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Ts/Fragment 030 01

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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 30, Zeilen: 1-29
Quelle: Kern 2004
Seite(n): 83, 84, Zeilen: 83: 16-18, 26-28 - 83: 1-21
Er spricht sich indes vom Vorwurf der Lüge frei, da er als Dichter keineswegs beabsichtigte, seine Leser arglistig zu täuschen:
Ich urkunde also hiemit, daß ich mich hinsetze, um Dinge zu erzählen, die mir nicht begegnet sind; Dinge, die ich weder selbst gesehen noch von andern gehört habe, ja, was noch mehr ist, die nicht nur nicht SIND, sondern auch NIE sein WERDEN, weil sie − mit EINEM Worte − gar nicht möglich sind, und denen also meine Leser (wenn ich anders welche bekommen sollte) nicht den geringsten Glauben beizumessen haben.22

Lukians Erzähler kündigt seinen Lesern also Lügengeschichten von unmöglichen Ereignissen an. Damit stellt er sich implizit gegen die platonische wie die aristotelische Poetik, auf die noch einzugehen sein wird.23 Gegen Platon gerichtet ist die Aussage, er sei kein Lügner, weil er seine Lügen als Lügen und nicht als Wahrheiten erzähle. Gegen das aristotelische Prinzip der Wahrscheinlichkeit wiederum wendet sich das Diktum, er werde außerdem von unmöglichen Dingen und Ereignissen erzählen. Damit meint Lukian die philosophischen Bedenken gegen die Dichtung erledigt zu haben. Noch unbegründet ist aber, weshalb man seine Lügengeschichten überhaupt lesen soll. Ihr Reiz, sagt der Autor, liege in dem satirischen Charakter, den sie durch den Stil eines Wirklichkeitsberichts erhalte:

Das Anziehende, das sie (wie ich mir schmeichle) für die Leser haben werden, liegt nicht bloß in der Abenteuerlichkeit des Inhalts oder in den drollichten Einfällen und in dem traulichen Ton der Wahrheit, womit ich eine so große Mannigfaltigkeit von Lügen vorbringe, sondern auch darin, daß jede der unglaublichen Begebenheiten, die ich als Tatsachen erzähle, eine komische Anspielung auf diesen oder jenen unserer alten Dichter, Geschichtschreiber und Philosophen enthält, die uns eine Menge ähnlicher Märchen und Wunderdinge vorgelogen haben und die ich bloß deswegen zu nennen unterlasse, weil sie dir unterm Lesen von selbst einfallen werden.24

22 Lukian, Wahre Geschichte, S. 283.

23 Vgl. hinten Kap. E.V.4.

24 Lukian, Wahre Geschichte, S. 283.

[S. 83, Z. 16-18]

Zu Anfang dieser Erzählung aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert spricht sich Lukian die Tradition der Lügendichtung begründend von dem Vorwurf frei, daß er als Dichter beabsichtige, seine Leser arglistig zu täuschen. [...]

[S. 83, Z. 26-28]

Ich urkunde also hiemit, daß ich mich hinsetze, um Dinge zu erzählen, die mir nicht begegnet sind; Dinge, die ich weder selbst gesehen noch von andern gehört habe, ja, was noch mehr ist, die nicht nur

[S. 84, Z. 1-21]

nicht SIND, sondern auch NIE sein WERDEN, weil sie – mit EINEM Worte – gar nicht möglich sind, und denen also meine Leser (wenn ich anders welche bekommen sollte) nicht den geringsten Glauben beizumessen haben.”99 Bevor Lukian mit der eigentlichen Erzählung anfängt, bringt er sich in einem Exordium in Stellung. Er antwortet implizit auf die platonische wie auf die aristotelische Dichtungstheorie: Er sei kein Lügner, weil er seine Lügen als Lügen und nicht als Wahrheiten erzähle. Das ist gegen Platon gerichtet. Er werde außerdem von unmöglichen Dingen und Ereignissen erzählen. Das ist ein Hieb gegen das aristotelische Prinzip der Wahrscheinlichkeit. Lukian kündigt seinen Lesern also Lügengeschichten von unmöglichen Ereignissen an.

Zwar entkräftet Lukian mit seiner Erzählstrategie alle epistemologischen und moralischen Bedenken gegen die Dichtung. Nun muß er aber erklären, warum seine Leser den Nonsens überhaupt lesen sollen. Der Reiz seiner Erzählung bestehe, preist Lukian dem Leser seine Schrift an, in ihrem satirischen Charakter, den sie durch den Stil eines Wirklichkeitsberichts erhalte: „Das Anziehende, das sie (wie ich mir schmeichle) für die Leser haben werden, liegt nicht bloß in der Abenteuerlichkeit des Inhalts oder in den drollichten Einfällen und in dem traulichen Ton der Wahrheit, womit ich eine so große Mannigfaltigkeit von Lügen vorbringe, sondern auch darin, daß jede der unglaublichen Begebenheiten, die ich als Tatsachen erzähle, eine komische Anspielung auf diesen oder jenen unserer alten Dichter, Geschichtschreiber und Philosophen enthält, die uns eine Menge ähnlicher Märchen und Wunderdinge vorgelogen haben und die ich bloß deswegen zu nennen unterlasse, weil sie dir unterm Lesen von selbst einfallen werden.”100


99 Lukian: Wahre Geschichte, S. 284 f.

100 Ebd., S. 283

Anmerkungen

Keine Kennzeichnung der Übernahme von Kerns Ausführungen.

Sichter
Schumann

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