Fandom

VroniPlag Wiki

Ts/Fragment 419 01

< Ts

31.351Seiten in
diesem Wiki
Seite hinzufügen
Diskussion0 Share

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.


Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 419, Zeilen: 1-28, 101-107
Quelle: Claßen 1988
Seite(n): 125; 126; 127; 128, Zeilen: 125: 1-4; 126: 1-9, 13-18, 24-30, 32-35, 101-103, 105; 127: 1-12, 101-102; 128: 5-6
[1926, kurz vor Domelas Falschem Prinzen, veröffentlichte Ignatz] Strassnoff [sic] im Berliner Verlag Die Schmiede seine Erinnerungen:173 Ich, der Hochstapler Ignatz Strassnoff [sic], mit einem Vorwort von Leo Lania (eigentlich Lazar Herrmann). Strassnoff [sic] hatte sie in der Haft geschrieben.174 In seiner Selbstdarstellung gab er an, er habe keine Betrügereien begangen, sondern lediglich Spässe gemacht. Überhaupt war das Ganze auf den Ton des Spasses gestellt; auch die Haft selbst. Mit gleich leichtem Sinn, wie er seine Hochstapeleien unternommen haben will, schien er die Strafen abzubüssen. Die Justiz wurde zur „lieben, guten Tante Justitia“.175

Strassnoff [sic] bemüht sich darum, seine schauspielerische Naturbegabung herauszustellen, und hält fest, seine Schrift sei gleichfalls eine Farce. Auch er macht Gesellschaft und Umwelt für seine Taten verantwortlich und stilisiert sich zum edlen Verbrecher: „Ich war Hochstapler aus Passion, und die ich brandschatzte, waren nicht nur die reichsten, sondern auch die übelsten Persönlichkeiten des alten Österreich.“176 [Von Reue keine Spur.] Zwar gibt der Autor am Ende seinen Entschluss bekannt, inskünftig nicht mehr als Hochstapler tätig sein zu wollen. Doch diese Aussage wird gleich wieder sarkastisch in Frage gestellt:177

Ich bin fest davon überzeugt, daß mich in dem Bestreben, mir das Geld zum Aufbau einer neuen Existenz zu verdienen, nicht nur die freundlichen Leser durch Verbreitung dieses Buches unterstützen werden, sondern daß auch alle die Herren Bischöfe, bei denen ich noch nicht meine Aufwartung gemacht habe, durch massenhaften Ankauf dieses Werkes und seine kostenlose Verteilung an alle Pfarrer und Seelsorger ihres Bistumes mir helfen werden: denn bei Gott! sie kommen so noch immer viel, viel billiger davon, als wenn ich wieder eines schönen Tages in Allerhöchstem Aufträge bei ihnen erscheine, um wichtige Angelegenheiten zu ordnen.

173 Ignatz Straßnoff: Ich, der Hochstapler Ignatz Straßnoff, Einleitung von L[eo] Lania (eigentlich Lazar Herman), Berlin: Die Schmiede 1926. Seine Memoiren sind noch einmal 1930 in der Serie Das Faltblatt.5. [sic] in Wien erschienen.

174 Ebd., S. 86.

175 Ebd., S. 209.

176 Ebd., S. 14.

177 Ebd., S. 279.

[Seite 125]

Im Verlag Die Schmiede erscheint 1926 die Autobiographie des in der Literatur als Heldenfigur so beliebten Hochstaplers Ignatz Strassnoff [sic] mit einem Vorwort von Leo Lania. Strassnoff [sic], der sich zur Zeit der Niederschrift in Haft

[Seite 126]

befindet,(319) hält sich in seiner Selbstdarstellung an seine Devise, er begehe keine Betrügereien, sondern lediglich Späße. Mit der Leichtigkeit, mit der er die verschiedensten Betrüger-Rollen meisterhaft bewältigt, scheint er auch die Strafen abzubüßen. Die Justiz bezeichnet er als seine "liebe, gute Tante Justitia".(320) Er selber ist in der Autobiographie darum bemüht, seine schauspielerische Naturbegabung und Lebenskunst hervorzuheben - wie sein Leben ist auch die Schrift eine Farce, [...]

Strassnoff [sic] verharmlost seine Verbrechen ebenso wie Manolescu, Hau oder Voigt, indem er die Gesellschaft für sein wechselndes Rollenspiel verantwortlich macht. Als Strassnoff [sic] nach fast drei Jahren Haft als K.u.K. [sic] Husarenrittmeister in Meran wieder auftaucht, schiebt er die Schuld für diese Rolle seiner Umwelt zu, [...]:

[...]

Weiterhin behauptet er stolz im Rückblick auf seine Taten:

Ich war Hochstapler aus Passion, und die ich brandschatzte, waren nicht nur die reichsten, sondern auch die übelsten Persönlichkeiten des alten Österreich.(322)

Am Ende der fast 280 Seiten umfassenden Autobiographie äußert der Strafgefangene Strassnoff [sic] den Entschluß, zukünftig nicht mehr als Hochstapler tätig sein zu wollen. [...] Doch die letzten Sätze seiner Memoiren lassen aufgrund ihres sarkastischen Untertons Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieses Vorhabens aufkommen, denn der Autor stellt seinen Vorsatz selber wieder in Frage:

[Seite 127]

Ich bin fest davon überzeugt, daß mich in dem Bestreben, mir das Geld zum Aufbau einer neuen Existenz zu verdienen, nicht nur die freundlichen Leser durch Verbreitung dieses Buches unterstützen werden, sondern daß auch alle die Herren Bischöfe, bei denen ich noch nicht meine Aufwartung gemacht habe, durch massenhaften Ankauf dieses Werkes und seine kostenlose Verteilung an alle Pfarrer und Seelsorger ihres Bistumes mir helfen werden: denn bei Gott! sie kommen so noch immer viel, viel billiger davon, als wenn ich wieder eines schönen Tages in Allerhöchstem Aufträge bei ihnen erscheine, um wichtige Angelegenheiten zu ordnen.(323)

[ [...] Für diesen Zusammenhang spricht auch das Vorwort von Leo Lania,(324) der als Band 11 der oben genannten Reihe den "Hitler-Prozeß" bearbeiten sollte.]

[Seite 128]

Seine Memoiren sind noch einmal 1930 in der Serie Das Faltblatt.5. [sic] in Wien erschienen.


319 Vgl. Ignatz Strassnoff [sic]: Ich, der Hochstapler Ignatz Strassnoff [sic]. Berlin 1926, S. 86.

320 Vgl. ebd., S. 209.

[...]

322 Ebd., S. 14.

323 Ebd., S. 279.

324 Eigentlich: Lazar Herrmann.

Anmerkungen

Ohne Hinweis auf die eigentliche Quelle, aus der der Inhalt (teils gerafft bzw. leicht umformuliert) einschließlich Zitaten und Referenzen übernommen wird.

Dass Straßnoff (1926) dem Verf. nicht vorliegt, lässt sich im Vergleich mit dem Original an etlichen übernommenen Fehlern erkennen:

1. Auf S. 86 findet sich nicht der geringste Hinweis darauf, dass Straßnoff zur Zeit der Abfassung seines Werkes inhaftiert war.

2. Auf S. 209 ist der Wortlaut "meine liebe, einzige, gute Tante Justitia".

3. Das längere Zitat, das sich auf S. 279 befinden soll, beginnt bereits auf den letzten beiden Zeilen von S. 278. Außerdem fängt es mit "Ich bin fest überzeugt," an.

Auch die Tatsache, dass der Verf. in Fn. 173 kenntlich macht, dass Lanias Vorname im Original der Einleitung nicht ausgeschrieben wird, spricht nicht dafür, dass ihm dieses vorliegt: Dies lässt sich z.B. aus einem WorldCat-Datensatz erschließen.

In Anbetracht der uneinheitlichen Schreibungen der Namen Straßnoff und Her[r]man[n] sowie des wiederholten Hinweises darauf, dass letzterer Lanias eigentlicher Name war, scheint der Verf. bei der Erstellung des Textes mit wenig Sorgfalt vorgegangen zu sein.

Sichter
(Schumann) Stratumlucidum

Auch bei Fandom

Zufälliges Wiki