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Quelle:Tj/Wulffen 1932

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Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Erich Wulffen
Titel    Bekanntes und Unbekanntes über Goethe als Kriminalisten
Sammlung    Das kurze Leben der Johanna Catharina Höhn
Herausgeber    Rüdiger Scholz
Ort    Würzburg
Verlag    Königshausen & Neumann
Jahr    2004
Seiten    151-158
Anmerkung    [Zuerst erschienen in: Dresdner Anzeiger, Wissenschaftliche Beilage Nr. 12/1932 vom 29. März 1932]
ISBN    978-3826029899
URL    http://books.google.de/books?id=Sk7p7yvx9KkC

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    ja
Fragmente    5


Fragmente der Quelle:
[1.] Tj/Fragment 089 20 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-02-03 19:57:06 Hindemith
Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung, Wulffen 1932

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 89, Zeilen: 20-36
Quelle: Wulffen 1932
Seite(n): 152, 158, Zeilen: S.152,1-8-9.10-12 und S.158,7-13
Ganz ausführlich und in allen Einzelheiten schilderte Goethe auch während seiner Schweizreise am 20. September 1797 das Blutgericht gegen einen „Falschen Münzer“ in Zürich. Er sah die Geistlichen von und zu dem Verbrecher hinüberfahren und hörte um elf Uhr die Gnadenglocke zum Zeichen der Begnadigung läuten.347

Auch in seinen Tagebuchaufzeichnungen finden sich vielerlei Verweise auf die Konfrontation mit kriminellen Themen. Am 21. August 1781 schrieb er zum Beispiel: „mit Krause im Gefängnis, die Mordbrenner zu sehen.“348 Auch aus seinem Tagebuch erfahren wir, dass Goethe über kriminalistische Themen intensive Gespräche führte. Am 26. August 1812 vermerkte er so einen Spaziergang mit dem Etatsrat Langemann, in dessen Verlauf ein Gespräch über Gegenstände der medizinischen Polizei und Berliner Vergiftungsfälle geführt wurde.349

Eckermann, so erfahren wir aus seinen Aufzeichnungen vom 7. Oktober 1827, erzählte er ein kriminalistisches Beispiel zu telepathischen Vorgängen. Er spricht von „Wirkung in die Ferne“ und dass es möglich sei, ja sogar sehr wahrscheinlich, dass ein junges Mädchen, welches, ohne es zu wissen, mit einem Manne, der es ermorden wolle, sich in einem dunklen Raum befände, von seiner [ihr unbewussten Gegenwart ein unheimliches Gefühl haben und in Angst aus dem Zimmer zu ihren Hausgenossen getrieben werde.350]


347 Goethe, Gedenkausgabe Bd. 12, S. 182.

348 Goethe, Gedenkausgabe Erg.-Bd. 2, S. 113.

349 Vgl. Goethe, Gedenkausgabe Erg.-Bd. 2, S. 319.

[Seite 90]

350 Vgl. Goethe, Gedenkausgabe Bd. 24, S. 655.]

[Seite 152]

Diese Worte bezeugen doch, wie tiefgehend ihn das kriminelle Thema erfaßte. Auf der Schweizer Reise notiert er in Zürich am 20. September 1797, daß ein Blutgericht gegen einen „falschen Münzer“, der schon wegen Diebstählen gebrandmarkt war, stattfand. Er sah die Geistlichen von und zu dem Verbrecher hinüber- und herüberfahren. Um elf Uhr läutete die Gnadenglocke zum Zeichen, daß der Delinquent von der Todesstrafe begnadigt war. Ganz ausführlich verzeichnet der Schweizreisende die Einzelheiten.

Im Tagebuch heißt es am 21. August 1781: „Mit Krause ins Gefängnis, die Mordbrenner zu sehen“; [...] am 20. August 1812 wird ein Spaziergang mit dem Etatsrat Langemann im Gespräch über Gegenstände der medizinischen Polizei und Berliner Vergiftungsfälle vermerkt; [...]

[Seite 158]

Goethe glaubte den telepathischen Vorgang, spricht von „Wirkung in die Ferne“ und erzählt Eckermann (7. Oktober 1827) hierbei ein kriminalistisches Beispiel. Es sei möglich, ja sogar sehr wahrscheinlich, daß ein junges Mädchen, welches, ohne es zu wissen, mit einem Manne, der es ermorden wolle, sich in einem dunklen Raum befände, von seiner ihr unbewußten Gegenwart ein unheimliches Gefühl haben und in Angst aus dem Zimmer zu ihren Hausgenossen getrieben werden würde.

Anmerkungen

Die Gedankengänge, Beispiele und viele Formulierungen finden sich vollständig in der ungenannt bleibenden Quelle Wulffen (1932). Die Übernahme setzt sich auf der nächsten Seite fort.

Anders als man es erwarten könnte, handelt es sich hierbei auch nicht um eine getreue Wiedergabe der Goetheschen Aussage. Diese lautet nämlich: "Es ist möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß wenn ein junges Mädchen in einem dunkeln Zimmer sich, ohne es zu wissen, mit einem Manne befände, der die Absicht hätte sie zu ermorden, sie von seiner ihr unbewußten Gegenwart ein unheimliches Gefühl hätte, und daß eine Angst über sie käme, die sie zum Zimmer hinaus und zu ihren Hausgenossen triebe." (vgl. [[1]]). Die Ähnlichkeit ist zwar groß, die Übereinstimmung mit der leicht umformulierten Version von Wulffen wird aber nicht erreicht.

Der erstgenannte Tagebucheintrag lautet: "Mit Krause ins Gefängniß d. Mordbrenner zu sehen." (vgl. [[2]] ).

Der letztgenannte Tagebucheintrag ist tatsächlich vom 26.8.1812 und lautet: "Mit Langermann auf die Prager Straße spatzieren. Gespräch über Gegenstände der medicinischen Polizey, Tollhäuser, Bordelle, Berliner Vergiftungsgeschichten." (vgl. [[3]]). Auch hier stammt die Paraphrasierung also von Wulffen.

Sichter
(Graf Isolan), Hindemith

[2.] Tj/Fragment 090 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-02-03 19:59:15 Hindemith
Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung, Wulffen 1932

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 90, Zeilen: 1-9
Quelle: Wulffen 1932
Seite(n): 158, Zeilen: 7ff
[Er spricht von „Wirkung in die Ferne“ und dass es möglich sei, ja sogar sehr wahrscheinlich, dass ein junges Mädchen, welches, ohne es zu wissen, mit einem Manne, der es ermorden wolle, sich in einem dunklen Raum befände, von seiner] ihr unbewussten Gegenwart ein unheimliches Gefühl haben und in Angst aus dem Zimmer zu ihren Hausgenossen getrieben werde.350

Und über Kotzebues Ermordung durch den Studenten Sand äußerte der Dichter am 28. März 1819: „Aber wo man über die Grenzen der Individualität herausgreife, frevelnd, störend, unwahr, da verhänge die Nemesis früh oder spät angemessene äußere Strafe. So sei in Kotzebues Tode eine gewisse notwendige Folge einer höheren Weltordnung erkennbar.“351 Die antike Hypris [sic!], die Überhebung gegen das Maß, erscheint hier im kriminalpolitischen Sinne, schon an Franz Werfels „Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig!“ gemahnend.


350 Vgl. Goethe, Gedenkausgabe Bd. 24, S. 655.

351 Goethe, Gedenkausgabe Bd. 23, S. 49f.

Goethe glaubte den telepathischen Vorgang, spricht von „Wirkung in die Ferne“ und erzählt Eckermann (7. Oktober 1827) hierbei ein kriminalistisches Beispiel. Es sei möglich, ja sogar sehr wahrscheinlich, daß ein junges Mädchen, welches, ohne es zu wissen, mit einem Manne, der es ermorden wolle, sich in einem dunklen Raum befände, von seiner ihr unbewußten Gegenwart ein unheimliches Gefühl haben und in Angst aus dem Zimmer zu ihren Hausgenossen getrieben werden würde. Und über Kotzebues Ermordung durch den Studenten Sand äußerte der Dichter (28. März 1819), sein Tod sei als „eine gewisse notwendige Folge einer höheren Weltordnung erkennbar... wo man über die Grenzen der Individualität herausgreife, frevelnd, störend, unwahr, da verhänge die Nemesis früh oder spät angemessene Strafe“. Die antike Hybris, die Überhebung gegen das Maß, erscheint hier im modernen kriminalpsychologischen Sinne, schon an Franz Werfels „Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig!“ gemahnend.
Anmerkungen

Das erste Goethezitat im Originalwortlaut: "Es ist möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß wenn ein junges Mädchen in einem dunkeln Zimmer sich, ohne es zu wissen, mit einem Manne befände, der die Absicht hätte sie zu ermorden, sie von seiner ihr unbewußten Gegenwart ein unheimliches Gefühl hätte, und daß eine Angst über sie käme, die sie zum Zimmer hinaus und zu ihren Hausgenossen triebe." (vgl. [[4]]).

Das zweite im Originalwortlaut: "[...]; aber wo man über die Grenzen der Individualität herausgreife, frevelnd, störend, unwahr, da verhänge die Nemesis früh oder spät angemessene Strafe. So sei in Kotzebue's Tod eine gewisse nothwendige Folge einer höhern Weltordnung erkennbar." (vgl. [[5]]).

Beim ersten Zitat übernimmt Tj die Formulierung von Wulffen (1932) fast identisch, beim zweiten hält er sich eher an Goethe. Insgesamt folgt der gesamte Abschnitt im Inhalt und Wortlaut Wulffen (1932). Diese Übernahme bleibt in jeder Hinsicht ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan), Hindemith

[3.] Tj/Fragment 112 27 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-02-03 20:01:34 Hindemith
Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung, Wulffen 1932

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 112, Zeilen: 27-39
Quelle: Wulffen 1932
Seite(n): 156, Zeilen: 1-7, 10-14
Da er aber seine völlige Übereinstimmung mit den beiden anderen Voten ausdrücklich erklärt, vermag man sich ein Bild zu machen.

Offenbar hat auch Goethe die fortdauernde und beschimpfende Peinlichkeit, [sic!] der durch Pranger und Geißelung qualifizierten lebenslänglichen Zuchthausstrafe, die schwerlich einen Fortschritt der Rechtsentwicklung bedeutet hätte, als unmenschlich empfunden und deshalb lieber dem landesherrlichen Gnadenrecht vorläufig die Entscheidung überlassen wollen. Aus dem Umstand, dass von Schnauß in Zusammenhang mit dem verübten Verbrechen von „Grausamkeit“ spricht und alle drei Referenten darin übereinstimmen, dass der Delinquentin kein Entschuldigungsgrund zur Seite steht, ist zu schließen, dass Goethe gerade auch diese letzte Frage ganz besonders vom rein menschlichen Standpunkt aus gewissenhaft geprüft hat.

[Da] er aber seine völlige Übereinstimmung mit den beiden anderen „gründlichen Voten“ ausdrücklich erklärt, vermögen wir uns ein Bild zu machen. Offenbar hat auch Goethe die fortdauernde und beschimpfende Peinlichkeit der vom Justizkanzler vorgeschlagenen, durch Pranger und Geißelung qualifizierten lebenslänglichen Zuchthausstrafe, die schwerlich einen Fortschritt der Rechtsentwicklung bedeutete, empfunden und deshalb lieber dem landesherrlichen Gnadenrecht vorläufig die Entscheidung überlassen wollen. [...] Da aber Schnauß von einer „Grausamkeit“ spricht und alle drei Referenten darin übereinstimmen, daß ihr kein Entschuldigungsgrund - weder ein erheblicher noch ein geringer - zur Seite stehe, so dürfen wir gewiß annehmen, daß Goethe gerade diese letzte Frage ganz besonders vom rein menschlichen Standpunkt aus gewissenhaft geprüft hat.
Anmerkungen

Wieder mal ist Wulffen (1932) der Urheber der meisten Formulierungen. Ein Hinweis auf einer Übernahme unterbleibt. Stelle wird in der Rezension [[6]] bereits exemplarisch aufgeführt.

Sichter
(Graf Isolan), Hindemith

[4.] Tj/Fragment 114 28 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-02-03 20:06:30 Hindemith
Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung, Wulffen 1932

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 114, Zeilen: 28-35
Quelle: Wulffen 1932
Seite(n): 157, Zeilen: 21-27, 28-30
Ähnlich mitfühlend erleben wir Goethe im Werther gegenüber einem Bauernburschen, der aus Liebe und Eifersucht an seiner Dienstherrin, einer Witwe, zum Mörder wird. Der selbst an seiner Liebe zu Lotte krankende Werther kommt gerade hinzu, als der Knecht von der Polizei verhaftet wird: „Er fühlt ihn so unglücklich, er fand ihn als Verbrecher selbst so schuldlos, er setzte sich so tief in seine Lage, dass er gewiss glaubte, auch andere davon zu überzeugen.“431

In „Wilhelm Meisters Lehrjahren“ zeichnet Goethe einen Idealstaat, darin die Polizeidirektionen das Recht haben sollen, zu ermahnen, zu tadeln, zu schelten [und zu beseitigen.]


431 Vgl. Goethe, Werther, S. 208.

In Werthers Leiden wird von einem Bauernburschen erzählt, der aus Liebe und Eifersucht an seiner Dienstherrin, einer Witwe, zum Mörder wird. Der selber durch seine Liebe zu Lotte unglückliche Werther kommt gerade hinzu, als der Knecht von der Polizei verhaftet wird. „Er fühlte ihn so unglücklich, er fand ihn als Verbrecher selbst so schuldlos, er setzte sich so tief in seine Lage, daß er gewiß glaubte, auch andere davon zu überzeugen.“ [...] In Wilhelm Meisters Wanderjahren wird ein Idealstaat gezeichnet, darin die Polizeidirektionen das Recht haben sollen, zu ermahnen, zu tadeln, zu schelten und zu beseitigen.
Anmerkungen

Statt auf die eigentliche Quelle Wulffen (1932) wird auf die besprochenen Originalwerke verwiesen. Nichts ist als Übernahme gekennzeichnet worden. Die Verfahrensweise setzt sich auf der nächsten Seite fort.

Sichter
(Graf Isolan), Hindemith

[5.] Tj/Fragment 115 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-02-03 20:09:02 Hindemith
Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung, Wulffen 1932

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 115, Zeilen: 1-22
Quelle: Wulffen 1932
Seite(n): 157, 158, Zeilen: S.157,30-31.34-35 und S.158,20-29.32-36.40-43
Finden sie es nötig, so rufen sie mehr oder weniger Geschworene zusammen. Die Strafen sollen aber gelind sein.432

In den „Wahlverwandtschaften“ bekämpft Mittler die Lehre der Zehn Gebote433 und in den Dramen „Götz von Berlichingen“ und „Egmont“ stellt Goethe einen politischen Verbrecher in den Mittelpunkt, der in seiner Naivität von seinem Hochverrat gegen Kaiser und Reich selbst überrascht wird, ebenso diesen, der im Lebensgenuss der neuen ketzerischen Lehre nicht wehrt und den aufrührerischen Torheiten des Volkes tatenlos zusieht.434

Von den Faustdichtungen war schon die Rede, so dass hier nur noch erwähnt werden soll, dass Goethe in Faust II den Richter, der nicht straft, dem Verbrecher gleichstellt. Und auch „Iphigenie“ ist ein symbolisches Schuld- und Erlösungsdrama, eine Apotheose des Muttermörders Orest, des edlen Mannes, der viel verbrochen hat, und dem ein Gott auferlegt, Unmögliches zu enden.435

Zahlreich sind endlich, vor allem in den Bekenntnissen einer schönen Seele („Wilhelm Meisters Lehrjahre“), Goethes Äußerungen, aus denen zu entnehmen ist, dass er von der sogenannten latenten Kriminalität, dieser damals sehr modernen Lehre, überzeugt war, von jener inneren Bereitschaft zu mancherlei Verbrechen, die aber die Schwelle der Tat nicht überschreitet.

Nach all dem kann als erwiesen gelten, dass Goethe, der sich durch eine gewisse Vollständigkeit seiner Natur auszeichnete und den Wieland „den menschlichsten aller Menschen“ genannt hat, auch von den bedeutsamsten kriminalistischen Problemen schon im Geiste der modernen Zeit berührt war.


432 Vgl. Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre.

433 Vgl. Goethe, Wahlverwandtschaften.

434 Vgl. Goethe, Götz von Berlichingen und Egmont.

435 Vgl. Goethe, Iphigenie auf Tauris.

[Seite 157]

finden sie es nötig, so rufen sie mehr oder weniger Geschworene zusammen. „Die Strafen seien gelind ... [...]“ In den Wahlverwandtschaften bekämpft Mittler die Lehre der Zehn Gebote im Unterricht der Schule.

[Seite 158]

Zahlreich sind endlich, vor allem in den Bekenntnissen einer schönen Seele (Wilhelm Meisters Lehrjahre), Goethes Äußerungen, danach er von der sogen. latenten Kriminalität, dieser sehr modernen Lehre, überzeugt war, von jener inneren Bereitschaft zu mancherlei Verbrechen, die aber die Schwelle der Tat nicht überschreitet.

Werfen wir schließlich einen Blick in die Dramen, so zeigen Götz von Berlichingen und Egmont als Helden einen politischen Verbrecher, jenen, der in seiner Naivität von seinem Hochverrat gegen Kaiser und Reich selbst überrascht wird, ebenso diesen, der im Lebensgenuß der neuen ketzerischen Lehre nicht wehrt und den aufrührerischen Torheiten des Volkes tatenlos zusieht. [...]

[...] aber im Faust II: „Ein Richter, der nicht strafen kann, gesellt sich endlich zum Verbrecher.“ Auch Iphigenie, ein symbolisches Schuld- und Erlösungsdrama. Eine Apotheose des Muttermörders Orest, des edlen Mannes, der viel verbrach, und dem ein Gott auferlegt, Unmögliches zu enden. [...]

So darf wohl als erwiesen gelten, daß Goethe, der sich durch eine gewisse Vollständigkeit seiner Natur auszeichnete und den Wieland „den menschlichsten aller Menschen“ genannt hat, auch von den bedeutsamsten kriminalistischen Problemen schon im Geiste der modernen Zeit berührt war.

Anmerkungen

Statt auf die eigentliche Quelle Wulffen (1932) wird auf die besprochenen Originalwerke verwiesen. Nichts ist als Übernahme gekennzeichnet worden.

Sichter
(Graf Isolan), Hindemith

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