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Quelle:Mra/Korioth 1997

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Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Stefan Korioth
Titel    Islamischer Religionsunterricht und Art.7 III GG. Zu den Voraussetzungen religiöser Vielfalt in der öffentlichen Pflichtschule
Zeitschrift    NVwZ
Jahr    1997
Seiten    1041 ff.

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    ja
Fragmente    5


Fragmente der Quelle:
[1.] Mra/Fragment 274 12 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-14 12:21:56 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Korioth 1997, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 274, Zeilen: 12-16, 24-34, 109-113(-275: 101-106)
Quelle: Korioth 1997
Seite(n): 1041 f., Zeilen: online
Die enge Verbindung bedeutet anhaltende politische Brisanz des Religionsunterrichts inden öffentlichen Schulen. Die Rechts- und Akzeptanzfragen, die aufgeworfen werden, sind empfindliche und deutliche Indikatoren für aktuelle oder sich anbahnende Probleme des Staatskirchenrechts. Bisher war deshalb in den christlichen Kirchen und in den Kultusverwaltungen die Neigung spürbar, beim Religionsunterricht möglichst alles beim alten zu belassen. [...] Gravierende religionspädagogische und verfassungsrechtliche Probleme entstehen aber letztlich dann, wenn im weltanschaulich neutralen, dennoch durch christlich-abendländische Tradition geprägten Staat, religiöse Überzeugungen seiner Anwohner und Bürger an Bedeutung gewinnen, die zwar außerhalb dieser Tradition stehen, aber trotzdem die hergebrachten Institute des Staatskirchenrechts für sich beanspruchen. Die Kulturministerien einiger Länder erwägten, wenngleich mit Vorsicht und Zurückhaltung, die Einführung eines islamischen Religionsunterrichtes. Im Sommer 1994 machte das nordrhein-westfälische Kultusministerium bekannt, dass muslimische Schüler ab dem Schuljahr 1996/1997 in „Werte und Sinnfragen“ unterrichtet werden sollen. Die Begründung für dieses Vorhaben, mit dem bestehenden Unterrichtsformen1298 weitergeführt und vertieft werden sollen, erregte Aufmerksamkeit.

1298 Seit 1984 gibt es in Nordrhein-Westfalen „Religiöse Unterweisung und Vermittlung religiöser Lehrinhalte auf islamischer Grundlage für Schüler aus islamischen Ländern“ im Rahmen des in der taatlichen Schule veranstalteten muttersprachlichen Ergänzungsunterrichts. Entsprechendes gilt in Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und teilweise in Bayern. Daneben gibt es in den Ländern zwei weitere Formen islamischen Unterrichts: 1. eine religiöse Unterweisung auf islamischer Grundlage für muslimische Schüler im Rahmen des [von diplomatischen Vertretungen veranstalteten muttersprachlichen Ergänzungsunterrichts ist in Baden- Württemberg, Berlin (nicht an öffentlichen Schulen, aber mit finanzieller Unterstützung durch das Land), im Saarland und in Schleswig-Holstein (außerhalb der staatlichen Schulverantwortung) möglich; 2. Religiöse Unterweisung auf islamischer Grundlage, insbesondere für türkische Schüler, ist im Rahmen des Regelunterrichts nach deutschen Lehrplänen in den Jahrgangsstufen 1 bis 5 der bayerischen Volksschulen eingerichtet. Keine religiöse Unterweisung auf islamischer Grundlage findet in den Schulen der neuen Länder und Bremens statt, vgl. Korioth, NVwZ 1997,1041 m. w. N.]

Die enge Verbindung bedeutet anhaltende politische Brisanz des Religionsunterrichts in den öffentlichen Schulen. Die Rechts- und Akzeptanzfragen, die er aufwirft, sind empfindliche und deutliche Indikatoren für aktuelle oder sich anbahnende Probleme des Staatskirchenrechts5. Bisher war deshalb in den christlichen Kirchen und in den Kultusverwaltungen die Neigung spürbar, beim Religionsunterricht möglichst alles beim alten zu belassen.

[Seite 1042]

Schon der christliche Religionsunterricht befindet sich in der Krise. Gravierende religionspädagogische und verfassungsrechtliche Probleme entstehen aber dann, wenn im weltanschaulich neutralen, dennoch durch christlich-abendländische Traditionen geprägten Staat religiöse Überzeugungen seiner Einwohner und Bürger an Bedeutung gewinnen, die zwar außerhalb dieser Tradition stehen, aber trotzdem die hergebrachten Institute des Staatskirchenrechts für sich beanspruchen.

Die Kultusministerien einzelner Länder erwägen - wenngleich mit deutlicher spürbarer Vorsicht und Zurückhaltung - die Einführung islamischen Religionsunterrichts. Im Sommer 1994 wurde aus dem Kultusministerium in Nordrhein-Westfalen bekannt, daß muslimische Schüler ab dem Schuljahr 1996/97 in “Werte- und Sinnfragen” unterrichtet werden sollen. Die Begründung für dieses Vorhaben, mit dem seit einem Jahrzehnt bestehende Unterrichtsformen6 weitergeführt und vertieft werden sollen, ließ aufhorchen: [...]


5 Ein Beispiel aus neuester Zeit: Im Sommer 1990 wandte sich der Bund der evangelischen Kirchen in der DDR gegen eine Einführung des Religionsunterrichts nach Art. GG Artikel 7 GG Artikel 7 Absatz III GG in den neuen Ländern, vgl. Winter, NVwZ 1991, NVWZ Jahr 1991 Seite 753. Es wurde - auf dem Hintergrund der Erfahrungen im Verhältnis von Staat und Kirche in der DDR nur allzu verständlich - eine Vereinnahmung der Kirchen durch den Staat befürchtet. Diese Sorge scheint überwunden. Inzwischen haben alle östlichen Länder - mit Ausnahme Brandenburgs, das unter Berufung auf Art. GG Artikel 141 GG unter heftigem Widerspruch der Kirchen das Fach “Lebensgestaltung/Ethik/Religion” geschaffen hat -, Religionsunterricht nach dem Modell des Art. GG Artikel 7 GG Artikel 7 Absatz III GG eingeführt, vgl. Schlink, NJW 1992, NJW Jahr 1992 Seite 1008; de Wall, Theologische Literaturzeitung 119 (1994), 292; Kremser, JZ 1995, JZ Jahr 1995 Seite 928. Zur Situation des Religionsunterrichts in den neuen Ländern s. Stadler, FAZ Nr. 124 v. 30. 5. 1995, S. 37.

6 Seit 1984 gibt es in Nordrhein-Westfalen “Religiöse Unterweisung und Vermittlung religiöser Lehrinhalte auf islamischer Grundlage für Schüler aus islamischen Ländern” im Rahmen des in der staatlichen Schule veranstalteten muttersprachlichen Ergänzungsunterrichts, vgl. Lähnemann (o. Fußn. 1), S. 112ff. Entsprechendes gilt in Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und teilweise in Bayern. Daneben gibt es in den Ländern zwei weitere Formen islamischen Unterrichts: a) Religiöse Unterweisung auf islamischer Grundlage für muslimische Schüler im Rahmen des von diplomatischen Vertretungen veranstalteten muttersprachlichen Ergänzungsunterrichts ist in Baden-Württemberg, Berlin (nicht an öffentlichen Schulen, aber mit finanzieller Unterstützung durch das Land), im Saarland und in Schleswig-Holstein (außerhalb der staatlichen Schulverantwortung) möglich; b) Religiöse Unterweisung auf islamischer Grundlage, insb. für türkische Schüler, ist im Rahmen des Regelunterrichts nach deutschen Lehrplänen in den Jahrgangsstufen 1 bis 5 der bayerischen Volksschulen eingerichtet. Keine religiöse Unterweisung auf islamischer Grundlage findet in den Schulen der neuen Länder und Bremens statt (schriftliche Auskunft des Sekretariats der Ständigen Konferenz der Kulturminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland vom 1. 12. 1995). Die verschiedenen religionspädagogischen Konzepte und Modelle islamischen Unterrichts beschreibt Siegele (o. Fußn. 2), S. 33ff.; s. auch Stempel, Zwischen Koran und GG. Religiöse Betätigung muslimischer Ausländer in der BRep. Dtschld., Diss.jur. Hamburg 1986, S. 339ff.

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 1298 (recht unspezifisch) genannt, die Wörtlichkeit der Übernahme bleibt jedoch ungekennzeichnet.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[2.] Mra/Fragment 275 14 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-14 12:24:47 Schumann
Fragment, Gesichtet, Korioth 1997, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 275, Zeilen: 14-21, 114-118
Quelle: Korioth 1997
Seite(n): 1042, Zeilen: online
Wie weit reicht nun aber die Befugnis des Staates zur Einrichtung und Gestaltung dieses Religionsunterrichts? Bedarf es Abstimmungen mit islamischen Religionsgemeinschaften? Haben islamische Eltern und Schüler, aber auch islamische Glaubensgemeinschaften, einen grundrechtlichen Anspruch auf Religionsunterricht nach ihren Vorstellungen in öffentlichen Schulen? Setzt der Religionsunterricht als gemeinsame Angelegenheit von Staat und Religionsgemeinschaft voraus, dass die betreffende Religionsgemeinschaft den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts1300 hat?

1300 Keine verfassungsrechtlichen Probleme entstehen dadurch, dass die Landesverfassungen teilweise ausdrücklich dem christlichen Staatsbild verpflichtet sind, wonach die schulische Erziehung auf die Ehrfurcht vor Gott zielt. Eine normativ zwingende Verengung möglicher Inhalte des Religionsunterrichts auf solche christlich-abendländischer Herkunft folgt daraus nicht, denn dies stünde im Widerspruch zu den Grundprinzipien des säkularen, pluralistischen und weltanschaulich neutralen Staates nach dem Grundgesetz.

Wie weit reicht die Befugnis des Staates zur Einrichtung und Gestaltung dieses Religionsunterrichts, was genau bedürfte der Abstimmung mit den islamischen Religionsvereinigungen? Haben islamische Eltern und Schüler, aber auch islamische Glaubensgemeinschaften einen grundrechtlichen Anspruch auf Religionsunterricht nach ihren Vorstellungen in öffentlichen Schulen? (II). Und weiter: Setzt der Religionsunterricht als gemeinsame Angelegenheit von Staat und Religionsgemeinschaft voraus, daß die betreffende Religionsgemeinschaft den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts hat? (III)13.

13 Keine verfassungsrechtlichen Probleme entstehen dadurch, daß die Landesverfassungen teilweise ausdrücklich dem christlichen Staatsbild verpflichtet sind, so z.B. Art. Artikel 7 NWVerf., wonach die schulische Erziehung auf die “Ehrfurcht vor Gott” zielt. Eine normativ zwingende Verengung möglicher Inhalte des Religionsunterrichts auf solche christlich-abendländischer Herkunft folgt daraus nicht, denn dies stünde in Widerspruch zu den Grundprinzipien des säkularen, pluralistischen und weltanschaulich neutralen Staates nach dem Grundgesetz.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[3.] Mra/Fragment 277 104 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-14 12:26:07 Schumann
Fragment, Gesichtet, Korioth 1997, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 277, Zeilen: 104-113
Quelle: Korioth 1997
Seite(n): 0, Zeilen: online
[...]

1308 In der Literatur ist allerdings häufig ein Unbehagen zu spüren, den weiten Schutzbereich des Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 GG ohne Vorbehalt dem islamischen Glauben und seiner Glaubensbetätigung zu öffnen, vgl. Müller-Vorbehr [sic], DÖV 1995, 301, der dem Islam einen Grundrechtsschutz „grundsätzlich“ zugesteht. Das Unbehagen erklärt sich zum einen daraus, dass der Islam das Leben der Gläubigen vollständig prägt und erfasst, jedes Verhalten also zumindest religiös motiviert, wenn nicht sogar nach dem Selbstverständnis des Islam, Religionsübung ist. Zum anderen schwingt bei Art. 4 GG die christlich-abendländische Prägung der Glaubensfreiheit mit. So hat das Bundesverfassungsgericht formuliert, das Grundgesetz habe „nicht irgendeine, wie auch immer geartete Betätigung des Glaubens schützen wollen, sondern nur diejenige, die sich bei den heutigen Kulturvölkern auf dem Boden gewisser übereinstimmender sittlicher Grundanschauungen im Laufe der geschichtlichen Entwicklung herausgebildet hat.“ BVerfG, NJW 1961, 211.

[...]

14 Vgl. nur BVerwGE 94, 82 (87) = NVwZ 1994, 578 = NJW 1994, 1889 L; v. Campenhausen, ZevKR 25 (1980), Z4 (136f., 149); ders., ZevKR 37 (1992), 405 (409); Loschelder, in: Essener Gespräche 20 (1986), 149 (152); Müller-Volbehr, DÖV 1995, 301 (307). - In der Lit. ist allerdings häufig ein Unbehagen zu spüren, den weiten Schutzbereich des Art. GG Artikel 4 GG Artikel 4 Absatz I u. GG Artikel 4 Absatz II GG ohne Vorbehalt dem islamischen Glauben und seiner Glaubensbetätigung zu öffnen, vgl. Müller-Volbehr, aaO.: dem Islam stehe der Grundrechtsschutz “grundsätzlich” zu; Loschelder, aaO.: es sei “sorgsam zu prüfen, wie weit sich dieser Grundrechtsschutz im einzelnen erstreckt”. Das Unbehagen erklärt sich zum einen daraus, daß der Islam das Leben der Gläubigen vollständig prägt und erfaßt, jedes Verhalten also zumindest religiös motiviert, wenn nicht sogar nach dem Selbstverständnis des Islam Religionsübung ist. Zum anderen schwingt bei Art. GG Artikel 4 GG die christlich-abendländische Prägung der Glaubensfreiheit mit. So hat das BVerfG gemeint, das Grundgesetz habe “nicht irgendeine, wie auch immer geartete freie Betätigung des Glaubens schützen wollen, sondern nur diejenige, die sich bei den heutigen Kulturvölkern auf dem Boden gewisser übereinstimmender sittlicher Grundanschauungen im Laufe der geschichtlichen Entwicklung herausgebildet hat”, BVerfGE 12, 1 (4) = NJW 1961, 211.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[4.] Mra/Fragment 296 03 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-14 12:15:57 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Korioth 1997, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 296, Zeilen: 3-7, 10-21, 23-33, 103-110
Quelle: Korioth 1997
Seite(n): 1042, 1044, Zeilen: online
Bei muslimischen Kindern bestehe immerhin die Gefahr, dass diese während der Schulzeit keine systematische Werterziehung erführen.1378 Danach gebe es ein staatliches Interesse an islamischem Religionsunterricht, denn muslimische religiöse Unterweisung müsse es den jungen Gläubigen ermöglichen, die Wertnormen der deutschen Gesellschaft zu verstehen, zu akzeptieren und Spannungen zwischen unterschiedlichen Wertvorstellungen auszuhalten.1379

[...] Die politische Zielsetzung sollte demnach dahin ausgerichtet werden, dass die wichtigsten Handlungsmöglichkeiten des Staates auf dem Gebiet der Konvergenzpolitik liegen, um so eine Plattform zu schaffen, auf der sich die unterschiedlichen Wertvorstellungen treffen können. Der Dialog mit den islamisch-religiösen Autoritäten in der Bundesrepublik sollte gefördert werden sowie religionspädagogische Entwürfe auf ein positives Verhältnis des Islam zu den neuzeitlichen Gesellschaftsstrukturen, wie auch wissenschaftspolitisches Bemühen um eine Einbeziehung der Heranbildung und der Fortbildung islamischer Religionslehrer auf der Höhe des Anspruchsniveaus neuzeitlicher europäischer Theologie und Religionspolitik. Die offene Kommunikation mit der Umwelt sollte eingesetzt werden, um auf beiden Seiten einen Lernprozess in Gang zu setzen und damit ein vom gegenseitigen Verständnis getragenes Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit gefördert werden kann. [...] Dem sozial segregativen Einfluss, der fundamentalistischen Ausrichtung und die fehlende Transparenz, den die Korankurse ausüben, soll der schulische islamische Unterricht entgegenwirken, was aus gesellschaftspolitischem Blickwinkel zu begrüßen wäre.

Daraus resultieren aber wiederum die Vorbehalte, mit denen islamische Glaubensgruppen dem staatlichen Religionsunterricht begegnen. Gingen sie auf den staatlichen Unterricht ein, so träfen sie auf die staatliche Gestaltungskompetenz. Der Grat, auf den sich der Staat hierbei begibt, wenn er eine seinem Kulturkreis fremde Religion in die Schule hinzufügen will, erscheint schmal. Die Hilfestellung für diese Religion, und sei sie auch dieselbe wie die den christlichen Bekenntnissen gewährte, kann einerseits Verunsicherung bei allen Beteiligten hervorrufen, andererseits in fürsorgliche Bevormundung der islamischen Lehren in den Schulen umschlagen.


1378 Korioth, NVwZ 1997, 1041.

1379 Muslime und muslimische Verbände stehen den Überlegungen der Kultusbehörden gespalten gegenüber. Einerseits gibt es Stimmen, die schon seit langem islamischen Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach in der Regelschule fordern; die Ausklammerung des Islam aus der Schule wird, ähnlich der bislang islamischen Glaubensgemeinschaften nicht gewährten Rechtsstellung der Körperschaft des öffentlichen Rechts, als Diskriminierung empfunden. Andererseits stieß die nordrhein-westfälische Initiative wiederum auf Kritik: Muslimische Verbände wurden vom Kultusministerium nicht beteiligt und befürchteten nun staatliche Reglementierung über sie hinweg und beklagten die Gleichsetzung islamischer und konfessionsloser Schüler, vgl. Korioth, NVwZ 1997, 1041 m. w. N.

Es bestehe die Gefahr, daß diese Kinder während der Schulzeit keine systematische Werteerziehung erführen7. Es gibt danach ein staatliches Interesse an islamischem Religionsunterricht. [...] Muslimische religiöse Unterweisung müsse es den jungen Gläubigen ermöglichen, die Wertnormen der deutschen Gesellschaft zu verstehen und zu akzeptieren und Spannungen zwischen unterschiedlichen Wertvorstellungen auszuhalten8.

Muslime und muslimische Verbände stehen den Überlegungen der Kultusbehörden gespalten gegenüber. Einerseits gibt es Stimmen, die schon seit langem islamischen Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach in der Regelschule fordern9; die Ausklammerung des Islam aus der Schule wird, ähnlich der bislang islamischen Glaubensgemeinschaften nicht gewährten Rechtsstellung der Körperschaft des öffentlichen Rechts10, als Diskriminierung empfunden. Andererseits stieß die nordrhein-westfälische Initiative auf Kritik: Muslimische Verbände - das Kultusministerium hatte sie an seinen Überlegungen nicht beteiligt - befürchteten staatliche Reglementierung über sie hinweg und monierten die Gleichsetzung islamischer und konfessionsloser Schüler11.

[Seite 1044]

Dem sozial segregativen Einfluß, den die Korankurse ausüben, soll der schulische islamische Unterricht entgegenwirken. Daraus resultieren aber wiederum die Vorbehalte, mit denen islamische Glaubensgruppen dem staatlichen Religionsunterricht begegnen. Gingen sie auf den staatlichen Unterricht ein, so träfen sie auf die staatliche Gestaltungskompetenz. Der Grat, auf den sich der Staat begibt, wenn er eine seinem Kulturkreis fremde Religion in die Schule hineinnehmen will, ist schmal: Die Hilfestellung für diese Religion, und sei sie auch dieselbe wie die den christlichen Bekenntnissen gewährte, kann einerseits Verunsicherung bei allen Beteiligten hervorrufen, andererseits in fürsorgliche Bevormundung des islamischen Lehrens in den Schulen umschlagen.


1 Genaue Zahlen fehlen. Albrecht, in: Essener Gespräche 20 (1986), 82 (88), schätzte für Nordrhein-Westfalen und bezogen auf das Schuljahr 1984/85 die Zahl der islamischen Schüler auf 170000, das waren 5,6 % der Gesamtschülerzahl. Lähnemann, in: Hagemann/Pulsfort (Hrsg.), Festschr. f. Khoury, 1990, S. 106 (107), nennt, bezogen auf die alte Bundesrepublik und das Jahr 1990, die Zahl von mindestens 500000 Schülern islamischen Glaubens: “(...) jedes 10. Schulkind kommt inzwischen aus einer islamischen Familie”

7 Vgl. Huber-Rudolf, in: Herder-Korrespondenz 48 (1994), 580 (581). Zu früheren Überlegungen und den Stellungnahmen der christlichen Kirchen hierzu s. Dt. Bischofskonferenz (Hrsg.), Christen und Muslime in Deutschland, Arbeitshilfen Nr. 106 v. 4. 3. 1993, S. 69f.

8 Möglichkeiten religiöser Erziehung muslimischer Schüler in der BRep. Dtschld. Bericht der Kommission “islamischer Religionsunterricht” der KMK vom 20. 3. 1984, S. 2f.

9 Vgl. Wanzura, in: Hagemann/Pulsfort (o. Fußn. 1), S. 79 (90). Die früheste Initiative in dieser Richtung dürfte die Anfrage des Türkisch-Islamischen Kulturvereins e.V. an den Hess. Kultusminister vom 4. 9. 1978 gewesen sein, vgl. Huber-Rudolf (o. Fußn. 7), S. 580.

10 Dazu Muckel, DÖV 1995, DOEV Jahr 1995 Seite 311; Stempel (o. Fußn. 6), S. 297ff.

11 Ähnliche und teils weitergehende Einwände wurden in der Stellungnahme von Muslimen zu dem früheren Entwurf der Curriculum-Kommission Nordrhein-Westfalen (Lehrplanentwurf “Religiöse Unterweisung für Schüler islamischen Glaubens”) vom Mai 1988 geäußert: “Ein Schwachpunkt des Curriculums, wenn auch nicht der wichtigste, ist die Überfrachtung mit christlichen Inhalten und christlich-abendländischen Denkvorstellungen. Die Hauptkritikpunkte liegen aber darin, daß alle guten Ansätze des Curriculums zunichte gemacht werden durch die verhängnisvolle Konfliktpädagogik mit ihrem gesellschaftsbezogenen Ansatz”, zit. nach Dt. Bischofskonferenz (o. Fußn. 7), S. 73. Zu den Hoffnungen, Erwartungen und Befürchtungen muslimischer Interessengruppen gegenüber schulischem Religionsunterricht s.a. die Beiträge in Kiesel/Seif/Sievering (Hrsg.), Islamunterricht an deutschen Schulen?, 1986, S. 45-95.

29 So auch schon die von Albrecht (o. Fußn. 1), S. 112f., skizzierte politische Zielsetzung: “Wichtigste Handlungsmöglichkeiten des Staates auf dem Gebiet der Konvergenzpolitik sind der Dialog mit den islamischen religiösen Autoritäten in der Bundesrepublik und Einflußnahmen durch religionspädagogische Entwürfe auf ein positives Verhältnis des Islam zu den neuzeitlichen Gesellschaftsstrukturen sowie wissenschaftspolitisches Bemühen um eine Einbeziehung der Heranbildung und der Fortbildung islamischer Religionslehrer auf der Höhe des Anspruchsniveaus neuzeitlicher europäischer Theologie und Religionspolitik. (...) Der Dialog sollte eingesetzt werden, um auf islamischer Seite einen Lernprozeß in Gang (!) zu setzen (...)".)

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 1378 und 1379 erwähnt. Das lässt aber nicht vermuten, dasss es sich weitgehend um eine wörtliche Übernahme handelt.

Dass Korioth ALbrecht zitiert, ist bei Mra nicht mehr erkennbar.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[5.] Mra/Fragment 298 17 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-14 12:18:17 Schumann
Fragment, Gesichtet, KomplettPlagiat, Korioth 1997, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
KomplettPlagiat
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 298, Zeilen: 17-21
Quelle: Korioth 1997
Seite(n): 1046, Zeilen: online
Allenfalls die Erwähnung der Grundsätze der Religionsgemeinschaften, denen der Unterricht entsprechen muss, lässt erkennen, dass nicht jede Vereinigung erwarten kann, Unterricht in ihrem Glauben werde in der öffentlichen Schule stattfinden. Grundsätze kann nur haben, wer einen Mindestbestand an festliegenden Glaubensinhalten aufweist, was wiederum Beständigkeit und Organisiertheit voraussetzt. Allenfalls die Erwähnung der Grundsätze der Religionsgemeinschaften, denen der Unterricht entsprechen muß, läßt erkennen, daß nicht jede religiöse Vereinigung erwarten kann, Unterricht in ihrem Glauben werde in der öffentlichen Schule stattfinden. Grundsätze kann nur haben, wer einen Mindestbestand an festliegenden Glaubensinhalten aufweist; dies wiederum setzt Beständigkeit und Organisiertheit voraus.
Anmerkungen

Kleinteilig, aber wortlautidentisch - und nicht trivial.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

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