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Ts/Fragment 388 01

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 388, Zeilen: 1-10, 21-27, 101-109, 113
Quelle: Roxin 1978
Seite(n): 13, 14, 34, Zeilen: – (Online-Quelle)
[Im März 1865 tritt er in Leipzig als „Notenstecher Hermes“ – also ausgerechnet im Namen des Gottes der Diebe! – auf, dann als Polizeileutnant von Wolframsdorf. In] Leipzig wiederholt er ähnliche Betrügereien.64 Am 8. Juni 1865 verurteilt ihn das Bezirksgericht in Leipzig wegen mehrfachen Betrugs zu vier Jahren und einem Monat Arbeitshaus.65 Er verbüsst die Strafe bis zu seiner Begnadigung am 2. November 1868 in Zwickau. Schon im Januar 1869 delinquiert er erneut, indem er ein Pferd stiehlt. Dann gibt er sich wiederholt als Mitglied einer „Geheimen Polizei“ aus und „beschlagnahmt“ angebliches Falschgeld. Dabei führt er eine gefälschte polizeiliche „Legitimation“ mit sich, die mit dem Namen des sächsischen Generalstaatsanwaltes Dr. Schwarze unterzeichnet ist.66

[...]

Schon am 2. Juli 1869 wird Karl May verhaftet. Am 26. Juli vermag er die eisernen Fesseln zu zerbrechen und zu fliehen. Am 4. Januar 1870 wird er als Unbekannter in Böhmen festgenommen. Gegenüber der Polizei nennt er sich Albin Wadenbach und gibt sich als Neffe eines Pflanzungsbesitzers von Martinique aus, der bei einer Europareise seine Ausweise verloren habe. Erich Wulffen merkte später in seiner Psychologie des Verbrechers dazu an:69 „Unter Benutzung seiner schon [damaligen Kenntnisse von ausländischen Gegenden und Sitten schrieb er in der Haft an den angeblichen Onkel einen Brief, aus dessen Inhalt man tatsächlich hätte schließen können, daß der Häftling auf Martinique wie zu Hause sei.“]


64 Vgl. Rudolf Lebius: Die Zeugen Karl May und Klara May, Ein Beitrag zur Kriminalgeschichte unserer Zeit, Berlin-Charlottenburg 1910, S. 8-12; Hainer Plaul: Alte Spuren, Über Karl Mays Aufenthalt zwischen Mitte Dezember 1864 und Anfang Juni 1865, in: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1972/1973, S. 195 ff.

65 Vgl. Hainer Plaul, in: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1975, S. 129.

66 Vgl. Klaus Hoffmann: Karl May als „Räuberhauptmann“ oder Die Verfolgung rund um die sächsische Erde, Karl Mays Straftaten und sein Aufenthalt 1868 bis 1870, in: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft, 1. Teil: 1972/1973, S. 215-245; 2. Teil: 1975, S. 243-275.

[...]

69 Wulffen, Psychologie des Verbrechers, Bd. 2, S. 173.

[Seite 13]

Bald darauf treffen wir ihn in Chemnitz als »Seminarlehrer Lohse« und im März 1865 unter dem Namen »Hermes«, des Gottes der Kaufleute und Diebe, in Leipzig, wo er ähnliche Betrügereien wiederholt(14). Hier wird er nach einem Handgemenge gefaßt. Die rechtlichen Folgen sind: May wird am 8. Juni 1865 vom Bezirksgericht in Leipzig wegen mehrfachen Betruges zu vier Jahren und einem Monat Arbeitshaus verurteilt, einer Sanktion, die damals in Sachsen als zweitschwerste Freiheitsstrafe zwischen Zuchthaus- und Gefängnisstrafe stand.(15) May verbüßt die Strafe ab 14. Juni 1865 im Schloß Osterstein zu Zwickau und wird am 2. November 1868 begnadigt.

5. Aber schon im Januar 1869 wird er rückfällig, indem er ein Pferd stiehlt. Vom März an gibt er sich dann gegenüber verschiedenen Leuten als Mitglied der »Geheimen Polizei« aus und »beschlagnahmt« - teilweise unter grotesken Umständen - angebliches Falschgeld, mit dem er jeweils entweicht; dabei führt er eine gefälschte polizeiliche Legitimation mit sich, die mit dem Namen des sächsischen Generalstaatsanwaltes Dr. Schwarze, eines ehedem sehr bekannten StGB-Kommentators, unterzeichnet ist.(16) Am 2. Juli 1869 wird May schließlich verhaftet. Beim Transport zu einem Lokaltermin zerbricht er am 26. Juli jedoch die eisernen Fesseln und entspringt. [...] Am 4. Januar 1870 wird er als Unbekannter in Algersdorf in Böhmen festgenommen, wo er unerlaubt in einer Scheune übernachtet hat. Nun führt er die Polizei zwei Monate lang irre, indem er sich den Namen Albin Wadenbach beilegt und sich als den Neffen eines Pflanzungsbe-

[Seite 14]

sitzers von der fernen Insel Martinique ausgibt, der bei einer Europareise seine Ausweise verloren habe. Der Staatsanwalt und Kriminologe Erich Wulffen, der die Originaldokumente noch gesehen hat, sagte später in seiner »Psychologie des Verbrechers« darüber(17): »Unter Benutzung seiner schon damaligen Kenntnisse von ausländischen Gegenden und Sitten schrieb er in der Haft an den angeblichen Onkel einen Brief, aus dessen Inhalt man tatsächlich hätte schließen können, daß der Häftling auf Martinique wie zu Hause sei.« 

[Seite 34]

14 Näher Rudolf Lebius, Die Zeugen Karl May und Klara May. Ein Beitrag zur Kriminalgeschichte unserer Zeit. Berlin-Charlottenburg 1910, S. 8-12; Hainer Plaul, Alte Spuren. Über Karl Mays Aufenthalt zwischen Mitte Dezemher 1864 und Anfang Juni 1865, in: Jb-KMG 1972/73, S. 195ff.

15 Vgl. Plaul, Jb-KMG 1975, S. 129

16 Vgl. die Zusammenstellung im späteren Strafurteil bei Lebius, wie Anm. 14, S. 12-17. Eine umfangreiche Schilderung dieser Lebensepoche gibt Klaus Hoffmann, Karl May als »Räuberhauptmann« oder Die Verfolgung rund um die sächsische Erde. Karl Mays Straftaten und sein Aufenthalt 1868 bis 1870, 1. Teil, in: Jb-KMG 1972/73, S. 215-245; 2. Teil, Jb-KMG 1975, S.243-275

17 Erich Wulffen, Psychologie des Verbrechers. Berlin-Lichterfelde 1908, Bd. 2, S. 173

Anmerkungen

Zwei Seiten zuvor (S. 386) heißt es zur Biografie Mays in Fn. 60: "Die Darstellung folgt Roxin, Karl May, das Strafrecht und die Literatur."

Zwar wird im mittleren Absatz der untersuchten Seite die Quelle einmal genannt (Fn. 68), doch wird nicht deutlich, dass von (teils wörtlichen) Übernahmen aus dieser Quelle auch die anderen Absätze betroffen sind, was Zitate und Fußnotennachweise mit einschließt.

Insbesondere entbindet die generelle Anmerkung auf S. 386 den Verf. nicht von der Pflicht, die von Roxin (1978) genannten und von ihm selbst angeführten Quellen selbst zu rezipieren. Dies ist jedoch offenbar höchstens teilweise bzw. nicht mit der erforderlichen Intensität geschehen:

1. Die Behauptung, dass May – nachdem er sich in Leipzig als "Notenstecher Hermes" ausgegeben habe – in Leipzig ähnliche Betrügereien wiederholt habe, ist nicht konsistent und deckt sich auch nicht mit den Ausführungen von Plaul (1972/73). Hier schreibt der Verf. anscheinend nur oberflächlich aus der Quelle ab. Dort sowie bei Plaul (1972/73) ist der Sachverhalt jedoch so dargestellt, dass er in Chemnitz begangene Betrügereien in ähnlicher Form in Leipzig wiederholt habe.

2. Das Verurteilungsdatum 8. Juni 1865 findet sich bei Plaul (1975) auf S. 127.

3. Der erste Teil des Aufsatzes von Hoffmann (1972/73) findet sich auf den S. 215-247, nicht 215-245.

4. Der Pferdediebstahl geschah laut Hoffmann (1972/73, S. 228) im Juni 1869, nicht im Januar des Jahres.

Fortsetzung auf der nächsten Seite.

Sichter
(Schumann) Stratumlucidum

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