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Quelle:Mra/Tibi 1994

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Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Bassam Tibi
Titel    Im Schatten Allahs - der Islam und die Menschenrechte
Ort    München
Jahr    1994

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    ja
Fragmente    33


Fragmente der Quelle:
[1.] Mra/Fragment 009 22 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-24 05:47:00 Klgn
Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 9, Zeilen: 22-29
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 300, Zeilen: 15 ff.
Diese Zuwanderung nach Europa stellt eine Herausforderung gleichermaßen an die Migranten dar wie an die sie aufnehmenden europäischen Staaten. Wie reagiert das demokratische System der Bundesrepublik Deutschland auf diese Herausforderung unter Kenntnis der Tatsache, dass die Zuwanderer aus vormodernen Kulturen kommen, die keine Demokratieerfahrung haben? Liegt ein gutes Integrationskonzept für die Einbindung der Ein- und Zuwanderer in die Demokratie der deutschen Gesellschaft vor? Wenn man von der Integration der in einem Land lebenden Ausländer spricht, muss man zwangsläufig auch auf das jeweilige politische System eingehen.2

2 Vgl. auch zu Menschenrechten im Islam: Interview von Regina Mönch mit dem Islamwissenschaftler Ralph Ghadban, in: Das Parlament Nr. 32/33 vom 6. August 2007.

Die Zuwanderung aus den islamischen Mittelmeerländern (vormoderne Kulturen) nach Europa stellt eine Herausforderung gleichermaßen an die Migranten wie an die sie aufnehmenden europäischen Staaten dar. Wie reagiert das demokratische System der Bundesrepublik Deutschland auf diese Herausforderung unter Kenntnis der Tatsache, daß die Zuwanderer aus vormodernen Kulturen kommen, die keine Demokratie kennen? Liegt ein Integrationskonzept für die Einbindung der Ein- und Zuwanderer in die Demokratie der deutschen Gesellschaft vor? Wenn man von der Integration der in einem Land lebenden Ausländer spricht, muß man zwangsläufig auf das jeweilige politische System eingehen.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(SleepyHollow02), Klgn

[2.] Mra/Fragment 018 25 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-25 12:39:46 Klgn
Fragment, KeineWertung, Mra, SMWFragment, Schutzlevel, Tibi 1994, ZuSichten

Typus
KeineWertung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 18, Zeilen: 25-39
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 179 f., Zeilen: 179: 4 ff.; 180: 10 ff.
In vormodernen Kulturen gehört es im allgemeinen zu den entsprechenden Sitten und Bräuchen, dass ein Mann Vormund der weiblichen Angehörigen seiner Familie ist, den Frauen wird mithin ihre Subjektivität abgesprochen. Können nun in einer multikulturellen Gesellschaft die Frauen der Migranten aus diesen Kulturen ähnliche Menschenrechte wie die Männer beanspruchen? Ein Beispiel aus Ägypten43: Es geht um den Mord an einer Mutter und ihrem Baby. Die Tat wurde nicht durch fremde Mörder, sondern kollektiv durch alle drei Brüder jener Frau begangen. Die vierzigjährige Frau war schon lange geschieden, lebte also nicht in ehelichen Verhältnissen und war dennoch schwanger. Die Polizei fand die Leiche des Babys angebunden an die Leiche der Mutter, auf dem Nil schwimmend. Die Brüder, davon zwei Polizeibeamte, gestanden. Sie haben solange mit Gewalt auf ihren Bauch gedrückt, bis das Baby tot heraustrat. Daraufhin haben sie sie erdrosselt, beide Leichen aneinander gebunden und in den Nil geworfen. Nach islamischen Sitten ist eine schwangere unverheiratete Frau eine Schande, die nur durch das Auslöschen der Trägerin, d.h. durch deren Tötung, sei es nun Mutter, Schwester, Tochter oder die eigene Ehefrau, reingewaschen werden kann. Wie weit kann in unserem Zeitalter der Migration und der sog. Multikulturalität die Toleranz gegenüber anderen Kulturen in solch einem Fall gehen?

43 Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 179.

In jenen Kulturen gehört es zu den entsprechenden Sitten und Bräuchen, daß ein Mann Vormund der weiblichen Angehörigen seiner Familie ist; den Frauen wird ihre Subjektivität abgesprochen.38 Können nun in einer multikulturellen Gesellschaft die Frauen der Migranten aus diesen Kulturen ähnliche Menschenrechte wie die Männer für sich beanspruchen?

[...]

In Kairo waren zu diesem Zeitpunkt die Ägypter geteilter Meinung über den Mord an einer Mutter und ihrem Baby, deren Leichen die Polizei nach den Festtagen des Aid-al-adha (dem islamischen Fest nach der Hadj/Pilger-Zeit) im Nilwasser fand. Manche empörten sich - es waren vorwiegend verwestlichte Intellektuelle -, die meisten zeigten aber Verständnis für die Tat, für die sie den Begriff »Tötung/Qatl«, nicht jedoch »Mord/Djarima« verwendeten. Auch die Presse berichtete von Qatl, nicht von Djarima, da die Tat nicht durch fremde Mörder, sondern kollektiv durch alle drei Brüder jener Frau erfolgte und diese drei - nach jenen Sitten und Bräuchen - nicht aus »niederen Beweggründen« handelten: Denn die vierzigjährige Frau war schon lange geschieden, lebte also nicht in ehelichen Verhältnissen und war dennoch - wie die Brüder entdeckten - schwanger. Nach arabisch-islamischen Sitten, die man auch in anderen Mittelmeerländern antrifft, ist das eine »Aar/Schande«; eine solche Schande kann nur durch das Auslöschen ihrer Trägerin, d.h. durch deren Tötung, sei es nun Mutter, Schwester, Tochter oder die eigene Frau, »reingewaschen« werden.

Wie weit kann in unserem Zeitalter der Migration und der sogenannten Multikulturalität die Toleranz gegenüber anderen Kulturen in solch einem Fall gehen?

[Seite 180]

»Die Polizei fand die Leiche eines Babys, angebunden an die Leiche der Mutter, auf dem Wasser des Nils schwimmend... Drei Brüder - darunter zwei Polizeibeamte - hatten beschlossen, das Leben ihrer Schwester auszulöschen. Sie haben solange mit Gewalt auf ihren Bauch gedrückt, bis das Baby tot heraustrat. Daraufhin haben sie sie erdrosselt, beide Leichen aneinander gebunden und dann in den Nil geworfen.«
Anmerkungen

kW, weil aus der Fußnote wohl noch deutlich genug hervorgeht, dass die folgende Schilderung Tibi entnommen ist. Das kann man aber auch strenger sehen. Tibi setzt den wörtlich zitierten Text noch in Anführungszeichen, die Verfasserin schon nicht mehr.

Sichter
(SleepyHollow02)

[3.] Mra/Fragment 019 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-29 15:38:21 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 19, Zeilen: 1-5, 7-9.10-20, 23-26
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 141, 162 f., 178-181, Zeilen: 141: 31 ff., 162: letzte Zeile, 163: 1 ff., 178: letzter Abs., 179: 1 ff., 180: 1 ff., 181: vorletzter Abs.
Mord als eine Tötung „aus edlen Motiven“ anerkennen, nur weil diese Tat den (überkommenden) Sitten und Bräuchen entspricht?

Die Verteidigung der Reinheit der Sexualität der weiblichen Familienangehörigen, auch durch Tötung, gilt aus streng islamischer Sicht als edles Motiv. Was soll an dieser Tötung „edel“ sein? Die drei Täter haben die Tat gleich nach der Verhaftung mit Stolz gestanden. Die Tötung ist eine Frontstellung gegen die Menschenrechte, die man nicht unter dem Rückgriff auf Multikulturalität respektieren kann und darf. Die getötete Frau war vierzig Jahre alt, also eine selbständige und erwachsene Frau, die nach europäischen Maßstäben der kulturellen Moderne als ein Individuum allein für sich selbst verantwortlich war. Wo liegen die Grenzen der Toleranz gegenüber vormodernen Kulturen? Müssten nicht Menschenrechte die Grenze sein? Die Ablehnung der vormodernen Sitten der „Tötung aus edlen Motiven“ ist weder Rassismus noch Eurozentrismus, sondern Humanität. Außerdem bilden Muslime keine „Rasse“ (dies ist ein ideologischer Begriff, der biologische Vorstellungen auf Menschengruppen anwendet)44; die Kritik an ihren Ansichten kann also kein Rassismus sein. Dennoch gilt es bei den Kulturrelativisten nicht selten als Rassismus, wenn z.B. das Recht auf Meinungsfreiheit höher gewichtet wird als das Recht auf eigene Sitten und Bräuche der Migrantenkultur. Mit der Instrumentalisierung des „Rassismus-Vorwurfs“ aber erhalten Migranten gleichsam einen Freibrief, der ihnen alles ermöglicht. Schließlich ist dann jede Kritik an ihnen nichts anderes als „Rassismus“. Für Kulturrelativisten dürfen in einer multikulturellen Gesellschaft Werte und Normen keinen absoluten Charakter haben, auch nicht die Menschenrechte. Diese Form von vermeintlicher Toleranz kann letztlich gefährlicher sein als irgendeine Form des religiösen Fundamentalismus.

Bei diesem Beispiel darf jedoch gleichzeitig auch nicht übersehen werden, dass es in der Geschichte der Unterdrückung der Frauen auch ein europäisches Kapitel gegeben hat. Denn in Europa waren Frauen den Männern ebenfalls nicht gleichberechtigt, bevor die säkulare Idee der Menschenrechte auch die Gleichstellung der Geschlechter mit sich brachte.


44 Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 141.

[Seite 141]

Außerdem bilden Muslime keine »Rasse« (»Rasse« ist ein ideologischer Begriff, der biologische Vorstellungen auf Menschengruppen anwendet); die Kritik an ihren Ansichten kann kein Rassismus sein.

[Seite 162]

Für den

[Seite 163]

Kulturrelativisten Webster gilt es als Rassismus, wenn das Recht auf Meinungsfreiheit höher gewichtet wird als das Recht auf eigene Sitten und Bräuche der Migrantenkultur. Mit der Instrumentalisierung des »Rassismus«-Vorwurfs aber erhalten die Migranten einen Freibrief, der ihnen alles ermöglicht. Schließlich ist dann jede Kritik an ihnen nichts anderes als »Rassismus«.

Für Kulturrelativisten dürfen in einer multikulturellen Gesellschaft Werte und Normen keinen absoluten Charakter haben - auch nicht die der Menschenrechte.

[Seite 178]

In der Geschichte der Unterdrückung der Frauen gibt es auch ein europäisches Kapitel. Denn in Europa waren Frauen den Männern ebenfalls nicht gleichberechtigt, bevor die säkulare Idee der Menschenrechte auch die Gleichstellung der Geschlechter mit

[Seite 179]

sich brachte. [...]

Konkret: Kann man einen brutalen Mord als eine »Tötung aus edlen Motiven« anerkennen, eben weil diese Tat den überkommenen Sitten und Bräuchen entspricht? Die Verteidigung der Reinheit der Sexualität der weiblichen Familienangehörigen (Ehre/Scharaf) auch durch Tö-

[Seite 180]

tung gilt als ein »edles Motiv«.

[...]

Und was soll an dieser Tötung »edel« sein? Warum ist dies kein Mord? Die drei Täter haben die Tat gleich nach der Verhaftung mit Stolz gestanden.

[...]

Die getötete Frau war vierzig Jahre alt, also eine selbständige und erwachsene Frau, die nach europäischen Maßstäben der kulturellen Moderne als ein Subjekt allein für sich selbst verantwortlich war.

[Seite 181]

Das Festhalten an einer Sittlichkeit, die an der Moderne orientiert ist, und das heißt hier konkret: die Ablehnung der vormodernen Sitte der »Tötung aus edlen Motiven« - wie der Mord an der schwangeren unverheirateten Frau in Ägypten -, ist weder Rassismus noch Eurozentrismus, sondern Humanität.

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 44 genannt.

"Überkommenen" wird verschlimmbessert zu "überkommenden".

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[4.] Mra/Fragment 020 09 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-29 16:22:14 Schumann
Fragment, KeineWertung, Mra, SMWFragment, Schutzlevel, Tibi 1994, ZuSichten

Typus
KeineWertung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 20, Zeilen: 9-12
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 66, Zeilen: 22 ff.
Die Tat eines Menschen gegen einen anderen wird demgemäß nach dem Strafmaß: „Gleiches um Gleiches“ gesühnt, d.h. nach dem Koran konkret: „ Leben um Leben, Auge um Auge, Nase um Nase, Ohr um Ohr“ (Koran 5/45).52 Dieses Strafrecht gilt für Mord oder Körperverletzung als eine in der weltlichen Sphäre liegende Handlung.

52 Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 66.

So wird die Tat eines Menschen gegen einen anderen nach dem Strafmaß »Gleiches um Gleiches« gesühnt, d.h. nach dem Koran konkret: »Leben um Leben, Auge um Auge, Nase um Nase, Ohr um Ohr« (Koran 5/45). Dieses Strafrecht gilt für Mord oder Körperverletzung als eine im Bereich des Menschenrechts liegende Handlung.
Anmerkungen

Die Quelle ist angegeben; das Fragment ist kurz und deskriptiv und kann deshalb auch als kW eingeordnet werden.

Sichter
(SleepyHollow02)

[5.] Mra/Fragment 021 07 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-29 15:18:14 Schumann
Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 21, Zeilen: 7-10
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 66f f., Zeilen: 67: 1 ff.
Des Weiteren unterscheidet der Islam zwischen Gottesrecht und Menschenrecht. So ist zum Beispiel der Glaube Gottesrecht und kein menschlicher Akt; vom Standpunkt des Menschen ist der Glaube eine Pflicht gegenüber Gott. Aus diesem Grunde kennt kein islamisches Land eine Religionsfreiheit wie wir sie kennen. Hier

[Seite 67]

möchte ich zunächst zeigen, daß im Islam zwischen Gottesrecht und Menschenrecht im Rahmen eines grenzenlosen Theozentrismus unterschieden wird. So ist zum Beispiel der Glaube Gottesrecht und kein menschlicher Akt; vom Standpunkt des Menschen ist der Glaube eine Pflicht gegenüber Gott. Aus diesem Grunde kann kein islamisches Land Religionsfreiheit im Sinne des Artikels 18 der »Universellen Deklaration der Menschenrechte« aufnehmen, der freie Wahl und Wechsel der Religion zum Menschenrecht erklärt.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[6.] Mra/Fragment 023 31 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-26 11:21:02 Klgn
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 23, Zeilen: 31-35
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 46 f., Zeilen: 47: 1 ff.
In den orientalischen Ländern gibt es eine jahrhundertelange Tradition personaler Herrschaft, die orientalische Despotie, was bedeutet, dass sich die jeweiligen Machthaber keinerlei institutionelle Machtbeschränkungen auferlegen lassen. Weder gibt es im Orient eine Rechtskultur, noch eine institutionelle Kontrolle über die Herrscher, noch eine Trennung von Zivilgesellschaft und staatlicher Gewalt. Erstens: In den orientalischen Ländern der Welt des Islam gibt

[Seite 47:]

es eine jahrhundertelange Tradition personaler Herrschaft, die orientalische Despotie, was bedeutet, daß sich die jeweiligen Machthaber keinerlei institutionelle Machtbeschränkungen auferlegen lassen. Weder gibt es im Orient eine Rechtskultur, noch eine institutionelle Kontrolle über die Herrscher, noch eine Trennung von Zivilgesellschaft und staatlicher Gewalt.

Anmerkungen

Weiter oben auf der Seite wird in Fn. 64 die Quelle erwähnt (S. 34).

Sichter
(SleepyHollow02), Klgn

[7.] Mra/Fragment 026 19 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-30 07:24:55 Klgn
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 26, Zeilen: 19-30, 33-37
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 34 f., 345, Zeilen: 34: 18 ff. - 35: 1, 345: 11 ff.
Das Zusammenwachsen der Welt durch strukturelle Globalisierung zu einem internationalen System (Weltökonomie, Staatensystem und Dichte der Kommunikations- und Transportmittel) wird begleitet von einer kulturellen Fragmentation.79 Die Schrumpfung der Weltgesellschaften hat es zu einem vorher nicht gekannten Ausmaß gegenseitiger Wahrnehmung und Interaktion gebracht, aber nicht damit einhergehend zu einer einheitlichen Weltansicht.80 Damit ist gemeint, dass die durch die Globalisierung erzwungene Nähe der in den Normen und Werten unterschiedlicher Kulturen erzogener Menschen nicht dazu beiträgt, sie einander näher zu bringen. Es wird prinzipiell erst ein gegenteiliger Effekt erzielt, denn die durch die Medientechnologie erfolgte Berührung verdeutlicht ihnen in besonderem Maße, wie fremd sie sich sind. Diese Erkenntnis breitet sich in unserer Zeit zunehmend aus und hat inzwischen auch den Bereich der Menschenrechte erfasst. [...]

[...] Die Fronten müssen entschärft werden und der Kulturdialog muss als eine interkulturelle Kommunikation vor allem den Bereich der Menschenrechte erfassen, wobei hier ein vorsichtiges Erkunden des Bereichs, in dem gemeinsame Wertvorstellungen noch möglich sind, stattfinden sollte. Die Dialoggrenzen enden, wo der Mensch nicht als freies Subjekt, sondern als Geschöpf Allahs bestimmt wird bzw. wo Muslime ihre eigenen Wert-[überzeugungen gewaltsam auf die göttliche Ordnung zurückführen, die über der Vernunft des Menschen angesiedelt sind und die es als Anmaßung erscheinen lassen, wenn sich die Menschen selbst zu Subjekten ihrer Wertbestimmungen und Rechtsgebung erklären.]


79 Zur Bikulturalität und deren Chancen, vgl. Hettlage-Varjas, in: Kürsat-Ahlers, Die multikulturelle Gesellschaft: Der Weg zur Gleichstellung, Frankfurt am Main 1992, S. 142.

80 Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 34.

Ich habe bereits an anderer Stelle (vgl. Anm. 15) gezeigt, daß das Zusammenwachsen der Welt durch strukturelle Globalisierung zu einem internationalen System (Weltökonomie, Staatensystem und Dichte der Kommunikations- und Transportmittel) von einer besorgniserregenden kulturellen Fragmentation begleitet wird. Wie Hedley Bull beobachtet, wird deutlich, »daß die Schrumpfung der Welt Gesellschaften zu einem vorher nicht gekannten Ausmaß gegenseitiger Wahrnehmung und Interaktion gebracht hat, aber nicht per se eine einheitliche Weitsicht schafft und in der Realität auch nicht geschaffen hat ... Die Menschheit wird gleichzeitig einheitlicher und fragmentierter ...«31 Damit meint Bull, daß die durch die Globalisierung forcierte Nähe der in den Normen und Werten unterschiedlicher Zivilisationen erzogenen Menschen nicht dazu beiträgt, sie einander kulturell näher zu bringen. Ganz im Gegenteil: Die durch die Medientechnologie erfolgte Berührung unterschiedlicher Kulturen macht ihnen klar, wie fremd sie einander sind. Ich nenne diesen Sachverhalt kulturelle Fragmentation; sie breitet sich in unserer Zeit mehr und mehr aus und hat inzwischen auch den Bereich der

15 Zum fundamentalistischen Konzept eines Nizam Islami/Islamischen Systems vgl. B. Tibi, Die fundamentalistische Herausforderung, 2. Auflage, München 1993, Kap. V, bes. S. 155ff.

31 H. Bull, The Anarchical Society. A Study of Order in World Politics, New York 1977, S. 273.

[Seite 35]

Menschenrechte erfaßt.

[Seite 345]

Kulturdialog als eine interkulturelle Kommunikation17 muß vor allem den Bereich der Menschenrechte erfassen, wobei hier - wie Günter Schreiner richtig argumentiert - »ein dialogisches testing the limits angezeigt ist, d.h. ein vorsichtiges Erkunden des Bereichs, in dem gemeinsame Wertvorstellungen... noch möglich sind«.18 Die Dialoggrenzen liegen, wie in der Einleitung zu diesem Buch ausgeführt worden ist, dort, wo der Mensch nicht als ein freies Subjekt, sondern als ein Makhluq/Geschöpf Allahs bestimmt wird - oder wie es Schreiner formuliert: dort, wo Muslime »ihre eigenen Wertüberzeugungen auf göttliche Offenbarung ... zurückführen, die über der ethischen Vernunft der Menschen angesiedelt sind und die es als Anmaßung erscheinen lassen, wenn sich die Menschen selbst zu Subjekten ihrer Wertbestimmungen und Rechtsgebung erklären«.19


17 Zur Stellung des Islam in den Strukturen und Prozessen interkultureller Kommunikation B. Tibi, Die Krise des modernen Islams, erweiterte Neuausgabe, Frankfurt/M. 1991, Kap. I, S. 22ff.

18 Günter Schreiner, Können und sollen die Menschenrechte für alle Menschen verbindlich gemacht werden?, in: Gegenwartskunde, Heft 2/1993, S. 165-176, hier S. 173.

19 Ebd.

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 80 sowie auf der Folgeseite in Fn. 82 genannt, Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[8.] Mra/Fragment 027 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-30 07:20:14 Klgn
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 27, Zeilen: 1-5
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 345, Zeilen: 16 ff.
[Die Dialoggrenzen enden, wo der Mensch nicht als freies Subjekt, sondern als Geschöpf Allahs bestimmt wird bzw. wo Muslime ihre eigenen Wert-]überzeugungen gewaltsam auf die göttliche Ordnung zurückführen, die über der Vernunft des Menschen angesiedelt sind und die es als Anmaßung erscheinen lassen, wenn sich die Menschen selbst zu Subjekten ihrer Wertbestimmungen und Rechtsgebung erklären. Hier liegen die unüberwindbaren Schwierigkeiten der Anpassung der Scharia an eine universelle Ethik der Menschenrechte begründet.82

82 Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 34.

Die Dialoggrenzen liegen, wie in der Einleitung zu diesem Buch ausgeführt worden ist, dort, wo der Mensch nicht als ein freies Subjekt, sondern als ein Makhluq/Geschöpf Allahs bestimmt wird - oder wie es Schreiner formuliert: dort, wo Muslime »ihre eigenen Wertüberzeugungen auf göttliche Offenbarung ... zurückführen, die über der ethischen Vernunft der Menschen angesiedelt sind und die es als Anmaßung erscheinen lassen, wenn sich die Menschen selbst zu Subjekten ihrer Wertbestimmungen und Rechtsgebung erklären«.19 Hier liegen die unüberwindbaren Schwierigkeiten der Anpassung der Scharia an eine universelle Ethik der Menschenrechte begründet.20

19 Ebd. [= Günter Schreiner, Können und sollen die Menschenrechte für alle Menschen verbindlich gemacht werden?, in: Gegenwartskunde, Heft 2/1993, S. 165-176, hier S. 173.]

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 026 19.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[9.] Mra/Fragment 036 16 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-29 16:09:44 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 36, Zeilen: 16-32
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 47-50, Zeilen: 47: 24 ff.; 48: 6 ff.; 49: 12 ff.; 50: 25 ff.
Die islamische Kultur kennt in ihrer Geschichte das demokratische Prinzip der Freiheit des Andersdenkenden nicht. In der politischen Kultur des Islams hat es eine Herausbildung des Individuums als Ablösung zum Kollektiv nie gegeben, weder begrifflich noch in der Realität.

In den Augen der Muslime besteht die Menschheit aus Kollektiven. Auf der einen Seite das Kollektiv der Muslime und die Kollektive der anderen als Feinde. Nur in diesen Kategorien denken zu können, ist ein Zeichen einer vormodernen Kultur; hier liegen die politisch-kulturellen Hürden auf dem Wege zu einem Konzept von Menschenrechten, das die Menschen als Individuen bestimmt und mit individuellen, institutionell abgesicherten Rechten gegenüber Staat und Gesellschaft ausstattet.

Aus der Perspektive der kulturellen Moderne wirken sich bei der Diskussion von Menschenrechtsverletzungen im islamischen Orient, wie oben bereits dargestellt, drei Faktoren besonders störend aus:

- das Fehlen einer Religionsfreiheit und somit der Toleranz im Allgemeinen;

- die Hilflosigkeit des einzelnen Individuums gegenüber den Kollektiven;

- die fehlende Gleichstellung von Mann und Frau in allen Bereichen des Lebens, die Unterdrückung von Minderheiten kommt hinzu.

Nun kommt man zu der Frage, ob innerhalb des Islams eine Idee oder Philosophie von Rech-[ten existiert, die sich auch nur annähernd mit dem modernen Begriff der Menschenrechte vergleichen lässt.]

Die islamische Kultur kennt in ihrer Geschichte das demokratische Prinzip der Freiheit des Andersdenkenden nicht; eine Opposition gibt es nur im Bereich des Sektenwesens.

[Seite 48]

Ich komme nun zu der Frage, ob innerhalb des Islam eine Idee oder Philosophie von Rechten existiert, die sich auch nur annähernd mit dem modernen Begriff der Menschenrechte vergleichen läßt.

[Seite 49]

In der politischen Kultur des Islam jedoch hat es eine Individuation nie gegeben, weder begrifflich noch in der geschichtlichen Realität. [...] In den Augen der Muslime besteht die Menschheit aus Kollektiven (das - nur im Ideal einheitliche - Kollektiv der Muslime und die Kollektive der anderen als Feinde). Nur in dieser Kategorie denken zu können ist ein Zeichen einer vormodernen Kultur; hier liegen die politisch-kulturellen Hürden auf dem Wege zu einem Konzept von Menschenrechten, das die Menschen als Individuen bestimmt und mit individuellen, institutionell abgesicherten Rechten gegenüber Staat und Gesellschaft ausstattet.

[Seite 50]

Aus der Perspektive der kulturellen Moderne wirken sich bei der Diskussion von Menschenrechtsverletzungen im islamischen Orient drei Faktoren besonders störend aus:

1) Das Fehlen einer Religionsfreiheit und somit der Toleranz im allgemeinen,

2) die Hilflosigkeit des einzelnen Individuums gegenüber dem von Kollektiven getragenen Staat in jener Region der Welt, und

3) die fehlende Gleichstellung von Mann und Frau in allen Bereichen des Lebens. Die Unterdrückung von Minderheiten51, seien sie ethnischer (z. B. Kurden und Berber) oder religiöser Art (die Menschenrechtsverletzungen im Südsudan gegenüber Nichtmuslimen), kommt hinzu und bildet eine Quelle von zwischenstaatlichen Konflikten.


[Seite 356]

51 Wolfgang G. Lerch, Halbmond, Kreuz und Davidstern. Nationalitäten und Religionen im Nahen und Mittleren Osten, Frankfurt/M. 1992.

Anmerkungen

Auf Seite 37 findet sich in Fn. 122 ein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[10.] Mra/Fragment 037 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-26 10:16:18 Klgn
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 37, Zeilen: 1-10
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 48, Zeilen: 6 ff.
[Nun kommt man zu der Frage, ob innerhalb des Islams eine Idee oder Philosophie von Rech-]ten existiert, die sich auch nur annähernd mit dem modernen Begriff der Menschenrechte vergleichen lässt.

Im Mittelalter haben die von der griechischen Philosophie beeinflussten islamischen Philosophen, die die Tradition des islamischen Rationalismus begründet haben, einen Begriff von einem denkenden Subjekt entwickelt.121 Das ist die Grundvoraussetzung für die Bestimmung des Menschen als Individuum, und allein von dieser Basis aus können individuelle Rechte abgeleitet werden. Doch wurde diese Tradition im Islam nicht weiter entfaltet, sondern von der islamischen Orthodoxie erstickt.122 Mit dem Untergang der rationalistischen Philosophie im Orient sind auch die geistigen Grundvoraussetzungen für eine islamische Tradition von Menschenrechten untergegangen.


121 Vgl. dazu Khoury, Art. Arabisch-Islamischer Aristotelismus, Berlin 1978.

122 Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 48.

Ich komme nun zu der Frage, ob innerhalb des Islam eine Idee oder Philosophie von Rechten existiert, die sich auch nur annähernd mit dem modernen Begriff der Menschenrechte vergleichen läßt. Zunächst möchte ich festhalten: Im Mittelalter haben die von der griechischen Philosophie beeinflußten islamischen Philosophen, die die Tradition des islamischen Rationalismus begründet haben, einen Begriff vom denkenden Subjekt entwickelt. Das ist die Grundvoraussetzung für die Bestimmung des Menschen als Individuum, und allein von dieser Basis aus können individuelle Rechte abgeleitet werden. Doch wurde diese Tradition im Islam nicht weiter entfaltet, sondern von der islamischen Orthodoxie erstickt. Mit dem Untergang der rationalistischen Philosophie im Orient sind auch die geistigen Grundvoraussetzungen47 für eine islamische Tradition von Menschenrechten untergegangen.

[Seite 356]

47 Vgl. B. Tibi, Politisches Denken im klassischen und mittelalterlichen Islam zwischen Religio-Jurisprudenz (Fiqh) und hellenisierter Philosophie (Falsafa), in: I. Fetscher/H. Münkler (Hg.), Pipers Handbuch der politischen Ideen, Bd. 2, München 1993, S. 87-140.

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 122 genannt.

Sichter
(SleepyHollow02), Klgn

[11.] Mra/Fragment 038 15 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-06-03 19:56:36 Klgn
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 38, Zeilen: 15-28, 30-37
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 48, 49, 51, 53-55, Zeilen: 48: 20 ff.; 49: 4 ff.; 51: 4 ff.; 53: 38 ff.; 54: 1 ff.; 55: 1 ff.
Im Islam der Gegenwart werden zudem dringend weitergehende Reformen benötigt, um zwei zentrale Hindernisse bei der Durchsetzung eines Konzepts der Menschenrechte in der Welt des Islams aus dem Weg zu räumen:

Erstens der Zwang der islamischen Umma; Alle Muslime bilden eine einheitliche Gemeinschaft/Umma, die ein Kollektiv darstellt. Muslime benötigen daher einen Begriff vom Individuum. Der Philosoph Jürgen Habermas nennt die Etablierung des „Subjektivitätsprinzips“ die größte Leistung der kulturellen Moderne. Dieses Prinzip beinhaltet, dass der Mensch ein Subjekt ist, d.h. ein freies Individuum, das die Welt mittels eigener Fähigkeiten erkennen und verändern kann. Die gesamte Konzeption der Menschenrechte basiert auf diesem Prinzip. Zweitens haben Menschen gegenüber der Umma Pflichten, nicht jedoch Rechte. Also benötigen die Muslime einen Begriff von Rechten als individuelle Berechtigungen. Diese Missstände können ohne eine umfassende kulturelle Aufklärung, die die Gleichstellung von ethnischen und religiösen Gruppen mit den mehrheitsbildenden Kollektiven ermöglicht, nicht überwunden werden. Zu den Zielen sollte vor allem als kulturelle Basis die Neubestimmung des Menschen als Individuum, als freies Subjekt gehören.

Das Problem ist aber, dass Menschenrechte der Welt des Islams nicht von außen aufgezwungen werden können, es müsste vielmehr eine Art Religionsreform vollzogen werden. Auf welche Weise könnte diese Veränderung in Gang kommen und wer oder was kann sie bewirken? Weil sich Muslime laut Koran als die beste Gemeinschaft auf Erden betrachten, haben sie große innere Barrieren zu überwinden, wenn sie von Nicht-Muslimen lernen sollen. Die Muslime könnten aber bei der Bemühung, ihr kosmologisches Weltbild zu überwinden, mit ihrem eigenen kulturellen Erbe beginnen. In der Philosophie des islamischen Rationalismus des Mittelalters gibt es zahlreiche Anhaltspunkte für eine Bestimmung des Menschen als Sub-[jekt mit eigenem Willen, das auf Gesellschaft und Natur verändernd einwirken kann.]

Im Islam als einem kulturellen System werden in unserer Gegenwart Reformen benötigt, um zwei zentrale Hindernisse bei der Durchsetzung eines Konzepts der Menschenrechte in der Welt des Islam aus dem Wege zu räumen; und zwar geht es um:

Erstens die Zwangsjacke der islamischen Umma: Alle Muslime bilden eine einheitliche Gemeinschaft/ Umma (ohne Opposition), die ein Kollektiv darstellt. Muslime benötigen daher einen Begriff vom Individuum.

Zweitens haben Menschen gegenüber der Umma Pflichten, nicht jedoch Rechte. [...] Also benötigen die Muslime einen Begriff von Rechten als individuelle Berechtigungen.

[Seite 49]

Der Philosoph Jürgen Habermas nennt die Etablierung des »Subjektivitätsprinzips« (vgl. Anm. 6) die größte Leistung der kulturellen Moderne. Dieses Prinzip beinhaltet, daß der Mensch ein Subjekt ist, d.h. ein freies Individuum, das die Welt mittels eigener Fähigkeiten erkennen und verändern kann. Die gesamte Konzeption der Menschenrechte basiert auf diesem Prinzip, ja sie ist ohne diese Grundlage unvorstellbar.

[Seite 51]

Diese Mißstände können - nach meiner Ansicht - ohne eine umfassende kulturelle Aufklärung, die die Gleichstellung von ethnischen und religiösen Gruppen (Minderheiten) mit den mehrheitsbildenden Kollektiven ermöglicht, nicht überwunden werden.


[Seite 53]

Denn wie schon mehrfach betont, können Menschenrechte der Welt des Islam nicht von außen aufgezwungen

[Seite 54]

werden. [...]

Auf welche Weise könnte diese Veränderung in Gang kommen und wer oder was kann sie bewirken? Weil Muslime sich - laut Koran - als khair umma (die beste Umma/Gemeinschaft auf Erden, Koran 3/110) be-

[Seite 55]

trachten, haben sie große innere Barrieren zu überwinden, wenn sie von Nicht-Muslimen lernen sollen. Die Muslime könnten aber bei der Bemühung, ihr kosmologisches Weltbild zu überwinden, mit ihrem eigenen kulturellen Erbe beginnen. In der Philosophie des islamischen Rationalismus des Mittelalters (vgl. Anm. 47) gibt es zahlreiche Anhaltspunkte für eine Bestimmung des Menschen als Subjekt mit eigenem Willen, das auf Gesellschaft und Natur verändernd einwirken kann.

Anmerkungen

Die Quelle ist auf S. 39 in Fn. 127 genannt.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[12.] Mra/Fragment 039 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-06-03 19:58:38 Klgn
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 39, Zeilen: 1-16
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 55 f., Zeilen: 55: 8 ff.; 56: 1 ff.
Wenn Muslime heute bereit wären, diesen klassischen Rationalismus im Islam neu zu beleben, dann hätten sie im eigenen kulturellen Erbe erste Anhaltspunkte für die Realisierung der angesprochenen Voraussetzungen. Neben dieser geistigen Voraussetzung für die Etablierung von Menschenrechten im Sinne der kulturellen Moderne ist eine demokratisch verfasste Gesellschaft eine weitere zentrale Bedingung. Anderenfalls haben wir mit der Schwierigkeit zu kämpfen, dass das von uns vertretene Konzept nicht auf islamischem Boden gewachsen ist und somit dem Vorwurf des „Kulturimports aus dem Westen“ ausgesetzt ist. Die westlichen Staaten aber vertreten im islamischen Orient ihre wirtschaftlichen und politischen Interessen, nicht jedoch die Belange der Menschenrechte. Menschenrechtsverletzungen werden sehr selektiv nach interessenpolitischen Gesichtspunkten vom Westen beanstandet. Dass in Saudi-Arabien und Kuwait Menschenrechte nicht gelten, stört westliche Politiker eher weniger. Im Irak dagegen beanstandete man ständig Menschenrechtsverletzungen, nicht etwa wegen der besonderen Brutalität, sondern weil Saddam Hussein für den Westen der Feind schlechthin war. Dies wiederum führte bei vielen Muslimen zu der Überzeugung, dass das westliche Menschenrechtskonzept nur ein beliebiges Instrument gegen den Islam ist. Trotz alledem bekannte man sich zur der Islamischen Deklaration der Menschenrechte127, deren Gehalt näher beleuchtet werden soll: [...]

127 Vgl. dazu, Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994.

Wenn Muslime heute bereit wären, diesen klassischen Rationalismus im Islam statt der mittelalterlichen Sakraljurisprudenz/Fiqh des zitierten Ibn Taimiyya neu zu beleben, dann hätten sie im eigenen kulturellen Erbe erste Anhaltspunkte für die Realisierung der angesprochenen Voraussetzungen. Neben dieser geistigen Voraussetzung für die Etablierung von Menschenrechten im Sinne der kulturellen Moderne - also die Bestimmung des Menschen als Individuum - ist eine demokratisch verfaßte Gesellschaft eine weitere zentrale Bedingung.

[Seite 56]

Ohnehin haben wir mit der Schwierigkeit zu kämpfen, daß das von uns vertretene Konzept nicht auf islamischem Boden gewachsen ist und somit für Vorwürfe wie den, es sei ein »Import aus dem Westen«, anfällig ist. Die westlichen Staaten aber vertreten im islamischen Orient ihre wirtschaftlichen und politischen Interessen, nicht jedoch die Belange der Menschenrechte. Menschenrechtsverletzungen werden sehr selektiv nach interessenpolitischen Gesichtspunkten vom Westen beanstandet. Daß in Saudi-Arabien und Kuwait Menschenrechte nicht gelten, stört westliche Politiker wohl kaum; in Irak dagegen beanstandet man Menschenrechtsverletzungen, nicht etwa weil sie besonders brutal sind, sondern weil Saddam Hussein für den Westen der Feind schlechthin ist. [...] Das führt bei vielen Muslimen zu der Überzeugung, daß das westliche Menschenrechtskonzept nur ein Instrument gegen den Islam ist, das ausschließlich dann zur Sprache kommt, wenn westliche Interessen verletzt werden.

Anmerkungen

Der Hinweis auf die Quelle in Fn. 127 bleibt einigermaßen unspezifisch.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[13.] Mra/Fragment 040 16 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-29 15:47:23 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 40, Zeilen: 16-29
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 30, Zeilen: 16 ff.
Die gegenseitige Beeinflussung der Kulturen kann man in den meisten Perioden der Menschheitsgeschichte beobachten. Eine Kultur zu finden, die nicht von anderen Kulturen beeinflusst worden wäre, ist kaum möglich. In früheren Zeiten waren die Prozesse der wechselseitigen Beeinflussung von Kulturen jedoch aufgrund weniger vorangeschrittener Globalisierung vorwiegend lokal bzw. regional begrenzt Einige wenige Kulturen haben dennoch Verbreitungsprozesse weit über die ursprünglichen Grenzen hinaus hervorgebracht. Der Islam gehört zu einer solchen Ausnahme. Doch trotz seiner großen Ausbreitung hat der Islam niemals einen globalen, d.h. die gesamte Welt umfassenden Rahmen für eine universelle Kultur schaffen können. Allein die westliche Kultur hat einen globalen Rahmen verwirklicht, der jedoch nie universale Geltung erlangte. Universalisierung (der Werte und Normen einer Kultur) ist nicht zu verwechseln mit der Globalisierung zivilisatorischer Errungenschaften und Strukturen. Die Globalisierung auf techno-wissenschaftlicher Basis ist zwar erfolgt, jedoch ohne dass die kulturelle Moderne universalisiert worden wäre.130

130 Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 30.

Die gegenseitige Beeinflussung der Kulturen können wir in den meisten Perioden der Menschheitsgeschichte beobachten. Eine reine, insulare Kultur zu finden, die nicht von anderen Kulturen beeinflußt worden wäre, ist kaum möglich. In früheren Zeiten waren die Prozesse der wechselseitigen Beeinflussung von Kulturen jedoch lokal bzw. regional begrenzt. Einige wenige Kulturen haben Verbreitungsprozesse weit über ihre ursprünglichen Grenzen hinaus hervorgebracht. Der Islam gehört vorrangig zu diesen seltenen Ausnahmen. Doch trotz seiner großen Ausbreitung - und trotz seines Anspruchs - hat der Islam niemals einen globalen, d. h. die gesamte Welt umfassenden Rahmen für eine universelle Kultur schaffen können. Allein die westliche Kultur hat einen globalen Rahmen verwirklicht, der jedoch nie universale Geltung erlangte. Universalisierung (der Werte und Normen einer Kultur) ist nicht zu verwechseln mit der Globalisierung zivilisatorischer Errungenschaften und Strukturen. [...] Dennoch ist diese Globalisierung erfolgt, ohne daß die kulturelle Moderne universalisiert worden ist.19

[S. 354]

19 Diese Aussage wird am Beispiel des Islam illustriert in B. Tibi, Islamischer Fundamentalismus, moderne Wissenschaft und Technologie, Frankfurt/M. 1992, bes. Kap. I und II.

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 130 genannt.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[14.] Mra/Fragment 042 04 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-06-01 07:54:14 Klgn
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 42, Zeilen: 4-7, 15-29, 108-115 (43: 101-106)
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 51, 68, 69, 85, Zeilen: 51: 20 ff.; 68: 6 ff.; 69: 4 ff.; 85: 16 ff.
Die Welt des Islam ist sehr groß und entsprechend vielfältig. Europäer nehmen die Welt des Islam hierbei fälschlicherweise immer noch als eine Einheit wahr. Den Islam als einen monolithischen Block gibt es nur bei den islamischen Fundamentalisten. [...] Tatsächlich aber bestehen in allen Bereichen sehr große Unterschiede. Während ein Land wie Ägypten großen Wert darauf legt, vom Westen akzeptiert zu werden, kann es den ölreichen Saudi-Arabern gleichsam gleichgültig sein, was die westliche Welt über sie denkt. Sie sind sich ihrer Stellung als „Tankstelle des Westens“ bewusst und können sich deswegen auch Menschenrechtsverletzungen „leisten“. In unserem Zeitalter der Migration geht der Islam Europa aber mehr an als je zuvor etwas an. Durch die wachsende Zahl muslimischer Zuwanderer erleben die Europäer diese Welt, die Europa immerhin vom Mittelmeer über den Balkan bis hin nach Eurasien umgibt, im eigenen europäischen Haus. In einer Kultur vermengen sich geistige und materielle Faktoren und bedingen einander in wechselseitiger Wirkung. Trotz ihrer religiösen, ethnischen und kulturellen Vielfalt grenzen sich die Muslime, auch wenn sie in Europa als Migranten leben, gegen ihre Umwelt in diesem Sinne als einheitliche Gemeinschaft ab.139 Innerislamische Vielfalt, religiös-kulturelle Unterschiede, gibt es nur nach innen, nicht in Bezug auf die Außenwelt. Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass sich die Muslime untereinander primär nur über zwei Glaubensvoraussetzungen einig sind: Zum einen die fünf Säulen des Islam140 und des weiteren die [Authentizität des Koran.141]

139 Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 68.

140 Alle Muslime bekennen sich einheitlich zu den fünf Säulen des Islam, welche besagen, dass ein (praktizierender) Muslim,
1. die Bezeugung, dass es keinen Gott außer Allah gebe und dass der Prophet Mohammed sein Gesandter sei, leisten muss,
2. fünfmal am Tag beten muss,
3. Almosensteuer zu zahlen hat,
4. im Monat Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fastet, d.h. weder Speisen noch Getränke zu sich nehmen darf und sich auch des Geschlechtsverkehrs enthalten muss,
[5. einmal im Leben, wenn es die ökonomischen Verhältnisse erlauben, die Pilgerfahrt nach Mekka/Medina vornehmen muss.
In der Ausführung der Rituale, die diese fünf Säulen ausfüllen, bestehen geringfügige Unterschiede, Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 69.

141 Muslime dürfen den Text zwar unterschiedlich deuten, aber nicht einer kritischen Reflexion unterziehen oder relativieren.]

Die Welt des Islam ist sehr groß und entsprechend vielfältig. Den Islam als einen monolithischen Block gibt es nur bei den islamischen Fundamentalisten, europäischen linken Warnern vor einem »Feindbild Islam« und in den simplifizierenden populären Darstellungen, wie den substanzlosen Büchern von Gerhard Konzelmann. Tatsächlich aber bestehen in allen Bereichen sehr große Unterschiede. Während ein Land wie Ägypten großen Wert darauf legt, vom Westen akzeptiert zu werden, kann es den Saudis als ölreichen Beduinen gleichgültig sein, was die Amerikaner von ihnen denken. Schließlich wissen sie, daß sie - wie ich es in dem betreffenden Kapitel meines Buches Die Verschwörung schrieb - als »Tankstelle des Westens« unentbehrlich sind und sich somit einiges leisten können - auch an Menschenrechtsverletzungen.

[Seite 68]

Europäer nehmen die Welt des Islam hierbei fälschlicherweise noch als eine Einheit wahr. Jedoch ist diese »Welt des Islam« heute - in unserem Zeitalter der Migration - nicht mehr eine Welt für sich; sie geht Europa mehr an als je zuvor. Durch die wachsende Zahl muslimischer Zuwanderer erleben die Europäer diese Welt, die Europa ja vom Mittelmeer über den Balkan bis hin nach Eurasien umgibt, im eigenen europäischen Haus. [...] Trotz ihrer religiösen, ethnischen und kulturellen Vielfalt grenzen sich die Muslime - auch wenn sie in Europa als Migranten leben - gegen ihre Umwelt in diesem Sinne als einheitliche Umma ab. Innerislamische Vielfalt, religiös-kulturelle Unterschiede, gibt es nur nach innen, nicht in bezug auf die Außenwelt.

[Seite 69]

Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, daß sich die Muslime untereinander primär nur über zwei Glaubensvoraussetzungen einig sind: 1) die fünf Säulen des Islam und 2) die Authentizität des Koran.

Erstens: Alle Muslime bekennen sich einheitlich zu den fünf Säulen des Islam; diese besagen, daß ein(e) Muslim/Muslimin

1) die Schahadah, d. h. die Bezeugung, daß es keinen Gott außer Allah gebe und daß der Prophet Mohammed sein Gesandter sei, leisten muß,

2) daß er/sie als ein praktizierender Muslim/in fünfmal am Tag beten muß,

3) daß er/sie Almosensteuer (Zakat) zu zahlen hat,

4) daß er/sie im Monat Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fastet, d.h. weder Speisen noch Getränke zu sich nehmen darf und sich auch des Geschlechtsverkehrs enthalten muß,

und schließlich

5) daß er/sie einmal im Leben, wenn es die ökonomischen Verhältnisse erlauben, die Pilgerfahrt nach Mekka/Medina vornehmen muß. Danach heißt ein Muslim bzw. eine Muslimin Hadji (männl.) bzw. Hadja (weibl.).

ln der Ausführung der Rituale, die diese fünf Säulen ausfüllen, bestehen geringfügige Unterschiede.

[...] Muslime dürfen diesen Text zwar unterschiedlich deuten, nicht aber einer kritischen Reflexion unterziehen oder historisieren, d. h. in den Rahmen seiner Entstehungsgeschichte einordnen und somit relativieren.

[Seite 85]

In einer Kultur vermengen sich vielmehr geistige und materielle Faktoren und bedingen einander in wechselseitiger Wirkung.3


3 B. Tibi, The Interplay between Social and Cultural Change. The Case of Germany and the Middle East, in: George Atiyeh und I. Oweiss (Hg.), Arab Civilization. Challenges and Responses, Albany/N.Y. 1988, S. 166-182

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 139 und am Ende von Fn. 140 genannt, Art und Umfang der (hier auch den Referenzteil einschließenden) Übernahme bleiben jedoch ungekennzeichnet.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[15.] Mra/Fragment 080 07 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-06-01 07:50:04 Klgn
Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 80, Zeilen: 7-15, 17-25
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 46, 91, 103, Zeilen: 46: 4 ff.; 91: 20 ff.; 103: 17 ff.
Anstelle der normativ begründbaren Universalität der Menschenrechte357, [sic] fordern streng gläubige Muslime die Universalität ihres Verständnisses von der Scharia, dem göttlichen Recht. Zwei Universalitätsansprüche, die zwangsläufig einander bestreiten. Die erste Frage, die gerade den Komplex Menschenrechte/Islam und seine Relevanz für übergeordnete weltpolitische Zusammenhänge betrifft, bezieht sich darauf, dass Menschenrechte überall und global verletzt werden. Dennoch nehmen islamische Länder insofern einen Sonderstatus ein, als sie sich erst gar nicht zur westlichen Konzeption der Menschenrechte bekennen. So stellt sich auch die Frage, ob es überhaupt möglich ist, eine Akzeptanz verbürgter Menschenrechte zu erreichen.

1. Der individuelle Charakter der Menschenrechte358

Bereits in den politischen Schriften der europäischen Aufklärer, in den britischen (1689) und amerikanischen (1776) “Bill of Rights“ sowie vor allem in der Deklaration der Menschen- und Bürgerrechte der Französischen Revolution (1789) werden die individuellen Menschenrechte im einzelnen näher erläutert. Sie können mit dem Begriff „Freiheit des Individuums“ zusammengefasst werden; ihre philosophische Grundlage ist das Subjektivitätsprinzip, demzufolge der Mensch ein freies, sich selbst bestimmendes und zur Entfaltung fähiges Subjekt ist. Die europäischen Menschenrechtsdenker haben nicht an „Europa“, sondern an die Menschheit gedacht und damit universelle Geltung für die von ihnen entfalteten Ideen beansprucht.359


357 Vgl. auch: Batzli, Menschenbilder, Menschenrechte: Islam und Okzident, Kulturen im Konflikt, Zürich 1994; Petersohn, Islamisches Menschenrechtsverständnis unter Berücksichtigung der Vorbehalte muslimischer Staaten zu den UN-Menschenrechtsverträgen, Bonn 1999; Schröter, Das Gesetz Allahs: Menschenrechte, Geschlecht, Islam und Christentum, Königstein/Taunus 2007; Krämer, Gottes Staat als Republik: Reflexionen zeitgenössischer Muslime zu Islam, Menschenrechten und Demokratie, Baden-Baden 1999.

358 Fleiner, Was sind Menschenrechte? Zürich 1996; Benedek, Menschenrechte verstehen: Handbuch zur Menschenrechtsbildung, Wien 2009; Gander, Menschenrechte: Philosophische und juristische Positionen, Freiburg 2008; Sandkühler, Menschenwürde als Fundament der Grund- und Menschenrechte, Bremen 2007.

359 Hasse, Menschenrechte: Bilanz und Perspektiven, Baden-Baden 2002; Janz-Risse, Menschenrechte: Globale Dimension eines universellen Anspruchs, Baden-Baden 2007.

[Seite 103]

Es ist deshalb verständlich, wenn die beiden fundamentalistischen Regime in der islamischen Welt, Iran und Sudan, mit Vehemenz die universelle Gültigkeit der Menschenrechte als westliche Vorstellung zurückweisen; anstelle der Universalität der Menschenrechte fordern sie die Universalität ihres Verständnisses von der Scharia: zwei Universalitätsansprüche, die zwangsläufig einander die Geltung bestreiten müssen.

[Seite 46]

Die erste Frage, die gerade den Komplex Menschenrechte/Islam und seine Relevanz für übergeordnete weltpolitische Zusammenhänge betrifft, bezieht sich darauf, daß Menschenrechte überall und global verletzt werden. Dennoch nehmen die islamischen Länder insofern einen Sonderstatus ein, als sie sich erst gar nicht - wie etwa die Staaten Lateinamerikas - verbal zur westlichen Konzeption der Menschenrechte bekennen. Von daher stellt sich zunächst die Frage, ob es überhaupt möglich ist, verbürgte Menschenrechte in die islamische Welt einzuführen.

[Seite 91]

In den politischen Schriften der europäischen Aufklärer, in den britischen (1689) und amerikanischen (1776) »Bills of Rights« sowie vor allem in der Deklaration der Menschen- und Bürgerrechte der Französischen Revolution (1789) werden die individuellen Menschenrechte im einzelnen näher erläutert: Sie können mit dem Begriff »Freiheit des Individuums« zusammengefaßt werden<sup15</sup>; ihre philosophische Grundlage ist das Subjektivitätsprinzip (Anm. 4), demzufolge der Mensch ein freies, sich selbst bestimmendes und zur Entfaltung fähiges Subjekt ist. Die europäischen Menschenrechtsdenker haben nicht an »Europa«, sondern an die Menschheit gedacht und damit universelle Geltung für die von ihnen entfalteten Ideen beansprucht.


4 Hierzu grundlegend Jürgen Habermas, Der philosophische Diskurs der Moderne, Frankfurt/M. 1985.

15 Richard Pierre Claude und Burns H. Weston (Hg.), Human Rights in the World Community, Philadelphia 1989, S. 12ff.

Anmerkungen

Viele Literaturreferenzen in den Fußnoten - die tatsächliche Quelle bleibt jedoch ungenannt.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[16.] Mra/Fragment 082 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-06-01 07:11:20 Klgn
Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 82, Zeilen: 1-7
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 102, Zeilen: 15 ff.
In unserem Zeitalter des globalen Fundamentalismus und des ethnischen Nationalismus können wir internationale Politik nicht mehr verstehen, ohne die Prozesse der Bildung kultureller Gruppenidentitäten als Bezugsrahmen für religiös-ethnische Kollektive und deren Konfliktpotentiale zu berücksichtigen. Wenngleich eine Einheitlichkeit von Menschenrechtsstandards auf internationaler Ebene unabdingbar ist, vollzieht sich die Umsetzung dieser Rechte in einer Vielzahl verschiedener kultureller Kontexte, die unterschiedlich berücksichtigt werden müssen. Nach dem Kalten Krieg können wir in unserem Zeitalter des globalen Fundamentalismus und des ethnischen Nationalismus internationale Politik nicht mehr verstehen, ohne die Prozesse der Bildung kultureller Gruppenidentitäten als Bezugsrahmen für religiös-ethnische Kollektive und deren Konfliktpotentiale zu berücksichtigen. Die Menschenrechtsproblematik als ein globaler Konfliktstoff macht dies exemplarisch deutlich. Wenngleich eine Einheitlichkeit von Menschenrechtsstandards auf der internationalen Ebene unabdingbar ist, vollzieht sich die Umsetzung dieser Rechte in einer Vielzahl verschiedener kultureller Kontexte, die berücksichtigt werden müssen.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[17.] Mra/Fragment 085 25 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-06-01 07:13:12 Klgn
Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 85, Zeilen: 25-30
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 94, Zeilen: 26 ff.
Die UNO bietet in ihrer gegenwärtigen Verfassung einige Instrumente zur Überwachung der Verletzung von Menschenrechten, kann aber gegen diese Übertretungen des Völkerrechts nichts unternehmen. Die UN-Charta hebt zwar die Bedeutung der Menschenrechte hervor, aber sie betont gleichzeitig das Souveränitätsrecht der Nationalstaaten. Hinter diesem Recht verstecken sich sozusagen die Menschenrechtsverletzer in der Welt des Islam und anderenorts. Die UNO bietet in ihrer gegenwärtigen Verfassung einige Instrumente zur Überwachung der Verletzungen von Menschenrechten, kann aber gegen diese Übertretungen des Völkerrechts nichts unternehmen. Die UN-Charta hebt zwar die Bedeutung der Menschenrechte hervor, aber sie heiligt gleichzeitig das Souveränitätsrecht der Nationalstaaten. Hinter diesem Recht20 verstecken sich die Menschenrechtsverletzer in der Welt des Islam und anderswo.

20 Hierzu Richard Falk, Human Rights and State Sovereignty, New York 1981.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[18.] Mra/Fragment 103 10 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-06-03 07:34:31 Klgn
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 103, Zeilen: 10-39
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 49, 97, 101-105, 107, Zeilen: 49: 1 ff.; 97: 7 ff.; 101: 16 ff.; 102: 37 ff.; 103: 1 ff.; 104: 18 ff.; 105: 14 ff.; 107: 24 ff.
Der Hintergrund dieses Verständnisses beruht darauf, dass die nicht-westlichen Kulturen dem Westen angesichts seiner ökonomischen Prosperität und militärischen Überlegenheit feindselig gegenüber stehen. In einer defensiv-kulturellen Haltung werden Ansprüche auf kulturelle Authentizität geltend gemacht. Ziel ist die Entwestlichung der Welt, wobei die Menschenrechte nicht ausgenommen werden. Versuche, eine islamische Menschenrechtskonzeption zu etablieren, sind noch nicht einmal reformerisch, sie zielen meistens darauf ab, Ungleichheiten zwischen dem islamischen Rechtssystem und den internationalen Menschenrechten festzustellen, um dann die inhaltliche Substanz der individuellen Menschenrechte unter Bezug auf Religiosität zurückzuweisen.

Die Zurückweisung der Werte und Rechtsnormen der kulturellen Moderne kann aber nicht nur auf die Ablehnung der politischen Vorherrschaft des Westens zurückgeführt werden, sie resultiert zugleich aus den substantiellen Unterschieden zwischen modernen industriellen Kulturen und den vormodernen Werten und Normen nicht-westlicher Gesellschaften. Ethnische und religiöse Gesichtspunkte als Partikularität der Kulturen werden gegen die Universalität der Menschenrechte geltend gemacht. Zahlreiche Dritte-Welt-Vertreter tun dies und ohne zu berücksichtigen, wie Reichtümer sozial- und wirtschaftsgeschichtlich entstanden sind. Es wird von diesen Politikern im Sinne einer „Cargo-Mentalität“ gefordert, alle Reichtümer der Welt unter allen Menschen gerecht zu verteilen. Das verstehen sie unter Kollektivrechten. Der Begriff der Cargo-Mentalität stammt aus einem Heilskult in Melanesien, der die Aneignung von Gütern europäischer Herkunft predigt, die ohne eigenes Zutun als Schiffsladung (Cargo) kommen und den Kulturangehörigen ohne eigene Anstrengung zu deren Produktion gleichsam in den Schoß fallen.463 Die koloniale Erschließung außereuropäischer Gebiete im Rahmen der Expansion Europas hat zwar die Prozesse der Entwicklung der industriellkapitalistischen Gesellschaft beschleunigt, sie aber nicht verursacht. Die ursprüngliche Akkumulation und die damit verbundenen Reichtümer sind Produkte der eigendynamischen Entwicklung moderner Gesellschaften des Westens.

Aber der aufgeklärte Mensch muss die Durchsetzung der Menschenrechte als ein legitimes Anliegen der gesamten Menschheit ansehen, denn die Menschheit kann sich ihrer Verantwortung für das Schicksal der Menschen in anderen Teilen der Welt nicht langfristig entziehen. Zwischen modernen und vormodernen (den Islam als vormoderne Kultur zu bezeichnen, re-[sultiert daraus, dass dieser weder vom Menschen als Individuum noch vom damit korrespondierenden Prinzip der Rationalität einen Begriff hat) Kulturen liegen Welten.]


463 Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 97 ff.

Ich charakterisiere die politische Kultur des Islam deshalb als vormodern, weil sie weder vom Menschen als Individuum noch vom damit korrespondierenden Prinzip der Rationalität einen Begriff hat.

[Seite 97]

Ohne zu berücksichtigen, wie Reichtümer sozial- und wirtschaftsgeschichtlich entstanden sind, wird von diesen Politikern im Sinne einer Cargo-Mentalität dann gefordert, alle Reichtümer der Welt unter allen Menschen gerecht zu verteilen. Das verstehen sie unter Kollektivrechten. Der Begriff der Cargo-Mentalität stammt aus einem Heilskult in Melanesien, der die Aneignung von Gütern europäischer Herkunft predigt, die ohne eigenes Zutun als Schiffsladung (Cargo) kommen und den Kultangehörigen ohne eigene Anstrengung zu deren Produktion gleichsam in den Schoß fallen. Um noch einmal auf den marxistischen Wirtschaftshistoriker Maurice Dobb zurückzukommen: Die koloniale Erschließung außereuropäischer Gebiete im Rahmen der Expansion Europas hat zwar die Prozesse der Entwicklung der industriell-kapitalistischen Gesellschaft ein wenig beschleunigt, sie aber nicht verursacht. Die ursprüngliche Akkumulation und die damit verbundenen Reichtümer sind Produkte der eigendynamischen Entwicklung moderner Gesellschaften des Westens.

[Seite 101]

Ethnische und religiöse Gesichtspunkte als Partikularität der Kulturen werden gegen die Universalität der Menschenrechte geltend gemacht.

[Seite 102]

Unter Hinweis auf die kulturelle Verflechtung und Vernetzung in unserer Welt betrachtet der aufgeklärte islamische Jurist An-Na’im die Durchsetzung der Menschenrechte

[Seite 103]

in der islamischen Welt als ein »legitimes Anliegen der gesamten Menschheit«, [...] Dies zu erkennen heißt nicht, daß Menschenrechtsverletzungen in der islamischen Welt international nicht behandelt und verurteilt werden sollten, denn »die Menschheit kann sich ihrer Verantwortung für das Schicksal der Menschen in anderen Teilen der Welt nicht länger entziehen«.9


[Seite 364]

9 Abdullahi A. An-Na’im, Toward an Islamic Reformation. Civil Liberties, Human Rights, and International Law, Syracuse 1990, S. 187.

[Seite 104]

Bei der Beantwortung der Frage, ob und inwieweit das in seinem Ursprung westliche Konzept der Menschenrechte rechtlich auf kulturübergreifenden Fundamenten aufgebaut werden kann, stehen wir zunächst vor dem Problem, daß nicht-westliche Kulturen dem Westen angesichts seiner ökonomischen Prosperität und militärischen Überlegenheit feindselig gegenüberstehen. In einer defensiv-kulturellen Haltung werden Ansprüche auf kulturelle Authentizität geltend gemacht. Der daraus resultierende Zusammenprall der Zivilisationen ist dann nicht mehr ökonomisch bedingt; Ziel ist die Entwestlichung der Welt, wobei die Menschenrechte nicht ausgenommen werden.

[Seite 105]

Versuche, eine islamische Menschenrechtskonzeption zu etablieren, sind noch nicht einmal reformerisch; sie zielen meistens darauf, Ungleichheiten zwischen dem islamischen Rechtssystem und den internationalen Menschenrechten festzustellen, um dann die inhaltliche Substanz der individuellen Menschenrechte zurückzuweisen.

[Seite 107]

Die Zurückweisung der Werte und Rechtsnormen der kulturellen Moderne kann nicht nur auf die Ablehnung der politischen Vorherrschaft des Westens zurückgeführt werden; sie resultiert zugleich aus den substantiellen Unterschieden zwischen modernen industriellen Kulturen und den vormodernen Werten und Normen nicht-westlicher Gesellschaften, seien sie islamisch, hinduistisch oder buddhistisch.

Anmerkungen

Die Quelle ist (wenn auch ein wenig ungenau) in Fn. 462 benannt.

Sichter
(SleepyHollow02), Klgn

[19.] Mra/Fragment 104 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-06-01 23:55:04 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 104, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 84 f., 108 f., 140, 143, Zeilen: 84: 6 ff.; 85: 1 ff.; 108: 33 ff.; 109: 1 ff.; 140: 18 ff.; 143: 14 ff.
[Zwischen modernen und vormodernen (den Islam als vormoderne Kultur zu bezeichnen, re-]sultiert daraus, dass dieser weder vom Menschen als Individuum noch vom damit korrespondierenden Prinzip der Rationalität einen Begriff hat) Kulturen liegen Welten. Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen Moderne und Vormoderne besteht darin, dass die kulturelle Moderne die geistigen Grundlagen für die Bestimmung des Menschen als Individuum entfaltet hat, während vormoderne Kulturen den Menschen stets als Teil eines Kollektivs einordnen. Sicherlich geht es dabei nicht allein um geistige Prozesse, denn ohne die materielle Entwicklung der industriellen Gesellschaft nach der Auflösung der traditionellen Gemeinwesen in Europa hätte diese angesprochene Individuation nicht stattgefunden. Unter Individuation versteht man hierbei die Befreiung des Menschen vom Kollektiv und seine Bestimmung als Individuum in der gelebten Realität. Sie ist also nicht nur eine Idee, sondern eine gesellschaftliche Entwicklung insgesamt. Allerdings kann ein Hinweis auf die Entstehung der modernen industriellen Gesellschaft bzw. die Zweiteilung von Zivilgesellschaft und staatlicher Autorität im Kontext der Marktökonomie allein nicht erklären, wie die Europäer erstmals in der Geschichte der Menschheit im Rahmen der kulturellen Moderne die Idee des Menschen als Individuum entfaltet haben. Auch in vielen zeitgenössischen asiatischen und afrikanischen Gesellschaften sind im Rahmen der Globalisierung der Marktökonomie strukturelle Bedingungen entstanden, die zur Auflösung oder zumindest zur Erschütterung traditioneller, d.h. vormoderner Gemeinwesen beigetragen haben. Dennoch fehlt dort die kulturelle Bestimmung des Menschen als ein freies Individuum, eben weil die kulturellen Grundlagen hierfür nicht vorhanden sind. In einem sozialen Gebilde, in dem sich ein Markt entwickelt, zivile Gesellschaft und staatliche Autorität zweigeteilt sind, verkehren Menschen miteinander als Individuen. Hierbei besteht ein Bedarf danach, den Menschen als Individuum vor möglicher staatlicher Willkür zu schützen. Eben dies ist der sozialhistorische Hintergrund für die Entstehung der modernen Menschenrechte. In vormodernen Gesellschaften hingegen genießt der Mensch, der in seiner Existenz noch kein Individuum im Sinne der kulturellen Moderne ist, den Schutz und die Sicherheit seines Kollektivs. Es gibt keine soziale und regionale Mobilität und somit auch nicht die damit einhergehenden Unsicherheiten. Das Weltbild ist geschlossen und kennt weder Vermutung noch Zweifel als Kriterien für den Erwerb von Wissen, denn die Einbettung in das Kollektiv bietet den nötigen Schutz. Erst durch die Auflösung traditioneller Gemeinwesen und die Freisetzung des Menschen von seinem Kollektiv wird er in einer Gesellschaft mit einem freien Markt auf sich selbst gestellt und damit den Unsicherheiten des Lebens ausgesetzt.

Auch Muslime gehen von der Zugehörigkeit des Menschen zum Kollektiv aus. Es handelt sich dabei um ein Kollektiv, welches durch die Verbreitung des Islam beansprucht, sich auf die gesamte Menschheit zu erweitern. Menschen als Gläubige, nicht als Bürger, haben gegenüber diesem Kollektiv Pflichten, nicht aber individuelle Berechtigungen. Dagegen begreifen Europäer die Reformation, die Aufklärung und die Französische Revolution als historische Prozesse, die den Menschen als Individuum hervorgebracht haben. So ist der Unterschied zwischen Individuation und Kollektivvorstellungen eine schwer überbrückbare Positionsdifferenz normativ-kultureller Art. Menschenrechte im Islam zu etablieren erfordert daher zunächst ein Konzept, das eine Entwicklung initiiert, die wegführt vom Konzept der Pflichten gegenüber der Gemeinschaft. Um dies zu erreichen, bedarf es einer Auflösung des Kollektivs im Rahmen einer tiefgreifenden religiös-kulturellen Reform, die eine historische Neu[interpretation des Korans einschließen müsste.464]


464 Vgl. Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 97 ff.

Zwischen modernen und vormodernen Kulturen liegen Welten. Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen Moderne und Vormoderne besteht darin, daß die kulturelle Moderne die geistigen Grundlagen für die Bestimmung des Menschen als Individuum entfaltet hat, während vormoderne Kulturen den Menschen stets als Teil eines Kollektivs einordnen. Sicherlich geht es dabei nicht allein um geistige Prozesse; denn ohne die materielle Entwicklung der industriellen Gesellschaft nach der Auflösung der traditionellen Gemeinwesen in Europa hätte diese angesprochene Individuation nicht stattgefunden. Unter Individuation verstehe ich die Befreiung des Menschen vom Kollektiv und seine Bestimmung als Individuum in der gelebten Realität. Sie ist also nicht nur eine Idee, sondern eine gesellschaftliche Entwicklung.

In einem sozialen Gebilde, in dem sich ein Markt entwickelt, zivile Gesellschaft und staatliche Autorität zweigeteilt sind, verkehren Menschen miteinander als Individuen. Hierbei besteht ein Bedarf danach, den Menschen als Individuum vor möglicher staatlicher Willkür zu schützen. Das genau ist der sozialhistorische Hintergrund für die Entstehung der modernen Menschenrechte. In vormodernen Gesellschaften genießt der Mensch, der in seiner Existenz noch kein Individuum im Sinne der kulturellen Moderne ist, den Schutz und die Sicherheit seines Kollektivs; es gibt keine soziale und regionale Mobilität und somit auch nicht die damit einhergehenden Unsicherheiten. Das Weltbild ist geschlossen und kennt weder Vermutung noch Zweifel als Kriterien für den Erwerb von Wissen; die Einbettung in das Kollektiv bietet den benötigten Schutz. [...] Erst

[Seite 85]

durch die Auflösung traditioneller Gemeinwesen und die Freisetzung des Menschen von seinem Kollektiv wird er in einer Gesellschaft mit einem freien Markt - auf sich selbst gestellt - den Unsicherheiten des Lebens ausgesetzt.

[...]

So kann der Hinweis auf die Entstehung der modernen industriellen Gesellschaft bzw. auf die Zweiteilung von Zivilgesellschaft und staatlicher Autorität im Kontext der Marktökonomie allein nicht erklären, wie die Europäer erstmals in der Geschichte der Menschheit im Rahmen der kulturellen Moderne die Idee des Menschen als Individuum entfaltet haben.

Denn auch in vielen der zeitgenössischen asiatischen und afrikanischen Gesellschaften sind im Rahmen der Globalisierung der Marktökonomie strukturelle Bedingungen entstanden, die zur Auflösung oder zumindest zur Erschütterung traditioneller, d.h. vormoderner Gemeinwesen beigetragen haben. Dennoch fehlt dort noch die kulturelle Bestimmung des Menschen als ein freies Individuum, eben weil die kulturellen Grundlagen hierfür nicht vorhanden sind.

[Seite 108]

Menschenrechte als individuelle Rechte im Islam zu etablieren erfordert daher, zunächst ein Konzept von Rechten einzuführen und eine Entwicklung zu initiieren, die wegführt vom Konzept der Pflich-

[Seite 109]

ten gegenüber der Gemeinschaft. Um dies zu erreichen, bedarf es einer Auflösung des Kollektivs im Rahmen einer tiefgreifenden religiös-kulturellen Reform, die eine historisierende Neu-Interpretation des Koran einschließt.

[Seite 140]

Muslime gehen von der Zugehörigkeit des Menschen zum Kollektiv, zur Umma, d.h. der Weltgemeinde des Islam (Umma bedeutet wörtlich: »Gemeinschaft aller Muslime«) aus, wie ich in den Kapiteln 1 und 3 ausgeführt habe. Es handelt sich dabei um ein Kollektiv, welches durch die Verbreitung des Islam beansprucht, sich auf die gesamte Menschheit zu erweitern. Menschen als Gläubige, nicht als Bürger, haben gegenüber diesem Kollektiv Pflichten (Faraid), nicht aber individuelle Rechte als Berechtigungen. Dagegen begreifen Europäer, die Reformation, Aufklärung und die Große Französische Revolution als historische Prozesse vollzogen haben, den Menschen als ein Individuum: es hat einklagbare Rechte als Berechtigungen gegenüber Staat und Gesellschaft.

[Seite 143]

So ist der Unterschied zwischen auf Individuation basierenden Menschenrechten und islamischen Kollektivvorstellungen der Faraidt/Pflichtenlehre eine schwer überbrückbare Positionsdifferenz normativ-kultureller Art; dieser Unterschied bereitet dem friedlichen Umgang der westlichen mit der islamischen Zivilisation große Probleme.

Anmerkungen

Die (zudem eher ungenaue) Nennung der Quelle in Fn. 464 auf S. 105 oben dürfte nicht genügen, um die vollständig wörtliche Übernahme kenntlich zu machen.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[20.] Mra/Fragment 105 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-06-01 23:10:23 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 105, Zeilen: 1-6
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 204, Zeilen: 29 ff.
[Um dies zu erreichen, bedarf es einer Auflösung des Kollektivs im Rahmen einer tiefgreifenden religiös-kulturellen Reform, die eine historische Neu-]Interpretation des Korans einschließen müsste.464

Zudem unterscheidet sich der Islam vom Christentum vor allem dadurch, dass er ein allumfassendes, organisches und kein kirchliches Religionssystem ist und dabei sehr stark diesseits bezogen ist. Wie oben bereits dargestellt, kennt der Islam keine Trennung zwischen privatem und öffentlichem Leben. Das göttliche Recht beschränkt sich nicht auf die Ordnung der äußeren Dinge des Lebens, es gilt ohne Einschränkung für alle Lebensbereiche.


464 Vgl. Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 97 ff.

Der Islam unterscheidet sich vom Christentum ja vor allem dadurch, daß er ein allumfassendes, organisches und kein kirchliches Religionssystem und dabei sehr stark diesseitsbezogen ist. Mit organisch meine ich, daß der Islam keine Trennung von Diesseits und Jenseits bzw. zwischen privat und öffentlich kennt. [...] Das göttliche Recht beschränkt sich nicht auf die Ordnung der äußeren Dinge des Lebens; es gilt ohne Einschränkung für alle Lebensbereiche.
Anmerkungen

Fortsetzung von der Vorseite. Auch nach der Fußnote geht die Übernahme weiter.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[21.] Mra/Fragment 116 17 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-06-01 07:41:54 Klgn
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 116, Zeilen: 17-23, 26-31, 34-38
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 35, 36, Zeilen: 35: letzte Zeile - 36: 1 ff.
Aus dieser Beobachtung ergibt sich die Notwendigkeit, die vorhandene Pluralität der Kulturen zwar zu akzeptieren, ohne aber jedoch der Illusion eines Kulturrelativismus zu erliegen. Letztendlich bedeutet dieser nichts anderes als die Anerkennung der traditionellen Weisheit „andere Kulturen, andere Sitten“ mit dem Zusatz, dass man bereit ist, diesen Zustand hinzunehmen, was ohne Einschränkung bedeuten würde, dass z.B. Frauenbeschneidung im Sudan deren Sache sein muss und den Rest der Menschheit nichts angehen kann.502

Zwar ist die Religionsfreiheit ein starkes Grundrecht und setzt sich regelmäßig durch, was dogmatisch mit der Nähe zum höchsten Wert des Grundgesetzes zusammenhängt, da die Religionsfreiheit in besonderem Maße eine Ausprägung der Menschenwürde darstellt.503 Jedoch steht eine solche Haltung im Widerspruch zu der hier vertretenen Position einer Ethik der Menschenrechte. Für jene, welche um die Menschenrechte als universelle Rechte besorgt sind, kann die Anerkennung der kulturellen Vielfalt in unserer Welt nicht bis zu dem Punkt ausgedehnt werden, an dem sie in einen Kulturrelativismus, d.h. in moralische Gleichgültigkeit umschlägt. [...] Aus der Perspektive einer international verbindlichen Moralität darf die Hinnahme menschenrechtsverletzender Praktiken (z.B. Folter zur Unterdrückung der Meinungsfreiheit) auch als Ausdruck einer anderen Kultur demnach nicht toleriert werden. Diktaturen der Dritten Welt kaschieren solche Verletzungen oftmals unter der Maske ihrer eigenen Kultur.504 Die Pluralität der Kulturen ist dennoch eine [wertfreie Feststellung der Vielfalt.]


502 Vgl. dazu auch: Püttner, Toleranz als Verfassungsprinzip - Prolegomena zu einer rechtlichen Theorie des pluralistischen Staates, Berlin 1977.

503 So BVerfGE 32, 98.

504 Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 36.

Aus dieser Beobachtung folgere ich die Not-

[Seite 36]

wendigkeit, die vorhandene Pluralität der Kulturen zu akzeptieren, jedoch ohne der Illusion eines Kulturrelativismus32 zu erliegen. Letztendlich bedeutet Kulturrelativismus nichts anderes als die Anerkennung der traditionellen Weisheit »andere Kulturen – andere Sitten« mit dem Zusatz, daß man bereit ist, diesen Zustand hinzunehmen. Wenn z. B. Frauen im Sudan beschnitten werden, dann soll das deren Sache sein und den Rest der Menschheit nichts angehen. Eine solche Haltung steht jedoch im Widerspruch zu der hier vertretenen sittlichen Position einer universellen Ethik der Menschenrechte. Für jene, welche um die Menschenrechte als universelle Rechte besorgt sind, kann die Anerkennung der kulturellen Vielfalt in unserer Welt nicht bis zu dem Punkt ausgedehnt werden, an dem sie in einen Kulturrelativismus, d. h. in moralische Gleichgültigkeit umschlägt. Aus der Perspektive einer international verbindlichen Moralität darf die Hinnahme menschenrechtsverletzender Praktiken (z. B. Folter zur Unterdrückung der Meinungsfreiheit) als Ausdruck einer anderen Kultur nicht toleriert werden. Diktaturen der Dritten Welt formieren sich in einer geeinten Südfront; die Thematisierung solcher Verletzungen verhindern sie, indem sie sie unter der Maske ihrer eigenen »Kultur« kaschieren. [...]

Die Pluralität der Kulturen ist eine wertfreie Feststellung der Vielfalt.


[Seite 355]

32 R. J. Vincent, Human Rights and International Relations, Cambridge 1986, S. 37 ff.

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 504 genannt.

Der Satz vor Fn. 503 ist nicht Teil der Übernahme (jedenfalls nicht aus dieser Quelle).

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[22.] Mra/Fragment 117 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-06-01 07:46:12 Klgn
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 117, Zeilen: 1-7, 22-39
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 36, 37, 58, 164, 165, Zeilen: 36: 28 ff., 37: 2 ff., 58: 14 ff., 164: 4 ff., 165: 19 ff.
Diese Pluralität gutzuheißen bedeutet nicht, sie mit kultureller Fragmentation (Konsensverlust innerhalb der Menschheit) gleichzusetzen und sie einem Basiskonsens über internationale Moralität zu entziehen. Insbesondere in Bezug auf die Menschenrechte darf es keinen Kompromiss geben. Muslime, Hindus und Buddhisten müssen die Menschenrechte in ihrer Kultur verankern. Die Zurückweisung dieser Ansicht durch muslimische Despoten ist stets eine ideologische Rechtfertigung für Willkür und dafür, den Unterworfenen die zentralen Rechte vorzuenthalten. [...]

Man kann sich angesichts der Tatsache, dass die Menschenrechte im allgemeinen nicht energischer verteidigt werden, des Eindrucks nicht erwehren, dass die Europäer ihrer Zivilisation schon müde und nicht mehr bereit sind, für Menschenrechte überhaupt einzustehen. Wer hinter dem universellen Anspruch der Menschenrechte lediglich bloßen Kulturimperialismus vermutet, hat nie ermessen, wie viele Freiheiten er in seiner Zivilgesellschaft genießt. Im Westen bedeutet multikulturelle Toleranz nichts anderes als Gleichgültigkeit gegenüber der undemokratischen und menschenverachtenden Einstellung vormoderner Kulturen gegenüber der Moderne.506

Der Kulturrelativismus fordert Toleranz gegenüber Intoleranz und macht sich somit ungewollt zum nützlichen Handlanger der Fanatiker aus vormodernen Kulturen unter den Migranten, die sich gegen die Integration in die kulturelle Moderne der europäischen Gesellschaften erheben. Wer aber dafür eintritt, dass die Migranten die Kultur des Gastkontinents respektieren müssen, setzt sich neuerdings dem Vorwurf des Euro-Rassismus507 aus, der das neueste Etikett darstellt und der Kampfbegriff all derer ist, die die Gleichsetzung vormoderner Kulturen mit der kulturellen Moderne in Europa ablehnen.

Wenn im islamischen Sudan Frauen durch Beschneidung ihrer Klitoris in ihrer Sexualität entmündigt werden, dann ist das für Kulturrelativisten keine Verletzung der Menschenrechte, sondern schlicht ein Ausdruck anderer Sitten, vergleichbar mit der inhumanen Ganzkörper-[verschleierung von Frauen]


506 Vgl. bereits oben die Ausführungen zum „Kulturrelativismus“.

507 Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 164.

Diese Pluralität gutzuheißen bedeutet nicht, sie mit kultureller Fragmentation (Konsensverlust innerhalb der Menschheit) gleichzusetzen und sie einem Basiskonsens über internationale Moralität zu entziehen.33 Insbesondere in bezug auf die Geltung der Menschenrechte darf es keinen Kompromiß geben.

33 Terry Nardin, Law, Morality; and the Relations of States, Princeton 1983, und auch die neuere Arbeit von Terry Nardin und David Mapel (Hg.), Traditions of International Ethics, Cambridge 1992.

[Seite 37]

Konkret bedeutet dies, daß Muslime, Hindus und Buddhisten lernen, die Sprache der Menschenrechte in ihrer Kultur zu verankern. Die Zurückweisung dieser Ansicht durch viele asiatische und afrikanische Herrscher - so in Wien im Juni 1993 - ist stets eine ideologische Rechtfertigung für Willkür gewesen und dafür, den ihnen unterworfenen Völkern gerade die zentralen Menschenrechte vorzuenthalten; [...]

[Seite 58]

Als aufgeklärter Muslim kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Europäer ihrer Zivilisation schon müde und nicht mehr bereit sind, für die Menschenrechte einzustehen. Als akademischer Lehrer mußte ich im Sommersemester 1993 die Menschenrechte gegen meine deutschen Studenten verteidigen, die hinter deren universellem Anspruch bloßen Kulturimperialismus vermuteten. Wer so argumentiert, hat nie für Menschenrechte gekämpft und kann nicht ermessen, wieviel Freiheiten er in seiner Zivilgesellschaft genießt. Mit einer solchen müden Generation kann man weder Menschenrechte noch Demokratie verteidigen. Ich schaue nicht mit Optimismus in die Zukunft, weder hier im Westen noch in der Welt des Islam.

Im Westen bedeutet multikulturelle Toleranz nichts anderes als Gleichgültigkeit gegenüber der undemokratischen und menschenverachtenden Einstellung vormoderner Kulturen gegenüber der Moderne.

[Seite 164]

Er [der Kulturrelativismus] fordert Toleranz gegenüber Intoleranz und macht sich somit ungewollt zum nützlichen Handlanger der Fanatiker aus vormodernen Kulturen unter den Migranten, die sich gegen die Integration in die kulturelle Moderne der europäischen Gesellschaften erheben.

Wer aber dafür eintritt, daß die Migranten die Kultur des Gastkontinents - wenn ich Europa noch so umschreiben darf - respektieren müßten, setzt sich dem Vorwurf des Rassismus aus. Euro-Rassismus7 ist das neue Etikett und der Kampfbegriff für die Inkriminierung all derer, die die Gleichsetzung vormoderner Kulturen mit der kulturellen Moderne in Europa ablehnen.


7 Vgl. stellvertretend für diese Denkrichtung Chr. Butterwegge/S. Jäger (Hg.), Rassismus in Europa, Köln 1992; dazu auch die FAZ-Rezension von W. Kowalsky vom 4. Mai 1993.

[Seite 165]

Wenn im islamischen Sudan Frauen durch Beschneidung ihrer Klitoris in ihrer Sexualität entmündigt werden, dann ist das für Kulturrelativisten keine Verletzung des Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit, sondern schlicht ein Ausdruck anderer Sitten, vergleichbar der inhumanen Verschleierung der Frauen.

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 507 genannt, aber selbst dort ist sie nur auf eine Ausführung zum Vorwurf des Euro-Rassismus bezogen.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[23.] Mra/Fragment 118 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-31 06:16:30 Klgn
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 118, Zeilen: 1-19
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 141 f., 165, 167, 172, Zeilen: 141: letzter Abs. - 142: 1; 165: 25 ff.; 167: 16 ff.; 172: 17-19
Um nicht als „Rassist“ zu gelten, schweigt man über diese Menschenrechtsverletzung. In Wirklichkeit bedeutet Kulturrelativismus jedoch nicht Toleranz gegenüber anderen Kulturen, sondern eher moralische Trägheit und Entlastung jeglicher Verantwortung, etwa für die Verletzung von Menschenrechten und ist somit die Zuflucht für die Rechtfertigung der politischen Repression geworden.

Man muss einräumen, dass viele Kulturrelativisten subjektiv nicht zynisch sind, dass sie vielmehr vom aufrichtigen Ethos des Respekts gegenüber anderen Kulturen geleitet sind, ohne sich jedoch die Konsequenzen ihrer Einstellungen bewusst zu machen. Dabei unterliegen sie der vorhandenen Verwechslung von Kulturpluralismus mit Kulturrelativismus. Kulturpluralismus ist nichts anderes als die Feststellung, dass es eine Vielfalt an Kulturen gibt, die jeweils ihren individuellen Charakter haben. Diese Feststellung ist gleichermaßen deskriptiv, wertneutral und enthält kein moralisches Urteil über die einzelnen Kulturen und ihre Werte, sondern beschränkt sich lediglich auf die Beobachtung der Vielfalt und plädiert für ein friedliches Nebeneinander. Zu diesem friedlichen Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen gehört die gemeinsame Anerkennung von Normen und Werten als Basiskonsens. Bei aller Beschwörung von Multikulturalität und kulturellen Pluralismus sind die Europäer angesichts des islamischen Fundamentalismus sowie des Imports von Einwandererkulturen, die keine Individuation kennen, gefragt, ob sie die kulturellen und politischen Grundlagen der individuellen Menschenrechte zu verteidigen gewillt sind.508


508 Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 142.

[Seite 165]

Um nicht als »Rassist« zu gelten, schweigt mancher über diese Verletzungen von Menschenrechten. In Wirklichkeit bedeutet Kulturrelativismus jedoch nicht Toleranz gegenüber anderen Kulturen, sondern moralische Trägheit und Entlastung von jeglicher Verantwortung, etwa für die Verletzung von Menschenrechten.

[Seite 172]

Charles Krauthammer prägte die Formel, daß der Kulturrelativismus »die Zuflucht für die Rechtfertigung der politischen Repression geworden ist«.27


27 Charles Krauthammer, Human Rights: Giving in After the Debate is Won, in: IHT vom 19./20. Juni 1993.

[Seite 167]

Obwohl ich ein dezidierter Gegner des Kulturrelativismus bin, muß ich einräumen, daß viele Kulturrelativisten subjektiv nicht zynisch sind, daß sie vielmehr vom aufrichtigen Ethos des Respekts gegenüber anderen Kulturen geleitet sind, ohne sich jedoch die Konsequenzen ihrer Einstellungen bewußt zu machen; dabei unterliegen sie häufig der schon potentiell bei Herder - als autoritativer und ideengeschichtlicher Quelle des Kulturrelativismus - vorhandenen Verwechslung von Kulturpluralismus mit Kulturrelativismus.

Kulturpluralismus ist nichts anderes als die Feststellung der Binsenwahrheit, daß es eine Vielfalt an Kulturen gibt, die jeweils ihren individuellen Charakter haben. Diese Feststellung ist zunächst gleichermaßen deskriptiv und wertneutral; sie enthält noch kein moralisches Urteil über die einzelnen Kulturen und ihre Werte, sondern beschränkt sich lediglich auf die Beobachtung der Vielfalt und plädiert für ein Nebeneinanderleben dieser vielfältigen Kulturen in Frieden. Herder, der trotz seiner scharfzüngigen Polemik gegen die Franzosen ein Kind der Aufklärung war, hat nie bestritten, daß eben zu diesem friedlichen Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen die gemeinsame Anerkennung von Normen und Werten gerade dieser Aufklärung als Basiskonsens gehört.

[Seite 141]

Bei aller Beschwörung von Multikulturalität und kulturellem Pluralismus sind die Europäer angesichts des islamischen Fundamentalismus sowie des Imports von Einwandererkulturen, die keine Individuation kennen, gefragt, ob sie die kulturellen und politischen Grundlagen der individuellen Menschenrechte - vor

[Seite 142]

allem im eigenen Haus - zu verteidigen gewillt sind.

Anmerkungen

Die Quelle ist genannt, die großteils wörtliche Übernahme bleibt ungekennzeichnet.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[24.] Mra/Fragment 119 101 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-06-01 07:22:09 Klgn
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 119, Zeilen: 101-103
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 32, Zeilen: 25 ff.
[...]

510 Es gibt aber wiederum Politiker, die sich weigern, politische Menschenrechte überhaupt zu erörtern. Diese seien allein ein Anliegen des verkommenen Westens. Menschenrechte setzten sie gleich mit Zügellosigkeit, Promiskuität, Homosexualität, Prostitution und Drogenkonsum und mit Demokratie, Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 32.

Es gibt muslimische Politiker, die sich weigern, politische Menschenrechte überhaupt zu erörtern. Diese seien nämlich allein ein Anliegen des verkommenen Westens. Menschenrechte setzen sie gleich mit Zügellosigkeit, Promiskuität, Homosexualität, Prostitution und Drogenkonsum - und mit Demokratie.
Anmerkungen

Ein relativ kurzes Fragment, in dem die weitgehende Wörtlichkeit der Übernahme ungekennzeichnet bleibt. Durch die Verwendung der indirekten Rede im zweiten Satz deutet sich immerhin die Nähe im Wortlaut an.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[25.] Mra/Fragment 123 12 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-31 06:06:06 Klgn
Fragment, Gesichtet, KomplettPlagiat, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
KomplettPlagiat
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 123, Zeilen: 12-14
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 351, Zeilen: 1-3
In einer Demokratie europäischen Stils wirken die Menschen als Bürger in einem Gemeinwesen, also als Individuen, nicht als Angehörige eines Kollektivs. In einer Demokratie europäischen Stils wirken die Menschen als Bürger in einem Gemeinwesen, also als Individuen, nicht als Angehörige eines Kollektivs.
Anmerkungen

Nur ein kurzes Fragment - aber der eine (nicht triviale) Satz ist wörtlich übernommen.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[26.] Mra/Fragment 149 28 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-24 16:30:10 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 149, Zeilen: 28-31
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 229, Zeilen: 14 ff.
Individuelle Menschenrechte, zunächst in Europa entstanden, haben ihre Wurzeln in der westlich-liberalen Tradition und sind seitdem universalisiert worden. Sie können weder auf den Westen eingegrenzt werden, noch von einer liberalen Tradition exklusiv beansprucht werden. Menschrechte [sic] als individuelle Autonomie- und Gleichheitsrechte, die von der Gesellschaft [mittels der Beschränkung des staatlichen Handlungsbereiches institutionell geschützt werden müssen, können durch nicht-westliche Auffassungen von Menschenwürde bereichert werden, die im Westen vielleicht manchmal fehlen.] Individuelle Menschenrechte, zunächst in Europa entstanden, haben zwar ihre Wurzeln in der westlich-liberalen Tradition25, sind aber seitdem universalisiert worden. Sie können weder auf den Westen eingegrenzt, noch von einer liberalen Tradition exklusiv beansprucht werden. Menschenrechte als individuelle Autonomie- und Gleichheitsrechte, die von der Gesellschaft mittels der Beschränkung des staatlichen Handlungsbereiches institutionell geschützt werden müssen, können durch nicht-westliche Auffassungen von Menschenwürde bereichert werden, die im Westen vielleicht manchmal fehlen.

25 Michel Lacey/Knud Haakonssen (Hg.), A Culture of Rights, Cambridge 1992.

Anmerkungen

In Fn. 606 auf S. 151 findet sich ein Verweis auf S. 257 der Quelle.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[27.] Mra/Fragment 150 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-24 17:28:42 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 150, Zeilen: 1-14, 16-32, 35-44
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 226, 229, 235-238 256, Zeilen: 226: 15 ff.; 229: 28 ff.; 235: 22 ff.; 237: 12 ff.; 238: 1 ff.; 256: 8 ff.
[Menschrechte [sic] als individuelle Autonomie- und Gleichheitsrechte, die von der Gesellschaft] mittels der Beschränkung des staatlichen Handlungsbereiches institutionell geschützt werden müssen, können durch nicht-westliche Auffassungen von Menschenwürde bereichert werden, die im Westen vielleicht manchmal fehlen. Sie können auch um ökonomische und soziale Rechte erweitert werden. Individuelle Menschenrechte, wie z.B. das Recht auf körperliche Unversehrtheit des Individuums, sind natürlich vorgegeben, auch wenn sie von Diktatoren verletzt werden. Es ist richtig, dass diese ursprünglich liberalen Werte nicht mehr länger auf die politische Tradition des europäischen Liberalismus beschränkt werden können. Abstrakter Individualismus, rein politische Rechte ohne soziale Gerechtigkeit und ein formalpartizipatorisches Politikverständnis sind durchaus Fehlentwicklungen der liberalen Theorie. In unserer Zeit werden diese liberalen Defizite im Rahmen einer Neubewertung des zeitgenössischen Liberalismus daher diskutiert. Dennoch können wir nicht übersehen, dass unser modernes Menschenrechtsverständnis auf der Globalisierung europäischer Errungenschaften, vor allem auch der Demokratie, basiert. Die ursprünglich liberalen Werte bestimmen unser Verständnis von Demokratie. Vertreter des anti-westlichen Denkens qualifizieren die westliche Demokratie schlichtweg ab, um von der politischen Willkürherrschaft in ihren eigenen Ländern abzulenken. Eine innovative Einbindung der ursprünglich europäischen Tradition der Menschenrechte in nicht-westliche lokale Kulturen erscheint erforderlich. Diese kulturelle Synthese beinhaltet die Artikulation der angesprochenen Rechte durch lokal-kulturelle, vermittelnde Elemente, ohne das fundamentale und globale Anliegen zu vernachlässigen; die Freiheit des Individuums als ein freies Subjekt. Eine kulturelle Aneignung der Menschenrechte durch Nicht-Europäer vormoderner Kulturen bleibt fraglich, wenn dabei die individuellen Freiheiten außer Acht bleiben. Darüber hinaus müsste ein internationaler, d.h. kulturübergreifender Standard der Menschenrechte auf einer globalen Ebene verbindlich etabliert werden. Unsere Aufgabe müsste es sein, die entsprechenden lokal-kulturellen Werte mit der Universalität der Menschenrechte in einer Situation zu vereinbaren, in welcher es an einer „universellen“ Moralität fehlt. Der globale Werte-Konsens kann dieses Fehlen kompensieren und die Grundlage für eine internationale Moralität schaffen. Auf den Islam bezogen bedeutet der skizzierte Bezugsrahmen, dass nicht ein Auferlegen der Menschenrechte, sondern eine kulturelle Synthese anzustreben ist. Die Durchführbarkeit und Entfaltung einer auf der angestrebten Synthese basierenden islamischen Menschenrechtstradition erfordert die Einbettung des islamischen Weltbildes in einen universellen, pluralistisch-kulturellen Menschenrechtskonsens. Nur dieser kann die Geltung dieser Rechte im Islam gewährleisten. Demokratische Strukturen sollten als institutionelle Rahmenbedingung, die sich für Menschenrechte entfaltet, ebenfalls vorhanden sein.

Der nächste Schritt wäre die Frage nach der realen Verwirklichung dieser Ideen und dem institutionellen Rahmen für ihre Durchsetzung, der die materielle Existenz von Menschenrechten gewährleistet. Von einem historischen Blickwinkel aus können wir argumentieren, dass nur die legale Herrschaft wirklich einen institutionellen Rahmen zum Schutz der Menschenrechte bietet. In einem freiheitlichen System ist die politische Herrschaft in einem zeitlich begrenzten Amt verkörpert und durch rechtlich-rationale, von Institutionen kontrollierte Bindung der zeitlich limitierten Herrschaft an ebenso institutionell gültige Normen definiert. Ein nur einer Person verliehenes Amt kann ihr institutionell wieder aberkannt werden, wenn der Amtsinhaber die festgesetzten Regeln des Amtes nicht befolgt: eine Unumkehrbarkeit dieser Entscheidung gibt es im Islam jedoch nicht. Ein ausdifferenziertes institutionelles System, in [dem eine nach dem Prinzip der Gewaltenteilung unabhängige und autonome Richterschaft eine zentrale Rolle spielt, ist der Hüter der legalen Herrschaft.]

Ich definiere die Menschenrechte als individuelle Autonomie- und Gleichheitsrechte, die von der Gesellschaft mittels der Beschränkung des staatlichen Handlungsbereiches institutionell geschützt werden müssen, können durch nicht-westliche Auffassungen von Menschenwürde bereichert werden, die im Westen vielleicht manchmal fehlen. Sie können auch um ökonomische und soziale Rechte erweitert werden.

[Seite 229]

Individuelle Menschenrechte, wie z.B. das Recht auf körperliche Unversehrtheit des Individuums, sind natürlich vorgegeben, auch wenn sie von Diktatoren verletzt werden.

[Seite 235]

Es ist richtig, daß diese ursprünglich liberalen Werte nicht mehr länger auf die politische Tradition des europäischen Liberalismus beschränkt werden können. Abstrakter Individualismus, rein politische Rechte ohne soziale Gerechtigkeit und ein formal-partizipatorisches Politikverständnis sind durchaus Fehlentwicklungen der liberalen Theorie. In unserer Zeit werden diese liberalen Defizite im Rahmen einer Neubewertung des zeitgenössischen Liberalismus von vielen Publizisten und Wissenschaftlern diskutiert. Dennoch können wir nicht übersehen, daß unser modernes Menschenrechtsverständnis auf der Globalisierung europäischer Errungenschaften - vor allem der Demokratie - basiert. Die ursprünglich liberalen Werte bestimmen unser Verständnis von Demokratie.

[Seite 237]

Darunter verstehe ich die innovative Einbindung der ursprünglich europäischen Tradition der Menschenrechte in nicht-westliche lokale Kulturen. Diese kulturelle Synthese beinhaltet die Artikulation der angesprochenen Rechte durch lokal-kulturelle, vermittelnde Elemente, ohne das fundamentale und globale Anliegen zu vernachlässigen: die Freiheit des Individuums als ein freies Subjekt. Eine kulturelle Aneignung der Menschenrechte durch Nicht-Europäer vormoderner Kulturen bleibt fraglich, wenn dabei die individuellen Freiheiten außer acht bleiben.

[Seite 238]

Darüber hinaus müßte ein internationaler, d.h. kulturübergreifender Standard der Menschenrechte auf einer globalen Ebene konsensuell etabliert werden. Unsere Aufgabe müßte es sein, die entsprechenden lokalkulturellen Werte mit der Universalität der Menschenrechte in einer Situation zu vereinbaren, in welcher es an einer »universellen Moralität« fehlt. Der globale Werte-Konsens kann dieses Fehlen kompensieren und die Grundlage für eine internationale Moralität schaffen.

Auf den Islam übertragen bedeutet der skizzierte Bezugsrahmen, daß nicht ein Auferlegen der Menschenrechte, sondern eine kulturelle Synthese anzustreben ist. Die Durchführbarkeit und Entfaltung einer auf der angestrebten Synthese basierenden islamischen Menschenrechtstradition erfordert die Einbettung des islamischen Weltbildes in einen universellen, pluralistisch-kulturellen Menschenrechtskonsens. Nur dieser kann die Geltung dieser Rechte im Islam gewährleisten.

[Seite 256]

Der nächste Schritt wäre, die Frage nach der realen Verwirklichung dieser Ideen und dem institutionellen Rahmen für ihre Durchsetzung, der die materielle Existenz von Menschenrechten gewährleistet, zu stellen. [...] Von einem historischen Blickwinkel aus können wir dann argumentieren, daß nur die legale Herrschaft wirklich einen institutionellen Rahmen zum Schutz der Menschenrechte bietet.

In einem die Bezeichnung »legal« verdienenden politischen System ist politische Herrschaft in einem zeitlich begrenzten Amt verkörpert und - als überaus wichtiges Kriterium - durch rechtlich-rationale, von Institutionen kontrollierte Bindung der zeitlich limitierten Herrschaft an ebenso institutionell gültige Normen definiert. Ein einer Person verliehenes Amt kann ihr institutionell wieder aberkannt werden, wenn der Amtsinhaber die festgesetzten Regeln des Amtes nicht befolgt; eine Amtsenthebung gibt es im Islam jedoch nicht. Ein ausdifferenziertes institutionelles System, in dem eine nach dem Prinzip der Gewaltenteilung unabhängige und autonome Richterschaft eine zentrale Rolle spielt, ist der Hüter jeder legalen Herrschaft.

Anmerkungen

Nur zwei Sätze finden sich nicht wörtlich in der Quelle (und werden bei der Zeilenzählung nicht berücksichtigt).

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[28.] Mra/Fragment 151 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-24 17:14:40 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 151, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 256, 257, 286, 298, Zeilen: 256: 27 ff.; 257: 3 ff.; 286: 11 ff.; 287: 4 ff.; 298: 9 ff.: 299: 1 ff.
[Ein ausdifferenziertes institutionelles System, in] dem eine nach dem Prinzip der Gewaltenteilung unabhängige und autonome Richterschaft eine zentrale Rolle spielt, ist der Hüter der legalen Herrschaft. Es reicht eben nicht aus, auf die Frömmigkeit der Herrscher oder auf ihr subjektives religiöses Pflichtgefühl, so wie dies im Islam vertreten ist, zu vertrauen. Vielmehr ist eine institutionell kontrollierbare Unterordnung unter das Recht das Rückgrat jeder legalen Herrschaft. Dies ist eine säkulare, d.h. weltlich zu regelnde, und keine göttliche Angelegenheit, die zwischen dem Herrscher und Gott unter Ausschluss des Volkes zu entscheiden wäre. Im klassischen Islam wurde die Vorschrift entwickelt, dass politische Herrscher, vermögen sich auch noch so ungerecht sein, nur Gott gegenüber verantwortlich seien.606 Und auch aktuell gibt es nur wenig Entwicklung. In der „Islamischen Deklaration der Menschenrechte“ kann man lesen607, dass politische Herrschaft ein Amt sei, das Gott, also nicht das Volk, verleiht. Gott hat das islamische Recht, die Scharia, verkündet, um die Beziehungen zwischen Herrscher und Beherrschten zu regulieren. Im Bewusstsein dieser Aussage schreiben die Verfasser der islamischen Deklaration dem Islam den Charakter einer legalen Herrschaft zu. Für sie ist die Scharia nicht nur islamisches Recht, sondern Recht im Allgemeinen, d.h. für die gesamte Menschheit bestimmt.608 Legale Herrschaft basiert auf modernem Recht, welches legislativ ist. Die Scharia ist jedoch ein interpretatives Recht, das auf der Erforschung des göttlichen Willens, wie er im Koran geoffenbart worden ist, basiert. Es geht also um göttliche Gebote als ethische und moralische Richtlinien für das Leben der Menschen, nicht aber um Rechte als materielle Regeln für Institutionen. Ob Europa den Islam auf seinem Territorium tolerieren kann, ist mit der Frage verbunden, ob Muslime individuelle europäische Bürger werden oder ethnisch-religiöse Kollektive bilden. Es ist zu befürchten, dass sich muslimische Migranten in England, Frankreich und Deutschland sich in Zukunft defensiv als ethnische Wir-Großgruppen formieren werden, sollte den Abschottungstendenzen nicht entgegengewirkt werden. Dies ist eine große Gefahr, die einem ethnisch-religiösen Konfliktszenario in Europa zugrunde liegt: Islamische Fundamentalisten lehnen die Einstufung der Muslime als individuelle Bürger ab, weil sie die islamische Gemeinde vorzugsweise als den verlängerten Arm der Welt des Islam sehen möchten. „Euro- Islam“ wäre genau das Gegenprogramm zu einer solchen fundamentalistischen Strategie, weil es Muslime anerkennt und nicht dem religiös-ethnischen Kollektiv einverleibt. Wenn man ohne Doppeldeutigkeiten und multikulturelles Zögern darauf besteht, die kulturelle Moderne, also Demokratie, Pluralismus und individuelle Menschenrechte, als Identitätsbasis der Zivilisationen Europas zu bewahren, dann muss man politisch-kulturelle Forderungen an Migranten aus vormodernen Kulturen stellen. Für einen Muslim aus dem Orient, der durch einen Wahlakt europäischer Bürger geworden ist und somit beiden Zivilisationskreisen angehört, ist daher die Erfüllung solcher Forderungen im Rahmen der Überwindung der Spannung zwischen Islam und kultureller Moderne, zunächst auf dem europäischen Kontinent selbst, zentral. Die Muslime können im freiheitlichen Europa ungehindert ihre Religion ausüben, Moscheen errichten und nach dem Modell des einst toleranten Islam einen aufgeschlossenen demokratischen „Euro-Islam“ entfalten, der unter den Bedingungen unseres Zeitalters mit der Moderne vereinbar ist. Im öffentlichen Leben Europas in unserem Zeitalter gibt es religiöse Toleranz nach dem Verständnis der säkularen Kultur der Moderne; Toleranz gilt heute nicht mehr nach [dem islamischen Vorbild des Mittelalters als Duldung der Christen und Juden.]

606 Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 257.

607 Vgl. bereits obige Ausführungen unter A II 7.

608 Vgl. oben detaillierte Ausführungen unter A II 7.

Ein ausdifferenziertes institutionelles System, in dem eine nach dem Prinzip der Gewaltenteilung unabhängige und autonome Richterschaft eine zentrale Rolle spielt, ist der Hüter jeder legalen Herrschaft. Es reicht nicht aus, auf die Frömmigkeit der Herrscher oder auf ihr subjektives religiöses Pflichtgefühl, so wie dies im Islam der Fall ist, zu vertrauen. Vielmehr ist eine institutionell kontrollierbare Unterordnung unter das Recht das Rückgrat jeder legalen Herrschaft. Dies ist eine säkulare, d.h. weltlich zu regelnde, und keine göttliche Angelegenheit, die zwischen dem Herrscher und Gott unter Ausschluß des Volkes zu entscheiden wäre.

[Seite 257]

Im klassischen Islam entwickelte der mittelalterliche Rechtsgelehrte Ibn Taimiyya die Vorschrift, daß politische Herrscher - mögen sie auch noch so ungerecht sein - nur Gott gegenüber verantwortlich seien.10 Wie sieht dies in der Gegenwart, d.h. im modernen Islam aus?

In der »Islamischen Deklaration der Menschenrechte« lesen wir, daß politische Herrschaft ein Amt sei, das Gott - also nicht das Volk - verleiht. Vor Gott sind Herrscher und Beherrschte jedoch Gleiche. Er hat das islamische Recht, die Scharia, verkündet, um die Beziehungen zwischen ihnen zu regulieren: »Der Herrscher, als Amtsinhaber, ist verpflichtet, hinsichtlich der Ziele (Ghayat) und der Methoden (Minhadj) in Einklang mit der Scharia zu handeln.« Im Bewußtsein dieser Aussage schreiben die Verfasser der islamischen Deklaration, offensichtlich projizierend, dem Islam den Charakter einer »legalen Herrschaft« zu. Für sie ist die Scharia nicht nur islamisches Recht, sondern Recht im allgemeinen, d.h. für die gesamte Menschheit bestimmt! Legale Herrschaft basiert auf modernem Recht, welches legislativ ist. Die Scharia jedoch ist ein interpretatives Recht, das auf der Erforschung des göttlichen Willens, wie er im Koran geoffenbart worden ist, basiert (vgl. Kap. 7). Es geht also um göttliche Gebote als ethische und moralische Richtlinien für das Leben der Menschen, nicht aber um Rechte als materielle Regeln für Institutionen.


10 [...]

[Seite 286]

Ob Europa den Islam auf seinem Territorium tolerieren kann, ist mit der Frage verbunden, ob Muslime individuelle europäische Bürger werden oder ethnisch-religiöse Kollektive bilden.

[Seite 287]

Es ist zu befürchten, daß muslimische Migranten in England, Frankreich und auch in Deutschland sich in Zukunft nach dem Vorbild auf dem Balkan defensiv als ethnische Wir-Großgruppen formieren werden. [...]

Ich möchte einleitend die drei größten Gefahren, die einem ethnisch-religiösen Konfliktszenario in Europa zugrunde liegen, angeben:

1) Islamische Fundamentalisten lehnen die Einstufung der Muslime als individuelle Bürger im Sinne von Citoyens in Europa ab, weil sie die islamische Gemeinde lieber als den verlängerten Arm der Welt des Islam sehen möchten. [...] Euro-Islam wäre genau das Gegenprogramm zu einer solchen fundamentalistischen Strategie, weil es Muslime als Individuen anerkennt und nicht dem religiös-ethnischen Kollektiv einverleibt.

[Seite 298]

Wenn man ohne Doppeldeutigkeiten und multikulturelles Zögern darauf besteht, die kulturelle Moderne, sprich säkulare Demokratie, Pluralismus und individuelle Menschenrechte, als Identitätsbasis der Zivilisation Europas und seiner Tochtergesellschaften in Nordamerika zu bewahren, dann muß man politisch-kulturelle Forderungen an die Migranten aus vor-modernen Kulturen stellen. Als Muslim aus dem Orient, der durch einen Wahlakt europäischer Bürger geworden ist und somit beiden Zivilisationskreisen angehört, halte ich die Erfüllung solcher Forderungen im Rahmen der Überwindung der Spannung zwischen Islam und kultureller Moderne zunächst auf dem europäischen Kontinent selbst für zentral.

[...] Die Muslime können im freiheitlichen Europa ungehindert ihre Religion ausüben, Moscheen errichten und nach dem Modell des einst toleranten Islam

[Seite 299]

im arabischen Spanien1 einen aufgeschlossenen demokratischen Euro-Islam entfalten, der unter den Bedingungen unseres Zeitalters mit der Moderne vereinbar ist.

Im öffentlichen Leben Europas in unserem Zeitalter gilt religiöse Toleranz nach dem Verständnis der säkularen Kultur der Moderne; Toleranz gilt heute nicht mehr nach dem islamischen Vorbild des Mittelalters als Duldung der Christen und Juden in ihrer Eigenschaft als »Dhimmi/Schutzbefohlene«.


1 [...]

1

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 606 mit Verweis auf S. 257 genannt.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[29.] Mra/Fragment 152 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-24 16:51:37 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 152, Zeilen: 1-4, 12-14
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 299, 308, 309, Zeilen: 299: 8 ff., 308: 30 ff., 309: 8-9
Das müssen Muslime respektieren, wenn sie europäische Bürger und demokratische Verfassungspatrioten werden wollen. In der kulturellen Moderne kann der politische Glaube an einen Herrscher als Allah nicht zu der Identität als Muslim in Europa gelten. [...]

Nur ein Islam, der entpolitisiert, tolerant und liberal ist, ist überhaupt integrationsfähig. Diese kulturelle Voraussetzung muss einhergehen mit ökonomischer und sozialer. Der politische Islam findet seinen Nährboden gerade in Situationen wirtschaftlicher Not.

Das müssen Muslime aus vollem Herzen respektieren, wenn sie europäische Bürger und demokratische Verfassungspatrioten werden wollen. [...] Als Demokrat kann der politische Glaube an einen Herrscher als »Zhul Allah / Schatten Allahs auf Erden« nicht zu meiner Identität als Euro-Muslim gehören.

[Seite 308]

Nur ein Euro-Islam als entpolitisierter, gleichsam toleranter und liberaler Islam ist in Europa integrationsfähig. Diese kulturelle Voraussetzung muß einhergehen mit ökonomischer und sozialer Integration der Betroffenen, die jedoch nur dann möglich ist, wenn europäische Regierungen nur soviel Einwanderer zulassen, wie der Arbeitsmarkt verkraftet.

[Seite 309]

Der politische Islam findet seinen Nährboden gerade in Situationen wirtschaftlicher Not.

Anmerkungen

Ein Hinweis auf die Quelle findet sich eine Seite vorher in Fn. 606.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[30.] Mra/Fragment 153 17 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-24 17:06:59 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 153, Zeilen: 17-25, 29-38
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 300, 302, 306, 307, Zeilen: 300: 27 ff.; 302: 1 ff.; 306: 19 ff.; 307: 5 ff.
Außerdem ist der islamische Fundamentalismus nur zu gut geeignet, bei den Europäern Ängste vor dem Islam zu schüren und entsprechende Feindbilder hervorzurufen. Hinzu kommt noch, dass das bundesrepublikanische System unter den europäischen politischen Systemen sich als schwerfällig darstellt, so dass es in der Anpassung an wandelnde politische Bedingungen nachhinkt. Europäische Nachbarstaaten haben damit begonnen, ihre Systeme umzustellen, nachdem sie erkannt haben, dass Europa heute ein Ziel massenhafter Migration geworden ist, die sogar als eine Vorstufe zu Völkerwanderungen betrachtet werden kann.615 Dagegen haben die Deutschen jahrelang bis zur Grundgesetzänderung im Mai 1993 und darüber hinaus bis heute über das politische Asyl diskutiert. [...] Die Erkenntnis hatte sich durchgesetzt, dass auch die Bundesrepublik die Probleme des wirtschaftlichen Elends auf dieser Welt durch die Öffnung der Grenzen für eine uneingeschränkte Zuwanderung nicht lösen kann. Auch kann kein Land der Erde die Probleme der politischen Verfolgung durch uneingeschränkte Aufnahme von Asylsuchenden mildern.

Ein realistisches Konzept auf europäischer Ebene ist dringend nötig. Es existieren Prognosen, dass die Migration aus islamischen Mittelmeerländern nach Europa in absehbarer Zukunft dramatische Formen annehmen wird (die 60 Mio. umfassende Bevölkerung des Maghreb nimmt jährlich netto um 2 Mio. zu, für die keine ökonomischen Ressourcen und kein Lebensraum vorhanden sind; es bleibt nur der Ausweg der Migration).616 Deshalb ist es wichtig, eine [restriktive, d.h. am Arbeitsmarkt orientierte Einwanderungspolitik zu entwickeln, die mit einem kulturellen Integrationskonzept gekoppelt werden müsste.]


615 Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 300.

616 Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 307.

Unter den europäischen politischen Systemen ragt nun das bundesrepublikanische als das in der Anpassung an sich wandelnde politische Bedingungen schwerfälligste Regierungssystem heraus. Europäische Nachbarstaaten haben damit begonnen, ihre Systeme umzustellen, nachdem sie erkannt haben, daß Europa heute ein Ziel massenhafter Migration geworden ist, die als eine Vorstufe zu Völkerwanderungen betrachtet werden kann. Dagegen haben die Deutschen jahrelang bis zur Grundgesetzänderung im Mai 1993 und darüber hinaus bis heute über das politische Asyl - entweder formal-legalistisch oder gesinnungsethisch - diskutiert.

[Seite 302]

Obwohl ich für ein Einwanderungsgesetz eintrete, sage ich offen: Wie die anderen europäischen Länder - vor allem Frankreich -, so kann auch die Bundesrepublik die Probleme des wirtschaftlichen Elends auf dieser Welt durch die Öffnung der Grenzen für die uneingeschränkte Zuwanderung nicht lösen. Auch kann kein Land der Erde die Probleme der politischen Verfolgung durch uneingeschränkte Aufnahme von Asylsuchenden mildern.

[Seite 306]

Die Verbreitung des islamischen Fundamentalismus unter den islamischen Migranten in Europa ist bestens dazu geeignet, bei den Europäern Ängste vor dem Islam zu schüren und entsprechende Feindbilder hervorzurufen, die, wie erwähnt, auch die Orient-Okzident-Beziehung belasten.

[Seite 307]

Moralisieren und Gesinnungsethik sind angesichts dieser brisanten Problematik unbrauchbar; ein realistisches politisches Konzept auf europäischer Ebene ist dringend nötig. Eingedenk der angeführten Prognosen, daß die Migration aus den islamischen Mittelmeerländern nach Europa in absehbarer Zukunft dramatische Formen annehmen wird (die 60 Mio. umfassende Bevölkerung des Maghreb nimmt jährlich netto um 2 Mio. zu, für die keine ökonomischen Ressourcen und kein Lebensraum vorhanden sind - es bleibt nur der Ausweg der Migration), ist es wichtig, eine restriktive, d.h. am Arbeitsmarkt orientierte Einwanderungspolitik zu entwickeln, die mit einem kulturellen Integrationskonzept gekoppelt werden müßte.

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 615 und 616 genannt. Umfang und Wörtlichkeit der Übernahme gehen daraus nicht hervor.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[31.] Mra/Fragment 154 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-24 16:44:07 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 154, Zeilen: 1-6
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 307, Zeilen: 7 ff.
[Deshalb ist es wichtig, eine] restriktive, d.h. am Arbeitsmarkt orientierte Einwanderungspolitik zu entwickeln, die mit einem kulturellen Integrationskonzept gekoppelt werden müsste. Denn jeder muslimische arbeitslose Einwanderer befindet sich in einer Krise, die sich nicht auf seine ökonomische Situation beschränkt und ihn folglich für den Fundamentalismus anfällig macht. Es wird einem solchen Menschen schwer begreiflich zu machen sein, dass der Arbeitsmarkt und nicht irgendeine „kreuzzüglerische Mentalität“ seinen ökonomischen Zustand verursacht. Eingedenk der angeführten Prognosen, daß die Migration aus den islamischen Mittelmeerländern nach Europa in absehbarer Zukunft dramatische Formen annehmen wird (die 60 Mio. umfassende Bevölkerung des Maghreb nimmt jährlich netto um 2 Mio. zu, für die keine ökonomischen Ressourcen und kein Lebensraum vorhanden sind - es bleibt nur der Ausweg der Migration), ist es wichtig, eine restriktive, d.h. am Arbeitsmarkt orientierte Einwanderungspolitik zu entwickeln, die mit einem kulturellen Integrationskonzept gekoppelt werden müßte. Denn jeder muslimische arbeitslose Zuwanderer befindet sich in einer Krise, die sich nicht auf seine ökonomische Situation beschränkt und ihn folglich für den Fundamentalismus anfällig macht. Es wird einem solchen Zuwanderer schwer begreiflich zu machen sein, daß der Arbeitsmarkt und nicht irgendeine »kreuzzüglerische Mentalität/al-Salibiyya« seinen ökonomischen Zustand verursacht.
Anmerkungen

Die Quelle ist unmittelbar zuvor in Fn. 616 genannt; die Wörtlichkeit der Übernahme bleibt gleichwohl ungekennzeichnet.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[32.] Mra/Fragment 155 32 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-24 12:39:21 Klgn
Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 155, Zeilen: 32-37
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 48, 141, Zeilen: 48: 33 ff.; 141: 3 ff.
Angesichts der Dominanz vormoderner Werte und Normen in der politischen Kultur des Islam ergibt sich der Gegensatz zum modernen Konzept der Menschenrechte und damit entsteht ein Konflikt zwischen islamischer und westlicher Zivilisation im Allgemeinen.

Der Konflikt muss auf zwei Ebenen bewältigt werden, einmal auf der zwischenstaatlichen und zum anderen auf der binnengesellschaftlichen Ebene. Auf der zwischenstaatlichen Ebene müssen Verkehrsformen gefunden werden, die diesen inter-zivilisatorischen Konflikt in fried-[liche Bahnen lenken können.]

Angesichts der Dominanz vormoderner Werte und Normen in der politischen Kultur des Islam ergibt sich der Gegensatz zwischen dem Islam und dem modernen Konzept der Menschenrechte und damit ein Konflikt zwischen islamischer und westlicher Zivilisation.

[Seite 141]

Der in der Rushdie-Affäre offenbar werdende Konflikt zwischen islamischer Kollektiv-Vorstellung und den individuellen Rechten des Menschen muß auf zwei Ebenen bewältigt werden, einmal auf der zwischenstaatlichen und zum anderen auf der binnengesellschaftlichen Ebene. Auf der zwischenstaatlichen Ebene müssen Verkehrsformen zwischen dem Westen und der Welt des Islam gefunden werden, die diesen inter-zivilisatorischen Konflikt in friedliche Bahnen lenken können.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(SleepyHollow02), Klgn

[33.] Mra/Fragment 156 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-24 16:56:57 Schumann
Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 156, Zeilen: 1-13, 15-21
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 141, 208-210, 218, Zeilen: 141: 7 ff.; 208: 14 ff.; 209: 30 ff.; 210: 28 ff.; 218: 29 ff.
[Auf der zwischenstaatlichen Ebene müssen Verkehrsformen gefunden werden, die diesen inter-zivilisatorischen Konflikt in fried-]liche Bahnen lenken können. Die verbindliche Anerkennung eines Minimums von Individualrechten als Menschenrechte durch Staaten beider Zivilisationen könnte ein erster Schritt sein. Eine Modernisierung der Sozialstrukturen des islamischen Orients ist zum Scheitern verurteilt, solange sie nicht parallel dazu versucht, die islamische Kultur mit einzubeziehen. Nur eine Reform von innen kann daher Erfolg versprechen. Die größte Hürde, die sich Muslime selbst errichten, ist ihr Glaube daran, dass islamisches Recht ein heiliges Recht sei. Es ist von Gott offenbart und darf daher weder historisch begriffen noch verändert werden; es soll nach dem islamischen Wertverständnis für alle Zeiten und für die ganze Menschheit ewig gelten. Nach dem islamischen Rechtsverständnis dient die Scharia den Menschen nicht dabei, ihr soziales Leben rechtlich zu gestalten, ihre Funktion sei vielmehr, menschliche Handlungen zu kontrollieren und diesem Willen unterzuordnen. Muslime müssen daher lernen, dass sie auch von Nicht-Muslimen lernen können, auch im Bereich des Rechts.619 Das bedeutet konkret eine Öffnung für den Rationalismus und einen Abschied von der Scharia-Orthodoxie. Schließlich ist die Sicherung der Menschenrechte in einem Staat, der keine säkulare Demokratie kennt, kaum vorstellbar. Der Islam ist dabei eine Religion, die grundsätzlich zwar zu respektieren ist, was aber letztlich nicht zu einer Selbstverleugnung Europas führen darf, etwa dergestalt, dass die Vorstellungen anderer über die Gestaltung des Gemeinwesens akzeptiert und die Übertragung ihrer zivilisatorischen Lebenswelt auf den europäischen Kontinent hingenommen wird. Die Religion selbst soll aber nicht abgelehnt werden, im Gegenteil, es soll betont werden, dass die Glaubensfreiheit ein grundlegendes Recht ist, jedoch nicht auf Kosten anderer gehen darf.

619 So auch, Schachtschneider, Grenzen der Religionsfreiheit am Beispiel des Islam, Berlin 2011.

Auf der zwischenstaatlichen Ebene müssen Verkehrsformen zwischen dem Westen und der Welt des Islam gefunden werden, die diesen inter-zivilisatorischen Konflikt in friedliche Bahnen lenken können. Die verbindliche Anerkennung eines Minimums von Individualrechten als Menschenrechte durch Staaten beider Zivilisationen könnte ein erster Schritt in diese Richtung sein. [...] Der Islam ist eine Religion, die grundsätzlich zu respektieren ist; dies darf aber nicht zu einer Selbstverleugnung Europas führen, etwa indem die Vorstellungen anderer über die Gestaltung des Gemeinwesens akzeptiert und die Übertragung ihrer zivilisatorischen Lebenswelt auf den europäischen Kontinent hingenommen wird.

[Seite 208]

Denn eine Modernisierung der Sozialstrukturen des islamischen Orients ist zum Scheitern verurteilt, solange sie nicht parallel dazu versucht, die islamische Kultur mit einzubeziehen. Nur eine Reform von innen kann daher Erfolg versprechen; diese müßte auch an ähnlich gelagerte islamische Traditionen anschließen.

[Seite 209]

Die größte Hürde, die sich Muslime selbst errichten, ist ihr Glaube daran, daß islamisches Recht eine lex divina/heiliges Recht sei; es ist von Gott offenbart und darf deshalb weder historisch begriffen noch verändert werden; es soll nach dem islamischen Wertverständnis für alle Zeiten und für die ganze Menschheit ewig gelten. Nach dem islamischen Rechtsverständnis dient die Scharia den Menschen nicht dabei, ihr soziales Leben rechtlich zu gestalten; ihre Funktion sei vielmehr, menschliche Handlungen im Sinne des göttlichen Willens zu kontrollieren und diesem Willen unterzuordnen.

[Seite 210]

Muslime müssen lernen, daß sie auch von Nicht-Muslimen lernen können, auch im Bereich des Rechts. Das bedeutet konkret Öffnung für den Rationalismus und Abschied von der Scharia-Orthodoxie.

[Seite 218]

Er erläutert: »Wir lehnen die Religion nicht ab. Ganz im Gegenteil betonen wir, daß die Glaubensfreiheit ein grundlegendes Recht ist, jedoch nicht auf Kosten anderer gehen darf. [...]

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

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