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Tj/Fragment 021 05

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 21, Zeilen: 5-31
Quelle: Becker 2002
Seite(n): 21, 40, 42, Zeilen: S.21,7-13.17-22; S.40,1-12; S.42,24-26
Die Auseinandersetzung mit dem Kriminellen ist zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch eine weitreichende Distanzierung gekennzeichnet. Schiller bemerkt dazu in seiner Vorrede zum Verbrecher aus verlorener Ehre: „Wir sehen den Unglücklichen, der doch in eben der Stunde, wo er die That beging, so wie in der, wo er dafür büßte, Mensch war wie wir, für ein Geschöpf fremder Gattung an, dessen Blut anders umläuft als das unsrige, dessen Willen anderen Regeln gehorcht als der unsrige; seine Schicksale rühren uns wenig, denn Rührung gründet sich ja nur auf ein dunkles Bewußtsein ähnlicher Gefahr, und wir sind weit entfernt, eine solche Ähnlichkeit auch nur zu träumen.“31

So ist es nicht verwunderlich, dass der paradigmatische Kriminelle der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts der Gauner war. Denn obwohl man annehmen könnte, Verbrechen wie Mord und ähnlich schlimme Gewaltdelikte hätten ob ihrer Abscheulichkeit schon immer das Interesse geweckt, so trifft dies zumindest für die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts nicht zu. Wenn diese Delikte überhaupt behandelt wurden, so nur im Zusammenhang mit der Zurechnungsproblematik. Diese durchaus überraschende Erkenntnis, dass sich die Konzentration weniger auf die weit schlimmeren Gewaltdelikte richtet, sondern auf eine kleine Gruppe der Eigentumsverbrecher, hat ihren Grund in der von Schiller kritisierten Distanzierung der bürgerlichen Gesellschaft von den Kriminellen. Der Gauner wurde als der charakteristische Andere gesehen. Obgleich sie quantitativ nicht überwogen, waren es nämlich gerade die Gauner, die die Erwartungen an das sozial-integrative Verhalten des anständigen Bürgers verletzten. Der Gauner missbrauchte die Freiheit, die ihm die bürgerliche Gesellschaft gewährte und erzeugte so Misstrauen in den sozialen und wirtschaftlichen Austausch. Der anständige Bürger dagegen nutzte den gleichen Freiraum, um sich durch Bildung und Leistung Anerkennung innerhalb der Gesellschaft zu verschaffen und sich dadurch der Teilhabe an der Gemeinschaft würdig zu erweisen.32

Der Lebensweg der Kriminellen wurde in dieser Zeit deshalb als zunehmende Entfremdung von den Mitbürgern und ihren Lebens- und Verhaltensstandards beschrieben. Am Beginn dieses Weges stand die Abkehr eines modellhaften [Bürgers von seiner rechten Gesinnung durch die bewusste Auflehnung gegen die Stimme der Vernunft. 33]


31 Schiller, Verbrecher aus verlorener Ehre, S. 8.

32 Vgl. Becker, S. 21 und S. 212f. [...]

[Seite 22]

33 Vgl. Becker, S. 42.

[Seite 21]

Obwohl man erwarten könnte, daß Verbrechen wie Mord sowie andere Gewalt- oder Tötungsdelikte wegen ihrer allgemeinen Ablehnung immer Beachtung fanden, traf das nicht zu. Gewaltdelikte wurden, wenn überhaupt, in der ersten Jahrhunderthälfte vor allem im Zusammenhang mit dem Problem der Zurechnungsfähigkeit diskutiert. (s. dazu auch Tabelle 1) Die paradigmatischen Kriminellen dieser Zeit waren eine kleine Gruppe von Eigentumsverbrechern, die man als Gauner bezeichnete.25 [...] Sie waren die charakteristischen Anderen, weil sie wesentliche Erwartungen an das sozial-integrative Verhalten des anständigen Bürgers verletzten. Der Bürger nutzte den ihm zugestandenen Freiraum, um sich durch Leistung und Bildung Anerkennung zu erwerben und sich der politischen Partizipation würdig zu erweisen. Der Gauner mißbrauchte dagegen die Freiheiten und Institutionen der bürgerlichen Gesellschaft und erzeugte Mißtrauen im sozialen und wirtschaftlichen Austausch.


[Seite 39]

Dem lag, wie Schiller be-

[Seite 40]

merkte, eine weitreichende Distanzierung vom Kriminellen als einem Anderen, einem Fremden zugrunde:

Wir sehen den Unglücklichen, der doch in eben der Stunde, wo er die Tat beging, so wie in der, wo er dafür büßte, Mensch war wie wir, für ein Geschöpf fremder Gattung an, dessen Blut anders umläuft als das unsrige, dessen Willen anderen Regungen gehorcht als der unsrige; seine Schicksale rühren uns wenig, denn Rührung gründet sich ja nur auf ein dunkles Bewußtsein ähnlicher Gefahr, und wir sind weit entfernt eine solche Ähnlichkeit auch nur zu träumen.13

Nauman verdrängte die grundsätzliche Ähnlichkeit zwischen dem bürgerlichen >Selbst< und dem >Gefallenen<. Er beschrieb das Schicksal Leberechts ganz in der Form, die Schiller kritisierte: als zunehmende Entfremdung von den Mitbürgern und ihren Lebens- und Verhaltensstandards.

13 SCHILLER, Verbrecher, S. 14.


[Seite 42]

Am Beginn stand die Abkehr eines modellhaften Bürgers von seiner rechten Gesinnung durch die bewußte Auflehnung gegen die Stimme der Vernunft - [...]

Anmerkungen

Inhaltlich liegt hier - wenn auch zusammengeschnitten und umgestellt - purer Becker (2002) vor. Teilweise sind auch Formulierungen identisch. Eine adäquate Kennzeichnung der Urheberschaft erfolgt nicht.

Zur Fußnote 32 siehe auch Tj/Fragment 021 102 .

Auf der nächsten Seite geht die inhaltliche Übernahme aus Becker (2002) weiter.

Sichter
(Graf Isolan)

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