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Typus
KeineWertung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 145, Zeilen: 1-13
Quelle: Kern 2004
Seite(n): 15, Zeilen: 14-26
I. PHILOSOPHIE DER TÄUSCHUNG

In der geistesgeschichtlich-christlichen Tradition werden die Begriffe Wahrheit und Wirklichkeit als positive Prinzipien behandelt. Wahrheit ist licht und göttlich, Schein hingegen dunkel und teuflisch. Zumal die Aufklärung wirkte darauf hin, Schein durch Erkenntnis zu ersetzen, Lüge und Täuschung mit der Sonne der Vernunft wegzusengen. Nietzsche denunzierte den Glauben an die Möglichkeit von Wahrheit, indem er diese selbst als Täuschung erklärte: „[D]ie Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind“.5 In der Vorrede zu Menschliches, Allzumenschliches rehabilitierte er die vorher als moralisch minderwertig gehandelte Täuschung als Lebensgrundlage: „[D]as Leben ist nun einmal nicht von der Moral ausgedacht: es will Täuschung, es lebt von der Täuschung …“6


5 Nietzsche: Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn, in: KSA, Bd. 1, S. 873–890. Nietzsche schrieb diesen Essay am Anfang seiner Basler Professur (1873); er blieb zu seinen Lebzeiten unveröffentlicht.

6 Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches, in: KSA, Bd. 2, S. LXI.

A. Philosophie der Täuschung

Die geistesgeschichtliche Tradition des Abendlandes favorisiert die Begriffe Sein, Wahrheit, Wirklichkeit und Erkenntnis als positive Prinzipien. Die Wahrheit ist das göttliche Licht, der Schein hingegen das Dunkel, in dem der Teufel vermutet wird. Täuschung ist der Gegenspieler, ein Spiegelbild des Projekts der Aufklärung, aber damit auch sein Grund. Am Ende des 19. Jahrhunderts bilden die verstreuten Gedanken Friedrich Nietzsches einen Gegenpol zum traditionellen Glauben an die Wahrheit. Nietzsche schlägt die Wahrheit mit ihren eigenen Waffen, indem er sie selbst zur Täuschung erklärt: „die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind“1. In der Vorrede zu Menschliches, Allzumenschliches schreibt er: „und das Leben ist nun einmal nicht von der Moral ausgedacht: es will Täuschung, es lebt von der Täuschung...“2 Nicht zum Prinzip der Erkenntnis erhebt Nietzsche die Täuschung, aber immerhin zum Grund des Lebens. Die Welt steht Kopf.


1 Friedrich Nietzsche: Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn. Werke in drei Bänden III, Darmstadt 1997, S. 314.

2 Friedrich Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches. Werke I, S. 438.

Anmerkungen

Ohne Hinweis auf die Quelle.

Der Vf. gibt zu Beginn von Kap. E (S. 143-221) an:
"Die Ausführungen in diesem Kap. folgen zum Teil den Darlegungen von Stefan Helge Kern, Die Kunst der Täuschung. Hochstapler, Lügner und Betrüger im deutschsprachigen Roman seit 1945 am Beispiel der Romane Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, Mein Name sei Gantenbein und Jakob der Lügner, Diss. Hannover 2004, S. 10-95."

Die Übernahme erfolgt aus diesem Bereich.

Sichter
Schumann

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