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Uh/Fragment 171 01

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Typus
KeineWertung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 171, Zeilen: 1 ff. (kpl.)
Quelle: Hilgendorf 2001
Seite(n): 1160, Zeilen: 0
Menschenwürde, die nach h.M. jedem Embryo ab dem Zeitpunkt der Befruchtung zusteht, mangels Gesetzesvorbehalts einer Einschränkung nicht zugänglich ist, zumal hier das Ergebnis der Einschränkung die Vernichtung des Menschenwürdeträgers wäre.613 In der Literatur wird die strafbewehrte Tötungspflicht damit begründet, dass es sich bei einem geklonten Embryo nicht um die Austragung eines „normalen“ Kindes handle. § 6 Abs. 2 ESchG legt in der Tat den Schluss nahe, dass der Gesetzgeber geklontes Leben als anormales, minderwertiges und sozialschädliches Leben abqualifiziert. Das Gesetz diskriminiert damit nicht nur geklontes Leben, sondern verstößt gleichzeitig gegen die Intention des § 8 Abs. 1 ESchG, jede Form von entwicklungsfähigem menschlichen Leben in gleicher Weise zu

schützen und dies, obwohl die h.M. selbst dem Embryo im frühsten Entwicklungsstadium ein Recht auf Leben und Menschenwürde zuschreibt. Das ist mit der gesetzlich verankerten Tötungspflicht des § 6 Abs. 2 ESchG nicht zu vereinbaren.614

Nicht abschließend geklärt ist außerdem, wann überhaupt von einem Embryo im Sinne des § 8 ESchG gesprochen werden kann. In § 8 Abs. 1 ESchG ist zwar geregelt, dass als Embryo im Sinne des Gesetzes die bereits befruchtete, entwicklungsfähige menschliche Eizelle vom Zeitpunkt der Kernverschmelzung an gilt, ferner jede einem Embryo entnommene totipotente Zelle, die sich bei Vorliegen der dafür erforderlichen weiteren Voraussetzungen zu teilen und zu einem Individuum zu entwickeln vermag. Allerdings scheint § 8 Abs. 1 ESchG bei der Zellkerntransplantation in eine entkernte Einzelle keine Anwendung zu finden, denn bei diesem Verfahren kommt es nicht zu einer Verschmelzung von Ei- und Samenzelle.

Ebenso ist die Entnahme einer totipotenten Zelle eines solchen Embryos vom Regelungsbereich nicht gedeckt. Aus diesem Grund legt die h.M. in der Literatur die Definition des § 8 Abs. 1 ESchG als nicht abschließend aus und versteht unter einem Embryo auch eine unbefruchtete, entkernte menschliche Eizelle, in die ein Zellkern eingepflanzt wurde, sofern diese Zelle entwicklungsfähig ist.615

Diese Ansicht hat zur Folge, dass sämtliche somatische Zellen, wenn sie nur in eine entkernte Eizelle eingepflanzt wurden und dort entwicklungsfähig sind, als Embryonen im Sinne des Gesetzes angesehen werden müssen. Da der Embryo nach h.M. nicht nur vom ESchG [geschützt wird, sondern auch von Anfang an Träger der Menschenwürde ist und ein Recht auf Leben besitzt, wird der rechtliche Schutz des menschlichen Lebens auf diese Weise erheblich ausgeweitet.616]


613 Hilgendorf: Klonverbot und Menschenwürde. Vom Homo sapiens zum Homo xerox. S. 1147 (1160)

614 Hilgendorf: Klonverbot und Menschenwürde. Vom Homo sapiens zum Homo xerox. S. 1147 (1160)

615 Hilgendorf: Klonverbot und Menschenwürde. Vom Homo sapiens zum Homo xerox. S. 1147 (1162)

Dem läßt sich aber entgegenhalten, daß die Menschenwürde, die dem neuen Embryo nach h. M. ebenfalls zusteht, mangels Gesetzesvorbehalt einer Einschränkung nicht zugänglich ist, insbesondere wenn das Ergebnis der Einschränkung die Vernichtung des Menschenwürdeträgers wäre. Hinzu kommt, das ein Verstoß gegen die Menschenwürde des Zellspenders gar nicht vorliegt.56 Die strafbewehrte Tötungspflicht des § 6 II ESchG besteht nach dem Gesetzeswortlaut selbst dann, wenn man die duplizierte Zelle einem Verstorbenen, etwa einem tödlich verunglückten Kind, entnommen hat, bei dem sich allenfalls von einem Nachklang der Menschenwürde sprechen läßt.

In der Literatur wird dieser Rigorismus damit begründet, daß es sich „nicht um die Austragung eines normalen Kindes“ handele.57 In der Tat läßt sich § 6 II ESchG kaum anders verstehen, als daß geklontes Leben vom Gesetzgeber als anormales, minderwertiges Leben angesehen wird. Das Gesetz leistet damit nicht nur der Diskriminierung von geklontem Leben Vorschub, sondern verstößt eindeutig gegen die Intention des § 8 I ESchG, jede Form von entwicklungsfähigem menschlichen Leben in gleicherweise zu schützen.

Ein weiteres zentrales Problem des § 6 ESchG - und darüber hinaus ein Kernproblem des Embryonenschutzes überhaupt — liegt darin, wann man von einem „Embryo“ sprechen kann. Dies regelt § 8 I ESchG: Als „Embryo“ i. S. d. ESchG gilt „bereits die befruchtete, entwicklungsfähige menschliche Eizelle vom Zeitpunkt der Kernverschmelzung an, ferner jede einem Embryo entnommene totipotente Zelle, die sich bei Vorliegen der dafür erforderlichen weiteren Voraussetzungen zu teilen und zu einem Individuum zu entwickeln vermag“. § 8 I ESchG scheint bei der Zellkerntransplantation in eine entkernte Eizelle zu versagen, denn hierbei kommt es nicht zu einer Verschmelzung von Ei- und Samenzelle. Ebensowenig spielt die Entnahme einer totipotenten Zelle eines Embryonen eine Rolle. Um die Zellkerntransplantation zu erfassen, wird die Definition des § 8 ESchG in der Literatur als nicht abschließend interpretiert. Embryo i. S. von § 8 I ESchG sei deshalb auch eine unbefruchtete, entkernte menschliche Eizelle, in die ein Zellkern eingepflanzt wurde, „sofern diese Eizelle entwicklungsfähig ist“.59 Diese Ansicht führt allerdings dazu, daß letztlich sämtliche somatischen Zellen, wenn sie nur in eine entkernte Eizelle eingepflanzt wurden und dort entwicklungsfähig sind, als „Embryonen“ angesehen werden müssen. Nach h. M. wird der Embryo nicht nur vom ESchG geschützt, sondern ist auch Träger der Menschenwürde (Art. 1 1 GG) und besitzt ein Recht auf Leben (Art. 2 I I 1 GG).


56 Vgl. oben IV 2 und 3.

57 Keller/Günther/Kaiser (Fn. 2l) § 6 Rn. 14.

58 Gutmann (Fn. 16) S. 328.

Anmerkungen

Quelle ist in allen Fn. genannt. Die Eigenständigkeit der Formulierung ist gering, die des Inhalts ebenfalls.

Sichter
(SleepyHollow02)

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