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Uh/Fragment 124 01

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 124, Zeilen: 1-4
Quelle: Lüttger 1983
Seite(n): 485, Zeilen: 0
[Würde man für die Abgrenzung zwischen strafloser Leibesfruchtverletzung und strafbarer Körperverletzung nicht auf den Zeitpunkt] der pränatalen Einwirkung abstellen, so wäre damit die gesetzliche Grundentscheidung für die Straflosigkeit der Leibesfruchtverletzung unterlaufen. Dies würde eine unzulässige straferweiternde Analogie bedeuten und liefe praktisch auf die alleine dem Gesetzgeber vorbehaltene Einführung einer Strafnorm gegen Leibesfruchtverletzungen hinaus.443

443 Lüttger: Geburtbeginn und pränatale Einwirkungen mit postnatalen Folgen, NStZ 1983, S. 481 (485) mit weiteren Nachweisen

Wollte man nun für die Abschichtung zwischen strafloser Leibesfruchtverletzung und strafbarer Körperverletzung nicht auf den Zeitpunkt der pränatalen Einwirkung, sondern auf denjenigen der postnatalen Auswirkungen abstellen, so würde die gesetzliche Grundentscheidung für Straflosigkeit der Leibesfruchtverletzung unterlaufen. Dies würde nicht nur dem System des Gesetzes zuwiderlaufen, sondern auch eine unzulässige straferweiternde Analogie bedeuten. Es liefe praktisch auf das gleiche hinaus wie die allein dem Gesetzgeber vorbehaltene Einführung einer Strafnorm gegen Leibesfruchtverletzung44, 45.

44 Vgl. zum ganzen näher: Lüttger in JR 1971, S. JR Jahr 1971 Seite 139 ff., und Roxin in JA 1981, S. JA Jahr 1981 Seite 548; ferner die in Fn. 43 bezeichneten Fundstellen.

45 Tepperwien (a.a.O., S. 55 ff., 94, 138 ff.) hat in Fortentwicklung der Rechtsansicht des LG Aachen dessen Ergebnis (Strafbarkeit als Körperverletzung) durch die recht verwickelte Konstruktion einer “Rechtsgutsverletzung des Kindes unter aufschiebender Bedingung schon im Leibesfruchtstadium” zu retten versucht: Der tatbestandslose Erfolg an der Leibesfrucht (eine “Verletzung im natürlichen Sinne” an einem “Handlungsobjekt im natürlichen Sinne”) wandele sich durch die Geburt zu einem tatbestandlichen Erfolg am Kinde (zur “Verletzung im Rechtssinne” und zum “Erfolg im Rechtssinne”). Diese Ansicht hat sich mit Recht nicht durchgesetzt, denn diese Differenzierungen zwischen Erfolg bzw. Verletzung im “natürlichen” und im “rechtlichen Sinne” sowie die Figur einer “Rechtsgutsverletzung unter aufschiebender Bedingung” (= eines “zeitlich hinausgeschobenen Rechtsschutzes”) sind künstliche Konstruktionen, die im Gesetz nicht angelegt sind und in dieses hineingelegt werden, um ein bestimmtes Ergebnis zu ermöglichen. Das wird durch keine der anerkannten Interpretationsmethoden gedeckt.

Anmerkungen

Quelle ist genannt.

Sichter
(SleepyHollow02)

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