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Ts/Fragment 215 01

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 215, Zeilen: 1-25
Quelle: Kern 2004
Seite(n): 89, 90, Zeilen: (89: letzte Zeile -) 90: 1, 4-30
[ [...] ob er „das von ihm Berichtete als Wirklichkeit oder] als Erfindung aufgefaßt wissen will“.227 Es gehöre zu jeder Erzählung, dass sie ihre Stellung zur Wirklichkeit verrät, dass jeder Erzähler kennzeichnen müsse, ob er seine Erzählung als Dichtung oder als Wirklichkeitsbericht gelesen wissen will.

An diese Überlegungen knüpft die Linguistin Barbara Herrnstein-Smith in ihrer Arbeit On the margin of discourse an. Auch für sie ist die Figur des Erzählers der Grund der Wahrscheinlichkeit. „[…] in a novel or tale, it is the act of reporting events, the act of describing persons and referring to places, that is fictive. The novel represents the verbal action of a man reporting, describing and referring.“228 Danach ergibt oder bestimmt sich die Fiktionalität literarischer Texte nicht vor allem durch die Erfindung einer Welt, sondern durch die Erfindung eines Erzählers.

In seinem Aufsatz Die logische Struktur der Dichtung hält Felix Martinez-Bonati dafür, dass man die Sätze des Erzählers als wahr annehmen müsse. „Was der Erzähler über die konkrete Welt des Romans (einer fiktiven Geschichte überhaupt) sagt, ist immer und ohne Einschränkung wahr.“229 Dem Erzähler zu glauben sei eine zentrale Regel des „epischen Spiels“, dessen Sinn die „Darstellung fiktiver Weltansichten“ sei: „[…] nehme ich entschlossen die Behauptungen als notwendig wahr hin, so entsteht vor mir das Bild der erzählten und beschriebenen Subjekte; halte ich die Sätze im Zweifel oder gar für falsch, so bleibt vor mir allein das Satzgefüge der erzählenden Rede.“230 Gottfried Gabriel kritisierte diese These mit dem Argument, dass Martinez-Bonati das psychologische Phänomen der Illusion zur Grundlage seiner Literaturtheorie mache.231


227 Ebd.

228 Barbara Herrnstein Smith: On the margin of discourse, The relation of Literature to Language, Chicago/London: University of Chicago Press 1978, S. 29.

229 Felix Martinez-Bonati: Die logische Struktur der Dichtung, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 47 (1973), S. 185–200, 186.

230 Ebd.

231 Gabriel, Fiktion und Wahrheit, S. 81.

[Seite 89]

[...] ob er „das von ihm Berichtete als Wirklichkeit oder

[Seite 90]

als Erfindung aufgefaßt wissen will“118. [...] Friedemann betont aber, daß es Teil jeder Erzählung ist, daß sie ihre Stellung zur Wirklichkeit verrät, daß jeder Erzähler kennzeichnen müsse, ob er seine Erzählung als Dichtung oder als Wirklichkeitsbericht gelesen wissen will. Die Überlegungen Käte Friedemanns hat die Linguistin Barbara Herrnstein-Smith beinahe siebzig Jahre später zur Grundlage ihrer eigenen Arbeit On the margins of discourse gemacht. Auch Herrnstein-Smith rückt die Figur des Erzählers als Grund der Wahrscheinlichkeit in den Mittelpunkt jeder Auseinandersetzung mit erzählender Literatur. „In other words, in a novel or tale, it is the act of reporting events, the act of describing persons an referring to places, that is fictive. The novel represents the verbal action of a man reporting, describing and referring.”119 Die Fiktionalität literarischer Texte besteht nicht vor allem in der Erfindung einer Welt, sondern in der Erfindung eines Erzählers. „’Wirklich’ im epischen Sinne aber ist zunächst überhaupt nicht der erzählte Vorgang, sondern das Erzählen selbst.“120 Der Erzähler ist die wichtigste Figur jeder Erzählung.

In seinem Aufsatz Die logische Struktur der Dichtung hat Felix Martinez-Bonati darauf hingewiesen, daß man die Sätze des Erzählers eines Romans als wahr annehmen muß. „Was der Erzähler über die konkrete Welt des Romans (einer fiktiven Geschichte überhaupt) sagt, ist immer und ohne Einschränkung wahr.“121 Allein dieser Grundsatz erlaube es beispielsweise, daß der Leser wissen kann, daß sich Don Quixote täuscht, wenn er die Windmühlen für Riesen hält und nicht Sancho Panza. Oder daß Klein Zaches nicht wirklich für das verantwortlich ist, wofür er Anerkennung erhält. Dem Erzähler zu glauben sei eine zentrale Regel des „epischen Spiels“, dessen Sinn die „Darstellung fiktiver Weltansichten“ sei: „[...] nehme ich entschlossen die Behauptungen als notwendig wahr hin, so entsteht vor mir das Bild der erzählten und beschriebenen Subjekte; halte ich die Sätze im Zweifel oder gar für falsch, so bleibt vor mir allein das Satzgefüge der erzählenden Rede.“122 Diesen Standpunkt hat Gottfried Gabriel mit dem Argument kritisiert, daß Martinez-Bonati das psychologische Phänomen der Illusion zur Grundlage einer Literaturtheorie mache.123


118 Ebd.

119 Barbara Herrnstein Smith: On the margins of discourse, Chicago und London 1968, S. 29.

120 Käte Friedemann: Die Rolle des Erzählers in der Epik, S. 25

121 Felix Martinez-Bonati: Die logische Struktur der Dichtung. In: Deutsche Viertelsjahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte, 47. Jg. (1973), H. 47, S. 186.

122 Ebd.

123 Gottfried Gabriel: Fiktion und Wahrheit, Stuttgart 1975, S. 81.

Anmerkungen

Der Vf. gibt zu Beginn von Kap. E (S. 143-221) an:
"Die Ausführungen in diesem Kap. folgen zum Teil den Darlegungen von Stefan Helge Kern, Die Kunst der Täuschung. Hochstapler, Lügner und Betrüger im deutschsprachigen Roman seit 1945 am Beispiel der Romane Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, Mein Name sei Gantenbein und Jakob der Lügner, Diss. Hannover 2004, S. 10-95."

Die Übernahme erfolgt aus diesem Bereich, doch wird die enge (großteils wörtliche) Anlehnung an die Quelle nicht deutlich. Daher Einordnung als Bauernopfer.

Sichter
Schumann

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