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Quelle:Uo/Kanzog 1988

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Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Klaus Kanzog
Titel    Konstruktivistische Probleme der Filmwahrnehmung und Filmprotokollierung
Zeitschrift    Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik
Sammlung    Filmanalyse interdisziplinär: Beiträge zu einem Symposium an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
Herausgeber    Helmut Korte und Werner Faulstich
Ort    Göttingen
Verlag    Vandenhoeck & Ruprecht
Ausgabe    1. Auflage
Jahr    1988
Nummer    Beiheft 15
Seiten    20-30
Anmerkung    Uo verwendet die zweite Auflage von 1991.
ISBN    3-525-21016-7

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    ja
Fragmente    4


Fragmente der Quelle:
[1.] Uo/Fragment 033 31 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-08-16 20:50:15 Hindemith
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Kanzog 1988, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 33, Zeilen: 31-40
Quelle: Kanzog 1988
Seite(n): 20-21, Zeilen: 20:27-31 - 21:1.15-24
Es ist kein Zufall, dass auch Philologen sich mit der „Rede über den Film“ beschäftigten, da der Film durch die Sprache besser „kommunizierbar“ gemacht werden kann. Die Missachtung philologischer Grundsätze in der Filmwissenschaft ist inzwischen zum Beispiel bei den sogenannten „Filmrekonstruktionen“ offenkundig. Filmkonstitutive Entscheidungen der Rekonstrukteure können in den seltensten Fällen anhand von Protokollen überprüft werden, selbst in den Programmheften sind meist nur allgemein gehaltene Äußerungen vorhanden.14

Filmanalyse verbindet die Vorstellung einer Laborsituation mit einer kognitiven Leistung. Zur Laborsituation gehört die automatische Aufzeichnung quantitativer Daten, die möglichst exakte Eingabe aller formalisier- und kodierbarer Elemente und die Herstellung eines Basisprotokolls, d.h. eines Transkripts, das die Vorstufe des eigentlichen Filmprotokolls bildet. Die Arbeitsmaximen der [Laborsituation sind das Ausschalten von Fehlern, die Objektivierbarkeit und die Standardisierung.]


14 Vgl. Klaus Kanzog: Konstruktivistische Probleme der Filmwahrnehmung und Filmprotokollierung, in: Filmanalyse interdisziplinär, hrsg. von H. Körte, W. Faulstich, 1991, S. 20-30, hier S. 20.

[Seite 20]

1

Sagt ein Germanist einem Filmemacher, daß er sich neben literarischen Texten auch mit Filmen beschäftige, dann stößt er auf Verwunderung, Skepsis, Kritik. [...] Doch die Überlegung, welche Fachdisziplin den Film für sich reklamieren kann, hat auch einen sprachlichen Aspekt, den der angemessenen ,Rede über den Film'.

[...]

3

Die Mißachtung philologischer Grundsätze in der Filmwissenschaft ist inzwischen bei den sogenannten „Filmrekonstruktionen" offenkundig. Wir sehen das neue Produkt, können aber die filmkonstitutiven Entscheidungen der Rekonstrukteure in den seltensten Fällen anhand von Protokollen überprüfen und finden selbst in den Programmheften1 meist nur allgemein gehaltene Äußerun-

[Seite 21]

gen zur Überlieferung des Films. [...]

4

[...] Aber zuletzt lief doch alles immer wieder auf das Reizwort „Filmanalyse“ hinaus, das einerseits die Vorstellung einer Laborsituation erweckt und andererseits eine kognitive Leistung erwarten läßt.

5

Zur Laborsituation gehört die automatische Aufzeichnung quantitativer Daten, die möglichst exakte Eingabe aller formalisier- und kodierbarer Elemente und die Herstellung eines Basisprotokolls für Filme, d.h. eines Transkripts, das die Vorstufe des eigentlichen Filmprotokolls bildet. Die Arbeitsmaximen in dieser Laborsituation lauten: Ausschaltung von Fehlern, Objektivierbarkeit, Standardisierung.

Anmerkungen

Der erste Satz wurde nicht als Übernahme mitgezählt. Seine Abkunft ist bei Kenntnis des Kanzogschen Artikels allerdings unverkennbar.

Die wortwörtliche Übernahme weiter Passagen nicht gekennzeichnet. Auf der nächsten Seite gibt es in FN 15 noch einen Verweis auf die Quelle.

(Kanzog wird hier anders als bei Uo in der ersten Auflage wiedergegeben.)

Sichter
(Graf Isolan), Hindemith

[2.] Uo/Fragment 034 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-17 22:29:19 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Kanzog 1988, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 34, Zeilen: 1-9
Quelle: Kanzog 1988
Seite(n): 21, 22, Zeilen: 21:22-30; 22:2-5
[Die Arbeitsmaximen der] Laborsituation sind das Ausschalten von Fehlern, die Objektivierbarkeit und die Standardisierung. Die computergestützte Filmanalyse hat hier ihren Platz und wird ihn in Zukunft weiter ausbauen. Das Filmprotokoll als elaboriertes Transkript gibt demjenigen, der nicht am Schneidetisch oder Videogerät seine Eindrücke objektivieren kann, dadurch einen Informationsvorsprung, dass die Regelmäßigkeiten beobachtbarer Korrelationen zwischen Kamerahandlung und dargestellten Inhalten beschrieben werden.15 Jeder gerät in einen Bereich, in dem er gezwungen wird, nach den Bedingungen seines Erkennens zu fragen. Die Rezeptionsanalyse versucht, diesen Aspekten Rechnung zu tragen [...]

15 Vgl. ebd., S. 21; vgl. auch Klaus Kanzog: Filmprotokollierung als Wahrnehmungs- und Formulierungstraining, in: Medien in Forschung und Lehre. Strukturveränderungen durch neue Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten. Dokumentation, hrsg. von der Zentraleinrichtung für AV-Medien der FU Berlin, Berlin 1985, S. 219-235.

[Seite 21]

Die Arbeitsmaximen in dieser Laborsituation lauten: Ausschaltung von Fehlern, Objektivierbarkeit, Standardisierung. Die computergestützte Filmanalyse hat hier ihren Platz und wird ihn in Zukunft weiter ausbauen. Wer heute Filmanalyse betreibt, weiß jedoch, daß er nicht im Labor bleiben und sich nicht mit Transkripten begnügen darf. Auf dem Wege vom Transkript zum Filmprotokoll hat er eine kognitive Leistung zu erbringen, die gerade jenen nützlich sein soll, die nicht die Zeit haben, am Schneidetisch oder am Videogerät zu arbeiten und die auf seinen Informationsvorsprung angewiesen sind.2

[Seite 22]

6

Auf diesem Wege gerät jeder, mag er sich auch noch so sehr bemühen, seine Eindrücke schrittweise zu objektivieren, in einen Bereich, in dem er nach den Bedingungen seines Erkennens zu fragen gezwungen ist. Durch Rezeptionsanalysen hat man versucht, diesem Aspekt Rechnung zu tragen; [...]


2 Vgl. hierzu Kanzog, „Filmprotokollierung als Wahrnehmungs- und Formulierungstraining“.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahmen bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

[3.] Uo/Fragment 035 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-08-16 20:55:39 Hindemith
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Kanzog 1988, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 35, Zeilen: 1-2, 7-38
Quelle: Kanzog 1988
Seite(n): 24-25, Zeilen: 24:2-22.29-36.38 - 25:1-3.26-27.29-34
[Spricht man vom „Verstehen“ eines Filmes, dann meint] man damit zugleich, dass die gewonnenen filmischen Eindrücke „objektivierbar“ seien. In diesem Sinne definiert Helmut Körte Filmanalyse als einen

„Versuch, das eigene subjektiv-objektiv determinierte Filmerlebnis durch Untersuchung der rezeptionsleitenden Signale, durch Datensammlung, Datenvergleich am Film und den filmischen Kontextfaktoren, durch Beobachtung und Interpretation schrittweise zu objektivieren“.19

Im übrigen ist Objektivierbarkeit nur mehr oder weniger zu erreichen, da sich erfahrungsgemäß Aussagen über einen Film permanent als revisionsbedürftig erweisen. Relative „Sicherheit“ bietet nur das Filmtranskript, das im Falle der automatischen Zuordnung von Daten die größtmögliche Nähe zum Überlieferungsträger gewährleistet. Mit der Filmprotokollierung überschreiten wir notwendigerweise die Grenze zwischen materiellen Filmvorgaben und der Filmerfahrung, zwischen dem Berechenbaren und der Sprache. Vieles ist formalisier- und quantifizierbar und dadurch hilfreich für das Verstehen, aber es muss darüber hinaus auch kommunizierbar und konsensfähig sein. In diesem Augenblick wird man auf die Subjektabhängigkeit des „Verstehens“ zurückverwiesen. Die Vorstellung einer „schrittweisen Objektivierung“ suggeriert die Annahme, dass irgendwann einmal der „letzte Schritt“ getan werden könne. Zwangsläufig muss sich nun das zentrale Theorem des radikalen Konstruktivismus auch auf die Filmrezeption beziehen. Die Qualität eines Films kann nicht ohne Subjekte am Objekt „Film“ bestimmt werden.20 Schon einfache Wahrnehmungsexperimente an kurzen Filmausschnitten zeigen ein breites Spektrum individueller Assoziationen wie richtige und fehlerhafte Beobachtungen, bessere, schlechtere und gleichberechtigte Bezeichnungen, sowie Varianten und Invarianten. Auch bei der Protokollierung treten Fehler, Unschärfen und alternative Formulierungen auf. Nimmt man Übersetzungsprobleme bei fremdsprachigen Filmen und bei der notwendigen Abstimmung der Terminologie hinzu, dann muss man von demjenigen, der über Filme spricht, zuallererst „Sprachmächtigkeit“ fordern. Filmanalyse und Filmrezension schließen einander nicht aus; sie stehen in einem ähnlichen Verhältnis wie analytische Literaturwissenschaft zu literarischer Kritik, wie die nüchterne Auffassung eines Textes zu dem Reagieren auf literarische Reize.21

Der kritische Punkt der filmanalytischen Arbeit liegt an den Stellen, an denen aus den filmischen Reizen filmische Zeichen herausgefunden werden müssen. Bevor man sich jedoch jenen Faktoren zuwendet, die Helmut Körte „Bedingungsrealität“, „Bezugsrealität“ und „Wirkungsrealität“ genannt hat,22 ist die Rekonstruktion des kinematographischen Diskurses eine vordringliche Aufgabe. Schon in dieser ersten Phase, der Untersuchung der „Filmrealität“, kommt es in der Praxis zu einer Vermengung der Aspekte.


19 Zit. n. Kanzog: Konstruktivistische Probleme, in: Filmanalyse interdisziplinär, hrsg. von H. Körte, W. Faulstich, 1991, S. 24.

20 Vgl. ebd.

21 Vgl. ebd., S. 25.

22 Vgl. Helmut Korte: Vom Filmprotokoll zur Filmanalyse. Erfahrungen im Umgang mit der Analyse von Filmen, in: Augen-Blick. Marburger Hefte zur Medienwissenschaft, 1986, H. 3, S. 30. Vgl. auch ders.: Systematische Filmanalyse, 1999.

[Seite 24]

10

Spricht man vom ,Verstehen' eines Filmes, dann meint man damit zugleich, daß die gewonnenen filmischen Eindrücke ,objektivierbar‘ seien. In diesem Sinne definiert Helmut Körte „Filmanalyse“ als einen „Versuch, das eigene subjektiv-objektiv determinierte Filmerlebnis durch Untersuchung der rezeptionsleitenden Signale, durch Datensammlung, Datenvergleich am Film und den filmischen Kontextfaktoren, durch Beobachtung und Interpretation schrittweise zu objektivieren“ . Wir alle glauben mehr oder weniger an diese Objektivierbarkeit und erfahren doch immer wieder, daß sich Aussagen über einen Film permanent als revisionsbedürftig erweisen. Relative Sicherheit bietet nur das Filmtranskript, das im Falle der automatischen Zuordnung von Daten die größtmögliche Nähe zum Überlieferungsträger gewährleistet. Mit der Filmprotokollierung überschreiten wir notwendigerweise die Grenze zwischen materiellen Filmfakten und der Filmerfahrung, dem Rechenbaren und der Sprache. Vieles ist formalisier- und quantifizierbar und dadurch für das Verstehen hilfreich, aber es muß auch kommunizierbar und konsensfahig sein. In diesem Augenblick wird man abermals auf die Subjektabhängigkeit des Verstehens zurückgeworfen. Die Vorstellung einer „schrittweisen Objektivierung“ suggeriert die Annahme, daß irgendwann einmal der ,letzte Schritt' getan werden könnte. Da ist es geboten, das zentrale Theorem des radikalen Konstruktivismus5 auch auf die Filmrezeption zu beziehen, daß die Qualität eines Films nicht ohne Subjekte am Objekt ,Film‘ bestimmt werden kann.

11

[...] Schon einfache Wahrnehmungsexperimente an kurzen Filmausschnitten zeigen ein breites Spektrum individueller Assoziationen: richtige und falsche Beobachtungen, bessere, schlechtere und gleichberechtigte Bezeichnungen, Varianten und Invarianten. Auch bei der Protokollierung treten Fehler, Unschärfen und alternative Formulierungen auf. Nimmt man Übersetzungsprobleme bei fremdsprachigen Filmen und bei der notwendige Abstimmung der Terminologie hinzu, dann wird man von demjenigen, der über Filme spricht, zuallererst Sprachmächtigkeit fordern. [...] Film-

[Seite 25]

analyse und Filmrezension schließen einander nicht aus; sie stehen in einem ähnlichen Verhältnis wie Literaturwissenschaft und literarische Kritik, die nüchterne Auffassung eines Textes und das Reagieren auf literarische Reize.

[...]

13

Der kritische Punkt der filmanalytischen Arbeit liegt an den Stellen, an denen aus den filmischen Reizen filmische Zeichen herausgefunden werden müssen. [...] Bevor man sich jedoch jenen Faktoren zuwendet, die Helmut Korte „Bedingungsrealität“, „Bezugsrealität“ und „Wirkungsrealität“ genannt hat,6 ist die Rekonstruktion des kinematographischen Diskurses eine vordringliche Aufgabe; schon in dieser ersten Phase, der Untersuchung der „Filmrealität“, kommt es in der Praxis zu einer unheilvollen Vermengung der Aspekte.


6 Korte, „Vom Filmprotokoll zur Filmanalyse“ , S. 30.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan), Hindemith

[4.] Uo/Fragment 036 09 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-08-16 21:50:07 Hindemith
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Kanzog 1988, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 36, Zeilen: 9-28, 31-34, 102-107
Quelle: Kanzog 1988
Seite(n): 26, 28-29, Zeilen: 26:101-106; 28:34-41 - 29:1-12.18-20.28-29
„Zeichen, deren Merkmale erst einmal erkannt und festgelegt werden müssen, werden vorzeitig mit Bedeutung „aufgefüllt“; bloße Vorgänge werden mit „Handlungen“ verwechselt und nicht genügend auseinandergehalten werden die „Codes der Wirklichkeit“ in den „Handlungen vor der Kamera“ und die „Codes der Kamerahandlungen“. Auf der Suche nach den „Inhalten“ eines Films wird der „Formalspannung“ zwar die gebotene Aufmerksamkeit zuteil, aber ihre Funktion vielfach unterbewertet. In Wahrheit sind die Codes der Kamerahandlung und der Montage die einzigen filmischen Codes überhaupt, die deshalb auch in das Zentrum der Filmwissenschaft gerückt werden müssen.“23

Die point-of-view-Frage ist der Angelpunkt bei der „Rede über den Film“. Filmtranskripte und Filmprotokolle stellen nur das Material für diese „Rede“ bereit, d. h. der Versuch einer möglichst umfassenden Archivierung und die Bereitstellung von Informationen löst nicht das Problem, diese im Hinblick auf das „Verstehen“ des Films zu verwenden. Schon in das Filmprotokoll bringt der Betrachter seine eigene Perspektive ein. Er versteht zunächst nur das, was er bereits kennt und weiß. Er selektiert mittels dieses Wissens und zugleich dadurch, dass seine Affekte angesprochen werden. Selbst wenn seine Aussage eindeutig intersubjektiv verstehbar und empirisch nachprüfbar wäre, gilt auch für den Film die von Michael Titzmann formulierte Interpretationsregel: „Jede Text-Analyse ist gegenüber der Datenmenge des Textes selektiv“. Vorgegebene Suchbilder erleichtern die Herstellung von Intersubjektivität, während empirische Untersuchungen die affektive Gebundenheit des Betrachters unterdrücken. Der gegen Filmanalytiker, besonders gegen Quantifizierer, Statistiker und Strukturrekonstrukteure manchmal nicht unberechtigt erhobene Vorwurf, ihre Arbeiten zerstörten die Sensibilität für das „Filmische“, trifft insofern hier nicht zu, als die Sensibilität über den Umweg der „Objektivierungen“ gesteigert werden kann. Die affektive Gebundenheit kann jedoch nicht eliminiert werden. Zusammen mit dem Erkenntnisinteresse ist sie das entscheidende dynamische Moment für das Verstehen eines Films.24

[...] Im Verlauf der Herstellung eines Filmtranskriptes werden lediglich Systeme von Beschreibungen erzeugt. Der Akt der Wahrnehmung ist gleichermaßen schon ein Akt der Interpretation. Die wichtigste Aufgabe der Filmanalyse ist, „kommunizierfähig“ zu sein.


23 Kanzog: Konstruktivistische Probleme, in: Filmanalyse interdisziplinär, hrsg. von H. Korte, W. Faulstich, 1991, S. 26. „Filmische Mittel“, bzw. die „Codes des Films“ werden meist mit „filmischen Codes“ verwechselt. Zu dieser Verwechslung hat u. a. Christian Metz ,Sprache und Film' durch seinen Ansatz einer „Pluralität von Codes“ beigetragen (Frankfurt/M. 1973). Bei ,Handlungen vor der Kamera' (und ihre kulturellen Codes) werden auch Codes der mise en scène vermittelt (diese sind filmisch intendiert), aber erst Kamerahandlung und Montage codieren „filmisch".

24 Vgl. ebd., S. 29.

[Seite 25]

Zeichen, deren Merkmale erst einmal erkannt und festgelegt werden müssen, werden vorzeitig mit Bedeutung ,aufgefüllt‘; bloße Vorgänge werden mit „Handlungen“ verwechselt, und nicht genügend auseinandergehalten werden die „Codes der Wirklichkeit“

[Seite 26]

in den ,Handlungen vor der Kamera' und die „Codes der Kamerahandlungen“. Auf der Suche nach den „Inhalten“ eines Films wird der „Formalspannung“ zwar die gebotene Aufmerksamkeit zuteil, aber ihre Funktion vielfach unterbewertet. In Wahrheit sind die Codes der Kamerahandlung und der Montage die einzigen filmischen Codes überhaupt,7 die deshalb auch in das Zentrum der Filmwissenschaft gerückt werden müssen. [...]


[Seite 28]

17

Die point-of-view-Frage wird damit zum Angelpunkt der ,Rede über den Film'. Filmtranskripte und Filmprotokolle stellen nur das Material für diese ,Rede‘ bereit, d. h. der Versuch einer möglichst umfassenden Archivierung und die Bereitstellung von Informationen löst das eigentliche Problem: die Perspektivierung dieser Informationen im Hinblick auf das „Verstehen“ des Films, nicht. Schon in das Filmprotokoll bringt der Betrachter seine eigene Perspektive ein. Er versteht zunächst nur das, was er bereits kennt und weiß. Er selegiert mittels dieses Wissens und zugleich auf Grund einer Intervention seiner Affekte, und

[Seite 29]

selbst wenn seine Aussage eindeutig intersubjektiv verstehbar und empirisch nachprüfbar ist, so gilt auch für den Film die von Michael Titzmann formulierte Interpretationsregel: „Jede ,Text‘-Analyse ist gegenüber der Datenmenge des ,Textes' selektiv. Vorgegebene Suchbilder erleichtern die Herstellung von Intersubjektivität, während empirische Untersuchungen die affektive Gebundenheit des Betrachters unterdrücken. Der gegen Filmanalytiker, besonders gegen Quantifizierer, Statistiker und Strukturrekonstrukteure manchmal nicht ganz unberechtigt erhobene Vorwurf, ihre Arbeiten zerstörten die Sensibilität für das ,Filmische', sticht hier insofern nicht, als diese Sensibilität auf den Umweg über „Objektivierungen“ gesteigert werden kann. Die affektive Gebundenheit selbst kann nicht eliminiert werden. Zusammen mit dem Erkenntnisinteresse ist sie das entscheidende dynamische Moment für das Verstehen eines Films.

18

[...] Im Verlauf der Herstellung eines Filmprotokolls erzeugen wir lediglich Systeme von Beschreibungen, und schon der Akt der Wahrnehmung ist ein Akt der Interpretation. [...] Die wichtigste Aufgabe der Filmanalyse ist damit bezeichnet: sie muß kommunizierfähig sein.


7 Wie auch die Diskussion über diesen Vortrag wieder gezeigt hat. werden „filmische Mittel“, bzw. die „Codes des Films“ meist mit „filmischen Codes“ verwechselt. Zu dieser Verwechslung hat u. a. Christian Metz Sprache und Film durch seinen Ansatz einer „Pluralität von Codes“ beigetragen. ,Handlungen vor der Kamera' (und ihre kulturellen Codes) werden auch Codes der mise en scène vermittelt (diese sind filmisch intendiert), aber erst Kamerahandlung und Montage codieren „filmisch“ .

Anmerkungen

Das eingangs der Seite wiedergegebene lange Zitat schließt im Original unmittelbar an die auf der vorangegangenen Seite ohne Kennzeichnung übernommenen Passagen an. (Es wurde in der Zeilenzählung nicht berücksichtigt.) Danach finden sich wieder weitgehend wörtlich übereinstimmende Abschnitte aus Kanzog (1988), die erneut nicht als Übernahmen gekennzeichnet sind.

Sichter
(Graf Isolan), Hindemith

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