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Literatur und Verbrechen: Kunst und Kriminalität in der europäischen Erzählprosa um 1900

von Dr. Dr. Thomas Sprecher

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Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Ts/Fragment 204 05 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2014-09-17 21:07:24 Schumann
BauernOpfer, Buttkewitz 2002, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 204, Zeilen: 5-32
Quelle: Buttkewitz 2002
Seite(n): 19, 20, Zeilen: 19: 8-28; 20: 15-29
Die radikalste Ausprägung des Fiktionsbegriffs nimmt der Dekonstruktivist Jacques Derrida vor. Er lehnt die Logik der Intention ab und polemisiert gegen Searles Fiktionstheorie.186 Er leugnet die Existenz eines „Text-Äußeren“ und eines „transzendentalen Signifikats“. Sein Erkenntnisinteresse zielt auf die Geschlossenheit der Texte.187 Während die Wirklichkeitsmodelle der anderen strukturalistischen Richtungen in der Regel irgendeinen Bezug zur objektiven Realität kennen, erklärt Derrida diese Modelle zu willkürlichen Fiktionen. Seine Schlüsselkonzepte, „Schrift“ und „Differenz“, wenden sich gegen die „Illusion“ einer unmittelbar gegebenen, in Sprache vermittelten Wirklichkeit. Die Negierung einer extratextuellen Referenz und damit einer (mimetischen) Relation zwischen Text und aussertextlicher Realität führt nach Derrida zur Lösung von den Strukturen eines vereindeutigenden Systemdenkens und zur „Rückkehr zum diffusen und vieldimensionierten Denken“.188

Der Dekonstruktivist Paul de Man hat Fiktionalität in Verbindung mit Poetizität besonders anhand von Autobiographien untersucht. Er bestimmt das „figurative“ Sprechen als Spezifikum der Poesie. Dichtung unterscheide sich von der Sprache des Alltags nur durch die rhetorische und figurative Sprache.189 De Man betont das autonome Potential der Sprache und ihre Eigendynamik in der literarischen Rede als die wichtigsten Kennzeichen von Literarizität. Als stilbildendes Merkmal poetischer Ausdrucksweise hebt er die Verwendung von Worten in übertragener und uneigentlicher Bedeutung hervor. Wie Oscar Wilde die Prägung des Lebens durch die Kunst behauptet hat, fragt de Man, ob wir mit Gewissheit davon ausgehen könnten, dass das Leben die Autobiographie beeinflusse, und nicht umgekehrt. Er bezweifelt die absolute mimetische Relation der autobiographischen Redefigur zum Referenzobjekt, da sie nur eine mögliche „Art der Figuration unter [anderen“190 sei.]


186 Searle, The Logical Status of Fictional Discourse.
187 Jacques Derrida: Grammatologie, 7. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1998, S. 85, 274.
188 Ebd., S. 154.
189 de Man, Allegorien des Lesens, S. 40.
190 Paul de Man: Autobiographie als Maskenspiel, in: Paul de Man: Die Ideologie des Ästhetischen, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1993, S. 133.

[S. 19, Z. 8-28]

Bei Jacques Derrida, dem führenden Vertreter des Dekonstruktivismus, finden wir die radikalste Ausprägung des Fiktionsbegriffs. Derrida leugnet die Existenz eines „Text-Äußeren“ und eines „transzendentalen Signifikats“, und somit konzentriert sich sein Erkenntnisinteresse auf die Geschlossenheit der Texte.28 Alle anderen strukturalistischen Richtungen, mit Ausnahme des ontologischen Strukturalismus, bleiben einem Realitätsmodell verhaftet, das nicht durch eine völlige Beziehungslosigkeit zur objektiven Realität gekennzeichnet ist. Erst Derrida erklärt die Realitätsmodelle zu willkürlichen Fiktionen und widerspricht damit auch de Saussure, dessen Vorstellung von der Arbitrarität des Zeichens nie die Vorstellung einer fundamentalen Beziehungslosigkeit des Signifikanten zum „transzendentalen Signifikat“ beinhaltete.

Die Schlüsselkonzepte Derridas, „Schrift“ und „Differenz“, wenden sich gegen die Illusion einer unmittelbar gegebenen und in Sprache vergegenwärtigten Wirklichkeit, gegen die Illusion der Identität zwischen Signifikant und Signifikat und des Subjekts mit sich selbst. Die Negierung einer extratextuellen Referenz und damit das Ende der mimetischen Relationen zwischen Texten und einer objektiven Realität, an deren Stelle ein fiktionales Weltmodell tritt, führt zu einer Loslösung von Zwangsstrukturen eines vereindeutigenden Systemdenkens und somit zur „Rückkehr zum diffusen und vieldimensionierten Denken“,29 welches insofern als arbiträr gelten kann, als es sich nicht von objektiven Sinnzusammenhängen oder Wirklichkeitsmodellen überprüfen läßt, sondern diese als Fiktionen zu enthüllen sucht. Die Abkehr von der Realität führt in der Konsequenz dazu, daß Zeichen eines Textes immer nur auf andere Zeichen verweisen.

[S. 20, Z. 15-29]

Wichtige Hinweise der poststrukturalistischen Betrachtungsweise zum Begriff der Fiktion finden wir bei dem Dekonstruktivisten Paul de Man. Seine Auffassung von Fiktionalität in Verbindung mit Poetizität hat de Man besonders am Beispiel der Autobiographie untersucht. Er begreift die Fiktion nicht als Redestatus, sondern bestimmt stattdessen das „figurative“ Sprechen als Spezifikum der Poesie. Auf der rhetorischen und figurativen Ebene der Texte versucht er, durch sein dekonstruktivistisches Verfahren Bedeutungsnuancen aufzuzeigen. Dichtung unterscheidet sich seiner Meinung nach von der Sprache des Alltags nur durch die rhetorische und figurative Sprache.33 Er betont das autonome Potential der Sprache und ihre Eigendynamik in der literarischen Rede als die wichtigsten Kennzeichen der Literarizität. Als stilbildenes Merkmal poetischer Ausdrucksweise hebt er die Verwendung von Worten in übertragener und uneigentlicher Bedeutung hervor. Außerdem verunsichere Literarizität das Bemühen der Leser auf der Suche nach dem Subjekt und seinem Sinn hinter dem Text, wodurch Folgen für den Status und die Interpretation der Autobiographie entstehen. De Man überlegt, ob wir wirklich mit Gewißheit davon ausgehen können, daß das Leben die Autobiographie beeinflußt und nicht umgekehrt. Er zwei[felt an der bedingungslosen mimetischen Bezogenheit der autobiographischen Redefigur auf das Referenzobjekt, da die mimetische Relation nur eine mögliche „Art der Figuration unter anderen“34 sei.]


28 Derrida: Grammatologie, S. 85; 274.
29 Ebd., S. 154
30 Pross; Wildgruber: Dekonstruktion. In: Arnold; Detering: Grundzüge der Literaturwissenschaft, S. 417.
31 Derrida: Die Schrift und die Differenz, S. 424.
32 Iser: Das Fiktive und das Imaginäre, S. 20.
33 de Man: Allegorien des Lesens, S. 40.
34 de Man: Autobiographie als Maskenspiel. In: Die Ideologie des Ästhetischen, S. 133.
35 Ebd., S. 132.
36 Ebd., S. 133.

Anmerkungen

Der Vf. gibt zu Beginn von Kap. E (S. 143-221) zu bemerken: "Die Ausführungen in diesem Kap. folgen zum Teil den Darlegungen von [...] Buttkewitz 2002 S. 10-47". Daher erfolgt eine Wertung als Bauernopfer.

Sichter
Guckar


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Letzte Bearbeitung dieser Seite: durch Benutzer:Schumann, Zeitstempel: 20140917210635

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