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Film und Propaganda im Ersten Weltkrieg. Propaganda als Medienrealität im Aktualitäten- und Dokumentarfilm

von Dr. Ulrike Oppelt

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Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Uo/Fragment 070 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-17 22:26:03 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schlüpmann 1990, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 70, Zeilen: 1-3, 8-18 , 101-105
Quelle: Schlüpmann 1990
Seite(n): 197, 198, Zeilen: 197:30-33.39-51; 199:1-3
[Johannes Richter fasste 1909 den Umschwung im Bildungsbe]griff, der sich mit den Namen Lichtwarks, Ferdinand Avenarius’ (Dürerbund) und des Lebensreformers Paul Schultze-Naumburgs58 verband, mit den Worten des Kunsterziehers wie folgt zusammen.

„Wer betrachtet heute noch ,Unterichtetsein’ als Bildung? Heute heißt Bildung, das Leben verstehen, Lebenskunst besitzen und somit letzten Endes genießen können. Der Begriffsinhalt des Genusses hat sich von dem niedrigen materiellen Sinne zu der edelsten, geistig-sinnlichen Auffassung gesteigert. ,Gebildet sein heißt, genießen können’."59

Das Kino griff die Elemente der Volksbildungs- und Lebensreformbewegung auf und stellte sie auf die neue Basis von Technik und Ökonomie. Dadurch wurde die Tätigkeit der Gebildeten überflüssig und ein erbitterter Kampf provoziert. Das Kino gewann für sich die „Masse“: die Arbeiter und die Frauen. Der Besuch des Kinos integrierte sich in den Alltag, wie es keine Bildungsveranstaltung vermochte. Es war in weit umfassenderer Weise anschaulicher als jede bildende Kunst. Als „Genussmittel“ übertraf es alle bisherigen Kulturveranstaltungen. Das neue Medium gab auch jenen Formen des Trivialen in Literatur und bildender Kunst einschließlich der Musik eine neue Chance, die bislang in den traditionellen Medienbereichen durch die Reformer, bzw. die „Wortintelligenz“60, bekämpft worden waren.


58 Paul Schultze-Naumburg setzte sich in der Lebensreformbewegung u. a. für die Reformkleidung ein; 1901 veröffentlichte er ,Die Kultur des weiblichen Körpers als Grundlage der Frauenkleidung’.

59 Johannes Richter; Die Entwicklung des Kunsterzieherischen Gedankens (Diss. phil.), Leipzig 1909, S. 119, zit. nach Schlüpmann: Unheimlichkeit des Blicks. 1990, S. 197.

60 Thomas Nipperdey kennzeichnet mit diesem Begriff vor allem Lehrer, etablierte Künstler, Theologen und Professoren, in: Deutsche Geschichte 1866-1918, Bd. I: Arbeitswelt und Bürgergeist, hrsg. von T. Nipperdey, München 1991, S. 817.

[Seite 197]

1909 faßt Johannes Richter den Umschwung im Bildungsbegriff, der sich vor allem mit den Namen Lichtwarks, Ferdinand Avenarius’ (Dürerbund) und des Lebensreformers Paul Schultze-Naumburgs109 verband, mit den Worten eines Kunsterziehers zusammen:

Wer betrachtet heute noch ’Unterrichtetsein’ als Bildung? Heute heißt Bildung, das Leben verstehen, Lebenskunst besitzen und somit letzen Endes genießen können. Der Begriffsinhalt des Genusses hat sich von dem niedrigen materiellen Sinne zu der edelsten, geistig-sinnlichen Auffassung gesteigert. ’Gebildet sein heißt genießen können’.110

Das Kino greift eigentlich fast alle Elemente der Volksbildungs- und Lebensreformbewegung auf, stellt sie jedoch auf eine ganz neue Basis, Technik und Ökonomie, die die Tätigkeit der Gebildeten vollkommen überflüssig macht. Schon das allein mußte den erbittertsten Kampf provozieren. Das Kino gewinnt die Massen: die Arbeiter und die Frauen. Es umschreibt damit eine virtuelle Koalition, für deren Verhinderung das Konzept einer kulturintegrativen Rolle der (bürgerlichen) Frau gerade bürgen sollte. Der Besuch des Kinos integriert sich in den Alltag, wie keine Bildungsveranstaltung es kann. Es bedient sich in einer umfassenderen Weise der Anschaulichkeit als jede bildende Kunst. Als ’Genußmittel’ stellt es alle bisherigen Kulturveranstaltungen in den Schatten. Es spricht das Gefühl an, es greift in das Innere der Menschen, das in der ’Seele’ das Bildungsbürgertum erfaßt zu haben glaubte. Und schließlich gibt das neue Medium all jenen Formen des Trivialen, des

[Seite 199]

’Schmutzes und Schundes', in Literatur und bildender Kunst (und Musik) eine neue Chance, die in den traditionellen Medienbereichen die Reformer bekämpften.


109 Paul Schultze-Naumburg tat sich in der Lebensreformbewegung unter anderem durch sein Eintreten für die Reformkleidung hervor; 1901 veröffentlichte er Die Kultur des weiblichen Körpers als Grundlage der Frauenkleidung.

110 Johannes Richter, Die Entwicklung des Kunsterzieherischen Gedankens, Leipzig 1909, S. 119.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahmen bleiben ungekennzeichnet. Das Zitat wurde nicht in die Zeilenzählung mitaufgenommen.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann


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Letzte Bearbeitung dieser Seite: durch Benutzer:Graf Isolan, Zeitstempel: 20130917222445

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