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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Hindemith
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 98, Zeilen: 102-124
Quelle: Peters_2001
Seite(n): 120, Zeilen: 120: 3-16, 26-31; 121: 1-5
370 [...] Otto von Boenigk sieht einen anderen Kindsmordfall aus Strahlsund [sic!] als Vorlage für das Kindsmordmotiv im Faust. Die 26-jährige Catharina Maria Flindt erwürgte im Jahre 1765 ihr Kind und verscharrte es. Nachdem ihr Verführer Leutnant Johann Dycke vergeblich versucht hatte sie mit einer großen Summe freizukaufen, stürmte er in der Nacht zum 29. Oktober mit anderen Soldaten das Gefängnis und befreite die Kindsmörderin. Bei der Aktion kam es unter den Wachhabenden zu Toten. Anfang Dezember stand Catharina Maria Flindt wieder vor dem Gefängnis undstellte sich ihrem Urteil.

Zwar könnte man in der Befreiung der Täterin und ihrer freiwilligen Rückkehr Übereinstimmungen zur Gretchentragödie sehen. Es ist jedoch äußerst unwahrscheinlich, dass Goethe durch die „Staats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten“ von dem Fall der Catharina Maria Flindt erfahren haben könnte. Zeitungsausschnitte, Aufzeichnungen oder Briefstellen, die dies belegen könnten, gibt es nicht.

Ähnliches gilt für den Versuch von Hellmuth Petriconi (vgl. Petriconi, S. 103) und Hans Arens (vgl. Arens, S. 258) einen Zusammenhang mit Samuel Richardsons Werken „Pamela“ (1740) und „Clarissa“ (1748) herzustellen. Zwar zeigt sich in ganz Europa, das Motiv der verführten Unschuld als verbreitetes Thema (in Deutschland z.B. bei Gotthold Ephraim Lessing „Emilia Galotti“ (1771) und Sophie La Roches „Fräulein von Sternheim“ (1771). Ein Vergleich der Gretchentragödie mit den Werken Richardsons ist trotzdem verfehlt. Weder die Handlungen noch die Intentionen stimmen überein. Der Topos der Verführung erhält durch Fausts titanisches Streben und sein Leiden an der Existenz eine andere Qualität und geht weit über die Darstellung einer Liebesgeschichte hinaus.

Einen anderen Kindsmordfall aus dem Jahr 1765 sieht Otto von Boenigk als Vorlage an.392 Bei der Kindsmörderin handelte es sich um die 26jährige Catharina Maria Flindt. Sie haue ihr Kind erwürgt und dann verscharrt. Zuerst versuchte ihr Verführer, der Leutnant Johann Dycke, sie mit einer horrenden Summe bei Gericht freizukaufen, als dies nicht funktionierte, stürmte er in der Nacht vom 28. auf den 29. Oktober mit anderen Soldaten das Gefängnis und befreite die zum Tode Verurteilte. Es kam dabei unter den Wachhabenden zu Toten. Anfang Dezember stand sie wieder vor dem Gefängnis und nahm damit das über sie verhängte Todesurteil an. Ob Goethe wirklich durch die „Staats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten“ von dem sich in Stralsund ereigneten Fall erfahren hat, ist nicht zu klären. Zeitungsausschnitte, Aufzeichnungen oder Briefstellen, die diese These stützen, fanden sich nicht. Die Befreiung der Täterin und ihre freiwillige Rückkehr bilden jedoch frappante Übereinstimmungen.393 [...]

[...]

Hellmuth Petriconi und Hans Arens sehen den „Urfaust- von Samuel Richardsons Werken „Pamela“ (1740) und „Clarissa“ (1748) geprägt.396 Beide Romane waren über die Landesgrenzen hinaus große Literaturerfolge geworden. Der Topos der „verführten Unschuld“ war eines der beliebtesten Themen in Europa. In Deutschland findet es sich u.a. in Gotthold Ephraim Lessings „Emilia Galotti“ (1771) und Sophie La Roches „Fräulein von Sternheim“ (1771). Doch erscheint ein

[Seite 121]

Vergleich zwischen Richardsons Werken und dem „Urfaust“ als sehr gewagt. Weder die Handlungen noch die Intentionen stimmen überein.397 Der Topos der Verführung erhält durch Fausts titanisches Streben und sein Leiden an der Existenz schlechthin eine andere Qualität. Goethe geht weit über die Darstellung einer Liebesgeschichte hinaus.


392 Vgl. Otto von Boenigk: Das Urbild von Goethes Gretchen, Greifswald 1914.

393 Vgl. ebd. S. 121f.

396 Vgl. Hans Arens: Kommentar zu Goethes Faust 1, Heidelberg 1982, S. 258 und Hellmuth Petriconi: Die verführte Unschuld, a.a.O., S. 103.

397 [...]

Anmerkungen

Weitgehende inhaltliche Übereinstimmung. Ein Quellenverweis fehlt allerdings. Bemerkenswerterweise nennt der Autor den Originalautor Otto von Boenigk zwar, gibt aber nicht einmal diese Quelle an.

Sichter
(Hindemith)

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