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27 gesichtete, geschützte Fragmente: Plagiat

[1.] Tj/Fragment 093 01 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 22:04 Plagin Hood
Erstellt: 4. January 2013, 02:03 (Plagin Hood)
Fragment, Gesichtet, Peters 2001, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 93, Zeilen: 1-39
Quelle: Peters 2001
Seite(n): 117, 118, Zeilen: 117: 20-26; 118: 1-31
[Drei bis vier Wochen vor Weihnachten 1770 quartierten sich zwei Reisende im] Gasthaus ein, von denen einer der Vater ihres Kindes werden sollte. Nach ihrer Aussage war er ein holländischer Kaufmann, während die Wirtin zu Protokoll gab, er sei Goldschmiedegeselle gewesen. Während seines Aufenthalts kam es eines Abends nach mehreren Gläsern Wein zum Geschlechtsverkehr. Susanna Brandt hatte das Gefühl, er habe ihr etwas ins Glas getan. Nach der damaligen juristischen Einschätzung hätte der Geschlechtsverkehr als Vergewaltigung gewertet werden müssen.363 Aber weder die Richter noch der Verteidiger wiesen auf diesen Sachverhalt hin.

Den Namen des Kindsvaters konnte oder wollte Susanna Brandt dem Gericht nicht nennen. Bis zur Geburt des Jungen am 1. August 1771 leugnete sie die Schwangerschaft. Das Einreden ihrer Schwester auf sie, die Schwangerschaft zu gestehen, da sie nicht die erste und auch nicht die letzte sein würde, brachten nichts. Susanna Brandt wurde von ihrer Schwester auf Kennzeichen der Schwangerschaft hin untersucht, indem diese den Körper abtastete. Zur Sicherheit musste sie zwei Ärzte aufsuchen, die aber eine Schwangerschaft nicht mit absoluter Sicherheit feststellen konnten. So gab der Mediziner Metz ihr einen Trank, der ihre „Reinigung“ wiederherstellen sollte. Ein anderer Arzt, namens Burggraff, verschrieb ihr ein Pulver und einen Aderlass. Als Begründung für das Ausbleiben der Menstruation gab Susanna Brandt Zorn über eine andere Dienstmagd und die Wirtin an.

Kurz vor der Geburt entließ die Wirtin sie und schickte sie zu ihren Schwestern. Doch Susanna Brandt blieb heimlich im Haus und begab sich, als die Wehen einsetzten, in die Waschküche, wo sie das Kind im Stehen gebar. Dabei „schoss“ das Kind nach ihren Angaben „von ihr auf die Platten auf die Erde“. Sie hob das Kind auf und legte es in ein Leeres Aschefass. Da sich in dem Fass Scherben befanden, zog sie das Kind wieder heraus, klemmte es unter den Arm und wollte damit über den Hof zum Stall. Im Dunkeln schlug sie es unabsichtlich gegen eine Mauer, und auf dem Hof sei ihr das Kind „aus der hand [sic!] geklitscht, und auf die Treppe gefallen“. Endlich im Stall angelangt, legte sie das Kind ins Stroh und ging ins Haus zurück. Dort setzte sie sich auf eine Treppe, bis sie von ihren Schwestern nach Hause geholt wurde. Am nächsten Morgen entdeckten die Schwestern, dass Susanna Brandt ein Kind bekommen hatte, worauf sie heimlich die Stadt verließ.

Sie machte sich auf den Weg nach Mainz. Ihre Flucht dauerte aber nur einen Tag, da sie weder Geld noch Kraft dafür hatte. Als sie am nächsten Tag nach Frankfurt zurückkam, wurde sie sofort verhaftet. Die Schwestern hatten den Kindsmord angezeigt.

Vor Gericht gab Susanna Brandt bei der ersten Befragung an, weder Kindsregungen noch Schmerzen gespürt zu haben. Eine Schwangerschaft hatte sie nicht [vermutet.]


363 Berauschende oder einschläfernde Getränke und die Ausübung psychischen Drucks wurden als Vergewaltigung begriffen.

[Seite 117, Z. 20-26]

Drei bis vier Wochen vor Weihnachten quartierten sich zwei reisende im Gasthaus ein, von denen einer der Vater ihres Kind [sic!] wurde. Nach ihrer Aussage war er ein holländischer Kaufmann, während die Wirtin zu Protokoll gab, er sei Goldschmiedegeselle gewesen. Während seines Aufenthalts kam es eines abends nach mehreren Gläsern Wein zum Geschlechtsverkehr. Susanna Brandt hatte das Gefühl, er habe ihr etwas ins Glas getan. (S. 109) Nach der damaligen juristischen einschätzung hätte der Geschlechtsverkehr demnach als Vergewaltigung gewertet

[Seite 118, Z. 1-31]

werden müssen. 388 Aber weder die Richter noch der Verteidiger wiesen auf diesen Sachverhalt hin. Er wurde im weiteren Verlauf der Verhandlung außer acht gelassen. Den Namen des Kindsvaters konnte oder wollte Susanna Brandt dem Gericht nicht nennen. Bis zur Geburt des Jungen am 1. August leugnete sie die Schwangerschaft beharrlich. Das Einreden ihrer Schwestern auf sie, die Schwangerschaft zu gestehen, da sie nicht die erste und auch nicht die letzte sein würde, brachten kein Geständnis. (S. 75)389 Susanna Brandt wurde von ihrer Schwester auf Kennzeichen einer Schwangerschaft hin untersucht, indem diese ihren Körper abtastete. Zur Sicherheit mußte sie zwei Ärzten [sic!] aufsuchen, die aber eine Schwangerschaft nicht mit absoluter Sicherheit feststellen konnten. So gab der Mediziner Metz ihr einen Trank, der ihre „Reinigung“ wiederherstellen sollte. Ein anderer Arzt, namens Burggraff, verschrieb ihr ein Pulver und nahm, nachdem dieses nicht die gewünschte Wirkung zeigte, sogar einen Aderlaß an ihr vor. (S. 86f.) als Begründung für das Ausbleiben der Menstruation gab Susanna Brandt Zorn über eine andere Dienstmagd und die Wirtin an. 390 Kurz vor der Geburt entließ die Wirtin sie aus dem Dienst und schickte sie zu ihren Schwestern. Doch Susanna Brandt blieb heimlich im Haus und begab, sich als die Wehen einsetzten, In die Waschküche, wo sie das Kind im Stehen zur Welt brachte. Dabei „schoß“ das Kind nach ihren Angaben „von ihr auf die Platten auf die Erde“. (S. 116) Sie hob das Kind auf und legte es in ein leeres Aschenfaß. Da sich in dem Faß Scherben befanden, zog sie das Kind wieder heraus, klemmte es unter den Arm und wollte damit über dem [sic!] Hof zum Stall. Im Dunklen schlug sie es unabsichtlich gegen eine Mauer, und auf dem Hof sei ihr das Kind „aus der hand [sic!] geklitscht, und auf die Treppe gefallen“. (S. 68f.) Endlich im Stall angelangt, legte sie das Kind ins Stroh und ging ins Haus zurück. Dort setzte sie sich auf eine Treppe, bis sie von ihren Schwestern nach Hause geholt wurde. Am nächsten Morgen entdeckten die Schwestern, daß Susanna Brandt ein Kind bekommen hatte, worauf sie heimlich die Stadt verließ. Sie machte sich auf den Weg nach Mainz. Ihre Flucht dauerte aber nur einen Tag, da sie weder Geld noch die Kraft dafür hatte. Als sie am nächsten Tag nach Frankfurt zurückkam, wurde sie sofort verhaftet. Die Schwestern hatten den Kindsmord angezeigt. Vor Gericht gab sie bei der ersten Befragung an, weder Kindsregungen noch Schmerzen gespürt zu haben. Eine Schwangerschaft hatte sie nicht vermutet.


388 Berauschende oder einschläfernde Getränke, Überredung und die Ausübung von psychischen Durck wurden als Vergewaltigung begriffen. Vgl. Anke Meyer-Knees: Verführung und sexuelle Gewalt, a.a.O., S. 83 u. 101.

389 ...

390 ...

Anmerkungen

Ganzseitige Übernahme mit minimalen Anpassungen, fortgesetzt von vorheriger Seite. Weiter fortgesetzt auf der folgenden Seite.

Der Verfasser übernimmt die Auszüge aus Habermas in gleicher Zusammenstellung aus der Vorlage von Peters unter Auslassung der einzelen Verweise bei Peters auf die Textstellen bei Habermas. Auf Habermas wird vom Verfasser nur eingangs auf S. 92 mit "Vgl." verwiesen. Ein Hinweis auf Peters unterbleibt.

Sichter
Hindemith

[2.] Tj/Fragment 048 102 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 21:50 Hindemith
Erstellt: 9. January 2013, 21:35 (Graf Isolan)
Ballester 1992, BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 48, Zeilen: 102-110
Quelle: Ballester 1992
Seite(n): 91, Zeilen: 4-17
150La Regnie versucht, ein Geständnis von Olivier zu erpressen. Darin offenbart sich eine Legitimationsstrategie des Strafens, die das Opfer zum Reden zwingt, damit das Blut auf dem Schafott als Denotat der Schuld lesbar wird. Das Geständnis führt so zwangsläufig zum Tod. Die Unterordnung der Schuld kodiert das Geständnis als einen Text, in dem die Sprache der Grammatik der Gewalt unterliegt: Lesen, deuten und töten werden gleichgesetzt. Oliviers Widerstand gegen das Geständnis ist deshalb gerade in dieser impliziten Gewaltnötigung des juristischen Geständnisbegriffs bedingt. Dadurch wird eine Strafpraxis denunziert, die im unverhüllten Drang, das Verbrechen zu sühnen, einen bizarren Gerechtigkeitssinn offenbart (vgl. Ballester, S. 91). Das Geständnis, das "eine Blutschuld an den Tag bringen" soll (469). offenbart eine Legitimationsstrategie des Strafens, die das Opfer zum Reden zwingt, damit das Blut auf dem Schafott als Denotat der Schuld lesbar wird.18 In dem Maße, in dem das Geständnis des Opfers zwangsläufig seinen Tod herbeiführt, schafft die juristische Praxis einen Kausalnexus zwischen der signifikativen Funktion der Sprache und der Ausübung von Gewalt. Die Supposition der Schuld kodiert das Geständnis als einen Text, in dem die Sprache der

Grammatik der Gewalt unterliegt: das Prädikat der Schuld begründet ein hermeneutisches Gesetz, das Lesen. Deuten und Töten gleichsetzt. Oliviers Widerstand gegen das Bekenntnis ist gerade in dieser impliziten Gewaltnötigung des juristischen Geständnisbegriffs bedingt: seine Verweigerung des Gerichts will eine Strafpraxis denunzieren, die im unverhüllten und vertrackten Drang, das Verbrechen noch über den Tod hinaus zu begleichen, einen bizarren Gerechtigkeitssinn offenbart, der sich an Leichen labt und damit das ihm inhärente Schuldprinzip von selbst erledigt:


18: Foucault. Überwachen und Strafen, a.a.O. S. 51-57

Anmerkungen

Zwischendurch wird mal paraphrasiert; ansonsten herrscht weitgehend Übereinstimmung der Formulierungen. Wörtliche Übernahmen sind nicht adäquat als solche gekennzeichnet. Der Verweis auf Foucault wird entfernt.

Sichter
(Graf Isolan), Hindemith

[3.] Tj/Fragment 074 04 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 21:44 Plagin Hood
Erstellt: 7. January 2013, 02:12 (Plagin Hood)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Radbruch 1931, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 74, Zeilen: 4-15
Quelle: Radbruch 1931
Seite(n): 206, 207, Zeilen: S.206,13ff. und S.207,1-2.10ff
Gegenstand der Untersuchung ist dabei das Schlüsseldelikt283 aller strafrechtsreformerischen Bestrebungen des 18. Jahrhunderts: der Kindsmord. Über kein anderes Verbrechen ist damals häufiger und leidenschaftlicher gestritten worden. Zunächst nahm sich die Schöne Literatur – vor allem die des Sturm-und-Drangs – des Themas an. Kaum ein Dichter dieser Epoche ist am Thema des Kindsmordes vorübergegangen. Neben der dichterischen Behandlung entstand aber sehr bald auch eine umfangreiche kriminalpolitische Diskussion. Man fragt sich, wie es dazu kam. Sicherlich meinte man, anhand der Auswertung der spärlich überlieferten Zahlen eine ansteigende Häufigkeitskurve des Kindsmordes im 18. Jahrhundert glaubhaft machen zu können.

283 Vgl. zu diesem Begriff Radbruch/Gwinner, S. 242.

[Seite 206 (Sammelband)]

Das Schlüsseldelikt aller strafrechtsreformerischen Bestrebungen des 18. Jahrhunderts ist der Kindsmord. Über kein anderes Verbrechen ist damals häufiger und leidenschaftlicher gestritten worden. Zunächst in der schönen Literatur: Von R. L. Wagner an, der 1776 sein Trauerspiel „Die Kindsmörderin“← veröffentlichte, ist kaum ein Dichter des „Sturmes und Dranges“ an diesem Thema vorübergegangen – und nicht nur Lenz, Klinger, Maler Müller← haben es sich zu eigen gemacht, sondern auch Bürger← („Des Pfarrers Tochter von Taubenhain“), Schiller← (in dem Gedicht „Die Kindsmörderin“) und Goethe. [...]

[Seite 207 (Sammelband)]

Neben der dichterischen Behandlung entstand sehr bald eine umfangreiche kriminalpolitische Literatur über den Kindsmord.

[...]

Man fragt sich, ob damals der Kindsmord nur unter neuen Gesichtspunkten mit gesteigerter Aufmerksamkeit betrachtet wurde oder ob er in der Tat zahlenmäßig häufiger vorkam als in früherer und in späterer Zeit. In der Tat hat man durch die Auswertung spärlich überlieferter Zahlen eine ansteigende Häufigkeitskurve des Kindsmordes im 18. Jahrhundert glaubhaft machen können←.

Anmerkungen

Auf die Quelle wird nur mit "Vgl." und nur mit Bezug auf den Begriff "Schlüsseldelikt" in einer Fußnote verwiesen, ohne dass die wörtlichen und sinngemäßen Übernahmen in ihrem Umfang kenntlich gemacht sind. (Die genannte Seitenzahl 242 bezieht sich wohl auf die historische Ausgabe, nicht auf den Sammelband aus dem Jahr 2001.)

Sichter
Hindemith

[4.] Tj/Fragment 081 102 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 20:31 Hindemith
Erstellt: 9. January 2013, 16:08 (Graf Isolan)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Wächtershäuser 1973

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 81, Zeilen: 102-107
Quelle: Wächtershäuser 1973
Seite(n): 34, 35, Zeilen: S.34,6-9 und S.35,19-20
312 Im 7. (Juli) Heft des Jahrganges 1780 der Zeitschrift „Rheinische Beiträge zur Gelehrsamkeit“ hatte „ein Menschenfreund“ einen Preis von 100 Dukaten ausgesetzt auf die Beantwortung der Frage: „Welches sind die besten ausführbaren Mittel, dem Kindermord abzuhelfen, ohne die Unzucht zu begünstigen?“

Die Reaktion auf die Veröffentlichung der Preisfrage war für die damalige Zeit ungeheuer. Nahezu 400 Preisschriften wurden eingereicht (vgl. Wächtershäuser, S. 34f.).

[Seite 34]

Im 7. (Juli) Heft des Jahrganges 1780 der Zeitschrift „Rheinische Beiträge zur Gelehrsamkeit“ hatte „ein Menschenfreund“ einen Preis von 100 Dukaten ausgesetzt auf die Beantwortung der Frage: „Welches sind die besten ausführbaren Mittel, dem Kindermord abzuhelfen, ohne die Unzucht zu begünstigen?“

[Seite 35]

Die Reaktion auf die Veröffentlichung der Preisfrage war für damalige Verhältnisse ungeheuer. Nahezu 400 Preisschriften wurden eingereicht.27


27 So Krünitz; nach Rameckers sogar über 400.

Anmerkungen

Dem Leser ist trotz Quellenangabe nicht klar, dass hier weitgehend wörtlich zitiert wird. Die Quelle wird mit "vgl." angegeben, was ein wörtliches Zitat eigentlich ausschließt.

Sichter
(Graf Isolan), Hindemith

[5.] Tj/Fragment 115 01 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 20:09 Hindemith
Erstellt: 7. January 2013, 18:50 (Graf Isolan)
Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung, Wulffen 1932

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 115, Zeilen: 1-22
Quelle: Wulffen 1932
Seite(n): 157, 158, Zeilen: S.157,30-31.34-35 und S.158,20-29.32-36.40-43
Finden sie es nötig, so rufen sie mehr oder weniger Geschworene zusammen. Die Strafen sollen aber gelind sein.432

In den „Wahlverwandtschaften“ bekämpft Mittler die Lehre der Zehn Gebote433 und in den Dramen „Götz von Berlichingen“ und „Egmont“ stellt Goethe einen politischen Verbrecher in den Mittelpunkt, der in seiner Naivität von seinem Hochverrat gegen Kaiser und Reich selbst überrascht wird, ebenso diesen, der im Lebensgenuss der neuen ketzerischen Lehre nicht wehrt und den aufrührerischen Torheiten des Volkes tatenlos zusieht.434

Von den Faustdichtungen war schon die Rede, so dass hier nur noch erwähnt werden soll, dass Goethe in Faust II den Richter, der nicht straft, dem Verbrecher gleichstellt. Und auch „Iphigenie“ ist ein symbolisches Schuld- und Erlösungsdrama, eine Apotheose des Muttermörders Orest, des edlen Mannes, der viel verbrochen hat, und dem ein Gott auferlegt, Unmögliches zu enden.435

Zahlreich sind endlich, vor allem in den Bekenntnissen einer schönen Seele („Wilhelm Meisters Lehrjahre“), Goethes Äußerungen, aus denen zu entnehmen ist, dass er von der sogenannten latenten Kriminalität, dieser damals sehr modernen Lehre, überzeugt war, von jener inneren Bereitschaft zu mancherlei Verbrechen, die aber die Schwelle der Tat nicht überschreitet.

Nach all dem kann als erwiesen gelten, dass Goethe, der sich durch eine gewisse Vollständigkeit seiner Natur auszeichnete und den Wieland „den menschlichsten aller Menschen“ genannt hat, auch von den bedeutsamsten kriminalistischen Problemen schon im Geiste der modernen Zeit berührt war.


432 Vgl. Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre.

433 Vgl. Goethe, Wahlverwandtschaften.

434 Vgl. Goethe, Götz von Berlichingen und Egmont.

435 Vgl. Goethe, Iphigenie auf Tauris.

[Seite 157]

finden sie es nötig, so rufen sie mehr oder weniger Geschworene zusammen. „Die Strafen seien gelind ... [...]“ In den Wahlverwandtschaften bekämpft Mittler die Lehre der Zehn Gebote im Unterricht der Schule.

[Seite 158]

Zahlreich sind endlich, vor allem in den Bekenntnissen einer schönen Seele (Wilhelm Meisters Lehrjahre), Goethes Äußerungen, danach er von der sogen. latenten Kriminalität, dieser sehr modernen Lehre, überzeugt war, von jener inneren Bereitschaft zu mancherlei Verbrechen, die aber die Schwelle der Tat nicht überschreitet.

Werfen wir schließlich einen Blick in die Dramen, so zeigen Götz von Berlichingen und Egmont als Helden einen politischen Verbrecher, jenen, der in seiner Naivität von seinem Hochverrat gegen Kaiser und Reich selbst überrascht wird, ebenso diesen, der im Lebensgenuß der neuen ketzerischen Lehre nicht wehrt und den aufrührerischen Torheiten des Volkes tatenlos zusieht. [...]

[...] aber im Faust II: „Ein Richter, der nicht strafen kann, gesellt sich endlich zum Verbrecher.“ Auch Iphigenie, ein symbolisches Schuld- und Erlösungsdrama. Eine Apotheose des Muttermörders Orest, des edlen Mannes, der viel verbrach, und dem ein Gott auferlegt, Unmögliches zu enden. [...]

So darf wohl als erwiesen gelten, daß Goethe, der sich durch eine gewisse Vollständigkeit seiner Natur auszeichnete und den Wieland „den menschlichsten aller Menschen“ genannt hat, auch von den bedeutsamsten kriminalistischen Problemen schon im Geiste der modernen Zeit berührt war.

Anmerkungen

Statt auf die eigentliche Quelle Wulffen (1932) wird auf die besprochenen Originalwerke verwiesen. Nichts ist als Übernahme gekennzeichnet worden.

Sichter
(Graf Isolan), Hindemith

[6.] Tj/Fragment 114 28 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 20:06 Hindemith
Erstellt: 7. January 2013, 20:30 (Graf Isolan)
Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung, Wulffen 1932

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 114, Zeilen: 28-35
Quelle: Wulffen 1932
Seite(n): 157, Zeilen: 21-27, 28-30
Ähnlich mitfühlend erleben wir Goethe im Werther gegenüber einem Bauernburschen, der aus Liebe und Eifersucht an seiner Dienstherrin, einer Witwe, zum Mörder wird. Der selbst an seiner Liebe zu Lotte krankende Werther kommt gerade hinzu, als der Knecht von der Polizei verhaftet wird: „Er fühlt ihn so unglücklich, er fand ihn als Verbrecher selbst so schuldlos, er setzte sich so tief in seine Lage, dass er gewiss glaubte, auch andere davon zu überzeugen.“431

In „Wilhelm Meisters Lehrjahren“ zeichnet Goethe einen Idealstaat, darin die Polizeidirektionen das Recht haben sollen, zu ermahnen, zu tadeln, zu schelten [und zu beseitigen.]


431 Vgl. Goethe, Werther, S. 208.

In Werthers Leiden wird von einem Bauernburschen erzählt, der aus Liebe und Eifersucht an seiner Dienstherrin, einer Witwe, zum Mörder wird. Der selber durch seine Liebe zu Lotte unglückliche Werther kommt gerade hinzu, als der Knecht von der Polizei verhaftet wird. „Er fühlte ihn so unglücklich, er fand ihn als Verbrecher selbst so schuldlos, er setzte sich so tief in seine Lage, daß er gewiß glaubte, auch andere davon zu überzeugen.“ [...] In Wilhelm Meisters Wanderjahren wird ein Idealstaat gezeichnet, darin die Polizeidirektionen das Recht haben sollen, zu ermahnen, zu tadeln, zu schelten und zu beseitigen.
Anmerkungen

Statt auf die eigentliche Quelle Wulffen (1932) wird auf die besprochenen Originalwerke verwiesen. Nichts ist als Übernahme gekennzeichnet worden. Die Verfahrensweise setzt sich auf der nächsten Seite fort.

Sichter
(Graf Isolan), Hindemith

[7.] Tj/Fragment 112 27 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 20:01 Hindemith
Erstellt: 8. January 2013, 12:00 (Graf Isolan)
Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung, Wulffen 1932

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 112, Zeilen: 27-39
Quelle: Wulffen 1932
Seite(n): 156, Zeilen: 1-7, 10-14
Da er aber seine völlige Übereinstimmung mit den beiden anderen Voten ausdrücklich erklärt, vermag man sich ein Bild zu machen.

Offenbar hat auch Goethe die fortdauernde und beschimpfende Peinlichkeit, [sic!] der durch Pranger und Geißelung qualifizierten lebenslänglichen Zuchthausstrafe, die schwerlich einen Fortschritt der Rechtsentwicklung bedeutet hätte, als unmenschlich empfunden und deshalb lieber dem landesherrlichen Gnadenrecht vorläufig die Entscheidung überlassen wollen. Aus dem Umstand, dass von Schnauß in Zusammenhang mit dem verübten Verbrechen von „Grausamkeit“ spricht und alle drei Referenten darin übereinstimmen, dass der Delinquentin kein Entschuldigungsgrund zur Seite steht, ist zu schließen, dass Goethe gerade auch diese letzte Frage ganz besonders vom rein menschlichen Standpunkt aus gewissenhaft geprüft hat.

[Da] er aber seine völlige Übereinstimmung mit den beiden anderen „gründlichen Voten“ ausdrücklich erklärt, vermögen wir uns ein Bild zu machen. Offenbar hat auch Goethe die fortdauernde und beschimpfende Peinlichkeit der vom Justizkanzler vorgeschlagenen, durch Pranger und Geißelung qualifizierten lebenslänglichen Zuchthausstrafe, die schwerlich einen Fortschritt der Rechtsentwicklung bedeutete, empfunden und deshalb lieber dem landesherrlichen Gnadenrecht vorläufig die Entscheidung überlassen wollen. [...] Da aber Schnauß von einer „Grausamkeit“ spricht und alle drei Referenten darin übereinstimmen, daß ihr kein Entschuldigungsgrund - weder ein erheblicher noch ein geringer - zur Seite stehe, so dürfen wir gewiß annehmen, daß Goethe gerade diese letzte Frage ganz besonders vom rein menschlichen Standpunkt aus gewissenhaft geprüft hat.
Anmerkungen

Wieder mal ist Wulffen (1932) der Urheber der meisten Formulierungen. Ein Hinweis auf einer Übernahme unterbleibt. Stelle wird in der Rezension [[1]] bereits exemplarisch aufgeführt.

Sichter
(Graf Isolan), Hindemith

[8.] Tj/Fragment 090 01 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 19:59 Hindemith
Erstellt: 9. January 2013, 11:15 (Graf Isolan)
Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung, Wulffen 1932

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 90, Zeilen: 1-9
Quelle: Wulffen 1932
Seite(n): 158, Zeilen: 7ff
[Er spricht von „Wirkung in die Ferne“ und dass es möglich sei, ja sogar sehr wahrscheinlich, dass ein junges Mädchen, welches, ohne es zu wissen, mit einem Manne, der es ermorden wolle, sich in einem dunklen Raum befände, von seiner] ihr unbewussten Gegenwart ein unheimliches Gefühl haben und in Angst aus dem Zimmer zu ihren Hausgenossen getrieben werde.350

Und über Kotzebues Ermordung durch den Studenten Sand äußerte der Dichter am 28. März 1819: „Aber wo man über die Grenzen der Individualität herausgreife, frevelnd, störend, unwahr, da verhänge die Nemesis früh oder spät angemessene äußere Strafe. So sei in Kotzebues Tode eine gewisse notwendige Folge einer höheren Weltordnung erkennbar.“351 Die antike Hypris [sic!], die Überhebung gegen das Maß, erscheint hier im kriminalpolitischen Sinne, schon an Franz Werfels „Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig!“ gemahnend.


350 Vgl. Goethe, Gedenkausgabe Bd. 24, S. 655.

351 Goethe, Gedenkausgabe Bd. 23, S. 49f.

Goethe glaubte den telepathischen Vorgang, spricht von „Wirkung in die Ferne“ und erzählt Eckermann (7. Oktober 1827) hierbei ein kriminalistisches Beispiel. Es sei möglich, ja sogar sehr wahrscheinlich, daß ein junges Mädchen, welches, ohne es zu wissen, mit einem Manne, der es ermorden wolle, sich in einem dunklen Raum befände, von seiner ihr unbewußten Gegenwart ein unheimliches Gefühl haben und in Angst aus dem Zimmer zu ihren Hausgenossen getrieben werden würde. Und über Kotzebues Ermordung durch den Studenten Sand äußerte der Dichter (28. März 1819), sein Tod sei als „eine gewisse notwendige Folge einer höheren Weltordnung erkennbar... wo man über die Grenzen der Individualität herausgreife, frevelnd, störend, unwahr, da verhänge die Nemesis früh oder spät angemessene Strafe“. Die antike Hybris, die Überhebung gegen das Maß, erscheint hier im modernen kriminalpsychologischen Sinne, schon an Franz Werfels „Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig!“ gemahnend.
Anmerkungen

Das erste Goethezitat im Originalwortlaut: "Es ist möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß wenn ein junges Mädchen in einem dunkeln Zimmer sich, ohne es zu wissen, mit einem Manne befände, der die Absicht hätte sie zu ermorden, sie von seiner ihr unbewußten Gegenwart ein unheimliches Gefühl hätte, und daß eine Angst über sie käme, die sie zum Zimmer hinaus und zu ihren Hausgenossen triebe." (vgl. [[2]]).

Das zweite im Originalwortlaut: "[...]; aber wo man über die Grenzen der Individualität herausgreife, frevelnd, störend, unwahr, da verhänge die Nemesis früh oder spät angemessene Strafe. So sei in Kotzebue's Tod eine gewisse nothwendige Folge einer höhern Weltordnung erkennbar." (vgl. [[3]]).

Beim ersten Zitat übernimmt Tj die Formulierung von Wulffen (1932) fast identisch, beim zweiten hält er sich eher an Goethe. Insgesamt folgt der gesamte Abschnitt im Inhalt und Wortlaut Wulffen (1932). Diese Übernahme bleibt in jeder Hinsicht ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan), Hindemith

[9.] Tj/Fragment 089 20 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 19:57 Hindemith
Erstellt: 9. January 2013, 01:24 (Graf Isolan)
Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung, Wulffen 1932

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 89, Zeilen: 20-36
Quelle: Wulffen 1932
Seite(n): 152, 158, Zeilen: S.152,1-8-9.10-12 und S.158,7-13
Ganz ausführlich und in allen Einzelheiten schilderte Goethe auch während seiner Schweizreise am 20. September 1797 das Blutgericht gegen einen „Falschen Münzer“ in Zürich. Er sah die Geistlichen von und zu dem Verbrecher hinüberfahren und hörte um elf Uhr die Gnadenglocke zum Zeichen der Begnadigung läuten.347

Auch in seinen Tagebuchaufzeichnungen finden sich vielerlei Verweise auf die Konfrontation mit kriminellen Themen. Am 21. August 1781 schrieb er zum Beispiel: „mit Krause im Gefängnis, die Mordbrenner zu sehen.“348 Auch aus seinem Tagebuch erfahren wir, dass Goethe über kriminalistische Themen intensive Gespräche führte. Am 26. August 1812 vermerkte er so einen Spaziergang mit dem Etatsrat Langemann, in dessen Verlauf ein Gespräch über Gegenstände der medizinischen Polizei und Berliner Vergiftungsfälle geführt wurde.349

Eckermann, so erfahren wir aus seinen Aufzeichnungen vom 7. Oktober 1827, erzählte er ein kriminalistisches Beispiel zu telepathischen Vorgängen. Er spricht von „Wirkung in die Ferne“ und dass es möglich sei, ja sogar sehr wahrscheinlich, dass ein junges Mädchen, welches, ohne es zu wissen, mit einem Manne, der es ermorden wolle, sich in einem dunklen Raum befände, von seiner [ihr unbewussten Gegenwart ein unheimliches Gefühl haben und in Angst aus dem Zimmer zu ihren Hausgenossen getrieben werde.350]


347 Goethe, Gedenkausgabe Bd. 12, S. 182.

348 Goethe, Gedenkausgabe Erg.-Bd. 2, S. 113.

349 Vgl. Goethe, Gedenkausgabe Erg.-Bd. 2, S. 319.

[Seite 90]

350 Vgl. Goethe, Gedenkausgabe Bd. 24, S. 655.]

[Seite 152]

Diese Worte bezeugen doch, wie tiefgehend ihn das kriminelle Thema erfaßte. Auf der Schweizer Reise notiert er in Zürich am 20. September 1797, daß ein Blutgericht gegen einen „falschen Münzer“, der schon wegen Diebstählen gebrandmarkt war, stattfand. Er sah die Geistlichen von und zu dem Verbrecher hinüber- und herüberfahren. Um elf Uhr läutete die Gnadenglocke zum Zeichen, daß der Delinquent von der Todesstrafe begnadigt war. Ganz ausführlich verzeichnet der Schweizreisende die Einzelheiten.

Im Tagebuch heißt es am 21. August 1781: „Mit Krause ins Gefängnis, die Mordbrenner zu sehen“; [...] am 20. August 1812 wird ein Spaziergang mit dem Etatsrat Langemann im Gespräch über Gegenstände der medizinischen Polizei und Berliner Vergiftungsfälle vermerkt; [...]

[Seite 158]

Goethe glaubte den telepathischen Vorgang, spricht von „Wirkung in die Ferne“ und erzählt Eckermann (7. Oktober 1827) hierbei ein kriminalistisches Beispiel. Es sei möglich, ja sogar sehr wahrscheinlich, daß ein junges Mädchen, welches, ohne es zu wissen, mit einem Manne, der es ermorden wolle, sich in einem dunklen Raum befände, von seiner ihr unbewußten Gegenwart ein unheimliches Gefühl haben und in Angst aus dem Zimmer zu ihren Hausgenossen getrieben werden würde.

Anmerkungen

Die Gedankengänge, Beispiele und viele Formulierungen finden sich vollständig in der ungenannt bleibenden Quelle Wulffen (1932). Die Übernahme setzt sich auf der nächsten Seite fort.

Anders als man es erwarten könnte, handelt es sich hierbei auch nicht um eine getreue Wiedergabe der Goetheschen Aussage. Diese lautet nämlich: "Es ist möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß wenn ein junges Mädchen in einem dunkeln Zimmer sich, ohne es zu wissen, mit einem Manne befände, der die Absicht hätte sie zu ermorden, sie von seiner ihr unbewußten Gegenwart ein unheimliches Gefühl hätte, und daß eine Angst über sie käme, die sie zum Zimmer hinaus und zu ihren Hausgenossen triebe." (vgl. [[4]]). Die Ähnlichkeit ist zwar groß, die Übereinstimmung mit der leicht umformulierten Version von Wulffen wird aber nicht erreicht.

Der erstgenannte Tagebucheintrag lautet: "Mit Krause ins Gefängniß d. Mordbrenner zu sehen." (vgl. [[5]] ).

Der letztgenannte Tagebucheintrag ist tatsächlich vom 26.8.1812 und lautet: "Mit Langermann auf die Prager Straße spatzieren. Gespräch über Gegenstände der medicinischen Polizey, Tollhäuser, Bordelle, Berliner Vergiftungsgeschichten." (vgl. [[6]]). Auch hier stammt die Paraphrasierung also von Wulffen.

Sichter
(Graf Isolan), Hindemith

[10.] Tj/Fragment 028 02 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 16:55 Hindemith
Erstellt: 6. January 2013, 15:57 (Plagin Hood)
BauernOpfer, Becker 2002, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 28, Zeilen: 2-36
Quelle: Becker 2002
Seite(n): 260, 262, 263, Zeilen: 260: 12-21; 262: 5-9, 13-17, 118-120; 263: 1, 4-7, 11-26
[d. Die Situation der Kriminologie zur Jahrhundertwende]

Gewalt- und Sittlichkeitsverbrecher übten aber nicht nur auf die Kriminologen eine starke Faszination aus. Auch in anderen Bereichen setze man sich mit Kriminellen auseinander, die unvermittelt außer Kontrolle gerieten. Ein uneinheitliches Konzept spiegelte sich bei Statistikern, Theologen, Politikern aber auch Literaten wider. Zunehmend gewann jedoch eine medizinische Sichtweise an Einfluss, die in Deutschland vor allem von Gefängnisärzten und forensischen Psychiatern getragen wurde. Diese repräsentierten am besten die neue Form des Denkens über Verbrecher. Dies sorgte dafür, dass eine wechselseitige Beeinflussung von medizinischen und juristischen Standpunkten stattfand, die sich in den kriminologischen Schriften um die Jahrhundertwende widerspiegelt. Rechtliche und soziale Normen wurden so mit einem anthropologischen und medizinischen Mehrwert aufgeladen, was zu einer Radikalisierung der Forderung nach Anpassung des Einzelnen an die von der Gesellschaft an ihn herangetragenen Erwartungen führte.60

Die Anerkennungen der neuen Theorien beruhten auf der breiten Akzeptanz evolutionistischer Deutungsmuster, die sich mit teleologischen Wunschvorstellungen aus vergangenen Zeiten mischten. Anreiz war es, eine Gesellschaft ohne Verbrechen in Aussicht stellen zu können. Ein Optimismus der sich auf Machbarkeitsphantasien der medizinischen Experten stützte, die ihre auf dem Gebiet der Behandlung des individuellen Körpers erreichten Kompetenzen auf den Sozialkörper übertragen wollten. Die oben dargestellte Naturalisierung von Verbrechen kann somit als Teil des Fortschrittsoptimismus der Mediziner und Sozialpolitiker angesehen werden.61

Diesem unterwarfen sich Strafrechtsexperten, Mediziner, Anthropologen und Psychiater und arbeiteten mit Leidenschaft und Ausdauer, aber auch mit Kompromissbereitschaft an der Ausbildung eines Kanons, der sich im Laufe der fachlichen Diskussion durchsetzen sollte. Sie lebten und stritten im Bewusstsein, dass die Kriminologie den Schritt vom pluridisziplinären Diskurs zur Normalwissenschaft noch längere Zeit nicht machen konnte. Deshalb zeigten die Teilnehmer dieses Diskurses eine Gesprächsbereitschaft, die sich nicht nur auf die eigenen Kollegen, sondern auf ein weites Feld von Experten und Publizisten erstreckte, von denen man Beiträge für eine neue Sicht auf den Kriminellen erwartete. Diese Offenheit drückte sich im Stil der Publikation aus: In den nüchternen, wissenschaftlichen Abhandlungen der Kriminologen finden sich Tabellen und Graphiken neben Sprichwörtern und Verweisen auf literarische Werke.62


60 Vgl. Becker, S. 260f.

61 Vgl. Becker, S. 262.

62 Vgl. Becker, S. 263.

[Seite 260]

Gewalt- und Sittlichkeitsverbrecher übten eine starke Faszination auf Wissenschaftler und Praktiker der Jahrhundertwende aus. Neben Juristen, Medizinern, Kriminalisten, Statistikern, Theologen und Politikern setzten sich auch Literaten mit Kriminellen auseinander, die unvermittelt außer Kontrolle gerieten. Die zahlreichen Beiträge waren von keinem einheitlichen theoretischen Konzept angeleitet; eine medizinische Sichtweise gewann allerdings zunehmend an Einfluß.9 Sie repräsentierte die neuen Vorstellungen am deutlichsten und trug wesentlich dazu bei, eine neue Form des Denkens über Verbrecher und deren strafrechtliche Behandlung im Diskurs der Jahrhundertwende zu verankern.

[Seite 262]

Die Anerkennung der kriminologischen Theorien beruhte auf der breiten Akzeptanz von evolutionistischen Deutungsmustern. Ebenso bedeutsam für ihren Erfolg war die Fähigkeit der Kriminologen, medizinische und biologische Theorien mit teleologischen Wunschvorstellungen aus der Frühzeit der bürgerlichen Gesellschaft in Verbindung zu setzen. [...] Die Naturalisierung von Devianz war somit Teil des Fortschrittoptimismus der Mediziner und Sozialpolitiker, auf den Detlev Peukert als wesentliches Merkmal der »Klassischen Moderne« hinweist. Dieser Optimismus gründete sich auf Machbarkeitsphantasien der medizinischen experten, die ihre Kompetenz in der Behandlung des individuellen

[Seite 263]

Körpers auf den Sozialkörper übertragen wollten.15 [...] Die Teilnehmer an diesem Diskurs radikalisierten die Forderung nach der Anpassung des einzelnen an die Erwartungen der Gesellschaft, indem sie rechtliche und soziale Normen mit einem anthropologischen und medizinischen Mehrwert ausstatteten. [...]

Strafrechtsexperten, Mediziner, Anthropologen und Psychiater verfolgten diesen Traum mit Leidenschaft, Ausdauer, aber auch mit Kompromißbereitschaft. Sie fühlten sich als Pioniere in einer Umbruchsituation,16 in der Kompromisse nicht politisch, sondern forschungslogisch motiviert waren; sie arbeiteten an der Ausbildung eines Kanons, der sich im Laufe der fachlichen Diskussion durchsetzen sollte. Sie lebten und stritten im Bewußtsein, daß die Kriminologie den Schritt vom pluridisziplinären Diskurs zur Normalwissenschaft noch längere Zeit nicht machen konnte. Deshalb zeigten die Teilnehmer dieses Diskurses eine Gesprächsbereitschaft, die sich nicht nur auf die eigenen Kollegen, sondern auf ein weites Feld von Experten und Publizisten erstreckte, von denen man Beiträge für eine neue Sicht auf den Kriminellen erwartete. Diese Offenheit drückte sich im Stil der Publikationen aus: In den nüchternen, wissenschaftlichen Abhandlungen der Kriminologen finden sich Tabellen und Graphiken neben Sprichwörtern und Verweisen auf literarische Werke, ethnographische Berichte und frühere Sammlungen von gerichtlichen Fällen.17


[Seite 260]

9 In Deutschland waren vor allem Gefängnisärzte und forensische Psychiater an dieser Diskussion beteiligt. Vgl. dazu: RICHARD F. WETZELL, Criminal Law Reform in Imperial Germany. Ph.D.diss., Stanford University 1991, S. 90.

Anmerkungen

Das gesamte (einseitige) Unterkapitel gibt den Text von Becker (2002) wieder. Die Quelle wird dreifach in Fußnoten genannt (mit "Vgl."), die wörtlichen und sinngemäßen Übernahmen sind aber nicht in ihrem Umfang kenntlich gemacht.

Sichter
Graf Isolan, Hindemith

[11.] Tj/Fragment 027 05 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 15:29 Hindemith
Erstellt: 6. January 2013, 19:28 (Plagin Hood)
BauernOpfer, Becker 2002, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 27, Zeilen: 5-14
Quelle: Becker 2002
Seite(n): 312, 313, Zeilen: 312: 12-13; 313: 1-3, 14-18
Festhalten lässt sich, dass Lombrosos Kritiker eine allgemeine Minderwertigkeit als Ursache von Kriminalität ausmachten, während Lombroso von einer konkreten verbrecherischen Anlage ausging. Sie benutzten ein reduktionistisch argumentierendes Erklärungsmodell, das eine kausale Beziehung zwischen Minderwertigkeit und Devianz auf physiologischer Grundlage herstellen sollte. Die Degenerationstheorie lenkte die Aufmerksamkeit der Kriminologen außerdem auf das Milieu und die Lebensbedingungen. Die Defekte des Verbrechers erschienen dabei als extreme Formen einer pathologischen Konstitution, die kennzeichnend für die Angehörigen niederer Schichten war.57

57 Vgl. Becker, S. 313.

[S. 312, Zeile 12-13]

Lombrosos Kritiker identifizierten eine allgemeine Minderwertigkeit und keine konkrete verbrecherische Anlage als Ursache von Kriminalität.

[S. 313, Zeile 1-3]

Lombrosos Kritiker benutzten ein Erklärungsmodell, das reduktionistisch argumentierte und eine eindeutige kausale Beziehung zwischen Minderwertigkeit und Devianz auf physiologischer Grundlage herstellen wollte.

[...]

[S. 313, Zeile 14-18]

Die Degenerationstheorie lenkte die Aufmerksamkeit der Kriminologen außerdem auf das Milieu und die Lebensbedingungen. Die Defekte des Verbrechers erschienen dabei als extreme Formen einer pathologischen Konstitution, die kennzeichnend für die Angehörigen »niederer« Schichten war.

Anmerkungen

Die Quelle ist zwar mit der Seitenzahl 313 in Fußnote 57 genannt, die wörtlichen und sinngemäßen Übernahmen sind jedoch nicht in ihrem Umfang kenntlich gemacht, insbesondere auch, da Becker mit "vgl." angegeben ist.

Sichter
Hindemith

[12.] Tj/Fragment 025 08 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 15:22 Hindemith
Erstellt: 5. January 2013, 19:22 (Plagin Hood)
BauernOpfer, Becker 2002, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 25, Zeilen: 8-21, 105-108
Quelle: Becker 2002
Seite(n): 258, 261, 269, 291, Zeilen: 258: 5-9, 23-25; 261: 22-16; 269: 7-10; 291: 7-15
Enrico Ferris Konzept des geborenen Verbrechers war dabei die deutlichste Abkehr von den kriminalistischen Konzepten er ersten Jahrhunderthälfte. Die Kriminologen rückten den Körper des Delinquenten in den Mittelpunkt und begutachteten das soziale wie hygienische Umfeld und die Genealogie eines Menschen, weil sie das Zusammenspiel von Anlage und Umwelt für die Genese von Kriminalität verantwortlich machten. Ideen eines gewordenen Verbrechers und die Suche nach dem Punkt, an dem sich ein Verbrecher vom gesetzestreuen Weg abgewandt hat, verloren in diesem Zusammenhang zunehmend an Bedeutung.48 In einer Neueinschätzung von Devianz wurde abweichendes Verhalten zum Resultat einer körperlichen Fehlentwicklung.49 Der Körper und die Physiognomie sprachen zu dem Beobachter von krankhaften Anlagen und den Folgen psychischer Krankheitszustände. Die psychische und physische Verfasstheit der Täter wurde so aufeinander bezogen und als Produkt der individuellen Evolution begriffen.

48 Vgl. Becker, S. 271 und S. 291.

49 Vgl. zur Kritik gegen die Verbindung von sozialen, medizinischen und juristischen Kategorien Sommer, S. 275ff. Sommer weist daraufhin, dass viele Menschen mit konstitutionellen Anomalien mehr für die Gesellschaft geleistet haben als sogenannte normale Durchschnittsmenschen.

[Seite 291, Zeile 7-15]

Das Konzept des »geborenen Verbrechers« (Enrico Ferri), der nur sein Schicksal erfüllte, war die deutlichste Abkehr von den kriminalistischen Anschauungen der ersten Jahrhunderthälfte. Die Kriminalisten gingen von dem gewordenen Verbrecher aus und suchten in der Biographie jedes Rechtsbrechers nach dem Punkt, an dem dieser sich selbst bestimmt von einem gesetzes- und sittenkonformen Leben abgewandt hatte. Die Kriminologen blickten dagegen auf den Körper, das soziale wie hygienische Umfeld und die Genealogie eines Menschen, weil sie das Zusammenspiel von Anlage und Umwelt für die Genese von Kriminalität verantwortlich machten.

[Seite 258, Zeile 5-9]

In der Auseinandersetzung mit gewalttätigem abweichendem Verhalten wurde somit die psychische und physiologische Verfaßtheit der Täter aufeinander bezogen und als Produkt der individuellen Evolution begriffen, wie Friedrich Nietzsches Reflexion über Grausamkeit zeigt:

[...]

[Seite 258, Zeile 23-25]

Das machte eine Neueinschätzung von Devianz notwendig, in der abweichendes Verhalten zum Resultat einer körperlichen Fehlentwicklung wurde.

[Seite 261, Zeile 22-26]

Der Kriminologe Robert Sommer wandte sich explizit gegen diese Verquickung von sozialen, medizinischen und juristischen Kategorien. Er argumentierte, daß viele Personen mit konstitutionellen Anomalien mehr für die Gesellschaft geleistet hatten als der »sogenannte normale Durchschnittsmensch«.12

[Seite 269, Zeile 7-10]

Der Körper und die Phsysiognomie sprachen zu dem Beobachter nicht mehr länger von Einprägungen, die ein lasterhaftes Leben zurückgelassen hatte, sondern von krankhaften Anlagen und den Folgen psychischer Krankheitszustände, [...]


12 SOMMER, Kriminalpsychologie, S. 275 ff. [...]

Anmerkungen

Die Quelle wird zwar in einer Fußnote (mit "Vgl.") genannt, die sinngemäßen und wörtlichen Übenahmen, welche sich auch nach dieser Quellenangabe fortsetzen, sind jedoch nicht in ihrem Umfang kenntlich gemacht.

Sichter
Hindemith

[13.] Tj/Fragment 100 101 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 15:11 WiseWoman
Erstellt: 8. January 2013, 01:58 (Hindemith)
Fragment, Gesichtet, Peters 2001, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Hindemith
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 100, Zeilen: 101-107
Quelle: Peters_2001
Seite(n): 104, Zeilen: 111ff
376 Die Namen werden dabei synonym benutzt. Die etymologische Bedeutung von Margarete lautet „die Perle“, während „Gretge“ Hausgesinde und Dirne bedeutet. Goethe spricht in den Szenen „Strasse“ bis „Gartenhäusschen“ [sic!] von Margarete, in den Szenen „Gretchens Stube“ bis „Nacht“ von Gretchen und im „Kerker“ wieder von Margarete. Gaier (S. 176) sieht darin ihren sozialen Abstieg, der aus der sozial geächteten Liebe resultiert, beschrieben. Erst als sie sich im Kerker dem sittlichen und göttlichen Gericht überantwortet, steigt sie sozial wieder auf. 347 Die Namen Gretchen und Margarethe werden in dieser Arbeit synonym benutzt. Goethe spricht in den Szenen „Strasse“ bis „Gartenhäuschen“ von Margarete, in den Szenen „Gretchens Stube“ bis „Nacht“ von Gretchen, im „Kerker“ dann wieder von Margarete. Ulrich Gaier sieht darin ihren sozialen Abstieg, der aus der sozial geächteten Liebe resultiert, beschrieben. Erst als sie sich im Kerker dem sittlichen und göttlichen Gericht überantwortet, steigt sie sozial wieder auf. Die etymologische Bedeutung von Margarete lautet „die Perle“, während „Gretge“ Hausgesinde und Dirne bedeutet. Vgl. Ulrich Gaier Goethes Faust-Dichtungen. Ein Kommentar. Bd. 1. Urfaust, Stuttgart 1989, S. 176.
Anmerkungen

Ein Quellenverweis fehlt.

Sichter
(Hindemith), WiseWoman

[14.] Tj/Fragment 091 02 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 15:05 WiseWoman
Erstellt: 4. January 2013, 13:33 (Plagin Hood)
Fragment, Gesichtet, Peters 2001, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 91, Zeilen: 2-9, 101-106
Quelle: Peters 2001
Seite(n): 116, 117, Zeilen: 116: 11-13, 14-15, 21-24; 117: 1-6, 101-102
Ganz wie Gretchen legt die Delinquentin, die Koebele [sic!] zum Vorbild für ihre Mitmenschen macht, indem er ihr tapferes Verhalten hervorhebt, ihr Schicksal und ihre Rettung in Gottes Hand. Sie bereut dabei ihre Tat und erkennt das Todesurteil als gerecht an: „An dessen Stelle [der Angst] tritt das sanfte, das beruhigende, das labende, das aufgeweckte, kurz alles, was nur eine Sele empfinden kan, die sich der Vergebung aller ihrer Sünden durch die Mittlersgerechtigkeit Jesus, durch den Glauben an seine verdienstvolle Wunden und Tod versichern darf.“355

355 Ein weiterer Fall könnte aufgrund seiner zeitlichen Nähe Goethe bekannt gewesen sein. Es handelt sich um die Verurteilung der Magdalena Blumin wegen Kindsmord im Jahre 1770. In diesem Verfahren wurde die Todesstrafe jedoch aus Mangel an Beweisen in eine vierjährige Zuchthausstrafe umgewandelt, da sich die Ärzte nicht sicher waren, ob das Kind überhaupt lebensfähig war (vgl. dazu Frankfurter Stadtarchiv Criminalia Aktennummer 8527).

[Seite 116]

Koelbele hob das tapfere und sittsame Verhalten der Delinquentin hervor und machte es den Mitmenschen zum Vorbild. [...] Sie bereut ihre Tat und erkennt das Todesurteil als gerecht an. [...]„An dessen Stelle tritt das sanfte, das beruhigende, das labende, das aufgeweckte, kurz alles, was nur eine Sele emfinden kan [sic], die sich der Vergebung aller ihrer Sünden durch die Mittlersgerechtigkeit JEsus, durch den Glauben an seine verdienstvolle Wunden und Tot versichern darf, (...).“ (S. 5)

[Seite 117]

Ein weiterer Fall, der sich in Frankfurt ereignete, war die Verurteilung der Kindsmörderin Magdalena Blumin im Jahre 1770. Ihr Todesurteil wurde aber zu vierjähriger Gefängnisstrafe bei harter Arbeit im Armenhaus umgewandelt. Die Ärzte waren sich nicht sicher gewesen, ob es sich um ein lebensfähiges Kind gehandelt hatte und die Wunden am Körper nicht nur vom Sturz auf den Boden herrührten. Die Zuchtausstrafe erging damit aus Mangel an Beweisen. 384


384 Der Fall befindet sich ebenfalls im Frankfurter Stadtarchiv. Criminalia 1770, Aktennummer 8527.

Anmerkungen

Starke Anlehung an die Quelle, ohne diese im Zusammenhang anzugeben.

Sichter
(Hood), WiseWoman

[15.] Tj/Fragment 021 102 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 15:03 Hindemith
Erstellt: 6. January 2013, 14:52 (Graf Isolan)
BauernOpfer, Becker 2002, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 21, Zeilen: 102-106
Quelle: Becker 2002
Seite(n): 212-213, Zeilen: S.212, 26ff
32 Vgl. Becker, S. 21 und S. 212f. Weil man das Merkmal des Anerkanntwerdens als exklusiven Bestandteil von krimineller wie bürgerlicher Welt verstand, setzten es die Kriminalisten auch zur Entlarvung von Gaunern ein. Der eines Verbrechens beschuldigte Bürger konnte aufgrund seiner Zugehörigkeit zur bürgerlichen Ordnung eher seine Unschuld durch ein Alibi beweisen als der Gauner. Weil man das Merkmal des Anerkanntwerdens als exklusiven Bestandteil von krimineller wie bürgerlicher Welt verstand, setzten es die Kriminalisten auch zur Entlarvung von Gaunern ein. Der eines Verbrechens beschuldigte Bürger konnte aufgrund seiner Zugehörigkeit zur >bürgerlichen Ordnung< eher seine Unschuld durch ein Alibi beweisen als der Gauner.
Anmerkungen

Trotz Nennung der Quelle nicht als "Zitat" erkennbar.

Da zudem 2 Stellen in der Quelle angegeben sind, und auf die Quelle mit "vgl." verwiesen wird, wird ein wörtliches Zitat eigentlich ausgeschlossen.

Sichter
(Graf Isolan), Hindemith

[16.] Tj/Fragment 125 07 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 14:42 Hindemith
Erstellt: 4. January 2013, 17:13 (Plagin Hood)
Fragment, Gesichtet, Peters 2001, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 125, Zeilen: 7-10
Quelle: Peters 2001
Seite(n): 106-107, Zeilen: 106: 39; 107: 1-3
Fausts Auftreten erinnert bei der ersten Begegnung eher an das eines unbeholfenen, großspurigen Jünglings als an das eines erfahrenen Mannes. Er scheint nicht der durchtriebene Verführer zu sein, der schon vielen Frauen das Herz gebrochen hat. [Seite 106, Z. 39]

Dabei erinnert sein übertrieben forsches Auftreten bei der ersten Be-

[Seite 107, Z. 1-3]

gegnung eher an das eines unbeholfenen, großspurigen Jünglings als an das eines erfahrenen Mannes. Er scheint nicht der durchtriebene Verführer zu sein, der schon vielen Frauen das Herz gebrochen hat.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf wörtliches Zitat.

Sichter
Hindemith

[17.] Tj/Fragment 124 27 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 14:40 Hindemith
Erstellt: 4. January 2013, 15:24 (Plagin Hood)
Fragment, Gesichtet, Peters 2001, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 124, Zeilen: 27-31, 101-102
Quelle: Peters 2001
Seite(n): 107, Zeilen: 27-33, 110-112
[...]468

Gretgen lässt sich verführen und ist gleichwohl als tugendhaft und unschuldig zu verstehen. Unterstützt wird diese These im „Urfaust“ durch Gretgens Selbstcharakterisierung und Fausts Idealisierung. Sie stellt sich durch ihren Fleiß und ihre liebevolle Fürsorge um das kleine Schwesterlein als die ideale Mutter dar. Der durch [diese Figur idealisierter Weiblichkeit verübte Kindsmord ist damit als Tat tiefster Verzweiflung zu verstehen.]


468 Reuchlein, Bürgerliche Gesellschaft, S. 146. Gretgens und Fausts Verlangen entspringt der wahren Liebe. Dies wird in der Gegenüberstellung der beiden Paare Gretchen/Faust und Marthen/Mephisto deutlich. Während das eine die wahre Liebe symbolisiert, steht das andere für die Doppelmoral der bürgerlichen Gesellschaft.

Gretchen „läßt sich bereitwillig verführen und ist gleichwohl als tugendhaft und ‚unschuldig‘ zu verstehen.“354

Unterstützt wird diese These im „Urfaust“ durch Gretchens Selbstcharakterisierung und Fausts Idealisierung seiner Geliebten. Sie stellt sich durch ihren Fleiß und ihre liebevolle Fürsorge um das kleine Schwesterchen als die ideale Mutter dar. Der durch diese Figur idealisierter Weiblichkeit verübte Kindsmord ist damit als Tat tiefster Verzweiflung zu verstehen.


354 Georg Reuchlein: Bürgerliche Gesellschaft, Psychiatrie und Literatur. Zur Entwicklung der Wahnsinnsthematik in der deutschen Literatur des späten 18. Und frühen 19. Jahrhunderts, München 1986, S. 145.

Anmerkungen

Fortsetzung auf der Folgeseite.

Zwar wird Peters weiter oben auf der Seite erwähnt und paraphrasiert. Der vorliegende Textabschnitt ist jedoch ohne zusätzliche Angaben nicht der Quelle zuzuordnen, zumal davor ein Zitat von Reuchlein Verwedung findet. Auch diese Quelle wird in beiden Werken im Zusammenhang referenziert. Die bei Peters in Anführungszeichen stehende Übernahme aus Reuchlein ist bei T. J. nicht als wörtliches Zitat ausgewiesen.

Sichter
Hindemith

[18.] Tj/Fragment 124 01 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 14:37 Hindemith
Erstellt: 4. January 2013, 16:12 (Plagin Hood)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Peters 2001, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 124, Zeilen: 1-14, 102-106
Quelle: Peters 2001
Seite(n): 107, Zeilen: 4-22, 24-25
[Anders sieht dies Peters, die über Gretgen] sagt: „Ihre Figur wird damit in der Forschung konsequent verharmlost und entschärf [sic!].“ 465

Ihre Meinung stützt Peters auf die Tatsache, dass Gretgen in der Szene „In Marthens Garten“ die Initiative übernimmt. Sie gesteht Faust ihre Liebe und spielt das Blumenspiel. Danach läuft sie in das dunkle Gartenhäuschen, in dem sie niemand sehen kann. Als Faust sie dann küsst, fasst sie ihn und erwidert den Kuss. Gretgen stimmt darüber hinaus auch dem nächtlichen Treffen zu, obwohl kein Eheversprechen vorliegt und sie Faust auch nicht in diese Richtung drängt. Sie hat keine moralischen Bedenken, sondern nur Angst davor, von der Mutter überrascht zu werden. Am deutlichsten werden Gretgens sexuelle Wünsche in dem Monolog am Spinnrad 466:


Mein Schoos, Gott! drängt

Sich nach ihm hin!467



465 Peters, S. 107.

466 Goethe, Urfaust, S. 429. Diese Passage ist an das Hohelied Salomons angelegt. Goethe schrieb 1775 an Johann Heinrich Merck: „Ich habe das hohe Lied Salomons übersetzt, welches ist die herrlichste Sammlung Liebeslieder, die Gott erschaffen hat.“ (Pinower, insb. S. 182).

467 Goethe, Urfaust, S. 429.

In Martens Garten übernimmt Gretchen die Initiative, sie gesteht ihm ihre Liebe und spielt das Blumenspiel. Indem sie dabei laut spricht, wiederholt sie die Liebeserklärung. Danach läuft sie in das dunkle Gartenhäuschen, in dem sie niemand sehen kann. Faust reagiert nur auf dieses neckische Verhalten. Als er sie dann küßt, faßt sie ihn und erwidert den Kuß. (Anweisung S. 404) Petriconi nimmt dies nicht zur Kenntnis, er sieht Gretchn als die unschuldige Verführte, die in ihrer Reinheit keine Sexualität besitzt und nur nach Fausts Willen handelt, um ihn glücklich zu sehen.351 Dabei stimmt Evchen dem nächtlichen Treffen zu, obwohl kein Eheversprechen vorliegt und sie Faust auch nicht in diese Richtung drängt. Sie hat keine moralischen Bedenken, sondern denkt nur daran, nicht von der Mutter überrascht zu werden (V. 119). Am deutlichsten werden ihre sexuellen Wünsche in dem Monolog am Spinnrad, der an das Hohelied Salomons angelehnt ist.352


„Mein schoß, Gott! Drängt

Sich nach ihm hin.“ (V. 1098f.)


[...]

Ihre Figur wird damit in der Forschung konsequent verharmlost und entschärft.353


351 Vgl. Hellmuth Petriconi: Die verführte Unschuld. Bemerkungen über ein literarisches Thema, Hamburg 1953, S. 118.

352 Gothe schrieb 1775 an Johann Heinrich Merck: „Ich habe das hohe Lied Salomons übersetzt, welches ist die herrlichste Sammlung Liebeslieder, die Gott erschaffen hat.“ Otte Pniower: Goethes Faust und das hohe Lied. In: Goethe-Jahrbuch, Bd. 13 (1982), S. 181-198, insb. S. 182

353 Zu Gretches Sexualität vgl. Peter Heller: Gretchen: Figur, Klischee, Symbol. In: Wolfgang Paulsen (Hg.): Die Frau als Heldin und Autorin. Neue kritische Aufsätze zur deutschen Literatur, Bern 1979, S. 175-189, insb. S. 177.

Anmerkungen

Zwar ist Peters erkennbar teils wörtlich zitiert, teils paraphrasiert, jedoch sind die Anlehnungen/Übernahmen nicht in vollem Umfang kenntlich gemacht. Aufgrund der unklaren Trennung, ob der Verfasser oder die Quelle spricht, entsteht der Eindruck einer Auseinandersetzung/Diskussion statt einer Widergabe.

Zu Beginn des Abschnitts wird eine wörtliche Übernahme ordnungsgemäß als solche gekennzeichnet. Längere wörtliche Übernahmen weiter unten bleiben jedoch ohne entsprechende Kennzeichnung.

Aus "Evchen" wird "Gretchen" bzw. "Gretgen".

Sichter
Hindemith

[19.] Tj/Fragment 116 25 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 14:22 Hindemith
Erstellt: 7. January 2013, 16:59 (Plagin Hood)
Fragment, Gesichtet, Peters 2001, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 116, Zeilen: 25-34, 104-109
Quelle: Peters 2001
Seite(n): 103, Zeilen: 8-27, 105-109
Die Gretchentragödie war durch den Fauststoff nicht motiviert. In den verschiedenen Puppenspielen, die Goethe im Zusammenhang mit der Faustgestalt bekannt waren, war nur vom Pakt zwischen dem Zauberer Dr. Fausten mit dem Teufel die Rede. Erst 1801, als er sich Pfitzers Faustbuch439 entlieh, erfuhr er von einem Kindsmord im Zusammenhang mit der Fausterzählung.440

Die volkstümliche Behandlung wie die Datierung der Ausleihe belegen, dass das Kindsmordmotiv nicht anderen Faustbüchem entnommen ist. Die Gelehrtentragödie dagegen ist ein Konstrukt aus den Faustspielen und der Auseinandersetzung Goethes mit dem eigenen Streben und der eigenen Unzufriedenheit. In „Dichtung und Wahrheit“ schreibt er im 10. Buch des 2. Teils darüber: „Die be-[deutende Puppenspielfabel des anderen klang und summte gar vieltönig in mir wieder. Auch ich hatte mich in allen Wissen umhergetrieben und war früh genug auf die Eitelkeit desselben hingewiesen worden. Ich hatte es auch im Leben auf allerlei Weise versucht und war immer unbefriedigter und gequälter zurückgekommen.“]


439 Vgl. Widmann, S. 9ff.

440 Vgl. Erich Trunz (Hrsg.), Faust, S. 473. In dieser Erzählung verliebt sich der Untermieter Apion in Amee, die Tochter seiner Wirtin. Als diese schwanger wird, verlässt er sie. Amee tötet mit der Magd Caride das Kind nach der Geburt und vergräbt es unter einem Baum. Zwei Jahre später ziehen Amee und ihre Mutter aus dem Haus aus. Der neue Besitzer findet im Garten die unverweste Leiche des Kindes. Als man Amee das Kind zeigt, blutet es aus Nase, Mund und Augen. Ihre Schuld ist damit bewiesen.

Die Gretchentragödie und damit auch der Kindsmord waren durch den tradierten Fauststoff nicht motiviert. In den verschiedenen Puppenspielen, die Goethe kannte, war nur vom Pakt zwischen dem Zauberer Dr. Fausten mit dem Teufel die Rede. Erst 1801, als er sich Pfitzers Faustbuch entlieh, erfuhr er von einem Kindsmord im Zusammenhang mit der Fausterzählung.343 Der Untermieter Apion verliebt sich in Amee, die Tochter seiner Wirtin. Als sie schwanger ist, verläßt er sie. Amee tötet mit der Magd Caride das Kind nach der Geburt und vergräbt es unter einem Baum. Zwei Jahre später ziehen Amee und ihre Mutter aus dem Haus aus. Der neue Besitzer findet im Garten die unverweste Leiche des Kindes. Als Amee das Kind gezeigt wird, blutet es aus Nase, Mund und Augen, womit ihre Schuld bewiesen ist. Amee und Caride werden geköpft, während die Mutter der Stadt verwiesen wird.344 Die volkstümliche Behandlung wie die Datierung der Ausleihe belegen, daß das Kindsmordmotiv nicht anderen Faustbüchern entnommen ist, während die „Gelehrtentragödie“ im „Urfaust“ und natürlich auch im „Faust“ ein Konstrukt aus den Puppenspielen und der Auseinandersetzung Goethes mit dem eigenen Streben und der eigenen Unzufriedenheit ist.

„Die bedeutende Puppenspielfabel des anderen klang und summte gar vieltönig in mir wieder. Auch ich hatte mich in allen Wissen umhergetrieben und war früh genug auf Eitelkeiten desselben hingewiesen worden. Ich hatte es auch im Leben auf allerlei Weise versucht und war immer unbefriedigter und gequälter zurückgekommen.“345


343 Vgl. Johann Wolfgang Goethe: Faust, a.a.O., S, 473.

344 Vgl. Georg Rudolf Widmann: Fausts Leben [in der Bearbeitung von Johann Nikolaus Pfitzer, Nürnberg 1764] hrsg. Von Adelbert von Keller, Tübingen 1880, S. 9ff.

345 Johann Wolfgang Goethe: Gedenkausgabe der Werke, Briefe und Gespräche. Bd. 10, Dichtung und Wahrheit, 2. Teil, 10. Buch, a.a.O., S. 453f.

Anmerkungen

Ein Verweis auf die Quelle fehlt.

Fortsetzung auf der Folgeseite.

Sichter
Hindemith

[20.] Tj/Fragment 099 107 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 14:17 Hindemith
Erstellt: 10. January 2013, 00:38 (Plagin Hood)
Fragment, Gesichtet, Peters 2001, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 99, Zeilen: 107-115
Quelle: Peters 2001
Seite(n): 120, Zeilen: 16-25
375 Vielmehr gibt es eine Menge Vorbilder. Sicher ist, dass Goethe seine Beziehung zu seiner Sesenheimer-Geliebten, der Pfarrerstochter Friedericke [sic!] Brion, die ihn während seiner Straßburger Zeit glühend verehrte, in die Gretchentragödie einfließen ließ. Als die Beziehung im Sommer 1771 abrupt abbrach, erfuhr er in schmerzlicher Weise die Schuld des Verlassens. In „Dichtung und Wahrheit“ schreibt er darüber: „Die Antwort Friederickens [sic!] auf einen schriftlichen Abschied zerriß mir das Herz. [...] Hier war ich zum erstenmal schuldig; ich hatte das schönste Herz in seinem Tiefsten verwundet, und so war die Epoche einer düsteren Reue, bei dem Mangel einer gewohnten erquicklichen Liebe, höchst peinlich, ja unerträglich.“ Doch nicht nur zeitgenössische Kriminalfälle beeinflußten die Handlung. So sollen eine Jugendliebe namens Gretchen394 und die Beziehung zu Friedericke [sic!] Brion aus Sesenheim die Tragödie geprägt haben. Gerade in der Beziehung zu Friderike habe Goethe schmerzlich die Schuld des Verlassens erfahren, als er die Beziehung zu ihr im Sommer 1771 abrupt abbrach. In Dichtung und Wahrheit schreibt er:

„Die Antwort Friederikens auf einen schriftlichen Abschied zerriß mir das Herz. (...) Hier war ich zum erstenmal schuldig; ich hatte das schönste Herz in seinem Tiefsten verwundet, und so war die Epoche einer düsteren Reue, bei dem Mangel einer gewohnten erquicklichen Liebe, höchst peinlich, ja unerträglich.“395


394 Kuno Fischer hat die erste große Liebe Goethes aufgearbeitet. So ging Goethe nur in die Kirche, um sie zu sehen und brachte ihr seine Liebespistel an den Spinnrock Vgl. Kuno Fischer: Goethes Faust, Bd. 3, Die Erklärung des Goetheschen Faust nach der Reihenfolge seiner Szenen, Heidelberg 1912 (4. Aufl.), S. 164f.

395 Johann Wolfgang Goethe: Gedenkausgabe der Werke, Briefe und Gespräche, a.a.O., Bd. 10, S. 569f. Eine Aufarbeitung der Beziehung zwischen Goethe und Friederike findet sich bei Willi Krogmann: Das Friederikenmotiv in den Dichtungen Goethes. Eine Motivanalyse, Berlin 1932, S. 43-48 und Raymond Matzen: Goethe, Friederike und Sesenheim, Straßburg, Baser 1985 (3. Erw. Aufl.)

Anmerkungen

Kein Hinweis auf Peters (2001) als Quelle. Auffällig ist der gleiche Schreibfehler bei beiden Autoren: "Friedericke" statt "Friederike". Auch das Goehte-Zitat ist identisch wiedergegeben (in identischer Länge, mit identischer Kürzung).

Sichter
Hindemith

[21.] Tj/Fragment 094 01 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 14:16 Hindemith
Erstellt: 4. January 2013, 02:34 (Plagin Hood)
Fragment, Gesichtet, Peters 2001, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 94, Zeilen: 1-28
Quelle: Peters 2001
Seite(n): 118-120, Zeilen: 118: 31-33; 119: 1-20, 32-34; 120: 1-2
[Eine Schwangerschaft hatte sie nicht] vermutet. Da das Gericht mit dieser Antwort nicht zufrieden war, ließ man ihr den durch die Verletzungen und die Obduktion entstellten Leichnam zeigen.

Von nun an gab sie alles zu. Sogar Dinge, die gar nicht passiert waren. So unterstellte das Gericht ihr, dass sie das Kind mit einer Schere, die bei ihr gefunden worden war, verletzt habe, obwohl es am ganzen Körper keine Stichwunden gab, wie der Verteidiger später ausführte. Susanna Brandt hatte aus Angst vor der Folter mehr gestanden, als sie getan hatte. So widerrief sie auch die Angabe, die ihr vom Gericht in den Mund gelegt worden war, wonach die das Kind vorsätzlich mit dem Kopf an die Mauer geschlagen habe.

Ein Verteidiger wurde erst nach Abschluss der Ermittlungen zugelassen, somit hatte er Schwierigkeiten, von Susanna Margaretha Brandt gemachte Aussagen für die Verteidigung zu nutzen. Sein Strategie beschränkte sich aus diesem Grund auf die Aufdeckung von Unzulänglichkeiten im Verfahren, wenn er unter anderem die Identifizierung des Leichnams kritisierte: Sie habe das Kind in der Dunkelheit geboren und somit nicht genau sehen können; außerdem sei der Leichnam bei der Präsentation völlig entstellt gewesen.

Als Gründe für die Tat nannte Susanna Brandt die Angst vor der Schande und den Vorwurf der Leute. Sie hatte gehofft, in dem Haus heimlich gebären zu können. Der Verteidiger ging in seinen Ausführungen auf ihre Situation ein. Sie war vom Kindsvater verlassen und von der Wirtin gekündigt worden, was als strafmildernd anzusehen sei, wie auch die starken Schmerzen während der Geburt. Interessant ist Susanna Brandts Aussage, der Teufel habe sie verblendet und zur Tat überredet.

Trotz der progressiven Verteidigungsführung ihres Verteidigers und dem Hinweis, dass es sich bei dem Kind um eine Frühgeburt gehandelt hatte, da es im achten Monat zur Welt gekommen war und kaum Lebenschancen gehabt hätte, wurde Susanna Margaretha Brandt am 9. Januar 1772 zum Tode durch das Schwert verurteilt. Die Hinrichtung wurde am 14. Januar 1772 vollzogen.

[Seite 118, Z. 31-33]

Eine Schwangerschaft hatte sie nicht vermutet. Da das Gericht mit dieser Antwort nicht zufrieden war, ließ man ihr den durch die Verletzungen und die Obduktion entstellten Leichnam zeigen. (S. 66-71)

[Seite 119, Z. 1-20]

Von nun an gab sie alles zu, sogar Dinge, die gar nicht passiert waren. So unterstellte das Gericht ihr, daß sie das Kind mit der Schere, die bei ihr gefunden worden war, verletzt habe, obwohl es am ganzen Körper keine Stichwunden gab, wie der Verteidiger später ausführte. Susanna Brandt hatte aus Angst vor den Folgen mehr gestanden, als sie getan hatte. So widerrief sie die Angabe, die ihr vom Gericht in den Mund gelegt worden war, wonach sie das Kind vorsätzlich mit dem Kopf an die Mauer geschlagen habe. Ein Verteidiger wurde erst nach Abschluß der Ermittlungen zugelassen, somit hatte er die Schwierigkeit, von Susanna Margaretha Brandt gemachte Aussagen für die Verteidigung zu nutzen. Seine Strategie beschränkte sich aus diesem Grund auf die Aufdeckung von Unzulänglichkeiten im Verfahren, wenn er u.a. die Identifizierung des Leichnams kritisierte. Sie habe das Kind in der Dunkelheit geboren und somit nicht genau sehen können, außerdem sei der Leichnam bei der Präsentation völlig entstellt gewesen. (S. 174f.) Als Gründe für die Tat nannte Susanna Brandt die Angst vor der Schande und dem Vorwurf der Leute. Sie hatte gehofft, in dem Haus leicht heimlich gebären zu können. (S. 111) Der Verteidiger ging in seinen Ausführungen auf ihre Situation ein. Sie war vom Kindsvater verlassen und von der Wirtin gekündigt worden, was als strafmindernd anzusehen sei, wie auch die starken Schmerzen während der Geburt. Interessant ist Susanna Brandts Aussage, der Teufel habe sie verblendet und zur Tat überredet.

[...]

[Seite 119, Z. 32-34]

Trotz der progressiven Verteidigungsführung und dem Hinweis, daß es sich bei dem Kind um eine Frühgeburt gehandelt hatte, da es im achten Monat zur Welt gekommen war und kaum Lebenschancen gehabt hätte, (S. 180) wurde sie zum

[Seite 120, Z. 1-2]

Tode durch das Schwert verurteilt. Die Hinrichtung der Susanna Margaretha Brandt wurde am 14. Januar 1772 vollzogen.

Anmerkungen

Fortgesetzt von der vorangehenden Seite.

Der Verfasser übernimmt die Auszüge aus Habermas bis auf Kürzungen in gleicher Zusammenstellung aus der Vorlage von Peters unter Auslassung der einzelen Verweise bei Peters auf die Textstellen bei Habermas. Auf Habermas wird vom Verfasser nur eingangs auf S. 92 mit "Vgl." verwiesen, ein Hinweis auf Peters unterbleibt.

Sichter
Hindemith

[22.] Tj/Fragment 092 27 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 13:58 Hindemith
Erstellt: 4. January 2013, 01:24 (Plagin Hood)
Fragment, Gesichtet, Peters 2001, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 92, Zeilen: 27-30
Quelle: Peters 2001
Seite(n): 117, Zeilen: 17-21
aa. Der historische Fall362

Susanna Margaretha Brandt war zur Tatzeit 24 Jahre alt und arbeitete als Dienstmagd im Gasthaus „Zum Einhorn“. Sie konnte weder lesen noch schreiben. Die Wirtin des Gasthauses war mit Susanna Brandts Arbeit sehr zufrieden. Drei bis vier Wochen vor Weihnachten 1770 quartierten sich zwei Reisende im [Gasthaus ein, von denen einer der Vater ihres Kindes werden sollte.]


362 Vgl. dazu die Darstellung von Habermas, S. 7ff.



[Vgl. Literaturverzeichnis]

Habermas, Rebekka (Hrsg.), Das Frankfurter Gretchen. Der Prozeß gegen die Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt, München 1999

387Susanna Margaretha Brandt war zur Tatzeit 24 Jahre alt und arbeitete als Dienstmagd in dem Gasthaus „Zum Einhorn“. Sie konnte weder lesen noch schreiben. Die Wirtin des Gasthauses war mit Susanna Brandts Arbeit sehr zufrieden. Drei bis vier Wochen vor Weihnachten quartierten sich zwei Reisende im Gasthaus ein, von denen einer der Vater ihres Kind [sic!] wurde.

387 Einen sehr viel ausführlicheren Einblick in den Fall bietet die vollständige Herausgabe der Prozeßakten von Rebekka Habermas (Hg.): das Frankfurter Gretchen, a.a.O. Siegfried Birkner hat die Prozeßakten der Kaiserlichen Freien Reichsstadt Frankfurt am Mai, den sogenannten Criminalia 1771, Aktennummer 8589 nur teilweise wiedergegeben. Vgl. Siegfried birkner: Das Leben und Sterben der Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt, Frankfurt a.M. 1989. Der Fall der Susanna Margaretha Brandt wird nach Rebekka Habermas zitiert.

Anmerkungen

Minimale Anpassungen. Fortsetzung auf der Folgeseite. Der Verfasser übernimmt die Auszüge aus Habermas in gleicher Zusammenstellung aus der Vorlage von Peters unter Auslassung der einzelen (auf den nächsten Seiten folgenden) Verweise bei Peters auf die Textstellen bei Habermas. Auf Habermas wird vom Verfasser nur eingangs mit "Vgl." verwiesen, ein Hinweis auf Peters unterbleibt.

Sichter
Hindemith

[23.] Tj/Fragment 014 28 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2013, 11:54 Hindemith
Erstellt: 3. January 2013, 20:46 (Plagin Hood)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schönert 1991, Tj

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 14, Zeilen: 28-37
Quelle: Schönert 1991
Seite(n): 13, Zeilen: 20-34
Eigen ist der Literatur wie der Juristerei, die sprachliche Rekonstruktion und Verbindung der Ereignisse zu einer Geschichte, die den Anschluss dieser Geschichte an andere Geschichten durch Bestätigung, Modifikation oder Kritik der jeweils geltenden Wahmehmungsformen und Deutungsmuster für Kriminalität ermöglicht. „Die ,Geschichten’ dienen - in ihren unterschiedlichen Regeln des Erzählens - als Transportwege’ für die gesellschaftlichen Konstruktionen und Deutungen von Kriminalität in der Rechtspraxis, in der wissenschaftlichen Reflexion, in der publizistischen Diskussion, in der literarischen Gestaltung und in den Verständigungsformen des Alltags. Nur in interdisziplinär angelegten Untersuchungen werden die Wanderungen der Geschichten und ihre Folgen für die [gesellschaftlich relevanten Vorstellungen und Deutungen von Kriminalität darzustellen sein.“9]

9 Schönert, Erzählte Kriminalität, S. 13.

Die sprachliche Rekonstruktion und Verbindung der Ereignisse zu einer ,Geschichte’ – als wiederkehrender Substanz des Kiminalfalles in den verschiedenen Vermittlungsbereichen – ermöglicht den Anschluß dieser Geschichte an andere ,Geschichten’ durch Bestätigung, Modifikation oder Kritik der jeweils geltenden Wahrnehmungsformen und Deutungsmuster für Kriminalität. Sie sind abhängig von historischen und sozialen Konstellationen; sie werden in ihrer sprachlichen Organisation an bestimmte Muster der sprachlichen Kommunikation – und damit auch des Erzählens – gebunden. Die ,Geschichten’ dienen – in ihren unterschiedlichen Regeln des Erzählens als ,Transportwege’ für die gesellschaftlichen Konstruktionen und Deutungen von Kriminalität in der Rechtspraxis, in der wissenschaftlichen Reflexion, in der publizistischen Diskussion, in der literarischen Gestaltung und in den Verständigungsformen des Alltags. 7 Nur in interdisziplinär angelegten Untersuchungen werden die Wanderungen der Geschichten und ihre Folgen für die gesellschaftlich relevanten Vorstellungen und Deutungen von Kriminalität dazustellen sein.
Anmerkungen

Nur ein Teil des Textes ist als wörtliches Zitat in Anführungszeichen ausgewiesen. Dem Leser ist nicht klar, dass auch schon vorher wörtlich aus der Quelle übernommen wurde.

Sichter
Hindemith

[24.] Tj/Fragment 118 01 - Diskussion
Bearbeitet: 8. January 2013, 21:48 SleepyHollow02
Erstellt: 4. January 2013, 20:33 (Graf Isolan)
Fragment, Gesichtet, KLL6 1996, KomplettPlagiat, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj

Typus
KomplettPlagiat
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 118, Zeilen: 1-3
Quelle: KLL6 1996
Seite(n): 464, Zeilen: 2. Sp, Z. 39
[Von den Wirkungen der Tragödie und den Schwierigkeiten ihrer Deutung gibt die tausende von Titeln umfassende Bibliographie der Interpretationen, Teilana]lysen, Übersetzungen, der durch das Werk angeregten dramatischen oder epischen Neugestaltungen des Stoffs, der Travestien, musikalischen und filmischen Bearbeitungen einen Eindruck. Von den Wirkungen der Tragödie und den Schwierigkeiten ihrer Deutung gibt die Tausende von Titeln umfassende Bibliographie der Interpretationen, Teilanalysen, Übersetzungen, der durch das Werk angeregten dramatischen oder epischen Neugestaltungen des Stoffes, der Travestien, musikalischen und filmischen Bearbeitungen einen Eindruck.
Anmerkungen

Ein 'e' wurde gestrichen.

Sichter
(Graf Isolan), WiseWoman

[25.] Tj/Fragment 122 01 - Diskussion
Bearbeitet: 8. January 2013, 20:52 WiseWoman
Erstellt: 4. January 2013, 19:39 (SleepyHollow02)
Fragment, Gesichtet, KLL6 1996, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02, Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 122, Zeilen: 01-04
Quelle: KLL6 1996
Seite(n): 461, Zeilen: 25-31,34-39
[Gretgen, von Faust verführt, Mörderin der Mutter und ihres Kindes, mitschuldig am Tode des Bruders, ist dennoch unantastbar in der ihrem Wesen eigenen Unschuld und Mephistos Worte „Über die hab’ ich keine Gewalt“ lassen erkennen,] dass sie seine eigentliche Gegenspielerin ist. Im tiefsten Abfall von ihrer Lebensordnung verliert Gretgen doch nie wirklich die Verbindung mit ihr und dem letzten Zugriff des Bösen entzieht sie sich mit der Flucht in diese Ordnung: „Ihr heiligen Engel, bewahret meine Seele!“457

457 Goethe, Urfaust, S. 447.

Gretchen, von Faust verführt, Mörderin der Mutter und ihres Kindes, mitschuldig am Tode des Bruders, ist dennoch unantastbar in der ihrem Wesen eigenen Unschuld, und Mephistos Worte »Über die hab' ich keine Gewalt« lassen erkennen, dass sie seine eigentliche Gegenspielerin ist.

[...]

Im tiefsten Abfall von ihrer Lebensordnung verliert Gretchen doch nie wirklich die Verbindung mit ihr und dem letzten Zugriff des Bösen entzieht sie sich mit der Flucht in diese Ordnung: »Gericht Gottes! dir hab’ ich mich übergeben! ... Dein bin ich, Vater! Rette mich!«

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Fortsetzung von der Seite 121.

Sichter
(Graf Isolan), WiseWoman

[26.] Tj/Fragment 121 23 - Diskussion
Bearbeitet: 8. January 2013, 20:51 WiseWoman
Erstellt: 4. January 2013, 18:56 (SleepyHollow02)
Fragment, Gesichtet, KLL6 1996, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 121, Zeilen: 16-36
Quelle: KLL6 1996
Seite(n): 460-461, Zeilen: 2. Sp, Z. 61
Das Präludium zur Gretchentragödie bildet in „Faust I“ die Szenen in der Hexenküche und damit Fausts Verjüngung - ein Vorgang, der mit augenscheinlichem Behagen am Absurden als ein aus Tiefsinn, Satire und Obszönität gemischtes Spiel dargestellt ist. Faust erblickt in einem Zauberspiegel das Bild Helenas, das ihn zu glühendem Begehren entzündet. Dieser Teil fehlt allerdings noch im „Urfaust“.

Faust begegnet der kindlich unschuldigen und selbstsicheren Margarete in einer mittelalterlichen Kleinstadt. Er bedrängt Mephisto, ihn mit ihr zusammenzuführen. Die Unbedingtheit, mit der Faust das Mädchen ohne Rücksicht auf dessen Bindungen an Familie und Tradition für sich fordert, ist von vornherein unheilträchtig. Dass Faust Mephistos Beihilfe in Anspruch nimmt, führt zur Katastrophe: Das Schlafmittel für Gretgens456 Mutter, vor der Fausts nächtliche Besuche verheimlicht werden müssen, wirkt tödlich; Valentin, Gretchens Bruder, der die Entehrung der Schwester rächen will, fällt durch Mephistos Eingreifen im Kampf mit Faust; Gretgen tötet in Verzweiflung das Kind, das sie geboren hat, und endet im Kerker. Und doch zeigen sich in Gretgens Tragödie die Grenzen der Macht des Bösen und deutet sich die Allmacht der Liebe an, die auch Faust vor dem endgültigen Anheimfallen an dieses Böse retten wird. Gretgen, von Faust verführt, Mörderin der Mutter und ihres Kindes, mitschuldig am Tode des Bruders, ist dennoch unantastbar in der ihrem Wesen eigenen Unschuld und Mephistos Worte „Über die hab’ ich keine Gewalt“ lassen erkennen, [dass sie seine eigentliche Gegenspielerin ist.]


456 Im Folgenden wird, da im Wesentlichen nur noch vom Urfaust gesprochen wird, der dort zumeist verwendete Name „Gretgen“ und nicht der aus Faust I stammende allgemeinere „Gretchen“ verwendet.

Die folgende Szene, Fausts Verjüngung in der Hexenküche, ein Vorgang, der mit augenscheinlichem Behagen am absurden, aus Tiefsinn, Satire und

[S. 461]

Obszönität gemischten Spiel dargestellt ist, bildet das Präludium zur Liebestragödie. Faust erblickt in einem Zauberspiegel das Bild einer Frau, das ihn zu glühendem Begehren entzündet. In Gretchen wird diese Vision (in der sich zugleich die künftige Erscheinung Helenas andeutet) Wirklichkeit. Faust begegnet diesem kindlich unschuldigen und selbstsicheren Geschöpf in einer mittelalterlichen Kleinstadt. Er bedrängt Mephisto, ihn mit Gretchen zusammenzuführen. Die Unbedingtheit, mit der Faust das Mädchen ohne Rücksicht auf dessen Bindungen an Familie und Tradition für sich fordert, ist von vornherein unheilträchtig. Daß er Mephistos Beihilfe in Anspruch nimmt, führt zur Katastrophe: das Schlafmittel für Gretchens Mutter, vor der Fausts nä‚chtliche Besuche verheimlicht werden müssen, wirkt tö€dlich: Valentin, Gretchens Bruder, der die Entehrung der Schwester rä‚chen will, f‚ällt durch Mephistos Eingreifen im Kampf mit Faust; Gretchen t€ötet in Verzweiflung das Kind, das sie geboren hat, und endet im Kerker. Und doch zeigen sich in der Tragö€die die Grenzen der Macht des Bö€sen, deutet sich durch das von Gretchen verkö€rperte Prinzip der Liebe ein  am Schlussrettendes Gegenmodell an. Gretchen, von Faust verführt, Mö€rderin der Mutter und ihres Kindes, mitschuldig am Tode des Bruders, ist dennoch unantastbar in der ihrem Wesen eigenen Unschuld, und Mephistos Worte »Über die hab' ich keine Gewalt« lassen erkennen, dass sie seine eigentliche Gegenspielerin ist.

Anmerkungen

Kleinere Anpassungen, Kein Hinweis auf die Quelle.

Bemerkenswert auch der Widerspruch S. 121 "Faust begegnet der kindlich unschuldigen und selbstsicheren Margarete [...]" zu S. 123: "Gretgen ist alles andere als selbstbewusst und fühlt sich in Fausts Gegenwart unsicher: [...]"; hier scheint Tj nicht ganz sicher zu sein, ob er dem übernommenen Text oder seiner eigenen Interpretation folgen will.

Sichter
(SleepyHollow02), WiseWoman

[27.] Tj/Fragment 117 06 - Diskussion
Bearbeitet: 8. January 2013, 20:09 WiseWoman
Erstellt: 5. January 2013, 00:46 (Graf Isolan)
Fragment, Gesichtet, KLL6 1996, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 117, Zeilen: 6-28
Quelle: KLL6 1996
Seite(n): 459, Zeilen: 2. Sp, Z. 56
1790 veröffentlichte Goethe unter dem Titel „Faust, ein Fragment“ eine Bearbeitung jenes ersten Entwurfs, deren Komposition deutlich den klärenden Einfluss der italienischen Reise erkennen lässt. Doch erst in den Jahren seiner Freundschaft mit Schiller441, als sich in ihm ein intensives Interesse an kunsttheoretischen Problemen und ideellen Ordnungsprinzipien entzündete, fügte er den Prolog im Himmel und die Paktszene hinzu, in denen sich nun das übergreifende Leitmotiv der Wette klar abzeichnete. So entstand zwischen 1797 und 1806 Faust, I. Teil“, der 1808 veröffentlicht wurde.442

Vorwiegend Eckermann ist es zu danken, dass Goethe nach langer Pause die schon um 1800 entstandenen Bruchstücke des II. Teils wieder aufgriff und das Ganze zwischen 1825 und 1831 planmäßig, „durch Vorsatz und Charakter“ (an W. v. Humboldt, 17.3.1832), aus der Sicht seiner nachklassischen Schaffensphase beendete, in der die Gegensätze von Klassik und Romantik sich versöhnten und in der auch seine Erfahrungen als Staatsmann poetischen Ausdruck suchten. 1827 veröffentlichte Goethe in der Ausgabe letzter Hand den Helena-Akt mit dem Untertitel „Klassisch-romantische Phantasmagorie“, 1828 ebenda die Szenen am Kaiserhof. Noch vor seinem letzten Geburtstag versiegelte er das abgeschlossene Drama.443 Was die Vollendung des Werks, das in den letzten Jahren immer wieder in seinem Tagebuch das „Hauptgeschäft“ genannt wurde, für Goethe bedeutete, bezeugen Briefe aus dieser Zeit und die Gespräche mit Eckermann; hier heißt es am 6. Juni 1831: „Mein ferneres Leben kann ich nunmehr als ein reines Geschenk ansehen, und es ist jetzt im Grunde ganz einerlei, ob und was ich noch etwa tue.“444


441 Vgl. dazu den bei Mener abgedruckten Briefwechsel mit Schiller, S. 229ff.

442 Vgl. Mener, S. 47f.

443 Vgl. Mener, S. 50.

444 Zitiert nach Mener, S. 286.

1790 veröffentlichte Goethe unter dem Titel Faust, ein Fragment eine Bearbeitung jenes ersten Entwurfs, deren Komposition deutlich den klärenden Einfluss der italienischen Reise erkennen lässt. Doch erst in den Jahren seiner Freundschaft mit SCHILLER, als sich in ihm ein intensives Interesse an kunsttheoretischen Problemen und ideellen Ord-

[S. 460]

nungsprinzipien entzündete, fügte er den Prolog im Himmel und die Paktszenen hinzu, in denen sich nun das übergreifende Leitmotiv der Wette klar abzeichnete. So entstand zwischen 1797 und 1806 Faust, I. Teil. Nach langer Pause griff Goethe die schon um 1800 entstandenen Bruchstücke des II. Teils wieder auf und beendete das Ganze zwischen 1825 und 1831 planmäßig, »durch Vorsatz und Charakter« (an W. v. Humboldt, 17.3.1832), aus der Sicht seiner nachklassischen Schaffensphase, in der die Gegensätze von Klassik und Romantik sich versöhnten und in der auch seine Erfahrung als Staatsmann poetischen Ausdruck suchte. 1827 veröffentlichte Goethe in der Ausgabe letzter Hand den Helena-Akt mit dem Untertitel Klassisch-romantische Phantasmagorie, 1828 ebenda die Szenen am Kaiserhof. Noch vor seinem letzten Geburtstag versiegelte er das abgeschlossene Drama. Was die Vollendung des Werks, das in den letzten Jahren immer wieder in seinem Tagebuch das »Hauptgeschäft« genannt wurde, für Goethe bedeutete, bezeugen Briefe aus dieser Zeit und die Gespräche mit Eckermann; hier heißt es (6. 6. 1831): »Mein ferneres Leben kann ich nunmehr als ein reines Geschenk ansehen, und es ist jetzt im Grunde ganz einerlei, ob und was ich noch etwa tue.«

Anmerkungen

Weitgehende Übereinstimmung mit Bearbeitungen

Sichter
(Graf Isolan), WiseWoman

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