf die Durchführung dieser Normen, indem sie die Zustände an Ort und Stelle berichtigt, und gestaltet sich zur Wohnungspflege aus, indem sie dem Mieter wie dem Vermieter in allen Wohnungsverhältnissen mit Rat und Tat zur Seite (steht) [sic!] und sittenwidrige oder gesundheitsgefährdende Mißstände, wenn irgend möglich, nur im höchsten Notfalle mit Hilfe polizeilicher Gewalt zu beseitigen strebt."89

Die Mindeststandards wurden dabei auf der Basis hygienischer Forschungen aufgestellt, wie z. B. Mindestluftinhalt der Wohnung in m3 , Mindestmaß der Beleuchtung, Mindestzahl von Aborten pro Zahl der Hausbewohner, Verbot von Keller- und Dachwohnungen usw.90 1913 besaßen etwa 30 deutsche Großstädte eine kommunale Wohnungsinspektion bzw. ein Wohnungsamt, dem gleichzeitig die Vermittlung oblag und das vor allem das Schlafstellenwesen zu bekämpfen hatte.


[87 Sachße, Chr./Tennstedt, F., Geschichte der Armenfürsorge in Deutschland, Bd. 2, Fürsorge und Wohlfahrtspflege 1871- 1929, Stuttgart/Berlin /Köln /Mainz 1988, S. 28.]

88 Ebenda, S. 36; vgl. allgemeiner Labisch, A., Hygiene ist Moral - Moral ist Hygiene, in: Sachße, Chr.(Tennstedt, F. (Hrsg.), Soziale Sicherheit und soziale Disziplinierung, Frankfurt a. M. 1986, s. 265 ff.

89 Sachße Ch./Tennstedt, F., Geschichte der Armenfürsorge in Deutschland. Vom Spätmittelalter bis zum 1. Weltkrieg, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1980, S. 36.

90 Sachße Ch./Tennstedt, F., ebenda, die ergänzend auf einen - parallel zur Gesundheits-, Kinder- und Jugendfürsorge - statffindenden [sic!] Professionalisierungsprozeß hinweisen: Der Prozeß der Ausdifferenzierung ist zugleich einer der Verfachlichung und Verberuflichung, wobei die Standards im wesentlichen von der Hygiene formuliert wurden. Angesichts der materiellen gesellschaftlichen Verhältnisse blieb die praktische Wirksamkeit der Wohnungsfürsorge jedoch in engen Grenzen.

Die Wohnungsreform erstreckte sich von einer zunehmenden öffentlichen Förderung des (Klein-)Wohnungsbaues, vor allem der gemeinnützigen Baugesellschaften und Baugenossenschaften, bis zum Erlaß von Wohnungsordnungen und der geregelten Durchführung einer Wohnungsaufsicht.92 Bei der Wohnungsaufsicht wiederum zeigt sich der Einfluß der Hygienebewegung des 19. Jahrhunderts besonders deutlich. Sie entwickelte sich von einer zunächst polizeilichen Ordnungsmaßnahme zunehmend zu einer auf Verhaltensänderung der Bewohner abzielenden Beratungs- und Betreuungstätigkeit. Kommunale Wohnungsordnungen stellten "die Mindestforderungen fest, die in gesundheitlicher wie sittlicher Hinsicht an die zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmten Räume zu stellen (waren). Die Wohnungsaufsicht achtet auf die Durchführung dieser Normen, indem sie die Zustände an Ort und Stelle berichtigt, und gestaltet sich zur Wohnungspflege aus, indem sie sich dem Mieter wie dem Vermieter in allen Wohnungsverhältnissen mit Rat und Rat [sic!] zur Seite (stellt) und sittenwidrige oder gesundheitsgefährdende Mißstände, wenn irgend möglich, durch gütlichen Zuspruch, nur im höchsten Notfalle mit Hilfe polizeilicher Gewalt zu beseitigen strebt."93

Die Mindeststandards wurden dabei auf der Basis hygienischer Forschungen aufgestellt, wie z. B. Mindesluftinhalt [sic] der Wohnung in Kubikmeter, Mindestmaß der Beleuchtung, Mindestzahl von Aborten pro Zahl der Hausbewohner, Verbot von Keller und Dachwohnungen etc. [...] 1913 besaßen etwa 30 deutsche Großstädte eine kommunale Wohnungsinspektion bzw. ein Wohnungsamt, dem gleichzeitig die Vermittlung oblag, und das vor allem das Schlafstellenwesen zu bekämpfen hatte. [...] So zeigen sich auf dem Gebiet der Wohnungsfürsorge ganz ähnliche Entwicklungstendenzen wie bei der Gesundheits-, Kinder- und Jugendfürsorge: der Prozeß der Ausdifferenzierung ist zugleich einer der Verfachlichung und Verberuflichung, wobei die Standards im wesentlichen von der Hygiene formuliert wurden. Angesichts der materiellen gesellschaftlichen Verhältnisse blieb die praktische Wirksamkeit der Wohnungsfürsorge jedoch in engen Grenzen: [...]


92 Vgl. v. Kalckstein 1907

93 Most 1913, Bd. 2, S. 59

Anmerkungen

Der Autor beruft sich in den Fußnoten 89/90 explizit auf den ersten Band von Sachße/Tennstedt, obwohl er aus dem zweiten Band übernimmt (und auch die Seitenzahl im zweiten Band angibt, von der die Textstelle stammt). Dabei verfälscht er das Zitat, das er aus der Quelle übernommen hat (und dieser fälschlicherweise zuschreibt) an zwei Stellen. Theoretisch kann auch Sachße/Tennstedt das Original falsch zitiert und der Autor dies dann richtig gestellt haben. Da aber nur auf Sachße/Tennstedt verwiesen wird und auch im Anbetracht der großflächigen wortwörtlichen Übernahmen aus Sachße/Tennstedt ist es allerdings eher unwahrscheinlich, dass die Originalquelle recherchiert wurde.

Der letzte Satz ist komplett ohne Quellenhinweis übernommen.

Sichter
(Yacay), Hindemith

[5.] Fws/Fragment 287 103 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-10-11 11:57:27 Klgn
BauernOpfer, Fragment, Fws, Gesichtet, SMWFragment, Sachße Tennstedt 1988, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Yacay
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 287, Zeilen: 103-117
Quelle: Sachße Tennstedt 1988
Seite(n): 139/140, Zeilen: 139: letzte Zeile; 140: 1ff
----

92 Die "Bekanntmachung über Maßnahmen gegen Wohnungsmangel" v. 23. Sept. 1918 (RGBl 1918, S. 1143) gab den Gemeinden die Möglichkeit, ungenutzte Räume jeder Art zur Unterbringung Wohnungssuchender in Anspruch zu nehmen oder Teile von benutzten Wohnungen zu beschlagnahmen. Die Vorschriften über die Zwangsbewirtschaftung wurden in der Folge mehrfach geändert und erhielten schließlich die Form des Wohnungsmangelgesetzes vom 26. Juli 1923 (RGBl 1923 I, S. 754); vgl. Schwan, B., Die Wohnungsnot und das Wohnungselend in Deutschland, Berlin 1929, passim. Für die Entwicklung des kommunalen Wohnungswesens war der Erlaß des Preußischen Wohnungsgesetzes v. 28. März 1918 von besonderer Bedeutung. Eine reichseinheitliche Wohnungsgesetzgebung fehlte bis dahin und kam auch später nicht zustande, so daß die gesetzliche Regelung im größten Land der Weimarer Republik eine prägende Wirkung für die Ausgestaltung des öffentlichen Wohnungswesens im gesamten Reich hatte; so Sachße, Chr./Tennstedt, F., Geschichte der Armenfürsorge in Deutschland, Bd. 2, Fürsorge und Wohlfahrtspflege 1871-1929, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1988, S. 140, mit Angaben aus Gut, A., Wohnungsaufsicht und Wohnungspflege in: Albrecht, G. (Hrsg.), Handwörterbuch des Wohnungswesens, Jena 1930, S. 779 ff.

Die "Bekanntmachung über Maßnahmen gegen

[Seite 140]

Wohnungsmangel" vom 23. September 1918321 gab den Gemeinden die Möglichkeit, unbenutzte Räume jeder Art zur Unterbringung Wohnungssuchender in Anspruch zu nehmen oder Teile von benutzten Wohnungen zu beschlagnahmen. Die Vorschriften über die Zwangsbewirtschaftung wurden in der Folge mehrfach geändert und erhielten schließlich die Form des Wohnungsmangelgesetzes vom 26. Juli 1923.322

[...]

Für die Entwicklung des kommunalen Wohnungswesens war der Erlaß des Preußischen Wohnungsgesetzes vom 28. März 1918 von besonderer Bedeutung. Eine reichseinheitliche Wohnungsgesetzgebung fehlte bislang (und kam auch später nicht zustande), so daß die gesetzliche Regelung im größten deutschen Land eine prägende Wirkung für die Ausgestaltung des öffentlichen Wohnungswesens im gesamten Reich hatte.326


321 RGBl 1918, S. 1143. Eine empirische Darstellung der Wohnungsnot in der Weimarer Zeit geben Denkschrift 1922 und Schwan 1929. Für München vgl. die gründliche Darstellung von Geyer 1986

322 RGBl 1923 I, S. 754


[...]

326 Ein Überblick über die Gesetzgebung der deutschen Länder auf diesem Gebiet findet sich bei Gut 1930 c, S. 781

Anmerkungen

Der Autor übernimmt Bewertungen wortwörtlich und ohne Anführungszeichen. Es gibt zwar einen Quellenhinweis auf Sachße/Tennstedt, aber dieser scheint sich nur auf die zweite Hälfte der Fußnote zu beziehen. Auch die Originalquellen werden aus Sachße/Tennstedt übernommen - in einem Fall mit abweichender Seitenzahl (779ff vs. 781)

Sichter
(Yacay), Hindemith

[6.] Fws/Fragment 288 103 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-10-09 00:21:26 Kybot
Fragment, Fws, KeineWertung, SMWFragment, Sachße Tennstedt 1988, Schutzlevel, ZuSichten

Typus
KeineWertung
Bearbeiter
Yacay
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 288, Zeilen: 103-111
Quelle: Sachße Tennstedt 1988
Seite(n): 145, Zeilen: 0
95 Das RMdJ gab die Kompetenz für die Armenfürsorge nur ungern ab. Nach einem bei Sachße. Chr./Tennstedt, F. (Geschichte der Armenfürsorge in Deutschland, Bd. 2, Fürsorge und Wohlfahrtspflege 1871- 1929, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1988, S. 145) wiedergegebenen Bericht eines hohen Ministerialbeamten des RMdJ stieß die neue Ressortzuordnung im Innenministerium auf Ablehnung, weil nur durch die Nähe der Armenfürsorge zur inneren Verwaltung (Polizei!) "das Gefühl der Verantwortung des Einzelnen für seine wirtschaftliche Selbsterhaltung" gegenüber den Gefahren der Arbeitsscheu und des liederlichen Lebenswandels gestärkt werden könne und daß die "Volkstümlichkeit des Reichsministeriums des Innern gefährdet" sei, wenn es nur Polizei- und keine Wohlfahrtskompetenz habe. Das RMdI bzw. dessen konservativer Ministerialdirektor Bruno Dammann, gab die Kompetenz für die Armenfü[r]sorge nur ungern ab.352 Er argumentierte dabei u. a., daß nur durch Nähe der Armenfürsorge zur inneren Verwaltung (Polizei!) "das Gefühl der Verantwortung des einzelnen für seine wirtschaftliche Selbsterhaltung" gegenüber den Gefahren der Arbeitsscheu und des liederlichen Lebenswandels gestärkt werden könne (polizeilicher Arbeitszwang, Freizügigkeit) und daß die "Volkstümlichkeit des Reichsministeriums des Innern gefährdet" sei, wenn es nur Polizei- und keine Wohlfahrtskompetenz habe.353

352 Vgl. zu diesem Labisch/Tennstedt 1985, S. 61 ff. und 396 ff.

353 Argumentation nach ZStA Potsdam RAM 9258, vgl. auch die jeweiligen Denkschriften über die Zuständigkeit für das Armenwesen BA Koblenz R 43 I 1842

Anmerkungen

Der Verfasser gibt korrekt die Quelle für die wörtlichen Zitate an. Er übernimmt nur in kleinem Umfang auch kommentierenden Text von Sachße/Tennstedt ("Polizei!"). Aus dem RMdI macht er das RmdJ - ein zweifacher Tippfehler?

Sichter
(Yacay)

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