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Tj/Fragment 056 07

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 56, Zeilen: 7-
Quelle: Ballester 1992
Seite(n): 81-82, Zeilen: S.81,13ff. - S.82,1.3-6
Hoffmann beschreibt darin eine Annäherung zwischen der Chambre ardente und den Tätern der Giftmorde, die sich nicht auf die Beschreibung ähnlicher Charakterzüge auf Seiten der Verbrecher und deren Verfolger beschränkt.191 Beide Komplexe sind von einer unglaublichen Eigendynamik geprägt. Auf der einen Seite steht der Hass der Häscher, aus dem eine Dynamik fließt, die von blindem Eifer getragen wird. Auf der anderen Seite gehen die Morde, getragen von einer reinen Lust am Mord, immer weiter. Die Folge ist unglaubliche Gräuel auf beiden Seiten, die eine Ökonomie des Verdachts begründet:192 Jeder wird zum potentiellen Opfer von Giftmord oder Hinrichtung. Die soziale Verunsicherung wächst. Die engsten Kreise werden gesprengt. Der Giftmord schleicht sich „in die engsten Kreise ein“193 und gefährdet die sozialen Sphären der Verwandtschaft und Familie dahingehend, dass sich Misstrauen zwischen Gatte und Gattin, Vater und Sohn, Bruder und Schwester auftut.194 Die Strafverfolgung der Chambre ardente durchbricht die Grenzen der sozialen Ordnung, indem sie in die „geheimsten Schlupfwinkel des Verbrechens“ vordringt und „selbst Personen von hohem Ansehen“ nicht verschont. Der geringste Verdacht reicht ihr als Beweis der Schuld, mit der Konsequenz, dass der Unschuldige mit dem Schuldigen getroffen wird.

Die ganze Situation mündet in einer Eskalation der Gewalt, in eine virulente Bewegung, die dem Gesetz des Blutes gehorcht. Und das alles, ohne dass den Verbrechen Einhalt geboten werden kann.


191 So beschreibt Hoffmann la Regnie als Teufel von garstigem Aussehen, mit einem giftigen Lächeln und heimtückischen Wesen, in auffälliger Nähe zu dem entarteten Weib und Ungeheuer Brinvillier und dem teuflischen Weib la Voisin.

192 Vgl. Ballester, S. 81.

193 Hoffmann, Scuderi, S. 11.

194 Vgl. Hoffmann, Scuderi, S. 11.

[Seite 81]

Die Geschichte der "Chambre ardente" entspricht so in ihrer fortschreitenden Entwicklung derjenigen der Giftmorde. Diese Entsprechung ist nicht allein an den ähnlichen Charakterzügen der Täter und ihrer Verfolger ablesbar: Das "entartete Weib" und "Ungeheuer" Brinvillier wie das "teuflische Weib" la Voisin erinnern an den "Teufel" la Regnie, an dessen "giftiges Lächeln" (466), "garstiges Ansehen und heimtückisches Wesen" (444), so daß "Frevler" und "Schützer" physiognomisch austauschbar werden. Hoffmanns Text dekuvriert diese Entsprechung vor allem dort, wo die "rachsüchtige" Motivation der Giftmörder und der "Haß" der "Häscher" eine Eigendynamik entfachen, die von "reiner Lust" und "blindem Eifer" getragen wird und identische soziale Auswirkungen herbeiführt. Das "Unwesen" des Giftmords wie das "Greuel" (447) der Chambre ardente begründen sich in einer Ökonomie des Verdachts, die jeden zum potentiellen Opfer von Mord oder Hinrichtung erklärt. Schleicht sich der Giftmord "wie ein unsichtbares tückisches Gespenst /.../ in die engsten Kreise ein" (442) und gefährdet die sozialen Sphären der "Verwandschaft Liebe - Freundschaft" dahingehend, daß sich der Verdacht zwischen Gatte und Gattin, Vater und Sohn, Bruder und Schwester auftut (443), so dringen die Beamten der Chambre ardente in die "geheimsten Schlupfwinkel des Verbrechens" ein (443), indem sich der "geringfügigste Verdacht" als Ausschluß der "Unschuld" (444) fortschreibt, "selbst Personen von hohem Ansehen" nicht verschont (443) und "den Unschuldigen trifft mit

[Seite 82]

dem Schuldigen" (449). [...] Die Eskalation von Mord zur Hinrichtung setzt eine virulente Bewegung frei, die dem Gesetz einer Ökonomie des Blutes gehorcht. Unter diesem Gesetz der Grausamkeit aber wird das Verbrechen keineswegs in der Strafe stillgestellt.

Anmerkungen

Inhaltlich identisch mit identischen Verweisen auf Stellen in Hoffmanns "Scuderi"; viele identische Formulierungen. Mittendrin lediglich ein dürrer Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(Graf Isolan)

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