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Quelle:Uo/Gunning 1995

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Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Tom Gunning
Titel    Vor dem Dokumentarfilm. Frühe non-fiction-Filme und die Ästhetik der »Ansicht«
Zeitschrift    KINtop - Jahrbuch zur Erforschung des frühen Films
Sammlung    Anfänge des dokumentarischen Films
Herausgeber    Frank Kessler, Sabine Lenk, Martin Loiperdinger
Ort    Basel, Frankfurt am Main
Verlag    Stroemfeld/Roter Stern
Jahr    1995
Nummer    4
Seiten    111-121
Anmerkung    Aus dem Englischen von Frank Kessler
ISBN    3-87877-784-1

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    ja
Fragmente    6


Fragmente der Quelle:
[1.] Uo/Fragment 022 06 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-08-18 13:16:18 Graf Isolan
Fragment, Gunning 1995, KeineWertung, SMWFragment, Schutzlevel, Uo, ZuSichten

Typus
KeineWertung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 22, Zeilen: 6-9
Quelle: Gunning 1995
Seite(n): 113, Zeilen: 3-6
Für John Grierson bedeutete die Veränderung von den frühen Formen des Non-fiction Films zum Dokumentarfilm einen Übergang „von einfachen oder phantasievollen Beschreibungen eines natürlichen Materials hin zu dessen Anordnung, Neuanordnung und kreativer Gestaltung“25.

25 Zit. n. Forsyth Hardy: Grierson on Documentary, London 1946. Dt. Ausgabe u. T.: Grierson und der Dokumentarfilm, Gütersloh 1947, S. 100.

Für Grierson bedeutete der Wechsel von diesen frühen Formen zum Dokumentarfilm im eigentlichen Sinn einen Übergang »von einfachen (oder phantasievollen) Beschreibungen eines natürlichen Materials hin zu dessen Anordnung, Neuanordnung und kreativer Gestaltung«.5

5 John Grierson, »First Principles of Documentary«, in Forsyth Hardy (Hg.), Grierson on Documentary, Harcourt, Brace and Co., New York, 1947, S. 100. Dieser Abschnitt beruht auf einem ursprünglich 1932 in Cinema Quarterly veröffentlichten Artikel. Für eine revisionistische Beurteilung Griersons vgl. Ian C. Jarvie und Nicholas Pronay (Hg.), John Grierson: A Critical Retrospective, Sondernummer des Historical Journal of Film, Radio and Television, vol. 9, no. 3, 1989.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme trotz fast identischer Einbettung.

Sichter
(Graf Isolan)

[2.] Uo/Fragment 022 25 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-13 23:05:04 Graf Isolan
Fragment, Gesichtet, Gunning 1995, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 22, Zeilen: 25-38
Quelle: Gunning 1995
Seite(n): 118-119, Zeilen: 118:41-43 - 119:1-6.9-15
Dadurch verlieren die Einstellungen als getrennte Aufnahmen viel von ihrer Eigenständigkeit als photographiertem Augenblick und werden zu Beweismaterial oder zu Illustrationen im Rahmen einer Argumentation oder Geschichte. Diese Strukturen sind abhängig von der Montage, sowie von den Beziehungen zu Zwischentiteln, die die Bilder erklären oder interpretieren. Genauigkeit und Beweisführung werden im Dokumentarfilm betont, weil die Authentizität des Bildes Teil der Argumentation wird. Damit wird jedoch nicht behauptet, dass Ansichten nicht auch Ausdruck einer Ideologie sind. Ihre enorme Faszinationskraft liegt vor allem in der durchgängigen, oft komplexen Erforschung des Blicks jenseits dramatischer Strukturen und fiktionaler Räume wie auch in der Gestaltung von Charakteren. Diese Filme boten eine neue Art des Sehens, die erst durch technologische Revolutionen im Bereich der Fotografie und des Transportwesens, eine der Grundlagen unserer modernen Kommunikation, ermöglicht wurde. [Seite 118]

Dadurch verlieren die Einstellungen viel von ihrer Unabhängigkeit als getrennte Aufnahmen und werden zu Beweismaterial oder zu Illustrationen im Rahmen einer Argumentation oder einer Geschichte.

[Seite 119]

Diese Strukturen sind abhängig von Beziehungen, die durch Montage entstehen (wobei Filme, die mit Charakteren und Narration arbeiten, vielfach auf das continuity editing zurückgreifen), sowie von Zwischentiteln, welche die Bilder erklären oder interpretieren. Genauigkeit und Beweisführung werden im Dokumentarfilm betont, weil die Authentizität des Bildes Teil einer Argumentation wird. [...]

Damit wird, wie gesagt, nicht behauptet, daß Ansichten nicht auch Ausdruck einer Ideologie sind. Doch ihre enorme Faszinationskraft liegt vor allem in der durchgängigen, oft komplexen Erforschung des Blicks jenseits dramatischer Strukturen, fiktionaler Räume und der Gestaltung von Charakteren. Diese Filme stehen für eine neue Art des Sehens, die von technologischen Revolutionen im Bereich der Fotografie und des Transportwesens ermöglicht wurde.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme.

Auf Seite 207 wird man demselben Material noch einmal begegnen (vgl. Uo/Fragment_207_16).

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

[3.] Uo/Fragment 205 26 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-16 21:48:40 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Gunning 1995, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 205, Zeilen: 26-33
Quelle: Gunning 1995
Seite(n): 113-114, Zeilen: 113:41-43 - 114:1-5.9-11
Die radikale Stilentwicklung im Spielfilm zwischen 1910 und 1920 ergab sich aus dem Bedürfnis, den Charakteren mehr Profil zu verleihen und über deutliche temporale Muster zu verfügen. Mit neuen, komplexeren Erzählweisen versuchte man zu erreichen, dem Film mehr Ausdruckskraft zu verleihen. Die relativ geringe Entwicklung im Bereich des Nonfiction-Films zwischen 1903 und 1917 lässt sich damit erklären, dass die bestehenden Stilformen ausreichend effizient für die verschiedenen Gattungen waren. Auch wenn es viele verschiedene Arten von Nonfiction-Filmen in diesem Zeitraum gab, so gehorchten sie alle derselben [Ästhetik.103]

[103 Vgl. Gunning: Vor dem Dokumentarfilm, in: KINtop 4, hrsg. v. F. Kessler, S. Lenk, M. Loiperdinger, 1995, hier S. 113f.]

[Seite 113]

Die radikale Stilentwicklung im Spielfilm der zehner Jahre ergab sich aus dem Bedürfnis, den Charakteren mehr Profil zu verleihen und über deutliche temporale Muster

[Seite 114]

zu verfügen, weil man mit neuen, komplexeren Erzählweisen arbeitete und zu erreichen versuchte, daß die Filme aus sich selbst heraus verständlich waren. Die relativ geringfügige Entwicklung im Bereich des non-fiction-Films ließe sich dann damit erklären, daß die bestehenden Stilformen schlicht ausreichend effizient waren für die verschiedenen damals vertretenen Gattungen. [...]

[...] Auch wenn es sehr viele verschiedene Arten von non-fiction-Filmen in diesem Zeitraum gibt, gehorchen sie fast alle derselben Ästhetik.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

[4.] Uo/Fragment 206 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-16 21:49:45 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Gunning 1995, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 206, Zeilen: 1-33
Quelle: Gunning 1995
Seite(n): 114, 115-116, Zeilen: 114:12-13.25-28.36-37; 115:11-22.25-32.36-42.43 - 116:1-6.21-24
Der Ausdruck „Ansicht/en“, der in zeitgenössischen Texten oft verwendet wird, sagte aus, dass das Gefilmte bereits vor seiner Aufnahme existiert hat (Landschaften, Gebräuche, Arbeitsmethoden) oder auch ohne Anwesenheit der Kamera stattgefunden hätte (Sportereignisse, Begräbnisse, Krönungen). Deutlichstes Merkmal der „Ansicht“ ist die Art und Weise, wie der Akt des Beobachtens und Betrachtens nachgeahmt wird.104

Beim Betrachten früher Nonfiction-Filme fallen zwei ausgeprägte Gattungen von Ansichten auf. Es gibt Filme, die eine bestimmte Gegend in mehreren Einstellungen präsentieren. Diese Serie von Ansichten vermittelt ein vielschichtiges Ortsbild. Es geht um Städte, ländliche Gegenden oder um Reisen durch fremde Länder. Diese vielfältigen Ansichten, wie aus dem Fotoalbum eines Touristen, entsprechen in ihrer Ästhetik derjenigen späterer Reisefilme.105

Der dramatische Akt der visuellen Aneignung ist bei den sogenannten „Phantom rides“ dieser Zeit am deutlichsten. Hierunter versteht man Aufnahmen einer Landschaft oder eine städtische Umgebung von einem sich bewegenden Fahrzeug aus (vor allem Züge, aber auch Autos und Boote).106 Diese Filme, die auch heute ihre visuelle Kraft nicht verloren haben, vermitteln einen sich entfaltenden Horizont und den Eindruck eines sich durch den Raum bewegenden Auges. Der Akt des Sehens wird selbst ebenso deutlich sichtbar wie die gezeigte Ansicht. Ein Pendant zu diesen Filmen im Hinblick auf die zeitliche Organisation findet man in Filmen, die einen Prozess darstellen, wie z. B. eine komplexe industrielle Warenproduktion, einen handwerklichen Arbeitsvorgang, lokale Bräuche oder Feste. Bei solchen Filmen spielt die räumliche Logik eine Rolle, weil das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln präsentiert wird. Das dominante Organisationsprinzip ist die zeitliche Anordnung der verschiedenen Etappen des Prozesses in einer logischen Folge. Viele Filme verbinden die Entdeckung des Raumes und die Erläuterung zeitlicher Abläufe miteinander, so dass letztlich eine komplexe Struktur von Zusammenhängen entsteht. Beide Formen beruhen auf dem Prinzip der Aufeinanderfolge.107

Viele Aktualitätenfilme, vor allem Reisebilder und Filme über Handlungsabläufe, stehen beispielhaft für die Ästhetik der Ansicht. Der Wunsch der Enzyklopädisten, endlose und vollständige Kataloge von Weltbildern zu erstellen, erreicht seinen Höhepunkt in den Jahren zwischen 1910 und 1930.108


104 Vgl. ebd., S. 114.

105 Vgl. ebd., S. 115.

106 Ein noch im BArch-Filmarchiv Berlin existierendes Filmbeispiel, in dem u.a. eine städtische Umgebung von einem sich bewegenden Fahrzeug aus aufgenommen wird, ist: Berlin 1909 (Pathé Frères), hier Berlin von der Hoch- und Untergrundbahn. Das früheste erhaltene Städteporträt über Berlin stammt von Pathé aus dem Jahr 1908. Im untersuchten Filmkorpus findet man die „Phantom rides“ logischerweise am häufigsten in den Filmen zur Marine und zur Luftwaffe, da sich der Point of View von einem sich bewegenden Fahrzeug anbot.

107 Vgl. Gunning: Vor dem Dokumentarfilm, in: KINtop 4, hrsg. v. F. Kessler, S. Lenk, M. Loiperdinger, 1995, S. 116.

108 Vgl. ebd.

[Seite 114]

Diese Form des frühen non-fiction-Films nenne ich »Ansicht«. Dieser Ausdruck, der in zeitgenössischen Texten oft verwendet wurde, um frühe Aktualitätenfilme zu beschreiben (und vorher noch für Fotografien interessanter Orte oder Ereignisse), soll hervorheben, daß die Struktur dieser Filme sich immer um die Präsentation von etwas Visuellem dreht, um einen Blickfang oder einen besonderen Blickpunkt. [...] Ansichten beinhalten tendenziell die Aussage, daß das Gefilmte entweder bereits vor der Aufnahme existiert hat (Landschaften, Gebräuche, Arbeitsmethoden) oder auch ohne die Anwesenheit der Kamera stattgefunden hätte (Sportereignisse, Begräbnisse, Krönungen). [...]

Deutlichstes Merkmal der Ansicht ist die Art und Weise, wie hier der Akt des Schauens oder Beobachtens nachgeahmt wird.

[Seite 115]

Zwei breite Gattungen von Ansichten (sie sind nicht die einzigen) fallen beim Betrachten früher non-fiction-Filme auf. Zunächst gibt es Filme, die beim Besuch einer bestimmten Gegend entstehen und diese präsentieren. Anders als bei den für die Jahrhundertwende typischen Filmen geschieht dies jedoch nicht in einer Einstellung, sondern in mehreren, die zu einer Serie von Ansichten werden, um so ein vielschichtiges Bild des Ortes zu vermitteln. In solchen Filmen geht es um Städte, ländliche Gegenden oder sogar um Reisen durch fremde Länder. Die Bilder zeigen natürliche Landschaften, von Menschenhand geschaffene Strukturen oder eine Kombination von beidem; es gibt vielfältige Ansichten, wie im Fotoalbum eines Touristen, und diese Ästhetik entspricht auffallend derjenigen späterer Reisefilme. [...] Der dramatische Akt der visuellen Aneignung ist vielleicht nirgends so offensichtlich wie bei den phantom rides dieser Zeit, also den Filmen, in denen eine Landschaft oder eine städtische Umgebung von einem sich bewegenden Fahrzeug aus (Züge vor allem, aber auch Autos und Boote) aufgenommen werden. Diese Filme, die auch heute noch nichts von ihrer visuellen Kraft verloren haben, vermitteln einen sich entfaltenden Horizont, den Eindruck eines sich durch den Raum bewegenden Auges, wobei der Akt des Sehens selbst ebenso deutlich sichtbar wird wie die gezeigte Ansicht.

[...] Das Pendant zu diesen Filmen in Hinblick auf eine zeitliche Organisation findet man in Filmen, die einen Prozeß darstellen, ob es nun um eine komplexe industrielle Warenproduktion geht, um einen handwerklichen Arbeitsvorgang, um lokale Bräuche oder um Feste. Auch bei solchen Filmen spielt die räumliche Logik eine Rolle, weil das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln präsentiert wird [...] Das dominante Organisationsprinzip ist

[Seite 116]

allerdings die zeitliche Anordnung der verschiedenen Etappen des Prozesses in einer logischen Folge. Viele Filme verbinden beides miteinander, die Entdeckung des Raumes und die Erläuterung zeitlicher Abläufe, so daß letztlich eine komplexe Struktur aus der Betrachtung einzelner Aspekte und der Konstruktion von Zusammenhängen entsteht. Beide Formen beruhen vor allem auf dem Prinzip der Aufeinanderfolge; [...]

[...]

Viele Aktualitätenfilme, vor allem Reisebilder und Filme über Handlungsabläufe, stehen beispielhaft für diese Ästhetik der Ansicht. Der Wunsch, einen schier endlosen und tendenziell vollständigen Katalog von Ansichten der Welt zu erstellen, findet seinen Höhepunkt in den zehner und zwanziger Jahren mit den für Albert Kahn und seine Utopie von den Archives de la planète gedrehten Filmen.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahmen bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

[5.] Uo/Fragment 207 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2014-01-10 13:47:58 Schumann
Fragment, Gesichtet, Gunning 1995, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 207, Zeilen: 1-3
Quelle: Gunning 1995
Seite(n): 114, Zeilen: 22-25
[Der Unter]schied zwischen Arrangement und einfacher Wirklichkeitswiedergabe ist jedoch so schwierig festzustellen und nachzuweisen, dass diese Trennungslinie nicht allzu scharf gezogen werden darf. Der Unterschied zwischen Arrangement und einfacher Wirklichkeitswiedergabe ist jedoch so schwierig festzustellen oder nachzuweisen, daß ich diese Trennungslinie nicht allzu scharf ziehen möchte.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme. Setzt die in Uo/Fragment_206_01 dokumentierten Übernahmen aus Gunning (1995) nahtlos fort.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

[6.] Uo/Fragment 207 16 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-13 23:06:11 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Gunning 1995, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 207, Zeilen: 16-36
Quelle: Gunning 1995
Seite(n): 117, 118, 119, 120, Zeilen: 117:31-37; 118:27-35; 119:4-6.13-15.18-22; 120:11-12
Der Übergang von der Ansicht zum Dokumentarfilm führt von den Bildern, die nur den Blick bannen, zu den Bildern, die in eine Argumentation eingebettet als Beweismittel zur Unterstützung oder Verstärkung eines Diskurses dienen. Es überrascht nicht, dass diese Veränderung vor allem in den Propagandafilmen des Ersten Weltkriegs sichtbar wurde. Die Ansicht und der Dokumentarfilm unterscheiden sich nach Grad, Methode und Zweck der Interpretation. Der Dokumentarfilm entsteht in dem Moment, in dem, wie Grierson110 es ausdrückt, das filmische Material neu geordnet und durch Schnitt und Zwischentitel in einen diskursiven Zusammenhang gestellt wird. Der Dokumentarfilm ist nicht mehr eine Abfolge von Aufnahmen; er entwickelt mit Hilfe der Bilder entweder eine artikulierte Argumentation, wie in den Filmen aus dem Krieg, oder eine dramatische Struktur, die auf dem Vokabular des continuity editing und der dem Spielfilm entlehnten Gestaltung von Charakteren beruht (z. B. in NANOOK OF THE NORTH).111 Genauigkeit und Beweisführung werden im Dokumentarfilm betont, weil die Authentizität des Bildes Teil der Argumentation wird.112

Der Dokumentarfilm liefert eine neue Art des Sehens. Technologische Revolutionen im Bereich der Fotografie und des Transportwesens haben dazu beigetragen. Das bewegte Bild fügt eine zeitliche Dimension hinzu und erlaubt, dem Drama des Blicks eine dialogische Beziehung zu den Subjekten zu entwickeln. Es eröffnet sich der Zugang zu einer neuen Praxis des Blicks, die zu den Grundlagen unserer modernen Welt gehört.


110 Hardy: Grierson und der Dokumentarfilm, 1947, S. 100.

111 Vgl. Gunning: Vor dem Dokumentarfilm, in: KINtop 4, hrsg. von F. Kessler, S. Lenk, M. Loiperdinger, 1995, S. 117f.

112 Vgl. ebd., S. 118.

[Seite 117]

Dann läßt sich sagen, daß der Übergang von der Ansicht zum Dokumentarfilm eine Bewegung ist, von Filmen, die als Blick funktionieren, hin zu Filmen, in denen die Bilder in eine Argumentation eingebettet werden und als Beweismittel zur Unterstützung oder Verstärkung eines Diskurses dienen. Es ist nicht überraschend, daß diese Veränderung vor allem in den Propagandafilmen des Ersten Weltkriegs sichtbar wird.

[Seite 118]

Die Ansichten und der Dokumentarfilm unterscheiden sich nach Grad, Methode und Zweck der Interpretation. Ich denke, der Dokumentarfilm entsteht in dem Moment, in dem, wie Grierson es ausdrückt, das filmische Material neu geordnet wird, also durch Schnitt und Zwischentitel in einen diskursiven Zusammenhang gestellt wird. Der Dokumentarfilm ist nicht mehr eine Abfolge von Aufnahmen; er entwickelt mit Hilfe der Bilder entweder eine artikulierte Argumentation, wie in den Filmen aus dem Krieg, oder eine dramatische Struktur, die auf dem Vokabular des continuity editing und der dem Spielfilm entlehnten Gestaltung von Charakteren beruht, wie in NANOOK.

[Seite 119]

Genauigkeit und Beweisführung werden im Dokumentarfilm betont, weil die Authentizität des Bildes Teil einer Argumentation wird. [...]

[...] Diese Filme stehen für eine neue Art des Sehens, die von technologischen Revolutionen im Bereich der Fotografie und des Transportwesens ermöglicht wurde. [...] Das bewegte Bild fügt den älteren Formen nicht einfach nur eine zeitliche Dimension hinzu, sondern es erlaubt dem Drama des Blicks, eine eher dialogische Beziehung zu den Subjekten zu entwickeln, deren Ausdruck und Gebärden durch die Zeitdimension an Expressivität und Unabhängigkeit gewinnen.

[Seite 120]

Diese Filme eröffnen uns den Zugang zu einer Praxis des Blicks, die zu einer der Grundlagen unserer modernen Welt wurde.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahmen bleiben ungekennzeichnet.

Dasselbe Quellenmaterial wurde zum Teil bereits auf Seite 22 "verwertet" (vgl. Uo/Fragment_022_25.

Der bilanzierende Abschluss eines Abschnittes innerhalb der Dissertation enthält erneut keinen einzigen eigenen Gedanken von Uo.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

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