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Uh/Fragment 136 01

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 136, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Herzberg Herzberg 2001
Seite(n): 0, Zeilen: 0
[In einem zweiten Fall kommt die Schwangere in der 28. Schwangerschaftswoche mit vorzeitigen, aber echten Eröffnungswehen ins Kranken-]haus. Die Unterdrückung der Geburt gelingt mit wehenhemmenden Mitteln. Die Schwangere kann wieder entlassen werden. Als sie mit einem Taxi nach Hause fährt, verursacht der Taxifahrer schuldhaft einen Unfall. Die Schwangere wird verletzt, der Fötus getötet.

Im ersten Fall würde die herrschende Meinung eine Strafbarkeit wegen fahrlässiger Tötung beim Taxifahrer verneinen, weil die getötete Leibesfrucht zwar den höchstmöglichen Entwicklungsstand, aber noch nicht den Wendepunkt zur Menschwerdung erreicht hat. Im zweiten Fall wäre demgemäß die Strafbarkeit wegen fahrlässiger Tötung zu bejahen, weil der Fötus den Tod in einem Mutterleib, der echte Eröffnungswehen hatte, erlitten hat. Dies hat zur Folge, dass bei den beiden im Unfallzeitpunkt Schwangeren die im zehnten Monat Schwangere nur einen Fötus und die im siebten Monat Schwangere schon einen Menschen in sich trägt, obwohl dieser nach den verfrühten und unterdrückten Wehen wieder als normaler, noch nicht geburtsreifer Fötus weiterhin in der Gebärmutter lebt. Dieser Widerspruch könnte nur durch die Annahme vermieden werden, dass der sieben Monate alte Fötus zwar mit Beginn der Eröffnungswehen Mensch geworden sei, diesen Status aber wieder verloren hat, sobald die Wehen wieder aufhörten. Eine derartige Lösung passt allerdings nicht in das Gesamtbild der Rechtsordnung. Schließlich wurde noch nie ein Lebewesen, dem die Menschenqualität zugesprochen ist, wieder zum Fötus degradiert, weil sich der bereits verliehene Status nicht mehr ins juristische Konzept fügt. Konsequenz der oben dargelegten Auffassung ist, dass ein Fötus schon im Mutterleib wochenlang als Mensch gelten muss, nur weil die Schwangere einmal verfrühte Eröffnungswehen hatte.482

Das erstrebte Ziel der absolut herrschenden Meinung in Literatur und Rechtsprechung, dem Ungeborenen in der schwierigen Phase der Geburt der erhöhten Gefährdung durch erhöhten rechtlichen Schutz zu begegnen, kann nicht dadurch nachgekommen werden, dass man das Ungeborene schon mit dem Einsetzen der Eröffnungswehen bzw. mit der Einleitung der operativen Geburt zum Menschen erklärt. Dieses Ergebnis lässt sich vielmehr nur durch eine Gesetzesänderung erreichen. Zu denken ist hierbei an zwei neue Vorschriften, welche dem Bedürfnis nach Schutz vor Tötung und Körperverletzung in der Geburt Rechnung tragen und folgendermaßen lauten könnten:


482 Herzberg/Herzberg: Der Beginn des Menschseins im Strafrecht. S. 1106 (1112)

Tj verursacht auf der Fahrt schuldhaft einen Unfall. Die Verletzung der S[ und der Tod des Fötus Fj sind die Folge. Zweiter Fall: Die Schwangere S2 kommt in der 28. Schwangerschaftswoche mit vorzeitigen, aber echten Eröffnungswehen ins Krankenhaus. Um eine Frühgeburt und die damit verbundenen Komplikationen zu verhindern, leitet der Gynäkologe medikamentös eine wehenhemmende Therapie ein. Die Unterdrückung der Geburt gelingt, und S2 kann nach vier Tagen wieder entlassen werden. Als sie mit einer Taxe nach Hause fährt, verursacht der Taxifahrer T2 schuldhaft einen Unfall. Die Verletzung der Si und der Tod des F2 sind die Folge.

Denn F2, obwohl in seiner Entwicklung hinter Fj zwölf Wochen zurück und von einem normalen Neugeborenen viel weiter entfernt, erleidet den Tod in einem Mutterleib, der echte Eröffnungswehen gehabt hat. Wir stehen also vor der Konsequenz, dass von zwei Schwangeren, beide im Unfallzeitpunkt ohne Wehen, die im zehnten Monat Schwangere nur einen Fötus und die im siebten schon einen Menschen in sich trägt. F2 ist Mensch, obwohl er nach den verfrühten und unterdrückten Wehen nun wieder als normaler, noch nicht geburtsreifer Fötus im ruhigen Uterus lebt. Vermeiden kann man den Widersinn nur durch die Annahme, dass F2 zwar mit Beginn der Eröffnungswehen Mensch geworden sei, aber diesen Status wieder verloren habe, als die Wehen aufhörten. U.E. wäre das wieder eine Flucht vor der Konsequenz, sozusagen der zweite Fehler, der den ersten ausgleichen muss. Die Lösung ist zwar durchführbar, aber sie passt nicht ins Gesamtbild der Rechtsordnung.

Ein Lebewesen, dem die Menschqualität zugesprochen ist, wieder zum Fötus zu degradieren, weil einem der verliehene Status nicht mehr ins juristische Konzept passt, kann nicht überzeugen. Man spürt, dass eine falsche Prämisse in ihrer Auswirkung entschärft und mit Gewalt gerettet werden soll. Vereinfacht gesagt besteht die fatale Konsequenz also darin, dass der Fötus schon im Mutterleib u. U. wochenlang als Mensch gelten muss, nur weil die Schwangere einmal verfrühte Eröffnungswehen gehabt hat.

Wie schon gesagt ist es allerdings ein bedenkenswertes und rechtspolitisch vertretbares Anliegen, in der heiklen Phase der Geburt der erhöhten Gefährdung des Ungeborenen durch erhöhten rechtlichen Schutz zu begegnen. Nur kann man diesem Anliegen, wie wir gesehen haben, nicht dadurch nachkommen, dass man das Ungeborene schon mit dem Einsetzen der Eröffnungswehen bzw. mit der Einleitung der operativen Geburt zum Menschen erklärt. Vielmehr ist das Erstrebte nur durch Gesetzesänderung erreichbar. Zu denken ist an zwei neue Vorschriften, die dem Bedürfnis nach Schutz vor Tötung wie vor Körperverletzung in der Geburt Rechnung tragen:

Anmerkungen

Quelle ist genannt.

Sichter
(SleepyHollow02)

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