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Quelle:Mah/Beck 1998

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Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Ulrich Beck
Titel    Wie wird Demokratie im Zeitalter der Globalisierung möglich? - Eine Einleitung
Sammlung    Politik der Globalisierung
Herausgeber    Ulrich Beck
Ort    Frankfurt am Main
Verlag    Suhrkamp Verlag
Jahr    1998
Seiten    7-66
Umfang    421 S.
ISBN    3-518-40915-8
URL    http://www.thomasfleiner.ch/files/categories/Fernuniversit%E4t_Materialien/U.Beck_Politik%20der%20Globalisierung_1998.pdf

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    ja
Fragmente    24


Fragmente der Quelle:
[1.] Mah/Dublette/Fragment 005 05 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-11-14 16:50:35 Klgn
Beck 1998, Fragment, KeineWertung, Mah, SMWFragment, Schutzlevel, ZuSichten

Typus
KeineWertung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 5, Zeilen: 5-14
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 18, Zeilen: 23-26, 27-28, 32-37
Eine andere wichtigere Frage, die hier auch aufgegriffen werden soll, ist die Frage des Demokratie- Dilemmas: [sic!] die territorial gebundene und begründete parlamentarische Demokratie verliert an Substanz, während die Gestaltungsmacht transnationaler Politik ohne demokratische Legitimation wächst.

Es entstehen dadurch neuartige Formen des „Regierens ohne Regierung“. Die transnationale [sic!] Organisationen und die westliche Welt regieren unter den Fahnen der Menschenrechten [sic!] und des freien Welthandels in die ehemals inneren Angelegenheiten anderer Staaten hinein. Im Zuge der neuen Sprache ethischer Globalisierung werden die Souveränitätsrechte der nationalstaatlichen Moderne entkernt und dem Zugriff „globaler Verantwortung“ geöffnet.

Die territorial gebundene und begründete parlamentarische Demokratie verliert an Substanz, während die Gestaltungsmacht transnationaler »Politik« ohne demokratische Legitimation wächst: Demokratie-Dilemma.

Viertens Regieren jenseits des Nationalstaates. Es entstehen neuartige Formen des »Regierens ohne Regierung«. Das heißt; mit der präzise beschreibbaren Unschärfe der Globalität eröffnet sich ein eigenständiger transnationaler Raum politischer Organisation. [...]

Fünftens Kosmopolitische Ethik als Machtpolitik: Der Westen und die supranationalen Organisationen regieren unter den Fahnen der Menschenrechte und des freien Welthandels in die ehemals »inneren Angelegenheiten« anderer Staaten hinein. Im Zuge der neuen Sprache ethischer Globalisierung werden die Souveränitätsrechte der nationalstaatlichen Moderne entkernt und dem Zugriff »globaler Verantwortung« geöffnet.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme.

Der Verfassser kündigt in seinem Einführungsteil an, sich im Teil 5 seiner Arbeit u.a. mit Fragen zu beschäftigen, mit denen sich auch der Soziologe Ulrich Beck auseinandergesetzt hat, und skizziert zunächst (S. 4 f.) knapp dessen Position. Dem Leser bleibt indes verborgen, dass Teile seiner darauf folgenden Ausführungen von Beck abgeschrieben wurden.

Sichter
(Schumann)

[2.] Mah/Fragment 005 05 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-11-13 22:41:58 Singulus
Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 5, Zeilen: 5-14
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 18, Zeilen: 23-28, 31-37
Eine andere wichtigere Frage, die hier auch aufgegriffen werden soll, ist die Frage des Demokratie- Dilemmas: [sic] die territorial gebundene und begründete parlamentarische Demokratie verliert an Substanz, während die Gestaltungsmacht transnationaler Politik ohne demokratische Legitimation wächst.

Es entstehen dadurch neuartige Formen des „Regierens ohne Regierung“. Die transnationale [sic] Organisationen und die westliche Welt regieren unter den Fahnen der Menschenrechten [sic] und des freien Welthandels in die ehemals inneren Angelegenheiten anderer Staaten hinein. Im Zuge der neuen Sprache ethischer Globalisierung werden die Souveränitätsrechte der nationalstaatlichen Moderne entkernt und dem Zugriff „globaler Verantwortung“ geöffnet.

Die territorial gebundene und begründete parlamentarische Demokratie verliert an Substanz, während die Gestaltungsmacht transnationaler »Politik« ohne demokratische Legitimation wächst: Demokratie-Dilemma.

Viertens Regieren jenseits des Nationalstaates: Es entstehen neuartige Formen des »Regierens ohne Regierung«. [...]

[...] Der Westen und die supranationalen Organisationen regieren unter den Fahnen der Menschenrechte und des freien Welthandels in die ehemals »inneren Angelegenheiten« anderer Staaten hinein. Im Zuge der neuen Sprache ethischer Globalisierung werden die Souveränitätsrechte der nationalstaatlichen Moderne entkernt und dem Zugriff »globaler Verantwortung« geöffnet.

Anmerkungen

Im Text wird auf keine Übernahme hingewiesen.

Sichter
(Graf Isolan), Schumann, Klicken

[3.] Mah/Fragment 158 03 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-08 13:46:42 Schumann
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 158, Zeilen: 3-11, 14-29
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 9, Zeilen: 9: 8-14, 31-38 - 10: 1-13
Auch die Gruppen, die Systemveränderung propagieren, sind andere. Nicht das Proletariat oder die Kommunisten oder die kritischen Intellektuellen, sondern eine unfreiwillige, verdeckte, weltweite Koalition der Gegensätze: transnationale Konzerne, transnationale soziale Bewegungen sowie transnationale Experten in internationalen Organisationen.338

Die Systemveränderung bzw. Systemtransformation der 1990er Jahre bringt selbst die Augen der neoliberalen Weltmarktverbesserer zum Glänzen. Niederlage und Sieg der Marxschen Analyse sind – hundertfünfzig Jahre nach dem Erscheinen des kommunistischen Manifests- ununterscheidbar geworden. [...] Man kann sogar sagen, dass die Niederlage als Sieg exekutiert wird: Marx ist überflüssig geworden, weil er marxlos in aller Munde ist. Globalisierung ist auch „ein anderes Wort für Kapitalmarxismus ohne Marx.“340

Weil mit dem Begriff der Globalisierung auch das Pro und Kontra einer Systemveränderung im politischen Sinne verhandelt wird, tobt um die Globalisierungsfrage versetzte Debatte, die verspätete Debatte ist. Wer den guten alten Sozialstaat und / oder Nationalstaat verteidigt, stellt in Frage, was diesen in Frage stellt: Globalisierung.

Umgekehrt steht derjenige, der die Herausforderung der Globalisierungsfrage (an)erkannt [sic], vor der Alternative: Entweder er gibt die heilige Allianz von Nation, Nationalwirtschaft, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit preis und macht sich so der Kumpanei mit dem neoliberalen Verrat an der politischen Idee Europas schuldig. Oder er stellt die Frage: wie wird Demokratie im Zeitalter der Globalisierung möglich? Deutet dies darauf hin, dass die Theorien der Postmoderne und die Systemtheorie mit der Geste des großen Gedankens das Ende der Politik verkündet haben?


338 Vgl. Ebd., S. 9ff.

340 Beck, Ulrich( Hrsg.) [sic]: Ebd., S. 9.

[Seite 9]

Auch die Gruppen, die sie propagieren, sind andere. Nicht das Proletariat oder die Kommunisten oder die kritischen Intellektuellen, sondern eine unfreiwillige, verdeckte, weltweite Koalition der Gegensätze: transnationale Konzerne, transnationale soziale Bewegungen sowie transnationale Experten in internationalen Organisationen. Die Systemveränderung der neunziger Jahre bringt selbst die Augen der neoliberalen Weltmarktverbesserer zum Glänzen.

[...]

Niederlage und Sieg der Marxschen Analyse sind - hundertfünfzig Jahre nach dem Erscheinen des Kommunistischen Manifests - ununterscheidbar geworden. Man kann sogar sagen, daß die Niederlage als Sieg exekutiert wird: Marx ist überflüssig geworden, weil er marxlos in aller Munde ist. Globalisierung ist auch ein anderes Wort für Kapitalmarxismus ohne Marx.

Da mit der Worthülse »Globalisierung« auch das Pro und Kontra einer Systemveränderung in diesem politisch hochambivalenten

[Seite 10]

Sinne verhandelt wird, tobt um die Globalisierungsfrage eine versetzte Debatte. Wer den guten alten Sozialstaat und/oder Nationalstaat verteidigt, stellt in Frage, was diesen in Frage stellt: Globalisierung. Umgekehrt steht derjenige, der die Herausforderung der Globalisierungsfrage (an)erkennt, vor der Alternative: Entweder er gibt die heilige Allianz von Nation, Nationalökonomie, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit preis und macht sich so der Kumpanei mit dem neoliberalen Verrat an der politischen Idee Europas schuldig. Oder aber er stellt die Frage: Wie wird Demokratie im Zeitalter der Globalisierung möglich? Und dies in einem historischen Augenblick, in dem die Theorien der Postmoderne und die Systemtheorie mit der Geste des großen Gedankens, der keinen Widerspruch duldet, das Ende der Politik verkündet haben.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet. Eine kleine Wortgruppe wird mit Fn. 340 korrekt als wörtliches Zitat ausgewiesen - dass der Text davor und danach aber ebenfalls ausführlich und weitestgehend wörtlich aus der Quelle übernommen wurde, bleibt dem Leser verborgen.

Die Eigenleistung des Verfassers auf dieser Seite besteht (von der Ausbeutung der Beckschen Vorlage abgesehen) in der Ersetzung des Wortes "Nationalökonomie" durch "Nationalwirtschaft" und der Umformulierung einer (ungekennzeichneten) Aussage Becks als Frage.

Sichter
(Schumann) Singulus

[4.] Mah/Fragment 160 06 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-08 13:54:01 Schumann
Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 160, Zeilen: 6-10
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 12, Zeilen: 18-23
Der Raum der Gesellschaft wird nicht mehr durch Anwesenheiten an einem Ort definiert und begrenzt, was sich von vormodernen Epochen unterscheidet. Das heißt, geographische und soziale Nähe fallen auseinander bzw. bedeutet dies die Entterritorialisierung des Sozialen. Daß der Raum der Gesellschaft nicht mehr durch Anwesenheit an einem Ort definiert und begrenzt wird, ist eine Schlüsselerfahrung der modernen Gesellschaft, wodurch diese sich von vormodernen Epochen unterscheidet. Das bedeutet: geographische und soziale Nähe fallen auseinander.
Anmerkungen

Der Verfasser referiert die Positionen Albrows in dessen Buch "Abschied vom Nationalstaat" - ohne Hinweis, sich hierbei auf die Ausführungen Becks zu stützen.

Sichter
(Schumann) Singulus

[5.] Mah/Fragment 162 17 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-11-16 18:10:36 Singulus
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 162, Zeilen: 17-24
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 13, 17, Zeilen: 13: 33-35, 17: 19-25
Tatsächlich regiert in den Sozialwissenschaften nach wie vor ein heimlicher Hegelianismus, der die bürgerliche Gesellschaft aus dem Ordnungsanspruch des Staates hervorgehen sieht. Genau das meint die These vom Territorial-Bias der Sozialwissenschaften: Nur unter der Bedingung, dass die sozialräumliche Organisationen [sic] sozialer Beziehungen mit dem staatlich kontrollierten Territorium gleichgesetzt wird, lassen sich Gesellschaft, Kultur, Demokratie und Wirtschaft als zugleich zusammengehörige und funktional differenzierte Sektoren innerhalb einer [sic] Ganzen begreifen und organisieren.350

350 Vgl. Beck, Ulrich( Hrsg.) [sic]: Politik der Globalisierung, a. a. O., S. 17.

[Seite 13]

Tatsächlich regiert in den Sozialwissenschaften nach wie vor ein heimlicher Hegelianismus, der die (bürgerliche) Gesellschaft aus dem Ordnungsanspruch des Staates hervorgehen sieht.

[Seite 17]

Genau das meint die These vom Territorial-Bias der Sozialwissenschaften: Nur unter der Bedingung, daß die sozialräumliche Organisation sozialer Beziehungen mit dem staatlich kontrollierten Territorium gleichgesetzt wird, lassen sich »Gesellschaft«, »Kultur«, »Demokratie« und »Ökonomie« als zugleich zusammengehörige und funktional differenzierte Sektoren innerhalb eines Ganzen begreifen und organisieren.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Dass der erste vom Verfasser wörtlich übernommene Satz bei Beck auf Seite 13 zu finden ist, erfährt der Leser auch nicht.

Sichter
(Schumann) Klgn

[6.] Mah/Fragment 164 05 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-08 22:46:01 Schumann
Beck 1998, Fragment, Gesichtet, KeineWertung, Mah, SMWFragment, Schutzlevel

Typus
KeineWertung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 164, Zeilen: 5-6
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 17, Zeilen: 26-27
Man kann Globalisierung leugnen, bekämpfen oder bejubeln, jenseits aller Bewertungen geht es um diese starke Theorie:

„Ein territorial fixiertes Epochenbild des Sozialen, welches die politische, soziale und wissenschaftliche Imagination im Großen und Kleinen zwei Jahrhunderte lang in Bann geschlagen und beflügelt hat, löst sich auf. Dem globalen Kapitalismus entspricht ein Prozess kultureller und politischer Globalisierung, der das Ordnungsprinzip territorialer Vergesellschaftung und des kulturellen Wissens, auf denen die vertrauten Selbst- und Weltbilder beruhen, aus den Fugen geraten lässt.“356


356 Beck, Ulrich (Hrsg.): Politik der Globalisierung, a. a. O., S. 17.

Man kann Globalisierung leugnen, bekämpfen oder bejubeln, jenseits aller Bewertungen geht es um diese starke Theorie: Ein territorial fixiertes Epochenbild des Sozialen, welches die politische, soziale und wissenschaftliche Imagination im Großen wie im Kleinen zwei Jahrhunderte lang in Bann geschlagen und beflügelt hat, löst sich auf. Dem globalen Kapitalismus entspricht ein Prozeß kultureller und politischer Globalisierung, der das Ordnungsprinzip territorialer Vergesellschaftung und des kulturellen Wissens, auf denen die vertrauten Selbst- und Weltbilder beruhen, aus den Fugen geraten läßt.
Anmerkungen

Der Verfasser zeigt hier, dass er um das Kennzeichnungsgebot für übernommene Inhalte weiß. Dem Leser bleibt jedoch verborgen, dass auch bereits seine "Anmoderation" des (inhaltlich fast korrekten) Direktzitats wortwörtlich der Quelle entnommen wurde.

Aufgrund der relativen Kürze der betroffenen Textpassage unter "keine Wertung" eingestuft.

Sichter
(Schumann) Singulus

[7.] Mah/Fragment 165 02 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-08 17:18:26 Schumann
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 165, Zeilen: 2-8.(9-11).12-15
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 32, 33, Zeilen: 32: 15-20; 33: 2-14
Während im Rahmen der demokratischen Legitimation nationalstaatliche [sic] Politik zunehmend Nicht-Entscheidungen politisch legitimiert werden, werden im transnationalen Rahmen der Nicht-Politik nicht demokratisch legitimierte Entscheidungen von transnationaler Reichweite und Durchschlagskraft getroffen.357

Aus dem Demokratie-Dilemma gibt es im Zeitalter der Globalisierung so leicht kein Entkommen. Einerseits kann es nicht ohne weiteres in Richtung auf eine „kosmopolitische Demokratie“ aufgelöst werden.

„Der Zentralbegriff der Demokratie ist Volk, nicht Menschheit“, polemisierte Carl Schmitt. „Es gibt, wenn Demokratie überhaupt eine politische Form sein soll, nur eine Volks- und keine Menschheitsdemokratie.“358

Das ist zwar in dieser Form problematisch, verweist aber auf das zentrale Problem. Ohne ein politisch starkes weltbürgerliches Selbstbewusstsein und entsprechende Institutionen einer globalen Zivilgesellschaft und Weltöffentlichkeit bleibt –bei [sic] aller institutionellen Phantasie- [sic] die weltbürgerliche Demokratie eine notwendige Idee.359


357 Vgl. Ebd., S. 32.

358 Schmitt, Carl: Verfassungslehre (1928), Berlin 1983, S. 234, zit. nach Beck, Ulrich (Hrsg.): Politik der Globalisierung, a. a. O., S. 33., zu der schmittischen Tradition eines politischen Völkerrechtes siehe die Discussion Paper No. 17 von Ralph Rotte: die Diskussion um Legalität und legitimität des „Demokratischen Interventionismus“ im Lichte des Kosovo- und Irakkrieges von 1999 und 2003, Juni 2006, S. 17ff. In: http://www.ipw.rwth-aachen.de/for_paper.html, Zugriff am 15 August 2006.

359 Dazu siehe Shaw, Martin: Die Repräsentation ferner Konflikte und die globale Zivilgesellschaft. In: Beck, Ulrich (Hrsg.): Perspektiven der Weltgesellschaft, a. a. O., S. 221ff, am Ende dieses Unterkapitels werde ich auf das von Richter, Emanuel [sic] skizzierte Model [sic] der globalen Bürgergesellschaft im Weltsystem ausführlicher eingehen.

[Seite 32]

Dies zeigt sich auch im Demokratie-Dilemma: Während im Rahmen der demokratisch legitimierten, nationalstaatlichen Politik zunehmend Nicht-Entscheidungen politisch legitimiert werden, werden im transnationalen Rahmen der »Nicht-Politik« nicht demokratisch legitimierte Entscheidungen von transnationaler Reichweite und Durchschlagskraft getroffen.35

[Seite 33]

Aus diesem Demokratie-Dilemma gibt es im Zeitalter der Globalisierung so leicht kein Entkommen: Einerseits kann es nicht ohne weiteres in Richtung auf eine »kosmopolitische Demokratie« (David Held) aufgelöst werden. »Der Zentralbegriff der Demokratie ist Volk, nicht Menschheit«, polemisiert Carl Schmitt. »Es gibt, wenn Demokratie überhaupt eine politische Form sein soll, nur eine Volks- und keine Menschheits-Demokratie.«38 Das ist zwar so (apodiktisch) falsch, verweist aber auf das zentrale Problem: Ohne ein politisch starkes weltbürgerliches Selbstbewußtsein und entsprechende Institutionen einer globalen Zivilgesellschaft und Weltöffentlichkeit39 bleibt - bei aller institutionellen Phantasie - die kosmopolitische Demokratie eine (notwendige) Idee.


35 Siehe dazu U. Beck, Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt/M. 1986, S. 305.

38 C. Schmitt, Verfassungslehre (1928), Berlin 1983, S. 234.

39 Siehe dazu M. Shaw, Globale Zivilgesellschaft, Massenmedien, Krieg und politische Krisen, in: U. Beck (Hg.), Perspektiven der Weltgesellschaft, S. 221-255.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet - mit Ausnahme des nach Beck zitierten Schmitt-Zitats, das nicht in die Zeilenzählung aufgenommen wurde.

Sichter
(Schumann) Singulus

[8.] Mah/Fragment 166 10 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-08 17:49:07 Schumann
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 166, Zeilen: 10-30
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 33-34, Zeilen: 33: 25-34 - 34: 1-19
Auf der anderen Seite verkennen alle Versuche, deswegen die Arenen nationalstaatlicher Demokratie zum „Nonplusultra“ zu erklären, die Eigenrealität und Eigendynamik transnationaler Handlungs- und Machträume, Sachfragen, Konflikte etc. Sie verabsolutieren ferner das historische Institutionsbündnis [sic] von Nationalstaat, Nationalökonomie und parlamentarischer Demokratie zu einem notwendigen und daher nicht überwindbaren Zustand. Dies hat schließlich zur Folge, dass Positionen, die im ungebrochenen Selbstverständnis nationalstaatlicher Demokratie als „aufgeklärt links“ gelten konnten, sich im Horizont weltgesellschaftlicher Debatten und Herausforderungen leicht in einen „linken Protektionismus“ verwandeln können.361

Das ist etwa dann der Fall, wenn das Demokratiemonopol des Nationalstaates dazu verwendet wird, um die transnationale Nichtpolitik-Politik auf autonomieschonende Entscheidungen einzugrenzen und entsprechend festzuschreiben. Mit der Folge, dass der transnationale Entscheidungs- und Politikraum beispielsweise der Europäischen Union, aber auch internationale [sic] Organisationen ganz allgemein, dem Prinzip der „Nationalstaatsverträglichkeit“ unterworfen werden soll.362

Hier liegt die Frage nahe, ob hier nicht letztlich die gute Sache der Demokratie als Vorwand dient, um das Abwandern des Politischen aus dem Bezugsrahmen des Territorialstaates ins Transnationale mit seinen umstürzlerischen Folgen für die Politik und Gesellschaft zu ignorieren bzw. zu überspielen. Die Antwort auf das Demokratie- Dilemma [sic], die sich abzeichnet, sind Perspektiven einer [„postparlamentarischen Demokratie“, also eines Mega[sic]-Pluralismus der Demokratietheorie und demokratischer Institutionen.363]


360 Habermas, Jürgen: Jenseits des Nationalstaates? Bemerkungen zu Folgeproblemen der wirtschaftlichen Globalisierung. In: Beck, Ulrich (Hrsg.): Politik der Globalisierung, a. a. O., S. 77.

361 Vgl. Beck, Ulrich (Hrsg.): Politik der Globalisierung, a. a. O., S. 33f.

362 Vgl. Ebd.

363 Siehe dazu McGrew, Anthony: Demokratie ohne Grenzen? Globalisierung und die demokratische Theorie und Politk [sic]. In: Beck, Ulrich (Hrsg.): Ebd., S. 347ff.

[Seite 33]

Auf der anderen Seite verkennen alle Versuche, deswegen die Arenen nationalstaatlicher Demokratie zum non plus ultra zu erklären, die Eigenrealität und Eigendynamik transnationaler Handlungs- und Machträume, Sachfragen, Konflikte etc. Sie verabsolutieren ferner das historische Institutionenbündnis von Nationalstaat, Nationalökonomie und parlamentarischer Demokratie zu einem notwendigen und daher nicht überwindbaren Zustand. Dies hat schließlich zur Folge, daß Positionen, die im ungebrochenen Selbstverständnis nationalstaatlicher Demokratie als »aufgeklärt links« gelten konnten, sich im Horizont weltgesellschaftlicher De-

[Seite 34]

batten und Herausforderungen leicht in einen linken Protektionismus verwandeln können. Dies ist etwa dann der Fall, wenn das Demokratiemonopol des Nationalstaates dazu verwendet wird, um die transnationale Nicht-Politik-Politik auf »autonomieschonende Entscheidungen« (Fritz Scharpf) einzugrenzen und festzuschreiben.41 Mit der Folge: Der transnationale Entscheidungs- und Politikraum beispielsweise der Europäischen Union, aber auch internationaler Organisationen ganz allgemein, soll dem Prinzip der »Nationalstaatsverträglichkeit« unterworfen werden. Es liegt die Frage nahe, ob hier - gewollt oder ungewollt - nicht letztlich die gute Sache der Demokratie als Vorwand dient, um das Abwandern des Politischen aus dem Bezugsrahmen des Territorialstaates ins Transnationale mit seinen umstürzlerischen Folgen für Politik(theorie) und Gesellschaft(stheorie) zu ignorieren und zu überspielen.

Die Antwort auf das Demokratie-Dilemma, die sich abzeichnet, sind Perspektiven einer »postparlamentarischen Demokratie«, also eines Meta-Pluralismus der Demokratietheorie und demokratischer Institutionen.42


41 Siehe dazu F. Scharpf auch in diesem Band, S. 228 ff., sowie M. Zürn (1998), Teil II. Dabei zeichnet sich eine wichtige Kontroverse ab: Scharpf begründet seine Position mit dem Argument, daß internationale Organisationen nur zu einer Politik der Markt-Deregulierung in der Lage sind. Dem widerspricht Zürn mit Fallstudien einer Re-Regulierungspolitik am Beispiel internationaler Umwelt-Regime.

42 Siehe dazu D. Held, Democracy and Global Order, a. a. O.; sowie in diesem Band die Beiträge von A. McGrew und J. Goodman; ferner M. Zürn, Regieren jenseits des Nationalstaats, Teil III, Frankfurt/M. 1998; S. Andersen, T. R. Burus, The European Community and the Erosion of Parliamentary Democracy, in: Andersen/Eliassen (Hg.), European Union - How Democratic is it?, London 1995; R. Schmals-Bruns, Reflexive Demokratie, Baden-Baden 1995. U. Beck, Reflexive Demokratie, in: Beck/Giddens/Lash, Reflexive Modernisierung, a.a.O., S. 69-80.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Schumann) Singulus

[9.] Mah/Fragment 167 03 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-08 22:49:37 Schumann
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 167, Zeilen: 3-18, 24-30
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 34-35, Zeilen: 34: 19-29 - 35: 1-3, 13-19, 25-33
Es geht dabei darum, dass das Demokratiemonopol der parlamentarischen Demokratie gelockert wird und durch Bilder reflexiver Demokratie im Sinne pluraler demokratischer Akteure und Institutionen ersetzt wird. Dazu zählen zum Beispiel Modelle assoziativer Demokratie in dem Sinne, dass transnationale Organisationen durch unabhängige Ausschüsse ergänzt und kontrolliert werden, die pluralistisch besetzt sind, deren Entscheidungen dann für alle betroffenen Gruppen transparent zu machen wären. Andere fordern die Zulassung von Nichtregierungsorganisationen oder plädieren für das Instrument des transnationalen, im Grenzfall globalen Referendums, nicht nur um Schlüsselentscheidungen demokratisch zu öffnen, sondern auch um den Mangel an transnationaler Öffentlichkeit und Identität zu überwinden.364 Martin Albrow argumentiert sogar, dass so etwas wie ein Weltstaat- gerade nicht im Sinne eines globalen Territorialstaates, der kein Außen kennt- dann hervortritt, wenn das Individuum in seinem Handeln ein weltumspannendes Gemeingut- etwa die Erhaltung der Umwelt- berücksichtigt, es ist nichts anderes als das Struktur gewordene Selbstbewusstsein zahlloser Individuen.365

[...]

Es wird so möglich, Entscheidungen zu beeinflussen, nicht nur über nationalstaatliche Grenzen hinweg, und zwar direkt, ohne den Filter von Parteien, Parlamenten, Regierungen, sondern zugleich sogar in Fragen, die bislang hinter den verschlossenen Türen des Managements als dessen ureigenste Sache entschieden werden. Dies setzt sich aus Produkten, Lebens- und Arbeitsverhältnissen derjenigen, die diese Produkte hergestellt haben, sowie aus Art und Ausmaß des demokratischen Engagements des jeweiligen transnationalen Konzerns, zusammen.


364 Vgl. Beck, Ulrich (Hrsg.): Ebd., S. 34f.

365 Vgl. Albrow, Martin: Abschied vom Nationalstaat, a. a. O., S. 286ff.

[Seite 34]

Es geht dabei letztlich darum, daß das Demokratiemonopol der parlamentarischen Demokratie gelockert wird und - mindestens als Ubergangsvision - durch Bilder »reflexiver Demokratie« im Sinne pluraler demokratischer Akteure und Institutionen ersetzt wird. Dazu gehören zum Beispiel Modelle »assoziativer Demokratie« in dem Sinne, daß transnationale Organisation durch unabhängige Ausschüsse ergänzt und kontrolliert werden, die pluralistisch besetzt sind; deren Entscheidungen wären dann für alle betroffenen Gruppen transparent zu machen. Wieder andere fordern die Zulassung von Nichtregierungsorganisationen - oder plädieren für das Instrument des transnationalen, im Grenz-

[Seite 35]

fall globalen Referendums, nicht nur um Schlüsselentscheidungen demokratisch zu öffnen, sondern auch um den Mangel an transnationaler Öffentlichkeit und Identität zu überwinden.

[...] Wie Martin Albrow (in der Tradition Kants) argumentiert: So etwas wie ein »Welt-Staat« (gerade nicht im Sinne eines globalen Territorialstaates, der kein Außen kennt) tritt dann hervor, wenn das Individuum in seinem Handeln ein weltumspannendes Gemeingut - etwa die Erhaltung der Umwelt - berücksichtigt; es ist nicht anderes als das Struktur gewordene Selbstbewußtsein zahlloser Individuen.43

[...] Es wird so möglich, Entscheidungen zu beeinflussen, nicht nur über nationalstaatliche Grenzen hinweg, und zwar direkt ohne den Filter von Parteien, Parlamenten, Regierungen, zugleich sogar in Fragen, die bislang hinter den verschlossenen Türen des Managements als dessen ureigenste Sache entschieden wurden: Zusammensetzung von Produkten, Lebens- und Arbeitsverhältnisse derjenigen, die diese Produkte hergestellt haben, sowie Art und Ausmaß des demokratischen Engagements des jeweiligen transnationalen Konzerns.


43 Siehe M. Albrow, a.a.O., S. 266ff.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Auch wo sich der Verfasser hier auf Albrow zu beziehen vorgibt, bestreitet er seinen Diskurs nicht nur mit Becks Ausführungen sondern auch mit dessen Worten, worüber er den Leser aber im Dunkeln lässt.

Sichter
(Schumann) Singulus

[10.] Mah/Fragment 168 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-08 22:55:23 Schumann
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 168, Zeilen: 1-8
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 36, Zeilen: 9-18
Hier besteht die Gefahr darin, dass die Schleusen für demokratische Legitimation jenseits von bzw. ohne Parlamente geöffnet werden. Dies kann dazu führen, dass die Grenzen zwischen Demokratie und Nicht-Demokratie verschwimmen. Modelle [sic] kosmopolitischer Demokratie ist insofern eine Tendenz eigen, die Fahnen zukünftiger Demokratie nach dem Wind des höchst kritikwürdigen Status quo zu richten. Aber wie starke demokratische Institutionen jenseits der nationalstaatlichen parlamentarischen Demokratie möglich werden, bleibt eine offene Frage, die dringend einer öffentlichfachlichen [sic] Diskussion bedarf.367

367 Vgl. Beck, Ulrich (Hrsg.): Politik der Globalisierung, a. a. O., S. 35ff.

Hier werden auf die eine oder andere Weise die Schleusen für demokratische Legitimation jenseits von und ohne Parlamente geöffnet. Dies kann dazu (ver)führen, daß die Grenzen zwischen Demokratie und Nicht-Demokratie verschwimmen. Modellen kosmopolitischer Demokratie ist insofern (ungewollt) eine Tendenz eigen, die Fahnen zukünftiger Demokratie nach dem Wind des höchst kritikwürdigen Status quo zu richten. Das aber heißt: Wie starke demokratische Institutionen jenseits der nationalstaatlichen parlamentarischen Demokratie möglich werden, bleibt eine offene Frage und dringend nötige Diskussion.
Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Schumann) Singulus

[11.] Mah/Fragment 174 03 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-08 22:57:51 Schumann
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 174, Zeilen: 3-16
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 19, 23, Zeilen: 19: 16-22 ; 23: 16-28
Dies ist eine der Merkwürdigkeiten der an Denkfallen reichen Globalisierungsdiskussionen: Obwohl alle und alles um die Fragen wirtschaftlicher Globalisierung kreist, ist im Zuge der Kontorversen [sic] zwischen Wirtschaftswissenschaften und- [sic] Historikern unklar geblieben oder geworden, ob und in welchem Sinne es überhaupt so etwas wie wirtschaftliche Globalisierung gibt.382

Vielleicht lässt sich ökonomische Globalisierung im Langzeitvergleich mit Hilfe makroökonomischer Daten immer noch leugnen, unbezweifelbar aber ist, dass wir in der Gegenwart mit der Wirklichkeit der Möglichkeit wirtschaftlicher Globalisierung in all ihren Dimensionen konfrontiert sind. Diese neue globale Unberechenbarkeit ist gemeint: Die „hergestellten Unsicherheiten“ der Weltrisikowirtschaft transformieren die Geschäftsgrundlage in allen sozialen Handlungsfeldern [sic] Denn diese sozial wahrgenommene Möglichkeit regiert in den Köpfen und Managementetagen wie in der verschreckten Öffentlichkeit und entfaltet so ihre eigene Unkontrollierbarkeit, ihr eigenes Machtspiel.383


382 Mehr dazu siehe die Debatte zwischen Hirst, Paul / Grahame, Thompson einerseits und Perraton, Jonathan / Goldblatt, David / Held, David und McGrew, Antony anderseits. In: Beck, Ulrich (Hrsg.): Politik der Globalisierung, a. a. O., S. 85ff, S. 134ff.

383 Vgl. Beck, Ulrich (Hrsg.): Ebd., S. 23.

[Seite 19]

Dies ist eine der Merkwürdigkeiten der an Denkfallen reichen Globalisierungsdebatte: Obwohl alle und alles - gerade in Deutschland - um die Fragen wirtschaftlicher Globalisierung kreist, ist im Zuge der Kontroversen zwischen Wirtschaftswissenschaftlern und -historikern unklar geblieben oder geworden, ob und in welchem Sinne es überhaupt so etwas wie wirtschaftliche >>Globalisierung<< (bislang) gibt?12

[Seite 23]

Vielleicht läßt sich ökonomische Globalisierung im Langzeitvergleich mit Hilfe makroökonomischer Daten immer noch leugnen, unbezweifelbar aber ist, daß wir von nun an mit der Wirklichkeit der Möglichkeit wirtschaftlicher Globalisierung in all ihren Dimensionen konfrontiert sind. Diese neue globale Unberechenbarkeit ist gemeint, wenn vom >>schwarzen Loch<< Globalisierung die Rede ist: Die >>hergestellten Unsicherheiten<< (Anthony Giddens) der Weltrisikowirtschaft transformieren die Geschäftsgrundlage in allen sozialen Handlungsfeldern. Denn diese sozial wahrgenommene Möglichkeit regiert - wie empirische Untersuchungen zeigen - in den Köpfen und Managementetagen wie in der verschreckten Öffentlichkeit und entfaltet so ihre eigene Unkontrollierbarkeit, ihr eigenes Machtspiel.


12 Siehe dazu die Debatte in diesem Band zwischen Paul Hirst/Grahame Thompson einerseits und Jonathan Perraton/David Goldblatt/David Held/Anthony McGrew andererseits. Ob diese Frage allerdings allein im Rückgriff auf empirische Daten entscheidbar ist, ist fraglich. Es wird in Zukunft darauf ankommen, Daten durch (gewagte) Theorien über Globalisierung überhaupt aussagekräftig zu machen.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Schumann) Singulus

[12.] Mah/Fragment 175 13 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-08 23:05:53 Schumann
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 175, Zeilen: 13-18, 21-29
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 26, Zeilen: 3-6, 12-27
Wer allerdings von den Gesetzen des Weltmarktes spricht, unterschlägt, dass grenzlose [sic] Märkte von Akteuren geschaffen und dominiert werden, für die nationalen [sic] Grenzen und Institutionen von vornherein Verhandlungssache sind. Wer den globalen Markt (verstehen) will, muss sich für die Fragen globaler Politik globaler Gesellschaft, globaler Kultur öffnen. Wie wird Gesellschaft als Weltgesellschaft möglich?385

„Denationalisierung“ ist für Ulrich Beck eine unweigerliche Begleiterscheinung der Globalisierung. „Globalisierung heißt: Denationalisierung. Nationalstaaten und ihre Regierungen verlieren an Handlungs- und Gestaltungsmacht“.386 Das wird meistens als große Gefahr dargestellt, weil politische Ziele nicht mehr erreicht und durchgesetzt werden können. Doch das Gegenteil ist auch der Fall, wie Michael Zürn argumentiert: So werden manche Ziele des Regierens heute besser erfüllt. Die gesellschaftliche Denationalisierung kann als ein wesentlicher Grund dafür gelten, dass die beiden größten Plagen des langen 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der OECD-Welt heute unwahrscheinlicher geworden sind: zwischenstaatliche Kriege und unmenschliche Freiheitsbeschneidungen durch totalitäre Staaten.387


385 Vgl. Beck, Ulrich (Hrsg.): Politik der Globalisierung, a. a. O., S. 26.

386 Ebd.

387 Vgl. Zürn, Michael: regieren [sic] jenseits des Nationalstaates, a. a. O., S. 69ff.

Wer von den »Gesetzen« des Weltmarktes spricht, unterschlägt, daß grenzenlose Märkte von Akteuren geschaffen und dominiert werden, für die nationale Grenzen und Institutionen von vornherein Verhandlungssache sind. [...] Wer den globalen Markt (verstehen) will, muß sich für die Fragen globaler Politik, globaler Gesellschaft, globaler Kultur öffnen: Wie wird »Gesellschaft« als Weltgesellschaft möglich?

Globalisierung heißt: Denationalisierung. Nationalstaaten und ihre Regierungen verlieren an Handlungs- und Gestaltungsmacht. Das wird meistens als große Gefahr dargestellt, weil politische Ziele nicht mehr erreicht und durchgesetzt werden können. Doch das Gegenteil ist auch der Fall, wie Michael Zürn argumentiert: So werden manche Ziele des Regierens heute besser erfüllt. Die gesellschaftliche Denationalisierung kann als ein wesentlicher Grund dafür gelten, daß die beiden größten Plagen des langen 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der OECD-Welt heute unwahrscheinlicher geworden sind: zwischenstaatliche Kriege und unmenschliche Freiheitsbeschneidungen durch totalitäre Staaten.24


24 Dazu M. Zürn, a.a.O., Teil II.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Mit Fn. 387 gibt der Verfasser vor, Zürn rezipiert zu haben, übernimmt aber (wortwörtlich) weiter aus Beck.

Das korrekt gesetzte Zitat (Fn. 386) wurde nicht in die Zeilenzählung einbezogen.

Sichter
(Schumann) Singulus

[13.] Mah/Fragment 176 10 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-11-16 16:13:49 WiseWoman
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 176, Zeilen: 10-18
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 26-26, Zeilen: 26: 28 - 27: 1-11
Im Zuge der Globalisierung verschärft sich das Dilemma zwischen nationaler Souveränität und transnationaler Zusammenarbeit. In einer Welt, in der Nationalstaaten transnationaler [sic] (Militär- und Sicherheits-) Bündnisse schließen müssen, ist die Einlösung des Souveränitätsversprechens an die Aufgabe des Souveränitätsversprechens gebunden. Hier verliert die scheinbar ewige Anarchie der Staaten als Quelle von Weltkriegen und Weltkonflikten an Bedeutung. Nicht weil Staaten dem Krieg abschwören, sondern weil sie ihre politische [sic] Ziele der Wohlfahrtssteigerung nur in Kooperation und Konkurrenz in den Kampfarenen der Weltwirtschaft verwirklichen können.390

390 Vgl. Beck, Ulrich (Hrsg.): Politik der Globalisierung, a. a. O., S. 26f.

[Seite 26]

Im Zuge der Globalisierung verschärft sich das Dilemma zwi-

[Seite 27]

sehen nationaler Souveränität und transnationaler Kooperation: In einer Welt, in der Nationalstaaten, wollen sie ihr Versprechen auf Sicherheit einlösen, transnationale (Militär- und Sicherheits-) Bündnisse schließen müssen, ist die Einlösung des Souveränitätsversprechens an die Aufgabe des Souveränitätsversprechens gebunden. Hier verliert die scheinbar ewige Anarchie der Staaten als Quelle von Weltkriegen und Weltkonflikten an Bedeutung - nicht weil Staaten dem Krieg abschwören, sondern weil sie ihre politischen Ziele der Wohlfahrtssteigerung nur in Kooperation und Konkurrenz in den Kampfarenen der Weltwirtschaft verwirklichen können.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Schumann) Klgn

[14.] Mah/Fragment 179 19 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-09 23:17:28 Schumann
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 179, Zeilen: 19-26
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 28, Zeilen: 5-15
Aber zugleich geraten die Machtbewegungen [sic] auch in einen eklatanten Widerspruch zu ihren ureigensten Interessen, weil sie Reichtum und Macht letztlich nur im Behaupten am Weltmarkt gewinnen können. Das bedeutet, dass um die Staatsziele Wohlfahrt und Demokratie zu erreichen, internationalen Konzernen, Kapital, Wissenseliten, globalen Informations- und Kulturströmen Tür und Tor geöffnet werden müssen. Auf dieser [sic] Weise könnten Identitäts- und Lebensformen entstehen [sic] die einem „Universalismus der Differenz“ entsprechen [sic] sich also schwer für Kollektiv-nationalistische [sic], militärische Ziele mobilisieren und ideologisieren lassen.398

398 Vgl. Ebd., S. 59ff.

Aber zugleich geraten diese Macht-die-Grenzen-dicht-Bewegungen auch in einen eklatanten Widerspruch zu ihren ureigensten Interessen, weil sie Reichtum und Macht nur im Behaupten am Weltmarkt gewinnen können. Das heißt: Um die Staatsziele Wohlfahrt und Demokratie zu erreichen, müssen internationalen Konzernen, Kapital, Wissenseliten, globalen Informations- und Kulturströmen Tor und Tür geöffnet werden. Auf diese Weise entstehen - langfristig! - Identitäts- und Lebensformen, die einem »Universalismus der Differenz«26 entsprechen, sich also schwerer für kollektiv-nationalistische, militärische Ziele mobilisieren und ideologisieren lassen.
Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Schumann) Singulus

[15.] Mah/Fragment 180 14 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-09 14:24:09 Schumann
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 180, Zeilen: 14-22
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 28, Zeilen: 16-26
Die Prämissen der bisherigen national bestimmten Weltpolitik - nationale Souveränität, ideologische Konkurrenz der Gesellschaftsbilder, nationaler [sic] Kollektivsobjekte [sic] und Identitäten verlieren im Zuge der verschiedenen Dimensionen der Globalisierung, insbesondere und vor allem der wirtschaftlichen Globalisierung, an Glaubwürdigkeit und Bedeutung, weil nationale Interessenverwirklichung Denationalisierung voraussetzt. Überall wächst in diesem nun wirklich globalen Transformationsprozess die Bedingung [sic] durch Gewaltphänomene, dass zentrale Kriegsursachen der nationalstaatlichen ersten Moderne in der konfliktvollen Vielfalt der transnationalen Weltgesellschaft der Zweiten moderne erodieren.402

402 Vgl. Beck, Ulrich (Hrsg.): Politik der Globalisierung, a. a. O., S. 28.

Also: Die Prämissen der bisherigen national bestimmten Weltpolitik - nationale Souveränität, ideologische Konkurrenz der Gesellschaftsbilder, nationale Kollektivsubjekte und Identitäten - verlieren im Zuge wirtschaftlicher Globalisierung an Glaubwürdigkeit, was - paradox genug - zu ideologischen Renationalisierungen führen kann. Überall wächst in diesem nun wirklich globalen Transformationsprozeß die Bedrohung durch Gewaltphänomene, aber vielleicht auch die skeptisch-realistische Hoffnung, daß zentrale Kriegsursachen der nationalstaatlichen Ersten Moderne in der konfliktvollen Vielfalt der transnationalen Weltgesellschaft der Zweiten Moderne erodieren.
Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Schumann) Singulus

[16.] Mah/Fragment 181 22 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-09 14:24:24 Schumann
Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 181, Zeilen: 22-30
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 29, Zeilen: 3-6, 16-21
Niklas Luhmann spricht seit Jahren von Weltgesellschaft. Entsprechend kritisiert er andere Autoren, weil sie immer noch an einem territorialen Begriff von Gesellschaft festhalten, der überdies das Homogenitätsideal ähnlicher Lebensverhältnisse unterstellt.405

Für Luhmann fallen die Grenzen des sozialen Systems Gesellschaft seit langem nicht mehr zusammen mit geographischen Grenzen. Dies folgt für ihn zwingend aus der Tatsache, dass die neuen Telekommunikationstechnologien die Grundeinheit sozialer Systeme bilden. In den meisten gesellschaftlichen Teilsystemen funktioniert Kommunikation über Ländergrenzen hinweg.


405 Vgl. Altvater/ Mahnkopf: Ebd., S. 29f.

Seit 25 Jahren spricht Niklas Luhmann von »Weltgesellschaft«. Entsprechend kritisiert er andere Autoren, weil sie immer noch an einem territorialen Begriff von Gesellschaft festhalten, der überdies das Homogenitätsideal ähnlicher Lebensverhältnisse unterstellt.

Für Luhmann fallen die Grenzen des sozialen Systems Gesellschaft seit langem nicht mehr zusammen mit geographischen Grenzen. Dies folgt zwingend aus der Tatsache, daß Kommunikation die Grundeinheit sozialer Systeme bildet. In den meisten gesellschaftlichen Teilsystemen funktioniert Kommunikation über Ländergrenzen hinweg.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Schumann) Singulus

[17.] Mah/Fragment 182 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-09 14:24:38 Schumann
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 182, Zeilen: 1-5
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 29, Zeilen: 24-30
[Weltweite Interaktion ist für Luhmann] prinzipiell dann möglich, wenn Menschen ihre Interaktionspartner unter allen Menschen wählen können, ohne dass Staatsgrenzen dies verhindern. Entsprechend konstatiert er das Entstehen einer weltweit öffentlichen Meinung, großräumiger, zum Teil weltweiter wirtschaftlicher Verflechtungen sowie einer auf Weltfrieden beruhenden durchgehenden Verkehrszivilisation.406

406 Vgl. Ebd. Mehr dazu siehe Luhmann, Niklas: Der Staat des politischen Systems. Geschichte und Stellung in der Weltgesellschaft. In: Beck, Ulrich (Hrsg.): Perspektiven der Weltgesellschaft, a. a. O., S. 373ff.

Weltweite Interaktion ist für Luhmann prinzipiell dann möglich, wenn Menschen ihre Interaktionspartner unter allen Menschen wählen können, ohne daß Staatsgrenzen dies verhindern. Entsprechend konstatiert er früh das Entstehen einer weltweit öffentlichen

Meinung, großräumiger, zum Teil weltweiter wirtschaftlicher Verflechtungen sowie einer auf Weltfrieden beruhenden durchgehenden Verkehrszivilisation.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Schumann) Singulus

[18.] Mah/Fragment 182 22 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-06 17:13:23 Schumann
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 182, Zeilen: 22-31
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 30, Zeilen: 30: 1-3, 20-27
Nach Luhmann erzwingt nicht nur der Begriff der Kommunikation, sondern auch die Theorie der funktionalen Differenzierung den Bezugsrahmen der Weltgesellschaft. Die funktionale Differenzierung der Weltgesellschaft macht sich fest an Wirtschaft, Wissenschaft, Recht usw. nicht aber an Politik. Nach Luhmann bleibt das Politikmonopol beim Territorialstaat, der zugleich im Globalisierungsprozess an Einfluss verliert.

Weltgesellschaft meint- im Sinne Luhmanns- also unpolitische Weltgesellschaft ohne Weltpolitik, ohne Weltparlament, ohne Weltregierung. So entsteht mit der Ausdifferenzierung der Weltgesellschaft das Bild einer nachpolitischen Welt.

Nun erzwingt nach Luhmann nicht nur der Grundbegriff der Kommunikation, sondern auch die Theorie der funktionalen Differenzierung den Bezugsrahmen der Weltgesellschaft. [...]

Die funktionale Differenzierung der Weltgesellschaft macht sich fest an Wirtschaft, Wissenschaft, Recht usw., nicht aber an Politik. Nach Luhmann bleibt das Politikmonopol beim Territorialstaat, der zugleich im Globalisierungsprozeß an Einfluß verliert. Weltgesellschaft meint also unpolitische Weltgesellschaft ohne Weltpolitik, ohne Weltparlament, ohne Weltregierung. So entsteht mit der Ausdifferenzierung der Weltgesellschaft das Bild einer nachpolitischen Welt.

Anmerkungen

Obwohl die Quelle am Ende des Absatzes auf der Folgeseite genannt wird, bleiben Art und Umfang der Übernahme ungekennzeichnet.

Sichter
(Schumann) Klgn

[19.] Mah/Fragment 183 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-08 23:10:23 Schumann
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 183, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 30, 31, 32, Zeilen: 30: 27-34 - 31: 1-9, 12-17, 24-37 - 32: 1-4
Fluchtpunkt ist die vollständig dezentrierte Weltgesellschaft, die in eine ungeordnete Menge von sich selbst reproduzierenden, sich selber steuernden Teilsystemen zerfällt. Politische Steuerung und demokratische Legitimation sind aus diesem Bild der Weltgesellschaft herausoperiert. Dagegen lassen sich drei Einwände formulieren:409

- Erstens bedingt nicht die Theorie funktionaler Differenzierung den ordnenden Zugriff des Territorialstaates? Diese Vermutung gewinnt in dem Maße an Plausibilität, in dem deutlich wird, dass die Ausdifferenzierung der Wirtschaft historisch nicht nur binnenorientiert möglichst [sic], sondern kulturelle Orientierungen ebenso voraussetzt wie ein bestimmtes Rechtssystem (zum Beispiel zivile Grundrechte), staatliches Gewaltmonopol usw. Insofern kann der moderne Staat historisch als Hintergrund-Garant funktionaler Differenzierung gelten, repräsentiert er doch eine sozialräumliche Organisation, in der alle Aspekte der Gesellschaftlichkeit auf dem Prinzip territorialer Souveränität beruhen.

- Zweitens ließe sich auf dieser Linie argumentieren, dass die funktional ausdifferenzierte Weltgesellschaft Luhmanns innerhalb einer Welt vernetzter Territorialstaaten entsteht- [sic] also der OECD-Welt hoch entwickelter Länder, die ihrerseits als Ausdruck der Territorialstaatsordnung gelten kann.

- Drittens verkennt die Rede von der nachpolitischen Weltgesellschaft, dass jenseits von Nationalstaaten eine Fülle von politischen Akteuren sich organisieren, quantitativ und qualitativ an Macht gewinnen. Auf dem neuen Kontinent des Transnationalen tummeln sich, wie erwähnt, nicht nur die Konzerne, sondern auch unterschiedliche Global Players wie supranationale Organisationen, die Kirchen, die EU, Nichtregierungsorganisationen sowie die Produzenten der globalen Kulturindustrie, welche die Phantasie der Menschen weltweit kolonialisieren. Sie alle gelten als unpolitisch, aber handeln in einem zentralen, neuen Sinne politisch, da sie die Machtverhältnisse, Lebensstille [sic], Arbeitsweisen, imaginären Welten der globalen Gesellschaftslandschaft- [sic] und damit auch der nationalen Gesellschaft- [sic] wesentlich mitgestalten.

Schließlich lässt sich sagen, dass die Weltgesellschaft Gesellschaft ohne Weltstaat und ohne Weltregierung heißt. Wenn man den Sachverhalt beispielsweise auf die transnational agierenden Konzerne bezieht, dann heißt dies, dass es kein [Ministerium für Weltwirtschaft geben kann.]


409 Vgl. Beck, Ulrich (Hrsg.): Politik der Globalisierung, a. a. O., S. 30ff.

[Seite 30]

Fluchtpunkt ist die vollständig dezentrierte Weltgesellschaft, die in eine ungeordnete Menge von sich selbst reproduzierenden, sich selber steuernden Teilsystemen zerfällt. Politische Steuerung und demokratische Legitimation sind aus diesem Bild der Weltgesellschaft herausoperiert.32 Dagegen lassen sich drei Einwände formulieren:

Erstens: Setzt nicht die Theorie funktionaler Differenzierung - entgegen ihrem Selbstverständnis - den ordnenden Zugriff des Ter-

[Seite 31]

ritorialstaates voraus? Diese Vermutung gewinnt in dem Maße an Plausibilität, in dem deutlich wird, daß die Ausdifferenzierung der Wirtschaft historisch gerade nicht nur binnenorientiert (»autopoietisch«) möglich ist, sondern kulturelle Orientierungen ebenso voraussetzt wie ein bestimmtes Rechtssystem (z. B. zivile Grundrechte), staatliches Gewaltmonopol usw. Insofern kann der moderne Staat historisch als Hintergrund-Garant funktionaler Differenzierung gelten. Repräsentiert er doch eine sozialräumliche Organisation, in der alle Aspekte der Gesellschaftlichkeit: [...] auf dem Prinzip territorialer Souveränität beruhen. Auf dieser Linie ließe sich argumentieren, daß die »funktional ausdifferenzierte Weltgesellschaft« Luhmanns innerhalb einer Welt vernetzter Territorialstaaten entsteht - also der OECD-Welt hochentwickelter Länder, die ihrerseits als Ausdruck der Territorialstaatsordnung gelten kann. [...]

Zweitens: Die Rede von der nachpolitischen Weltgesellschaft verkennt, daß jenseits von Nationalstaaten eine Fülle von politischen Akteuren sich organisieren, quantitativ und qualitativ an Macht gewinnen. Auf dem neuen Kontinent des Transnationalen tummeln sich, wie gesagt, nicht nur die Konzerne, sondern auch so unterschiedliche global players wie supranationale Organisationen, die Kirchen, die Europäische Union, Nichtregierungsorganisationen sowie die Produzenten und Homunkuli der globalen Kulturindustrie, welche die Phantasie der Menschen weltweit »kolonialisieren«33 Sie alle gelten als »unpolitisch«, aber handeln in einem zentralen, neuen Sinne »politisch«, da sie die Machtverhältnisse, Rechtsnormen, Lebensstile, Arbeitsweisen, imaginären Welten der globalen Gesellschaftslandschaft - und damit auch der nationalen Gesellschaften - wesentlich mitgestalten.

[Seite 32]

Wie ist das zu verstehen? Weltgesellschaft heißt »Gesellschaft« ohne Weltstaat und ohne Weltregierung. Auf die transnational agierenden Konzerne bezogen heißt das beispielsweise: Es kann kein Ministerium für Weltwirtschaft geben.


32 In seinem Beitrag Der Staat des politischen Systems in: Perspektiven der Weltgesellschaft versucht Luhmann allerdings, den Staatsbegriff aus der Territorialität zu lösen und auf den Rahmen der Weltgesellschaft zu beziehen.

33 Dazu später Abschnitt 6, S. 41 ff.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Schumann) Singulus

[20.] Mah/Fragment 184 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-08 22:34:26 Schumann
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 184, Zeilen: 1-6
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 32, Zeilen: 4-6, 9-14
Die Weltwirtschaft ist Spieler ohne Gegenspieler im Raum weltstaatlicher Politik. Transnationale Unternehmen sind in der Lage, die [sic] politische Macht von Nationalstaaten zu schöpfen und zu entfalten, im nationalen wie im transnationalen Rahmen. Die Weltgesellschaft erscheint als nachpolitische, ist aber gerade deswegen eine hochpolitische Welt in einem entbundenen Sinne. Die Weltwirtschaft ist Spieler ohne Gegenspieler im Raum weltstaatlicher Politik. Weltwirtschaftliche Akteure [...] sind in der Lage, aus eben diesem politischen Vakuum jenseits des Nationalstaates ihre »politische« Macht zu schöpfen und zu entfalten - im nationalen wie im transnationalen Rahmen. Das aber heißt: Die Weltgesellschaft erscheint als nachpolitisch, ist aber gerade deswegen eine hochpolitische Welt - in einem aus dem nationalstaatlichen Politikverständnis entbundenen Sinne.34
Anmerkungen

Die Quelle erfährt der Leser am Ende des Absatzes, nicht aber Art und Umfang der Übernahme - und daher auch nicht, dass der erste Satz wörtlich aus der Quelle abgeschrieben wurde.

Sichter
(Schumann) Singulus

[21.] Mah/Fragment 186 03 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-08 22:26:16 Schumann
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 186, Zeilen: 3-32
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 36-37, Zeilen: 36: 23-35 - 37: 1-24
Die internationalen Organisationen stellen- [sic] wie an verschiedenen Stellen in dieser Arbeit erwähnt wurde- [sic] die unverzichtbaren Strukturen und Quellen dar, auf denen internationale Zusammenarbeit beruht. Sie sind die neuste [sic] anerkannte und unterstützte Ebene der Regierung, die überdies am weitesten von den Menschen entfernt ist, denen sie dienen soll. Sie repräsentieren nicht die Vorläufer einer Weltregierung, sondern sie bilden den Rahmen für ein Weltsystem des Regierens, welches so etwas wie globale Gesellschaft überhaupt möglich wird [sic]. So viel aber ist klar, dass wenn man Politik mit kollektiv bindenden Entscheidungen gleichsetzt, in internationalen Organisationen Politik von großer Reichweite stattfindet. Denn hier werden jenseits demokratischer Öffentlichkeit und Kontrollen transnational bindende Entscheidungen erarbeitet.414

Man konnte dies am globalen Management der Finanzkrise in den Ländern Südostasiens Ende der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts studieren. Dort haben nationale Regierungen in ihren Ministerien und Parlamenten Programme und Gesetzte [sic] verabschiedet, die Gegenstand politischer Interessen waren. Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank, der Welthandelsorganisation (WTO), und viele andere mehr, flogen dort ein und gaben in wenigen Tagen einen völlig neuen Haushalt vor, in dem Subventionen gestrichen und Preise reguliert bzw. dereguliert wurden. Dies führte dazu, dass die politisch legitimierten nationalstaatlichen Akteure zu Ausführenden von Plänen und Vorgaben politisch nicht legitimierter transnationaler Akteure geworden sind. Diese müssen ihre nationale Souveränität preisgeben, um diese vielleicht wiederzugewinnen.

Was dies also bedeutet, ist- [sic] nach Beck- [sic] durchaus einer Unschärferelation unterworfen, die den Rahmen und Raum für eine besondere Art des Politischen eröffnet:415

- Erstens entsteht diese Unschärfe daraus, dass hier ein weltpolitischer Ordnungsrahmen fehlt, der nationalstaatlich untauglich wird. Globale Politik- [sic] wie sie in Gestalt von Abrüstungsvereinbarungen, internationalen Umweltregimes, der Einrichtung eines Weltgerichts oder im Rahmen der Weltbank, des IWF, der WTO etc.- [sic] ist alltäglich geworden und zwar schon [längst, kann nicht einfach als Verlängerung nationalstaatlicher Politik begriffen werden.]


414 Vgl. Beck, U. (Hrsg.): Politik der Globalisierung, a. a. O., S. 36ff.

415 Vgl. Ebd.

[Seite 36]

Diese stellen die unverzichtbaren Strukturen und Quellen dar, auf denen internationale Zusammenarbeit beruht. Sie sind die neueste, am wenigsten verstandene, anerkannte und unterstützte Ebene der Regierung - die überdies am weitesten von den Menschen entfernt ist, denen sie dienen soll. Sie repräsentieren nicht die Vorläufer einer Weltregierung, sondern sie bilden den Rahmen für ein Weltsystem des Regierens, durch welches so etwas wie globale Gesellschaft überhaupt möglich wird. So viel jedenfalls ist klar: Wenn man »Politik« gleichsetzt mit kollektiv bindenden Entscheidungen, findet in internationalen Organisationen »Politik« von großer Reichweite statt. Denn hier werden jenseits demokratischer Öffentlichkeit und Kontrollen transnational bindende Entscheidungen erarbeitet.

[Seite 37]

Man kann es im Januar 1998 am globalen Management der Finanzkrise in den Ländern Südostasiens studieren: Nationale Regierungen verabschieden in ihren Ministerien und Parlamenten Programme und Gesetze, die Gegenstand politischer Wahlen waren. Im Krisenfall aber fliegen Experten des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank etc. ein und geben in wenigen Tagen einen völlig neuen Haushalt vor, in dem Subventionen gestrichen und Preise (de)reguliert werden. Die Folge ist: Die politisch legitimierten, nationalstaatlichen Akteure werden zu Ausführenden von Plänen und Vorgaben politisch nicht legitimierter transnationaler Akteure. Jene müssen, ich wiederhole es, ihr nationale Souveränität preisgeben, um diese - vielleicht - wiederzugewinnen.45

In diesem Sinne ist die politische Organisation des Globalen terra incognita. Was hier tatsächlich geschieht, was möglich wird und was dies bedeutet, alles dies ist einer durchaus präzise beschreibbaren Unschärferelation unterworfen, die den Rahmen und Raum für eine besondere Art des Politischen eröffnet: Erstens entsteht diese Unschärfe daraus, daß hier, wie gesagt, ein weltpolitischer Ordnungsrahmen fehlt, der nationalstaatliche aber untauglich wird. Globale Politik - wie sie in Gestalt von Abrüstungsvereinbarungen, internationalen Umweltregimen oder im Rahmen der europäischen Institutionen, der Weltbank, der Welthandelsorganisation etc. längst alltäglich geworden ist - kann nicht als Verlängerung nationalstaatlicher Politik begriffen werden.46


45 Siehe oben S. 23 ff.

46 Dies setzt sicherlich eine genauere Analyse auch der Unterschiede in Zielen, Zusammensetzungen, Ressourcen etc. internationaler Organisationen voraus; siehe dazu u. a. M. Zürn und M. Albrow.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Schumann) Singulus

[22.] Mah/Fragment 187 02 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-08 17:25:24 Schumann
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 187, Zeilen: 2-28, 30-34
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 37, 38, Zeilen: 37: 24-33; 38: 2-23; 39: 18-21, 24-31
Denn inhaltlich muss sie nationale Egoismen und Partikularismen brechen und ihre eigenständigen transnationalen Gesichtspunkte, Werte und Entscheidungen gegen die verschiedenen nationalen Borniertheiten durchsetzen.

- Ein zweiter Grund der Unbestimmtheit ist damit verbunden, dass es sich um eine Politik genierender [sic] Politik handelt, d.h. um Gestaltungsaufgaben, die mit ihrer konkreten Verhandlungsform zugleich immer auch ihre organisatorisch-politische Möglichkeitsform mitgestalten müssen. Dabei gilt, dass entweder die Transnationalen verkappte Nationalakteure sind, oder dass es gelingt, die Ebene des Transnationalen gegenüber den Zugriffen nationalstaatlicher Akteure und ihren Machtgelüsten abzufedern und abzudichten, also Globalisierung bürokratisch und politisch als eigenständige Aufgabe und Handlungsebene zu organisieren.

- Drittens agiert man in einem Milieu der Umstrittenheit, in dem Normalität die Ausnahme und die Opposition aller gegen alle die Regel ist.

- Eine vierte Quelle der Unbestimmbarkeit des Transnationalen (bzw. der Globalisierung) liegt darin, dass transnationale Fragen immer auch kulturelle Fragen sind. Viele Bemühungen kreisen darum, wie ein Einverständnis darüber gefunden werden kann, was ein transkulturelles Einverständnis in dieser und jener Angelegenheit eigentlich ausmachen könnte.

- Fünftens verliert die Technokratie im Übergang zu transnationalen Fragen und Entscheidungsproblemen ihre Vorbildfunktion. Technokratische Routinen und Sicherheiten zerbrechen.

Internationale Institutionen sind einerseits auf transnationale Expertenrationalität, die sich durch die Auflösung der Grenzen zwischen Innen und Außen verstärken, angewiesen. Anderseits geht die Einrichtung derartiger Organisationen meistens mit der Ermächtigung transnationaler Wissengemeinschaften einher. [...]

Starke transnationale oder internationale Organisationen sind vielleicht nötig und sogar möglich, um eine politische Gestaltungsmacht nationalstaatlicher Akteure zurückzugewinnen, zum Beispiel um Steuerlöcher zu stopfen. Nur auf diese Weise kann die legitimierte Politik den transnationalen Unternehmen Paroli bieten, nur so Rahmenbedingungen für weltwirtschaftliches Handeln setzen.

[Seite 37]

Denn inhaltlich muß sie nationale Egoismen und Partikularismen brechen und ihre eigenständigen transnationalen Gesichtspunkte, Werte und Entscheidungen gegen die verschiedenen nationalen Bornierungen durchsetzen.

Eng verbunden damit ist ein zweiter Grund der Unbestimmtheit: Es handelt sich um eine Politik generierender Politik; das heißt um Gestaltungsaufgaben, die mit ihrer konkreten Verhandlungsform zugleich immer auch ihre organisatorisch-politische Möglichkeitsform mitkreieren müssen [...]

[Seite 38]

Dabei gilt: Entweder die »Transnationalen« sind verkappte Nationalakteure, [ ...] Oder aber es gelingt, die Ebene des Transnationalen gegenüber den Zugriffen nationalstaatlicher Akteure und ihrer Machtgelüste abzufedern und abzudichten, also Globalität bürokratisch und politisch als eigenständige Aufgabe und Handlungsebene zu organisieren. Dann allerdings gewinnt deren Unschärferelation eine dritte Bedeutungsschattierung: Man agiert in einem Milieu der Umstrittenheit, in dem Normalität die Ausnahme und die Opposition aller gegen alle die Regel ist.

Eine vierte Quelle der Unbestimmbarkeit des Transnationalen liegt darin, daß transnationale Fragen immer auch kulturelle Fragen sind. [...] Viele Bemühungen kreisen darum, wie ein Einverständnis darüber gefunden werden kann, was ein transkulturelles Einverständnis in dieser und jener Angelegenheit eigentlich ausmachen könnte.

Schließlich verliert fünftens die Technokratie im Übergang zu transnationalen Fragen und Entscheidungsproblemen ihre Vorbildfunktion. Technokratische Routinen und Sicherheiten zerbrechen.

[Seite 39]

Internationale Institutionen sind einerseits auf transnationale Expertenrationalität angewiesen, andererseits geht die Einrichtung derartiger Organisationen meistens mit der Ermächtigung solcher Wissensgemeinschaften einher.

[...] Vielleicht sind starke transnationale Organisationen nötig und sogar möglich, um eine politische Gestaltungsmacht nationalstaatlicher Akteure zurückzugewinnen, z.B. um Steuerlöcher zu stopfen und eine »Tobin-Tax«-Steuer auf internationale Geldströme zu erheben. Nur auf diese Weise kann die legitimierte Politik den transnationalen Konzernen Paroli bieten, nur so Rahmenbedingungen für weltwirtschaftliches Handeln setzen.

Anmerkungen

Vor Beginn der Aufzählung wird auf der vorangehenden Seite zwar auf die Quelle hingewiesen, nicht aber darauf, dass der dann folgende Text aus einer großteils wörtlichen Wiedergabe der Ausführungen Becks besteht.

Sichter
(Schumann) Singulus

[23.] Mah/Fragment 189 10 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-08 13:57:23 Schumann
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 189, Zeilen: 10-20, 23-31
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 42, 43, Zeilen: 42: 28-32 - 43: 2-21
Um wenigstens den minimalen Anschein von Glaubwürdigkeit zu wahren, wurde den Weltwirtschaftsmächten des Westens die neue Machtressource des „Weltguten“ zugespielt. Die Themen der globalen Zivilgesellschaft versorgen den global agierenden Westen mit dem ideologischen Rüstzeug für weltwirtschaftliche und militärische Interventionen.

Globalisierung impliziert die Schwächung staatlicher Souveränität und staatlicher Strukturen. Der Zusammenbruch nationalstaatlicher Institutionen hat in den 1990er Jahren und aber auch in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts (und wie in den nächsten Jahren) zu den menschlichen Tragödien und Kriegen geführt- [sic] im Irak, in Somalia, Westafrika, Jugoslawien, Albanien, so wie die anderen Teile [sic] der ehemaligen Sowjetunion. [...] Wenn auch die Schwächung staatlicher Zentralmacht nicht alleine oder primär auf die neuen Einflüsse globaler Märkte zurückgeführt werden kann, so zeichnet sich ab, dass auf diese Weise staatliches Macht- und Legitimationsvakuum verschafft [sic] werden kann. Dies schließt ein, dass Kompromisse zwischen ethnischen Gruppen ihre Bindekraft verlieren und die latent gehaltenen Konflikte sich am Ende in Bürgerkriegen entladen. Weil dies sich vor den Augen der Weltöffentlichkeit globaler Verantwortung vollzieht, wächst mit dem sich abzeichnenden Ausbruch von Gewalt und Chaos die Möglichkeit militärischer Interventionen des Westens bzw. der USA.419


419 Vgl. Beck, Ulrich (Hrsg.): Politik der Globalisierung, a. a. O., S. 43ff., auch vgl. hier 5.7.

[Seite 42]

Weil sich selbst die grausamste Diktatur noch auf Demokratie und Menschenrechte berufen muß, will sie wenigstens den minimalsten Anschein von Glaubwürdigkeit wahren, wurde den Weltwirtschaftsmächten des Westens die neue Machtressource des »Weltguten« zugespielt: Die Themen der globalen Zivilgesellschaft versorgen den global agierenden Westen mit dem ideologischen Rüstzeug für weltwirtschaftliche und militärische Interventionen.51

[Seite 43]

Globalisierung (in welchem Sinne auch immer verstanden) impliziert die Schwächung staatlicher Souveränität und staatlicher Strukturen. Der Zusammenbruch nationalstaatlicher Institutionen hat sogar in den neunziger Jahren zu den wirklich schweren menschlichen Tragödien und Kriegen geführt - in Somalia, Westafrika, Jugoslawien, Albanien sowie Teilen der ehemaligen Sowjetunion ähnliches droht nun auch mit der Finanzkrise in Südostasien beispielsweise in Indonesien. Auch wenn die Schwächung staatlicher Zentralmacht nicht alleine oder primär auf die neuen Einflüsse globaler Märkte zurückgeführt werden kann, so zeichnet sich doch ab, daß auf diese Weise ein verdecktes staatliches Macht- und Legitimationsvakuum verschärft und offen hervorbrechen kann. Dies schließt ein, daß nationalstaatliche Kompromisse zwischen ethnischen Gruppen ihre Bindekraft verlieren und die latent gehaltenen Konflikte sich am Ende in Bürgerkriegen entladen. Da sich dies jedoch »vor den Augen der Weltöffentlichkeit«, also im Weltwahrnehmungshorizont »globaler Verantwortung« vollzieht, wächst mit dem sich abzeichnenden Ausbruch von Gewalt und Chaos die Möglichkeit militärischer Interventionen des Westens.


51 Siehe dazu M. Shaw, Die Repräsentation ferner Konflikte und die internationale Zivilgesellschaft, in: U. Beck (Hg.), Perspektiven der Weltgesellschaft, a. a. O., S. 221 ff.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Schumann) Singulus

[24.] Mah/Fragment 190 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-06 17:14:17 Schumann
BauernOpfer, Beck 1998, Fragment, Gesichtet, Mah, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 190, Zeilen: 1-5
Quelle: Beck 1998
Seite(n): 43, Zeilen: 27-28, 29-32, 33-35
Je erfolgreicher die Propheten des freien Weltmarktes global handeln, desto größer wird die kosmopolitisch motivierte Bedrohung immer weiterer Teile der Weltbevölkerung durch humanitäre Interventionen des Westens. In einem Weltsystem schwacher Staaten steht einem imperialen Missbrauch der kosmopolitischen Mission dann nicht [sic] mehr im Wege. Je erfolgreicher die Propheten des freien Weltmarktes global handeln - was einschließt: national- und territorialstaatliche Strukturen werden ausgehöhlt desto größer wird die nun kosmopolitisch motivierte Bedrohung immer weiterer Teile der Weltbevölkerung durch »humanitäre Interventionen« des Westens. In einem Weltsystem schwacher Staaten, wie es im Zuge neoliberaler Weltpolitik propagiert und geschaffen wird, steht einem imperialen Mißbrauch der kosmopolitischen Mission dann nichts mehr im Wege.
Anmerkungen

Folgt unmittelbar auf Fragment_189_10, Quelle wurde am Ende der vorherigen Seite genannt, nicht aber, dass die Übernahme danach weitergeht, deren Art und Umfang wieder ungekennzeichnet bleibt.

Sichter
(Schumann) Klgn

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