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Tj/Fragment 124 01

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 124, Zeilen: 1-14, 102-106
Quelle: Peters 2001
Seite(n): 107, Zeilen: 4-22, 24-25
[Anders sieht dies Peters, die über Gretgen] sagt: „Ihre Figur wird damit in der Forschung konsequent verharmlost und entschärf [sic!].“ 465

Ihre Meinung stützt Peters auf die Tatsache, dass Gretgen in der Szene „In Marthens Garten“ die Initiative übernimmt. Sie gesteht Faust ihre Liebe und spielt das Blumenspiel. Danach läuft sie in das dunkle Gartenhäuschen, in dem sie niemand sehen kann. Als Faust sie dann küsst, fasst sie ihn und erwidert den Kuss. Gretgen stimmt darüber hinaus auch dem nächtlichen Treffen zu, obwohl kein Eheversprechen vorliegt und sie Faust auch nicht in diese Richtung drängt. Sie hat keine moralischen Bedenken, sondern nur Angst davor, von der Mutter überrascht zu werden. Am deutlichsten werden Gretgens sexuelle Wünsche in dem Monolog am Spinnrad 466:


Mein Schoos, Gott! drängt

Sich nach ihm hin!467



465 Peters, S. 107.

466 Goethe, Urfaust, S. 429. Diese Passage ist an das Hohelied Salomons angelegt. Goethe schrieb 1775 an Johann Heinrich Merck: „Ich habe das hohe Lied Salomons übersetzt, welches ist die herrlichste Sammlung Liebeslieder, die Gott erschaffen hat.“ (Pinower, insb. S. 182).

467 Goethe, Urfaust, S. 429.

In Martens Garten übernimmt Gretchen die Initiative, sie gesteht ihm ihre Liebe und spielt das Blumenspiel. Indem sie dabei laut spricht, wiederholt sie die Liebeserklärung. Danach läuft sie in das dunkle Gartenhäuschen, in dem sie niemand sehen kann. Faust reagiert nur auf dieses neckische Verhalten. Als er sie dann küßt, faßt sie ihn und erwidert den Kuß. (Anweisung S. 404) Petriconi nimmt dies nicht zur Kenntnis, er sieht Gretchn als die unschuldige Verführte, die in ihrer Reinheit keine Sexualität besitzt und nur nach Fausts Willen handelt, um ihn glücklich zu sehen.351 Dabei stimmt Evchen dem nächtlichen Treffen zu, obwohl kein Eheversprechen vorliegt und sie Faust auch nicht in diese Richtung drängt. Sie hat keine moralischen Bedenken, sondern denkt nur daran, nicht von der Mutter überrascht zu werden (V. 119). Am deutlichsten werden ihre sexuellen Wünsche in dem Monolog am Spinnrad, der an das Hohelied Salomons angelehnt ist.352


„Mein schoß, Gott! Drängt

Sich nach ihm hin.“ (V. 1098f.)


[...]

Ihre Figur wird damit in der Forschung konsequent verharmlost und entschärft.353


351 Vgl. Hellmuth Petriconi: Die verführte Unschuld. Bemerkungen über ein literarisches Thema, Hamburg 1953, S. 118.

352 Gothe schrieb 1775 an Johann Heinrich Merck: „Ich habe das hohe Lied Salomons übersetzt, welches ist die herrlichste Sammlung Liebeslieder, die Gott erschaffen hat.“ Otte Pniower: Goethes Faust und das hohe Lied. In: Goethe-Jahrbuch, Bd. 13 (1982), S. 181-198, insb. S. 182

353 Zu Gretches Sexualität vgl. Peter Heller: Gretchen: Figur, Klischee, Symbol. In: Wolfgang Paulsen (Hg.): Die Frau als Heldin und Autorin. Neue kritische Aufsätze zur deutschen Literatur, Bern 1979, S. 175-189, insb. S. 177.

Anmerkungen

Zwar ist Peters erkennbar teils wörtlich zitiert, teils paraphrasiert, jedoch sind die Anlehnungen/Übernahmen nicht in vollem Umfang kenntlich gemacht. Aufgrund der unklaren Trennung, ob der Verfasser oder die Quelle spricht, entsteht der Eindruck einer Auseinandersetzung/Diskussion statt einer Widergabe.

Zu Beginn des Abschnitts wird eine wörtliche Übernahme ordnungsgemäß als solche gekennzeichnet. Längere wörtliche Übernahmen weiter unten bleiben jedoch ohne entsprechende Kennzeichnung.

Aus "Evchen" wird "Gretchen" bzw. "Gretgen".

Sichter
Hindemith

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