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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 78, Zeilen: 102-111
Quelle: Wehrli 1888
Seite(n): 31,32, Zeilen: 0
Wehrli umschrieb den Art. 131 denn auch so: „Unter Kindsmord versteht Art. 131 C.C.C. die von seiten einer unehelichen Mutter an ihrem neugeborenen nicht manströsen [sic!] Kinde gewöhnlich heimlich begangene vorsätzliche Tötung ohne Berücksichtigung des Motivs der Täterin.“299

299 Wehrli, S. 23. Eine andere Streitfrage war es, ob mit dem Ertränken die deutsche einfache oder die römische qualifizierte Strafe gemeint war. Bei letzterer, die zugleich mit dem römischen Recht in Deutschland Eingang fand, wurde die Verbrecherin samt drei unreinen Tieren (einem Hahn, einem Affen und einer Schlange) in einen ledernen Sack genäht und ins Wasser geworfen. Bei der deutschen Variante fehlten diese Zutaten. Die Ansicht der meisten Kriminalisten ging dahin, dass die deutsche Version anzuwenden sei. Aber Carpzow zum Beispiel meinte, unter Ertränken habe man die römische Methode zu verstehen. Nur erlaubte er, damit der Tod schneller eintrat, anstatt eines ledernen einen leinenen Sack. Seine Meinung fand besonders in Sachsen Verbreitung, wo die Strafe lange Zeit nach römischer Art vollstreckt wurde.

[Seite 31]

Es könnte sich schliesslich noch fragen, ob die Strafe des Ertränkens nach Art. 131 und den früher enwähnten Artikeln die deutsche einfache oder die römische qualifizirte des culeus war, wonach der Verbrecher lebendig samt einem Halme, einem Affen und einer Schlange in einen ledernen Sack eingenäht und in einen Fluss geworfen wurde. Letztere Möglichkeit ist aber geradezu auszuschliessen, obwohl nicht bestritten werden kann, dass diese Strafe mit der Reception des römischen Rechtes auch in Deutschland Eingang fand2.

[...]

Dass das Ertränken speziell in Art. 131 bloss bedeuten kann einfaches Ertränken ohne die römischen Zutaten, beweisen auch die Übersetzungen der CCC von Goblen und Remus, welche den Ausdruck wiedergeben durch submergi, demergi, ohne weitere Ausführung, deren es andernfalls zweifellos bedurft hätte. Anderer Meinung ist Carpzov, der die römische Strafe angewendet wissen will3, nur mit der ihm wie es scheint bedeutsam vorkommenden Neuerung, dass man auch

[Seite 32]

einen leinenen Sack verwenden dürfe. Die Ansicht Carpzovs war, wenn auch quellenwidrig, eine Zeitlang sehr verbreitet und die Autorität ihres Urhebers bewirkte, class in Sachsen die Strafe lange Zeit nach römischer Art vollstreckt wurde.

[...]

Unter Kindsmord versteht Art. 131 der CCC die von Seiten einer unehelichen Mutter an ihrem neugebornen nicht monströsen Kinde gewöhnlich heimlich begangene vorsätzliche Tötung ohne Berücksichtigung des Motives der Täterin.


2 Vgl. Baier. Malefiz-Ordnung von 1616. Schwab. Landrecht cap. 231: und soll ihn in dem Wasser liegen lassen einen halben Tag und ist er dennnoch nicht todt, so lasse man ihn länger.

3 Der richtigen Ansicht Rosshirt, Oiminal-Recht S. 345 ; Jordan, Weiske (Kechtslexikon sub Kindsmord) Bd. XI, S. 488; Jarcke, Handbuch des Strafrechts. A. M. die Mehrheit: Wächter, Mittermaier (Anmerk. zu Feuerbachs Lehrbuch, 13. Ausg.), Marezoll, Holtzendorff Handb., H. Meyer u. A.

Anmerkungen

Man beachte die Datierung der Quelle.

Zunächst erfolgt ein wörtliches, kenntlich gemachtes Zitat von Wehrli. Nach der Quellenangabe wird jedoch weiter Text übernommen. Ob hierbei tatsächlich die historische Quelle Wehrli (1888) verwendet findet, ist nicht klar. Die wörtlichen und sinngemäßen Übereinstimmungen sind aber unübersehbar.

Die unterschiedlichen Seitenangaben sind vermutlich daruf zurückzuführen, dass dem Verfasser der Text in anderer Form vorlag.

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