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Quelle:Mra/Coumont 2009

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Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Nina Coumont
Titel    Islamische Glaubensvorschriften und öffentliche Schule
Zeitschrift    ZAR
Jahr    2009
Seiten    9-16

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    ja
Fragmente    3


Fragmente der Quelle:
[1.] Mra/Fragment 264 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-14 14:22:28 Schumann
BauernOpfer, Coumont 2009, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 264, Zeilen: 1-15, 101-105, 107-115
Quelle: Coumont 2009
Seite(n): 9, Zeilen: online
[Inwieweit der Staat im schulischen Bereich zur Rücksichtnahme auf Glaubensvorstellungen muslimischer Schüler, Schülerinnen und Eltern verpflichtet ist, hängt vor allem davon ab, ob] bezüglich der konkreten religiösen Ansicht1215 der Schutzbereich von Grundrechten eröffnet ist. Dies ist von vorneherein nur dann der Fall, wenn von den Grundrechtsträgern/innen die Existenz einer entsprechenden Glaubensregel nachgewiesen werden kann. Im Hinblick auf den Islam beurteilt sich dabei die Frage, ob eine Glaubensvorschrift besteht, ausschließlich nach dem religiösen Selbstverständnis1216 der einzelnen Grundrechtsträger/trägerinnen. Die eigentliche Problematik ergibt sich allerdings dadurch, dass der Islam keine zentrale Lehr- und Rechtsinstanz1217 kennt, die tatsächlich in religiösen und theologischen Fragen Verbindlichkeit entfalten kann.1218 Eine konkrete Vorgabe besteht daher nicht, es werden unterschiedliche Ansichten zur Existenz von Glaubensvorschriften vertreten. Dies gilt vor allem auch aufgrund der verschiedenen islamischen Strömungen. Für eine erfolgreiche Berufung auf Grundrechte genügt dennoch keinesfalls, dass lediglich das Bestehen eines Gebotes behauptet wird, es muss vielmehr der Nachweis erbracht werden, dass die betreffende religiöse Verhaltensvorschrift individualbezogen Geltung beansprucht und dass sie im eigenen alltäglichen Leben Beachtung findet.1219 Sie unterliegt dabei einer Plausibilitätskontrolle, die vorliegend jedoch unstrittig gegeben ist.

1215 Vgl. dazu didaktische Fallaufbaugestaltung bei Coumont, ZAR 2009, 9; vgl. außerdem Coumont, Muslimische Schüler und Schülerinnen in der öffentlichen Schule, Frankfurt am Main 2008.

1216 Die Frage, ob ein bestimmtes Verhalten von religiöser Ausprägung ist, beurteilt sich in erster Linie nach dem Selbstverständnis, vgl. Tillmanns, Jura 2004, 619; Heinig/Morlok, JZ 2003, 777.

1217 Vgl. Janz/Rademacher, NVwZ 1999, 706; Baer/Wrase, JuS 2003, 1162.

1218 Vgl. dazu bereits die obigen Ausführungen unter A II.

1219 Vgl. BVerfGE 108, 282; BVerwGE 94, 82; VG Hamburg, NVwZ-RR 2006, 121; VG Düsseldorf, NWVBl. 2006, 68; Anger, Islam in der Schule, Rechtliche Wirkungen der Religionsfreiheit und der Gewissensfreiheit sowie des Staatskirchenrechts im öffentlichen Schulwesen, Berlin 2003; Fraglich kann das Alter der betroffenen Schüler sein, vgl. VG Hamburg NVwZ-RR 2006, 121; OVG NRW, NVwZ 1992, 77; Grundsätzlich wird in der islamischen Welt die Einhaltung der religiösen Vorschriften erst ab der Pubertät verlangt, vgl. VG Hamburg, NVwZ-RR 2006, 121; Khoury/Hagemann/Heine, Islam-Lexikon, Geschichte, Ideen, Gestalten, Freiburg 1999; Breuer, Familienleben im Islam: Traditionen - Konflikte - Vorurteile, Freiburg 1998. Wenn hiervon Abweichendes behauptet wird, muss eine nachvollziehbare Offenlegung erfolgen, warum nach dem eigenen Selbstverständnis das entsprechende Ge- bzw. Verbot bereits zu einem früheren Zeitpunkt gelten soll.

Inwieweit der Staat im schulischen Bereich zur Rücksichtnahme auf Glaubensvorstellungen muslimischer Schüler, Schülerinnen und Eltern verpflichtet ist, hängt vor allem davon ab, ob bezüglich der konkreten religiösen Ansicht2 der Schutzbereich von Grundrechten eröffnet ist. Dies ist von vornherein nur dann der Fall, wenn von den Grundrechtsträgern bzw. -trägerinnen die Existenz einer entsprechenden Glaubensregel nachgewiesen werden kann. Im Hinblick auf den Islam beurteilt sich dabei die Frage, ob eine Glaubensvorschrift besteht, ausschließlich nach dem religiösen Selbstverständnis der einzelnen Grundrechtsträger bzw. -trägerinnen.3 Der Islam kennt keine zentrale Lehr- und Rechtsinstanz, die in allen religiösen und theologischen Fragen verbindlich entscheiden könnte.4 Eine islamische Religionsgemeinschaft, an deren Vorgaben sich das Selbstverständnis sonst grundsätzlich messen lassen müsste5, besteht nicht.6 In der islamischen Welt werden folglich unterschiedliche Ansichten zur Existenz von Glaubensvorschriften vertreten.7

Für eine erfolgreiche Berufung auf Grundrechte hinsichtlich der Befolgung islamischer Ge- bzw. Verbote genügt nun aber keinesfalls, dass ihr Bestehen lediglich pauschal behauptet wird. Insofern reicht auch der Verweis auf die religiösen Quellen, insbesondere den Koran oder eine islamische Lehrmeinung allein nicht aus. Es muss vielmehr der Nachweis erbracht werden, dass die betreffende religiöse Verhaltensvorschrift individualbezogen Geltung beansprucht und dass sie im eigenen alltäglichen Leben Beachtung findet.8 Das jeweilige Vorbringen unterliegt einer Plausibilitätskontrolle.9


2 S. zu den einzelnen im Bereich der Schule fraglichen islamischen Glaubensvorschriften ausführlich Coumont, Muslimische Schüler und Schülerinnen in der öffentlichen Schule, 2008, S. 10 ff. mit umfangreichen Nachweisen.

3 Die Frage, ob ein Verhalten religiös geprägt ist, beurteilt sich primär nach dem Selbstverständnis, vgl. Tillmanns, Jura 2004, JURA Jahr 2004 Seite 619 (JURA Jahr 2004 Seite 622); Heinig/Morlok, JZ 2003, JZ Jahr 2003 Seite 777 (JZ Jahr 2003 Seite 779 f.).

4 Vgl. Muckel, in: Friauf/Höfling, Berliner Kommentar zum Grundgesetz, Band I, Loseblatt-Kommentar, Stand 2008, Art. 4 Rn. 29; Janz/Rademacher, NVwZ 1999, NVWZ Jahr 1999 Seite 706 (NVWZ Jahr 1999 Seite 710); Baer/Wrase, JuS 2003, JUS Jahr 2003 Seite 1162 (JUS Jahr 2003 Seite 1163).

5 S. BVerfGE 24, BVERFGE Jahr 24 Seite 236 (BVERFGE Jahr 24 Seite 247 f.); 108, 282 (299); OVG NRW, NVwZ 1992, NVWZ Jahr 1992 Seite 77 (NVWZ Jahr 1992 Seite 78) Muckel; in: Isensee/Rees/Rüfner, Dem Staate, was des Staates – der Kirche, was der Kirche ist, Festschrift für Joseph Listl zum 70. Geburtstag, 1999, S. 239-257, Religionsfreiheit für Muslime in Deutschland, S. 248; v. Campenhausen, in: Isensee/Kirchhof/v. Campenhausen, Handbuch des Staatsrechts der Bundesrepublik Deutschland, Band 6, Freiheitsrechte, 2. Aufl., 2001, § 136 Rn. 69.

6 Vgl. BVerwG, NJW 2005, NJW Jahr 2005 Seite 2101 (NJW Jahr 2005 Seite 2105); OVG NRW, NWVBl. 2004, NWVBL Jahr 2004 Seite 224 (NWVBL Jahr 2004 Seite 225); VG Düsseldorf, NWVBl. 2002, NWVBL Jahr 2002 Seite 196 ff.; Muckel, in: Rees, Recht in Kirche und Staat. Festschrift für Joseph Listl zum 75. Geburtstag, 2004, S. 715-742, Wann ist eine Gemeinschaft Religionsgemeinschaft? Überlegungen zum Begriff der Religionsgemeinschaft im Sinne von Art. GG Artikel 7 Abs. GG Artikel 7 Absatz 3 GG unter besonderer Berücksichtigung muslimischer Dachverbände, S. 729. Zum Problemkreis des islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen s.: Emenet, Verfassungsrechtliche Probleme einer islamischen Religionskunde an öffentlichen Schulen. Dargestellt anhand des nordrhein-westfälischen Schulversuchs »Islamische Unterweisung«, 2003; Spriewald, Rechtsfragen im Zusammenhang mit der Einführung von islamischem Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach an deutschen Schulen, 2003; Ogorek, Geltung und Fortbestand der Verfassungsgarantie staatlichen Religionsunterrichts in den neuen Bundesländern, Ein Beitrag zur Lehre vom sogenannten Verfassungswandel, 2004; Muckel, JZ 2001, JZ Jahr 2001 Seite 58 ff.; Coumont, in: Muckel, (o. Fn. 1). S. 551 ff.

7 Es soll deshalb betont werden, dass die in diesem Aufsatz genannten Glaubensregeln keineswegs auf den »gesamten Islam« übertragbar sind und häufig nur von einer Minderheit der (vor allem in Deutschland lebenden) Muslime und Musliminnen vertreten werden.

8 Vgl. BVerfGE 108, BVERFGE Jahr 108 Seite 282 (BVERFGE Jahr 108 Seite 298); BVerwGE 94, BVERWGE Jahr 94 Seite 82 (BVERWGE Jahr 94 Seite 87); VG Hamburg, NVwZ-RR 2006, NVWZ-RR Jahr 2006 Seite 121 f.; VG Düsseldorf, NWVBl. 2006, NWVBL Jahr 2006 Seite 68 (NWVBL Jahr 2006 Seite 69); Anger, Islam in der Schule, Rechtliche Wirkungen der Religionsfreiheit und der Gewissensfreiheit sowie des Staatskirchenrechts im öffentlichen Schulwesen, 2003, S. 112; Muckel, JA 1994, JA Jahr 1994 Seite 109 (JA Jahr 1994 Seite 111). Unter Plausibilitätsgesichtspunkten fraglich kann das Alter muslimischer Schüler und Schülerinnen sein, vgl. VG Hamburg, NVwZ-RR 2006, NVWZ-RR Jahr 2006 Seite 121 (NVWZ-RR Jahr 2006 Seite 121 ff.); OVG NRW, NVwZ 1992, NVWZ Jahr 1992 Seite 77 (NVWZ Jahr 1992 Seite 78). Grundsätzlich wird in der islamischen Welt die Einhaltung der religiösen Vorschriften erst ab der Pubertät verlangt, vgl. VG Hamburg, NVwZ-RR 2006, NVWZ-RR Jahr 2006 Seite 121 (NVWZ-RR Jahr 2006 Seite 122); Heine, in: Khoury/Hagemann/Heine, Islam-Lexikon, Geschichte – Ideen – Gestalten, Band 3, O-Z, 1999, S. 665; Breuer, Familienleben im Islam, Traditionen – Konflikte – Vorurteile, 2. Aufl., 1998, S. 84. Wenn hiervon Abweichendes behauptet wird, muss nachvollziehbar offen gelegt werden, warum nach dem eigenem Selbstverständnis das entsprechende Ge- bzw. Verbot bereits zu einem früheren Zeitpunkt Geltung beansprucht, vgl. Anger aaO S. 170 f.; Coumont aaO S. 63 f.

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 1215 genannt. Umfang und Wörtlichkeit der tatsächlichen Übernahme gehen daraus nicht hervor. Die Belege werden erkennbar mitübernommen.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[2.] Mra/Fragment 324 34 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-11 07:17:39 Klgn
Coumont 2009, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 324, Zeilen: 34-36
Quelle: Coumont 2009
Seite(n): 13, Zeilen: online
Die Koedukation ist grundsätzlich darauf angelegt, dass die Kinder einen respektvollen und natürlichen Umgang zwischen den Geschlechtern erlernen [sic] Die Koedukation dient folglich der Verwirklichung des Erziehungsziels der Gleichberechtigung von Mann und [Frau, die ihre verfassungsrechtliche Grundlegung in der Staatszielbestimmung des Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG erfährt.] Die Koedukation ist grundsätzlich darauf angelegt, die Kinder in einen respektvollen und natürlichen Umgang zwischen den Geschlechtern einzuüben.74 Die Koedukation dient folglich der Verwirklichung des Erziehungsziels der Gleichberechtigung von Mann und Frau, die ihre verfassungsrechtliche Grundlegung in der Staatzielbestimmung des Art. 3 II 2 GG erfährt.75

74 Vgl. Rohe aaO S. 150; Avenarius/Heckel aaO S. 88 f.

75 Vgl. Avenarius/Heckel aaO S. 89.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Fortsetzung auf der Folgeseite.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[3.] Mra/Fragment 325 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-13 07:14:25 Klgn
Coumont 2009, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 325, Zeilen: 1-14, 17-29
Quelle: Coumont 2009
Seite(n): 13 f., Zeilen: online
[Die Koedukation dient folglich der Verwirklichung des Erziehungsziels der Gleichberechtigung von Mann und] Frau, die ihre verfassungsrechtliche Grundlegung in der Staatszielbestimmung des Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG erfährt. Grundsätzlich kommt der Koedukation daher ein großes Gewicht zu. Zu beachten ist aber auch, dass gerader koedukativer Sport- und Schwimmunterricht nur dann als möglich betrachtet wird, wenn er pädagogisch, sportfachlich und schulorganisatorisch vertretbar ist.1497 Grundsätzlich gibt es ab einem gewissen Alter eine biologisch gegebene unterschiedlich hohe sportliche Leistungsfähigkeit der Geschlechter. Deshalb wird der Koedukation im Sport- und Schwimmunterricht der höheren Klassen ein nicht so großes Gewicht beigemessen. 1498 Solange sich die körperliche Konstitution auf die sportliche Leistungsfähigkeit noch nicht wesentlich auswirkt (wie etwa im Grundschulalter), bleibt es bei der Zumessung des großen Gewichts der Koedukation. Daher ist hier von einem Überwiegen der staatlichen Belange auszugehen.1499 Demgegenüber ist die Verpflichtung muslimischer Schüler und Schülerinnen höherer Klassen zur Teilnahme am koedukativen Schwimm- und Sportunterricht als unverhältnismäßig zu betrachten. Ein schonender Ausgleich der widerstreitenden Interessen kann in der Trennung der Geschlechter gesehen werden.1500 [...] Daher haben Muslime höherer Klassen grundsätzlich einen Anspruch auf Unterricht, der nach Geschlechtern getrennt stattfindet.1501 Durchsetzbar ist dieser Anspruch allerdings nur dann, wenn dies schulorganisatorisch möglich ist.1502 Sollte dies nicht der Fall sein, so sind die muslimischen Schüler letztlich vom Unterricht zu befreien.

Einen Anspruch, der hierüber hinausgeht und eine gesamte Befreiung vom Sport- und Schwimmunterricht unabhängig der Koedukation fordert, ist allerdings abzulehnen.1503 Der Unterricht hat die Förderung der Gesamtentwicklung des Organismus und die Vermittlung sportlicher und sozialer Erfahrungen und Fähigkeiten zur Aufgabe.1504 Die Verwirklichung dieser Ziele überwiegt in diesem Fall die Grundrechte der Schüler und Eltern.1505 Durch eine vollständige Befreiung würde den Schülern die Chance genommen, sich später für ein Leben zu entscheiden, in dem auch Sport eine Rolle spiele, was wiederum ein Problem der Chancengleichheit darstellen würde. Weiterhin ist auch die gesundheitliche Komponente zu beachten sowie das Erziehungsziel des sozialen Verhaltens.


1497 Vgl. Kultusministerkonferenz, Zweites Aktionsprogramm für den Schulsport, in: Sammlung der Beschlüsse der Ständigen Konferenz der Kultusminister, Nr. 80.1, S. 4.

1498 So aber VG Düsseldorf, Urteil vom 07.05.2008, 18 K 301/08; VG Gelsenkirchen, Beschluss vom 11.08.2008, 4 L 526/08; andere Auffassung: Laskowski, NordÖR 2004, 415.

1499 Vgl. VG Hamburg NVwZ-RR 2006, 121.

1500 Vgl. BVerwGE 94, 82; a.A. vgl. Fn 968.

1501 Die Brauchbarkeit pädagogischer Konzepte zu beurteilen, kann keine juristischeAufgabe sein, Langenfeld, AöR 123, 375.

1502 BVerwGE 94, 82; Rixen, NJW 2003, 1712.

1503 In Abweichung von der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts erklärte das VG Freiburg eine religionsmündige Schülerin islamischer Religionszugehörigkeit aus religiösen Gründen nicht nur vom koedukativen, sondern von jeder Art des Sportunterrichts ausdrücklich für befreit, InfAuslR 1994, 297. Die Klägerin hatte vorgetragen, dass es ihre aus religiösen Gründen grundsätzlich verboten sei, Sport zu treiben. Vgl. auch den Beschluss des OVG Lüneburg NVwZ 1992, 79 zur Befreiung vom gesamten Sportunterricht aufgrund entgegenstehender religiöser Bekleidungsvorschriften, auf die sich die Kläger berufen hatten. Auf den Gesichtspunkt der Koedukation wurde in dieser Entscheidung nicht abgestellt.

1504 OVG NRW, NVwZ 1992, 77.

1505 BVerwG 107, 75; VG Hamburg NVwZ-RR 2006, 121; Huber, BayVBl. 1994, 545; a.A. wohl VG Freiburg, InfAuslR 1994, 297.

Die Koedukation dient folglich der Verwirklichung des Erziehungsziels der Gleichberechtigung von Mann und Frau, die ihre verfassungsrechtliche Grundlegung in der Staatzielbestimmung des Art. GG Artikel 3 GG Artikel 3 Absatz II 2 GG erfährt.75 Grundsätzlich kommt der Koedukation daher ein großes Gewicht zu.76

Zu beachten ist aber, dass gerade koedukativer Sport- und Schwimmunterricht nur dann als möglich betrachtet wird, wenn er pädagogisch, sportfachlich und schulorganisatorisch vertretbar ist.77 [...] Grundsätzlich führt diese ab einem gewissen Alter zu einer biologisch gegebenen unterschiedlich hohen sportlichen Leistungsfähigkeit der Geschlechter. Deshalb wird der Koedukation im Sport- und Schwimmunterricht höherer Klassen ein nicht so großes Gewicht beigemessen.79

Solange sich aber die körperliche Konstitution auf die sportliche Leistungsfähigkeit noch nicht wesentlich auswirkt (so wohl vor

[Seite 14]

allem im Grundschulalter), bleibt es bei dem der Koedukation allgemein zukommenden großen Gewicht. Dieses führt dazu, dass der Schule insoweit ein schonender Ausgleich in Form eines Verzichts auf die Koedukation nicht zuzumuten und darüber hinaus von einem Überwiegen der staatlichen Belange auszugehen ist. [...]

Demgegenüber ist die Verpflichtung muslimischer Schüler und Schülerinnen höherer Klassen zur Teilnahme am koedukativen Sport- und Schwimmunterricht als unverhältnismäßig zu betrachten. Insofern kann nämlich ein schonender Ausgleich der widerstreitenden Interessen dadurch gefunden werden, dass der Sport- und Schwimmunterricht nach den Geschlechtern getrennt durchgeführt wird.82 [...] Durchsetzbar ist dieser Anspruch aber nur dann, wenn die Einführung von getrenntem Sport- und Schwimmunterricht schulorganisatorisch möglich ist.83Ist dies nicht der Fall oder kommt die Schule ihrer Verpflichtung zur Einführung eines nach den Geschlechtern getrennten Sport- und Schwimmunterrichts in höheren Klassenstufen nicht nach, sind die muslimischen Schüler und Schülerinnen letztendlich vom koedukativen Sport- und Schwimmunterricht zu befreien.84

Darüber hinaus kommt ein Anspruch auf eine Befreiung vom Sport- und Schwimmunterricht insgesamt (losgelöst von der Koedukation) nicht in Betracht.86 Der Sport- und Schwimmunterricht hat die Förderung der Gesamtentwicklung des Organismus und die Vermittlung sportlicher und sozialer Erfahrungen und Fähigkeiten zur Aufgabe.87 Die Verwirklichung dieser Bildungs- und Erziehungsziele überwiegt die Grundrechte der muslimischen Schüler, Schülerinnen und Eltern.88 Durch einen vollständigen Verzicht auf Sport- und Schwimmunterricht wäre zunächst die Möglichkeit muslimischer Jungen und Mädchen eingeschränkt, sich später für ein Leben zu entscheiden, in dem auch der Sport eine Rolle spielt.89 Dies würde die Chancengleichheit der Schüler und Schülerinnen für ihr zukünftiges Leben wesentlich beeinträchtigen. Außerdem ist die gesundheitliche Komponente des Sport- und Schwimmunterrichts zu beachten und schließlich dient der Sport- und Schwimmunterricht dem gewichtigen Erziehungsziel, die Schüler und Schülerinnen zu sozialem Verhalten anzuleiten.90 Damit sind die hinter dem Sport- und Schwimmunterricht stehenden Interessen von überragendem Gewicht für die Persönlichkeitsentfaltung der muslimischen Schüler und Schülerinnen und für die Allgemeinheit.91


75 Vgl. Avenarius/Heckel aaO S. 89.

76 S. Rohe aaO S. 150; Coumont aaO S. 234 ff.

77 Vgl. Kultusministerkonferenz, Zweites Aktionsprogramm für den Schulsport. Der Öffentlichkeit am 17.4.1985 in Bonn auf Grund übereinstimmender Beschlüsse der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder, des Deutschen Sportbundes und der kommunalen Spitzenverbände übergeben. Sammlung der Beschlüsse der Ständigen Konferenz der Kultusminister, Nr. 80.1, S. 4, abgerufen unter: http://www.kmk.org/doc/publ/zwaktprog.pdf, letztmals am 13.11.2008 auf Aktualität hin überprüft.

78 Vgl. VG Hamburg, NVwZ-RR 2006, NVWZ-RR Jahr 2006 Seite 121 (NVWZ-RR Jahr 2006 Seite 123); Rohe aaO S. 153; Coumont aaO S. 236 ff.

79 S. nun aber VG Düsseldorf, Urteil v. 7.5.2008, VGDUESSELDORF 2008-05-07 Aktenzeichen 18 K 301/08; VG Gelsenkirchen, Beschluss v. 11.8.2008, VGGELSENKIRCHEN 2008-08-11 Aktenzeichen 4 L 526/08. A. A. wohl auch Laskowski, NordÖR 2004, 415 (416 f.).

82 Vgl. BVerwGE 94, BVERWGE Jahr 94 Seite 82 ff. A. A. nun aber VG Düsseldorf, Urteil v. 7.5.2008, VGDUESSELDORF 2008-05-07 Aktenzeichen 18 K 301/08; VG Gelsenkirchen, Beschluss v. 11.8.2008, VGGELSENKIRCHEN 2008-08-11 Aktenzeichen 4 L 526/08.

83 S. BVerwGE 94, BVERWGE Jahr 94 Seite 82 (BVERWGE Jahr 94 Seite 83 f.): »wenn die Schulverwaltung ihrer Verpflichtung nicht nachkommen kann«; Rixen, NJW 2003, NJW Jahr 2003 Seite 1712 (NJW Jahr 2003 Seite 1713 mit Fn. 9).

84 BVerwGE 94, BVERWGE Jahr 94 Seite 82 (BVERWGE Jahr 94 Seite 83 f.).

85 Vgl. BVerwG, NVwZ 1994, NVWZ Jahr 1994 Seite 578 (NVWZ Jahr 1994 Seite 579); Gartner, Der Islam im religionsneutralen Staat. Die Problematik des muslimischen Kopftuchs in der Schule, des koedukativen Sport- und Schwimmunterrichts, des Gebetsrufs des Muezzin, des Schächtens nach islamischen Ritus, des islamischen Religionsunterrichts und des muslimischen Bestattungswesens in Österreich und Deutschland, 2006, S. 180.

86 In der islamischen Welt wird auch die Ansicht vertreten, dass der Islam das Sporttreiben insgesamt verbietet, vgl. VG Freiburg, InfAuslR 1994, INFAUSLR Jahr 1994 Seite 297 (INFAUSLR Jahr 1994 Seite 298 f.); Tellenbach, InfAuslR 1994, INFAUSLR Jahr 1994 Seite 300; Coumont aaO S. 43 m. w.

87 OVG NRW, NVwZ 1992, NVWZ Jahr 1992 Seite 77 (NVWZ Jahr 1992 Seite 79); Anger aaO S. 209.

88 Vgl. BVerwGE 107, BVERWGE Jahr 107 Seite 75 (BVERWGE Jahr 107 Seite 84); VG Hamburg, NVwZ-RR 2006, NVWZ-RR Jahr 2006 Seite 121 (NVWZ-RR Jahr 2006 Seite 123); Anger, aaO S. 220 f.; Huber, BayVBl. 1994, BAYVBL Jahr 1994 Seite 545 (BAYVBL Jahr 1994 Seite 549). A. A. wohl VG Freiburg, InfAuslR 1994, INFAUSLR Jahr 1994 Seite 297 ff.

89 Anger aaO S. 220 f.

90 Vgl. VG Düsseldorf, NWVBl. 2006, NWVBL Jahr 2006 Seite 68 (NWVBL Jahr 2006 Seite 70). Zur Bedeutung der Erziehung zu sozialem Verhalten s. oben bei Fn. 59 ff.

91 Ferner kommt eine Befreiung vom Musikunterricht dementsprechend nicht in Betracht, ausführlich dazu Coumont aaO S. 303 ff. Zwar wird in der islamischen Welt auch die Auffassung vertreten, Musik sei verboten, s. Rohe aaO S. 154; Breuer aaO S. 146; Esposito aaO S. 142. Indes setzt sich hier gleichfalls der staatliche Bildungs- und Erziehungsauftrag gegenüber den Grundrechten durch. Auch insoweit wäre die Chance der Kinder beeinträchtigt, der Musik in ihrem weiteren Leben eine Bedeutung zukommen zu lassen. Des Weiteren leistet auch der Musikunterricht einen wesentlichen Beitrag zur Erfüllung des Erziehungsziels, die Schüler und Schülerinnen zu sozialem Verhalten anzuleiten, s. zur Bedeutung des Musikunterrichts: Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), Zur Situation des Unterrichts im Fach Musik an den allgemeinbildenden Schulen in der Bundesrepublik Deutschland, Bericht der Kultusministerkonferenz vom 10.3.1998, 3. Aufl., 1998, S. 11, 150 f.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

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