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Film und Propaganda im Ersten Weltkrieg. Propaganda als Medienrealität im Aktualitäten- und Dokumentarfilm

von Dr. Ulrike Oppelt

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Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Uo/Fragment 269 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-19 20:53:25 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Ulrich 1993, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 269, Zeilen: 1-2, 8-39, 103-104
Quelle: Ulrich 1993
Seite(n): 120, 121, Zeilen: 120:25-27.(27-33).33-38.40-44 - 121:1-14.16-28
[Die Leitsätze der künftigen Arbeit hatte Biesalski der] Öffentlichkeit schon in der „Täglichen Rundschau“ am 18.1.1915 vorgestellt. Diese lauteten:

„1. Keine Wohltat - sondern Arbeit für die verkrüppelten Krieger. 2. Zurückschaffung in die Heimat und die alten Verhältnisse, womöglich in die alte Arbeitsstelle. 3. Verstreuung unter die Masse des schaffenden Volkes, als wenn nichts geschehen wäre. 4. Es gibt kein Krüppeltum, wenn der eiserne Wille besteht, die Behinderung der Bewegungsfreiheit zu überwinden. 5. Darum breiteste Aufklärung aller Stände, zuerst der Verwundeten selber.“57

Zum Angelpunkt aller Bestrebungen wurde nun die Vermittlung der „frohen“ Botschaft, es gäbe kein Krüppeltum mehr, weil der medizinische Fortschritt und der eiserne Wille der Betroffenen eine, wenn auch eingeschränkte, Berufstätigkeit ermöglichen würden. Entsprechend massiv war die Aufforderung an die Presse. Seit Beginn des Jahres 1915 rissen die Folgen der oft bebilderten Berichte über die „möglichste Entkrüppelung aller Gebrechen“ nicht ab. Arm- und Beinamputierte, teils mit skurrilen Prothesen ausgerüstet, vollführten Turnübungen. Armlose Postbeamte führten weiterhin den Federhalter unter Einsatz der „Fischerschen Klaue mit Schraubvorrichtung“. Die orthopädische und medicomechanische Industrie warb mit Anzeigen bei derartigen Beiträgen. Diese Bemühungen wurden durch Vorträge, Lichtbildervorführungen, Wanderausstellungen, Führungen durch Krüppelheime und durch eine Vielzahl von Aufklärungsbroschüren ergänzt.58 Nach offizieller Darstellung sollten vor allem die Unternehmer- und Arbeiterschaft mit dieser Bilder- und Artikelflut im Sinne einer möglichen Reintegration in den Produktionsprozess beeinflusst werden. Fürchteten die einen dabei eine erhöhte Unfallgefahr mit Produktionsausfall durch mangelnde Leistungskraft der verstümmelten Männer, was in Verbindung mit einer „sozialen Gesetzgebung“ auch ihre Konkurrenzfähigkeit schmälern könnte, so bangten die anderen um ihren Arbeitsplatz, dessen Verlust nicht zuletzt auch die Gefahr ihrer Rekrutierung für die Front erhöhte.59

Im Rahmen dieser Öffentlichkeitsarbeit durften den Lesern auch Fotografien von „Kriegszermalmten“ zugemutet werden. Das wöchentlich erscheinende Magazin „Die Umschau“ - ein Periodikum, das sich der populären Aufbereitung neuer Entwicklungen in Technik, Naturwissenschaften und Medizin verschrieben hatte - veröffentlichte 1916 acht Abbildungen von „frischen Kiefer -und Gesichtsverletzungen“. In Vorher-Nachher Sequenzen wurden die schönen Erfolge plastischer Operationen dokumentiert. Doch weder durch die Fotos noch im Begleittext konnte geleugnet werden, dass durch derartige Verletzungen „die Harmonie des Antlitzes zerrissen, das Kaugeschäft beeinträchtigt“ wurde. Die „Einbuße in ästhetischer Hinsicht, die Minderwertigkeit in der äußeren Erscheinung“ waren enorm. Es war „in jedem Berufe ein arger Hemmschuh ...“, besonders „Schauspieler, Lehrer, Kellner u.a.“ mussten sich „deshalb für neue - [leider herabgeminderte Lebensansprüche - einrichten“.60]


57 Biesalski zit. nach Ulrich: Behandlung der Kriegsopfer, in: Keiner fühlt sich, hrsg. von G. Hirschfeld, G. Krumeich, I. Renz, 1993, S. 120.

58 K. Biesalski: Hilfsmittel und Aussichten der Kriegskrüppelfürsorge, Vortrag am 8.2.1915, in: ZfK. 8. Jg. (1915/16), S. 133-142, hier S. 139.

59 Vgl. Ulrich: Behandlung der Kriegsopfer, in: Keiner fühlt sich, hrsg. von G. Hirschfeld, G. Krumeich, I. Renz, 1993, S. 121.

60 Ebd.

[Seite 120]

Die Leitsätze der künftigen Arbeit hatte Biesalski freilich schon im Anschluß an seine Rundreise in der „Täglichen Rundschau" der Öffentlichkeit vorgestellt: „l. Keine Wohltat - sondern Arbeit für die verkrüppelten Krieger. 2. Zurückschaffung in die Heimat und die alten Verhältnisse, womöglich in die alte Arbeitsstelle. 3. Verstreuung unter die Masse des schaffenden Volkes, als wenn nichts geschehen wäre. 4. Es gibt kein Krüppeltum, wenn der eiserne Wille besteht, die Behinderung der Bewegungsfreiheit zu überwinden. 5. Darum breiteste Aufklärung aller Stände, zuerst der Verwundeten selber."15 Insbesondere die Aufklärung", sprich, die Vermittlung der „frohen Botschaft", es gäbe kein Krüppeltum mehr, weil der medizinische Fortschritt und der „eiserne Wille" der Betroffenen eine, wenn auch eingeschränkte Berufstätigkeit ermöglichen würden, wurde von nun an zum „Angelpunkt aller unserer Bestrebungen", wie Biesalski an anderer Stelle formulierte. Entsprechend massiv war die Aufforderung an die Presse, die gar „nicht genug Artikel über diesen Gegenstand bringen könne ..., mit oder ohne Bilder, wie es ihr paßt."16

Die Presse entsprach diesen Wünschen. Mit Beginn des Jahres 1915 riß die Folge oft bebilderter Berichte über die „möglichste Entkrüppelung aller Gebrechlichen" nicht ab — ob nun mit teils skurrilen Prothesen ausgerüstete Arm- und Beinamputierte Turnübungen vollführten oder gezeigt wurde, wie der armlose Postbeamte mit der

[Seite 121]

„Fischerschen Klaue mit Schraubvorrichtung" auch weiterhin den Federhalter rühren [sic] konnte. Die orthopädische und medico-mechanische Industrie nutzte natürlich diese Gelegenheit und plazierte ihre Anzeigen oft vor oder hinter solche Beiträge. Diese Bemühungen wurden durch Vorträge - inclusive Lichtbildervorführungen -, Führungen durch „Krüppelheime", Wanderausstellungen und durch eine Vielzahl von „Aufklärungs"-Broschüren noch forciert.l7 Vor allem die Unternehmer- und die Arbeiterschaft sollten, nach offizieller Darstellung, mit dieser Bilder- und Artikelflut im Sinne einer möglichen Reintegration in den Produktionsprozeß beeinflußt werden. Fürchteten die einen bei der Einstellung von „Erwerbsbeschränkten" eine erhöhte Unfallgefahr (gleich Produktionsausfall) und schließlich die mangelnde Leistungskraft der verstümmelten Männer, die im Verein mit einer möglicherweise „sozialen Gesetzgebung" die Konkurrenzfähigkeit der Industrie schmälern konnte, so bangten die anderen um ihren Arbeitsplatz, dessen Verlust nicht zuletzt auch die Gefahr der Rekrutierung für die Front erhöhte.18

Integration der Invaliden

Im Kontext der eben geschilderten Öffentlichkeitsarbeit durften der Leserschaft auch Fotografien von „Kriegszermalmten" zugemutet werden. 1916 veröffentlichte das wöchentlich erscheinende Magazin „Die Umschau" - ein Periodikum, das sich der populären Aufbereitung neuer Entwicklungen in Technik, Naturwissenschaft und Medizin verschrieben hatte — acht Abbildungen von „frischen Kiefer- und Gesichtsverletzungen". In Davor-Danach Sequenzen wurden hier die „schönen Erfolge plastischer Operationen" dokumentiert. Doch konnte weder durch die Fotos noch im Begleittext geleugnet werden, daß durch derlei Verletzungen „die Harmonie des Antlitzes zerrissen, das Kaugeschäft beeinträchtigt" wird; auch sei die „Einbuße in ästhetischer Hinsicht, die Minderwertigkeit in der äußeren Erscheinung" enorm. Das endlich sei „in jedem Berufe ein arger Hemmschuh ..." und namentlich „Schauspieler, Lehrer, Kellner u.a." müßten sich „deshalb für neue — leider herabgeminderte Lebensansprüche — einrichten".19


15 K. Biesalski, Wer ist der Führer in der gesamten Fürsorge für unsre heimkehrenden Krieger?, in: Tägliche Rundschau, 18. l. 1915.

16 K. Biesalski, Hilfsmittel und Aussichten der Kriegskrüppelfürsorge, Vortrag am 8. 2. 1915, in: ZfK, 8 (1915/16), S. 133-142, hier S. 139; vgl. den Bericht über die Tagung in: Concordia. Zeitschrift der Zentralstelle für Volkswohlfahrt, Berlin, 22 (1915), S. 58-61.

17 Vgl.: Kriegskrüppelfürsorge. Ein Aufklärungswort zum Tröste und zur Mahnung, hrsg. von K. Biesalski, Leipzig, Hamburg 1915. Diese Schrift erschien 1916 bereits im 140. Tausend. Die darin publizierten 85 Fotos wurden von den Zeitungen und Magazinen oft nachgedruckt. Besonders hervor tat sich dabei die „Illustrirte Zeitung / Leipzig", aber auch die „Gartenlaube". S. auch: Dipl. Ing. Jacobi, Die Bedeutung des Lichtbildes für unsere Kriegsbeschädigtenfürsorge, in: Aus der Arbeit - Für die Arbeit, ZFK (Beilage zur ZfK), 10 (1917/18), S. 117-121. Oft zur Aufrührung kam auch ab 1917 der von der Monopol-Film-Vertriebs-Gesellschaft produzierte Film „Wie unsere Kriegsinvaliden wieder arbeiten lernen". Vgl. auch: G. Krumeich, Verstümmelungen und Kunstglieder. Formen körperlicher Verheerungen im l. Weltkrieg, in: Sowi. Sozialwissenschaftliche Informationen, 19 (1990), Heft 2, S. 97-102, der einige Beispiele bringt.

18 Vgl.: Bericht über die Tagung am 8. 2. 1915; K. Biesalski, Praktische Vorschläge für die Inangriffnahme der Krüppelfürsorge, in: ZfK, 7 (1914/15), S. 2-19.

19 H. Salamon, Kriegsinvalidität nach Kieferverletzungen, in: Die Umschau, 20 (1916), Bd.l, S. 148-150 (mit 8 Abbildungen).

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme sind ungekennzeichnet. Das Zitat wurde nicht in die Zeilenzählung mit aufgenommen.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann


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Letzte Bearbeitung dieser Seite: durch Benutzer:Graf Isolan, Zeitstempel: 20130919205428

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