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Quelle:Mra/Hanf 1991

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Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Theodor Hanf
Titel    Konfliktminderung durch Kulturautonomie. Karl Renners Beitrag zur Frage der Konfliktregelung in multi-ethnischen Staaten
Sammlung    Staat und Nation in multi-ethnischen Gesellschaften
Herausgeber    Eich Fröschl / Maria Mesner / Uri Ra ´anan
Ort    Wien
Verlag    Passagen
Jahr    1991
Seiten    61-90

Literaturverz.   

nein
Fußnoten    ja
Fragmente    7


Fragmente der Quelle:
[1.] Mra/Fragment 133 21 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-14 11:45:12 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Hanf 1991, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 133, Zeilen: 21-33
Quelle: Hanf 1991
Seite(n): 63 f., Zeilen: 63:32 ff.; 64: 1 ff.
Dieser Gedanke wurde bereits 1866 von dem österreichischen Liberalen Adolph Fischhof umrissen, einige Jahrzehnte später, 1902 und erneut 1918, von dem sozialistischen Denker und Politiker Karl Renner im Detail entwickelt, 1923 und 1924 nochmals aufgegriffen von Otto Bauer, einem anderen führenden Austromarxisten.552 Seine ideengeschichtliche Wirkung war zunächst nur kurz. 1905 wurde es in Zürich vom russisch-jüdischen Bund und 1912 in Wien von den Menschewiken unter dem Vorsitz Trotzkis diskutiert. Es ging ein in die jüdischen Vorschläge an die Versailler Konferenz zur Neuordnung Osteuropas. Gesetzesrang erhielt es in der kurzlebigen unabhängigen Ukraine von 1918 und in der Sprachenregelung Estlands während der Zwischenkriegszeit. In den dreißiger Jahren beeinflusste es die Debatte in der zionistischen Bewegung über die Zukunft Palästinas. Danach verschwand es weitgehend aus der politischen Debatte, teils aufgrund seiner Ablehnung durch Lenin, vor allem aber wegen der neuen Staatenordnung, die aus dem Willen der siegreichen Mächte resultierte.

Erst in den jüngsten Jahren der Infragestellung des „real existierenden Sozialismus“ entdeckte [das westeuropäische Lager der Linken den Austromarxismus neu und mit ihm die Idee des Personalprinzips.]


551 Hanf, in: Fröschl/Mesner/Ra`anan, Staat und Nation in multi-ethnischen Gesellschaften, Wien 1991, S. 61.

552 Der Austromarxismus ist die von Otto Bauer nach Ende des Ersten Weltkrieges geprägte österreichische Schule des Marxismus. Im Gegensatz zu den Lehren des Marxismus machte Bauer die Initiierung der Sozialen Revolution und die Etablierung der Diktatur des Proletariats vom Erringen der absoluten Mehrheit im Rahmen der real existierenden parlamentarischen Demokratie abhängig, vgl. Albers, Otto Bauer und der „dritte“ Weg. Die Wiederentdeckung des Austromarxismus durch Linkssozialisten und Eurokommunisten, Frankfurt am Main 1979.

Es wurde bereits 1866 von dem österreichischen Liberalen Adolph Fischhof4 umrissen, einige Jahrzehnte später, 1902 und erneut 1918, ven dem sozialistischen Denker und Politiker Karl Renner5 im Detail entwickelt, 1923 und 1924 nochmals aufgegriffen von Otto Bauer6, einem anderen führenden Austromarxisten. [...]

[Seite 64]

Seine ideengeschichtliche Wirkung war zunächst nur kurz.7 1905 wurde es in Zürich vom russisch-jüdischen Bund, 1912 in Wien von den Menschewiken unter dem Vorsitz Trotzkis diskutiert. Es ging ein in die jüdischen Vorschläge an die Versailler Konferenz zur Neuordnung Osteuropas. Gesetzesrang erhielt es in der kurzlebigen unabhängigen Ukraine von 1918 und in der Sprachenregelung des Estland [sic] der Zwischenkriegszeit. In den dreißiger Jahren beeinflußte es die Debatte in der zionistischen Bewegung über die Zukunft Palästinas.8 Dann verschwand es weitgehend aus der politischen Debatte, teils aufgrund seiner Ablehnung durch Lenin9, vor allem aber wegen der neuen Staatenordnung, die aus dem Willen der siegreichen Mächte resultierte. [...]

Erst in den jüngsten Jahren der Infragestellung des „real existierenden Sozialismus“ entdeckte die westeuropäische Linke den Austromarxismus neu und mit ihm die Idee des Personalprinzips.


4 Adolph Fischhof, Österreich und die Bürgerschaften seines Bestandes, Wien 1869.

5 Vgl. Anm. 2.

6 Otto Bauer, Die österreichische Revolution, Wien 1923; ders., Die Nationalitätenfrage und die Sozialdemokratie, Wien 1924 (= Marx-Studien 2).

7 Zur Wirkungsgeschichte vgl. Heinz Kloss, Grundfragen der Ethnopolitik im 20. Jahrhundert. Die Sprachengemeinschaften zwischen Recht und Gewalt, Wien- Stuttgart 1969.

8 Vgl. Franz Ansprenger, Juden und Araber in einem Land, München-Mainz 1978, S. 46, Anm. 22.

9 Wladimir I. Lenin, Über die nationale und die koloniale nationale Frage, Ostberlin 1960, S. 118-122.

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn 551 (an der Überschrift weiter oben auf der Seite) genannt.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[2.] Mra/Fragment 134 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-13 22:17:35 Klgn
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Hanf 1991, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 134, Zeilen: 1-38
Quelle: Hanf 1991
Seite(n): 64, 65, 67, Zeilen: 64: 13 ff.; 65: 2 ff.; 67: 13 ff.
[Erst in den jüngsten Jahren der Infragestellung des „real existierenden Sozialismus“ entdeckte] das westeuropäische Lager der Linken den Austromarxismus neu und mit ihm die Idee des Personalprinzips.

Das Personalitätsprinzip ist für Renner ein alternativ zum Territorialprinzip konzipierter Mechanismus der Koexistenzsicherung in Vielvölkerstaaten. Das Interesse aller Volksgruppen kann nach dieser These nur gesichert werden, wenn Nationen als Personenverbände statt als Gebietsherrschaften konstituiert werden. Solche Gruppierungen sollen nach Renner völlige Kulturautonomie genießen und in kulturellen Belangen gleichgestellt werden, d.h. vor Majorisierung der Mehrheit geschützt sein.

Vor Renner hatte bereits Adolph Fischhof diese Forderung gestellt. Er strebte ein Nationalitätengesetz an, in welchem die Gleichberechtigung der Sprachen in Schule, Kirche, Verwaltung, Justiz und Gesetzgebung so klar und unzweideutig normiert werden müsste, dass die nationalen Minderheiten vor jedem Übergriff der Majoritäten völlig geschützt werden. Um dies zu gewährleisten, sollen die gesetzgebenden Körperschaften zwar gemeinsam beraten, aber gesondert in nationalen Kurien abstimmen. Nur solche Gesetze sollen als angenommen betrachtet werden, für welche die Majorität in jeder Kurie gestimmt hat.

Dieser Vorschlag ist ein Rückgriff auf die itio in partes des Westfälischen Friedens, die von 1663 bis 1806 im immerwährenden Reichstag des Heiligen Römischen Reiches zu Regensburg mit Erfolg praktiziert wurde. Allerdings wurde nur siebzehn Mal in eineinhalb Jahrhunderten davon Gebrauch gemacht, da in der Regel bereits die schlichte Möglichkeit des Vetos zu präventiven Kompromissen führte. Die Formel des Westfälischen Friedens regelt die Koexistenz zwischen den Konfessionen. Sie bezog sich jedoch nicht nur auf den status confessionis betreffende, sondern auf alle Fragen, die eine Konfessionspartei für wichtig erachtete. Fischers Vorschlag hob auf die Koexistenzregelung zwischen sprachlich definierten Nationen ab. Er sah das Vetosystem der Kurialvoten jedoch nur in Fragen von nationalem Interesse vor, als solche bezeichnete er die Schul- und Sprachgesetzgebung.

Renner wiederum geht über das eigentliche Konzept des Vetorechtes hinaus. Er konzipierte eine Kulturautonomie in radikaler Form, aber gleichzeitig beschränkt er diese Autonomie strikt auf den, wenn auch weit definierten, Kulturbereich. Dem Staat nimmt er fast alle kulturpolitischen Zuständigkeiten. Ihm sollen nur formale und materielle Rahmenkompetenzen verbleiben.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Personalitätsprinzip nach Renners Entwurf Nationen nach dem Prinzip des freiwilligen Zusammenschlusses von Individuen ungeachtet ihres Wohnorts konstituiert, sie mit exklusiven Kompetenzen auf dem Gebiet von Bildung, Erziehung und Kultur, sowie mit eigenen legislativen, administrativen und exekutiven Institutionen für diesen Bereich ausstattet, gleichsam eine Kulturautonomie. Ziel seiner Vorschläge ist es, durch die Gewährung von Kulturautonomie die Bereiche von Sprache, Kultur und Erziehung, gleichsam die wesentlichen Streitgegenstände, zwischen den Nationen verschwinden zu lassen.

Erst in den jüngsten Jahren der Infragestellung des „real existierenden Sozialismus“ entdeckte die westeuropäische Linke den Austromarxismus neu und mit ihm die Idee des Personalprinzips.

[...]

Das Personalitätsprinzip ist für Renner ein alternativ zum Territorialprinzip konzipierter Mechanismus der Koexistenzsicherung in Vielvölkerstaaten.

[Seite 65:]

[...] Das Interesse aller Volksgruppen kann daher nur gesichert werden, wenn „Nationen als Personenverbände statt als Gebietsherrschaften“11 konstituiert werden Solchermaßen verfaßte Nationen sollen, so fordert Karl Renner, völlige Kulturautonomie genießen und in kulturellen belangen gleichgestellt das heißt vor Majorisierung gesichert sein.

Vor Renner hatte bereits Adolph Fischhof diese Forderung gestellt. Er strebte ein Nationalitätengesetz an, in welchem „die Gleichberechtigung der Sprachen [...] in Schule, Kirche, Verwaltung, Justiz und Gesetzgebung so klar und unzweideutig normiert werden müßte], daß die nationalen Minderheiten vor jedem Übergriff der Majoritäten völlig sichergestellt werden“.12 Um dies zu gewährleisten, sollen die gesetzgehenden Körperschaften zwar „gemeinsam beraten, aber gesondert in nationalen Kurien abstimmen“. Nur solche Gesetze sollen als angenommen betrachtet werden, „für welche die Majorität in jeder Kurie gestimmt hat“.13

Dieser Vorschlag ist ein Rückgriff auf die itio in partes des Westfälischen Friedens, die von 1663 bis 1806 im immerwährenden Reichstag des Heiligen Römischen Reiches zu Regensburg mit Erfolg praktiziert wurde - nämlich kaum; nur siebzehn Mal in eineinhalb Jahrhunderten wurde von ihr Gebrauch gemacht, da in der Regel bereits die schiere Möglichkeit des Vetos zu präventiven Kompromissen führte.14 Die Formel des Westfälischen Friedens regelte die Koexistenz zwischen den Konfessionen. Sie bezog sich jedoch nicht nur auf den status confessionis betreffende, sondern auf alle Fragen, die eine Konfessionspartei für wichtig erachtete. Fischhofs Vorschlag hob auf die Koexistenzregelung zwischen sprachlich definierten Nationen ab. Er sah das Vetosystem der Kurialvoten jedoch nur „in Fragen von nationalem Interesse“15 vor; als solche bezeichnete er die Schul- und Sprachgesetzgebung, aber auch, über den Kulturbereich hinausgehend, Änderungen der Verfassung und des Wahlgesetzes.

Renner geht über das Konzept des Vetorechtes hinaus. Er konzipierte eine radikale Kulturautonomie - man könnte fast von einer Kultursouveränität sprechen -, aber gleichzeitig beschränkt er diese Autonomie strikt auf den - wenn auch weit definierten - Kulturbereich. Den Staat entkleidet er fast aller kulturpolitischen Zuständigkeiten.16 Ihm sollen nur formale und materielle Rahmenkompetenzen verbleiben: [...]

[Seite 67:]

Zusammenfassend läßt sich festhalten, daß das Personalitätsprinzip nach Renners Entwurf Nationen nach dem Prinzip des freiwilligen Zusammenschlusses von Individuen ungeachtet ihres Wohnorts konstituiert, sie mit exklusiven Kompetenzen auf dem Gebiet von Bildung, Erziehung und Kultur sowie mit eigenen legislativen, administrativen und exekutiven Institutionen für diesen Bereich ausstattet: ein [sic] perfekte Kulturautonomie. [...]

Ziel seiner Vorschläge ist es, durch die Gewährung von Kulturautonomie die Bereiche von Sprache, Kultur und Erziehung als Streitgegenstände zwischen den Nationen zum Verschwinden zu bringen.


11 Ebenda, S. 36.

12 Fischhof, Österreich, S. 188.

13 Ebenda, S. 189.

14 Vgl. Martin Heckel, Itio in partes. Zur Religionsverfassung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, in: ders., Gesammelte Schriften. Staat, Kirche, Recht, Geschichte, Band 2, hg. von Klaus Schlaich, Tübingen 1989, S. 636-736; ders., Parität, in: Zeitschrift für Rechtsgeschichte der Savigny Stiftung, Kanonische Abteilung, Jg. 80(1963), S. 261-420.

15 Fischhof, Österreich, S. 190.

16 Hiergegen vor allem wandte sich Lenin. Vgl. ders., Nationale und koloniale nationale Frage, S. 118ff. Lenin trat jedoch für das Recht auf Unterricht in der Muttersprache ein.

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 551 auf S. 133 erwähnt.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[3.] Mra/Fragment 165 02 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-13 22:12:50 Schumann
Fragment, Gesichtet, Hanf 1991, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 165, Zeilen: 2-9, 13-28
Quelle: Hanf 1991
Seite(n): 68 f., Zeilen: 68: 22 ff.; 69: 1, 15 ff.; 70: 1-2
Eine zweite mögliche Form ist die Dominanz einer ethnischen Gruppe über eine andere. Die Methoden der Aufrechterhaltung ethnischer Herrschaft variieren beträchtlich, von demokratischer Mehrheitskontrolle einer Gruppe (wie in Israel) über die Leugnung des Bestehens ethnischer Gruppen und die Dominanz einer von ihnen, die strikte Reglementierung einer Ethnohierarchie bis hin zu physischen Repressionen.

Gerade in Fällen von Repressionen zeigt sich jedoch häufig, dass dominierte ethnische Gruppen sich in der Regel nicht auf Dauer mit ihrer Lage abfinden und sich auch in Fällen hoffnungslos erscheinender Unterlegenheit gegen die Dominanz auflehnen. [...]

Eine weitere Form der Konfliktregelung zielt weder auf die Ausmerzung der dominierten Kulturen noch auf die Dominanz einer ethnischen Gruppe über die andere. Sie kann als Konkordanz oder mit dem politikwissenschaftlichen Neologismus consociation bezeichnet werden. Konkordanzsysteme erkennen das Bestehen unterschiedlicher nationaler, sprachlicher oder religiöser Gemeinschaften an und versuchen, ihre Koexistenz zu organisieren. In ihnen werden Meinungsverschiedenheiten nicht durch Mehrheitsentscheidungen, sondern im Konsens und durch Kompromiss geregelt. In der Regel besitzen die verschiedenen Gruppen weitgehende Kulturautonomie.649 Konkordanz kann als Konfliktregelung in einer Übergangszeit praktiziert werden, bis politische Integration erreicht worden ist. Sie kann aber auch eine auf Dauer angelegte Form der politischen Organisation sein. Konkordanzsysteme beruhen auf der Einsicht, dass keine der beteiligten Gruppen ihre Dominanz durchsetzen kann oder nur zu einem zu hohen Preis. Man kann dieses System auch als eine zivilisierte Form des Waffenstillstandes bezeichnen, als Produkt eines Machtgleichgewichts. Daher sind Konkordanzsysteme immer dann gefährdet, wenn das Gleichgewicht durch demographische Verschiebungen oder externe Einflüsse in Frage gestellt wird.


649 Vgl. dazu bereits die obigen Ausführungen von „Kulturautonomie“ unter B VII 4.

Eine zweite Form ist die Dominanz einer ethnischen Gruppe über andere. [...] Die Methoden der Aufrechterhaltung ethnischer Herrschaft variieren beträchtlich, von demokratischer Mehrheitskontrolle einer Gruppe wie in Israel über die Leugnung des Bestehens ethnischer Gruppen und die Dominanz einer von ihnen wie in Burundi und Syrien, die strikte Reglementierung einer Ethnohierarchie wie bisher in Südafrika bis zur physischen Repression wie in Äthiopien, dem Sudan, dem Irak - und vielerorts. Gerade die zahlreichen Fälle von Repression zeigen jedoch, daß dominierte ethnische Gruppen sich in der Regel nicht auf Dauer mit ihrer Lage abfinden und sich auch in Fällen hoffnungslos

[Seite 69:]

erscheinender Unterlegenheit gegen die Dominanz auflehnen.

[...]

Eine andere Form der Konfliktregelung zielt weder auf die Ausmerzung der dominierten Kulturen noch auf die Dominanz einer ethnischen Gruppe über die andere. Sie wird im politischen Vokabular der Schweiz Konkordanz genannt oder mit dem politikwissenschaftlichen Neologismus consociation bezeichnet.31 Konkordanzsysteme erkennen das Bestehen unterschiedlicher nationaler, sprachlicher oder religiöser Gemeinschaften an und versuchen, ihre Koexistenz zu organisieren. In ihnen werden Meinungsverschiedenheiten nicht durch Mehrheitsentscheidungen, sondern im Konsens und durch Kompromiß geregelt. Die verschiedenen Gruppen nehmen auf der Grundlage des Proporzes oder auch der Parität an der Ausübung der Macht teil. In der Regel besitzen die verschiedenen Gruppen in Konkordanzsystemen weitgehende Kulturautonomie. Konkordanz kann als Konfliktregelung in einer Übergangszeit praktiziert werden, bis politische Integration erreicht worden ist, so in der zweiten österreichischen Republik. Sie kann aber auch eine auf Dauer angelegte Form der politischen Organisation sein, wie dies in der Schweiz, in Belgien, im Libanon und in Malaysia der Fall ist. [...] Sie beruhen auf der Einsicht, daß keine der beteiligten Gruppen ihre Dominanz durchsetzen kann oder nur zu einem Preis, der ihnen zu hoch erscheint. Man könnte Konkordanz als eine zivilisierte Form des Waffenstillstandes bezeichnen, auf jeden Fall als das Produkt eines Machtgleichgewichts. Daher sind Konkordanzsysteme

[Seite 70:]

immer dann gefährdet, wenn das Gleichgewicht durch demographische Verschiebungen oder externe Einflüsse in Frage gestellt wird.


31 Hierzu vgl. Gerhard Lehmbruch, Proporzdemokratie. Politisches System und politische Kultur in der Schweiz und in Österreich, Tübingen 1967, [...]

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[4.] Mra/Fragment 166 13 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-13 22:17:04 Schumann
Fragment, Gesichtet, Hanf 1991, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 166, Zeilen: 13-17, 22-40
Quelle: Hanf 1991
Seite(n): 70 ff., Zeilen: 70: 7 ff.; 71: 1 ff.; 72: 1 ff.
Was immer an ethnischer, sprachlicher oder religiöser Vielfalt in einem Staat besteht, wird nicht nur hingenommen, sondern als Reichtum der Gesellschaft bewertet und gefördert, die Vielfalt wird positiv als Charakteristikum einer übergreifenden Einheit gewertet. Möglich wird dies durch eine strikte Gleichbehandlung aller ethnischen Gruppen und durch Respektierung ihrer kulturellen Eigenart, aber gleichzeitig durch ihre Entpolitisierung. [...]

Sie finden sich dennoch sowohl in autoritär wie liberal demokratisch verfassten Vielvölkerstaaten und ignorieren Menschen bzw. Freiheitsrechte in unterschiedlicher Art und Weise. Diese Regelungen werden allerdings nun häufig mit Versuchen verknüpft, das aus ethnischer Vielfalt resultierende Konfliktpotential zu vermindern, um eine Regelung zu erreichen. Unter diesen Versuchen lassen sich vor allem zwei Mechanismen beobachten: föderalistische Machtdezentralisierung und Kulturautonomie. Föderalismus wirkt konfliktmindernd, da er solchen politischen Kräften, die nicht an der gesamtstaatlichen Macht teilhaben, durch die Möglichkeit regionaler Machtteilhabe eine Befriedigung verschafft, die sie von desperater Totalopposition abgrenzt. Eine ähnliche Wirkung kann auch dem Mechanismus der Kulturautonomie zugeschrieben werden. Dominanzsysteme werden nur zugelassen, wenn die politische wie kulturelle Überlegenheit der herrschenden Gruppe völlig unzweifelhaft ist; in diesem Falle nimmt Kulturautonomie nicht selten einen zwiespältigen Charakter an: Sie bewahrt zwar die Identität der dominierten Gruppe, wirkt aber gleichzeitig durch den mit ihr verbundenen Ausschluss von der herrschenden Kultur diskriminierend. Die beiden Konfliktminderungsmechanismen sind von unterschiedlicher Eignung für unterschiedliche multi-ethnische Problemlagen. Auf den ersten Blick scheint Föderalismus vor allem für Staaten mit klaren Siedlungsgrenzen geeignet zu sein. Kulturautonomie dagegen für Gemengelagen. Beide Mechanismen können durchaus miteinander verbunden sein und sich ergänzen.

Was immer an ethnischer, sprachlicher oder religiöser Vielfalt in einem Staat besteht, wird nicht nur hingenommen, sondern als Reichtum einer Gesellschaft bewertet und gefördert - die Vielfalt wird positiv als Charakteristikum einer übergreifenden Einheit gewertet. Möglich wird dies durch eine strikte Gleichbehandlung aller ethnischen Gruppen und durch Respektierung ihrer kulturellen Eigenart, aber gleichzeitig durch ihre Entpolitisierung. [...]

Die dargestellten fünf Hauptformen der Konfliktregelung finden sich sowohl in autoritär wie liberal demokratisch verfaßten Vielvölkerstaaten, wenn auch in unterschiedlicher Verteilung.

[Seite 71:]

In den meisten politischen Systemen, die eine der verbliebenen vier Regelungsformen verwenden, weiden diese verbunden mit Versuchen, das aus ethnischer Vielfalt resultierende Konfliktpotential zu vermindern, um die Regelung zu erleichtern. Unter diesen Versuchen lassen sich vor allem zwei Mechanismen beobachten: föderalistische Machtdezentralisierung und Kulturautonomie.

Föderalismus wirkt konfliktmindernd, da er solchen politischen Kräften, die nicht an der gesamtstaatlichen Macht teilhaben, durch die Möglichkeit regionaler Machtteilhabe eine Befriedigung verschafft, die sie von desperater Totalopposition abhält.

[...]

Ähnliches gilt auch für den Mechanismus der Kulturautonomie. Dominanzsysteme lassen sie nur dann zu, wenn die politische wie die kulturelle

[Seite 72:]

Überlegenheit der herrschenden Gruppe völlig unzweifelhaft ist; in diesem Falle nimmt Kulturautonomie nicht selten einen zwiespältigen Charakter an: Sie bewahrt zwar die Identität der dominierten Gruppe, wirkt aber gleichzeitig durch den mit ihr verbundenen Ausschluß von der herrschenden Kultur diskriminierend. [...]

Die beiden Konfliktminderungsmechanismen sind von unterschiedlicher Eignung für unterschiedliche multi-ethnische Problemlagen. Auf den ersten Blick scheint Föderalismus vor allem für Staaten mit klaren Siedlungsgrenzen ethnischer Gruppen geeignet zu sein, Kulturautonomie hingegen für Gemengelagen. [...] Beide Mechanismen können durchaus miteinander verbunden sein und sich ergänzen.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle, kein Hinweis auf eine Übernahme.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[5.] Mra/Fragment 169 03 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-14 11:46:24 Schumann
Fragment, Gesichtet, Hanf 1991, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 169, Zeilen: 3-16
Quelle: Hanf 1991
Seite(n): 82, Zeilen: 13 ff.
Wenn eine dominante Gruppe sich für anpassungsbereite Individuen öffnet, wird Erziehung dabei übrigens zur wichtigsten Agentur der erfolgreichen Akkulturation. Entscheidend für den Erfolg der Assimilation durch Erziehung ist jedoch die Möglichkeit, erfolgreiche Akkulturation ökonomisch zu belohnen. Für eine effektive Verbesserung von Lebenschancen sind viele Menschen bereit, eine kulturelle Identität aufzugeben, die dieser im Wege steht. Eine schnell expandierende Gesellschaft bietet daher die besten Voraussetzungen dafür, kulturelle und ethnische Partikularismen zum Verschwinden zu bringen. Beim Fehlen dieser Voraussetzungen, d.h., wenn ökonomische Belohnungen für Anpassung nur in begrenztem Maß zur Verfügung stehen, kann assimilatorische Bildungspolitik nur zu begrenzter Adaption akkulturationsbereiter Eliten der dominierten Gruppen führen. In diesen Fällen pflegen Bildungssysteme rigorose interne Selektivität zu praktizieren. Wer dabei zu den Verlierern gehört, tendiert dazu, seinen Misserfolg nicht dem System, sondern eigener Unfähigkeit zuzuschreiben. Dies führt gewöhnlich zu Resignation und politischer Abstinenz. Wenn eine dominante Gruppe sich für anpassungsbereite Individuen öffnet, wird Erziehung zur wichtigsten Agentur der erforderlichen Akkulturation. Entscheidend für den Erfolg der Assimilation durch Erziehung ist jedoch die Möglichkeit, erfolgreiche Akkulturation ökonomisch zu belohnen. Für eine effektive Verbesserung von Lebenschancen sind viele Menschen bereit, eine kulturelle Identität aufzugeben, die dieser im Wege steht.

Eine schnell expandierende Wirtschaft wie zum Beispiel die Frankreichs im 19. Jahrhundert bietet daher die besten Voraussetzungen dafür, kulturelle und ethnische Partikularismen zum Verschwinden zu bringen. Beim Fehlen dieser Voraussetzungen, das heißt, wenn ökonomische Belohnungen für Anpassung nur in begrenztem Maße zur Verfügung stehen, kann assimilatorische Bildungspolitik nur zu begrenzter Kooptation akkulturationsbereiter Eliten der dominierten Gruppen führen. In diesen Fällen pflegen Bildungssysteme rigorose interne Selektivität zu praktizieren. Wer dabei zu den Verlierern gehört, tendiert dazu, seinen Mißerfolg nicht dem System, sondern eigener Unfähigkeit zuzuschreiben. Dies führt gewöhnlich zu Resignation und politischer Abstinenz.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle, kein Hinweis auf eine Übernahme.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[6.] Mra/Fragment 182 12 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-14 11:48:10 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Hanf 1991, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 182, Zeilen: 12-21
Quelle: Hanf 1991
Seite(n): 80, 81, Zeilen: 80: 34 ff.; 81: 22 ff.
Die Perzeption der geringen Achtung einer Sprache oder Religion innerhalb eines Bildungssystems hingegen neigt dazu, bei den Betroffenen tiefe Ressentiments entstehen zu lassen. Wenn Schüler733 sich benachteiligt fühlen und ihre zukünftigen Lebenschancen als begrenzt einschätzen, dann sind sie wenig geneigt, dem zu glauben, was ihnen in der Schule vermittelt wird. Den Meinungen ihrer Eltern und Verwandten, ihrer Altersgenossen der gleichen ethnischen Gruppe schenken sie mehr Vertrauen als dem, was Lehrer aus anderen Gruppen und Schulbücher vermitteln. Eine offiziell vorgeschriebene Lektüre kann also eine der ihr implizierten Absicht gegenteilige Wirkung haben. In Israel z.B. führte die lehrplanmäßige Behandlung des Zionismus bei arabischen Kindern zu einer Verstärkung palästinensisch-nationaler Gefühle.734

733 Strukturelle Defizite weist die Sprachförderung zum jetzigen Zeitpunkt insbesondere in bestimmten Schlüsselphasen der fortgeschrittenen Schullaufbahn auf, etwa beim Übergang von der Primarstufe zur Sekundarstufe, obgleich spezifische Sprachprobleme gerade dann auftreten und nur in dieser Situation bewältigt werden können, Langenfeld, AöR 123, 375.

734 Hanf, in: Fröschl/Mesner/Ra´anan, Staat und Nation in multi-ethischen Gesellschaften, Wien 1991, S. 81.

Die Perzeption der geringeren Achtung einer Sprache oder einer Religion innerhalb eines Bildungssystems hingegen pflegt bei den Betroffenen tiefe Ressentiments entstehen

[Seite 81:]

zu lassen.

[...]

Wenn Schüler sich benachteiligt fühlen und ihre zukünftigen Lebenschancen als begrenzt einschätzen, dann sind sie wenig geneigt, dem zu glauben, was ihnen in der Schule vermittelt wird. Den Meinungen ihrer Eltern und Verwandten, ihrer Altersgenossen der gleichen ethnischen Gruppe schenken sie mehr Vertrauen als dem, was Lehrer aus anderen Gruppen und Schulbücher vermitteln. Offiziell vorgeschriebene Lektüre kann eine der ihr implizierten Absicht gegenteilige Wirkung haben: In Israel führte die lehrplanmäßige Behandlung des Zionismus bei arabischen Kindern zu einer Verstärkung palästinensisch-nationaler Gefühle, in Südafrika die des Afrikaander-Nationalismus bei schwarzen Kindern zu afrikanischem Nationalismus.

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 734 genannt.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[7.] Mra/Fragment 191 19 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-14 11:50:58 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Hanf 1991, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 191, Zeilen: 19-30
Quelle: Hanf 1991
Seite(n): 79, Zeilen: 13 ff.
Dies ist deshalb so, weil Bildung sowohl eine allokative wie sozialisierende Funktion hat, die nicht allein den Status und die Einstellungen von Individuen, sondern auch die ethnischen Gruppen entscheidend bestimmt. Zugang zu Bildungssystemen und Erfolge in ihnen haben Auswirkungen auf Prestige und Einkommen, sie determinieren die Lebenschancen. Bildungsprivilegien werden ebenso vehement verteidigt, wie Bildungsdiskriminierung andererseits bekämpft wird. Solche Konflikte sind nicht selten noch schärfer als unmittelbare Konflikte um Einkommen und Vermögen, da viele Menschen zwar bereit sind, ihre eigene Benachteiligung hinzunehmen, aber nicht mehr die ihrer Kinder. Gerade der meritokratische Anspruch moderner Bildungssysteme stellt die Hinnahme askriptiver Statuszuweisung oder traditioneller ethnischer Hierarchien in Frage.782 Versuche der Aufrechterhaltung ungleicher Bildungschancen sind daher besonders geeignet, offenen ethnischen Konflikt zu provozieren.

782 Hanf, in: Fröschl/Mesner/Ra´anan, Staat und Nation in multi-ethischen Gesellschaften, Wien 1991, S. 79.

Bildungspolitik steht häufig im Zentrum ethnischer Konflikte. Dafür gibt es gute Gründe. Bildung hat sowohl allokative wie sozialisierende Funktionen, die nicht allein den Status und die Einstellungen von Individuen, sondern auch von ethnischen Gruppen entscheidend mitbestimmen.46

Zugang zu Bildungssystemen und Erfolge in ihnen haben Auswirkungen auf Prestige und Einkommen, sie determinieren Lebenschancen. Bildungsprivilegien werden ebenso erbittert verteidigt, wie Bildungsdiskriminierung bekämpft. Solche Konflikte sind nicht selten noch schärfer als unmittelbare Konflikte um Einkommen und Vermögen, da viele Menschen zwar bereit sind, ihre eigene Benachteiligung hinzunehmen, aber nicht mehr die ihrer Kinder. Gerade der meritokratische Anspruch moderner Bildungssysteme stellt die Hinnahme askriptiver Statuszuweisung oder traditioneller ethnischer Hierarchien in Frage. Versuche der Aufrechterhaltung ungleicher Bildungschancen sind daher besonders geeignet, offenen ethnischen Konflikt zu provozieren.


46 Zum folgenden vgl. Theodor Hanf, The Political Function of the Educational System in Culturally Segmented States, in: Zeitschrift für erziehungs- und sozialwissenschaftliche Forschung, Jg. 1/2 (1984), S. 281-299.

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 782 genannt.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

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