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Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Rainer Rother
Titel    BEI UNSEREN HELDEN AN DER SOMME. Eine deutsche Antwort auf die Entente-Propaganda
Zeitschrift    KINtop - Jahrbuch zur Erforschung des frühen Films
Sammlung    Anfänge des dokumentarischen Films
Herausgeber    Frank Kessler, Sabine Lenk, Martin Loiperdinger
Ort    Basel, Frankfurt am Main
Verlag    Stroemfeld/Roter Stern
Jahr    1995
Nummer    4
Seiten    123-142
ISBN    3-87877-784-1

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    ja
Fragmente    8


Fragmente der Quelle:
[1.] Uo/Fragment 225 18 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-15 21:15:53 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Rother 1995, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 225, Zeilen: 18-40
Quelle: Rother 1995
Seite(n): 125, Zeilen: 5-9, 10-13, 16-29, 31-34, 36-39
Dieser englische Film hatte in gewisser Hinsicht Vorbildfunktion. Seine Wirkung war den deutschen Stellen bekannt: „Es wird zur Zeit in England ein Film aus den Sommekämpfen vorgeführt, der die englischen Leistungen verherrlicht und unsere Taten herabzudrücken versucht.“13 Ein Herr Binz, der die deutsche Filmpropaganda in Skandinavien organisieren sollte, berichtete der ZfA telegrafisch, das Publikum verlange „möglichst grausame sensationelle Schlachtenbilder, ähnlich englischem Sommefilm“.14

Die britischen Kameraleute an der Front besaßen die Möglichkeit, die Vorbereitungen der Schlacht sowie einige ihrer Begebenheiten extensiv zu filmen. Sie waren informiert und zur rechten Zeit am rechten Platz. Das Bildmaterial wurde überwiegend an den Schauplätzen der Schlacht aufgenommen, nur relativ wenige Szenen wurden inszeniert. Roger Smither deckt 1993 in seiner Analyse des Films eine Reihe von Fälschungen (fakes) auf - inszenierte Szenen und Bildsequenzen, die zu einer anderen Zeit oder an einem anderen Ort an der Somme aufgenommen worden sind. Ungeachtet solcher Fälschungen enthält der Film jedoch vor allem authentisches Material. Das war ungewöhnlich und für die Zeitgenossen völlig neu. Die „Propaganda der Fakten“, auch von der britischen Regierung zur offiziellen Linie erklärt, bewährte sich hier. Das Gezeigte war in der Mehrzahl der Fälle „authentisch“, die dokumentierten Szenen erschienen daher glaubwürdig. THE BATTLE OF THE SOMME verwandelte propagandistisch geschickt unter weitgehendem Rückgriff auf „dokumentarisches“ Material ein militärisches Desaster in einen Erfolg.15 Die Qualifizierung des Filmes wurde durch den augenfälligen Kontrast zu den Spielfilmen möglich. THE BATTLE OF THE SOMME behauptete, ein [Nonfiction-Film zu sein.16]


13 BArch, R 901/ 947, Bl. 33, Preußisches Kriegsministerium an den Reichskanzler, 21.10.1916.

14 Ebd., Bl. 161.

15 Rainer Rother: Bei unseren Helden an der Somme. Eine Deutsche Antwort Auf die Entente-Propaganda, in: KINtop 4, hrsg. von F. Kessler, S. Lenk, M. Loiperdinger, 1995, S. 123-142, hier S. 125.

[16 Vgl. ebd.]

Der englische Film nahm in gewisser Hinsicht die Funktion eines Vorbildes an; seine Wirkung jedenfalls war den deutschen Stellen bekannt: »Es wird zur Zeit in England ein Film aus den Sommekämpfen vorgeführt, der die englischen Leistungen verherrlicht und unsere Taten herabzudrücken versucht.«12 Als der Film dann auch im neutralen Ausland lief, erreichte die ZfA ein dramatischer Hilferuf. Er kam von einem Herrn Binz, der die deutsche Filmpropagada [sic] in Skandinavien organisieren sollte und der telegrafisch berichtete, das Publikum verlange »möglichst grausame sensationelle Schlachtenbilder, ähnlich englischem Sommefilm«.13

[...] Die britischen Kameraleute an der Front besaßen die Möglichkeit, die Vorbereitungen der Schlacht sowie einige ihrer Begebenheiten extensiv zu filmen: Dieses Mal waren sie informiert und zur rechten Zeit am rechten Platz. Das Bildmaterial ist überwiegend an den Schauplätzen der Schlacht aufgenommen worden, nur relativ wenige Szenen wurden inszeniert.14 Roger Smither deckt in seiner Analyse des Films eine Reihe von fakes auf - nicht nur inszenierte Szenen, sondern auch Bildsequenzen, die zu einer anderen Zeit oder an einem anderen Ort an der Somme aufgenommen wurden. Ungeachtet solcher Fälschungen enthält der Film vor allem authentisches Material - und das ist das Ungewöhnliche, den Zeitgenossen völlig neu und glaubwürdig Erscheinende an diesem Film. Die >Propaganda der Fakten<, auch von der britischen Regierung zur offiziellen Linie erklärt, bewährte sich hier mit der ihr innewohnenden Zweischneidigkeit. Das Gezeigte ist in der Mehrzahl der Fälle >authentisch<, die dokumentierten Szenen erscheinen daher glaubwürdig. [...] THE BATTLE OF THE SOMME verwandelt propagandistisch geschickt ein militärisches Desaster in einen Erfolg. Aber der Film erreicht dies unter weitgehendem Rückgriff auf >dokumentarisches< Material. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, denen die Inszenierung überdeutlich angesehen wurde, erschien er dem Publikum als ein getreuer Bericht der Ereignisse, als ein >Dokument<. Diese Qualifizierung wurde möglich durch den augenfälligen Kontrast zu den >Spielfilmen<: Ihnen gegenüber behauptete THE BATTLE OF THE SOMME, ein non-fiction-Film zu sein.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

[2.] Uo/Fragment 226 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-13 23:39:46 Graf Isolan
Fragment, Gesichtet, Rother 1995, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 226, Zeilen: 1-13, 102-105
Quelle: Rother 1995
Seite(n): 125, 126, Zeilen: 125:39-40; 126:3-6.18-25
Erstmalig wurden in einigen Szenen die Schrecken des Krieges gezeigt. Die Innovation, die THE BATTLE OF THE SOMME darstellte, seine Glaubwürdigkeit und sein Erfolg bewirkten, dass der erste Film, der von der neuen Institution BUFA vorgestellt wurde, als deutsche Antwort auf diesen englischen Film konzipiert wurde.

Das BUFA wurde bemerkenswerterweise bereits vor seiner offiziellen Gründung am 30. Januar 1917 aktiv und trat schon anlässlich der Uraufführung des Films BEI UNSEREN HELDEN AN DER SOMME an die Öffentlichkeit.17 Zum ersten Mal wurde ein Film als offizielle Bekanntmachung präsentiert. Erstaunlich war, dass vorab in der Presse über das Ereignis berichtet und ein ausgewähltes Publikum, darunter auch Journalisten, dazu eingeladen wurde, zumal es in Deutsch- land zuvor keine vergleichbare „Pressevorführung“ für Propagandafilme gegeben hatte.


17 BEI UNSEREN HELDEN AN DER SOMME, Produktion: BUFA, die Kameramänner sind nicht ermittelt, d.h. es gibt keine Produktionsunterlagen, 981 Meter, Erstaufführung: 19.1.1917, Erstzensur 27.1.1917 mit einer Länge von 967 m. Die Kopie des Bundesarchiv-Filmarchiv Berlin hat eine Länge von 964 m und entspricht vermutlich der Fassung von 1921. Siehe Filmprotokoll.

[Seite 125]

Erstmalig war ein Film entstanden, der es unternahm, mindestens in einigen Szenen den Schrecken des Krieges zu zeigen.

[Seite 126]

Die Innovation, die THE BATTLE OF THE SOMME darstellte, seine Glaubwürdigkeit und sein Erfolg machen es verständlich, daß der erste Film, der von der neuen Institution Bufa vorgestellt wurde, als deutsche Antwort auf den englischen Film konzipiert war. [...]

[...]

[...] Das Bufa wurde bemerkenswerterweise bereits vor dem Gründungserlaß des Preußischen Kriegsministeriums (vom 30. Januar 1917) aktiv und trat sogar an die Öffentlichkeit: anläßlich der Uraufführung des Films BEI UNSEREN HELDEN AN DER SOMME.16

Auffallend an dieser Premiere ist zunächst, daß es sie überhaupt gab - es war das erste Mal, daß ein Film auf diese Art, quasi als eine offizielle Bekanntmachung, präsentiert wurde. Im damaligen Kontext ist auch erstaunlich, daß vorab in der Presse über das Ereignis berichtet und zu ihm ein ausgewähltes Publikum, darunter auch Journalisten, eingeladen wurde. Schon diese Einladung war ungewöhnlich, es gab zuvor in Deutschland keine vergleichbare >Pressevorführung< für Propagandafilme, noch dazu in derart festlichem Rahmen.


16 BEI UNSEREN HELDEN AN DER SOMME, Produktion: Bufa (>in Gründung<), Kameramänner nicht ermittelt (keine Produktionsunterlagen vorhanden), 981 Meter, Erstaufführung: 19.1.1917, Erstzensur 27.1.1917 mit einer Länge von 967 m. Die Kopie des Bundesarchivs hat eine Länge von 964 m und entspricht vermutlich der Fassung von 1921. Für diese Angaben danke ich Hans-Gunter Voigt, Bundesarchiv-Filmarchiv Berlin.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

[3.] Uo/Fragment 226 25 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-08-19 20:10:07 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Rother 1995, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 226, Zeilen: 25-32, 108-113
Quelle: Rother 1995
Seite(n): 127, Zeilen: 127:11-17.22-25; 135:30-36
Im Berliner Tageblatt vom 20. Januar 1917 wurde mit dem Titel Kämpfe an der Somme u.a. veröffentlicht:

„Das Bild- und Filmamt (Militärische Stelle des Auswärtigen Amtes) hatte gestern nachmittag zu einer Filmvorführung im Tauentzienpalast geladen, die von sonstigen Kinoschauspielen sich erheblich unterschied. Keine Detektivgeschichte und kein Scherzerlebnis wurde gezeigt, sondern der grausige Ernst des Krieges sprach zu den Zuschauern, die von ihren weichen Sesseln beklommen ein Blick in die Hölle tun durften, in der unsere Tapferen für die Ruhe der Leute zu Hause leben und sterben müssen. [...] Ist dies noch Bild, nur Bild? Auch die lahmste Phantasie wird fortgerissen und ergänzt diese Abschrift der Wirklichkeit durch das Getöse des Kampfes. Alle Zuschauer schweigen, keinem kommt es in den Sinn, nach diesen Szenen Beifall zu spenden. Aber es gibt auch keinen, der unbewegt von dannen ginge. Achtung vor dem Kino, dem vielverlästerten! Hier wird es Geschichte.”l8

In der Auslassung werden die drei deutlich voneinander abgehobenen Teile des Films besprochen. Die Botschaften seiner Zwischentitel werden zum Teil paraphrasiert, zum Teil wird die bildlich umgesetzte Propaganda in Worte gefasst. Keiner der Artikel, die ab dem 20. Januar in der Berliner Presse erschienen, versäumte es, auf den offiziellen Charakter des Films hinzuweisen, der auch in den Anzeigen erwähnt wurde.l9 Die Vorab-Berichterstattung war von der Öffentlichkeitsarbeit des BUFA als Möglichkeit erkannt und genutzt worden, eine bestimmte Rezeptionsweise zu lancieren.20


18 BArch 901/947, Bl. 230: Berliner Tageblatt vom 20. Januar 1917 mit dem Titel: Kämpfe an der Somme.

19 In der Lichtbildbühne gibt es ein kleines Reklamegerangel um den Film. Für die EIKOWOCHE Nr. 124 (Erscheinungstag Freitag, der 19. Januar 1917 - also am Uraufführungstag von BEI UNSEREN HELDEN AN DER SOMME), wird in der Nr. 2 so geworben: „hochinteressante Bilder von der Somme-Schlacht. Handgranaten-Angriff, Truppen gehen zum Sturm vor, Trommelfeuer u. a.“. Bemerkenswert ist diese Reklame, weil aktuell die Front an der Somme im Januar 1917 keineswegs besonders umkämpft ist; die alliierte Offensive ist längst beendet worden.

20 Vgl. die „atemlose Prosa" von Hans Brennert in der BZ am Mittag am 17. Januar, die [offenbar versucht, das Filmerlebnis zu suggerieren, abgedruckt bei: Rother: Helden an der Somme, in: KINtop 4, hrsg. von F. Kessler, S. Lenk, M. Loiperdinger, 1995, S. 127. Dort auch ein ausführlicher Vergleich zur Berichterstattung der Presse über diesen Film.]

[Seite 126]

Der Vorbericht erschien am 17. Januar, zwei Tage vor der Premiere, in der BZ am Mittag; verfaßt hatte ihn Hans Brennert.17

[Seite 127]

Die atemlose Prosa, die auch den Rest des Textes prägt, versucht offenbar das >Filmerlebnis< zu suggerieren. Die drei deutlich voneinander abgehobenen Teile des Films werden alle in dieser Art beschworen, wobei zum Teil die Botschaften seiner Zwischentitel paraphrasiert werden, zum Teil seine bildlich umgesetzte Propaganda in Worte gefaßt wird. Die Vorab-Berichterstattung ist also von der Öffentlichkeitsarbeit des Bufa als Möglichkeit erkannt und genutzt worden, eine bestimmte Rezeptionsweise zu lancieren.

[...]

[...] Keiner der Artikel, die ab dem 20. Januar in der Berliner Presse erscheinen, versäumt es, auf den offiziellen Charakter des Films hinzuweisen, der auch in den entsprechenden Anzeigen erwähnt wird.18

[Seite 135]

Am weitesten jedoch ging das Berliner Tageblatt, und wurde dabei grundsätzlich:

Ist dies noch Bild, nur Bild? Auch die lahmste Fantasie wird fortgerissen und ergänzt diese Abschrift der Wirklichkeit durch das Getöse des Kampfes. Alle Zuschauer schweigen, keinem kommt es in den Sinn, nach diesen Szenen Beifall zu spenden. Aber es gibt auch keinen, der unbewegt von dannen ginge. Achtung vor dem Kino, dem Vielverlästerten! Hier wird es Geschichte!31


17 Hans Brennert war später auch als Drehbuchautor für das Bufa tätig, bei den Filmen DAS TAGEBUCH DES DR. HART und DER FELDGRAUE GROSCHEN; vgl. Barkhausen, Filmpropaganda für Deutschland, S. 169. Für den Film DAS SAUGETIER (Produktion: Union-Film, 1918) schrieb er die Verse der Zwischentitel.

18 In der Lichtbildbühne gibt es ein kleines Reklamegerangel um den Film. Für die EIKO-WOCHE Nr. 124 (Erscheinungstag Freitag, der 19. Januar - also am Uraufführungstag von BEI UNSEREN HELDEN AN DER SOMME wird in der Nummer 2, 1917 so geworben: »hochinteressante Bilder von der Somme-Schlacht. Handgranaten-Angriff, Truppen gehen zum Sturm vor, Trommelfeuer u. a.«. Bemerkenswert ist diese Reklame, weil aktuell die Front an der Somme im Januar 1917 keineswegs besonders umkämpft ist; die alliierte Offensive ist längst beendet worden. Offenbar wird hier auf einen >Mitnahme-Effekt< spekuliert. In der Lichtbildbühne Nr. 3, 1917, wird entsprechend geantwortet. BEI UNSEREN HELDEN AN DER SOMME sei »nicht zu verwechseln mit anderen Kriegsfilmen, die lediglich kleine Ausschnitte in Wochenübersichten geben!«

[...]

31 Beide am 20.1.1917.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Was Uo in der "Auslassung" in dem Artikel aus dem Berliner Tageblatt vom 20.1.1917 zu finden vorgibt, schreibt Rother (1995) explizit einem Artikel von Hans Brennert in der BZ am Mittag vom 17.1.1917 zu.

Die Zeilenzählung dieses Fragments beginnt nach dem Zitat aus dem Berliner Tageblatt. Dieses wurde hier mit wiedergegeben, um o.a. Sachverhalt zu dokumentieren.

Sichter
(Graf Isolan) Agrippina1

[4.] Uo/Fragment 228 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-08-20 16:32:41 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Rother 1995, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 228, Zeilen: 1-33 (komplett), 105-113
Quelle: Rother 1995
Seite(n): 124, 125, 128, 136, Zeilen: 124:33-39-125:1-4; 128:5-13.17-28; 136:23-25
Die Zeitschrift Ost und West berichtete am 10.11.1916 aus Kopenhagen über die üblichen Probleme der deutschen Filme und fügte hinzu, es sei „ein gewaltiger Ententefilm hier eingetroffen, den man als Attraktion ersten Ranges bezeichnet“24 Dieser beispiellose Erfolg des englischen Filmes beschleunigte den Prozess des Umdenkens. In der Begleitbroschüre zur Video-Edition von THE BATTLE OF THE SOMME von Roger Smither wird kalkuliert, dass 20 Millionen Menschen den Film gesehen haben könnten, eine kaum glaubliche Zahl, da 1916 die Gesamtbevölkerung Großbritanniens 43 Millionen betrug. Bei aller Skepsis gegenüber dieser Schätzung ist der große Publikumserfolg dieses Films unbestritten.25

Die Überzeugungskraft des britischen Films beruhte ganz wesentlich auf der ungewohnten Brutalität der Abbildungen. Nie zuvor waren Bilder toter Soldaten gezeigt worden, auch nicht in der Fotoberichterstattung. Diese fraglos authentischen Aufnahmen stärkten die Glaubwürdigkeit der Inszenierungen, weil sie einen Schock auslösten. Auch die vieldiskutierte Sequenz, in der die Truppen den Schützengraben zum Sturmangriff verlassen (im Englischen als „over the top-sequence“ bezeichnet), ist in der Art ihrer Aufnahme nicht von vornherein unglaubwürdig, da die Kameraeinstellungen ein Mindestmaß an Wahrscheinlichkeit beibehalten.26

„Dass gut gestellte Kriegsfilme im übrigen auch jetzt noch Erfolg haben können, hat unser Somme-Film bewiesen, [...].“27 Es muss bezweifelt werden, ob die deutsche Antwort BEI UNSEREN HELDEN AN DER SOMME jemals annähernd so überzeugend wie The Battle Of The Somme gewirkt hat. Der dreiteilige Film zeigt die Situation hinter der Front an der Somme, einen Vorstoß im Saint-Pierre- Vaast-Wald und einen Angriff bei Bouchavesnes. In den beiden letzten Fällen ist es jedoch mehr als fraglich, ob die Bilder des Films an den Orten entstanden, die in den Zwischentiteln angegeben werden, und ob es sich überhaupt um die behaupteten Ereignisse handelt.

Der erste Teil des Films verwendet jedoch durchgängig dokumentarisches Material.28 Am Beginn stehen die Belege für den Erfolg der deutschen Truppen. Während The Battle Of The Somme ein Desaster der Entente in einen Sieg umdeutet, kann der deutsche Film das Halten der meisten Stellungen vergleichsweise unproblematisch als Sieg darstellen.


24 BArch, R 901/947, Bl. 91.

25 Vgl. Reeves: Cinema, Spectatorship and Propaganda, in: Historical Journal of Film. Radio and Television, 1997, S. 8.

26 Vgl. Rother, ebd.. S. 128.

27 BArch R901/ 948, Bl. 62-63, Schreiben der Kaiserlich Deutsche Gesandschaft [sic] in der Türkei (gez. Kühlmann), 4. Mai 1917.

28 Die Abgrenzung „authentischen“ Materials von inszenierten Szenen ist problematisch, insofern auch die „dokumentarischen“ Aufnahmen eine Veränderung der Situation vor der Kamera einschließen - es gibt kaum Filmbilder, die eine Realität zeigen, wie sie ohne die Kamera wäre (Aufnahmen mit versteckter Kamera können hier eine Ausnahme sein). Eine Aufnahme soll hier als „dokumentarisch“ verstanden werden, wenn sie dem Anschein nach tatsächlich an dem Ort und in der Situation aufgenommen wurde, die von den Zwischentiteln angegeben wird.

[Seite 124]

Möglicherweise beschleunigte der beispiellose Erfolg des englischen Filmes den Prozeß des Umdenkens: Nicholas Hiley rechnet mit einer Million Besuchern allein in London während der ersten Woche10. Und in der Begleitbroschüre zur Video-Edition von THE BATTLE OF THE SOMME und THE BATTLE OF THE ANCRE wird die Kalkulation wiedergegeben, nach der den ersten Film 20 Millionen Menschen gesehen haben könnten - eine kaum glaubliche Zahl, da 1916 die Ge-

[Seite 125]

samtbevölkerung Großbritanniens 43 Millionen betrug.10 Die bei Smither, dem Herausgeber der Video-Edition, durchklingende Skepsis gegenüber diesen Schätzungen schmälert indes kaum den großen Publikumserfolg von THE BATTLE OF THE SOMME.

[Seite 128]

Ganz wesentlich zur Überzeugungskraft des britischen Films hatte die ungewohnte Brutalität der Abbildungen beigetragen. Bilder toter Soldaten waren zuvor nie (auch nicht in der Fotoberichterstattung) gezeigt worden. Es mag sein, daß diese fraglos authentischen Aufnahmen die Glaubwürdigkeit der Inszenierungen stärkten, gerade weil sie einen Schock auslösten. Diese aber, selbst die vieldiskutierte Sequenz, in der die Truppen den Schützengraben zum Sturmangriff verlassen (die im Englischen als »over the top-sequence« bezeichnet wird), sind in der Art ihrer Aufnahme nicht vorweg unglaubwürdig, behalten in den Kameraeinstellungen ein Mindestmaß an Wahrscheinlichkeit bei.22 [...]

Ob die deutsche Antwort BEI UNSEREN HELDEN AN DER SOMME jemals annähernd überzeugend gewirkt hat, muß bezweifelt werden. Die drei Teile des Films zeigen die Situation hinter der Front an der Somme, einen Vorstoß im Saint-Pierre-Vaast-Wald und einen Angriff bei Bouchavesnes. In den beiden letzten Fällen ist jedoch mehr als fraglich, ob die Bilder des Films an den Orten entstanden, die in den Zwischentiteln angegeben werden - und ob es sich um die behaupteten Ereignisse handelt.

Der erste Teil jedoch verwendet durchgängig dokumentarisches Material.23 Am Beginn stehen die Belege für den Erfolg der deutschen Truppen - während THE BATTLE OF THE SOMME ein Desaster der Entente in einen Sieg umdeutet, kann der deutsche Film das Halten der meisten Stellungen vergleichsweise unproblematisch als Sieg darstellen.

[Seite 136]

»Daß gut gestellte Kriegsfilme im übrigen auch jetzt noch Erfolg haben können, hat unser Somme-Film bewiesen, der allgemein größtes Interesse erregt hat.«34


8 [...] (BAP R 901, Akte 947, S. 31).

9 Auch hier berichten die Vertrauensleute aus dem Ausland entsprechend. Der Chefredakteur der Zeitschrift Ost und West berichtete am 10.11.1916 aus Kopenhagen über die üblichen Probleme der deutschen Filme und fügte hinzu, es sei »ein gewaltiger Ententefilm hier eingetroffen, den man als Attraktion ersten Ranges bezeichnet« (ebenda, S. 91).

10 Nicholas Hiley, »Der Erste Weltkrieg im britischen Film«, in Rainer Rother (Hg.), Die letzten Tage der Menschheit, S. 222.

11 Vgl. Roger Smither (Hg.), The Battles of the Somme and Ancre, Imperial War Museum, London 1993, S. 21.

[...]

22 Vgl. Smither, »>A wonderful Idea of the Fighting<«, Historical Journal of Film, Radio and Television, vol. 13, no. 2, S. 149-153.

23 Die Abgrenzung >authentischen< Materials von inszenierten Szenen ist problematisch, insofern auch die >dokumentarischen Aufnahmen< eine Veränderung der Situation vor der Kamera einschließen - es gibt kaum Filmbilder, die eine Realität zeigen, wie sie ohne die Kamera wäre (Aufnahmen mit versteckter Kamera können hier eine Ausnahme sein). Als >dokumentarisch< soll hier eine Aufnahme verstanden werden, die aller Wahrscheinlichkeit nach tatsächlich an dem Ort und in der Situation aufgenommen wurde, die von den Zwischentiteln angegeben wird.

[...]

34 Von Kühlmann, Kaiserliche Deutsche Gesandtschaft in Pera, 4.5.1917, BAP R 901, Akte 948, S. 62.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahmen bleiben ungekennzeichnet. Der Hinweis auf die eigentliche Quelle fällt fast schon kursorisch an einer einzigen Stelle auf der Seite. Selbst der Endnotenapparat von Rother wird umfangreich "genutzt".

Sichter
(Graf Isolan) Agrippina1

[5.] Uo/Fragment 229 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-08-20 16:33:58 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Rother 1995, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 229, Zeilen: 1-33
Quelle: Rother 1995
Seite(n): 128, 129, 132, 133, Zeilen: 128:28-32; 129:6-8.16-17 - 132:1-4.14-20.25-27.32-35.41-42 - 133:1-15
[Bilder von Gefangenen und von verwun]deten gegnerischen Soldaten auf Bahren, die in einen Eisenbahnwaggon geladen werden, stehen für diesen Erfolg. Das Betonen der eigenen militärischen Stärke knüpft ironisch an die Feindpropaganda an (siehe Zwischentitel 5 bis 11). Die Eingangssequenz setzt auf den Kontrast zwischen dem ,geschlagenen Feind' und den starken deutschen Truppen. In der Folge variiert der Film ausschließlich das Thema der von der Entente zerstörten französischen Ortschaften. Analog zu den zahlreichen Entente-Filmen, in denen Zerstörungen von Städten, Dörfern und Landschaften zum Beleg für die rücksichtslose deutsche Kriegsführung gezeigt werden, benutzt auch der deutsche Somme-Film Bilder von Verwüstungen. Mit zunehmender Kriegsdauer bekamen die Verwüstungen noch eine weitere Bedeutung, sie zeugten davon, was dem eigenen Land erspart blieb, weil die deutschen Truppen in fremden Ländern „standhielten“.29 Der erste Teil des Films zeigt auch in den Trümmern ein weitgehend geordnetes Leben der Soldaten, deren Schicksal er beklagt, da sie unter so unzureichenden Bedingungen ausharren müssen. Er liegt noch auf der ironischen Linie der „Wir Barbaren“- Propaganda, mit der feindlichen Anwürfen begegnet werden sollte. Diese Vorwürfe der EntentePropaganda [sic] prägen die Aussagen, die durch die Bildauswahl illustriert werden. Die beiden folgenden Teile des Films gehen völlig anders vor. Die Bilder erscheinen nicht mehr dokumentarisch. Alle Kriterien sprechen gegen ihre Authentizität. Die gezeigten Orte sind jeweils nur aus sehr wenigen Schauplätzen komponiert, wiedergegeben in gering variierten Einstellungen. Sie zeigen alle Indizien eines Übungsgeländes; Spuren, die auf den Kampfplatz an der Somme verweisen, gibt es nicht. Der Wald, in dem der zweite Teil des Filmes spielt, und den der einleitende Titel als Wald von Saint-Pierre-Vaast bezeichnet, ist gänzlich unbeschädigt; keinerlei Spuren eines Bombardements sind zu sehen. Auch die Gegend, die im dritten Teil angeblich ein Abschnitt von Bouchavesnes ist, wirkt wie ein Übungsgelände. Die Kamerapositionen sind oft so exponiert, dass sie wohl kaum am Kriegsschauplatz entstanden sind. Die Kamera schaut in die Gräben hinein, und auch im Wald müsste der Operateur deutlich sichtbar in der Gegend gestanden haben, um seine Aufnahmen zu erzielen. Bei der Minenexplosion (siehe E58 bis E82), die als Höhepunkt des zweiten Teils arrangiert ist, steht die Kamera derart nahe an der Explosion, dass die herausgeschleuderten Steine sie fast treffen - sie hätte also mitten im feindlichen Gebiet stehen müssen.

29 Vgl. Rother: Helden an der Somme, in: KINtop 4, hrsg. von F. Kessler, S. Lenk, M. Loiperdinger, 1995, S. 132.

[Seite 128]

Bilder von Gefangenen und von verwundeten gegnerischen Soldaten auf Bahren, die in einen Eisenbahnwaggon geladen werden, stehen für diesen Erfolg. Das Betonen der eigenen militärischen Stärke knüpft ironisch an die Feindpropaganda an, der überleitende Zwischentitel lautet: »Die Reserven des erschöpften Deutschland!« 

[Seite 129]

Die Eingangssequenz setzt auf den Kontrast zwischen dem >geschlagenen Feind< und den starken deutschen Truppen; [...]

[...] in der Folge variiert der erste Teil des Films ausschließlich das Thema der von der

[Seite 132]

Entente zerstörten französischen Ortschaften. Ganz analog den zahlreichen Entente-Filmen, in denen Zerstörungen von Städten, Dörfern und Landschaften zum Beleg für die rücksichtslose deutsche Kriegsführung gezeigt werden, benutzt auch der deutsche Somme-Film die Bilder von Verwüstungen. [...] Mit steigender Kriegsdauer bekamen die zunehmenden Verwüstungen noch eine andere Bedeutung: Sie zeugten davon, was dem eigenen Land erspart blieb, weil die deutschen Truppen in fremden Ländern »standhielten«.25

In den Trümmern zeigt der Film ein weitgehend geordnetes Leben der Soldaten (deren Schicksal, unter so unzureichenden Bedingungen ausharren zu müssen, er zugleich beklagt). [...]

Der erste Teil der Filmes liegt insgesamt noch auf der ironischen Linie der »Wir Barbaren«-Propaganda, mit der feindlichen Anwürfen begegnet werden sollte. [...] Der Bezug auf die Vorwürfe der Entente-Propaganda prägt die Aussagen, deren er sich bedient; und läßt die Bildauswahl zu ihrer Illustration werden.

Anders gehen die beiden folgenden Teile des Films vor. [...] Doch seine Bilder sind im zweiten und dritten Teil nicht länger dokumentarisch; gegen ihre Authen-

[Seite 133]

tizität sprechen fast alle Kriterien: Die gezeigten Orte sind jeweils aus nur sehr wenigen Schauplätzen komponiert, die in gering variierten Einstellungen wiedergegeben werden. Sie zeigen alle Indizien eines Übungsgeländes; Spuren, die auf den Kampfplatz an der Somme verweisen, gibt es nicht. Der Wald, in dem der zweite Teil des Filmes spielt, und den der einleitende Titel als Wald von Saint-Pierre-Vaast bezeichnet, ist gänzlich unbeschädigt; keinerlei Spuren eines Bombardements sind zu sehen. Auch die Gegend, die im dritten Teil angeblich ein Abschnitt von Bouchavesnes ist, wirkt wie ein Übungsgelände. Die Kamerapositionen sind oft so >exponiert<, daß sie wohl kaum am Kriegsschauplatz entstanden sind. In die Gräben schaut die Kamera hinein, im Wald müßte der Operateur ebenfalls deutlich sichtbar in der Gegend gestanden haben, um seine Aufnahmen zu erzielen. Und bei der Minenexplosion, die als Höhepunkt des dritten Teils arrangiert ist, steht die Kamera derart nahe an der Explosion, daß die herausgeschleuderten Steine sie fast treffen - sie hätte also mitten im feindlichen Gebiet stehen müssen.


25 Der am 12.10.1918 freigegebene Film RENTIER KULICKES FLUG ZUR FRONT formuliert diese Botschaft eindeutig.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan) Agrippina1

[6.] Uo/Fragment 230 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-08-20 16:36:08 Graf Isolan
Fragment, Gesichtet, Rother 1995, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 230, Zeilen: 1-21
Quelle: Rother 1995
Seite(n): 134, Zeilen: 134:1-4.6-13.18-32
Die Abläufe der Schlacht, die im englischen Somme-Film nicht als Geschehen an einem Ort, sondern als Panorama des ganzen Abschnittes dargestellt werden, beschränken sich im deutschen Film nur auf zwei Episoden, die mit einem glücklichen Ende versehen werden. Erst am Ende des Films gibt es wieder Bilder (E 167 bis 169), die aussehen, als seien sie tatsächlich im Verlauf der Somme-Schlacht, wenn auch nicht an der Front, aufgenommen worden. Hier stehen Gefangene unter der Bewachung deutscher Soldaten. Die Präsentation der Gefangenen am Ende des zweiten Teiles wird zur Mobilisierung rassistischer Vorurteile genutzt. Im Bild (E 85 und E 86) werden Gefangene mit dunkler Hautfarbe zu Gruppenbildern arrangiert und präsentiert.

Die deutsche Antwort auf den britischen Somme-Film befand sich von vornherein in einem unlösbaren Dilemma, denn gerade dessen überzeugende Szenen der Schlacht waren nicht gestellt. Vergleichbares Ausgangsmaterial stand anscheinend dem deutschen Film nicht zur Verfügung. Es gab noch keine „Filmtrupps“, die an der Front filmen durften. Daher musste der deutsche Film im wesentlichen auf inszeniertes Material zurückgreifen. Damit konnte er jedoch die Glaubwürdigkeit des Vorbildes, die sich auf die Unterscheidung von Fiction und Nonfiction stützte, nicht erreichen. Aber fast zwangsläufig musste die Pressekampagne dem unzureichenden Film die Qualitäten des Vorbildes zusprechen, indem sie BEI UNSEREN HELDEN AN DER SOMME als Nonfiction-Film, als ,Dokument' anpriesen.

[Seite 134]

Die Abläufe der Schlacht, die im englischen Somme-Film nicht als ein Geschehen an einem Ort, sondern als Panorama des ganzen Abschnittes suggeriert werden, beschränken sich im deutschen Film auf zwei Episoden. Sie werden >vollständig<, mit jeweils glücklichem Ende gezeigt [...]. Erst am Ende des Films, nach dem Titel »Zahlreiche Gefangene gemacht«, gibt es wieder Bilder, die so aussehen, als seien sie tatsächlich im Verlauf der Somme-Schlacht, wenn auch nicht an der Front, aufgenommen worden.26 Die Gefangenen, die hier gezeigt werden, stehen unter der Bewachung deutscher Soldaten, die den Pickelhelm tragen - auch hier ist fraglich, ob die Aufnahmen aus der Somme-Schlacht stammen. Die Präsentation der Gefangenen am Ende des zweiten Teiles wird zur Mobilisierung rassistischer Vorurteile genutzt. [...] Dergleichen ist in den Bildern des Films nicht zu entdecken, offenkundig setzt er aber auf das Ressentiment, wenn er Gefangene mit dunkler Hautfarbe zu Gruppenbildern arrangiert und sozusagen ausstellt.

Die deutsche Antwort auf den britischen Somme-Film steckte von vornherein in einem unlösbaren Dilemma. Es waren gerade die Szenen der Schlacht, mit denen das Vorbild überzeugte, und diese Szenen waren durchaus nicht alle gestellt. Vergleichbares Ausgangsmaterial stand anscheinend für den deutschen Film nicht zur Verfügung; noch waren keine »Filmtrupps« eingerichtet worden, die an der Front filmen durften. Daher antwortete der deutsche Film im wesentlichen mit inszeniertem Material. Damit konnte er die Glaubwürdigkeit des Vorbildes, die sich auf die Unterscheidung von fiction und non-fiction stützte, nicht erreichen. Fast zwangsläufig aber mußte die mit dem Film verbundene Pressekampagne dem unzureichenden Film die Qualitäten des Vorbildes zusprechen: Auch BEI UNSEREN HELDEN AN DER SOMME wurde als non-fiction-Film, als >Dokument< ausgegeben.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme.

Sichter
(Graf Isolan) Agrippina1

[7.] Uo/Fragment 231 43 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-08-20 19:48:31 Graf Isolan
Fragment, Gesichtet, Rother 1995, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 231, Zeilen: 43-56
Quelle: Rother 1995
Seite(n): 128-129, Zeilen: 128:34-39 - 129:1-2.8-11
[mittlere Spalte]

ZwT 5: Die Reserven des erschöpften Deutschland!
ZwT 6:Tag und Nacht fahren deutsche Munitionskolonnen.

[rechte Spalte]

[...]

[mittlere Spalte]

ZwT 8: Scheinwerferzüge.
ZwT 9: Brückentrains.
ZwT 10: Minenwerfer.
ZwT 11: Deutsche Sturmtruppen fahren zur Front.

[rechte Spalte]

Das Betonen der eigenen militärischen Stärke knüpft ironisch an die Feindpropaganda an. Die folgenden Einstellungen zeigen Gruppen marschierender Soldaten und Pferdefuhrwerke, die Scheinwerfer, Brückentrains und Minenwerfer transportieren. Die Soldaten tragen hier, in E8-11, noch den Pickelhelm, nicht den seit 1916 allmählich eingeführten Stahlhelm - ein Hinweis, dass diese Aufnahmen nicht alle aus der Zeit der alliierten Somme-Offensive stammen.

In El 2,13 tragen die winkenden Soldaten Stahlhelme und werden mit LKWs transportiert - beides Zeichen für die Modernität der Truppe.

[Seite 128]

Das Betonen der eigenen militärischen Stärke knüpft ironisch an die Feindpropaganda an, der überleitende Zwischentitel lautet: »Die Reserven des erschöpften Deutschland!« Die folgenden Einstellungen zeigen Gruppen marschierender Soldaten und Pferdefuhrwerke, die Scheinwerfer, Brückentrains und Minenwerfer transportieren. Die hier zu sehenden Soldaten tragen noch den Pickelhelm, nicht den seit 1916 allmählich

[Seite 129]

eingeführten Stahlhelm - ein Hinweis, daß diese Aufnahmen möglicherweise nicht alle aus der Zeit der alliierten Somme-Offensive stammen. [...] sie wird mit drei Einstellungen, die dem Titel »Deutsche Sturmtruppen fahren zur Front« folgen, beendet: Hier tragen die winkenden Soldaten Stahlhelme und werden mit LKWs transportiert - beides Zeichen für die Modernität der Truppe.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme.

Selbst die einstellungsweise Filmanalyse eines Filmes übernimmt Uo ungekennzeichnet einem anderen Werk.

Sichter
(Graf Isolan) Agrippina1

[8.] Uo/Fragment 232 15 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-14 01:26:42 Graf Isolan
Fragment, Gesichtet, Rother 1995, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 232, Zeilen: 15-55
Quelle: Rother 1995
Seite(n): 132, 134, Zeilen: 132:1-12.20-24; 134:9-15.18-20
[mittlere Spalte]

ZwT 16: Die blühenden, glücklichen Dörfer des Abschnitts sind von den Granaten der Entente eingeebnet.
ZwT 21: Péronne! das totgeweihte! Zerfetzt von den feindlichen Geschossen aus aller Welt!
ZwT 24: Vor kurzem noch eine belebte Kreisstadt Nordfrankreichs -...

[rechte Spalte]

Eindeutige Schuldzuweisung für die Zerstörung der Somme-Städte an die Alliierten. Analog den Entente-Filmen, in denen Zerstörungen von Städten, Dörfern und Landschaften zum Beleg für die rücksichtslose deutsche Kriegsführung gezeigt werden, benutzt auch der deutsche Somme-Film Bilder von Verwüstungen.


[mittlere Spalte]

ZwT 25: ...jetzt ein Trümmerhaufen nach dem Willen seines englischen Bundesgenossen.
ZwT 29: Das willkommene Ziel französischer und englischer Granaten, von dem aber die Zeitung der Entente, die sich über das Feuer der armierten Plattform der Kathedrale von Reims entrüsteten, nichts sagen!
ZwT 31: Zerborstene Türme, tote Trümmer fragen die Welt: Wer sind die Barbaren?
ZwT 32: Französische Flieger schweben über der Stadt und lenken das Feuer der Entente Batterien [sic] auf französische Giebel und Gassen.

[rechte Spalte]

Die Aufnahmen von den Ortschaften hinter der Front haben keine Handlung, sie sind Bestandsaufnahme und Anklage.

[...]


[mittlere Spalte]

ZwT 46: ... und im langen Zuge folgen den deutschen Kämpfern in das von England zerschossene Péronne die weißen und farbigen Träger der Kultur.

[rechte Spalte]

Mobilisierung rassistischer Vorurteile.

Im Bild werden Gefangene mit dunkler Hautfarbe zu Gruppenbildern arrangiert und präsentiert.


[mittlere Spalte]

ZwT 63: Meldung des Abschnitts an die Division: "Überfall gelungen, befohlenes Ziel erreicht, zahlreiche Gefangenen gemacht."

[rechte Spalte]

In E167-169 stehen die Gefangenen unter der Bewachung deutscher Soldaten, die den Pickelhelm tragen - wobei auch hier fraglich ist, ob die Aufnahmen wirklich aus der Somme-Schlacht stammen.


[linke Spalte]

Kuriosität_

[mittlere Spalte]

ZwT 26: Selbst in dieser Wüste herrscht die deutsche Ordnung - genannt: "Militarismus!"

[rechte Spalte]

Die Betonung der „Ordnung" wirkt heute grotesk. Sie wird durch Bilder belegt, in denen die Soldaten vor dem Hintergrund der zerstörten Kathedrale von Péronne Trümmer beiseite schaffen oder sich um ihr gepflegtes Äußeres sorgen wie Schuhe putzen und Uniformen ausbürsten.

[Seite 132]

Ganz analog den zahlreichen Entente-Filmen, in denen Zerstörungen von Städten, Dörfern und Landschaften zum Beleg für die rücksichtslose deutsche Kriegsführung gezeigt werden, benutzt auch der deutsche Somme-Film die Bilder von Verwüstungen. »Vor kurzem noch eine belebte Kreisstadt Frankreichs - jetzt ein Trümmerhaufen nach dem Willen seines englischen Bundesgenossen«, lautet z.B. ein Titel. Die Aufnahmen von den Ortschaften hinter der Front inszenieren keine Handlung, sie geben sich als Bestandsaufnahme und als Anklage: »Die Reste der großen Kathedrale von Péronne. Das willkommene Ziel französischer und englischer Granaten, von denen aber die Zeitungen der Entente, die sich über das Feuer der armierten Plattformen der Kathedrale von Reims entrüsteten, nichts sagen!«24 [...]

[...] Unfreiwillig komisch wirkt heute die Betonung der »Ordnung« und deren Beleg durch Bilder, in denen die Soldaten vor dem Hintergrund der zerstörten Kathedrale von Péronne Trümmer beiseite schaffen oder sich um ihr gepflegtes Äußeres sorgen: Schuhe werden geputzt, Uniformen ausgebürstet.

[Seite 134]

Die Gefangenen, die hier gezeigt werden, stehen unter der Bewachung deutscher Soldaten, die den Pickelhelm tragen - auch hier ist fraglich, ob die Aufnahmen aus der Somme-Schlacht stammen. Die Präsentation der Gefangenen am Ende des zweiten Teiles wird zur Mobilisierung rassistischer Vorurteile genutzt. Der Titel lautet: »... im langen Zuge folgen den deutschen Kämpfern in das von England zerschossene Péronne die weißen und farbigen Träger der Kultur«.27 [...] Dergleichen ist in den Bildern des Films nicht zu entdecken, offenkundig setzt er aber auf das Ressentiment, wenn er Gefangene mit dunkler Hautfarbe zu Gruppenbildern arrangiert und sozusagen ausstellt.


24 Zwischentitel, zitiert nach der Kopie, die im Bundesarchiv-Filmarchiv in Berlin liegt. Die Titel dieser Kopie sind nicht einheitlich gestaltet, die Mehrzahl von ihnen scheint jedoch dem Original zu entsprechen. Weitere Zwischentitel mit der eindeutigen Schuldzuweisung für die Zerstörung der Somme-Städte an die Alliierten sind: »Bapaume, das schmähliche Opfer französischen und englischen Kriegswillens«, »Péronne! Das Totgeweihte! (sic) Zerfetzt von den feindlichen Geschossen aus aller Welt!«, »Französische Flieger schweben über der Stadt und lenken das Feuer der Ententebatterien auf französische Giebel und Gassen« und »Zerborstene Türen, tote Trümmer fragen die Welt: Wer sind die Barbaren?«. Zu der Stilisierung der deutschen Soldaten an der Somme als Verteidiger vgl. Gerd Krumeich: »Der deutsche Soldat an der Somme. Zwischen Idyll und Entsetzen«, in S. Quandt, H. Schichl (Hg.), Der Erste Weltkrieg als Kommunikationsereignis, Gießen 1993.

[...]

27 Paraphrasiert erscheint der Zwischentitel schon in Brennerts Ankündigung (BZ am Mittag, 17.1.1917), der in seinem Resümee schrieb: »Deutsches Leben ficht gegen einen Feind, der mit den Wilden aller Erdteile uns überfiel, die Neutralen vergewaltigte und seine eigenen Siedelungen und deren Kirchen in Schutt und Asche legt, deutsche Gefangene mißhandelte und deutsche Offiziere martern und morden ließ.« So unverhohlen sprach kaum ein anderer Bericht die Propagandabotschaft aus, der der Film dienen sollte.

Anmerkungen

Keine Hinweise auf eine Übernahme.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

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