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Tj/Fragment 078 10

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 78, Zeilen: 10-29
Quelle: Wächtershäuser 1973
Seite(n): 12, 13, 14, Zeilen: 12: 21ff., 13: 37-38, 102; 14: 6-8
Die von Wehrli angesprochene Nichtbeachtung des Motivs kann als charakteristisch für den Begriff des Kindsmords in jener Zeit angesehen werden. Dies lässt sich an einem bei Wächtershäuser wiedergegebenen Kindsmordfall, der etwa 1740/50 entschieden worden sein muss, eindrucksvoll belegen.300

Die Delinquentin hatte angegeben, sie habe das Kind aus Furcht vor Entdeckung nur durch zusammendrücken des Halses am Schreien hindern wollen. An den Tod des Kindes habe sie nicht gedacht. Diese Einlassung erscheint glaubhaft, wenn man sich in die Lage einer unehelichen Mutter in der damaligen Zeit versetzt. Schmerz, Scham, Ratlosigkeit und Furcht vor der Schande, die sich über die langen Monate der Schwangerschaft anhäuften, vervielfachten sich durch die physische und psychische Belastung der Geburt. In dieser dramatischen Situation kann die Überlegung, erst mal Zeit zu gewinnen, zur Ruhe zu kommen, niemand etwas merken zu lassen, durchaus nachvollziehbar sein. So betrachtet erscheint es durchaus einleuchtend, dass die Täterin ihr Kind wirklich nur am Schreien hindern wollte. Für das Gericht spielte dies indes keine Rolle. Es verurteilte die Delinquentin zum Tode durch das Schwert. Dies zeigt, dass der inneren Tatseite, dem seelischen Zustand und den Motiven der Täterin, keine Aufmerksamkeit geschenkt wurde.301 Gleiches können wir bei Joh. Christ. Fröhlich von Frölichsburg erkennen. Das später als sehr wichtig angesehene Motiv der Scham, das sogar Art. 131 CCC [erwähnt, tut er kurzum ab: „sintemalen die Abtoedtung der Kinder wegen verzweifelter Scham, so doch vor der Suende haette beobachtet werden sollen.“302]


300 Vgl. Wächtershäuser, S. 1lf.

301 Vgl. Wächtershäuser, S. 1lf.

302 Fröhlich unter 2. Tract, 2. Buch, 10. Titel.

[Seite 12]

Die Täterin gibt an, sie habe das Kind aus Furcht vor Entdeckung nur am Schreien hindern wollen. Berücksichtigt man die Lage einer unehelichen Mutter unter den damaligen Umständen und Wertsetzungen, so ist diese Einlassung glaubhaft. Im Zeitpunkt der Geburt kulminiert nach monatelanger Steigerung ein Zustand gemischt aus Schmerz, Scham, Ratlosigkeit und Furcht vor einer ungewissen Zukunft; alle diese Empfindungen werden durch die physische Belastung des Geburtsvorgangs vervielfacht. In dieser dramatischen Situation kann die erste Überlegung sehr wohl lauten: Zeit gewinnen, zur Rhe kommen, niemanden etwas merken lassen. So betrachtet, erscheint es durchaus einleuchtend, daß die Täterin ihr Kind wirklich nur am Schreien hindern wollte. Daraus einen „animum occidendi indirectum“ zu konstruieren, erscheint daher gewaltsam.16 Aber es ist charakteristisch für den Begriff des Kindermords zu dieser Zeit, daß der inneren Tatseite, insbesondere dem seelischen Zustand und den Motiven der Täterin, keine Aufmerksamkeit geschenkt wird.

[...]

[Seite 13]

wir nun eine zusammenhängende Darstellung des Kindermords aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Joh. Christ. Frölich v. Frölichsburgs „Commentarius, In Kayser Carl des Fünften, und des H. Röm. Reichs Peinliche Halsgerichts-Ordnung“ erschien im Jahr 1759.

[...]

Das ganze Werk erweckt den Eindruck einer mehr konservativen Einstellung; es erscheint daher recht geeignet, einen zutreffenden Eindruck des Strafrechts er ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu vermitteln.

[...]

18

[...]

sintemalen die Abtoedtung der Kinder wegen verzweifelter Scham, so doch vor der Suende haette beobachtet werden sollen,

[...]

[Seite 14]

Entscheidend ist, daß er das später so wichtige Motiv der Scham, dem Art. 131 PGO ja auch eine nicht zu übersehende Bedeutung beimißt, geradezu abwürgt:


18 2. Tract., 2. Buch, 10. Tit.

Anmerkungen

Auf die Quelle wird mehrfach verwiesen, die Übereinstimmungen/Anlehnungen sind jedoch nicht in vollem Umfang kenntlich gemacht. Auf Seite 11 der Quelle (siehe Fußnotenangaben) findet sich nur die historische Schilderung, die jedoch nicht übernommen wird. Fortsetzung auf der Folgeseite.

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