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Ts/Fragment 349 06

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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
fret
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 349, Zeilen: 6-20
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 118, 122, Zeilen: 118: 12-22; 122: 11-28
Er spielt dem psychiatrischen Gutachter Verrücktheit vor und phantasiert zu diesem Zweck, er sei Bergwerksbesitzer.491 Bei der Schilderung eines Traums erinnert er sich an die „Georges-Manolescu-Straße“.492 Mit dem jungen Staatsanwalt Dr. Sperl, der den Fall Györki zu untersuchen hat und der Györki ein Psychoduell liefert, hat sich der Autor offensichtlich selbst gezeichnet: „Der Staatsanwaltvertreter Sperl galt als ein begabter Beamter mit gutem Stil und eindringlicher Redegabe. Man sagte ihm allgemein eine erfolgreiche Laufbahn voraus. Dabei kannte man seine besondere Neigung für kriminalpsychologische Studien, mit welchen er auch literarisch hervorgetreten war.“493 Sperls Auseinandersetzung mit Györki entsprechen Wulffens jahrzehntelangen Bemühungen zur Erfassung des Hochstapler-Phänomens. Die Verhöre entwickeln sich zu kriminalpsychologisch-philosophischen Kolloquien, in denen Györki seine Taten als Ergebnis seiner künstlerischen Veranlagung darlegt.

491 Wulffen, Der Mann mit den sieben Masken, S. 151 ff. Tatsächlich befand sich Manolescu um 1904 bei den Goldgräbern in den Bergwerken von Anitoba in Alaska. – Daneben ist auch das Leben des ungarischen Hochstaplers Ignatz Strassnoff in den Roman eingegangen, vgl. hinten Kap. H.V.
492 Wulffen, Der Mann mit den sieben Masken, S. 163.
493 Ebd., S. 87 f.

[Seite 118]

Györki spielt dem psychiatrischen Gutachter - wie Manolescu - Verrücktheit vor und phantasiert zu diesem Zweck, er sei Bergwerksbesitzer. (310) Tatsächlich befindet sich Georges Manolescu um 1904 bei den Goldgräbern in den Bergwerken von Anitoba in Alaska, wo er einen Unfall hat, an dessen Folgen er 1908 stirbt. Wulffen zieht reale Lebensschicksale von Hochstaplern als Vorlagen für seine Romanfiguren heran, ohne die Zusammenhänge zu kaschieren. Bei der Schilderung eines Traumes erinnert sich Györki demonstrativ an die "Georges-Manolescu-Straße", nennt auch den Hauptmann von Köpenick und andere.(311)

[Seite 122]

Interessant ist Wulffens Darstellung des Staatsanwalts, der den Fall Györki zu untersuchen hat. Es entsteht der Eindruck, daß der Autor sich hier selber gezeichnet hat.

Der Staatsanwaltvertreter Sperl galt als ein begabter Beamter mit gutem Stil und eindringlicher Redegabe. Man sagte ihm allgemein eine erfolgreiche Laufbahn voraus. Dabei kannte man seine besondere Neigung für kriminalpsychologische

Studien, mit welchen er auch literarisch hervorgetreten war.(315) Für Sperl ist der Hochstapler eine "Versuchsperson", die ihm aber letztlich weit überlegen ist. Sperls Auseinandersetzung mit Györki kann mit Wulffens jahrzehntelangen Bemühungen zur Erfassung des Hochstapler-Phänomens gleichgesetzt werden. Der Staatsanwalt im Roman hat ein ausgesprochen privates Interesse an dem Seelenleben des schauspielbegabten Verbrechers. Die Verhöre entwickeln sich zu philosophischen Betrachtungen, in denen Györki dem Anklagevertreter seine Taten als Ergebnis seiner künstlerischen Veranlagung darlegt.


[307 Wulffen: Der Mann mit den sieben Masken, S. 98f.]
310 Vgl. Wulffen, S. 151ff.
311 Vgl. ebd., S. 163.
315 Ebd., S. 87f.

Anmerkungen

Gekürzte Übernahme der Ausführungen Claßens, samt den gewählten Zitaten.

Sichter
Agrippina1

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