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Film und Propaganda im Ersten Weltkrieg. Propaganda als Medienrealität im Aktualitäten- und Dokumentarfilm

von Dr. Ulrike Oppelt

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Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Uo/Fragment 076 04 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-18 00:01:09 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schlüpmann 1990, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 76, Zeilen: 4-9, 22-41, 101, 103-104
Quelle: Schlüpmann 1990
Seite(n): 214, 215, 216, Zeilen: 214:(40-42).43-50.(51) - 215:(1-17).22-24.40-43.43-50 - 216:1-5.9-20
Berufsstände im gegenseitigen Verstehen einander nähergebracht. Aber darüber hinaus könnten die Gemeinden durch das Lichtbild für ihre Ideen und Pläne im Volke Stimmung machen und aufklärend wirken [...].“88

Warstat und Bergmann nahmen in ihren Vorstellungen vorweg, was späterhin in der Verquickung von Unterhaltung und Propaganda, von privaten Dramen mit politischen Ideologien nicht mehr wegzudenken war. Die Beschwörung des Staatsfeindes Nr. 1, der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie, der „Roten“, war ihr gemeinsames Ziel. Bergmann unterstellte der sozialdemokratischen Partei, sie wolle das Massenmedium Kino übernehmen.

„Seit einiger Zeit machen sich auf sozialdemokratischer Seite ganz energische Bestrebungen geltend, den Kino in den Dienst ihrer Parteiorganisation zu stellen. Hierauf drängt schon lange die Presse dieser Partei. Einem aufmerksamen Beobachter kann es aber auch nicht entgehen, dass die Partei schon bewußt in diesem Sinne arbeitet. In den Kintöppen der Großstadtarbeiterviertel wird seit langem das soziale ,Drama' gepflegt, das in sehr vielen Fällen zum Klassenhaß geradezu aufreizt. [...] Wer wollte leugnen, dass hierin bei der zündenden und suggestiven Wirkung, die der Film auf die Massen auszuüben vermag, die viel größere Gefahr liegt? [...] Das in dem Kinounternehmen steckende Privatkapital wird auch hier versagen. Ihm ist es egal, von wem es sein Geld verdient. Wenn die sozialdemokratischen Massen ein größeres Verdienst garantieren, wird es sich keinen Augenblick besinnen, sich in deren Dienst zu stellen. Hilfe kann nur von dem am Verdienst nicht interessierten Kapital kommen.“89

Die Konservativen erkannten frühzeitig, dass in dem ungehinderten Austausch zwischen Kinopublikum und Privatkapital ein oppositionelles Element steckt. Zwischen 1910 und 1913 war es die gängige bildungsbürgerliche Meinung, dass das Kinodrama keine künstlerische Form darstellte. Die Liebes- und Kriminalfilme waren nichts anderes als Anreiz zu Sexualität und Verbrechen. Im Kunsterzieherkreis unter Lichtwarkschem Einfluss wollte man durch die Verurteilung des Kinodramas einer „Verkrustung“ des Films entgegenwirken. Im philosophisch und literarisch orientierten Dürerbund ging es um die Reinhaltung der Kunst. Sie sollte frei sein von Schmutz und Schund und von dem kunstfeindlichen Medium Film. Konrad Langer, Tübinger Professor für Ästhetik, Autor des Werkes „Das Wesen der Kunst. Grundzüge einer realistischen Kunstlehre“, Berlin 1901, sprach sich entschieden gegen eine, und sei es nur gedankliche Vermischung von Kino und Kunst aus. Für ihn war Kino kunstfeindlich.90 Noch 1918 lehnte er das Kinodrama hartnäckig ab, da es sich nach seiner Meinung nur um Sexualität und Verbrechen drehte. Er sah eine Gefahr in der Trennung des aus dem Leben gegriffenen Stoffes von der Form, die ihrer Materialität enthoben war.91 Die Frage, inwieweit die filmische Darstellung von Verbrechen das wirkliche Verbrechen stimuliert, ist bis heute aktuell und umstritten. Von Anfang an versuchte man empirische Beweise anzuhäufen, um einen Kausalzusammenhang herzustellen.


88 Warstat/ Bergmann: Kino und Gemeinde, 1913, S. 75. zit. n. Schlüpmann: Unheimlichkeit des Blicks, 1990, S. 214.

89 Warstat/ Bergmann, ebd., S. 75f.

90 Lange: Ethischer und ästhetischer Standpunkt, in: Flugschrift, 1912, S. 38.

91 Vgl. Schlüpmann: Unheimlichkeit des Blicks, 1990, S. 216.

[Seite 214]

Aber darüber hinaus könnten die Gemeinden durch das Lichtbild für ihre Ideen und Pläne im Volke Stimmung machen und aufklärend wirken [...].149

Warstat und Bergmanns Vorstellungen vom staatstragenden Kino ergänzen sich und nehmen vorweg, was später als Verquickung von Unterhaltung mit Propaganda, von privaten Dramen mit politischen Ideologien die Wirklichkeit bilden wird. Zusammengeschweißt werden die beide Seiten virtuell schon damals durch die Beschwörung des Staatsfeindes Nr. 1, der Arbeiterbewegung, der Sozialdemokratie, der Roten’. Bergmann unterstellt, daß die sozialdemokratische Partei im Begriff sei, das Massenmedium Kino zu übernehmen, ein gefährlicher Umstand, der den Staat in Zugzwang bringe:

Seit einiger Zeit machen sich auf sozialdemokratischer Seite ganz ener-

[Seite 215]

gische Bestrebungen geltend, den Kino in den Dienst ihrer Parteiorganisation zu stellen.(1) Hierauf drängt schon lange die Presse dieser Partei. Einem aufmerksamen Beobachter kann es aber auch nicht entgehen, daß die Partei schon bewußt in diesem Sinne arbeitet. In den Kintöppen der Großstadtarbeiterviertel wird seit langem das soziale 'Drama' gepflegt, das in sehr vielen Fällen zum Klassenhaß geradezu aufreizt. [...] Wer wollte leugnen, daß hierin bei der zündenden und suggestiven Wirkung, die der Film auf die Massen auszuüben vermag, die viel größere Gefahr liegt? Und daß die rote sozialdemokratische Partei die Mittel hat, ihren Anschauungen auf dem Filmmarkt Geltung zu verschaffen, bekennt das sozialdemokratische ’Bochumer Volksblatt’.[...] Das in dem Kinounternehmen steckende Privatkapital wird auch hier versagen. Ihm ist es egal, von wem es sein Geld verdient. Wenn die sozialdemokratischen Massen ein größeres Verdienst garantieren, wird es sich keinen Augenblick besinnen, sich in deren Dienst zu stellen. Hilfe kann nur von dem am Verdienst nicht interessierten Kapital kommen.[...]150

[...]

[...] Die Konservativen erkannten frühzeitig, daß ein oppositionelles Element in dem ungehinderten Austausch zwischen Kinopublikum und Privatkapital steckt. [...]

[...]

Das Kinodrama ist keine künstlerische Form, deswegen sind Liebes- und Kriminalfilme nichts als Anreiz zu Sexualität und Verbrechen und müssen verboten werden - das ist zwischen 1910 und 1913 die durchgängige bildungsbürgerliche Meinung. Nur die Akzente liegen unterschiedlich. Im Kunsterzieherkreis unter Lichtwarkschem Einfluß strebte man über die Verurteilung des bestehenden Kinodramas einer ’Verkunstung’ des Films entgegen, im philosophisch und literarisch orientierten Dürerbund, ging es um die Reinhaltung der Kunst - von Schmutz und Schund und einem kunstfeindlichen Medium wie dem Film. Neben dem schon zitierten Karl Brunner spricht sich Konrad Lange, Tübinger Professor für Ästhetik, Autor des Werks Das Wesen der Kunst. Grundzüge einer realistischen Kunstlehre, Berlin 1901

[Seite 216]

erschienen, in Die Hochwacht entschieden gegen eine, sei es nur gedankliche, Vermischung von Kino und Kunst aus:

In dieser Beziehung kann man gar nicht oft genug darauf hinweisen, daß das Kino seiner ganzen Natur nach nichts mit Kunst zu tun hat, ja geradezu kunstfeindlich ist.153

[...] Deswegen hält er auch am hartnäckigsten an der Ablehnung des Kinodramas fest, seine Schrift von 1918 zeigt das. Sexualität und Verbrechen - um die sich auch bei Lange in der Frage des Kinodramas alles dreht - sind aber dann als Filmthemen nicht einfach deswegen gefährlich, weil sie roher, künstlerisch ungeformter Stoff sind, sondern weil sie im Zuge einer Grenzüberschreitung auftauchen, die die Trennung zwischen Stoff, der aus dem Leben gegriffen ist, und einer der Materialität enthobenen Form verletzt.

Die Frage, inwieweit die filmische Darstellung von Verbrechen zum wirklichen Verbrechen stimuliert, konnte bis heute nicht geklärt werden. Von Anfang an aber versuchte man empirische Beweise aufzuhäufen, um den mangelnden begrifflichen Nachweis eines Kausalzusammenhangs zu ersetzen.


149 W. Warstat, F. Bergmann, Kino und Gemeinde, a.a.O., S. 75.

150 W. Warstat, F. Bergmann, Kino und Gemeinde, a.a.O., S. 75 f.

153 K. Lange, “Der Kinematograph vom ethischen und ästhetischen Standpunkt”, a.a.O., 38.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahmen bleiben ungekennzeichnet.

Die Zitate, die auch alle nach Schlüpmann erfolgen, wurden nicht in der Zeilenzählung aufgenommen.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann


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Letzte Bearbeitung dieser Seite: durch Benutzer:Graf Isolan, Zeitstempel: 20130918000346

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