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Quelle:Tmu/Geißler 2003

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Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Rainer Geißler
Titel    Multikulturalismus in Kanada - Modell für Deutschland?
Zeitschrift    Aus Politik und Zeitgeschichte
Herausgeber    Bundeszentrale für politische Bildung
Ort    Bonn
Datum    17. Juni 2003
Nummer    B26/2003
URL    http://www.bpb.de/apuz/27564/multikulturalismus-in-kanada-modell-fuer-deutschland?p=all

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    ja
Fragmente    3


Fragmente der Quelle:
[1.] Tmu/Fragment 171 32 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-30 18:07:08 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Geißler 2003, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tmu

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Hindemith
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 171, Zeilen: 32-41
Quelle: Geißler 2003
Seite(n): 1 (Internetquelle), Zeilen: VI, 2. Abschnitt
Philosophie und Politik des kanadischen Multikulturalismus passt erheblich besser als die bisherige deutsche „Ausländerpolitik“ zu einem abendländischen Wertehorizont, der von Leitwerten wie Humanität, Toleranz und Gleichheit bestimmt wird. Der Umgang mit ethnischen Minderheiten ist in Kanada toleranter und humaner, der Assimilationsdruck der dominanten Kultur ist geringer. Ethnische Minderheiten sind willkommen, sie werden als nützliche Teile der Gesellschaft angesehen und relativ schnell mit gleichen Rechten ausgestattet. Die Forderung nach Chancengleichheit wird staatlich unterstützt. Dieses Model ist aber nicht von heute auf morgen auf die deutsche Realität übertragbar. Denn es ist in einem spezifischen historischen, sozialstrukturellen, kulturellen und politischen Kontext entstanden. Im Prinzip ja, weil Philosophie und Politik des kanadischen Multikulturalismus erheblich besser als die bisherige deutsche "Ausländerpolitik" zu einem abendländischen Wertehorizont passen, der von Leitwerten wie Humanität, Toleranz und Gleichheit bestimmt wird. Der Umgang mit ethnischen Minderheiten ist in Kanada toleranter und humaner; der Assimilationsdruck der dominanten Kultur ist geringer; ethnische Minderheiten sind willkommen, sie werden als nützliche Teile der Gesellschaft angesehen und relativ schnell mit gleichen Rechten ausgestattet; die Forderung nach Chancengleichheit wird staatlich unterstützt.

Aber - und damit komme ich zum zweiten Teil meiner Antwort - dieses sympathische Modell ist nicht von heute auf morgen auf die deutsche Realität übertragbar. Denn es ist in einem spezifischen historischen, sozialstrukturellen, kulturellen und politischen Kontext entstanden.

Anmerkungen

Es findet sich ein Verweis auf die Quelle am Ende des Absatzes auf der nächsten Seite (FN 397: 397 Vgl. Geißler, Rainer, Multikulturalismus in Kanada – Modell für Deutschland? In: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 26/2003, S. 19-25;), der aber Art und Umfang der Übernahme nicht offenlegt.

Sichter
(Hindemith) Schumann

[2.] Tmu/Fragment 172 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-30 17:25:55 Sotho Tal Ker
BauernOpfer, Fragment, Geißler 2003, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tmu

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Hindemith
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 172, Zeilen: 1-43
Quelle: Geißler 2003
Seite(n): 1 (Internetquelle), Zeilen: VI, 4. Absatz
[Die] Unterschiede zwischen beiden Gesellschaften sind massiv. Sie machen eine Übertragung des kanadischen Konzepts auf Deutschland sehr problematisch.397
  • Sieht man einmal von dem Spezialfall der Ureinwohner ab, dann war Kanada von Anfang an eine Gesellschaft von Einwanderern. Die Geschichte Kanadas ist die Geschichte einer kontinuierlichen Zuwanderung von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Systemen. Deutschland dagegen ist von Beginn an eine Gesellschaft von Einheimischen, das Land der Deutschen. Kontinuierliche multiethnische Einwanderung ist ein relativ neues Phänomen und hat auch nicht die kanadischen Dimensionen.
  • Diese Unterschiede in der Migrationsgeschichte haben Folgen für die Sozialstruktur, die Kultur und das Staatsverständnis der beiden Länder. Kanada war von Anfang an bi-ethnisch; dazu kommen die vielen verschiedenen Ethnien der „Ersten Nationen“. Im Verlauf des letzten Jahrhunderts hat sich Kanada dann zu einer dynamischen multiethnischen Gesellschaft entwickelt, deren Muster sich ständig verändert. Deutschland dagegen ist seit seiner Gründung eine im wesentlichen monoethnische Gesellschaft, die Zugehörigkeit zur deutschen Kultur war und ist das einigende Band. Das multiethnische Segment ist in Deutschland relativ neu und relativ klein. Es sieht sich einer mächtigen Mehrheitskultur ausgesetzt, die einen starken Assimilationsdruck ausübt.
  • Dieser Assimilationsdruck ist auch deshalb besonders ausgeprägt, weil das multiethnische Segment in Deutschland strukturell ausgesprochen schwach blieb. Die ethnischen Minderheiten in Deutschland sind unter anderem wegen einer restriktiven Einbürgerungspraxis und fehlender politischer Rechte politisch weitgehend ohnmächtig. Zu einer wirklichen „zweiten Kraft“ im sozialen und politischen Kräftefeld konnten sie sich bisher nicht entwickeln. Langfristig wird das politische Gewicht der ethnischen Minderheiten durch die Erleichterung der Einbürgerung aber zunehmen, weil damit die Zahl der „ethnischen Wähler“ steigt. In Kanada dagegen sind die ethnischen Minderheiten strukturell deutlich besser platziert. Die Aufstiegs- und Einkommenschancen der vor allem europäischen Minderheiten - aber auch die der überdurchschnittlich qualifizierten Einwanderer aus China - sind teils genauso gut, teils sogar besser als die der beiden Gründernationen.398 Das Wahlrecht sowie die Vertretung der Minderheiten in Parlamenten und Regierungen – und auch in anderen wichtigen Institutionen wie den Massenmedien – verleihen den Minoritäten politisches Gewicht.

Fasst man die bisherigen drei Punkte zusammen, dann kann man sagen: Kanada ist wie die Vereinigten Staaten von Amerika oder Australien ein Einwanderungsland klassischen Typs – mit einer langen Einwanderungsgeschichte, einer langen multiethnischen Tradition, einer Selbstverständnis als inklusive Staatsnation und strukturell vergleichsweise gut platzierten ethnischen Minderheiten. Deutschland ist dagegen ein Einwanderungsland modernen Typs, dem diese vier Elemente fehlen. Die Vorstellung, den Multikulturalismus der klassischen Einwanderungsländer auf [Deutschland zu übertragen, ist also utopisch.]


397 Vgl. Geißler, Rainer, Multikulturalismus in Kanada – Modell für Deutschland? In: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 26/2003, S. 19-25;

398 Vgl. Driedger, Leo, Multi-ethnic Canada, Toronto u.a. 1996, S. 198ff.;

Aber die Unterschiede zwischen beiden Gesellschaften, von denen ich vier kurz skizzieren möchte, sind doch massiv. Sie machen eine Übertragung des kanadischen Konzepts auf Deutschland problematisch.

1. Sieht man einmal von dem Spezialfall der Ureinwohner ab, dann war Kanada von Anfang aneine Gesellschaft von Einwanderern. Die Geschichte Kanadas ist die Geschichte einer kontinuierlichen Zuwanderung von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Systemen. Deutschland dagegen ist von Beginn an eine Gesellschaft von Einheimischen, das Land der Deutschen; die Bezeichnung "Deutschland" bringt dies unmissverständlich zum Ausdruck. Kontinuierliche multiethnische Einwanderung ist ein relativ neues Phänomen und hat auch nicht die kanadischen Dimensionen: [...]

2. Diese Unterschiede in der Migrationsgeschichte haben Folgen für die Sozialstruktur, die Kultur und das Staatsverständnis der beiden Länder. Kanada war von Anfang an bi-ethnisch; dazu kommen die vielen verschiedenen Ethnien der "Ersten Nationen". Im Verlauf des letzten Jahrhunderts hat sich Kanada dann zu einer dynamischen multiethnischen Gesellschaft entwickelt, deren Muster sich ständig verändert. [...]

Deutschland dagegen ist seit seiner Gründung eine im Wesentlichen monoethnische Gesellschaft, die Zugehörigkeit zur deutschen Kultur war und ist das einigende Band.[...] Das multiethnische Segment ist in Deutschland relativ neu und relativ klein; es sieht sich einer bodenständig gewachsenen, mächtigen Mehrheitskultur ausgesetzt, die einen starken Assimilationsdruck ausübt.

3. Dieser Assimilationsdruck ist auch deshalb besonders ausgeprägt, weil das multiethnische Segment in Deutschland strukturell ausgesprochen schwach blieb. Das Land ist durch ethnische Minderheiten weitgehend "unterschichtet", und diese sind - u.a. wegen einer restriktiven Einbürgerungspraxis und fehlender politischer Rechte - politisch weitgehend ohnmächtig. Zu einer wirklichen "zweiten Kraft" im sozialen und politischen Kräftefeld konnten sie sich bisher nicht entwickeln. Langfristig wird das politische Gewicht der ethnischen Minderheiten durch die Erleichterung der Einbürgerung aber zunehmen, weil damit die Zahl der "ethnischen Wähler" steigt.

In Kanada dagegen sind die ethnischen Minderheiten - sieht man einmal von den extrem marginalisierten "Ersten Nationen" ab - strukturell deutlich besser platziert. Die Aufstiegs- und Einkommenschancen der europäischen Minderheiten sind teils genauso gut, teils sogar besser als die der beiden Gründernationen.[16] [...] Das Wahlrecht sowie die Vertretung der Minderheiten in Parlamenten und Regierungen - und auch in anderen wichtigen Institutionen wie den Massenmedien - verleihen den Minoritäten politisches Gewicht.

Fasst man die bisherigen drei Punkte zusammen, dann kann man sagen: Kanada ist wie die USA oder Australien ein Einwanderungsland klassischen Typs - mit einer langen Einwanderungsgeschichte, einer langen multiethnischen Tradition, einem Selbstverständnis als inklusive Staatsnation und strukturell vergleichsweise gut platzierten ethnischen Minderheiten. Deutschland ist dagegen ein Einwanderungsland modernen Typs, dem diese vier Elemente fehlen.

[...]

Die Vorstellung, den kanadischen Multikulturalismus auf Deutschland zu übertragen, ist also utopisch.


16. Vgl. L. Driedger (Anm. 4), S. 198ff.

Anmerkungen

Der Verweis auf die Quelle am Anfang der Seite macht nicht klar, dass die gesamte Seite im Wesentlichen wörtlich aus der Quelle stammt. Sogar ein Literaturverweis wurde mitübernommen.

Sichter
(Hindemith) Schumann

[3.] Tmu/Fragment 173 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-30 18:08:19 Graf Isolan
Fragment, Geißler 2003, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tmu, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Hindemith
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 173, Zeilen: 1-19
Quelle: Geißler 2003
Seite(n): 1 (Internetquelle), Zeilen: VI, 12. Absatz
Dennoch können die Deutschen von Kanada und anderen klassischen Einwanderungsländern einiges lernen:
  • Wie auch in den klassischen Einwanderungsändern sollten die Migration und Integration in Deutschland nicht sich selbst überlassen bleiben. Sie bedürfen eines durchdachten politischen Managements, und das unter anderem deshalb, weil eine ungesteuerte Zuwanderung Ängste und Befürchtungen auslösen kann. Auch in den klassischen Einwanderungsländern kam es bei geringfügigen unvorhergesehenen Zwischenfällen, die von den Planungen der Einwanderungspolitik abwichen, zu Angstreaktionen mit rassistischen Untertönen.
  • Der öffentliche Diskurs über Zuwanderung und Integration bedarf in Deutschland einer grundlegenden Akzentverschiebung hin zu einem eindeutigen Ja zur Einwanderung. Einwanderung muss als Notwendigkeit und Chance begriffen werden, nicht als Bedrohung. Probleme dürfen dabei nicht tabuisiert werden, aber sie dürfen den Diskurs nicht beherrschen – wie es bisher in der Regel der Fall war.399 In den klassischen Einwanderungsländern werden - anders als in Deutschland - Migrations- und Multikulturalismusprobleme aus der Wahlkampfpolemik und hitzigem Parteienstreit herausgehalten.

399 Vgl. dazu Geißler, Rainer, Der bedrohliche Ausländer. Zum Zerrbild ethnischer Minderheiten in Medien und Öffentlichkeit, in: Ottersbach, Markus; Trautmann, Sebastian (Hrsg.), Integration durch soziale Kontrolle, Köln 1999, S. 23-38;

Dennoch können die Deutschen von Kanada lernen. [...]

1. Migration und Integration sollten nicht sich selbst überlassen bleiben; sie bedürfen eines durchdachten politischen Managements - unter anderem deshalb, weil eine ungesteuerte Zuwanderung Ängste und Befürchtungen auslösen kann. Auch in Kanada kam es bei geringfügigen unvorhergesehenen Zwischenfällen, die von den Planungen der Einwanderungspolitik abwichen (z.B. bei der Ankunft von Tamilen und Sikh in Flüchtlingsbooten), zu Angstreaktionen mit rassistischen Untertönen.

2. Der öffentliche Diskurs über Migration und Integration bedarf in Deutschland einer grundlegenden Akzentverschiebung hin zu einem eindeutigen und klaren Ja zur Einwanderung. Einwanderung muss als Notwendigkeit und Chance begriffen werden, nicht als Bedrohung. Probleme sollten dabei nicht tabuisiert werden, aber sie dürfen den Diskurs nicht beherrschen - wie es bisher in der Regel der Fall war.[17] [...] In Kanada werden Migrations- und Multikulturalismusprobleme aus der Wahlkampfpolemik und hitzigem Parteienstreit herausgehalten.


17. Zur Darstellung der Migranten in deutschen Massenmedien vgl. Rainer Geißler, Der bedrohliche Ausländer. Zum Zerrbild ethnischer Minderheiten in Medien und Öffentlichkeit, in: Markus Ottersbach/Sebastian K. Trautmann (Hrsg.), Integration durch soziale Kontrolle, Köln 1999, S. 23 - 38; ders., Bessere Präsentation durch bessere Repräsentation. Anmerkungen zur medialen Integration von ethnischen Minderheiten, in: Heribert Schatz/Christina Holtz-Bacha/Jörg-Uwe Nieland (Hrsg.), Migranten und Medien, Wiesbaden 2000, S. 129 - 146; Georg Ruhrmann/Songül Demren, Wie Medien über Migranten berichten, in: ebd., S. 69 - 81.

Anmerkungen

Ein Verweis auf die Quelle fehlt bzw. findet sich am Anfang der Vorseite, bezieht sich aber nicht mehr auf diesen Abschnitt.

Sichter
(Hindemith) Schumann

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