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Film und Propaganda im Ersten Weltkrieg. Propaganda als Medienrealität im Aktualitäten- und Dokumentarfilm

von Dr. Ulrike Oppelt

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Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Uo/Fragment 139 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-06-15 12:54:42 Klicken
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Hiley 1994, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 139, Zeilen: 1-34 (komplett)
Quelle: Hiley 1994
Seite(n): 220, 221, 222, Zeilen: 220:re.Sp. 32-50 - 221: li.Sp. 1-12.33-38, re.Sp. 7-19 - 222: li.Sp. 1-3.14-29 - re.Sp. 1-20
[Im August 1916] gab die Filmindustrie ihre Zurückhaltung gegenüber Kriegsfilmen auf und zeigte öffentlich nach Freigabe den Film BATTLE OF THE SOMME207, den ersten bedeutenden Kriegs-Dokumentarfilm.208 BATTLE OF THE SOMME enthielt nicht nur zahlreiche Aufnahmen von toten und verwundeten Briten, sondern zeigte als Höhepunkt, wie die britischen Truppen aus den Gräben kletterten, zum Angriff vorstürmten und vor laufender Kamera den Tod fanden. Der Film löste eine stürmische Debatte aus. Obwohl das Kriegsministerium eine Überarbeitung verboten hatte, ließen einige Kinobesitzer verlauten, dass „sie ein wenig von den grausamen Szenen herausschneiden werden“. Andere Kinobesitzer ergriffen noch drastischere Maßnahmen. W. Jefferson Woods, der Manager des Hammersmith’s Broadway Cinema, weigerte sich nicht nur, den Film abzunehmen, sondern projizierte sogar ein Dia mit der Erklärung „Wir zeigen Battle of the Somme nicht. Dies ist eine Stätte der Unterhaltung und kein Gruselkabinett“.209 Die Mehrheit der Geschäftsleute widersetzte sich jedoch den Versuchen BATTLE OF THE SOMME zu unterdrücken oder zu verändern. Auch die Mehrheit der Kritiker war dafür, diesen Film zu zeigen. Die Zeitschrift Screen drückte ihr Befremden darüber aus, „dass dem britischen Volk nach zwei schrecklichen Kriegsjahren nicht zugetraut werde, den Auswirkungen des Krieges ins Auge zu schauen. Niemand ist dieser Tage der Ansicht, der Krieg sei eine vergnügliche Romanze. Er ist ein fürchterlicher Alptraum, jeder weiß das [...] Unser Volk will wissen, wie die Dinge tatsächlich stehen. Es will sehen, was unsere Jungens für uns erleiden“.210

Die Öffentlichkeit honorierte diese Ehrlichkeit und der Film brachte volle Kinohäuser. Die Eröffnungsveranstaltung im Clapham Majestic im August 1916 in London wurde von 1500 Menschen besucht. In den darauffolgenden sechs Tagen verkaufte das Kino mehr als 35.000 Eintrittskarten. Am Ende der ersten Woche hatten mindestens eine Million Londoner den Film gesehen. Die beeindruckendste Szene war der Angriff, der mit einer gewaltigen Minenexplosion in den deutschen Linien begann. Mit dem Erscheinen des Zwischentitel „Unmittelbar vor dem Angriff“, wurde in den Hinweisen für das Orchester empfohlen, nur die Trommeln zu schlagen, „mit einem leisen Wirbel bei Erscheinen des Zwischentitels zu beginnen und mit einem lauten Schlag und Wirbel im Augenblick der Explosion aufzuhören“. Das löste unter den Zuschauern „ein spontanes ,Oh‘ des Schreckens aus“. Das Orchester hörte bei der Szene, als die Soldaten aus den Gräben klettern, mit der Musik auf, und als die Soldaten im Angriff fielen, [„schrie plötzlich eine Frau in dem stummen Kinosaal „Oh Gott, sie sind tot!“.211]


207 Siehe dazu das Filmprotokoll.

208 Vgl. Nicholas Reeves: Cinema, Spectatorship and Propaganda: Battle of the Somme (1916) and its Contemporary audience, in: Historical Journal of Film, Radio and Television, 17. Jg. (1997), Nr. 1, S. 5-28. Siehe auch Stephen Badsey: Battle of the Somme: British war propaganda. In: Historical Journal of Film, Radio and Television, 3. Jg. (1983), Nr. 2, S. 99-113 (die erste wissenschaftliche Analyse von BATTLE OF THE SOMME; Badsey war der Ansicht, dass die Gelegenheit, einen kraftvollen Propagandafilm zu konstruieren, einfach verfehlt wurde).

209 Vgl. Hiley: Der britische Film, in: Tage der Menschheit, hrsg. von R. Rother, 1994, S. 221.

210 Vgl. Reeves: Cinema, Spectatorship and Propaganda, in: Historical Journal of Film, Radio and Television, 1997, S. 15f. (hier wird ausführlich die zeitgenössische öffentliche Meinung wiedergegeben).

211 Roger Smither: A Wonderful Idea of the Fighting: the question of fakes in The Battle of the Somme, in: Historical Journal of Film, Radio and Television, 13. Jg. (1993), Nr. 2, S. 149—168, hier S. 149. Smither deckt in seiner detailierten Analyse eine Reihe von Fälschungen auf.

[Seite 220]

Doch im August 1916 hatte sich die Haltung der Filmindustrie zu Kriegsfilmen gänzlich geändert. Dies zeigte sich in der Freigabe des Films >Battle of the Somme<, des ersten bedeutenderen Dokumentarfilms, der von Kameramännern im Generalhauptquartier gedreht worden war.12

Der Film >Battle of the Somme< enthielt nicht nur zahlreiche Aufnahmen von toten und verwundeten Briten, sondern zeigte als Höhepunkt, wie die britischen Truppen aus den Gräben kletterten, zum Angriff vorstürmten und scheinbar vor laufender Kamera den Tod fanden. Die Verkaufsshow des Films löste sofort eine stürmische Debatte aus. Obwohl das Kriegsministerium eine Überarbeitung verboten hatte, ließ eine Reihe von Kino-

[Seite 221]

besitzern verlauten, daß »sie ein wenig von den grausamen Szenen herausschneiden werden«, bevor sie den Film ihrem Publikum zeigen würden. Andere Kinobesitzer ergriffen noch drastischere Maßnahmen. W. Jefferson Woods, der Manager des Hammersmith’s Broadway Cinema, weigerte sich nicht nur, den Film abzunehmen, sondern projizierte sogar ein Dia mit der Erklärung »Wir zeigen Battle of the Somme nicht. Dies ist eine Stätte der Unterhaltung und kein Gruselkabinett«. [...]

Man hätte erwarten können, daß diese Haltung überwog, aber eine Mehrheit von Geschäftsleuten widersetzte sich diesen isolierten Versuchen, >Battle of the Somme< zu unterdrücken oder zu verändern. [...]

Tatsächlich war die Mehrheit der Kritiker dafür, diesen Film zu zeigen, und die Zeitschrift >Screen< drückte ihr Befremden darüber aus, daß »dem britischen Volk nach zwei schrecklichen Kriegsjahren nicht zugetraut wird, den Auswirkungen des Krieges ins Auge zu schauen«. Und es hieß weiter: »Niemand ist dieser Tage der Ansicht, der Krieg sei eine vergnügliche Romanze. Er ist ein fürchterlicher Alptraum, jeder weiß das, und niemand kann erklären, warum unser Volk den Wunsch haben sollte, darüber hinweggetäuscht zu

[Seite 222]

werden [...] Unser Volk will wissen, wie die Dinge tatsächlich stehen. Es will sehen, was unsere Jungens für uns erleiden.«14

[...] Die Öffentlichkeit reagierte auf diese Ehrlichkeit mit vollen Kinohäusern. Die Eröffnungsveranstaltung im Clapham Majestic wurde von 1500 Menschen besucht, in den darauffolgenden sechs Tagen verkaufte das Kino mehr als 35000 Eintrittskarten. In der gleichen Zeit gelang es dem Finsbury-Park-Rink-Kino, in dem sich Malins an die Öffentlichkeit gewandt hatte, mehr als 50000 Karten zu verkaufen, und am Ende der ersten Woche hatten mindestens eine Million Londoner den Film gesehen.

Die beeindruckendste Szene war natürlich die vom Angriff, der mit einer gewaltigen Minenexplosion unter den deutschen Linien begann. Am Ende der zweiten Rolle, wo kurz vor der Explosion der Zwischentitel »Unmittelbar vor dem Angriff« erschien, wurde in den Hinweisen für das Orchester empfohlen, nur die Trommeln zu schlagen, »mit einem leisen Wirbel bei Erscheinen des Zwischentitels zu beginnen und mit einem lauten Schlag und Wirbel im Augenblick der Explosion aufzuhören«. Das löste unter den Zuschauern »ein spontanes >Oh< des Schreckens aus«. Die Reaktion auf die Szene »Der Angriff«, mit dem die dritte Rolle begann, war ebenso dramatisch. In einem der Kinos hörte das Orchester bei der Szene, da die Soldaten aus den Gräben klettern, mit der Musik auf, und als die Soldaten im Angriff Fielen, »schrie plötzlich eine Frau in dem stummen Kinosaal >Oh Gott, sie sind tot!<«15


12 Kinematograph Weekly: Monthly Alphabetical Film Record, Februar 1916, S. 3; Cinema News, 9. März 1916, S. 2; Picture Palace News, 22. Juni 1916, S. 212.

14 Moving Picture Offered List, 19. August 1916, S. 4516; Star, 25. August 1916, S. 2, Spalte 6; Screen, 26. August 1916, S. 1; Northern Section, 16. September 1916, S. 2-3 .

15 Evening News, 11. August 1916, S. 2; 22. August 1916, S. 3; Bioscope, 17. August 1916, S. 627; 24. August 1916, S. 671; Hornsey Journal, 25. August 1916, S. 2; Weekly Dispatch, 27. August 1916, S. 5; S. Badsey: Battle of the Somme: British war propaganda. In: Historical Journal of Film, Radio and Television 3, 1983, S. 99-113.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahmen sind ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan), Klicken


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