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Ts/211

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Literatur und Verbrechen: Kunst und Kriminalität in der europäischen Erzählprosa um 1900

von Dr. Dr. Thomas Sprecher

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Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Ts/Fragment 211 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2014-09-17 21:23:01 Schumann
BauernOpfer, Buttkewitz 2002, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ts

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 211, Zeilen: 1-28
Quelle: Buttkewitz 2002
Seite(n): 34, 35, 26, 35, 36, Zeilen: 34: 23-25; 35: 7-8; 26: 1-3, 30-32; 35: 18-29; 26: 19-28
[Es existieren] nurmehr Zeichenwelten, die nur noch innerhalb der Simulationen agieren.211 Das Reale wird hyperrealisiert. Die Simulation generiert sich aus dem Realen ohne Ursprung oder Realität.212 Baudrillard spricht von der Auflösung der Dichotomie zwischen Realität und Irrealität und proklamiert die künstliche Zeichenwelt des an die Stelle von Wirklichkeit tretenden automatisch produzierten Simulakrums. In der „Hyperrealität“ der modernen Konsumgesellschaft verschmölzen die traditionellen Oppositionen von Ursache und Wirkung, Ursprung und Ziel, Realität und Fiktion, Wahrem und Falschem.213 Gegen Hegel gerichtet hält Baudrillard die Durchbrechung von „Schein und Täuschung dieser schlechten, vergänglichen Welt“214 im postmodernen Zeitalter nicht mehr für möglich, weil die Werte zerfallen:
Das Zeitalter der Simulation wird überall eröffnet durch die Austauschbarkeit des Schönen und Häßlichen in der Mode, der Linken und der Rechten in der Politik, des Wahren und Falschen in allen Botschaften der Medien, des Nützlichen und Unnützen auf der Ebene der Gegenstände, der Natur und Kultur auf allen Ebenen der Signifikation.215

Das Simulakrum ist hier also etwas Unwirkliches, das den Platz des Wirklichen einnimmt. Die moderne Gesellschaft schafft sich ihre eigene Wirklichkeit. Nach dem Tod Gottes gebe es auch kein Äquivalent mehr, das die virtuelle Welt verifizieren könnte, was Baudrillard zu apokalyptischen Schlüssen führt:

Wir werden also die gegebene Welt liquidieren müssen. Wir werden sie zerstören müssen, indem wir sie durch eine künstliche, durch und durch konstruierte Welt ersetzen, für die wir niemandem Rechenschaft schulden werden. Daher diese gigantische technische Eliminierung der realen Welt in all ihren Formen. Alles Natürliche wird aufgrund dieser symbolischen Regel der Gegengabe und des unmöglichen Tauschs völlig negiert werden.216

211 Jean Baudrillard: Der symbolische Tausch und der Tod, München: Matthes & Seitz 1991, S. 79.
212 Vgl. Jean Baudrillard: Agonie des Realen, Berlin: Merve 1978, S. 8.
213 „Die Irrealität ist nicht mehr die eines Traums oder Phantasmas, eines Diesseits oder Jenseits, es ist die Irrealität einer halluzinierenden Ähnlichkeit des Redens mit sich selbst.“ (Baudrillard, Der symbolische Tausch und der Tod, S. 114).
214 Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen über die Ästhetik I, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1970, S. 22.
215 Baudrillard, Der symbolische Tausch und der Tod, S. 20 f. 216 Jean Baudrillard: Der unmögliche Tausch, Berlin: Merve 2000, S. 23.

[S. 34, Z. 23-25]

Es existieren nunmehr Zeichenwelten, die keinen Referenten mehr besitzen, sondern nur noch innerhalb der Simulationen agieren und den Zugang zur sinnlichen oder unmittelbaren Wahrnehmung der Welt versperren.

[S. 35, Z. 7-8]

Es findet eine Hyperrealisierung des Realen statt. Die Simulation generiert sich aus dem Realen ohne Ursprung oder Realität: [...]70

[S. 26, Z. 1-3]

Jean Baudrillard schwingt sich daran anschließend zu einer Generalisierung dieses Problems auf, wenn er von der Auflösung der Dichotomie zwischen Realität und Irrealität spricht und die künstliche Zeichenwelt, das Simulakrum, proklamiert.

[S. 26, Z. 30-32]

Er geht mit seiner hypothetischen Definition der Simulation so weit, daß er sagt, in der „Hyperrealität“ der modernen Konsumgesellschaft verschmelzen die traditionellen Oppositionen von Ursache und Wirkung, Ursprung und [Ziel, Realität und Fiktion sowie Wahrem und Falschem.48]

[S. 35, Z. 18-29]

Baudrillard, der in seiner Theorie des „symbolischen Tausches“ die Austauschbarkeit des Tauschwerts und Gebrauchswerts erklärt, hält im antihegelianischen Sinne die Durchbrechung von „Schein und Täuschung dieser schlechten, vergänglichen Welt“71 aufgrund der sich auflösenden Wertsetzungen im postmodernen Zeitalter nicht mehr für möglich:

Das Zeitalter der Simulation wird überall eröffnet durch die Austauschbarkeit des Schönen und Häßlichen in der Mode, der Linken und der Rechten in der Politik, des Wahren und Falschen in allen Botschaften der Medien, des Nützlichen und Unnützen auf der Ebene der Gegenstände, der Natur und Kultur auf allen Ebenen der Signifikation.72

Für Baudrillard bedeutet das Simulakrum also keine Illusion, die früher oder später an der Wirklichkeit zerbrechen wird, sondern etwas Irreales, das den Platz des Wirklichen einnimmt und ohne Folgen mit seinem Widerpart ausgewechselt werden kann.

[S. 36, Z. 19-28]

Die logische Konsequenz daraus zeigt sich in der apokalyptischen Quintessenz von Baudrillards Überlegungen, die nur in Form des symbolischen Todestausches bzw. des „unmöglichen Tausches“ ihre Bestätigung finden. Nach dem Tod Gottes gebe es für unsere Welt kein Äquivalent mehr, das die virtuelle Welt verifizieren könnte.

Wir werden also die gegebene Welt liquidieren müssen. Wir werden sie zerstören müssen, indem wir sie durch eine künstliche, durch und durch konstruierte Welt ersetzen, für die wir niemandem Rechenschaft schulden werden. Daher diese gigantische technische Eleminierung [sic] der realen Welt in all ihren Formen. Alles Natürliche wird aufgrund dieser symbolischen Regel der Gegengabe und des unmöglichen Tauschs völlig negiert werden.75

48 „Die Irrealität ist nicht mehr die eines Traums oder Phantasmas, eines Diesseits oder Jenseits, es ist die Irrealität einer halluzinierenden Ähnlichkeit des Reden [sic] mit sich selbst.“ (Baudrillard: Der symbolische Tausch mit dem Tod, S. 114)
69 Baudrillard: Der symbolische Tausch und der Tod. München, S. 79.
70 Ebd., S. 8.
71 Hegel: Vorlesungen über die Ästhetik I, S. 22. 72 Baudrillard: Der symbolische Tausch und der Tod, S. 20-21.
75 Baudrillard: Der unmögliche Tausch, S. 23.

Anmerkungen

Der Vf. gibt zu Beginn von Kap. E (S. 143-221) zu bemerken: "Die Ausführungen in diesem Kap. folgen zum Teil den Darlegungen von [...] Buttkewitz 2002 S. 10-47". Daher erfolgt eine Wertung als Bauernopfer.

Sichter
Guckar


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Letzte Bearbeitung dieser Seite: durch Benutzer:Schumann, Zeitstempel: 20140917212339

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