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Film und Propaganda im Ersten Weltkrieg. Propaganda als Medienrealität im Aktualitäten- und Dokumentarfilm

von Dr. Ulrike Oppelt

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Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Uo/Fragment 035 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-08-16 20:55:39 Hindemith
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Kanzog 1988, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 35, Zeilen: 1-2, 7-38
Quelle: Kanzog 1988
Seite(n): 24-25, Zeilen: 24:2-22.29-36.38 - 25:1-3.26-27.29-34
[Spricht man vom „Verstehen“ eines Filmes, dann meint] man damit zugleich, dass die gewonnenen filmischen Eindrücke „objektivierbar“ seien. In diesem Sinne definiert Helmut Körte Filmanalyse als einen

„Versuch, das eigene subjektiv-objektiv determinierte Filmerlebnis durch Untersuchung der rezeptionsleitenden Signale, durch Datensammlung, Datenvergleich am Film und den filmischen Kontextfaktoren, durch Beobachtung und Interpretation schrittweise zu objektivieren“.19

Im übrigen ist Objektivierbarkeit nur mehr oder weniger zu erreichen, da sich erfahrungsgemäß Aussagen über einen Film permanent als revisionsbedürftig erweisen. Relative „Sicherheit“ bietet nur das Filmtranskript, das im Falle der automatischen Zuordnung von Daten die größtmögliche Nähe zum Überlieferungsträger gewährleistet. Mit der Filmprotokollierung überschreiten wir notwendigerweise die Grenze zwischen materiellen Filmvorgaben und der Filmerfahrung, zwischen dem Berechenbaren und der Sprache. Vieles ist formalisier- und quantifizierbar und dadurch hilfreich für das Verstehen, aber es muss darüber hinaus auch kommunizierbar und konsensfähig sein. In diesem Augenblick wird man auf die Subjektabhängigkeit des „Verstehens“ zurückverwiesen. Die Vorstellung einer „schrittweisen Objektivierung“ suggeriert die Annahme, dass irgendwann einmal der „letzte Schritt“ getan werden könne. Zwangsläufig muss sich nun das zentrale Theorem des radikalen Konstruktivismus auch auf die Filmrezeption beziehen. Die Qualität eines Films kann nicht ohne Subjekte am Objekt „Film“ bestimmt werden.20 Schon einfache Wahrnehmungsexperimente an kurzen Filmausschnitten zeigen ein breites Spektrum individueller Assoziationen wie richtige und fehlerhafte Beobachtungen, bessere, schlechtere und gleichberechtigte Bezeichnungen, sowie Varianten und Invarianten. Auch bei der Protokollierung treten Fehler, Unschärfen und alternative Formulierungen auf. Nimmt man Übersetzungsprobleme bei fremdsprachigen Filmen und bei der notwendigen Abstimmung der Terminologie hinzu, dann muss man von demjenigen, der über Filme spricht, zuallererst „Sprachmächtigkeit“ fordern. Filmanalyse und Filmrezension schließen einander nicht aus; sie stehen in einem ähnlichen Verhältnis wie analytische Literaturwissenschaft zu literarischer Kritik, wie die nüchterne Auffassung eines Textes zu dem Reagieren auf literarische Reize.21

Der kritische Punkt der filmanalytischen Arbeit liegt an den Stellen, an denen aus den filmischen Reizen filmische Zeichen herausgefunden werden müssen. Bevor man sich jedoch jenen Faktoren zuwendet, die Helmut Körte „Bedingungsrealität“, „Bezugsrealität“ und „Wirkungsrealität“ genannt hat,22 ist die Rekonstruktion des kinematographischen Diskurses eine vordringliche Aufgabe. Schon in dieser ersten Phase, der Untersuchung der „Filmrealität“, kommt es in der Praxis zu einer Vermengung der Aspekte.


19 Zit. n. Kanzog: Konstruktivistische Probleme, in: Filmanalyse interdisziplinär, hrsg. von H. Körte, W. Faulstich, 1991, S. 24.

20 Vgl. ebd.

21 Vgl. ebd., S. 25.

22 Vgl. Helmut Korte: Vom Filmprotokoll zur Filmanalyse. Erfahrungen im Umgang mit der Analyse von Filmen, in: Augen-Blick. Marburger Hefte zur Medienwissenschaft, 1986, H. 3, S. 30. Vgl. auch ders.: Systematische Filmanalyse, 1999.

[Seite 24]

10

Spricht man vom ,Verstehen' eines Filmes, dann meint man damit zugleich, daß die gewonnenen filmischen Eindrücke ,objektivierbar‘ seien. In diesem Sinne definiert Helmut Körte „Filmanalyse“ als einen „Versuch, das eigene subjektiv-objektiv determinierte Filmerlebnis durch Untersuchung der rezeptionsleitenden Signale, durch Datensammlung, Datenvergleich am Film und den filmischen Kontextfaktoren, durch Beobachtung und Interpretation schrittweise zu objektivieren“ . Wir alle glauben mehr oder weniger an diese Objektivierbarkeit und erfahren doch immer wieder, daß sich Aussagen über einen Film permanent als revisionsbedürftig erweisen. Relative Sicherheit bietet nur das Filmtranskript, das im Falle der automatischen Zuordnung von Daten die größtmögliche Nähe zum Überlieferungsträger gewährleistet. Mit der Filmprotokollierung überschreiten wir notwendigerweise die Grenze zwischen materiellen Filmfakten und der Filmerfahrung, dem Rechenbaren und der Sprache. Vieles ist formalisier- und quantifizierbar und dadurch für das Verstehen hilfreich, aber es muß auch kommunizierbar und konsensfahig sein. In diesem Augenblick wird man abermals auf die Subjektabhängigkeit des Verstehens zurückgeworfen. Die Vorstellung einer „schrittweisen Objektivierung“ suggeriert die Annahme, daß irgendwann einmal der ,letzte Schritt' getan werden könnte. Da ist es geboten, das zentrale Theorem des radikalen Konstruktivismus5 auch auf die Filmrezeption zu beziehen, daß die Qualität eines Films nicht ohne Subjekte am Objekt ,Film‘ bestimmt werden kann.

11

[...] Schon einfache Wahrnehmungsexperimente an kurzen Filmausschnitten zeigen ein breites Spektrum individueller Assoziationen: richtige und falsche Beobachtungen, bessere, schlechtere und gleichberechtigte Bezeichnungen, Varianten und Invarianten. Auch bei der Protokollierung treten Fehler, Unschärfen und alternative Formulierungen auf. Nimmt man Übersetzungsprobleme bei fremdsprachigen Filmen und bei der notwendige Abstimmung der Terminologie hinzu, dann wird man von demjenigen, der über Filme spricht, zuallererst Sprachmächtigkeit fordern. [...] Film-

[Seite 25]

analyse und Filmrezension schließen einander nicht aus; sie stehen in einem ähnlichen Verhältnis wie Literaturwissenschaft und literarische Kritik, die nüchterne Auffassung eines Textes und das Reagieren auf literarische Reize.

[...]

13

Der kritische Punkt der filmanalytischen Arbeit liegt an den Stellen, an denen aus den filmischen Reizen filmische Zeichen herausgefunden werden müssen. [...] Bevor man sich jedoch jenen Faktoren zuwendet, die Helmut Korte „Bedingungsrealität“, „Bezugsrealität“ und „Wirkungsrealität“ genannt hat,6 ist die Rekonstruktion des kinematographischen Diskurses eine vordringliche Aufgabe; schon in dieser ersten Phase, der Untersuchung der „Filmrealität“, kommt es in der Praxis zu einer unheilvollen Vermengung der Aspekte.


6 Korte, „Vom Filmprotokoll zur Filmanalyse“ , S. 30.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan), Hindemith


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