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Film und Propaganda im Ersten Weltkrieg. Propaganda als Medienrealität im Aktualitäten- und Dokumentarfilm

von Dr. Ulrike Oppelt

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Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Uo/Fragment 267 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-19 20:51:07 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ulrich 1993, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 267, Zeilen: 1-30, 101-102, 109-113
Quelle: Ulrich 1993
Seite(n): 117, 118, Zeilen: 117:30-35.39-40 - 118:1-6.9-17.20-25.35-41
[Daran] änderte sich auch nichts, als Ernst Friedrich 1924 in seinem berühmten Pamphlet gegen den Krieg Fotographien dieser „Menschen ohne Gesicht“ veröffentlichte.47 Diese noch durch provokative und pazifistische Bildunterschriften verstärkte Konfrontation des Publikums mit den Gesichts- und Kieferverletzungen war in diesem Umfang bis dahin einmalig. Die Erkenntnis, dass im 20. Jahrhundert, parallel zur technisch-industriellen Entwicklung, Kriege eine unvorstellbare Zahl an toten und verletzten Menschen „produzieren“ würde, bestand schon vor dem Ersten Weltkrieg. Viele Zukunftsromane48 des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts hatten nur eine Botschaft, die besagte, dass die Schrecken des Krieges und die Zahl der Opfer von der technischen „Vervollkommnung“ der Waffen und der sich fortschrittlich wähnenden Unbedenklichkeit in ihrer Anwendung abhingen.49

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs galt es nunmehr, der durchaus weit verbreiteten Furcht vor einem „modernen“ Krieg zu begegnen, die sich auf die Motivation der Soldaten und ihrer Angehörigen störend auswirken konnte. Man versuchte alles, um sich oder seine Angehörigen dem Militärdienst zu entziehen. Dieses Phänomen ist für Berlin belegt, wo sich „viele Frauen besonders seit Beginn des Frühjahrs (1915) an den Arzt zwecks eines Attests (wandten), damit ihr Mann Heimaturlaub (sic!) bekomme“.50 Zu den harmloseren Auswüchsen in diesem Zusammenhang zählte die Werbung für die Nützlichkeit von Schutzpanzern, namentlich für eine „Herzschutz Panzerplatte“ - „im Schützengraben liegend, ist die Panzerplatte als Kopfschutz zu verwenden“ die sich zu Beginn des Krieges großer Beliebtheit erfreute und gegen Voreinsendung von 8 Mark portofrei von der Deutschen Schutzpanzer-Industrie verschickt wurde.51

Im Januar 1915 schätzte der in der „Krüppelfürsorge“ maßgebliche Mediziner Konrad Biesalski die Zahl derjenigen Soldaten, „die eine schwere Beschränkung ihrer Bewegungsfreiheit und ihrer Haltung erlitten haben“, auf ca. 30.000.52 Das war noch vor den großen Material- und Vernichtungsschlachten der Jahre 1916 bis 1918. Damit wurde nicht nur die deutsche, sondern die Gesellschaft aller kriegführenden Nationen mit einem „Problem von denkbar größter ethischer und [wirtschaftlicher Bedeutung“ konfrontiert.53]


47 Ernst Friedrich: Krieg dem Kriege!, Guerre à la guerre!, War against war!, Oorlog aan den oorlog!, Berlin 1924.

48 Beispielsweise: Edward Bulwer-Lytton: The Coming Race, 1870 (hier verändert die Entdeckung der Atomkraft „Vril“ die Welt). Herbert G. Wells: War of the Worlds, 1898 (hier war bis in die letzten Konsequenzen ausgemalt, wozu Technik im Krieg führte, die Utopie des Weltenkrieges entsprach jene des Weltstaates). Für Mark Twain war Elektrizität jene Zukunftswaffe, die mit einem Schlag die Massenheere seiner Gegenwart obsolet machte. Jules Verne als Wegbereiter der Idee des technischen Krieges ist hier noch zu erwähnen.

49 Vgl. Henning Franke: Der politisch-militärische Zukunftsroman in Deutschland, 1904-1914. Ein populäres Genre in seinem literarischen Umfeld (Europ. Hochschulschriften, R. 1; 559), (Diss. phil.), Göttingen 1984.

50 Vgl. Ärztliche Sachverständigen Zeitung, 21. Jg. (1915), S. 156. Zit. n. Ulrich: Behandlung der Kriegsopfer, in: Keiner fühlt sich, hrsg. von G. Hirschfeld, G. Krumeich, I. Renz, 1993, S. 118.

51 Ulrich, ebd.

52 Vgl. ebd.

53 Konrad Biesalski, Direktor und leitender Arzt des Oscar-Helene-Heims für Heilung und Erziehung gebrechlicher Kinder in Berlin, war in leitender Funktion in der „Deutschen Vereinigung für Krüppelfürsorge“ und der „Deutschen Orthopädischen Gesellschaft., tätig: er war Mitherausgeber der „Zeitschrift für Krüppelfürsorge" (ZfK). Vgl. K. Biesalski: Die ethische und wirtschaftliche Bedeutung der Kriegskrüppelfürsorge und ihre Organisation im Zusammenhang mit der gesamten Kriegshilfe. Vortrag im Rahmen der Ausstellung für Verwundeten- und Krankenfürsorge im Sitzungssaal des Reichstags gehalten am 13.1.1915, Leipzig, Hamburg 1915. S. 3f. (Beilage zur Zeitschrift für Krüppelfürsorge, 8. Jg. (1915/16)). Zu den Gesamtzahlen der Opfer - nach dem Krieg ging man von ca. 2,7 Millionen physisch wie psychisch Verstümmelter aus - vgl.: Sanitätsbericht über das Deutsche Heer (Deutsches Feld- und Besatzungsheer) im Weltkriege 1914-18, bearbeitet in der Heeres-Sanitätsinspektion des Reichswehrministeriums, Bd. 3: Die Krankenbewegung bei dem Deutschen Feld- und Besatzungsheer im Weltkriege 1914-1918, Berlin 1934. Zum Vergleich: nach dem Krieg von 1870/71 wurden 42.660 Kriegsinvaliden gezählt.

[Seite 117]

Daran ändert sich auch nichts, als Ernst Friedrich in seinem berühmten Pamphlet gegen den Krieg Fotografien dieser „Menschen ohne Gesicht" veröffentlicht.5 Die von Friedrich durch provokative Bildunterschriften noch verstärkte Konfrontation des Publikums mit den Gesichts- und Kieferverletzten war nicht die erste Publikation dieser Fotografien; freilich die erste in diesem Umfang und in einem absichtsvoll pazifistischen Kontext. [...]

[...]

Daß Kriege im 20. Jahrhundert, parallel zur technisch-industriellen Entwicklung, eine bis dahin unvorstellbare Zahl von toten und verletzten Menschen im wahrsten

[Seite 118]

Sinne des Wortes „produzieren" würden, für diese Erkenntnis bedurfte es des Ersten Weltkriegs wahrlich nicht. Viele Zukunftsromane im ausgehenden 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert hatten, wenn nicht andere, so doch immer diese eine Botschaft: daß die Schrecken des Krieges und die Zahl der Opfer abhingen von der technischen „Vervollkommnung" der Waffen und der sich fortschrittlich wähnenden Unbedenklichkeit in ihrer Anwendung.6 [...] Mit Beginn des Ersten Weltkriegs galt es, der durchaus weit verbreiteten Furcht vor einem „modernen" Krieg zu begegnen. Zu störend konnte sie sich auswirken auf die Motivation der Soldaten und ihrer Angehörigen, derer man zum Kriegführen bedurfte, und die schnell, angepaßt beispielsweise an das relativ dichte Netz ärztlicher Versorgung in Deutschland, alles versuchten, um sich oder ihre Angehörigen dem Militärdienst zu entziehen. So wandten sich offenbar - belegt ist dieses Phänomen für Berlin — „viele Frauen besonders seit Beginn des Frühjahrs [1915] an den Arzt zwecks eines Attests, damit ihr Mann Heimatsurlaub [sic!] bekomme." [...] 7 [...] Zu den harmloseren zählten dabei sicherlich jene Beiträge, die sich mit der Nützlichkeit von Schutzpanzern auseinandersetzten, namentlich mit der „Herzschutz-Panzerplatte" - „im Schützengraben liegend, ist die Panzerplatte als Kopfschutz zu verwenden" -, die sich zu Beginn des Krieges großer Beliebtheit erfreute und gegen Voreinsendung von 8 Mark portofrei von der Deutschen Schutzpanzer-Industrie verschickt wurde.8 [...] Im Januar 1915 schätzte der in der „Krüppelfürsorge" maßgebliche Mediziner Konrad Biesalski die Zahl derjenigen Soldaten, „die eine schwere Beschränkung ihrer Bewegungsfreiheit und ihrer Haltung erlitten haben", auf ca. 30 000 Männer - und das noch vor den großen Material- und Vernichtungsschlachten der Jahre 1916-18. Damit war die deutsche Gesellschaft - und mit ihr die aller kriegführenden Nationen - mit einem „Problem von denkbar größter ethischer und wirtschaftlicher Bedeutung" konfrontiert.10


5 E. Friedrich, Krieg dem Kriege!/Guerre à la guerre'/War against war!/Oorlog aan den oorlog!, Berlin 1924.

6 Vgl.: H. Franke, Der politisch-militärische Zukunftsroman in Deutschland, 1904-14. Ein populäres Genre in seinem literarischen Umfeld, Phil. Diss. Göttingen 1984.

7 Vgl.: Ärztliche Sachverständigen-Zeitung, 21 (1915), S. 156.

8 Vgl.: E. Jacobi-Siesmayer, Schutzpanzer, in: Die Umschau, 19 (1915), Bd. l, S. 44f.; ebenda, eine Anzeige für Herzschutz-Panzerplatten.

10 K. Biesalski, Die ethische und wirtschaftliche Bedeutung der Kriegskrüppelfürsorge und ihre Organisation im Zusammenhang mit der gesamten Kriegshilfe. Vortrag im Rahmen der Ausstellung für Verwundeten- und Krankenfürsorge im Sitzungssaal des Reichstags gehalten am 13.l.1915, Leipzig, Hamburg 1915. (Beilage zur Zeitschrift für Krüppelfürsorge, 8, 1915/16), S. 3f. Biesalski, Direktor und leitender Arzt des Oscar-Helene-Heims für Heilung und Erziehung gebrechlicher Kinder in Berlin, war in leitender Funktion in der „Deutschen Vereinigung für Krüppelfürsorge" und der „Deutschen Orthopädischen Gesellschaft" tätig; er war Mitherausgeber der „Zeitschrift für Krüppelfürsorge", deren Kriegsjahrgänge u. a. für diesen Beitrag ausgewertet wurden. Zu den Gesamtzahlen der Opfer — nach dem Krieg ging man von ca. 2,7 Millionen physisch wie psychisch Verstümmelter aus - vgl.: Sanitätsbericht über das deutsche Heer (deutsches Feld- und Besatzungsheer) im Weltkriege 1914-18, bearb. in der Heeres-Sanitätsinspektion des Reichswehrministeriums, Bd. 3: Die Krankenbewegung bei dem deutschen Feld- und Besatzungsheer im Weltkriege 1914-1918, Berlin 1934. Zum Vergleich: nach dem Krieg von 1870/71 wurden 42 660 Kriegsinvalide gezählt; vgl.: B. Laqueur, Kriegsverletzungen und Seelenleben mit besonderer Berücksichtigung der sogenannten Entartungsfrage, in: Zeitschrift für Krüppelfürsorge (künftig: ZfK), 8 (1915/16), S. 247-255, hier S. 253.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahmen bleiben ungekennzeichnet.

Besonders auffällig: Uo übernimmt ein Zitat aus Ulrich inklusive des darin vorkommenden Fehlerhinweises "[sic!]", wobei sie sich allerdings veranlasst sah, das fehlerbehaftete Wort des Originals ("Heimatsurlaub") zu korrigieren. Nicht nur, dass sie damit das Zitat verfälscht, durch diese Vorgehensweise läuft der Hinweis natürlich ins Leere.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann


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