Fandom

VroniPlag Wiki

Tj/Fragment 023 02

< Tj

31.268Seiten in
diesem Wiki
Seite hinzufügen
Diskussion0 Share

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.


Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 23, Zeilen: 2-24
Quelle: Becker 2002
Seite(n): 218, 219, Zeilen: 218: 8-31; 219: 1-12
[b. Die Situation der Kriminalistik]

Die Situation der Kriminalistik ist geprägt durch die Konzeption der kriminellen Gegenwelt und dem daraus resultierenden polarisierenden Zugriff auf eine Welt, deren Stimmigkeit auf der Gegenüberstellung von Idealtypen beruhte. Auf der einen Seite stand der Gauner, auf der anderen der sittsame Bürger. Doch bereits das Bild des typischen Gauners war nicht widerspruchslos, da die Konzeption des Gauners an vielen Stellen mit der Annahme über die Verfasstheit der kriminellen Gegenwelt nicht übereinstimmte. Dies hatte zur Folge, dass die Annäherung der Kriminalisten an die kriminelle Gegenwelt von erheblichen Widersprüchen geprägt war. Dennoch war das Konstrukt der kriminellen Gegenwelt immun gegen immanente Widersprüche. Die Immunität beruhte auf der oben dargestellten Abgrenzung des Kriminellen von der bürgerlichen Ordnung, die sich auf ein moralisch-sittliches Kalkül bezog: die Wahl der falschen Gesinnung. Da sich dieses Argument perfekt in bestehende Paradigmen der bürgerlichen Gesellschaft und der Strafrechtstheorie einfügte, bewirkte es eine immense Überzeugungskraft. 38 Trotzt allem zeigt sich die Ausweglosigkeit dieses Ansatzes, der die Gültigkeit seines moralisch-sittlichen Paradigmas durch messbare Erfolge zu belegen versuchte. Dabei zeigten die Studien der Kriminalisten doch nur, wie tief verwurzelt das Problem in der bürgerlichen Gesellschaft war. Kriminalität stellte sich so als eines der dringlichsten Probleme dar, durch deren Bedrohung sich die Kriminalisten herausgefordert sahen. Die endgültige Ausrottung sahen sie als ihre wichtigste Aufgabe an. Und doch blieb das Problem der Kriminalität unlösbar.39


38 Vgl. Becker, S. 218f.

39 Vgl. Becker, S. 218.

[Seite 218, Zeile 8-31]

Das Unbehagen, das Zimmermann gegenüber der Polizeiaufsicht artikulierte, verdeutlicht die Aporie eines kriminalistischen Diskurses, der die Gültigkeit seines moralisch sittlichen Paradigmas durch empirische Nachweise und meßbaren Erfolge zu belegen versuchte. Diese Aporie drückte sich bereits in den Vorworten kriminalistischer Autoren aus: sie sahen sich von der Bedrohlichkeit einer organisierten Kriminalität herausgefordert und verstanden deren endgültige Ausrottung als wichtigste Aufgabe. Ihre Analysen dokumentierten dagegen die tiefe Verwurzelung dieses Problems in der bürgerlichen Gesellschaft. Diesen Widerspruch kann man in Analogie zum Theodizeeproblem beschreiben: Kriminalität war eines der dringlichsten, aber gleichzeitig ein unlösbares Problem der bürgerlichen Gesellschaft. Das unterminierte letztlich das Projekt einer Kriminologie auf moralischer Grundlage, wie das Erzählmuster des gefallenen Menschen repräsentierte. Dadurch bewahrheitete sich die feinsinnige Beobachtung Niezsche, daß die Autoriät von Sittlichkeit als Leitlinie für gesellschaftliches Handeln untergraben wurde, sobald »die Erfolge conrolirbar werden.«171 Die Annäherungen der Kriminalisten an die kriminelle Gegenwelt waren von erheblichen Widersprüchen geprägt. Diese entstanden durch den polarisierenden Zugriff auf eine Welt, deren Stimmigkeit auf der Gegenüberstellung von Idealtypen beruhte: der Gauner wurde als Verkörperung einer falschen Gesinnung mit einem idealtypischen Bürger verglichen, den man ausschließlich von rechter Gesinnung und Gemeinsinn bestimmt sah. Doch selbst die Ausgestaltung des idealtypischen Gauners und seiner Lebenswelt

[Seite 219, Zeile 1-12]

erfolgte nicht konsistent. Die Konzeption der kriminellen Persönlichkeit stimmte mit den Annahmen über die strukturellen Verfaßtheit der kriminellen als negatives Abbild der bürgerlichen Gesellschaft an vielen Stellen nicht überein. Die Abgrenzung des Gauners gegenüber der bürgerlichen Welt, die Prägungen von Lebensstil und Lebenseinstellung, sowie die Ausbildung von Praxisformen, von Rationalisierungs- wie Rechtfertigungsstrategien bezogen die zeitgenössischen Kriminalisten auf ein moralisch-sittliches Kalkül: die Wahl einer falschen Gesinnung. Die Überzeugungskraft eins solchen Argumentes beruhte nicht zuletzt darauf, daß es in die bestehenden Paradigmen der bürgerlichen Gesellschaft, der Strafrechts- und Polizeitheorie nahtlos integrierbar war, Deshalb waren die darauf aufbauenden Rekonstruktionen der kriminellen Welt weitgehend immun gegen immanente Widersprüche.

Anmerkungen

Auf die Quelle wird in zwei Fußnoten (mit "vgl.") verwiesen, wobei die sinngemäßen und wörtlichen Übernahmen nicht in ihrem Umfang kenntlich gemacht sind.

Sichter

Auch bei Fandom

Zufälliges Wiki