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Ts/Fragment 230 01

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
fret, Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 230, Zeilen: 2-6, 14-16, 24-29
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 15; 123; 124, Zeilen: 15: 6-11; 123: 28-34; 124: 9-14
Auch nach dem Ersten Weltkrieg griff das Hochstapler- und Betrugswesen weit um sich und wurde von der Kriminalistik als ernstzunehmende Bedrohung angesehen. Ende 1920 machte man im Zuge der internationalen Verständigung zur Bekämpfung des Verbrechertums Vorschläge zur Fahndung nach „internationalen Kriminellen“:15
[Als internationale Verbrecher in diesem Sinne kommen alle jene Personen in Betracht, welche nach Art gewerbs- oder gewohnheitsmäßiger Verbrecher auftreten und eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen oder als staatenlos anzusehen sind, oder von denen zu vermuten ist, daß sie allein oder bandenmäßig sich in verschiedenen Ländern verbrecherisch betätigen. Insbesondere sind als internationale Verbrecher zu behandeln: Hochstapler, Hotel- und Juwelendiebe.]

In den Zeitungen erschienen regelmässig Artikel von Fachleuten, in denen die Bevölkerung eindringlich vor Leichtsinn und Gedankenlosigkeit gegenüber Fremden gewarnt wurde. [Die Berliner Tagespresse liess allein im Zeitraum März bis Juni 1922 folgende Artikel erscheinen: Der falsche Dollarmillionär; Hochstapeleien einer Hofdame der Zarin; „Der Hochstapler von Deutschland“; Zusammenbruch einer Schwindelgründung; Die Schlossherrin mit Blumenstrauss − Neue Kniffe einer Heiratsschwindlerin; Rundfahrten eines Hochstaplers; Schwindeleien eines Amerikaners; Ein wissenschaftlicher Banknotenfälscher; Verhaftung eines Millionendiebs.16]

Im Kapitel Von deutscher Hochstapler-Republik. Zur Naturgeschichte einer Täuschung seines Grossessays Kritik der zynischen Vernunft führt Peter Sloterdijk das zeittypische Phänomen alltäglicher Betrugs- und Täuschungskriminalität auf eine „Aufweichung des Gefühls für das Zuverlässige“ und eine „kollektiv verbreitete Angstwut gegen die Modernität“ zurück:17 [„Es waren die Jahre einer kollektiven Illusions-[dämmerung, [...]]


[15 Hans Schneickert: Das soziale Elend, das Verbrechen und der soziale Selbsterhaltungstrieb, Zeitgemäße Betrachtungen, Potsdam: Hayn 1921, S. 89. Zit. nach Isabella Claßen: Darstellung von Kriminalität in der deutschen Literatur, Presse und Wissenschaft 1900 bis 1930, Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang 1988, S. 123 f.

16 Vgl. Claßen, Darstellung von Kriminalität in der deutschen Literatur, S. 125, mit Nachweisen.

17 Sloterdijk, Kritik der zynischen Vernunft, S. 849, 852.]

[Seite 123]

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß das Hochstapler- und Betrugswesen auch nach dem Ersten Weltkrieg weiter um sich greift und von der Kriminalistik als ernstzunehmende Bedrohung angesehen wird. Im Zuge der länderübergreifenden Verständigung zur Bekämpfung des internationalen Verbrechertums werden Ende 1920 insbesondere Vorschläge zur Fahndung nach "internationalen Kriminellen" eingebracht:

[Als internationale Verbrecher in diesem Sinne kommen alle jene Personen in Betracht, welche nach Art gewerbs- oder

[Seite 124]

gewohnheitsmäßiger Verbrecher auftreten und eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen oder als staatenlos anzusehen sind, oder von denen zu vermuten ist, daß sie allein oder bandenmäßig sich in verschiedenen Ländern verbrecherisch betätigen. Insbesondere sind als internationale Verbrecher zu behandeln: Hochstapler, Hotel- und Juwelendiebe.(318)

[...] ] Beispielsweise bringt der "Berliner Lokal-Anzeiger" am 1.6.1922 unter der Großüberschrift Das Berliner Verbrechertum den Beitrag des Berliner Kriminalkommissars Dr. Erich Anuschat Einbrecher und Publikum, in dem die Bevölkerung eindringlich vor Leichtsinn und Gedankenlosigkeit gegenüber Fremden gewarnt wird. [ [...] Ein stichprobenartiger Streifzug durch die Berliner Tagespresse im Zeitraum März bis Juni 1922 soll einen Eindruck von der Vielfalt der hochstaplerischen Verbrecher und ihrer Delikte vermitteln.]


[318 Hans Schneickert: Das soziale Elend, das Verbrechen und der soziale Selbsterhaltungstrieb. Zeitgemäße Betrachtungen. Potsdam 1921, S. 89.]

[ [Seite 125]

ZeitungDatumLänge des ArtikelsÜberschriftTäter
Berliner Tageblatt16.3.1/2 SpalteDer falsche Dollarmillionär
Eine kostspielige Expedition nach Brasilien
Heinrich Schäfer
Betrüger, Fälscher
BTB16.3.1/4 "Eine Riesenunterschlagung an Juwelen. 100000 Mark Belohnung.Hugo de Parentsu, Unterschlagung über 16 Millionen
BTB27.3.1/4 "Hochstapeleien einer Hofdame der Zarin. Ein Opfer der Verhältnisse in Rußland.Tochter des russischen Generalleutnants v. Stariatine und der russischen Prinzessin v. Bubanow
BTB1.41/4 ""Der Hochstapler von Deutschland". Unter der Anklage des Betruges.Artist Ernst Erlenbach und sein "Geschäftsführer" Adolf Lehmann.
BTB5.4.1/2 "Zusammenbruch einer Schwindelgründung. Hinter den Kulissen der We-Be-Co. Verhaftung der vier Subdirektoren."Generaldirektor" Hermann Mattern, Aktienschwindler.
Berliner Lokal-Anzeiger10.4.1/4 "Die Schloßherrin mit Blumenstrauß. Neue Kniffe einer Heiratsschwindlerin.Angebliche Erbin eines "Fürsten von Kinski".
BLA19.5.1/4 "Rundfahrten eines Hochstaplers.Hochstapler Paul Kramann.
BLA26.5.Schwindeleien eines Amerikaners.Angeblicher G.M.Willitz.
BLA27.5.1/4"Ein wissenschaftlicher Banknotenfälscher.Techniker Eduard Wiesenburg, Falschmünzer.
BLA10.6.1/4 ""Die Gattin des Petroleumkönigs".Internationale Hochstaplerin
BLA16.6.1/2 "Verhaftung eines Millionendiebes. Direktor Bernotats Glück und Ende.lang gesuchter Hoteldieb.
Vossische Zeitung17.6.13 Zeilen"Dr. Mabuse" in der Wirklichkeit.Angeblicher Freiherr von Lehn, Falschspieler.
]

[Seite 15]

Bezeichnend ist sein Kapitel "Von deutscher Hochstapler-Republik. Zur Naturgeschichte einer Täuschung", in dem er das zeittypische Phänomen alltäglicher Betrugs- und Täuschungskriminalität auf eine "Aufweichung des Gefühls für das Zuverlässige" und eine "kollektiv verbreitete Angstwut gegen die Modernität"(8) zurückführt.

[Es waren die Jahre einer kollektiven Illusionsdämmerung, [...](9)]

[8 Ebd. [= Peter Sloterdijk: Kritik der zynischen Vernunft. Bd. 2. Frankfurt am Main 1983], S. 849.

9 Ebd., S. 852.]

Anmerkungen

Der Verf. macht nicht kenntlich, dass seine die längeren Zitate einleitenden Ausführungen ebenfalls aus Claßen (1988) – teils wörtlich – übernommen sind.

Sichter
(fret) (Schumann) Stratumlucidum

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