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Ts/Fragment 196 03

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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 196, Zeilen: 3-6(6-7)8-24
Quelle: Wikipedia Fiktion 2010
Seite(n): online, Zeilen: -
Realität und Fiktion schliessen einander nicht aus: Auch in fiktiven Welten wird zwischen fiktionaler und faktualer Darstellung unterschieden. Man nennt dies im Anschluss an Elena Esposito das Orthogonalitätsprinzip.153 So kann ein Romanheld einen fiktiven Roman lesen. Innerhalb des Romans ist die Lektüre real, ausserhalb fiktiv.

Hayden White hat prononciert darauf hingewiesen, dass Geschichtsschreibung durch die Strukturierung der Ereignisse diese so sehr „glättet“, dass sie der Fiktion ähnelt.154 Geschichtsschreibung besteht in Erzählungen, weil nur diese die einzelnen Fakten logisch und chronologisch verbinden können. Sie etablieren Kausalitäten und Kontinuitäten, die in der Regel von den Quellen weder selbst geschaffen noch belegt werden können. Darin liegen Elemente der sinnstiftenden Erfindung und der Fiktion. Dennoch wird die moderne Historiographie in der Regel nicht als fiktionale Darstellung begriffen und ihre „Glättung“ von Fiktion unterschieden, da sie sich auf die reale Welt bezieht und der Autor im Text die volle Verantwortung für seine Behauptung übernimmt. Fiktion hingegen soll mit eingeschränkter Verantwortung für Äußerungen einhergehen.

3. Funktion

Es ist umstritten, ob es sich bei der Fiktion um einen anthropologischen Grundbestand handelt und alle Menschen einander immer schon erfundene Geschichten erzählt haben. Auch über die Funktion von Fiktion [besteht keine Einigkeit.155]


153 Elena Esposito: Fiktion und Virtualität, in: Sybille Krämer [Hrsg.]: Medien, Computer, Realität: Wirklichkeitsvorstellungen und neue Medien, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1998.

154 Hayden White: Metahistory, The Historical Imagination in Nineteenth Century Europe, Baltimore/London: Johns Hopkins University Press 1973; dt.: Metahistory, Die historische Einbildungskraft im 19. Jahrhundert in Europa, Frankfurt am Main: S. Fischer 1991. Ähnlich schon Hans Robert Jauß: Ästhetische Erfahrung und literarische Hermeneutik, München: Wilhelm Fink 1977, und Reinhart Koselleck: Vergangene Zukunft, Zur Semantik geschichtlicher Zeiten, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1979.

155 Vgl. Funktionen des Fiktiven, hrsg. v. Dieter Henrich, München: Wilhelm Fink 1983; Wolf Singer: Neurobiologische Anmerkungen zum Wesen und zur Notwendigkeit von Kunst, in: Wolf Singer: Der Beobachter im Gehirn, Essays zur Hirnforschung, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2002, S. 211-234.

Orthogonalitätsprinzip

Realität und Fiktion schließen einander nicht aus: Auch in fiktiven Welten gibt es die Unterscheidung zwischen fiktionaler und faktualer Darstellung. Dies wird im Anschluss an Elena Esposito als Orthogonalitätsprinzip bezeichnet.[10]

Beispielsweise liest die Protagonistin Emma in Madame Bovary von Gustave Flaubert fiktionale Romane. Das Geschehen der Romane im Roman ist hinsichtlich der fiktiven Welt von Madame Bovary wiederum fiktiv, während Emma und Emmas Lektüre in der fiktiven Welt real sind.

Fiktion und Historiographie

Prominent und mit einiger Überspitzung hat Hayden White darauf hingewiesen, dass Geschichtsschreibung mit ihrer Strukturierung Ereignisse so sehr „glättet“, dass sie Fiktion ähnelt.[11] Vergleichbare Thesen haben auch Reinhart Koselleck und Hans Robert Jauß geäußert, doch haben sie die These nicht in den Vordergrund gestellt und damit weniger Resonanz erlangt.[12] Die Einsicht lautet, dass die Geschichtsschreibung sich in Erzählungen organisiert, weil nur Erzählungen in der Lage sind, die einzelnen Fakten logisch und chronologisch zu verbinden. Erzählungen legen Kausalitäten nahe oder schaffen Kontinuitäten, die regelmäßig von den Quellen, vor allem wenn diese selbst keine konkreten Kausalitätsvermutungen anstellen, nicht belegt werden können. Darin liegt ein Moment des Erfindens oder Fingierens.

[...] Unabhängig davon, welches aktuelle Modell der Fiktion man zugrunde legt, ist die moderne Historiographie nicht als fiktionale Darstellung zu begreifen: Sie bezieht sich auf die reale Welt, der Historiograph übernimmt als Autor und Sprecher im Text die volle Verantwortung für seine Behauptung, und Erfindungen im engeren Sinne sind nicht gestattet.

[...]

Rezeption von Fiktion

Wenn sich Fiktion als eingeschränkte Verantwortung für Äußerungen und als Schaffung fiktiver Welten verstehen lässt, stellt sich die Frage, woran man erkennt, dass eine Darstellung fiktional ist. [...]

[...]

Über die Funktion von Fiktion besteht keine Einigkeit. [...]

[...]

[...] Entsprechend hängt der Streit sehr eng damit zusammen, ob es sich bei Erzählen und Fiktion um anthropologische Grundbestände handelt (also „alle Menschen einander immer schon erfundene Geschichten erzählen“) oder ob diese recht junge kulturelle Phänomene sind.


10. Elena Esposito, „Fiktion und Virtualität“, in: Sybille Krämer (Hrsg.), Medien, Computer, Realität: Wirklichkeitsvorstellungen und neue Medien, Suhrkamp, 1998.

11. Hayden White, Metahistory: The Historical Imagination in Nineteenth Century Europe, Johns Hopkins University Press, 1973. Deutsche Übersetzung: Hayden White, Metahistory: Die historische Einbildungskraft im 19. Jahrhundert in Europa, S. Fischer, 1991.

12. Hans Robert Jauß, Ästhetische Erfahrung und literarische Hermeneutik, Fink, 1977; Reinhart Koselleck, Vergangene Zukunft: Zur Semantik geschichtlicher Zeiten, Suhrkamp, 1979.

Anmerkungen

Ohne Hinweis auf die Quelle.

Trotz der inhaltlichen Parallele der beiden kurzen Sätze in Z. 6-7 zur Quelle (Beispiel Madame Bovary) werden diese nicht in die Zeilenzählung aufgenommen.

Auch die von Ts in Fußnote 155 angeführten Literaturhinweise findet man im Wikipedia-Artikel, allerdings an anderer Stelle.

Sichter
(Schumann), PlagProf:-)

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