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Film und Propaganda im Ersten Weltkrieg. Propaganda als Medienrealität im Aktualitäten- und Dokumentarfilm

von Dr. Ulrike Oppelt

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Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Uo/Fragment 136 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-19 21:23:32 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Hiley 1994, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 136, Zeilen: 1-40 (komplett)
Quelle: Hiley 1994
Seite(n): 215, 216, 217, Zeilen: 215:li.Sp. 8-16, 25-28; re.Sp. 1-12.(13-20).26-39; 216:li.Sp. 1-2.(3-31).47-50 - re.Sp. 1-4.14-16.19-21.32-50 - 217:li.Sp. 1-13
1914 gab es in Großbritannien etwa 5.000 Lichtspielhäuser, die eigens für das Medium Film gebaut worden waren. Sie verkauften jede Woche etwa sieben Millionen Eintrittskarten.200 Ein Kinobesuch war für Millionen von Menschen Teil eines wöchentlichen Rituals geworden. Tatsächlich war jedoch der Bau von Kinos der Nachfrage vorausgeeilt, und viele blieben überwiegend leer. Der Krieg verschärfte ihre Lage noch mehr, denn der größte Teil der Einnahmen kam von den Industriearbeitern, die von der Wirtschaftskrise, die der Krieg mit sich brachte, besonders hart getroffen wurden. Tatsächlich sank in den ersten Kriegswochen der Kartenverkauf. In den Industriestädten wurden jedoch bald steigende Besucherzahlen registriert. In den Industriestädten wurden jedoch bald steigende Besucherzahlen registriert. Kriegsfilme und aktuelle Kriegsthemen auf der Leinwand erhöhten den Kinobesuch. Filmproduzenten versuchten auch die große Welle des Patriotismus, die das Land erfasste, auszunutzen und experimentierten mit verschiedenen Möglichkeiten, den Krieg in ihre Filme einzubeziehen. Britische Filmstudios begannen, eine große Zahl von Dramen mit militärischen Themen zu produzieren. Eines der ersten war GREAT EUROPEAN WAR.201 Dieser Film war eine bereits zwei Tage nach Kriegsbeginn im Studio gefertigte Imitation der in den Nachrichten mitgeteilten Kriegsereignisse. Bis Ende August waren vier, kurz darauf bereits 13 weitere fertiggestellt. Die meisten Filme waren überzogene patriotische Dramen, die sich mit den unfreiwillig in die Armee gedrängten Männern befasste, wie sie sich nach anfänglichem Sträuben entschlossen, heldenhaft die Fahne zu retten. Die Barker Motion Photography produzierte derartige Streifen in den Kulissen ihres Londoner Studios. Das Produktionstempo war rasant, die Titel aufwühlend wie z. B. YOUR COUNTRY NEEDS YOU, CHAINED TO THE ENEMY oder THE LOOTERS OF LIÈGE. Große Seeschlachten wurden in einem kleinen Wasserbecken mit zweizollgroßen Modellen nachgestellt. Die Filme betonten die Moral, die notwendig war, um unwillige junge Männer zum Eintritt in die Armee zu veranlassen. Im Oktober 1914 widmete sich bereits die gesamte britische Filmindustrie der Produktion von Kriegsdramen. Jeden Monat wurden 89 Filme fertiggestellt, davon hatten 20 mit dem Krieg direkt zu tun und weitere 20 enthielten in irgendeiner Form ein militärisches Element. Die Kostümschneider hatten Mühe, die Londoner Studios ausreichend mit Militäruniformen zu versorgen. Weitere Erfolge der Barker Motion Photography waren DAUGHTER OF BELGIUM, THEIR ONLY SON und BY THE KAISER'S ORDER. Das Studio British and Colonial steuerte Filme wie ANSWERING THE CALL und THE BELLS OF RHEIMS bei, das Studio Regent brachte die Filme THROUGH THE FIRING LINE und FOR KING AND COUNTRY heraus. Diese Dramen zeigten nicht nur einen brutalen, sondern auch einen verräterischen Feind. So wurde beispielweise in dem Film OUR HELPLESS MILLIONS SAVED Vorbereitungen deutscher Spione zur Sprengung der Wasserversorgung Londons, im Film THE GREAT SPY RAID die des Eisenbahnnetzes gezeigt.202

200 Rachael Low: The History of the British Film, 1906-1914, London 1949, S. 19 (laut „Kine Year Book“).

201 Vgl. Nicholas Hiley: Der Erste Weltkrieg im britischen Film, in: Tage der Menschheit, hrsg. von R. Rother, 1994, S. 215-226, hier S. 215.

202 Vgl. ebd., S. 216f.

[Seite 215]

Bei Ausbruch des Krieges im August 1914 befand sich Großbritanniens Filmindustrie in einer schwierigen Lage. In den vorangegangenen fünf Jahren war viel Geld in den Bau von Kinos investiert worden, und zusätzlich zu den 800 Konzertsälen und Varietés, die weiterhin Filme als Teil ihres Programmes zeigten, gab es nun etwa 5000 Lichtspielhäuser, die eigens für diesen Zweck gebaut worden waren und jede Woche etwa sieben Millionen Eintrittskarten verkauften. Ein Kinobesuch war für Millionen von Menschen Teil eines wöchentlichen Rituals geworden. Tatsache aber war auch, daß der Bau von Kinos der Nachfrage vorausgeeilt war. [...] Doch da all diese Kinos insgesamt etwa 4,2 Millionen Besucher faßten und mindestens zwei Vorstellungen pro Abend gaben, war es klar, daß sie trotz der insgesamt etwa sieben Millionen verkaufter Karten pro Woche überwiegend leer bleiben mußten. Das war in der Tat auch der Fall. [...]

Der Krieg verschärfte ihre Lage noch mehr, denn der größte Teil der Einnahmen in den 5000 Kinos Großbritanniens kam hauptsächlich von den Industriearbeitern, und es war zu befürchten, daß sie von der Wirtschaftskrise, die der Krieg mit sich bringen mußte, besonders hart getroffen werden würden. Tatsächlich sank in der ersten Kriegswoche der Verkauf von Karten, aber bald wurden in den Industriestädten wieder steigende Zahlen von Kinobesuchern registriert: Sheffield meldete ein »glänzendes Geschäft mit vollen Häusern«, Liverpool berichtete von »großer Begeisterung dort, wo Kriegsthemen auf die Leinwand kamen«, und in Manchester wurde festgestellt, daß der »Kinobesuch dort, wo besondere Kriegsfilme und aktuelle Filme gezeigt wurden, außergewöhnlich gut« sei. [...] Filmproduzenten versuchten auch, die »große Welle des Patriotismus«, die das Land erfaßte, auszunutzen und experimentierten mit verschiedenen Möglichkeiten, den Krieg in ihre Filme einzubeziehen. Britische Filmstudios begannen, eine große Zahl von Dramen mit militärischen Themen zu produzieren. Eines der ersten war >Great European War<, »eine Imitation der in den Nachrichten mitgeteilten Kriegsereignisse im Studio«, von G.B. Samuelson. Die Produktion wurde zwei Tage nach Kriegsbeginn aufgenommen. Bis Ende August 1914

[Seite 216]

waren vier solcher Filme fertiggestellt und bis September 1914 weitere dreizehn.2 Viele dieser neuen Kriegsfilme ließen sich von dem Gefühlstrauma inspirieren, das jene einzelnen Männer durchmachten, die zum Eintritt in die Armee gedrängt wurden. Ein typisches Beispiel war der Film >England Expects< der London Film Company, ein im August 1914 fertiggestelltes vierzigminütiges Drama, dessen Held ein Freiwilliger war, der sich nach anfänglichem Sträuben dann doch entschließt, Soldat zu werden, nachdem er seinen Kindern beim Spiel mit ihrem Großvater, einem alten ehemaligen Soldaten, zugeschaut hatte. Ein Kritiker schrieb: »Der alte Mann zeigte den Kindern, wie er die Fahne gerettet hatte, und einer der beiden Kleinen dreht sich um und fragt: >Wird Papa auch die Fahne retten?< Er zögert nicht länger, >Morgen schreibe ich mich ein<, sagt er, und damit endet die Szene.« Solche überzogenen patriotischen Dramen waren leicht zu produzieren, und Will Barker, der Chef von Barker Motion Photography, war einer von denen, die sich der Produktion solcher Streifen verschrieben. Im August 1914 bestand sein Londoner Studio aus einem großen alleinstehenden Haus mit drei Tageslichtbühnen, [...]

Im September 1914 beschäftigte Barker 150 Leute zusätzlich zu den 22 Stammschauspielern seines Repertoiretheaters und produzierte Kriegsdramen mit so aufwühlenden Titeln wie >Your Country Needs You, Chained to the Enemy<, und >The Looters of Liège<. Das Produktionstempo war rasant; [...] In einem 10x12 großen Wasserbecken in einer anderen Ecke lief gerade eine große Seeschlacht ab. [...] Das Ganze wurde mit etwa zwei Zoll großen Modellen nachgestellt. [...] Dies war der Stoff, aus dem das patriotische Drama gemacht wurde, und im September 1914 wurde Barkers Film >Your Country Needs You< tatsächlich gelobt, weil er »genau die Moral zeigte, die notwendig war, unwillige junge Männer zum Eintitt in die Armee zu veranlassen«.4

Im Oktober 1914 widmete sich bereits die gesamte britische Filmindustrie der Produktion und Aufführung von Kriegsdramen. Von den 89 Filmen, die in jenem Monat fertiggestellt wurden, hatten 20 direkt mit dem Krieg zu tun, das Sujet weiterer 20 Filme enthielt in irgendeiner Form ein militärisches Element. Tatsächlich wurden nun so viele Kriegsfilme produziert, daß Kostümschneider Mühe hatten, die Londoner Studios ausreichend mit Militäruniformen zu versorgen. Barker Motion Photography fügte ihren Erfolgen weitere hinzu: >Daughter of Belgium<, »Their Only Son<, und >By the Kaiser’s


[Seite 217]

Order<, während Studios wie British and Colonial Filme wie >Answering the Call< und >The Bells of Rheims< beisteuerten, und Regent >Through the Firing Line< und >For King and Country< produzierte. Diese Dramen zeigten nicht nur, wie brutal sondern auch wie verräterisch der Feind sein konnte, denn viele Filme, wie >O.H.M.S.: Our Helpless Millions Saved<, enthüllten Vorbereitungen deutscher Spione zur Sprengung der Wasserversorgung Londons oder des Eisenbahnnetzes, wie der Film >The Great Spy Raid<.


2 Kinematograph Weekly, 20. August 1914, S. 65; Cinema News, 6. August 1914, S. 11; Pearson 1957, S. 40-45. Die Zahlen über die Produktion britischer Kriegsfilme stammen von: Gifford 1986.

[...]

4 Kinematograph Weekly, 17. September 1914, S. 69 (London); Evening News, 29. September 1914, S. 4, Spalte 5.

Anmerkungen

Die Seite besteht ohne Ausnahme aus Material aus Hiley (1994).

Art und Umfang der Übernahmen bleiben trotz inhaltlicher und weitestgehend wörtlicher Übereinstimmung ungekennzeichnet.

Zwischendrin werden auch mal Abschnitte des Originals exzerpiert und dabei stark gekürzt, vorwiegend aber ist die Vorgehensweise, die Originalsätze nur leicht abgewandelt unter Beibehaltung der meisten Originalformulierungen wiederzugeben.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann


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