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Uh/Fragment 075 01

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 75, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Kiesecker 1996
Seite(n): 102-103, Zeilen: 102:8 ff. - 103:1-2
Im Hochmittelalter wurde der Zeitpunkt einer Beseelung für den männlichen Fötus auf den 40. Tag und für den weiblichen Fötus auf den 80. Tag nach der Befruchtung festgelegt. Diese Zäsuren bildeten die Grundlage für eine bis in die Neuzeit gültige Fristenlösung beim Verbot der Abtreibung. Schwangerschaftsabbrüche vor dem Beseelungszeitpunkt wurden nicht als Tötung menschlichen Lebens qualifiziert und waren zulässig. So fand die auf der Beseelungslehre beruhende Fristenlösung Eingang im Reichsstrafrecht von 1531. Die Kursächsische Konvention von 1572 stellte schließlich auf die Schwangerschaftsmitte als Zeitpunkt des Lebensbeginns ab, da in diesem Stadium die ersten Kindesbewegungen nachweisbar waren und damit die Bestätigung für das Vorhandensein menschlichen Lebens erbracht werden konnte.254

Erst Ende des 18., Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Zeitpunkt für den Lebensbeginn eines ungeborenen Kindes weit nach vorne verlegt und der Abbruch einer Schwangerschaft von der Empfängnis an unter Strafe gestellt. Die Regelung im preußischen allgemeinen Landrecht von 1794 enthielt z.B. in § 10 Preußischen ALR Teil 1 Titel 1 folgende Definition: „Die allgemeinen Rechte der Menschheit gebühren auch den noch ungeborenen Kindern, schon von der Zeit ihrer Empfängnis“.255

An dieser Festlegung des vorgeburtlichen Lebensschutzes änderte sich auch mit Erlass des Reichsstrafgesetzbuches von 1871 und dessen Änderungen im Gesetz vom 18.5.1926 (RGBl I, S. 239) nichts. Jedoch genoss das ungeborene Leben nach Ansicht der Strafrechtswissenschaftler einen geringeren Schutz als das bereits geborene, was zur Folge hatte, dass eine Abtreibung zwar unter Strafe gestellt, jedoch nicht als Tötungshandlung qualifiziert wurde. Auch das 5. StRG vom 18.6.1974 (BGBl I, S. 1297) sah mit seiner Fristenlösung noch weitere Einschränkungen des Lebensrechts des ungeborenen Kindes vor, indem die Straflosigkeit einer Abtreibung in den ersten zwölf Wochen nach der Empfängnis geregelt wurde. Dem Embryo/Fötus wurde damit eine geringere Wertqualität zuerkannt als einem Neugeborenen. Erst mit der Verwerfung der Fristenlösung durch das BVerfG wurde diese Annahme aufgegeben.256


254 Jerouschek in Eser von Lutterotti/Sporken (Hrsg.): Lexikon Medizin, Ethik, Recht, Stichwort „Lebensbeginn“ Sp. 689 ff.; Kiesecker: Die Schwangerschaft einer Toten, S. 102

255 Hattenhauer: Allgemeines Landrecht für die preußischen Staaten von 1794, § 10 ALR Teil 1, Titel 1

256 Kiesecker: Die Schwangerschaft einer Toten, S. 103

[Seite 102]

Im Hochmittelalter wurde der Zeitpunkt für die Beseelung festgelegt, der beim männlichen Fötus am 40. Tag, beim weiblichen am 80. Tag angenommen wurde. Diese Terminierung bildete Grundlage für eine bis in die Neuzeit im Grunde gültige Fristenlösung beim Verbot der Abtreibung. Die auf der Beseelungslehre beruhende Fristenlösung fand so beispielsweise Eingang in das Reichsstrafrecht von 1531. Mit Erlaß der Kursächsischen Konstitutionen von 1572 wurde dann als Lebensbeginn auf die Schwangerschaftsmitte abgestellt, als dem Zeitpunkt der Spürbarkeit der ersten Kindsbewegungen272.

Erst Ende des 18., Beginn des 19. Jahrhunderts wurde in den Neukodifikationen der Zeitpunkt für den Lebensschutz des ungeborenen Kindes weit nach vorne verlegt273 und der Schwangerschaftsabbruch von der Empfängnis an unter Strafe gestellt.

An dieser grundsätzlichen Festlegung des vorgeburtlichen Lebensschutzes änderte sich auch mit Erlaß des Reichsstrafgesetzbuches von 1871 und dessen Modifikationen im Gesetz vom 18.5.1926 (RGBl I, S. 239) nichts. Jedoch genoß das werdende Leben nach Ansicht der Strafrechtswissenschaftler einen geringeren Schutz als das bereits geborene, mit der Konsequenz, daß die Abtreibungshandlung zwar unter Strafe gestellt, nicht jedoch als Tötungshandlung qualifiziert wurde. Das 5. StRG, vom 18.6.1974 (BGBl I, S. 1297), sah noch weitere Einschränkungen des Lebensrechtes des Fötus vor, indem die Straflosigkeit von Schwangerschaftsabbrüchen in den ersten 12 Wochen seit der Empfängnis geregelt wurde. Erst mit Verwerfung der Fristenlösung durch das

[Seite 103]

BVerfG wurde die Annahme der geringeren Wertqualität des Fötus aufgegeben.


272 Jerouschek, Lexikon Medizin, Ethik, Recht, S. 689 f; Singer, Medizin und Ethik, S. 144, spricht insoweit von der Ansicht der „traditionellen katholischen Theologie“.

273 Vgl. hierzu beispielsweise die Regelung in § 10 Preuß. ALR Teil 1 Titel 1 von 1794: „Die allgemeinen Rechte der Menschheit gebühren auch den noch ungeborenen Kindern, schon von der Zeit ihrer Empfängniß“ (abgedruckt bei Hattenhauer, Textausgabe mit einer Einführung, 2. A. 1994).

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan), SleepyHollow02

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