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Quelle:Uo/Orosz 1988

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Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Susanne Orosz
Titel    Weiße Schrift auf schwarzem Grund. Die Funktion von Zwischentiteln im Stummfilm, dargestellt an Beispielen aus Der Student von Prag (1913)
Sammlung    Der Stummfilm: Konstruktion und Rekonstruktion
Herausgeber    Elfriede Ledig
Ort    München
Verlag    Verlegergemeinschaft Schaudig/Bauer/Ledig
Jahr    1988
Reihe    diskurs film
ISBN    3-926372-02-8
ISSN    0931-1416

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    ja
Fragmente    7


Fragmente der Quelle:
[1.] Uo/Fragment 193 03 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-07-06 22:44:55 WiseWoman
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Orosz 1988, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 193, Zeilen: 3-7, 9-15, 125-130
Quelle: Orosz 1988
Seite(n): 135, 136, Zeilen: 135:5-10.18-23.26-27.103-104; 136:9-15
Kaum eine narrative Form kommt ohne sprachliches Zeichensystem aus. Dabei spielt eine sekundäre Rolle, ob, wie im Stummfilm, sprachliche Zeichen nur visuell wahrnehmbar sind. Die Filmkunst verzichtet selten auf das sprachliche Zeichensystem. Filme ohne Sprache gelten als Ausnahmefälle, wenn nicht sogar als Experimente.51 [...] Neben Programmheften und Filmankündigungen, die den Kinogänger in den jeweiligen Handlungsverlauf des Films einführten, war vor dem Ersten Weltkrieg noch eine weitere Form der Informationsvergabe an den Zuschauer üblich. In vielen Kinos Deutschlands waren „Erklärer“ am Werk, die dem „Kientoppbesucher“ den Film verständlich zu machen versuchten.52 Der Beruf des Filmerklärers war allerdings wenig zukunftsträchtig.53

51 Vgl. Susanne Orosz: Weiße Schrift auf schwarzem Grund Die Funktion von Zwischentiteln im Stummfilm, dargestellt an Beispielen aus Der Student von Prag (1913), in: Der Stummfilm. Konstruktion und Rekonstruktion, hrsg. von E. Ledig (Diskurs Film, Bd.2), München 1988, S.135-151, hier S.135.

52 Auf die für die Entwicklung der Zwischentitel in der Frühphase des Stummfilms wichtigen Traditionen der Barockemblematik mit pistura und scriptura, der Spruchbandtituli, der Bildergeschichten des 19. Jahrhunderts (Rodolphe Toepffer, Wilhelm Busch etc.), im Russischen v.a. auch die Volksbilderbögen (lubki) kann hier nur hingewiesen werden.

53 Vgl. Friedrich Kohner: Der deutsche Film. Tatbestand und Kritik einer neuen Kunstform (Diss.), Wien 1929, S. 75f. Hier ist Friedrich Kohner der Ansicht, dass nach 1925 auch in den Kinos der dunkelsten Provinz kein Filmerklärer mehr seine Stimme erhob. Kürzer noch als die Variante des Erklärers hielt sich der Modus, eine kleine Truppe von Schauspielern für Kinotheater zu engagieren, die, für den Zuschauer unsichtbar, hinter der Leinwand alle entsprechenden visuellen Vorkommnisse akustisch illustrierten.

[Seite 135]

Kaum eine narrative Form kommt ohne sprachliches Zeichensystem aus. Ob sprachliche Zeichen wie im Tonfilm vorwiegend auditiv oder wie im Stummfilm nur visuell wahrnehmbar sind, spielt dabei eine sekundäre Rolle. Die Filmkunst verzichtet eher selten auf das sprachliche Zeichensystem. Filme ohne Sprache im verbalen Sinn gelten und galten als Ausnahmefälle, wenn nicht sogar als Experimente.

[...]

Neben Programmheften und Filmankündigungen, die den Kinogänger in den jeweiligen Handlungsverlauf des Films einführten, bestand vor dem Ersten Weltkrieg auch eine andere konventionalisierte Form der Informationsvergabe an den Zuschauer. In vielen Kinos Deutschlands waren Erklärer am Werk, die dem ,Kientoppbesucher' den Film verständlich zu machen versuchten.

[...]2 Der Beruf des Filmerklärers war allerdings wenig zukunftsträchtig.


[Seite 136]

In seiner 1929 verfaßten Dissertation über den deutschen Film4 ist Friedrich Kohner der Ansicht, daß nach 1925 auch in den Kinos der dunkelsten Provinz kein Filmerklärer mehr seine Stimme erhob. Kürzer noch als die Variante des Erklärers hielt sich der Modus, eine kleine Truppe von Schauspielern für Kinotheater zu engagieren, die - für den Zuschauer unsichtbar - hinter der Leinwand alle entsprechenden visuellen Vorkommnisse akustisch illustrierten.5


2 Vgl. Friedrich Kohner: Der deutsche Film. Tatbestand und Kritik einer neuen Kunstform. Diss. (Masch.) Wien 1929, S. 75.

4 Vgl. Kohner 1929, S. 75.

5 Vgl. ders., S. 76.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan), WiseWoman

[2.] Uo/Fragment 194 08 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-07-09 00:29:17 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Orosz 1988, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 194, Zeilen: 8-19, 27-34, 106-112
Quelle: Orosz 1988
Seite(n): 136, 137, Zeilen: 136:18-24.30-34; 137:3-10.12-23
Wann immer inszenatorische Schwierigkeiten auf der Bildebene nicht überwunden werden konnten, bzw. der Regisseur, Autor oder Produzent der Aussagekraft der Bilder allein nicht trauen konnte oder wollte, war man schnell mit Zwischentiteln zur Hand. Dieses lag einerseits am mangelnden künstlerischen Potential, das dem deutschen Film vor dem Autorenfilmjahr 1913 und der darauffolgenden Entfaltung der aus Frankreich kommenden film-d’art-Bewegung zur Verfügung stand.

Die Unmöglichkeit, etwas durch schauspielerische Aktion auszudrücken, war allerdings nicht immer die Ursache für den Einsatz von Zwischentiteln. In einem Vortrag, den der Max-Reinhardt-Schauspieler Paul Wegener 1916 über die künstlerischen Möglichkeiten des Films hielt, wies er mit einem anschaulichen Beispiel auf diesen Missstand hin:

„Man gibt sich gar nicht einmal mehr die Mühe, bildmäßig zu gestalten. Da heißt es etwa: „Der Graf aber blieb allein auf seinen Gütern. Er konnte die Affaire mit der blonden Komtesse nicht vergessen ..." Dann sehen wir vor einer durch Kerzenlicht erleuchteten Grunewaldvilla einen gleichgültigen Herren stehen, der in den Apparat starrt. Würde man den Text nicht lesen können, wäre das Bild an sich eine sinnlose Photographie und so geht es weiter ad infinitum. [...] Alles an Aktion spielt sich im Text ab, und das nennen die Leute einen Film!“56

Nicht der Zwischentitel selbst, sondern die Art seiner Verwendung war nach Wegeners Aussage verdammenswert. Kohner gab in seiner oben erwähnten Dissertation ein viel härteres Urteil über den Gebrauch von Zwischentiteln ab. In seinen Augen waren sie der Natur des Films nicht gemäß. Wie in der Malerei des Mittelalters die Spruchbänder als Behelfsmittel zur Informationsvermittlung wegfielen, so sollte auch der Film lernen, auf „Inszenationskrücken“ zu verzichten.57 Viele Regisseure erkannten jedoch den Zwischentitel als filmisch verstandenes Element und legitimen Teil des Films an.58


56 Zit. n. Orosz: Funktion von Zwischentiteln, in: Der Stummfilm, hrsg. von E. Ledig, 1988, S. 137.

57 Vgl. Kohner: Tatbestand und Kritik, 1929, S. 78f.

58 In Deutschland setze in den 20er Jahren eine Entwicklung ein, in der man entdeckte, dass durch Verwendung bestimmter Schrifttypen oder durch besondere Gestaltung des Hintergrundes mit den Zwischentiteln eine Stimmung erzeugt werden konnte, die mit jener der Bilder korrespondierte oder sie sogar verstärkte. Musterbeispiele für diese sind Fritz Langs DER MÜDE TOD (jede Episode des Films, chinesisch, venezianisch, orientalisch, hat ihre typographisch individuell gestalteten Zwischentitel) und Robert Wienes DAS CABINET DES DR. CALIGARI.

[Seite 136]

Wann immer inszenatorische Schwierigkeiten auf der Bildebene nicht überwunden werden konnten, bzw. der Regisseur, Autor oder Produzent der Aussagekraft der Bilder allein nicht trauen konnte oder wollte, war man schnell mit Zwischentiteln zur Hand. Dies hatte zwei Hauptursachen. Einerseits lag es am mangelnden künstlerischen Potential, das dem deutschen Film vor dem Autorenfilmjahr 1913 und der darauffolgenden Entfaltung der aus Frankreich kommenden film-d'art-Bewegung zur Verfügung stand. [...] Die Unmöglichkeit, etwas durch schauspielerische Aktion auszudrücken, war wohl nicht immer die Ursache für ihren Einsatz.

In einem 1916 gehaltenen Vortrag über die künstlerischen Möglichkeiten des Films wies der Max-Reinhardt-Schauspieler Paul Wegener mit einem anschaulichen Beispiel auf diesen Mißstand hin:

Man gibt sich gar nicht einmal mehr die Mühe, bildmäßig zu gestalten. Da heißt es etwa: "Der Graf aber blieb allein auf seinen Gütern. Er konnte die Affaire mit der blonden Komtesse nicht vergessen ... " Dann sehen wir vor einer durch Kerzenlicht erleuchteten Grunewaldvilla einen gleichgültigen Herren stehen, der in den Apparat starrt. Würde man den Text nicht lesen können, wäre das Bild an sich eine sinnlose Photographie und so geht es

[Seite 137]

weiter ad infinitum. (...) Alles an Aktion spielt sich im Text ab, und das nennen die Leute einen Film!7

Nicht der Zwischentitel selbst, sondern die Art seiner Verwendung war nach Wegeners Aussage verdammenswert.

Kohner gab in seiner oben erwähnten Dissertation ein viel härteres Urteil über den Gebrauch von Zwischentiteln ab. In seinen Augen waren sie der Natur des Films an und für sich nicht gemäß. Wie in der Malerei des Mittelalters die Spruchbänder als Behelfsmittel zur Bereicherung der Informationsvermittlung wegfielen, so sollte auch der Film auf "Inszenationskrücken"8 verzichten lernen. [...]

Viele Regisseure allerdings verwendeten Zwischentitel, ohne dabei einfallslos zu sein. Sie erkannten den Zwischentitel als legitimen Teil des Films, als dessen natürliches, filmisch verstandenes Element an. Des genormten Erscheinungsbildes9 der Zwischentitel überdrüssig geworden, entdeckte man, daß durch Verwendung bestimmter Schrifttypen oder durch besondere Gestaltung des Hintergrundes mit den Zwischentiteln eine Stimmung erzeugt werden konnte, die mit jener der Bilder korrespondierte oder sie sogar verstärkte. Musterbeispiele für diese in Deutschland in den 20er Jahren einsetzende Entwicklung sind Fritz Langs Der müde Tod (jede Episode des Films - chinesisch, venezianisch, orientalisch - hat ihre typographisch individuell gestalteten Zwischentitel) und Robert Wienes Das Cabinet des Dr. Caligari.


7 Paul Wegener: Die künstlerischen Möglichkeiten des Films. (Vortrag, zuerst gehalten am 24. April 1916.) In: Paul Wegener. Der Regisseur und Schauspieler, hg. von der Filmabteilung des Photo- und Filmmuseums im Münchner Stadtmuseum (= 3. Beitrag zur Serie: ,Hervorragende Filmgestalter' im Münchner Stadtmuseum). München 1966 (nicht pag.).

8 Vgl. Kohner 1929, S. 78f.

9 Vgl. z. B. Die Tangokönigin (1913) von Max Mack. Die Zwischentitel haben folgendes Aussehen: Weiße Schrift auf schwarzem Grund, um den Text einen weißen Rahmen. Am oberen Bildrand befindet sich das Emblem der Produktionsfirma (Bioskop) und am unteren Bildrand rechts die Nummer des Titels.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet. Wieder wurde ein Teil des ursprünglichen Haupttextes in eine Fußnote geschoben. Der Leser, der die Quelle nicht kennt, muss annehmen, nur das Paul-Wegener-Zitat sei von dort übernommen.

Das Zitat wurde nicht in die Zeilenzählung aufgenommen.

Sichter
(Graf Isolan) Agrippina1

[3.] Uo/Fragment 195 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-07-09 00:25:52 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Orosz 1988, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 195, Zeilen: 1-28
Quelle: Orosz 1988
Seite(n): 138, 140, 142, 143, 151, Zeilen: 138:6-9.12-17; 140:3-2-27; 142:13-17.19-20.34-36; 143:1-3.10-13; 151:17-19
Bei der Auswahl als Analysebeispiel ergibt sich bei Filmen der Stummfilmzeit das Problem der Authentizität der Fassung. Uraufführungskopien sind selten erhalten. Die Kopien des Bundesarchiv-Filmarchivs Berlin, die die Grundlage der Filmprotokolle sind, enthalten keine originalen Zwischentitel. Ungeklärt ist weiterhin, ob die ursprüngliche Version des Films so viele Zwischentitel besaß, wie anhand der Kopie gezählt wurde. Die Funktionsprinzipien der Verwendung von Zwischentiteln darzustellen, ist allerdings grundsätzlich bei jedem Stummfilm möglich, auch wenn er nicht die Originaltitel besitzt.

Einstellungen mit verschiedenen semiotischen Systemen bilden innerhalb des Films eine Synthese. Es ist legitim, zum Zweck der Beschreibung von Einstellungen, die sich ausschließlich des sprachlichen Zeichensystems bedienen, diese zunächst von ihrem Kontext gelöst zu betrachten. Die Trennung der Einstellungen in Bildeinstellungen und Einstellungen mit sprachlichem Zeichensystem basiert auf der Überlegung, dass die Zeichen in den Bildeinstellungen eine andersgeartete Relation zur im Film dargestellten fiktiven Welt besitzen, als dies bei sprachlichen Zeichen der Fall ist. Es wäre jedoch falsch, nur den Bildeinstellungen des Films aufgrund ihrer Zeichenstruktur Abbildungsfunktion zusprechen zu wollen.59 Die Zwischentitel (weiße Schrift auf schwarzem Grund), Inserts (diese Einstellungen zeigen bildfüllend den Text von Schriftstücken60, die Bestandteil der Filmhandlung sind und in Bildeinstellungen als Gegenstände abgebildet sein können oder die als autonome Einstellungen in den Film integriert werden können) und Credits (Zwischentitel zur Hervorhebung der Namen der Filmschaffenden) eines Films können sehr wohl Abbildungscharakter besitzen, obwohl sie als Einstellungen das sprachliche Zeichensystem fixieren.61 Dies ist vor allem dort zu berücksichtigen, wo „Gegenstände“, wie Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Flugblatt, Zeichnungen oder Plakate in die Handlung des Films einbezogen werden. Die „Abbildung eines solchen Gegenstandes ist ein ikonisches Zeichen, und das Wort wird in abbildender Funktion darin einbezogen“.62

Im Film ÄGIR existieren beispielsweise Inserts, deren Text als einer Zeitung zugehörig identifiziert werden kann. Die 9. und die 18. Einstellung63 des Films zeigt bildfüllend einen Teil einer Zeitung. Diese Inserts besitzen als sprachliche Zeichenkombinationen ikonischen Charakter, da sie Abbilder der Zeitung sind.

Es gibt Zwischentitel der direkten Rede, deren Charakteristikum die Anführungsstriche sind, welche die direkte Figurenrede signalisieren, und erzählkommentatorische Zwischentitel.64


59 Vgl. Orosz: Funktion von Zwischentiteln, in: Der Stummfilm, hrsg. von E. Ledig, 1988, S. 140.

60 D.h. alle Arten von Schriftstücken wie Briefe, Telegramme, Zeitungen, Plakate, Schilder etc.

61 Vgl. Schwarz: Der geschriebene Film, 1994, S. 88.

62 Vgl. Jurij Lotman: Probleme der Kinoästhetik. Einführung in die Semiotik des Films, Frankfurt/M. 1977, S. 61 (Hervorhebungen im Original).

63 Die Einstellungsnummern beziehen sich auf das Filmprotokoll, siehe Anhang.

64 Vgl. Orosz: Funktion von Zwischentiteln, in: Der Stummfilm, hrsg. von E. Ledig, 1988, S. 143.

[Seite 138]

Bei der Wahl des Films Der Student von Prag (1913) von Stellan Rye als Analysebeispiel ergibt sich - wie auch bei anderen Filmen aus der Stummfilmzeit - das Problem der Authentizität der Fassung. Die Uraufführungskopie des Films ist nicht erhalten. [...] Die Kopie des Deutschen Instituts für Filmkunde (DIF), Frankfurt/Wiesbaden, die Grundlage meines Filmprotokolls ist,12 enthält mit Sicherheit keine originalen Zwischentitel.

Ungeklärt ist auch, ob die ursprüngliche Version des Films so viele Zwischentitel besaß, wie ich anhand der DIF-Kopie zählte.

[Seite 140]

Einstellungen mit verschiedenen semiotischen Systemen bilden innerhalb des Films eine Synthese. Es ist zum Zweck der Beschreibung von Einstellungen, die sich ausschließlich des sprachlichen Zeichensystems bedienen, legitim, diese zunächst losgelöst von ihrem Kontext zu betrachten. Diese losgelöste Betrachtung der Einstellungen mit sprachlichem Zeichensystem beinhaltet jedoch ein semiotisches Problem.

Die Trennung der Einstellungen in Bildeinstellungen und Einstellungen mit sprachlichem Zeichensystem basiert auf der Überlegung, daß die Zeichen in den Bildeinstellungen eine andersgeartete Relation zur im Film dargestellten fiktiven Welt besitzen, als dies bei sprachlichen Zeichen der Fall ist. Es wäre jedoch falsch, nur den Bildeinstellungen des Films aufgrund ihrer Zeichenstruktur Abbildungsfunktion zusprechen zu wollen. Die Zwischentitel, Inserts und Credits eines Films können sehr wohl Abbildungscharakter besitzen, obwohl sie als Einstellungen das sprachliche Zeichensystem fixieren. Diese Tatsache ist vor allem da zu berücksichtigen, wo Gegenstände, die "quasi nur aus Wörtern gemacht sind: Bücher, Zeitungen, Zeitschriften", in die Handlung des Films einbezogen werden, denn die "Abbildung emes solchen Gegenstandes ist ein ikonisches Zeichen, und das Wort wird in abbildender Funktion darin einbezogen."15

Im Film Der Student von Prag existieren Inserts, deren Text als zu gewissen Gegenständen gehörend (Brief, Vertrag) identifiziert werden kann. Eine Einstellung des Films zeigt beispielsweise bildfüllend den Teil eines Brieftextes, also nichts anderes als sprachliche Zeichenkombinationen. Trotzdem besitzt dieses Insert ikonischen Charakter, da es als Abbild des Briefes aufgefaßt werden kann.


[Seite 142]

3.1. Inserts

Die Einstellungen zeigen bildfüllend den Text von Schriftstücken. Diese Schriftstücke können

(1) Bestandteil der Filmhandlung und in Bildeinstellungen als Dinge bzw. Gegenstände abgebildet sein (Brief, Vertrag) oder,

(2) wie die Verse aus Gedichten von Alfred de Musset, in keiner Weise mit in Bildeinstellungen gezeigten Gegenständen in Verbindung stehen. Die Verse werden im Sinne von autonomen Einstellungen in den Film integriert.

[...]

3.2. Zwischentitel

Alle Einstellungen dieser Art besitzen das gemeinsame Merkmal [weiße Schrift auf schwarzem Grund].

[Seite 143]

1) Zwischentitel der direkten Rede

Charakteristikum dieser Einstellungen ist das konventionelle Zeichen der Anführungsstriche, wodurch direkte Figurenrede signalisiert wird.

[...]

3.3. Credits

Diese Kategorie unterscheidet sich von den Zwischentiteln durch Verwendung verschieden großer Schrifttypen zur Hervorhebung der Namen der Filmschaffenden.

[Seite 151]

Dargestellt wurden im vorliegenden Aufsatz hauptsächlich die Funktionsprinzipien der Verwendung von Titeln; dies ist grundsätzlich bei jedem (Stumm-)Film - auch wenn er nicht die Originaltitel besitzt - möglich.


12 Das Filmprotokoll bildet den Anhang meiner Magisterarbeit. Vgl. S.O.: Die Funktion der Zwischentitel im Film Der Student von Prag, 1913. (Masch.) München 1986.

15 Vgl. Lotman 1977, S. 61 (Hervorhebungen im Original).

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Echtes Patchwork.

Uo benutzt die Art und Weise, wie Orosz ihre Beobachtungen zu Zwischentiteln in Der Student von Prag formuliert, als Schablone für ihre Beobachtungen. Der Wortlaut bleibt fast unverändert.

Sichter
(Graf Isolan) Agrippina1

[4.] Uo/Fragment 196 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-20 07:56:01 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Orosz 1988, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 196, Zeilen: 1-37
Quelle: Orosz 1988
Seite(n): 144, 145, 146, Zeilen: 144:2-20; 145:5-28.30-32; 146:1
Die Informationen der Einstellungen mit sprachlichem Zeichensystem werden im Film zwischen zwei bestimmten Bildeinstellungen gegeben. Die Einstellungen werden deshalb stets im Hinblick auf die sie umgebenden Bildeinstellungen untersucht. Diese Einstellungsabfolge soll mit dem Terminus syntagmatische Stelle65 bezeichnet werden, (syntagmatische Stelle = Bildeinstellung -> Zwischentitel —> Bildeinstellung). Es wird geprüft, ob die Informationen der Einstellungen mit sprachlichem Zeichensystem nicht auch in den benachbarten Bildeinstellungen an den Rezipienten vermittelt werden. Geschieht dies, ergänzt oder verstärkt die Einstellung mit sprachlichem Zeichensystem die in der Bildeinstellung getroffene Aussage. Ist dies nicht der Fall, haben die Zwischentitel und Inserts Ersatzfunktion. Die Bestimmung der Funktionsart des Zwischentitels ist daher abhängig vom Informationsgehalt der syntagmatischen Stelle. Hinsichtlich der Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle ergeben sich für die Informationen aus den Zwischentiteln folgende Funktionsmöglichkeiten: Ergänzungsfunktion, Verstärkungsfunktion, Ersatzfunktion.66

Die Ergänzungsfunktion hat mehrere Spielarten. Sie tritt innerhalb der direkten Rede auf, in Erzählkommentaren und Inserts. Geben Zwischentitel Auskunft über psychische oder physische Merkmale einer Figur, so liegt Ergänzungsfunktion vor, wenn die Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle dieses Merkmal weder genau festlegen, noch es aus der Kontextinformation eindeutig hervorgeht. Bei der Charakterisierung von emotionalen Verhältnissen der Figuren zueinander, wie dies bei Zwischentiteln der direkten Rede häufig der Fall ist, liegt immer eine Ergänzungsfunktion vor. Diese Konstellation sowie Gestik und Mimik in den Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle deuten die Beziehung der Figuren in positiver oder negativer Hinsicht an. Die Information des Zwischentitels konkretisiert diese Beziehung.67 Erzählkommentatorische Zwischentitel erläutern oft Ursache und Ziel von Figurenaktionen und ergänzen damit Bildeinstellungen. Angaben zur Raumstruktur des Films haben Ergänzungsfunktion, wenn sie die in Bildeinstellungen gezeigten Örtlichkeiten genauer bestimmen.

Bei der Verstärkungsfunktion ist die Information des Zwischentitels deckungsgleich mit der Information aus den Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle. Als Beispiel dient hier ein Teil des Films DER ERSTE FRIEDENSVERTRAG DES WELTKRIEGES von Zwischentitel 12 bis 15, einschließlich der Bildeinstellungen. Die Informationen der Bildeinstellungen und der Zwischentitel sind redundant. Die Information, dass der Friedensvertrag unterzeichnet wurde, wird hier mehrmals gegeben. Die Wiederholung einer bestimmten Information im Zwischentitel kann auch ein wichtiges dramaturgisches Element darstellen.


65 Der Begriff syntagmatische Stelle wurde übernommen aus Michael Titzmann: Strukturale Textanalyse. Theorie und Praxis der Interpretation. München 1977, S. 90: „Syntagmatische Stelle = jede Menge von zusammenhängenden „Text-Elementen“, wobei gilt: a) der Umfang der Menge kann beliebig groß bzw. klein sein; b) jedes Element der Menge ist mit mindestens einem anderen Element derselben Menge durch unmittelbare Nachbarschaft verknüpft“. Vgl. auch Orosz, ebd., S. 144.

66 Vgl. ebd.

67 Vgl. ebd., S. 145.

[Seite 144]

Die Informationen der Einstellungen mit sprachlichem Zeichensystem. werden im Film an einer bestimmten Stelle, in einem Umfeld von zwei bestimmten Bildeinstellungen gegeben. Die Einstellungen werden deshalb nicht losgelöst sondern stets im Hinblick auf die sie umgebenden Bildeinstellungen untersucht. Diese Einstellungsabfolge soll mit dem Terminus syntagmatische Stelle18 bezeichnet werden:

SYNTAGMATISCHE STELLE

Bildeinstellung (x-1) -> Zwischentitel x -> Bildeinstellung (x+1)

Es wird geprüft, ob die Informationen der Einstellungen mit sprachlichem Zeichensystem nicht auch in den benachbarten Bildeinstellungen an den Rezipienten vermittelt werden. Geschieht dies, ergänzt oder verstärkt die Einstellung mit sprachlichem Zeichensystem die in der Bildeinstellung getroffene Aussage. Ist dies nicht der Fall, hat die Einstellung der Menge Sp Ersatzfunktion. Die Bestimmung der Funktionsart des Zwischentitels ist daher abhängig vom Informationsgehalt der syntagmatischen Stelle.

Hinsichtlich der Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle ergeben sich für die Informationen aus den Zwischentiteln folgende Funktionsmöglichkeiten:

4.1. Ergänzungsfunktion

[Seite 145]

Die Ergänzungsfunktion hat im Studenten von Prag mehrere Spielarten. Sie tritt innerhalb der direkten Rede auf, in Erzählkommentaren und Inserts. Geben Zwischentitel Auskunft über psychische oder physische Merkmale einer Figur, so liegt Ergänzungsfunktion vor, wenn die Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle dieses Merkmal nicht genau festlegen und es auch aus der Kontextinformation nicht eindeutig hervorgeht. Bei der Charakterisierung von emotionalen Verhältnissen der Figuren zueinander - dies ist bei Zwischentiteln der direkten Rede häufig der Fall - tritt immer Ergänzungsfunktion auf. Die proxemische Konstellation sowie Gestik und Mimik in den Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle deuten die Beziehung der Figuren in positiver oder negativer Hinsicht an. Die Information des Zwischentitels konkretisiert diese Beziehung.

Erzählkommentatorische Zwischentitel erläutern oft Ursache und Ziel von Figurenaktionen und ergänzen damit Bildeinstellungen. Angaben zur Raumstruktur des Films haben dann Ergänzungsfunktion, wenn sie die in BildeinsteIlungen gezeigten Örtlichkeiten genauer bestimmen.

4.2. Verstärkungsfunktion

Die Information des Zwischentitels ist deckungsgleich mit der Information aus den Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle.

Als Beispiel dient hier der erste Teil von E 40: "... warten Sie! (...)"

Die Informationen der Bildeinstellung E 39 und des Zwischentitels E 40 sind redundant. Die Information, daß Scapinelli Balduin unterbricht, wird, wenn auch auf qualitativ verschiedene Art (Handbewegung sowie verbale Aufforderung), zweimal gegeben.

[...] Die Wiederholung einer bestimmten Information im Zwischentitel kann ein wichtiges dramaturgisches Element darstellen.

[Seite 146]

4.3. Ersatzfunktion


18 Der Begriff syntagmatische Stelle wurde übernommen aus Michael Titzmann: Strukturale Textanalyse. Theorie und Praxis der Interpretation. München 1977 (= UTB 582), S. 90: "Syntagmatische Stelle = jede Menge von zusammenhängenden ,Text'-Elementen, wobei gilt:

a) der Umfang der Menge kann beliebig groß bzw. klein sein;

b) jedes Element der Menge ist mit mindestens einem anderen Element derselben Menge durch unmittelbare Nachbarschaft verknüpft."

Anmerkungen

Art und Umfang der umfangreichen wortwörtlichen Übernahmen bleiben ungekennzeichnet.

Das Beispiel dient wieder als Templat, dessen Wortlaut übernommen aber einem von Uo gewählten Beispiel angepasst wird.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

[5.] Uo/Fragment 197 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-20 07:55:06 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Orosz 1988, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 197, Zeilen: 1-39 (komplett)
Quelle: Orosz 1988
Seite(n): 146-147, Zeilen: 146:1-25.28-31.41-43; 147:5-10.18-24
Bei der Ersatzfunktion vermittelt der Zwischentitel eine Information, die die Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle in keiner Weise geben.68 Als Beispiel soll Zwischentitel 37 aus dem Film ÄGIR dienen: „Das U-Boot bringt Ägir auf den Grund des Meeres zurück.“ In E71 (darauffolgendes Bild) ist zwar Ägir zu sehen, aber an Deck des U-Bootes, wie er in die geöffnete Luke einsteigt. Der Zwischentitel ersetzt hier eine Information, die durch die Bildeinstellungen nicht gegeben wird. Die Vorgänge zwischen diesen Einstellungen werden nicht im Bild gezeigt, sondern ausschließlich durch den Zwischentitel ausgedrückt. An diesem Beispiel kann auch gezeigt werden, dass Zwischentitel nicht auf eine Funktionsart beschränkt sind, sondern dass für sie die Möglichkeit der Polyfunktionalität besteht: der Zwischentitel 37 erfüllt gleichzeitig Ersatz- und Verstärkungsfunktion.

In Zwischentiteln der direkten Rede liegt beispielsweise eine Ersatzfunktion vor, wenn Figuren einander mit Namenssubstitutionen ansprechen, die Aufschluss über den Verwandtschaftsgrad geben. In Erzählkommentaren kann Ersatzfunktion durch Informationen von Figurenmerkmalen oder durch Angaben zu Ort und Zeit auftreten. Oft begleiten erzählkommentatorische Zwischentitel Bildeinstellungen, in denen eine Figur sich fortbewegt, der Zuschauer aber nicht weiß, wohin ihr Weg führt. Da heißt es dann etwa: „Ägir geht an Bord eines Hochseedampfers“.69 Oder: „Die russischen Delegierten begeben sich zur Sitzung“.70 Sofern Zeitsprünge nicht durch Veränderungen von Bildeinstellung zu Bildeinstellung angezeigt werden, wird dies mit Hilfe eines Zwischentitels (z. B.: „Vor Tag“, „Nach des Tages Arbeit“) erledigt.

Um alle Informationen, die ein Zwischentitel der direkten Rede birgt, zu verstehen, muss der Rezipient erkennen können, welche Figur des Films als Sender (S) und welche Figur als Empfänger (E) der betreffenden verbalen Mitteilung fungiert.71 Redegestus, Blickrichtung und Körperhaltung können fakultativ als Zusatzinformationen zur eindeutigen Festlegung der S-E-Relation angesehen werden. Im Stummfilm schließen Sender- und Empfängerfigur als Inhalte von Einstellungen mit ikonischem Zeichensystem (Bildeinstellungen) und die verbal umgesetzte Botschaft als Bestandteil von Einstellungen mit sprachlichem Zeichensystem einander zeitlich aus. Das heißt, dass in Bildeinstellungen, in denen Figuren Dialoge führen, die Information über das tatsächlich Gesprochene fehlt.72

Die Anführungszeichen, mit denen der Zwischentitel als direkte Rede gekennzeichnet ist, erlauben dem Rezipienten die Schlussfolgerung, dass eine Figur spricht, die unmittelbar vor bzw. vor und nach dem Zwischentitel zu sehen ist. Der Zwischentitel der direkten Rede korreliert an der syntagmatischen Stelle mit der Senderfigur. Zeigen die Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle nur eine Figur, kann die im Zwischentitel ausgedrückte Rede problemlos dieser Figur [als Sender zugeordnet werden.]


68 Vgl. ebd., S. 146.

69 ÄGIR: Zwischentitel 33 des Filmprotokolls, siehe Anhang.

70 DER WAFFENSTILLSTAND VON BREST-LITOWSK: Zwischentitel 5.

71 Vgl. Orosz: Funktion von Zwischentiteln, in: Der Stummfilm, hrsg. von E. Ledig, 1988, S. 146.

72 Vgl. ebd., S. 147.

[Seite 146]

4.3. Ersatzfunktion

Der Zwischentitel vermittelt eine Information, die die Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle in keiner Weise geben.

Wieder soll E 40 als Beispiel dienen, doch nun ist der zweite Satz entscheidend: ,,(...) Das Pferd rast direkt in den See!"

In E 39 ist zwar ein Pferd zu sehen, wohin es aber läuft, drückt die Bildeinstellung nicht aus. Der Zwischentitel ersetzt hier eine Information, die durch die Bildeinstellungen (aus welchem Grund auch immer) nicht gegeben werden. Die Vorgänge zwischen diesen Einstellungen werden nicht im Bild gezeigt, sondern ausschließlich durch den Zwischentitel ausgedrückt.

An diesem Beispiel kann auch gezeigt werden, daß Zwischentitel nicht auf eine Funktionsart beschränkt sind, sondern daß für sie die Möglichkeit der Polyfunktionalität besteht: Der Zwischentitel E 40 erfüllt gleichzeitig Ersatz- und Verstärkungsfunktion.

In Zwischentiteln der direkten Rede liegt beispielsweise auch Ersatzfunktion vor, wenn Figuren einander mit Namenssubstitutionen ansprechen, die Aufschluß über den Verwandtschaftsgrad geben. In Erzählkommentaren kann Ersatzfunktion durch Informationen von Figurenmerkmalen oder durch Angaben zu Ort und Zeit auftreten. Oft begleiten erzählkommentatorische Zwischentitel Bildeinstellungen, in denen eine Figur sich fortbewegt, der Zuschauer aber nicht weiß, wohin ihr Weg sie führt. Da heißt es dann etwa: "Balduin geht zum Duell". Oder: "Comtesse Margit geht zum Stelldichein". Sofern Zeitsprünge nicht durch Veränderungen von Bildeinstellung zu Bildeinstellung angezeigt werden, wird dies mit Hilfe eines Zwischentitels (z. B.: "Am nächsten Tag") erledigt.

[...]

Um alle Informationen, die ein Zwischentitel der direkten Rede birgt, zu verstehen, muß der Rezipient die Möglichkeit haben, erkennen zu können, welche Figur des Films als Sender (S) und welche Figur als Empfänger (E) der betreffenden verbalen Mitteilung fungiert.

[...] Redegestus, Blickrichtung und Körperhaltung können fakultativ als Zusatzinformationen zur eindeutigen Festlegung der S-E-Relation eingesetzt werden.

[Seite 147]

Im Stummfilm schließen Sender- und Empfängerfigur als Inhalte von Einstellungen mit ikonischem Zeichensystem (Bildeinstellungen) und die verbal umgesetzte Botschaft als Bestandteil von Einstellungen mit sprachlichem Zeichensystem einander zeitlich aus. Das heißt, daß in Bildeinstellungen, in denen Figuren Dialoge führen, die Information über das tatsächlich Gesprochene fehlt. [...]

[...]

Die Anführungszeichen, mit denen der Zwischentitel als direkte Rede gekennzeichnet ist, erlauben dem Rezipienten die Schlußfolgerung, daß eine Figur spricht, die unmittelbar vor bzw. vor und nach dem Zwischentitel zu sehen ist. Der Zwischentitel der direkten Rede korreliert an der syntagmatischen Stelle mit der Senderfigur. Zeigen die Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle nur eine Figur, kann die im Zwischentitel ausgedrückte Rede problemlos dieser Figur als Sender zugeordnet werden.

Anmerkungen

Die Beispiele sind andere, der Wortlaut aber bleibt identisch.

Art und Umfang der Übernahmen bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

[6.] Uo/Fragment 198 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-07-08 17:09:53 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Orosz 1988, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 198, Zeilen: 1-31 (komplett)
Quelle: Orosz 1988
Seite(n): 147, 148, 149, Zeilen: 147:22-43 - 148:3-6.10-12.22-26.34-36.(37-39.43-44); 149:9-18
[Zeigen die Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle nur eine Figur, kann die im Zwischentitel ausgedrückte Rede problemlos dieser Figur] als Sender zugeordnet werden. Sobald der Film Dialoge zwischen mehreren Figuren darstellt und in den Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle mehr als eine Figur gezeigt wird, muss der Rezipient annehmen, dass alle Figuren potentiell als Sender oder Empfänger der im Zwischentitel aufgeführten Replik in Frage kommen.

Die Inszenierung von ÄGIR ist sehr theaterhaft, und die Kamera bleibt mit Ausnahme von wenigen Schwenks in fixierter Position. Die Schwenks sind nicht zur Identifizierung der Sender- oder Empfängerfiguren funktionalisiert. Die Distanz der Kamera ist während der Dialogszenen konstant. Gespräche zwischen Figuren werden nicht durch ein besonderes Montageverfahren, wie etwa der Schuss-Gegenschuss-Technik, aufgelöst. Es bleiben alle an einem Dialog beteiligten Figuren in den Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle sichtbar, keine Figur wird durch eine besondere oder nähere Einstellung hervorgehoben. Die Kamera bleibt auch bei Dialogen wie in der Kriegsanleihe-Zeichnungsstelle (E49-56) distanziert. Die Einstellungsgröße ist nie näher als „halbnah“ oder „halbtotal“. Das bedeutet, dass die Möglichkeit, eine Figur als Sender oder Empfänger einer Replik festzulegen, hinsichtlich der Bildeinstellungen allein auf das Spiel der Darsteller und auf ihre Position im Raum beschränkt bleibt. Der seltene Wechsel von Einstellungsgrößen wird durch Figurenbewegung vom Hinter- in den Vordergrund ausgeglichen. Diese Figurenbewegung wird neben dem Spiel der Darsteller im Zusammenhang mit Dialogsituationen funktionalisiert (siehe E49-56).

Der in Bildeinstellungen zwischen Figuren mimisch dargestellte Dialog, der im Zusammenhang mit Zwischentiteln der direkten Rede steht, findet immer im Vorder- bis Mittelgrund des Bildes statt. An einem Wortwechsel sind immer jene Figuren beteiligt, die, räumlich gesehen, in den Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle einander am nächsten stehen und Blickkontakt haben. Diese Beobachtung ist vor allem für Bildeinstellungen relevant, in denen mehr als zwei Figuren, die an einem Dialog beteiligt sind, sichtbar sind. Ein sicheres Mittel, den Sender einer innerhalb eines Zwischentitels aufgeführten Rede zu identifizieren, ist der mit dem Inhalt der Rede in Verbindung stehende soziokulturelle Gestus einer Figur, wie etwa eine einladenden Handbewegung oder eine ausdrucksstarke Mimik.73

Die Anrede der Empfängerfigur kann durch Namensnennung oder -substitution (Adelstitel, Berufsbezeichnung oder Verwandtschaftsverhältnis) als Informationsquelle des Zwischentitels dazu benutzt werden, die betreffende S-E- Relation festzulegen. „Vater, ich melde mich freiwillig zur U-Bootwaffe“.74 Natürlich ist die Anrede auch in anderer Weise funktionalisiert. Sie kann den S-E-Kontakt bestätigen sowie das Verhältnis der am Dialog beteiligten Figuren zueinander (in sozialer oder emotionaler Hinsicht) ausdrücken. Die Anrede ist vor allem dann für den Zwischentitel ein obligatorischer Bestandteil, wenn die Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle den Empfänger einer Rede nicht [darstellen.]



73 Vgl. ebd., S. 148.

74 U-BOOTE HERAUS: Zwischentitel 8.

[Seite 147]

Zeigen die Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle nur eine Figur, kann die im Zwischentitel ausgedrückte Rede problemlos dieser Figur als Sender zugeordnet werden. Dieser Fall tritt allerdings nur beim inneren Monolog auf. Sobald der Film Dialoge zwischen mehreren Figuren darstellt und in den Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle mehr als eine Figur gezeigt wird, muß der Rezipient annehmen, daß alle Figuren potentiell als Sender oder Empfänger der im Zwischentitel aufgeführten Replik in Frage kommen.

Die Inszenierung des Studenten von Prag ist sehr theaterhaft, und die Kamera bleibt mit Ausnahme von wenigen Schwenks in fixierter Position. Die / Schwenks sind nicht zur Identifizierung der Sender- oder Empfängerfiguren funktionalisiert. Die Distanz der Kamera ist während der Dialogszenen konstant. Gespräche zwischen Figuren werden nicht durch ein besonderes Montageverfahren, wie etwa der Schuß-Gegenschuß-Technik, aufgelöst. Es bleiben alle an einem Dialog beteiligten Figuren in den Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle sichtbar, keine Figur wird durch eine besondere oder nähere Einstellung hervorgehoben. Die Kamera bleibt auch bei Dialogen beharrlich distanziert. Die Einstellungsgröße ist nie näher als ,amerikanisch' oder ,halbtotal'. Das bedeutet, daß die Möglichkeit, eine Figur als Sender oder Empfänger einer Replik festzulegen, hinsichtlich der Bildeinstellungen allein auf das Spiel der Darsteller und auf ihre Position im Raum beschränkt bleibt.

[Seite 148]

Der seltene Wechsel von Einstellungsgrößen wird durch Figurenbewegung vom Hinter- in den Vordergrund ausgeglichen. Diese Figurenbewegung wird neben dem Spiel der Darsteller im Zusammenhang mit Dialogsituationen funktionalisiert.

[...] Der in Bildeinstellungen mimisch dargestellte Dialog zwischen Figuren, der im Zusammenhang mit Zwischentiteln der direkten Rede steht, findet immer im Vordergrund des Bildes statt.

[...]

Es sind immer jene Figuren an einem Wortwechsel beteiligt, die, räumlich gesehen, in den Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle einander am nächsten stehen und Blickkontakt haben. Diese Beobachtung ist vor allem für Bildeinstellungen relevant, in denen mehr als jene zwei Figuren, die an einem Dialog beteiligt sind, sichtbar sind. [...]

[...]

Ein sicheres Mittel, den Sender einer innerhalb eines Zwischentitels aufgeführten Rede zu identifizieren, ist der mit dem Inhalt der Rede in Verbindung stehende soziokulturelle Gestus einer Figur.

So wird z. B. die Aufforderung Balduins an die Comtesse, ihm aus dem Ballsaal in den Säulengang zu folgen, von einer einladenden Handbewegung begleitet (E 95). [...] Die Mimik bzw. die Mundbewegungen der Figuren sind im Film allerdings keine verläßliche Informationsquelle, [...]

[Seite 149]

Die Anrede der Empfängerfigur kann durch Namensnennung oder Namenssubstitution (Adelstitel, Berufsbezeichnung oder Verwandtschaftsverhältnis) als Informationsquelle des Zwischentitels dazu benutzt werden, die betreffende S-E-Relation festzulegen. Natürlich ist die Anrede auch in anderer Weise funktionalisiert. Sie kann den S-E-Kontakt bestätigen (phatische Funktion) sowie das Verhältnis der am Dialog beteiligten Figuren zueinander (in sozialer oder emotionaler Hinsicht) ausdrücken. Die Anrede ist vor allem dann für den Zwischentitel ein obligatorischer Bestandteil, wenn die Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle den Empfänger einer Rede nicht darstellen.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme sind nicht gekennzeichnet.

Die Beispiele differieren, der Wortlaut ist nichtsdestoweniger nahezu identisch.

Sichter
(Graf Isolan) Agrippina1

[7.] Uo/Fragment 199 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-07-08 17:11:43 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Orosz 1988, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 199, Zeilen: 1-11
Quelle: Orosz 1988
Seite(n): 149, Zeilen: 16-19, 27-36
[Die Anrede ist vor allem dann für den Zwischentitel ein obligatorischer Bestandteil, wenn die Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle den Empfänger einer Rede nicht] darstellen. Die Senderfigur ist allein im Bild und spricht zu einer Figur, die sich zu ihr in räumlicher Distanz befindet.75

Ist der Empfänger im Zwischentitel nicht durch die Anrede angegeben, so ist der Zuschauer auf die Informationen der Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle angewiesen. Fehlen sie hier, so muss die Kontextinformation über die am Wortwechsel beteiligten Figuren hinzugezogen werden, um die S-E-Relation zu klären. Mit dem Inhalt der Rede in Verbindung gebracht, erlauben die kontextuellen Informationen über die Figuren dem Rezipienten ein Verfahren der logischen Schlussfolgerung zur Ermittlung der S-E-Relation.76 Hilfreich ist hierbei das zusammenfassende Schema nach Susanne Orosz zur Syntagmatischen Stelle und ihrem Kontext77:


75 Vgl. Orosz: Funktion von Zwischentiteln, in: Der Stummfilm, hrsg. von E. Ledig, 1988, S. 149.

76 Vgl. ebd.

77 Vgl. ebd., S. 150 (Abb. 3).

Die Anrede ist vor allem dann für den Zwischentitel ein obligatorischer Bestandteil, wenn die Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle den Empfänger einer Rede nicht darstellen. Die Senderfigur ist allein im Bild und spricht zu einer Figur, die sich zu ihr in räumlicher Distanz befindet.

[...]

Ist der Empfänger im Zwischentitel nicht durch die Anrede angegeben, so ist der Zuschauer auf die Informationen der Bildeinstellungen der syntagmatischen Stelle angewiesen. Fehlen sie hier, so muß die Kontextinformation über die am Wortwechsel beteiligten Figuren hinzugezogen werden, um die S-E-Relation zu klären. Mit dem Inhalt der Rede in Verbindung gebracht, erlauben die kontextuellen Informationen über die Figuren dem Rezipienten ein Verfahren der logischen Schlußfolgerung zur Ermittlung der S-E-Relation.

Damit wird das zuvor entworfene Modell der syntagmatischen Stelle zur Rekonstruktion der S-E-Relation erweitert (siehe zusammenfassend das Schema in Abb. 3).

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme sind nicht gekennzeichnet.

Tatsächlich folgt die Einfügung von Orosz Schema zwischen den Zeilen 11 und 12.

Sichter
(Graf Isolan) Agrippina1

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