Fandom

VroniPlag Wiki

Quelle:Ts/Leuscher 1990

< Quelle:Ts

31.377Seiten in
diesem Wiki
Seite hinzufügen
Diskussion0

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Udo Leuscher
Titel    "Entartung". Zur Genese eines fatalen Schlagworts
Jahr    1990
Anmerkung    Mit Vermerk: "(Aus: Udo Leuscher, "Entfremdung - Neurose - Ideologie", Bund-Verlag, Köln 1990, S. 108 - 116)". Verglichen wurde mit der Online-Version des Textes.
URL    https://web.archive.org/web/20100224212232/http://www.leuschner.business.t-online.de/nordau/entartung1.htm

Literaturverz.   

nein
Fußnoten    nein
Fragmente    3


Fragmente der Quelle:
[1.] Ts/Fragment 125 07 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2015-07-12 16:41:21 Schumann
Fragment, Gesichtet, Leuscher 1990, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 125, Zeilen: 7-17, 21, 115
Quelle: Leuscher 1990
Seite(n): Online-Quelle, Zeilen: –
Es herrschte vor der Jahrhundertwende eine bürgerliche Endzeitstimmung, eine unerklärliche „Nostalgie“, und das „Mal du siècle“ wurde epidemisch. Der Arzt und Schriftsteller Max Nordau (1849-1923)[, der seit 1880 in Paris lebte,45] fasste diese diffuse Weltschmerz-Stimmung als krankhafte „Entartung“ und breitete dies in einem ebenso betitelten Buch (1892/93) aus, das er Lombroso widmete. Wie dieser von der Schädelform auf den „geborenen Verbrecher“ schliessen zu können glaubte, versuchte Nordau aus der unregelmässigen Schädelform Paul Verlaines dessen „entartete“ Verse zu erklären.46 Nordau missfielen zahllose kulturelle Erscheinungen, und er verwies sie in den Zuständigkeitsbereich des Psychiaters.47 [Dabei war er kein einsamer Rufer in der Wüste, sondern befand sich auf dem Stand der zeitgenössischen psychophysiologischen Forschung, die sich zu dieser Zeit zentral mit den physiologischen Fundamenten von Wahrnehmungs- und Denkprozessen befasste.] Auch Entartung ist nach Art eines psychiatri-[sehen Lehrbuches aufgebaut und untermauert den Führungsanspruch des naturwissenschaftlichen Diskurses.]

[45 ...]

46 Max Nordau: Entartung, Berlin: Carl Duncker, Berlin o. J., Bd. 2, S. 229 ff.

[47 Volker Roelcke: Krankheit und Kulturkritik, Psychiatrische Gesellschaftsdeutungen im bürgerlichen Zeitalter (1790-1914), Frankfurt am Main: Campus 1999; Peter Weingart/Jürgen Kroll/Kurt Bayertz: Rasse, Blut und Gene, Geschichte der Eugenik und Rassenhygiene in Deutschland, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1988; Erwin Heinz Ackerknecht: Kurze Geschichte der Psychiatrie, 3. Aufl. Stuttgart: Ferdinand Enke 1985.]

Diffuse Weltschmerz-Stimmungen, eine unerklärliche "Nostalgie", machen sich breit. Das "Mal du siècle" nimmt epidemisches Ausmaß an. [...]

[...]

Nordau begreift diese Zeitstimmung als krankhafte "Entartung". Sein gleichnamiges Buch widmet er dem italienischen Irrenarzt Lombroso. Damit bringt er den Anspruch zum Ausdruck, die kulturellen Erscheinungen, die ihm mißfallen, in den Zuständigkeitsbereich des Psychiaters zu überweisen. Dieser Anspruch durchzieht sein Werk von der ersten bis zur letzten Seite. Nordau geht so weit, daß er aus der unregelmäßigen Schädelform des französischen Dichters Verlaine dessen "entartete" Verse zu erklären versucht (3). Genauso machte es der Irrenarzt Lombroso, wenn er von der Schädelform auf den "geborenen Verbrecher" schließen zu können glaubte.

Mit inquisitorischem Eifer verfolgt Nordau alles, was ihm als kultureller Auswuchs des nervös-entarteten Zeitgeistes erscheint. Die ersten Kapitel seines Werkes sind nach Art eines psychiatrischen Lehrbuches mit "Symptom", "Diagnose" und "Ätiologie" betitelt. Es folgt eine "Psychologie des Mystizismus".


3 Ebenda [= Max Nordau, Entartung, Verlag von Carl Duncker, Berlin o.J.], Band 1, S. 229ff

Anmerkungen

Ohne Hinweis auf die eigentliche (auch im gesamten Text nicht genannte) Quelle, die trotz Umstellungen und Einschüben als solche erkennbar bleibt.

Beim vorletzten Satz (nach Fn. 47), der nicht Teil dieses Fragments ist, gibt es wörtliche Übereinstimmungen mit einer – ebenfalls ungenannt bleibenden – IASL-Rezension von Caroline Pross (Zeichen der Zeit. Neue Forschungsbeiträge über den Schriftsteller und Kritiker Max Nordau) vom 17.07.2006: siehe Fragment 125 18. (Parallelen gibt es hier auch mit bibliografischen Angaben in Fn. 45.)

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[2.] Ts/Fragment 126 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2015-07-12 16:47:50 Schumann
Fragment, Gesichtet, Leuscher 1990, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 126, Zeilen: 1 ff. (kpl.)
Quelle: Leuscher 1990
Seite(n): Online-Quelle, Zeilen: –
[Auch Entartung ist nach Art eines psychiatri-]schen Lehrbuches aufgebaut und untermauert den Führungsanspruch des naturwissenschaftlichen Diskurses. Die ersten Kapitel tragen die Titel Symptom, Diagnose und Ätiologie. Es folgt eine Psychologie des Mystizismus. Den Rest des ersten Bandes bilden Fall-Schilderungen, wobei statt Patienten einzelne Richtungen der zeitgenössischen Kunst und deren Vertreter beschrieben werden. Es geht um die Präraffaeliten, die Symbolisten, den Tolstoismus und den Richard-Wagner-Dienst. Im zweiten Band folgen Kapitel wie Psychologie der Ich-Sucht, Dekadente und Ästheten, Der Ibsenismus, Friedrich Nietzsche und Zola und die Zolaschulen. Schlüssig schliesst das Werk mit zwei Kapiteln über Prognose und Therapie.

Nordau führt die „Entartung“ auf die Verstädterung zurück. Mit dem Wachstum der Grossstädte gehe die Vermehrung der Entarteten aller Art einher, nämlich die Verbrecher, die Wahnsinnigen und die kulturell-geistig Degenerierten. Letztere spielten im Geistesleben eine immer auffälligere Rolle und strebten danach, „in Kunst und Schrifttum immer mehr Wahnsinns-Elemente einzuführen“.48 Die „Ermüdung des gegenwärtig lebenden Geschlechts“ sei ausreichend, um „Hysterie und Neurasthenie“ zu erzeugen. Die Erschöpfung komme in der ersten Generation als erworbene, bei der zweiten als erbliche Massen-Hysterie zur Erscheinung. Eine Form dieser Massen-Hysterie seien die neuen ästhetischen Schulen und ihr Erfolg:49

In der gesitteten [sic] Welt herrscht unverkennbar eine Dämmerstimmung, welche sich unter anderem auch in allerlei seltsamen ästhetischen Moden ausdrückt. Alle diese neuen Richtungen, der Realismus oder Naturalismus, der Dekadentismus, der Neomystizismus und ihre Unterformen sind Kundgebungen der Entartung und Hysterie und mit deren klinisch beobachteten und unzweifelhaft festgestellten geistigen Stigmaten identisch. Entartung und Hysterie sind aber die Folge übermäßiger organischer Abnutzung, welche die Völker durch die riesenhaft gesteigerten Ansprüche an ihre Tätigkeit und durch das starke Anwachsen der Großstädte erlitten haben.

Während der biologisch-medizinische Begriff der Entartung seit dem Nationalsozialismus zum „Wörterbuch des Unmenschen“50 gehört, hat [jener der Dekadenz, der etwa dasselbe meinte, keine vergleichbare Diskreditierung erlebt.]


48 Nordau, Entartung, Bd. 1, S. 67.

49 Ebd., S. 79.

[50 Vgl. Dolf Sternberger/Gerhard Storz/W. E. Süskind: Aus dem Wörterbuch des Unmenschen, Hamburg: Claassen 1957; Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus, Berlin u.a.: de Gruyter 1998.]

Die ersten Kapitel seines Werkes sind nach Art eines psychiatrischen Lehrbuches mit "Symptom", "Diagnose" und "Ätiologie" betitelt. Es folgt eine "Psychologie des Mystizismus". Den Rest des ersten Bandes bilden Fall-Schilderungen, wobei die Stelle der Patienten einzelne Richtungen der zeitgenössischen Kunst und deren Vertreter einnehmen. Namentlich geht es um die "Präraffaeliten", die "Symbolisten", den "Tolstoismus" und den "Richard-Wagner-Dienst". Im zweiten Band geht es dann weiter mit Kapiteln wie "Psychologie der Ich-Sucht", "Dekadenten und Ästheten", "der Ibsenismus", "Friedrich Nietzsche" und "Zola und die Zolaschulen". Getreu dem psychiatrischen Vorbild schließt das Werk mit zwei Kapiteln über "Prognose" und "Therapie".

Nordau führt die Nervosität bzw. "Entartung" auf die Verstädterung zurück[, die den Menschen immer mehr nötige, in dem "Sumpf" der Großstädte zu leben: [...] ] Mit dem Wachstum der Großstädte gehe einher die Vermehrung der Entarteten aller Art. Neben Verbrechern und Wahnsinnigen vermehrten sich die kulturell-geistig Degenerierten. Daher komme es, "daß diese letzteren im Geistesleben eine immer auffälligere Rolle spielen, in Kunst und Schrifttum immer mehr Wahnsinns-Elemente einzuführen streben". (4)

Als noch allgemeinere Ursache nennt Nordau die "Ermüdung des gegenwärtig lebenden Geschlechts". [...] Sicher sei sie aber vollständig ausreichend, um "Hysterie und Neurasthenie" zu erzeugen. [...] Die dadurch bewirkte Erschöpfung komme in der ersten Generation als erworbene, bei der zweiten als erbliche Massen-Hysterie zur Erscheinung. Eine Form dieser Massen-Hysterie seien die neuen ästhetischen Schulen und ihr Erfolg:

"In der gesittenen Welt herrscht unverkennbar eine Dämmerstimmung, welche sich unter anderem auch in allerlei seltsamen ästhetischen Moden ausdrückt. Alle diese neuen Richtungen, der Realismus oder Naturalismus, der Dekadentismus, der Neomystizismus und ihre Unterformen sind Kundgebungen der Entartung und Hysterie und mit deren klinisch beobachteten und unzweifelhaft festgestellten geistigen Stigmaten identisch. Entartung und Hysterie sind aber die Folge übermäßiger organischer Abnutzung, welche die Völker durch die riesenhaft gesteigerten Ansprüche an ihre Tätigkeit und durch das starke Anwachsen der Großstädte erlitten haben."

[...]

[...] Der Begriff "Entartung" [...] gehört seit dem Nationalsozialismus zum "Wörterbuch des Unmenschen".

[...] Es wäre eine eigene Untersuchung wert, wieweit der Begriff der "Entartung", mit dem er den wissenschaftlichen Anspruch seiner Sichtweise zu unterstützen versuchte, nicht überhaupt erst durch sein Buch eingeführt und propagiert worden ist. Bezeichnenderweise hat der Begriff der "Dekadenz", der im Grunde dasselbe meinte und etwa zur selben Zeit aus dem Französischen ins Deutsche übernommen wurde, keine vergleichbare Diskreditierung erlebt.


4 Ebenda, Band 1, S. 65 und 67

Anmerkungen

Fortsetzung von der Vorseite: siehe Fragment 125 07.

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle. Der Inhalt der gesamten Seite inkl. des Blockzitats wird (gegen Ende stärker gerafft) übernommen.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[3.] Ts/Fragment 127 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2015-07-12 16:52:42 Schumann
Fragment, Gesichtet, Leuscher 1990, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 127, Zeilen: 1-2
Quelle: Leuscher 1990
Seite(n): Online-Quelle, Zeilen: –
[Während der biologisch-medizinische Begriff der Entartung seit dem Nationalsozialismus zum „Wörterbuch des Unmenschen“50 gehört, hat] jener der Dekadenz, der etwa dasselbe meinte, keine vergleichbare Diskreditierung erlebt. Dem jüdischen Autor Nordau (der mit bürgerlichem Namen Südfeld hiess) lag es fern, seinen Entartungsbegriff völkisch oder rassisch zu verstehen.

[50 Vgl. Dolf Sternberger/Gerhard Storz/W. E. Süskind: Aus dem Wörterbuch des Unmenschen, Hamburg: Claassen 1957; Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus, Berlin u.a.: de Gruyter 1998.]

Der Begriff "Entartung" [...] gehört seit dem Nationalsozialismus zum "Wörterbuch des Unmenschen".

[...] Es wäre eine eigene Untersuchung wert, wieweit der Begriff der "Entartung", mit dem er den wissenschaftlichen Anspruch seiner Sichtweise zu unterstützen versuchte, nicht überhaupt erst durch sein Buch eingeführt und propagiert worden ist. Bezeichnenderweise hat der Begriff der "Dekadenz", der im Grunde dasselbe meinte und etwa zur selben Zeit aus dem Französischen ins Deutsche übernommen wurde, keine vergleichbare Diskreditierung erlebt.

[...] Zum einen lag es dem jüdischen Autor (der mit bürgerlichem Namen Südfeld hieß) reichlich fern, seinen "Entartungs"-Begriff völkisch oder rassisch zu verstehen.

Anmerkungen

Fortsetzung von der Vorseite und Abschluss der Übernahme.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

Auch bei Fandom

Zufälliges Wiki