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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 213, Zeilen: 16-33
Quelle: Buttkewitz 2002
Seite(n): 86, 87, Zeilen: 19-26, 1-3, 6-10, 15-17
Wolfgang Iser kommt zum Ergebnis von Simulakren über den anthropologisch begründeten Inszenierungsbegriff, der auf der angenommenen Fiktionsbedürftigkeit des Menschen basiert. Er nimmt an, dass ein literarischer Text menschliche Unverfügbarkeiten darstelle und so das menschliche Fiktionsbedürfnis bediene. Das Aussersichsein des Menschen verlange nach Darstellungen von Nicht-Gegenständlichem:222 „[…] die Inszenierung der Literatur veranschaulicht die ungeheuere Plastizität des Menschen, der gerade deshalb, weil er keine bestimmte Natur zu haben scheint, sich zu einer unvordenklichen Gestaltenfülle seiner kulturellen Prägung zu vervielfältigen vermag.“ Bei der performativen Inszenierung von „Evidenzerfahrungen“,223 wozu beispielsweise die Liebe gehöre, gehe es um das Aufzeigen von Alternativen zum unmittelbar zugänglichen Wissen. Inszenierungen modellierten also nicht nur das Unverfügbare, sondern auch das Gewisse.224 Sowohl die Alternativen zu Evidenzerfahrungen als auch die Darstellung von Unverfügbarem begreift Iser als Simulakra, die eine Existenz vortäuschen, ohne jedoch über die Tatsächlichkeit der Nicht-Existenz zu täuschen.

222 Iser, Das Fiktive und das Imaginäre, S. 504 f.
223 Ebd., S. 508.
224 Ebd., S. 510.

[S. 86, Z. 19-26]

5.1 Literarische Inszenierung als Simulakrum

Wolfgang Isers anthropologisch begründeter Inszenierungsbegriff, der auf der angenommenen Fiktionsbedürftigkeit des Menschen basiert, findet im Felix Krull in geradezu exemplarischer Weise seine Bestätigung. Iser geht davon aus, daß ein literarischer Text menschliche Unverfügbarkeiten darstellt und damit als Kompensation für das natürliche Fiktionsbedürfnis des Menschen dient. Die „exzentrische Position des Menschen“, d. h. sein Außersichsein, verlangt, laut Iser, nach einer Darstellung von Nicht-Gegenständlichem, die nur durch „Spielvariationen“ realisiert werden könne.183

[S. 87, Z. 1-3]

Daraus folgt: die Inszenierung der Literatur veranschaulicht die ungeheuere Plastizität des Menschen, der gerade deshalb, weil er keine bestimmte Natur zu haben scheint, sich zu einer unvordenklichen Gestaltenfülle seiner kulturellen Prägung zu verfielfältigen vermag.184

[S. 87, Z. 6-10]

Bei der Inszenierung von „Evidenzerfahrungen“,185 wozu Iser beispielsweise die Liebe zählt, gehe es nicht um die Figuration des Gegenteils von Wirklichkeit, sondern um das Aufzeigen von Alternativen zum unmittelbar zugänglichen Wissen. Inszenierungen modellieren also nicht nur das Unverfügbare, sondern beziehen sich auch auf Gewißheiten.

[S. 87, Z. 15-17]

Sowohl die Alternativen zu Evidenzerfahrungen als auch die Darstellung von Unverfügbarem begreift Iser als Simulakra, die eine Existenz vortäuschen, ohne jedoch über die Tatsächlichkeit der Nicht-Existenz zu täuschen.


183 Iser: Das Fiktive und das Imaginäre, S. 504-505.
184 Ebd., S. 505.
185 Ebd., S. 508.

Anmerkungen

Der Vf. gibt zu Beginn von Kap. E (S. 143-221) zu bemerken: "Die Ausführungen in diesem Kap. folgen zum Teil den Darlegungen von [...] Buttkewitz 2002 S. 10-47". Der Vf. greift auf Text außerhalb des ausgewiesenen Bereiches zu, daher erfolgt die Wertung als Verschleierung.

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