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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 192, Zeilen: 1-20
Quelle: Wikipedia Fiktion 2010
Seite(n): online, Zeilen: -
In der Antike wurde wie erwähnt zwischen zutreffenden (wahren, wahrscheinlichen) und unzutreffenden (falschen, unwahrscheinlichen) Darstellungen unterschieden, wobei sich die Vorstellungen von Wahrheit und Wahrscheinlichkeit deutlich von den modernen Entsprechungen unterschieden.136 Darstellungen konnten für unwahr oder unwahrscheinlich gehalten werden. Sie konnten erlogen, unmöglich oder aber fabelhaft sein. Die Lüge war von der fabelhaften Erzählung nicht klar geschieden - das führte zu Platons Vorwurf, alle Dichter „lügten“.

Im Mittelalter nannte man eine Erzählung mit vielen unwahren Elementen narratio fabulosa.137 Ab etwa dem 13. Jahrhundert wuchs das Bewusstsein dafür, dass nichtwahre Elemente gezielt eingesetzt werden können.138

Fiktion im modernen Sinne entstand aber erst in der späteren Neuzeit. Als mögliche Erstlinge der modernen Fiktion werden Cervantes’ Don Quijote und Daniel Defoes Robinson Crusoe diskutiert. Es ging um ein neuartiges Verständnis von Realität und Welt,139 welches das Entstehen fiktionaler Literatur begünstigte.140 In diesem Verständnis konnten allerdings natürlich auch viele schon bestehende Werke als fiktional gelesen werden. Im 17. Jahrhundert kam es zu Tendenzen, eigenständige (autonome) und „selbstbezogene“ andere Welten als die [reale zu denken.]


136 Glen W. Bowersock: Fiction as History: Nero to Julian, Berkeley: University of California Press 1994.

137 Hennig Brinkmann: Mittelalterliche Hermeneutik, Tübingen: Niemeyer 1980.

138 Sonja Glauch: „die fabelen sol ich werfen an den wint“, Der Status der arthurischen Fiktion im Reflex, Thomas, Gotfrid und Wolfram, in: Poetica 37 (2005), S. 29-64.

139 Elena Esposito: Die Fiktion der wahrscheinlichen Realität, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2007.

140 Martin Andree: Archäologie der Medienwirkung, Faszinationstypen von der Antike bis heute (Simulation, Spannung, Fiktionalität, Authentizität, Unmittelbarkeit, Ursprung), München: Wilhelm Fink 2005.

In der Antike wird zwischen zutreffenden (wahren, wahrscheinlichen) und unzutreffenden (falschen, unwahrscheinlichen) Darstellungen unterschieden. Die Vorstellungen von Wahrheit und Wahrscheinlichkeit unterscheiden sich dabei allerdings deutlich von den modernen Entsprechungen.[48] Der Antike ist durchaus vertraut, Ablehnungsgründe für die Wahrheit oder Wahrscheinlichkeit einer Darstellung zu finden. Etwas kann erlogen, unmöglich oder aber fabelhaft sein. [...] Die Lüge ist von der fabelhaften Erzählung nicht klar geschieden; diese fehlende Unterscheidung ist der Grund dafür, dass Platon den Vorwurf erhebt, alle Dichter würden lügen:[49]

[...]

[...] Im Anschluss an den lateinischen Ausdruck fabula wird von einer narratio fabulosa gesprochen, wenn eine Erzählung viele unwahre Elemente enthält.[52] Erst etwa im 13. Jahrhundert wächst das Bewusstsein dafür, dass Handlungselemente erfunden werden, dass also nichtwahre Elemente gezielt eingesetzt werden können.[53]

[...]

Erst in der späteren Neuzeit entsteht Fiktion im modernen Sinne. Im 16. Jahrhundert verbreitet sich dank Philip Sidneys Apology for Poetry die Auffassung, dass Dichter nicht lügen. Im 17. Jahrhundert lassen sich Tendenzen erkennen, die erlauben, eigenständige (autonome) und „selbstbezogene“ andere Welten als die reale zu denken. Deutlich ist der Übergang bei Gottfried Wilhelm Leibniz vollzogen, der das Konzept „möglicher Welten“ vorstellt. Als mögliche Erstlinge der modernen Fiktion werden Don Quijote von Cervantes und Robinson Crusoe von Daniel Defoe diskutiert.

Eine exakte Datierung der Entstehung von Fiktion ist allerdings weder möglich noch sinnvoll, da es nicht um das Hervorbringen neuer Textqualitäten geht, sondern um ein neuartiges Verständnis von Realität und Welt.[54] [...] Doch sobald sich ein neuartiges Verständnis von Realität und von Wahrscheinlichkeit ausgebildet hatte, konnten auch viele der früheren Texte – etwa die mittelalterlichen Romane, die Göttliche Komödie von Dante oder die antiken Epen – von da an als fiktional gelesen werden, selbst wenn sie unter Bedingungen verfasst worden waren, in denen es die moderne Fiktion noch nicht gegeben hatte.


48. G. W. Bowersock, Fiction as History: Nero to Julian, University of California Press, 1994.

49. Platon, Staat (Politeia) [um 370 v. Chr.], zit. nach der Ausgabe: ders.: Werke, WBG, 2004, Bd. 2, S. 5–407, hier S. 85

52. Hennig Brinkmann, Mittelalterliche Hermeneutik, Niemeyer, 1980.

53. Sonja Glauch, „die fabelen sol ich werfen an den wint: Der Status der arthurischen Fiktion im Reflex: Thomas, Gotfrid und Wolfram«, in: Poetica 37 (2005), S. 29–64.

54. Elena Esposito, Die Fiktion der wahrscheinlichen Realität, Suhrkamp, 2007.

55. Martin Andree: Archäologie der Medienwirkung. Faszinationstypen von der Antike bis heute (Simulation, Spannung, Fiktionalität, Authentizität, Unmittelbarkeit, Ursprung). München: Fink 2005.

Anmerkungen

Ohne Hinweis auf die Quelle, aus der auch sämtliche Fußnoten stammen.

Sichter
(Schumann), PlagProf:-)

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