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Quelle:Ts/Claßen 1988

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Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Isabella Claßen
Titel    Darstellung von Kriminalität in der deutschen Literatur, Presse und Wissenschaft 1900 bis 1930
Ort    Frankfurt am Main
Verlag    Peter Lang
Jahr    1988
Umfang    348 S.
Reihe    Hamburger Beiträge zur Germanistik, Bd. 8
Anmerkung    zugl.: Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 1987
ISBN    3-8204-1448-7

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    ja
Fragmente    25


Fragmente der Quelle:
[1.] Ts/Fragment 050 22 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2015-08-05 10:40:01 Schumann
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, KeineWertung, SMWFragment, Schutzlevel, Ts

Typus
KeineWertung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 50, Zeilen: 23-31
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 137, Zeilen: 3-12
Dagegen wandte sich unter anderem Joseph Roth, der 1930 Schluß mit der ‚Neuen Sachlichkeit‘! forderte und von der „furchtbarsten aller Verwechslungen“ sprach:70
Das Wirkliche begann man für wahr zu halten, das Dokumentarische für echt, das Authentische für gültig. Erstaunlich, daß in einer Zeit, in der die einfachen Zeugenaussagen vor Gericht von der modernen medizinischen Wissenschaft mit Recht als unzuverlässig bezeichnet werden, erstaunlich, daß in dieser Zeit die literarische Zeugenaussage gültiger ist als die künstlerische Gestaltung.

70 Joseph Roth: Schluß mit der „Neuen Sachlichkeit!“ Zit. nach: Manifeste und Dokumente zur deutschen Literatur, 1918/33, Weimarer Republik, hrsg. v. Anton Kaes, Stuttgart: J. B. Metzler 1983, S. 653.

Und Joseph Roth geht 1930 mit der Forderung Schluß mit der 'Neuen Sachlichkeit'! noch weiter, wenn er von der "furchtbarsten aller Verwechslungen" spricht.
Das Wirkliche begann man für wahr zu halten, das Dokumentarische für echt, das Authentische für gültig. Erstaunlich, daß in einer Zeit, in der die einfachen Zeugenaussagen vor Gericht von der modernen medizinischen Wissenschaft mit Recht als unzuverlässig bezeichnet werden, erstaunlich, daß in dieser Zeit die literarische Zeugenaussage gültiger ist als die künstlerische Gestaltung.(350)

350 Joseph Roth: Schluß mit der "Neuen Sachlichkeit!" Zitiert nach Manifeste und Dokumente, S. 653.

Anmerkungen

Das Zitat wird aus der gleichen Quelle, in gleichen Abgrenzungen und mit der gleichen Einleitung übernommen.

Die bei Claßen als wörtliches Zitat gekennzeichnete Passage "furchtbarsten aller Verwechslungen" kommt bei Roth in der zitierten Ausgabe so nicht vor; dort heißt es auf S. 653: "furchtbarste aller Verwechslungen" (korrekt wäre also "furchtbarste[n] aller Verwechslungen").

Dieser Fehler, der sich sowohl bei Claßen wie beim Verf. findet, lässt vermuten, dass die genannte Sekundärquelle diesem gar nicht vorlag. Da das aber der einzige Hinweis auf eine ungeprüfte Übernahme ist, wird das Fragment konservativ der Kategorie "keine Wertung" zugeordnet.

Sichter
Schumann

[2.] Ts/Fragment 230 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2015-08-01 07:39:58 Stratumlucidum
BauernOpfer, Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
fret, Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 230, Zeilen: 2-6, 14-16, 24-29
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 15; 123; 124, Zeilen: 15: 6-11; 123: 28-34; 124: 9-14
Auch nach dem Ersten Weltkrieg griff das Hochstapler- und Betrugswesen weit um sich und wurde von der Kriminalistik als ernstzunehmende Bedrohung angesehen. Ende 1920 machte man im Zuge der internationalen Verständigung zur Bekämpfung des Verbrechertums Vorschläge zur Fahndung nach „internationalen Kriminellen“:15
[Als internationale Verbrecher in diesem Sinne kommen alle jene Personen in Betracht, welche nach Art gewerbs- oder gewohnheitsmäßiger Verbrecher auftreten und eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen oder als staatenlos anzusehen sind, oder von denen zu vermuten ist, daß sie allein oder bandenmäßig sich in verschiedenen Ländern verbrecherisch betätigen. Insbesondere sind als internationale Verbrecher zu behandeln: Hochstapler, Hotel- und Juwelendiebe.]

In den Zeitungen erschienen regelmässig Artikel von Fachleuten, in denen die Bevölkerung eindringlich vor Leichtsinn und Gedankenlosigkeit gegenüber Fremden gewarnt wurde. [Die Berliner Tagespresse liess allein im Zeitraum März bis Juni 1922 folgende Artikel erscheinen: Der falsche Dollarmillionär; Hochstapeleien einer Hofdame der Zarin; „Der Hochstapler von Deutschland“; Zusammenbruch einer Schwindelgründung; Die Schlossherrin mit Blumenstrauss − Neue Kniffe einer Heiratsschwindlerin; Rundfahrten eines Hochstaplers; Schwindeleien eines Amerikaners; Ein wissenschaftlicher Banknotenfälscher; Verhaftung eines Millionendiebs.16]

Im Kapitel Von deutscher Hochstapler-Republik. Zur Naturgeschichte einer Täuschung seines Grossessays Kritik der zynischen Vernunft führt Peter Sloterdijk das zeittypische Phänomen alltäglicher Betrugs- und Täuschungskriminalität auf eine „Aufweichung des Gefühls für das Zuverlässige“ und eine „kollektiv verbreitete Angstwut gegen die Modernität“ zurück:17 [„Es waren die Jahre einer kollektiven Illusions-[dämmerung, [...]]


[15 Hans Schneickert: Das soziale Elend, das Verbrechen und der soziale Selbsterhaltungstrieb, Zeitgemäße Betrachtungen, Potsdam: Hayn 1921, S. 89. Zit. nach Isabella Claßen: Darstellung von Kriminalität in der deutschen Literatur, Presse und Wissenschaft 1900 bis 1930, Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang 1988, S. 123 f.

16 Vgl. Claßen, Darstellung von Kriminalität in der deutschen Literatur, S. 125, mit Nachweisen.

17 Sloterdijk, Kritik der zynischen Vernunft, S. 849, 852.]

[Seite 123]

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß das Hochstapler- und Betrugswesen auch nach dem Ersten Weltkrieg weiter um sich greift und von der Kriminalistik als ernstzunehmende Bedrohung angesehen wird. Im Zuge der länderübergreifenden Verständigung zur Bekämpfung des internationalen Verbrechertums werden Ende 1920 insbesondere Vorschläge zur Fahndung nach "internationalen Kriminellen" eingebracht:

[Als internationale Verbrecher in diesem Sinne kommen alle jene Personen in Betracht, welche nach Art gewerbs- oder

[Seite 124]

gewohnheitsmäßiger Verbrecher auftreten und eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen oder als staatenlos anzusehen sind, oder von denen zu vermuten ist, daß sie allein oder bandenmäßig sich in verschiedenen Ländern verbrecherisch betätigen. Insbesondere sind als internationale Verbrecher zu behandeln: Hochstapler, Hotel- und Juwelendiebe.(318)

[...] ] Beispielsweise bringt der "Berliner Lokal-Anzeiger" am 1.6.1922 unter der Großüberschrift Das Berliner Verbrechertum den Beitrag des Berliner Kriminalkommissars Dr. Erich Anuschat Einbrecher und Publikum, in dem die Bevölkerung eindringlich vor Leichtsinn und Gedankenlosigkeit gegenüber Fremden gewarnt wird. [ [...] Ein stichprobenartiger Streifzug durch die Berliner Tagespresse im Zeitraum März bis Juni 1922 soll einen Eindruck von der Vielfalt der hochstaplerischen Verbrecher und ihrer Delikte vermitteln.]


[318 Hans Schneickert: Das soziale Elend, das Verbrechen und der soziale Selbsterhaltungstrieb. Zeitgemäße Betrachtungen. Potsdam 1921, S. 89.]

[ [Seite 125]

ZeitungDatumLänge des ArtikelsÜberschriftTäter
Berliner Tageblatt16.3.1/2 SpalteDer falsche Dollarmillionär
Eine kostspielige Expedition nach Brasilien
Heinrich Schäfer
Betrüger, Fälscher
BTB16.3.1/4 "Eine Riesenunterschlagung an Juwelen. 100000 Mark Belohnung.Hugo de Parentsu, Unterschlagung über 16 Millionen
BTB27.3.1/4 "Hochstapeleien einer Hofdame der Zarin. Ein Opfer der Verhältnisse in Rußland.Tochter des russischen Generalleutnants v. Stariatine und der russischen Prinzessin v. Bubanow
BTB1.41/4 ""Der Hochstapler von Deutschland". Unter der Anklage des Betruges.Artist Ernst Erlenbach und sein "Geschäftsführer" Adolf Lehmann.
BTB5.4.1/2 "Zusammenbruch einer Schwindelgründung. Hinter den Kulissen der We-Be-Co. Verhaftung der vier Subdirektoren."Generaldirektor" Hermann Mattern, Aktienschwindler.
Berliner Lokal-Anzeiger10.4.1/4 "Die Schloßherrin mit Blumenstrauß. Neue Kniffe einer Heiratsschwindlerin.Angebliche Erbin eines "Fürsten von Kinski".
BLA19.5.1/4 "Rundfahrten eines Hochstaplers.Hochstapler Paul Kramann.
BLA26.5.Schwindeleien eines Amerikaners.Angeblicher G.M.Willitz.
BLA27.5.1/4"Ein wissenschaftlicher Banknotenfälscher.Techniker Eduard Wiesenburg, Falschmünzer.
BLA10.6.1/4 ""Die Gattin des Petroleumkönigs".Internationale Hochstaplerin
BLA16.6.1/2 "Verhaftung eines Millionendiebes. Direktor Bernotats Glück und Ende.lang gesuchter Hoteldieb.
Vossische Zeitung17.6.13 Zeilen"Dr. Mabuse" in der Wirklichkeit.Angeblicher Freiherr von Lehn, Falschspieler.
]

[Seite 15]

Bezeichnend ist sein Kapitel "Von deutscher Hochstapler-Republik. Zur Naturgeschichte einer Täuschung", in dem er das zeittypische Phänomen alltäglicher Betrugs- und Täuschungskriminalität auf eine "Aufweichung des Gefühls für das Zuverlässige" und eine "kollektiv verbreitete Angstwut gegen die Modernität"(8) zurückführt.

[Es waren die Jahre einer kollektiven Illusionsdämmerung, [...](9)]

[8 Ebd. [= Peter Sloterdijk: Kritik der zynischen Vernunft. Bd. 2. Frankfurt am Main 1983], S. 849.

9 Ebd., S. 852.]

Anmerkungen

Der Verf. macht nicht kenntlich, dass seine die längeren Zitate einleitenden Ausführungen ebenfalls aus Claßen (1988) – teils wörtlich – übernommen sind.

Sichter
(fret) (Schumann) Stratumlucidum

[3.] Ts/Fragment 231 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2015-07-31 22:35:23 Stratumlucidum
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, KeineWertung, SMWFragment, Schutzlevel, Ts

Typus
KeineWertung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 231, Zeilen: 1-4
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 15, Zeilen: 12-17
[ [...]17 „Es waren die Jahre einer kollektiven Illusions-]dämmerung, in deren Zwielicht die einen ihre Chance sahen, mit Täuschungen und Versprechungen Karriere zu machen, und die anderen ihre Illusionsbereitschaft so stark sichtbar werden ließen, daß die aktive Seite nur noch zu tun brauchte, was die passive erwartete.“

[17 Sloterdijk, Kritik der zynischen Vernunft, S. 849, 852.]

Es waren die Jahre einer kollektiven Illusionsdämmerung, in deren Zwielicht die einen ihre Chance sahen, mit Täuschungen und Versprechungen Karriere zu machen, und die anderen ihre Illusionsbereitschaft so stark sichtbar werden ließen, daß die aktive Seite nur noch zu tun brauchte, was die passive erwartete.(9)

9 Ebd. [= Peter Sloterdijk: Kritik der zynischen Vernunft. Bd. 2. Frankfurt am Main 1983], S. 852.

Anmerkungen

Eine ungeprüfte Übernahme des Zitats lässt sich nicht nachweisen.

Da der Verf. zudem unmittelbar darauf Sloterdijk (1983) mehrmals anführt, scheint dieser ihm vorzuliegen.

Sichter
Stratumlucidum

[4.] Ts/Fragment 239 02 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2014-09-19 14:14:30 Schumann
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 239, Zeilen: 2-32
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 95-97, Zeilen: 95: 14-23; 96: 1-2, 4-13, 17-26, 29ff; 97:1-2
Ein Hochstapler-Trio ergaunert sich das Startkapital für den ewigen Schülertraum von einer gemeinsamen Reise nach Indien. Opfer des Betrugs sind Kommerzienrat Arthur Cronheim, ein Börsenspekulant, und seine Frau Bella, die beide für die Scheinmoral und Korruptheit der Gesellschaft des Kaiserreichs stehen. Demgegenüber stammen die drei Hochstapler, die bei Cronheim wieder zusammenkommen, aus sozialen Randgruppen. Robert Krust ist ein ehemaliger Bankbeamter, der wegen Unterschlagung ein Jahr Gefängnis verbüsst hat. Bei den Cronheims trifft er auf den ehemaligen Schulkameraden Ernst Sperber, der unter dem Decknamen Ernst Steilhart ein Verhältnis mit Bella Cronheim hat. Als Gast des Hauses erscheint schliesslich der Konzertsänger Willibald Salding alias Willy Seidler. Die drei beschliessen einen gross angelegten Betrug zur Finanzierung ihres Lebenswunsches. Sie verkaufen dem habgierigen Kommerzienrat für drei Millionen Mark ein Grundstück auf einem Berg in Ascona und täuschen Beweise für eine Ölquelle vor. Bei einer Freifrau von Rottenburg erschleichen sie ein Stipendiat von 30.000 Mark für einen begabten Gesangsschüler, den es nicht gibt. So können die drei den Jugendtraum verwirklichen: Das Stück endet mit der Abfahrt nach Indien.

Die Hochstapler kehren die bürgerliche Moral um: „Siehst du, wer ein Gewissen hat, ist gewissenlos, und gewissenhaft, wer keins hat“, meint Krust,28 und Steilhart findet, „daß man in dieser Welt das sein muß, was er ‚schlecht‘ nennt, wenn das Leben überhaupt erträglich sein soll“.29

Interessanterweise kommt in Mühsams Stück auch ein Literat vor, nämlich der siebzehnjährige Werner, der Sohn des Hauses. Schon durch seinen Umgang mit den niederen Dienstboten löst er bei den Eltern Empörung aus, und als eines seiner heimlich geschriebenen Gedichte in einer Zeitung veröffentlicht wird, verbittet sich der Vater solche „Dummheiten“. Der Künstler ist Paria und Aussenseiter. Er gilt in dieser Gesellschaft nichts. „Man kann sich doch nicht gemein machen mit [so einem Künstler", sagt Bella Cronheim in Bezug auf den Konzertsänger Salding.]


28 Mühsam, Die Hochstapler, S. 111.
29 Ebd., S. 118.

In dem Stück ergaunert sich ein Hochstapler-Trio das Startkapital für den ewigen Schülertraum von einer gemeinsamen Reise nach Indien. Opfer des Betrugs sind Kommerzienrat Arthur Cronheim, ein Börsenspekulant, und seine Frau Bella, die beide die Scheinmoral und Korruptheit der Gesellschaft des Kaiserreiches repräsentieren. Demgegenüber stammen die drei Hochstapler, deren Lebenswege sich im Hause des Kommerzienrats wieder kreuzen, aus den sozialen Randgruppen. Robert Krust ist ein ehemaliger Bankbeamter, der wegen Unterschlagung von 6.000 Mark ein Jahr Gefängnis verbüßt hat. [...]

Bei den Cronheims trifft Krust auf den ehemaligen Schulkameraden Ernst Sperber, der unter dem Decknamen Ernst Steilhart ein Verhältnis mit Bella Cronheim hat. Als Gast des Hauses

[Seite 96]

erscheint schließlich der Konzertsänger Willibald Salding alias Willy Seidler, der das Trio der Ehemaligen komplett macht. [...] Die drei beschließen einen groß angelegten Betrug zur Finanzierung ihres Lebenswunsches. Sie verkaufen dem habgierigen Kommerzienrat für drei Millionen Mark ein Grundstück auf einem Berg in Ascona und täuschen Beweise für eine Ölquelle vor. Einer Freifrau von Rottenburg trotzen sie ein Stipendiat von 30.000 Mark für einen nicht existenten begabten Gesangsschüler ab. Durch Hochstapelei und Betrug können die drei Freunde ihren Jugendtraum verwirklichen, das Stück endet mit der Abfahrt nach Indien. [...]

Siehst du, wer ein Gewissen hat, ist gewissenlos, und gewissenhaft, wer keins hat.(236)

stellt Krust abschließend fest; und Steilhart vertritt die Auffassung,

daß man in dieser Welt das sein muß, was er "schlecht" nennt, wenn das Leben überhaupt erträglich sein soll.(237)

Als eine Art Vermittlerfigur zwischen den beiden heuchlerischen, nach Wohlstand und Bequemlichkeit gierenden Parteien steht der siebzehnjährige Werner, der Sohn der Cronheims. [...] Werner, der schon durch seine Umgangsart mit den niederen Dienstboten bei den Eltern Empörung auslöst, stößt erst recht auf Widerstand, als eines seiner heimlich geschriebenen Gedichte in einer Zeitung veröffentlicht wird. Der Vater verbittet sich solche "Dummheiten". Kurz zuvor schildert Bella Cronheim ausgerechnet dem Hochstapler Steilhart, daß sie sich vor dem Konzertsänger Salding habe verleugnen lassen.

[Seite 97]

Man kann sich doch nicht gemein machen mit so einem Künstler.

236 Ebd., S. 111. 237 Ebd., S. 118.

Anmerkungen

Die Zusammenfassung der Handlung, samt Charakterisierung der Hauptfiguren und Auswahl der Zitate wird gekürzt übernommen.

Sichter
Aggrippina

[5.] Ts/Fragment 240 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2014-09-19 14:15:13 Schumann
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 240, Zeilen: 1-3
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 97, Zeilen: 1-4
[„Man kann sich doch nicht gemein machen mit] so einem Künstler“, sagt Bella Cronheim in Bezug auf den Konzertsänger Salding. „In Gesellschaft, ja! Da ist er der gefeierte Mann, der Star, der Mittelpunkt; aber im engeren Familienkreis; − Sie verstehen!“30

30 Ebd., S. 22.

[...]
Man kann sich doch nicht gemein machen mit so einem Künstler. - In Gesellschaft, ja! Da ist er der gefeierte Mann, der Star, der Mittelpunkt; aber im engeren Familienkreis; - Sie verstehen!(238)

238 Mühsam: Die Hochstapler, S. 22.

Anmerkungen

Ende der Übernahme der Vorseite.

Sichter
Agrippina1

[6.] Ts/Fragment 254 14 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2014-09-14 16:39:26 Singulus
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 254, Zeilen: 14-24
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 101, Zeilen: 28-40
Nachdem Manolescu im Dezember 1903 von der Wiener Staatsanwaltschaft mit Rücksicht auf seinen Geisteszustand wegen eines Diebstahls aus Österreich ausgewiesen worden war, brachten verschiedene Tageszeitungen bereits erste Hinweise auf die geplanten Erinnerungen. So schrieb das Berliner Tageblatt am 5. Januar 1904:32
Manolescu beabsichtigt jetzt, seine Memoiren zu schreiben, die sehr interessant zu werden versprechen, wenn man die Tatsache in Erwägung zieht, daß er während seiner fast zwanzigjährigen Laufbahn Diebstähle in einer Gesamthöhe von nahezu zweieinhalb Millionen Franc verübt und in den höchsten Gesellschaftskreisen der alten und neuen Welt die interessantesten Abenteuer erlebt hat.

32 Manolescu I, Anhang A, S. 260.

Nachdem Manolescu im Dezember 1903 von der Wiener Staatsanwaltschaft mit Rücksicht auf seinen Geisteszustand wegen eines Diebstahls ausgewiesen wird, bringen verschiedene Tageszeitungen bereits im Januar 1904 erste Hinweise auf die geplanten Memoiren. Das "Berliner Tageblatt" vom 5.1.1904 schreibt unter anderem:
Manolescu beabsichtigt jetzt, seine Memoiren zu schreiben, die sehr interessant zu werden versprechen, wenn man die Tatsache in Erwägung zieht, daß er während seiner fast zwanzigjährigen Laufbahn Diebstähle in einer Gesamthöhe von nahezu zweieinhalb Millionen Frank verübt und in den höchsten Gesellschaftskreisen der alten und neuen Welt die interessantesten Abenteuer erlebt hat.(245)

245 Georges Manolescu (Fürst Lahovary): Ein Fürst der Diebe. Memoiren. Berlin-Groß-Lichterfelde-Ost o.J. [1905], Anhang A, S. 260.

Anmerkungen

Übernahme der Einleitung und Auswahl des belegenden Zitats. Man beachte die unterschiedliche Schreibweise von "Franc"/"Frank".

Sichter
Schumann

[7.] Ts/Fragment 341 11 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2014-09-19 21:28:01 Schumann
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 341, Zeilen: 11-25
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 53, 55, Zeilen: 53: 22-35; 55: 6-9, 15-17
Bei der Erklärung des Verbrechens unter kriminalpsychologischen Gesichtspunkten versuchte Wulffen, unter dem Einfluss von Vorgängern wie Franz von Liszt, Paul Felix Aschrott und Gustav Aschaffenburg, es „sowohl als normative Begebenheit wie auch als reale Erscheinung im Leben des einzelnen und der Völker auf breitester Basis und unter Zuhilfenahme der verschiedensten Wissenschaftsdisziplinen zu erforschen“463. Dabei nahm er, weil ihm die bisherige Strafrechtswissenschaft als Erklärungsmodell für das Phänomen Kriminalität nicht ausreichte, auch einen neuen Bereich zu Hilfe: die Kunst und vor allem die Literatur. Wulffen, mit dem wohl zum ersten Mal der Vertreter eines literarischen Ansatzes am Kriminologiediskurs teilnahm, fasste Kriminalität als eine übergreifende Problematik auf, die mit rechtswissenschaftlichen Begriffen allein nicht erschöpft werden könne, und widmete sich der Aufgabe, die seelisch-kulturellen Voraussetzungen des Verbrechens in die Kriminologie aufzunehmen.

463 Herren, Freud und die Kriminologie, S. 170.

[Seite 53]

Wulffen erklärt das Verbrechen und den Werdegang eines Verbrechers mit kriminalpsychologischen Gesichtspunkten und versucht,

- unter dem Einfluß von Franz von Liszt, Aschrott, Aschaffenburg - das Verbrechen sowohl als normative Begebenheit wie auch als reale Erscheinung im Leben des einzelnen und der Völker auf breitester Basis und unter Zuhilfenahme der verschiedensten Wissenschaftsdisziplinen zu erforschen.(125)

Wulffen entwickelt eine eigene Theorie, mit der er die Problematik von Kriminalität zu erfassen sucht, und greift dabei auf einen Bereich zurück, der von seinen juristischen Kollegen als benachbarte Hilfsdisziplin nicht anerkannt wird: die Kunst und vor allem die 'schöne' Literatur.(126)

[Seite 55]

Der Jurist Wulffen zeigt schon allein aufgrund seines kriminalpsychologischen Interesses, daß für ihn die Strafrechtswissenschaft als Erklärungsmodell für das Phänomen Kriminalität nicht ausreicht.(130) [...] Kriminalität wird von Wulffen als eine übergreifende Problematik begriffen, die mit rechtswissenschaftlichen Begriffen alleine nicht erschöpft werden kann.


125 Rüdiger Herren: Freud und die Kriminologie. S. 170.
126 Vgl. hierzu ebd.
130 Hier soll an die bereits bei Jörg Schönert (Hrsg.): Literatur und Kriminalität, S. 9 und S. 122-124, erarbeiteten Erkenntnisse und Fragestellungen für den Zeitraum 1880/1890-1920 angeknüpft werden.

Anmerkungen

Der Vf. macht sich nicht nur einen Teil der Aussage Herrens zu eigen, auch der Rest seiner Ausführungen folgt Claßen weitgehend.

Sichter
Agrippina1

[8.] Ts/Fragment 342 03 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2014-10-07 23:09:15 Schumann
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 342, Zeilen: 3-7
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 54, Zeilen: 12-17
Er ging aus von der Annahme, dass der Dichter in seinen Werken die in ihm selbst schwelenden Konflikte thematisiert und das Schreiben eine Art Ersatzhandlung für den unterdrückten aggressiven Ausbruch dieser Konflikte in Form eines Verbrechens darstellt. Ausgehend von der Annahme, daß beispielsweise der Dichter in seinen Werken die in ihm selbst schwelenden Konflikte thematisiert und das Schreiben eine Art Ersatzhandlung für den aggressiven Ausbruch dieser Konflikte in Form eines Verbrechens darstellt, führt Wulffen sowohl das Schreiben wie das Verbrechen auf einen inneren psychischen Trieb zurück.
Anmerkungen

Ungekennzeichnete Übernahme der Analysen Claßens.

Sichter
Schumann

[9.] Ts/Fragment 349 06 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2014-09-19 14:29:20 Schumann
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 349, Zeilen: 6-20
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 118, 122, Zeilen: 118: 12-22; 122: 11-28
Er spielt dem psychiatrischen Gutachter Verrücktheit vor und phantasiert zu diesem Zweck, er sei Bergwerksbesitzer.491 Bei der Schilderung eines Traums erinnert er sich an die „Georges-Manolescu-Straße“.492 Mit dem jungen Staatsanwalt Dr. Sperl, der den Fall Györki zu untersuchen hat und der Györki ein Psychoduell liefert, hat sich der Autor offensichtlich selbst gezeichnet: „Der Staatsanwaltvertreter Sperl galt als ein begabter Beamter mit gutem Stil und eindringlicher Redegabe. Man sagte ihm allgemein eine erfolgreiche Laufbahn voraus. Dabei kannte man seine besondere Neigung für kriminalpsychologische Studien, mit welchen er auch literarisch hervorgetreten war.“493 Sperls Auseinandersetzung mit Györki entsprechen Wulffens jahrzehntelangen Bemühungen zur Erfassung des Hochstapler-Phänomens. Die Verhöre entwickeln sich zu kriminalpsychologisch-philosophischen Kolloquien, in denen Györki seine Taten als Ergebnis seiner künstlerischen Veranlagung darlegt.

491 Wulffen, Der Mann mit den sieben Masken, S. 151 ff. Tatsächlich befand sich Manolescu um 1904 bei den Goldgräbern in den Bergwerken von Anitoba in Alaska. – Daneben ist auch das Leben des ungarischen Hochstaplers Ignatz Strassnoff in den Roman eingegangen, vgl. hinten Kap. H.V.
492 Wulffen, Der Mann mit den sieben Masken, S. 163.
493 Ebd., S. 87 f.

[Seite 118]

Györki spielt dem psychiatrischen Gutachter - wie Manolescu - Verrücktheit vor und phantasiert zu diesem Zweck, er sei Bergwerksbesitzer. (310) Tatsächlich befindet sich Georges Manolescu um 1904 bei den Goldgräbern in den Bergwerken von Anitoba in Alaska, wo er einen Unfall hat, an dessen Folgen er 1908 stirbt. Wulffen zieht reale Lebensschicksale von Hochstaplern als Vorlagen für seine Romanfiguren heran, ohne die Zusammenhänge zu kaschieren. Bei der Schilderung eines Traumes erinnert sich Györki demonstrativ an die "Georges-Manolescu-Straße", nennt auch den Hauptmann von Köpenick und andere.(311)

[Seite 122]

Interessant ist Wulffens Darstellung des Staatsanwalts, der den Fall Györki zu untersuchen hat. Es entsteht der Eindruck, daß der Autor sich hier selber gezeichnet hat.

Der Staatsanwaltvertreter Sperl galt als ein begabter Beamter mit gutem Stil und eindringlicher Redegabe. Man sagte ihm allgemein eine erfolgreiche Laufbahn voraus. Dabei kannte man seine besondere Neigung für kriminalpsychologische

Studien, mit welchen er auch literarisch hervorgetreten war.(315) Für Sperl ist der Hochstapler eine "Versuchsperson", die ihm aber letztlich weit überlegen ist. Sperls Auseinandersetzung mit Györki kann mit Wulffens jahrzehntelangen Bemühungen zur Erfassung des Hochstapler-Phänomens gleichgesetzt werden. Der Staatsanwalt im Roman hat ein ausgesprochen privates Interesse an dem Seelenleben des schauspielbegabten Verbrechers. Die Verhöre entwickeln sich zu philosophischen Betrachtungen, in denen Györki dem Anklagevertreter seine Taten als Ergebnis seiner künstlerischen Veranlagung darlegt.


[307 Wulffen: Der Mann mit den sieben Masken, S. 98f.]
310 Vgl. Wulffen, S. 151ff.
311 Vgl. ebd., S. 163.
315 Ebd., S. 87f.

Anmerkungen

Gekürzte Übernahme der Ausführungen Claßens, samt den gewählten Zitaten.

Sichter
Agrippina1

[10.] Ts/Fragment 349 26 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2014-10-07 23:11:54 Schumann
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 349, Zeilen: 26-29
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 122, Zeilen: 28-32
Györki führt dem Staatsanwalt in dessen Amtszimmer Rollenproben berühmter Bühnenstücke vor und erklärt, dass seine eigene Begabung ihm beim Rollenstudium von Franz Moor und Richard III. bewusst geworden sei.495

495 Ebd., S. 106.

In diesem Zusammenhang führt Györki dem Staatsanwalt in dessen Amtszimmer Rollenproben berühmter Bühnenstücke vor und erläutert, daß seine eigene Begabung ihm beim Rollenstudium von Franz Moor und Richard III. bewußt geworden sei.(316)

316 Vgl. ebd., S. 106.

Anmerkungen

Übernahme der Zusammenfassung Claßens.

Eine längere Passage weiter oben auf der gleichen Seite ist ebenfalls aus dieser Quelle übernommen, siehe Fragment 349 06.

Sichter
Schumann

[11.] Ts/Fragment 401 101 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2015-07-23 07:44:14 Stratumlucidum
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, KeineWertung, SMWFragment, Schutzlevel, Ts

Typus
KeineWertung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 401, Zeilen: 101-110
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 87, Zeilen: 101-116
[...]

121 Einzelheiten zur Fallgeschichte bei Hugo Friedländer: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung, Bd. 1, S. 131–136. Vgl. ferner Eugen Schmidt: Das Verbrechen als Ausdrucksform sozialer Entmutigung, Eine einführende Betrachtung über das Werden und die Behandlung der kriminellen Persönlichkeit auf Grund der Erkenntnisse der modernen Psychologie, München u.a.: Schweitzer 1931, S. 23, 33; Egon Larsen: Hochstapler, Die Elite der Gaunerwelt, Hamburg: Kabel 1984, S. 119–140; Wulffen: Gauner- und Verbrechertypen, S. 173 ff.; Wulffen, Psychologie des Hochstaplers, S. 30–33; Siegfried Mews: Zuckmayer, Der Hauptmann von Köpenick, 5. Aufl. Frankfurt am Main: Diesterweg 1992, S. 10–17; Hans Gehrke: Carl Zuckmayer, Der Hauptmann von Köpenick, Interpretation und Materialien, Hollfeld o.J., S. 15 ff.; [...]

[...]

216 Einzelheiten zur Fallgeschichte bei Hugo Friedlaender [sic]: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung. Bd. 1, 1921, S. 131-136. Vgl. auch Eugen Schmidt: Das Verbrechen als Ausdrucksform sozialer Entmutigung. Eine einführende Betrachtung über das Werden und die Behandlung der kriminellen Persönlichkeit auf Grund der Erkenntnisse der modernen Psychologie. München, Berlin, Leipzig 1931, S. 23, 33. Auch bei Egon Larsen: Hochstapler. Die Elite der Gaunerwelt. Hamburg 1984, S. 119-140. Vgl. auch Wulffen: Gauner- und Verbrechertypen, S. 173 ff. und derselbe: Psychologie des Hochstaplers, S. 30-33. Auch in Siegfried Mews: Zuckmayer. Der Hauptmann von Köpenick. Frankfurt am Main, Berlin, München 1972, S. 10-17. Außerdem bei Hans Gehrke: Carl Zuckmayer. Der Hauptmann von Köpenick. Interpretation und Materialien. Hollfeld o.J., S. 15 ff.

Anmerkungen

Der obere Teil der Zusammenstellung findet sich praktisch identisch und in gleicher Reihenfolge in der Quelle. Lediglich bei Mews wurden Auflage und Jahr aktualisiert und der Verlagsname hinzugefügt.

Aufgrund der geringen Schöpfungshöhe wird die Übernahme jedoch nicht als Plagiat gewertet.

Sichter
Stratumlucidum

[12.] Ts/Fragment 403 09 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2015-07-08 08:29:42 Stratumlucidum
BauernOpfer, Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 403, Zeilen: 9-21, 102-105
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 87; 88; 89; 90, Zeilen: 87: 24-25; 88: 1-8, 16-19, 101-104; 89: 1-4, 35-36; 90: 1-2
Das Berliner Tageblatt brachte in der Abend-Ausgabe vom 17. Oktober 1906 gleich zwei breit angelegte Stellungnahmen zu dem bereits in der Morgen-Ausgabe geschilderten Ereignis.124 Der Artikel Fetischuniform (ohne Angabe des Verfassers) macht seine Tendenz klar: Die „Köpenickiade“ soll als Fall aller Fälle dargestellt werden, als einzigartige Sensation ohne Steigerungs- und Vergleichsmöglichkeit: „Der Köpenicker Gaunerstreich [...] wird ein besonderes Kapitel in der Geschichte des Gaunertums bilden; denn so raffiniert, so psychologisch korrekt ist kaum jemals schon ein Schwindel inszeniert worden.“ In derselben Ausgabe erschien ein Artikel von Paul Block über die gelungene schauspielerische Leistung Voigts. Er verwies dabei auf ein im Lauf der Geschichte gewandeltes Bild des Verbrechers und auf die Anpassung krimineller Methoden an die gesellschaftspolitischen Verhältnisse:125 [...]

124 Auszüge aus verschiedenen Presseartikeln sowie ein Überblick über die literarischen Bearbeitungen der Köpenick-Thematik bei Siegfried Mews, Zuckmayer, Der Hauptmann von Köpenick, S. 12, 14 ff., und bei Hans Gehrke, Carl Zuckmayer, Der Hauptmann von Köpenick, S. 16–20; [sowie: http://www.koepenickia.de/3_oeffentl/3_oeffentl.htm; zugegriffen am 25. September 2010.]
[125 Zit. nach Classen, Darstellung von Kriminalität in der deutschen Literatur, S. 90.]

[Seite 87]

Beispielsweise bringt das "Berliner Tageblatt" in der Abend-Ausgabe vom 17.10.

[Seite 88]

gleich zwei breit angelegte Stellungnahmen zu dem bereits in der Morgen-Ausgabe geschilderten Fall. Der mit Fetischuniform betitelte Artikel ohne Angabe des Verfassers kann wohl als Meinung der Redaktion betrachtet werden. Bereits mit dem ersten Satz ist die Tendenz des Artikels klar: Die Bemühung, die "Köpenickiade" als den Fall aller Fälle, als Sensation ohne Steigerungs- und Vergleichsmöglichkeit, als einzigartige Kriminalaffaire hinzustellen, steht eindeutig im Vordergrund. [...]

Der Köpenicker Gaunerstreich [...] wird ein besonderes Kapitel in der Geschichte des Gaunertums bilden; denn so raffiniert, so psychologisch korrekt ist kaum jemals schon ein Schwindel inszeniert worden.

[...] [Das zentrale Moment in allen Darstellungen der Köpenicker Rathausbesetzung,(217) so auch im "Tageblatt", ist jedoch die Uniform des Hauptmanns, ohne die Wilhelm Voigt wahrscheinlich nicht zu solcher Berühmtheit gelangt wäre.] [...]

[...]


217 Auszüge aus verschiedenen Presseartikeln sowie ein Überblick über die literarischen Bearbeitungen der Köpenick-Thematik bei Siegfried Mews, S. 12, 14 ff. und bei Hans Gehrke, S. 16-20. [Die hier zitierten Textstellen sind bei den genannten Autoren nicht abgedruckt.]

[Seite 89]

In der gleichen Ausgabe erscheint ein Artikel des späteren Pariser "Tageblatt"-Korrespondenten Paul Block(218) über die gelungene schauspielerische Leistung des als Hauptmann verkleideten ehemaligen Schuhmachers Voigt. [...]

[...]

[...] Interessant ist der Verweis auf ein im Lauf der Geschichte gewandeltes Bild des Verbrechers -


[218 Als Korrespondent wird Block erwähnt bei Werner Becker: Demokratie des sozialen Rechts. Die politische Haltung der Frankfurter Zeitung, der Vossischen Zeitung und des Berliner Tageblatts 1918-1924. Göttingen, Zürich, Frankfurt 1971, S. 45.]

[Seite 90]

hier speziell des Räubers - und auf die Anpassung krimineller Methoden an die gesellschaftspolitischen Verhältnisse.

[...]
Anmerkungen

Gekürzte Wiedergabe der Ausführungen Claßens (1988); der Verweis in Fn. 125 bezieht sich lediglich auf ein einziges – hier nicht wiedergegebenes – wörtliches Zitat und macht das Ausmaß der Übernahme nicht deutlich.

Man beachte auch, dass der vom Verf. zuvor zitierte Satz ("Der Köpenicker Gaunerstreich [...]") laut Fn. 217 der Quelle bei den beiden von ihm in Fn. 124 angeführten Autoren gerade nicht abgedruckt ist, obwohl dieser Eindruck erweckt wird; auf einer archivierten Version der von ihm genannten Internetseite findet sich dieser ebenfalls nicht. Dass die tatsächliche Quelle für das Zitat Claßen ist, bleibt dem Leser so verborgen.

Sichter
(fret) Stratumlucidum

[13.] Ts/Fragment 407 23 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2014-09-19 14:40:25 Schumann
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 407, Zeilen: 24-32
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 92, Zeilen: 22-32
Er ging in seiner Psychologie des Hochstaplers (1923) vielmehr der Tat selbst und der Kreativität des Täters nach und versuchte den Trieb zu ergründen, aus dem heraus ein „schöpferischer“ Mensch wie Voigt einen solch eklatanten Betrug begehen konnte:
Jedenfalls erkennt man, daß hier ein Schöpferwille und ein Schöpfergedanke im Spiel gewesen sind, deren Wiege das Zuchthaus war. Man könnte dazu neigen, den Schöpfer, den Gestalter der Köpenickiade auf eine gewisse epische oder dramatische Dichtergabe hin anzusprechen. Es gibt latente Dichterkräfte, die sich niemals in Verse oder Prosa ergießen, weil eine Hemmung den Weg zur [äußeren Form nicht finden läßt.[...]140

140 Wulffen, Psychologie des Hochstaplers, S. 32.]

Wulffen versucht den Trieb zu ergründen, aus dem heraus ein "schöpferischer” Mensch wie Voigt einen solch eklatanten Betrug begehen konnte.
Jedenfalls erkennt man, daß hier ein Schöpferwille und ein Schöpfergedanke im Spiel gewesen sind, deren Wiege das Zuchthaus war. Man könnte dazu neigen, den Schöpfer, den Gestalter der Köpenickiade auf eine gewisse epische oder dramatische Dichtergabe hin anzusprechen. Es gibt latente Dichterkräfte, die sich niemals in Verse oder Prosa ergießen, weil eine Hemmung den Weg der äußeren Form nicht finden läßt.[...] (224)

224 Ebd., S. 32.

Anmerkungen

Übernahme der Einschätzung Claßens samt Zitatauswahl.

Sichter
Agrippina1

[14.] Ts/Fragment 408 16 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2014-09-19 14:25:41 Schumann
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 408, Zeilen: 16-35
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 87, 90, Zeilen: 87: 7-15; 90: 21-37
In Presse und Literatur kam es bis Ende 1906 zu einer Flut von Köpenick-Darstellungen, zumeist satirisch oder als Volksschwank angelegt. Auffallend war die vorwiegend lyrische und dramatische Aufarbeitung der Thematik. In der Tagespresse erschienen Verse, Gedichte, Lieder und Moritaten über den vorgetäuschten Hauptmann. So brachte die Vossische Zeitung am 18. Oktober 1906 ein neunstrophiges Gedicht Der Hauptmann kommt „frei nach Detlev von Liliencron“ (Verfasser R. Rt.). In der vorletzten Strophe steht die Dreistigkeit des Hauptmanns, in der letzten die passive Dummheit der Wachmannschaften im Mittelpunkt:
„Glück auf zur Fahrt!“, der Hauptmann lacht,
„’nem Hauptmann wird’s doch leicht gemacht!“
Dann lenkt’ er stolz zur Bahn den Schritt,
Des Städtchens Kasse, die geht mit,
und weg sind die Moneten.
Die Krieger aber Mann für Mann,
Die haben ihre Pflicht getan,
Sie standen Wache treu und fest.
Und hätt’ man sie nicht abgelöst,
Sie ständen dort noch heute.
[Seite 87]

In Presse und Literatur kommt es bis Ende 1906 zu einer Flut von Köpenick-Darstellungen, die zumeist satirisch oder als Volksschwank angelegt sind. Auffallend ist die vorwiegend lyrische und dramatische Aufarbeitung der Thematik. In der Tagespresse erscheinen Verse, Gedichte, Lieder und Moritaten über den vorgetäuschten Hauptmann, der sich den entscheidenden Respekt verschafft, um mühelos im Beisein von Militär, Polizei und Bürgermeister die Stadtkasse mit 4000 Mark beschlagnahmen zu können.

[Seite 90]

Neben einem genauen Bericht über die Einzelheiten aus Köpenick bringt die "Vossische Zeitung" am 18.10.1906 ein neunstrophiges Gedicht "frei nach Detlev von Liliencron". Der Verfasser von Der Hauptmann kommt mit dem Kürzel R.Rt. konnte nicht ermittelt werden. In der vorletzten Strophe steht die Dreistigkeit des Hauptmanns, in der letzten die passive Dummheit der Wachmannschaften im Mittelpunkt:

"Glück auf zur Fahrt!", der Hauptmann lacht,
"'nem Hauptmann wird's doch leicht gemacht!"
Dann lenkt' er stolz zur Bahn den Schritt,
Des Städtchens Kasse, die geht mit,
und weg sind die Moneten.
Die Krieger aber Mann für Mann,
Die haben ihre Pflicht getan.
Sie standen Wache treu und fest,
Und hätt' man sie nicht abgelöst,
Sie ständen dort noch heute.
Anmerkungen

Weitgehend wörtliche Übernahme der Ausführungen Claßens samt Auswahl des Primärzitats.

Sichter
Agrippina1

[15.] Ts/Fragment 409 08 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2014-10-07 23:14:33 Schumann
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 409, Zeilen: 8-15
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 91, Zeilen: 1-7
Es leuchtet ein, dass sich Wilhelm Voigt, vielleicht nicht ganz von sich aus, zu einer eigenen Darstellung entschloss. Gemeinsam mit dem Kriminalschriftsteller Hans Hyan veröffentlichte er 1909 sein „Lebensbild“: Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde.142 Auf rund 150 Seiten schilderte er sein jämmerliches Schicksal, die traurige Kindheit in Tilsit, die verzweifelten Versuche, in der Gesellschaft Fuss zu fassen, die durch seine angeblichen Vorstrafen vereitelt werden, und natürlich den Uniformtrick von Köpenick.

142 Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde, Mein Lebensbild/Von Wilhelm Voigt, genannt Hauptmann von Köpenick, Mit einem Vorwort v. Hans Hyan, Leipzig/Berlin: Püttmann 1909. Nachdrucke in verschiedenen Verlagen 1931, (hrsg. v. Reinhard Lehmann, Berlin: Eulenspiegel) 1986, 2006.

Er entschließt sich 1908 zu einer eigenen Darstellung und verfaßt gemeinsam mit dem Kriminalschriftsteller Hans Hyan sein "Lebensbild": Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde.(219) Auf rund 150 Seiten schildert er sein jämmerliches Schicksal; seine verzweifelten Versuche, in der Gesellschaft Fuß zu fassen, die durch seine angeblichen Vorstrafen vereitelt werden, und natürlich den Uniformtrick von Köpenick.

219 Wilhelm Voigt: Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde. Mein Lebensbild. Leipzig/Stuttgart 1909.

Anmerkungen

Weitgehende Übernahme der Ausführungen Claßens.

Sichter
Schumann

[16.] Ts/Fragment 409 108 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2015-06-29 17:43:06 Stratumlucidum
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 409, Zeilen: 108-111
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 93, Zeilen: 101-108
[...]

143 Die meisten seiner Bücher sind (derzeit) leider nicht greifbar, so: Erinnerungen Deutscher Kriminalisten, Bd. 1, Auf Leben und Tod, Leipzig 1923; Georges Manolescu − Der Fürst der Diebe und seine Liebe, Berlin 1907; Peter Kürten: Sexualmörder in Düsseldorf, Berlin 1929.

[...]

226 Leider sind die meisten Schriften Hyans in der Bundesrepublik nicht mehr vorhanden. Das gilt für folgende Titel: Erinnerungen Deutscher Kriminalisten. Bd. 1. Auf Leben und Tod. Leipzig 1923. Auch das Buch über Georges Manolescu - Der Fürst der Diebe und seine Liebe. Berlin 1907 kann nicht nachgewiesen werden, ebensowenig die Schrift über Peter Kürten: Sexualmörder in Düsseldorf. Berlin 1929.

Anmerkungen

Während eine solche Information über die Verfügbarkeit der Werke des Autors Hans Hyan in Zeiten von Zettelkatalogen (1988) relevant und – ob ihrer sachlichen Falschheit – erklärbar gewesen sein mag, ist sie heute nur noch obskur. Da sie inhaltlich nicht erklärbar ist, bleibt nur die Schlussfolgerung, dass der Text aus der Quelle ohne Prüfung übernommen wurde.

Der entsprechende Bd. 1 (Auf Leben und Tod) ist u.a. in Frankfurt a.M. [1] nachgewiesen, Der Fürst der Diebe und seine Liebe ist in Berlin [2] vorhanden, Sexualmörder in Düsseldorf in Hamburg [3].

Dem Verf. ist bei der Übernahme auch entgangen, dass in der letztgenannten Publikation "Peter Kürten:" nicht Teil des Titels ist. Ebenso fehlerhaft ("Georges Manolescu −") fällt die Titelaufnahme bei der zweitgenannten aus.

Sichter
(fret) Stratumlucidum

[17.] Ts/Fragment 411 27 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2015-02-22 19:39:09 Schumann
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 411, Zeilen: 27-28
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 130, Zeilen: 2-5
Als Schlüsselerlebnis für seine „Karriere“ nennt er später die Bekanntschaft mit einem Baron von Lüderitz, der mit Horoskopen [Schwindel betreibt.] Als Schlüsselerlebnis für seine spätere Adelskarriere bezeichnet Domela seine Bekanntschaft mit einem Baron von Lüderitz, einem ungefährlichen Irren, der mit Horoskopen plumpen Schwindel betreibt.
Anmerkungen

Die Übernahme setzt sich auf der nächsten Seite fort, siehe Fragment 412 01.

Sichter
Schumann

[18.] Ts/Fragment 412 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2015-02-22 19:28:16 Schumann
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 412, Zeilen: 1-6
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 130, Zeilen: 2-5, 8-14, 17
[Als Schlüsselerlebnis für seine „Karriere“ nennt er später die Bekanntschaft mit einem Baron von Lüderitz, der mit Horoskopen] Schwindel betreibt. Domela probiert es auch als Graf, der für gute Zwecke Spenden sammelt. Der Versuch fliegt auf. Dann erhält er als verarmter „Graf von Pahlen“ Unterstützung von Berühmtheiten wie dem Philosophen Graf Keyserling und dem Hofmarschall Graf von Hardenberg, fällt aber der Polizei in die Hände. Er legt sich den Baronstitel zu und wird erneut verurteilt. Als Schlüsselerlebnis für seine spätere Adelskarriere bezeichnet Domela seine Bekanntschaft mit einem Baron von Lüderitz, einem ungefährlichen Irren, der mit Horoskopen plumpen Schwindel betreibt. [...] Doch Domelas erster Auftritt als Graf, der für gute Zwecke Spenden sammelt, endet im Gefängnis. In Darmstadt erlangt er als verarmter "Graf von Pahlen” von Berühmtheiten wie dem Philosophen Graf Keyserling und dem Hofmarschall Graf von Hardenberg Unterstützung, fällt aber der Polizei wieder in die Hände, da er sich nicht ausweisen kann. In Frankfurt legt er sich den Baronstitel zu, [...] und wird wieder verurteilt.
Anmerkungen

Kürzende Wiedergabe der Ausführungen Claßens.

Sichter
Schumann

[19.] Ts/Fragment 412 15 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2015-07-02 08:57:04 Stratumlucidum
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 412, Zeilen: 15-26
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 130; 131; 132, Zeilen: 130: 35; 131: 1-9; 132: 7-10, 12-14
Diese Rolle gefällt und schmeichelt ihm, und er hilft den Gerüchten etwas nach:151 „Alles fiel von mir ab, was ich von dem harmlosen Harry Domela an mir hatte. Ich meinte, es wüchse mir eine ganz neue Haut. Ich fühlte mich so isoliert, so groß, und glaubte, über allem, was da an Menschzeug herumkroch, einherzugehen. So war ich Prinz, jeder Zoll ein Fürst, und gab mich mit einer mich selbst verblüffenden Selbstverständlichkeit.“

Als Domela aufgrund der Pressemeldungen mit einer baldigen Entlarvung rechnen muss, beschliesst er im Januar 1927, sich bei der Fremdenlegion zu melden. Doch vor der Abfahrt des Zugs nach Frankreich wird er im besetzten Koblenz von deutschen Kriminalbeamten festgenommen.


[151 Der falsche Prinz, Leben und Abenteuer von Harry Domela, S. 162 f.]

[Seite 130]

Da ihm diese extravagante Rolle

[Seite 131]

sehr schmeichelt, hilft er den Gerüchten um ihn mit einigen Tricks etwas nach.

Alles fiel von mir ab, was ich von dem harmlosen Harry Domela an mir hatte. Ich meinte, es wüchse mir eine ganz neue Haut. Ich fühlte mich so isoliert, so groß, und glaubte, über allem, was da an Menschzeug herumkroch, einherzugehen. So war ich Prinz, jeder Zoll ein Fürst, und gab mich mit einer mich selbst verblüffenden Selbstverständlichkeit.(333)

[Seite 132]

[...] Als er aufgrund der Presseberichterstattung über thüringische Grenzen hinaus mit einer baldigen Entlarvung rechnen muß, beschließt er im Januar 1927, sich für fünf Jahre zur Fremdenlegion zu melden. [In der Fremdenlegion hat er wenigstens die Möglichkeit, ohne deutschen Paß ins Ausland zu gelangen.] Doch vor der Abfahrt des Zuges nach Frankreich wird er im besetzten Koblenz von deutschen Kriminalbeamten festgenommen.


[333 Ebd. [= Harry Domela: Der falsche Prinz. Leben und Abenteuer. Im Gefängnis zu Köln von ihm selbst geschrieben Januar bis Juni 1927. Berlin 1927], S. 202.]

Anmerkungen

Der Verf. übernimmt Ausführungen Claßens (inkl. Zitatauswahl in gleicher Abgrenzung), ohne auf sie zu verweisen.

Man beachte auch, dass sowohl im Original von Der falsche Prinz (1927) auf S. 202 als auch in einer Ausgabe von 2012 von "Menschenzeug" und nicht "Menschzeug" die Rede ist. Dies dürfte daher bei der (nicht konkret angegebenen) Ausgabe, die der Verf. verwendet, auch nicht anders sein; offenbar kopiert er also diesen Fehler von Claßen (1988).

Sichter
(fret) Stratumlucidum

[20.] Ts/Fragment 413 15 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2014-10-07 23:17:18 Schumann
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 413, Zeilen: 15-21
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 133, Zeilen: 6-14
Domela erzählte seinem Pflichtverteidiger, dem Kölner Rechtsanwalt F. von der Heyden, seine Lebensgeschichte und beauftragte ihn in einer notariellen Ermächtigungs-Erklärung am 4. Juli 1927, die Memoiren einem Verlag „zur Ausbeutung“ anzubieten.154 Von der Heyden wandte sich unter anderem auch an den Malik-Verlag. Dieser zeigte grosses Interesse, unterzeichnete einen Vertrag und zahlte Domela einen Vorschuss von 25.000 Mark.155

154 Vgl. ebd., Anhang S. 315.
155 Vgl. Larsen, Hochstapler, S. 130.

Seinem Pflichtverteidiger, dem Kölner Rechtsanwalt F. v. d. Heyden, erzählt er seine Lebensgeschichte mündlich und beauftragt ihn in einer notariellen Ermächtigungs-Erklärung am 4. Juli 1927, die Memoiren einem Verlag "zur Ausbeutung" anzubieten.(341) Der Anwalt wendet sich unter anderem auch an den 1916 von Wieland Herzfelde gegründeten Malik-Verlag in Berlin. Dieser zeigt großes Interesse, unterzeichnet einen Vertrag und zahlt Domela einen Vorschuß von 25.000 Mark für das Buch.(342)

341 Vgl. Der falsche Prinz. Leben und Abenteuer von Harry Domela. Mit einem Nachwort von Wieland Herzfelde. Königstein/Ts. 1979. /Athenäum-Verlag/ Anhang S. 315.
342 Vgl. Larsen: Hochstapler, S. 130.

Anmerkungen

Übernahme der Ausführungen Claßens.

Sichter
Schumann

[21.] Ts/Fragment 415 09 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2014-09-19 13:08:46 Schumann
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 415, Zeilen: 9-21
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 131, Zeilen: 22-39
Als Domela seine Tage als „Gaststar“ gezählt sieht, beschliesst er, das fürstliche Leben doch weiter zu geniessen:161 „Mit der Größe der Gefahr stieg der Anreiz, meine Rolle bis zur letzten Konsequenz durchzuspielen, ins Unerträgliche. Es prickelte mir in den Fingerspitzen, denen da drinnen eine Lektion zu erteilen, über die alle Welt lachen sollte.“ Im Gegensatz zu anderen Hochstaplern entwickeln Domela/Herzfelde eine tiefe Abneigung gegen die Gesellschaftsschicht, in der der Held schmarotzt:162 „Eine Wut überkam mich auf diese ganze befrackte und ordengeschmückte Gesellschaft deutscher Edelinge.“ „Und diese Leute hatten die Anmaßung, ein Sechzig-Millionen-Volk zu beherrschen?! Statt heilfroh zu sein, daß das so schwer geschlagene Volk sie noch immer nicht zur Rechenschaft zog für jahrzehntelange Bedrückung und geistige Abwürgung!“

161 Ebd., S. 239.
162 Ebd., S. 272, 275.

Da aber bereits die Presse in allen deutschen Großstädten über den vermeintlichen Hohenzollernprinz berichtet, sieht Domela seine Tage als "Gaststar" gezählt und beschließt, sich mit Don Quichote vergleichend(336), das fürstliche Leben weiter zu genießen.
Mit der Größe der Gefahr stieg der Anreiz, meine Rolle bis zur letzten Konsequenz durchzuspielen, ins Unerträgliche. Es prickelte mir in den Fingerspitzen, denen da drinnen eine Lektion zu erteilen, über die alle Welt lachen sollte.(337)

Im Gegensatz zu anderen Hochstaplern wie Manolescu oder Strassnoff entwickelt Harry Domela in seinem Debüt als Prinz eine tiefe Abneigung und beißenden Haß auf die Gesellschaftsschicht, in der er es sich Wohlergehen läßt.

Eine Wut überkam mich auf diese ganze befrackte und ordengeschmückte Gesellschaft deutscher Edelinge.(338) Und diese Leute hatten die Anmaßung, ein Sechzig-Millionen- Volk zu beherrschen?! Statt heilfroh zu sein, daß [das so schwer geschlagene Volk sie noch immer nicht zur Rechenschaft zog für jahrzehntelange Bedrückung und geistige Abwürgung!(339)]

(336) Vgl. ebd., S. 239.

(337) Ebd.

(338) Ebd..

(339) Ebd., S. 275

Anmerkungen

Übernahme der Ausführungen, Zitate und Verweise Claßens mit nur leichten Abwandlungen.

Sichter
Agrippina1

[22.] Ts/Fragment 416 16 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2015-07-08 08:41:32 Stratumlucidum
BauernOpfer, Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 416, Zeilen: 16-23, 109-112
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 114; 115, Zeilen: 114: 19-28, 104-109; 115: 1-4
Der Hochstapler Ignatz Strassnoff[, ein verkrachter ungarischer Beamtensohn,] spielte erfolgreich verschiedene Würdenträger.166 Ungefähr im selben Zeitraum wie Manolescu trat er als Minister, Geistlicher, Diplomat und Offizier auf. Den ersten Diebstahl beging er 1886 mit 18 Jahren. Von da an lebte er ausschliesslich von Diebereien, Betrug, Veruntreuung, Fälschung und Namensschwindel. 1895 machte er sich den auch in der Doppelmonarchie verbreiteten Respekt vor dem Militär zunutze: In einer erschwindelten Husarenoffiziersuniform bestellte er als Ladi-[laus [sic] Inezedy 12.000 Pferdehalfter und kassierte die Provision ein.]

166 Vgl. Der Pitaval der Gegenwart, Almanach interessanter Straffälle, hrsg. v. Reinhard von Frank/Gustav Roscher/Heinrich Schmidt, Bd. 1 [Leipzig 1904], Tübingen 1908, S. 71–86; Wulffen, Gauner und Verbrecher-Typen, S. 205 f.; Wulffen, Psychologie des Hochstaplers, S. 39 ff.; [Wulffen, Psychologie des Verbrechers, Bd. 2, S. 315 ff.; Classen, Darstellung von Kriminalität in der deutschen Literatur, S. 114 ff.]

[Seite 114]

In ähnlicher Manier, wie Georges Maolescu in Adelsrollen schlüpft, spielt der ungarische Hochstapler Ignatz Strassnoff(302) "erfolgreich" verschiedene Würdenträger. Ungefähr im gleichen Zeitraum wie Manolescu tritt er als Minister, Geistlicher, Diplomat und Offizier auf. Den ersten Diebstahl begeht er bereits 1886 im Alter von 18 Jahren, danach lebt er ausschließlich von Diebereien, Betrug, Veruntreuung, Fälschung und vor allem Namensschwindel. 1895, elf Jahre vor dem aufsehenerregenden Uniformbetrug des Hauptmanns von Köpenick, macht Ignatz Strassnoff sich den auch in der Doppelmonarchie


302 Zur Fallgeschichte vgl. Der Pitaval der Gegenwart. Almanach interessanter Straffälle. Hg. von R. Frank, G. Roscher, H. Schmidt. 1. Bd. [Leipzig 1904]. Tübingen 1908, S. 71-86. Auch bei Wulffen: Gauner und Verbrecher-Typen, S. 205f. Und ders.: Psychologie des Hochstaplers, S. 39ff.

[Seite 115]

verbreiteten Respekt vor dem Militär zunutze: in einer erschwindelten Husarenoffiziersuniform bestellt er als Ladilaus [sic] Inezedy 12.000 Pferdehalfter und kassiert die Provision ein, wird jedoch einen Tag später verhaftet.

Anmerkungen

Zwar wird Claßen (1988) erwähnt, jedoch nur an letzter Stelle.

Die von ihr angeführten Referenzen übernimmt der Verf. vollständig; die wörtlichen Entlehnungen werden nicht kenntlich gemacht.

Fortsetzung auf der nächsten Seite.

Sichter
(fret) Stratumlucidum

[23.] Ts/Fragment 417 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2015-07-07 21:02:40 Stratumlucidum
BauernOpfer, Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 417, Zeilen: 1-5, 7-16, 19-25, 27-33
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 115; 116; 119, Zeilen: 115: 1-7, 14-24, 31-36; 116: 1-4; 119: 1-9
[In einer erschwindelten Husarenoffiziersuniform bestellte er als Ladi-]laus [sic] Inezedy 12.000 Pferdehalfter und kassierte die Provision ein. Am folgenden Tag wurde er verhaftet. Von da an war Strassnoff nach jeder Entlassung aus dem Zuchthaus sogleich wieder hochstaplerisch aktiv, als Seelsorger, königlicher Rat oder Militärattaché. Er schien an dem betrügerischen Rollenspiel grosses Gefallen zu finden. [...]

Seinen dreistesten und vielleicht deshalb auch berühmtesten Auftritt hatte Strassnoff als K.u.K. [sic] Ministerialrat Geza Vertessy bei Seiner Exzellenz dem Bischof von Neutra. Den Decknamen hatte er aus einem Adressbuch gewählt. Als er jedoch bei dem Bischof zu Besuch war, stellte sich heraus, dass er ausgerechnet den Namen von dessen Neffen übernommen hatte. Er spielte nun die Neffenrolle so perfekt, dass der Bischof keinerlei Verdacht schöpfte, sondern seinem falschen Neffen eine beträchtliche Summe lieh. Selbst in einem späteren polizeilichen Protokoll gab der Geistliche an, dass sein Neffe bei ihm gewesen sei, kein Hochstapler.

[Erich Wulffen hat diese Episode in seinen Kriminalroman Der Mann mit den sieben Masken eingeflochten.168 Auf ihn wurde schon im Zusammenhang mit Georges Manolescu eingegangen.] An dieser Stelle zu ergänzen ist, dass als Rahmenhandlung auch einige Abenteuer Strassnoffs dienen. Wulffens Hochstaplerfigur Niklas Györki tritt als Ministerialrat Bela Teleki auf und wird − wie Strassnoff beim Bischof von Neutra − bei einem Besuch bei Graf Zoltan Barthyany von diesem als Neffe erkannt. Teleki sprengt wie schon Strassnoff die Bank und betrügt den angeblichen Onkel um 25.000 Kronen.

[Der Jurist Fritz Friedmann hat wohl als erster die Lebensgeschichte von Ignatz Strassnoff literarisch verarbeitet.169] 1906 erscheint in der Berliner Reihe Kriminal Bibliothek Continent als dritter Band Friedmanns Kriminalroman Ilonka. Er spielt im Artistenmilieu und handelt von der Trapezkünstlerin Ilonka Gradizza, die ihrem Geliebten, dem Ungarn Ladislaus Berenyi alias Lajos Baron Terödy, einem skrupellosen Hochstapler und Spieler, verfallen ist. Berenyi lebt vom Geld des wohlhabenden Variété- [sic] und Zirkusdirektors Wulko Hübner, dessen unehelicher [Sohn er ist.]


[168 Vgl. Claßen, Darstellung von Kriminalität in der deutschen Literatur, S. 115 ff., welche Textstellen aus Wulffens Roman und der Pitaval-Falldarstellung von 1908 gegenüberstellt.
169 Vgl. Claßen, Darstellung von Kriminalität in der deutschen Literatur, S. 118 ff.]

[Seite 115]

[...] in einer erschwindelten Husarenoffiziersuniform bestellt er als Ladilaus [sic] Inezedy 12.000 Pferdehalfter und kassiert die Provision ein, wird jedoch einen Tag später verhaftet. Von diesem Zeitpunkt an ist Strassnoff nach jeder Entlassung aus dem Zuchthaus umgehend als Hochstapler tätig; er scheint äußersten Gefallen an dem Rollenspiel zu finden. Der Gewinn seiner Betrugsmanöver steht jedoch in keiner Relation zu dem Aufwand, den er betreibt, um als Seelsorger, königlicher Rat oder Militärattaché glaubhaft zu wirken. [...]

Seinen wohl berühmtesten und dreistesten Auftritt hat Ignatz Strassnoff als K.u.K. [sic] Ministerialrat Geza Vertessy bei Seiner Exzellenz dem Bischof von Neutra. Den Decknamen wählt Strassnoff aus einem Adressbuch. Als er jedoch beim Bischof zu Besuch weilt, muß er feststellen, daß er ausgerechnet den Namen von dessen Neffen übernommen hat. Seine Neffenrolle spielt er so perfekt, daß der Bischof keinerlei Verdacht schöpft, sondern dem angeblichen Neffen eine beträchtliche Summe leiht. Selbst in einem späteren polizeilichen Protokoll gibt der Bischof an, daß nur sein Neffe, Ministerialrat von Vertessy bei ihm gewesen sei, nicht aber ein Hochstapler. [...] [Diese Episode aus Strassnoffs Hochstapler-Leben wird von Erich Wulffen in den Kriminalroman Der Mann mit den sieben Masken eingeflochten, der sich bei genauer Analyse als Zusammenfassung aller von Wulffen bis zu diesem Zeitpunkt veröffentlichten Studien herausstellt.] Als Rahmenhandlung dienen einige Abenteuer des Hochstaplers Ignatz Strassnoff, die für die juristische Fachliteratur nach der Jahrhundertwende von großem Interesse sind.

Erich Wulffens literarische Hochstaplerfigur Niklas Györki tritt als Ministerialrat Bela Teleki auf und wird - wie

[Seite 116]

Strassnoff beim Bischof von Neutra - bei einem Besuch bei Graf Zoltan Barthyany von diesem als Neffe erkannt. Dieser Teleki sprengt wie sein Vorbild Strassnoff die Bank und betrügt den angeblichen Onkel um 25.000 Kronen.

[Seite 118]

[Außerdem muß Erich Wulffen den Kriminalroman Ilonka seines juristischen Kollegen Fritz Friedmann gekannt haben. Friedmann hat wohl als erster die Lebensgeschichte des Hochstaplers Strassnoff literarisch verarbeitet.]

[Seite 119]

1906 erscheint in der Berliner Reihe "Kriminal Bibliothek Continent" als dritter Band Friedmanns Kriminalroman Ilonka. Der zweihundertsiebzehn Seiten lange Roman spielt im Artistenmilieu und handelt von der Trapezkünstlerin Ilonka Gradizza, die ihrem Geliebten, dem Ungarn Ladislaus Berenyi alias Lajos Baron Terödy, einem skrupellosen Hochstapler und Spieler, verfallen und ausgeliefert ist. Berenyi lebt vom Geld des wohlhabenden Varieté- und Zirkusdirektors Wulko Hübner, dessen unehelicher Sohn er ist.

Anmerkungen

Fortsetzung von der Vorseite.

Übernahme der Ausführungen Claßens (1988); die sporadischen "Vgl."-Verweise machen deren Umfang und das Ausmaß der Wörtlichkeit jedoch nicht deutlich.

Zudem muss der Vorname des von Strassnoff benutzten Pseudonyms ganz offenbar Ladislaus ("Ladislaus Inezedy" heißt es bei Claßen auch auf S. 120) und nicht "Ladilaus" lauten; diesen Fehler kopiert der Verf. ebenso aus der Quelle wie die falsche Rechtschreibung "K.u.K.".

Sichter
(fret) Stratumlucidum

[24.] Ts/Fragment 418 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2014-09-19 13:10:38 Schumann
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 418, Zeilen: 1-33
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 119, 120, 121,122, Zeilen: -
[Berenyi lebt vom Geld des wohlhabenden Variété- und Zirkusdirektors Wulko Hübner, dessen unehelicher] Sohn er ist. Nach einem Auftritt Ilonkas in Hübners Variété ermordet Berenyi seinen Stiefvater, um an die Erbschaft zu gelangen. Als Mörder wird jedoch der Variétégehilfe Lorenz Wild verurteilt. Verschiedene Helfer, darunter der berühmteste Detektiv Londons, „Borsten-Natty“, tragen schliesslich zur Aufklärung des Falls bei. Ilonka und ihr Geliebter werden gefunden. Bei einem Auftritt stürzt sie vom Trapez. Bevor sie stirbt, gesteht sie, dass Berenyi der Mörder ist. Dieser wird verurteilt, Wild freigelassen.

Interessant wird dieser tief vergessene Trivialroman dadurch, dass Friedmann bei zwei seiner Figuren auf die Lebensgeschichte von Ignatz Strassnoff zurückgreift. Ladislaus Berenyi trägt − ins Bösartige verzerrte − Züge Strassnoffs. Sein Namen gleicht zwei von dessen Decknamen: Ladislaus Inezedy und Alexander Bölönyi. Darüber hinaus hatte Strassnoff einen Bruder, der ein berühmter ungarischer Theaterdirektor, und einen, der Schauspieler war. Dem entsprechen im Roman der Zirkusdirektor und sein Mörders [sic] Berenyi. Ignatz Strassnoff hat tatsächlich eine Zeitlang auf Kosten seines Bruders gelebt, so wie Berenyi von Hübner.

Wulffen, der Friedmanns Roman gekannt haben muss, greift mehrere Elemente auf, etwa das Schauspielermilieu. Bereits auf den ersten Seiten wird erwähnt, die Familie des Hochstaplers Györki sei als eine der besten ungarischen Theater-Provinzialtruppen bekannt.170 Györki gibt sich unter anderem auch als Schauspieler des Hoftheaters aus, wo er angeblich die Rollen von Othello, Richard III. und Hamlet spielen soll − Stücke, die Wulffen kriminalliterarisch eingehend untersucht hat. Der Autor bezieht sich darüber hinaus auf alle von ihm erforschten Dichter wie Goethe, Nietzsche, Keller, Shakespeare, Karl May oder Friedrich Hebbel171 und lässt den Hochstapler Györki sagen, „daß im Verbrechen sich auch ein schriftstellerischer, ja dichterischer Trieb und Drang zu äußern vermöchten“.172 Das Geschehen wendet sich auch noch in die religiöse Sphäre: Györki tritt als Dominikanermönch Joseph Maria auf, der in aller Öffentlichkeit die Predigt hält und auch als Beichtvater tätig ist. Als Vorlage für diese Szene diente wohl Strassnoffs Auftritt als Seelsorger.


170 Wulffen, Der Mann mit den sieben Masken, S. 28 f.

171 Ebd., S. 135–141.

172 Wbd., S. 135,

172 Ebd., S. 135.

[S. 119, Z. 7-22]

Berenyi lebt vom Geld des wohlhabenden Varieté- und Zirkusdirektors Wulko Hübner, dessen unehelicher Sohn er ist. Nach einem Auftritt Ilonkas in Hübners Variete ermordet Berenyi seinen Stiefvater, um an die Erbschaft zu gelangen. Als Mörder wird jedoch der Varietégehilfe Lorenz Wild verurteilt, der den Toten findet und ihm Geld entwendet. Die Schwester und der Verteidiger des Verurteilten sowie gut gesinnte Helfer, darunter der berühmteste Detektiv Londons, "Borsten-Natty", und die ältliche Cousine Hübners, Alwine Tiburtius, tragen schließlich zur gerechten Aufklärung des Falles bei. Nach turbulenten Reisen durch Afrika und Amerika können Ilonka und ihr betrügerischer Geliebter ausfindig gemacht werden. Doch bei einem Auftritt stürzt Ilonka vom Trapez. Bevor sie stirbt, gesteht sie, daß Berenyi der Mörder ist. Dieser wird verurteilt; Lorenz Wild kann wieder freigelassen werden.

[S. 120, Z. 16-39]

Interessant wird der Kriminalroman dadurch, daß Friedmann bei zwei seiner Figuren auf die Lebensgeschichte des ungarischen Hochstaplers Ignatz Strassnoff zurückgegriffen hat. Der Hochstapler und Mörder Ladislaus Berenyi trägt Züge des Strassnoff, die aber ins Bösartige und Grausame verzerrt sind. Auffallend ist die Ähnlichkeit des Namens Ladislaus Berenyi mit zwei von Ignatz Strassnoff in Wirklichkeit benutzten Decknamen: Ladislaus Inezedy und Alexander Bölönvi. Darüber hinaus hat Strassnoff mehrere Brüder, von denen einer ein berühmter ungarischer Theaterdirektor, ein anderer Schauspieler ist. [...]

Tatsächlich hat Ignatz Strassnoff eine Zeit lang auf Kosten seines Bruders gelebt, so wie Berenyi von Hübner. [...] Wulffen nimmt entscheidende Aspekte seines "Vorgängers" auf; so zum Beispiel die Verlagerung der Thematik in das Schauspielermilieu. [...]

[S. 121, Z. 1-3]

[Bereits auf den ersten Seiten findet ein ] Gespräch über die Familie des Hochstaplers Györki statt, die als eine der besten ungarischen Theater-Provinzialtruppen bekannt ist. (312) [...]

[S. 121, Z. 10-25]

Györki gibt sich unter anderem auch als Schauspieler des Hoftheaters aus, wo er angeblich die Rollen von "Othello", "Richard III." und "Hamlet" spielen soll. 1911 erscheint im Langenscheidt-Verlag Wulffens Studie über Shakespeares große Verbrecher. Richard III. - Macbeth - Othello. [...] So bezieht sich der Autor auf alle von ihm erforschten Dichterfiguren(313) wie Goethe, Nietzsche, Keller, Skakespeare, Karl May oder Friedrich Hebbel und läßt den Hochstapler Györki sagen

daß im Verbrechen sich auch ein schriftstellerischer, ja dichterischer Trieb und Drang zu äußern vermöchten(314)

[S. 122, Z. 2-10]

Trivial wirkt Wulffens Roman insbesondere durch die phantasievolle Wendung des Geschehens in eine religiöse Sphäre: Györki tritt als Dominikanermönch Joseph Maria auf, der in aller Öffentlichkeit die Predigt hält und auch als Beichtvater tätig ist. [...] Als Vorlage für diese Szene hat Strassnoffs Auftritt als Seelsorger gedient.

312 Vgl. Wulffen, S. 28f.

313 Vgl. Wulffen: Der Mann mit den sieben Masken, S. 135-141

314 Ebd., S. 135

Anmerkungen

Die Seite stellt eine massiv gekürzte Darstellung Claßens Analysen dar. An vielen Einzelformulierungen ist der Ursprung der Passage gut erkennbar. Auch die Verweise in den Fußnoten finden sich schon in der Quelle.

Sichter
Agrippina1

[25.] Ts/Fragment 419 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2015-08-02 14:08:31 Stratumlucidum
Claßen 1988, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 419, Zeilen: 1-28, 101-107
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 125; 126; 127; 128, Zeilen: 125: 1-4; 126: 1-9, 13-18, 24-30, 32-35, 101-103, 105; 127: 1-12, 101-102; 128: 5-6
[1926, kurz vor Domelas Falschem Prinzen, veröffentlichte Ignatz] Strassnoff [sic] im Berliner Verlag Die Schmiede seine Erinnerungen:173 Ich, der Hochstapler Ignatz Strassnoff [sic], mit einem Vorwort von Leo Lania (eigentlich Lazar Herrmann). Strassnoff [sic] hatte sie in der Haft geschrieben.174 In seiner Selbstdarstellung gab er an, er habe keine Betrügereien begangen, sondern lediglich Spässe gemacht. Überhaupt war das Ganze auf den Ton des Spasses gestellt; auch die Haft selbst. Mit gleich leichtem Sinn, wie er seine Hochstapeleien unternommen haben will, schien er die Strafen abzubüssen. Die Justiz wurde zur „lieben, guten Tante Justitia“.175

Strassnoff [sic] bemüht sich darum, seine schauspielerische Naturbegabung herauszustellen, und hält fest, seine Schrift sei gleichfalls eine Farce. Auch er macht Gesellschaft und Umwelt für seine Taten verantwortlich und stilisiert sich zum edlen Verbrecher: „Ich war Hochstapler aus Passion, und die ich brandschatzte, waren nicht nur die reichsten, sondern auch die übelsten Persönlichkeiten des alten Österreich.“176 [Von Reue keine Spur.] Zwar gibt der Autor am Ende seinen Entschluss bekannt, inskünftig nicht mehr als Hochstapler tätig sein zu wollen. Doch diese Aussage wird gleich wieder sarkastisch in Frage gestellt:177

Ich bin fest davon überzeugt, daß mich in dem Bestreben, mir das Geld zum Aufbau einer neuen Existenz zu verdienen, nicht nur die freundlichen Leser durch Verbreitung dieses Buches unterstützen werden, sondern daß auch alle die Herren Bischöfe, bei denen ich noch nicht meine Aufwartung gemacht habe, durch massenhaften Ankauf dieses Werkes und seine kostenlose Verteilung an alle Pfarrer und Seelsorger ihres Bistumes mir helfen werden: denn bei Gott! sie kommen so noch immer viel, viel billiger davon, als wenn ich wieder eines schönen Tages in Allerhöchstem Aufträge bei ihnen erscheine, um wichtige Angelegenheiten zu ordnen.

173 Ignatz Straßnoff: Ich, der Hochstapler Ignatz Straßnoff, Einleitung von L[eo] Lania (eigentlich Lazar Herman), Berlin: Die Schmiede 1926. Seine Memoiren sind noch einmal 1930 in der Serie Das Faltblatt.5. [sic] in Wien erschienen.

174 Ebd., S. 86.

175 Ebd., S. 209.

176 Ebd., S. 14.

177 Ebd., S. 279.

[Seite 125]

Im Verlag Die Schmiede erscheint 1926 die Autobiographie des in der Literatur als Heldenfigur so beliebten Hochstaplers Ignatz Strassnoff [sic] mit einem Vorwort von Leo Lania. Strassnoff [sic], der sich zur Zeit der Niederschrift in Haft

[Seite 126]

befindet,(319) hält sich in seiner Selbstdarstellung an seine Devise, er begehe keine Betrügereien, sondern lediglich Späße. Mit der Leichtigkeit, mit der er die verschiedensten Betrüger-Rollen meisterhaft bewältigt, scheint er auch die Strafen abzubüßen. Die Justiz bezeichnet er als seine "liebe, gute Tante Justitia".(320) Er selber ist in der Autobiographie darum bemüht, seine schauspielerische Naturbegabung und Lebenskunst hervorzuheben - wie sein Leben ist auch die Schrift eine Farce, [...]

Strassnoff [sic] verharmlost seine Verbrechen ebenso wie Manolescu, Hau oder Voigt, indem er die Gesellschaft für sein wechselndes Rollenspiel verantwortlich macht. Als Strassnoff [sic] nach fast drei Jahren Haft als K.u.K. [sic] Husarenrittmeister in Meran wieder auftaucht, schiebt er die Schuld für diese Rolle seiner Umwelt zu, [...]:

[...]

Weiterhin behauptet er stolz im Rückblick auf seine Taten:

Ich war Hochstapler aus Passion, und die ich brandschatzte, waren nicht nur die reichsten, sondern auch die übelsten Persönlichkeiten des alten Österreich.(322)

Am Ende der fast 280 Seiten umfassenden Autobiographie äußert der Strafgefangene Strassnoff [sic] den Entschluß, zukünftig nicht mehr als Hochstapler tätig sein zu wollen. [...] Doch die letzten Sätze seiner Memoiren lassen aufgrund ihres sarkastischen Untertons Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieses Vorhabens aufkommen, denn der Autor stellt seinen Vorsatz selber wieder in Frage:

[Seite 127]

Ich bin fest davon überzeugt, daß mich in dem Bestreben, mir das Geld zum Aufbau einer neuen Existenz zu verdienen, nicht nur die freundlichen Leser durch Verbreitung dieses Buches unterstützen werden, sondern daß auch alle die Herren Bischöfe, bei denen ich noch nicht meine Aufwartung gemacht habe, durch massenhaften Ankauf dieses Werkes und seine kostenlose Verteilung an alle Pfarrer und Seelsorger ihres Bistumes mir helfen werden: denn bei Gott! sie kommen so noch immer viel, viel billiger davon, als wenn ich wieder eines schönen Tages in Allerhöchstem Aufträge bei ihnen erscheine, um wichtige Angelegenheiten zu ordnen.(323)

[ [...] Für diesen Zusammenhang spricht auch das Vorwort von Leo Lania,(324) der als Band 11 der oben genannten Reihe den "Hitler-Prozeß" bearbeiten sollte.]

[Seite 128]

Seine Memoiren sind noch einmal 1930 in der Serie Das Faltblatt.5. [sic] in Wien erschienen.


319 Vgl. Ignatz Strassnoff [sic]: Ich, der Hochstapler Ignatz Strassnoff [sic]. Berlin 1926, S. 86.

320 Vgl. ebd., S. 209.

[...]

322 Ebd., S. 14.

323 Ebd., S. 279.

324 Eigentlich: Lazar Herrmann.

Anmerkungen

Ohne Hinweis auf die eigentliche Quelle, aus der der Inhalt (teils gerafft bzw. leicht umformuliert) einschließlich Zitaten und Referenzen übernommen wird.

Dass Straßnoff (1926) dem Verf. nicht vorliegt, lässt sich im Vergleich mit dem Original an etlichen übernommenen Fehlern erkennen:

1. Auf S. 86 findet sich nicht der geringste Hinweis darauf, dass Straßnoff zur Zeit der Abfassung seines Werkes inhaftiert war.

2. Auf S. 209 ist der Wortlaut "meine liebe, einzige, gute Tante Justitia".

3. Das längere Zitat, das sich auf S. 279 befinden soll, beginnt bereits auf den letzten beiden Zeilen von S. 278. Außerdem fängt es mit "Ich bin fest überzeugt," an.

Auch die Tatsache, dass der Verf. in Fn. 173 kenntlich macht, dass Lanias Vorname im Original der Einleitung nicht ausgeschrieben wird, spricht nicht dafür, dass ihm dieses vorliegt: Dies lässt sich z.B. aus einem WorldCat-Datensatz erschließen.

In Anbetracht der uneinheitlichen Schreibungen der Namen Straßnoff und Her[r]man[n] sowie des wiederholten Hinweises darauf, dass letzterer Lanias eigentlicher Name war, scheint der Verf. bei der Erstellung des Textes mit wenig Sorgfalt vorgegangen zu sein.

Sichter
(Schumann) Stratumlucidum

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