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Film und Propaganda im Ersten Weltkrieg. Propaganda als Medienrealität im Aktualitäten- und Dokumentarfilm

von Dr. Ulrike Oppelt

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Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Uo/Fragment 289 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-21 17:37:36 WiseWoman
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Kessler et al 1997, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 289, Zeilen: 1-18
Quelle: Kessler et al 1997
Seite(n): 7, Zeilen: 2-8, 16-18, 19-31
[Aktualitätenfilme, vor Ort gedreht oder nachgestellt, gestatten dem Zuschauer, sich ,ein Bild zu ma]chen‘ von Ereignissen, von denen er aus der Presse oder vom Hörensagen erfahren hat, und an denen er selbst nicht anwesend war. Krönungen, Paraden, Staatsbesuche, Umzüge, Einweihungsfeiern, Denkmalsenthüllungen etc. stellten als Ereignisse des öffentlichen Lebens einen bedeutenden Teil der frühen Filmproduktion dar.77

Die Vielschichtigkeit früher Aktualitätenfilme zeigt sich bereits an den Unschärfen der sprachlichen Bezeichnung. Der Begriff Aktualitäten nimmt in verschiedenen Sprachen unterschiedliche Bedeutungen an. Bezeichnet das französische actualité zunächst ganz allgemein einen Film, der mit dem Interesse der Öffentlichkeit rechnen kann, so wird dieser Ausdruck schon bald im Sinne von ,Nachrichtenfilm' verwendet, worunter gleichermaßen nachgestellte und dokumentarisch aufgenommene Szenen fallen. Schließlich geht die actualité als Einzelfilm im Programmformat der Wochenschau auf. Im Englischen wiederum werden Filmaufnahmen von Tagesereignissen als topical films, später als newsreels bezeichnet. Der Terminus actuality meint dagegen schlicht die Wirklichkeit, während der französische Ausdruck actualité in der angloamerikanischen Filmgeschichtsschreibung oft ganz allgemein für den frühen Nonfiction-Film steht.78


77 Im Filmarchiv Berlin noch existierende Filmbeispiele dazu sind u.a.: DIE FEIERLICHE ENTHÜLLUNG UND EINWEIHUNG DES VÖLKERSCHLACHTDENKMALS ZU LEIPZIG (18.10.1913), DIE FRÜHJAHRSPARADE AUF DEM OBERWIESENFELD AM 26. MAI 1914, DIE ANFÄNGE DER FLIEGEREI (ca. 1910), DAS BEGRÄBNIS DES GROSSHERZOGS FRIEDRICH I. VON BADEN (1907), DAS LEICHENBEGRÄBNIS DES SOZIALISTEN-FÜHRERS PAUL SINGER (1911), BESUCH KAISER WILHELM II. BEI KAISER FRANZ JOSEPH IN WIEN (ca. 1913), DES DEUTSCHEN HEERES ENTSTEHUNG (Festzug ca. 1914; siehe Filmprotokoll und Filmanalyse)

78 Vgl. Frank Kessler, Sabine Lenk, Martin Loiperdinger: KINtop. Jahrbuch zur Erforschung des frühen Films, Bd. 6: Aktualitäten, Basel, Frankfurt/M 1997, S. 7.

Editorial

Krönungen, Paraden, Staatsbesuche, Umzüge, Einweihungsfeiern, Denkmalsenthüllungen und dergleichen mehr: Gerade in den Anfangsjahren der Kinematographie machen Ereignisse des öffentlichen Lebens einen bedeutenden Teil der Filmproduktion aus. Vor Ort gedreht oder nachgestellt - Aktualitätenfilme gestatten dem Zuschauer, sich >ein Bild zu machen< von Ereignissen, von denen er schriftlich aus der Presse oder einfach nur mündlich vom Hörensagen erfahren hat.

[...]

[...] Frühe Aktualitätenfilme erweisen sich bei näherem Studium als überaus vielschichtig. Das zeigt sich bereits an den Unschärfen der sprachlichen Bezeichnung. [...] Dabei fällt auf, daß der Begriff Aktualitäten ausgesprochen mehrdeutig ist und in verschiedenen Sprachen recht unterschiedliche Bedeutungen annimmt: Bezeichnet das französische actualité zunächst ganz allgemein einen Film, der auf das Interesse der Öffentlichkeit rechnen kann, so wird dieser Ausdruck schon bald im Sinne von >Nachrichtenfilm< verwendet, worunter gleichermaßen nachgestellte und dokumentarisch aufgenommene Szenen fallen. Schließlich geht die actualité als Einzelfilm im Programmformat der Wochenschau auf. Im Englischen wiederum werden Filmaufnahmen von Tagesereignissen als topical films, später als newsreels bezeichnet. Der Terminus actuality meint dagegen schlicht die Wirklichkeit, während der französische Ausdruck actualité in der anglo-amerikanischen Filmgeschichtsschreibung oft ganz allgemein für den frühen non-fiction-Film steht.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahmen bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

[2.] Uo/Fragment 289 18 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-20 18:02:05 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo, Uricchio 1997

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 289, Zeilen: 18-35
Quelle: Uricchio 1997‎
Seite(n): 44, Zeilen: 9-13, 19-37
Die Verwendung der Bezeichnung actualité für nicht-fiktionale Bilder vor dem Ersten Weltkrieg bietet unterschiedliche Möglichkeiten, Produktion und Rezeption dieser Filme in bezug auf die Zeit zu betrachten, insbesondere im Hinblick auf Begriffe wie „Präsenz“, „Sensation“ und „Simulation“.79 Ursprünglich bezog sich actualité jeweils auf Ereignisse mit aktuellen oder sensationellem Charakter. Im angloamerikanischen Sprachraum verschob sich der „Tatsachenfilm“ hin zum „Wochenschau-Film“. Der Begriff wurde somit eher genrespezifisch verwendet. Gleichzeitig kam es zu einem Bedeutungswandel. Einfache „Fakten“ wurden Wochenschau-typisch zum „aktuell Interessanten“. Das ist nicht unwichtig angesichts der angloamerikanischen Tendenz, das französische Wort mit actuality zu übersetzen, was ja im allgemeinen schlicht „Realität“ bedeutet. John Griersons vielzitierte Definition des Dokumentarfilms als „creative treatment of actuality“ hat somit nichts mit dem französischen actualité zu tun. Bei Grierson fehlt die Unterscheidung zwischen der französischen und der anglo-amerikanischen Bedeutung des Begriffs. Actualité deckte einen Bereich von historischen und kulturellen Bedeutungen ab, die sich von Behauptungen zur Wirklichkeit („Das Zentrum von London wurde nicht bombardiert“) über zeitlich verankerte Aussagen („Der Zustand von London wurde am 26. September 1917 [dokumentiert.“) bis hin zu Fragen von allgemeinem Interesse („Wurde London vom Krieg betroffen?“) erstreckten.80]

79 William Uricchio: Aktualitäten als Bilder der Zeit, in: KINtop 6, S. 43-50, hier S. 44.

[80 Ebd.]

Die Verwendung der Bezeichnung actualité für nicht-fiktionale Bilder in der Frühzeit bietet uns, wie ich zeigen will, unterschiedliche Möglichkeiten, Produktion und Rezeption dieser Filme in bezug auf die Zeit zu betrachten, insbesondere im Hinblick auf Begriffe wie »Präsenz«, »Sensation« und »Simulation«.

[...] Ursprünglich bezog actualité sich auf die jeweils aktuellen Ereignisse, die auch einen sensationellen Charakter haben konnten, d.h. sowohl zeitlich wie kulturell von besonderem Interesse waren. In bezug auf den Film verschob sich die Bedeutung vor allem im anglo-amerikanischen Sprachraum von der breiteren Bedeutung des »Tatsachenfilms« hin zur mehr spezifischen Bezeichnung des »Wochenschau-Films«.2 Indem der Begriff so eher genrespezifisch verwendet wurde, kam es aber gleichzeitig auch zu einem Bedeutungswandel von den einfachen »Fakten« hin zum für die Wochenschau typischen »aktuell Interessanten«. Das ist nicht unwichtig angesichts der anglo-amerikanischen Tendenz, das französische Wort mit actuality zu übersetzen und damit einen Ausdruck zu gebrauchen, der im allgemeinen schlicht »Realität« bedeutet. John Griersons vielzitierte Definition des Dokumentarfilms als »creative treatment of actuality« hat dann auch nichts mit dem französischen actualité zu tun.3 Kurz, actualité deckt einen ganzen Bereich von historischen und kulturellen Bedeutungen ab, die sich von Behauptungen zur Wirklichkeit (»Das Zentrum von London wurde nicht bombardiert.«) über zeitlich verankerte Aussagen (»Der Zustand von London wurde am 26. September 1917 dokumentiert.«) bis hin zu Fragen von allgemeinem Interesse (»Wurde London vom Krieg betroffen?«) erstrecken.


2 Zur Bedeutung von actualité und verwandter Begriffe für den frühen nicht-fiktionalen Film vgl. Brian Winston, Claiming the Real: the Documentary Film Revisited, BFI, London 1995, S. 11ff et passim. Vgl. auch den Beitrag von Sabine Lenk in diesem Band.

3 Griersons Verständnis vom Dokumentarfilm setzt sich von der frühen Tradition des nicht-fiktionalen Films ab, doch es fehlt eine Unterscheidung zwischen der französischen und der anglo-amerikanischen Bedeutung des Begriffs.

Anmerkungen

Art und Umfang der vielfach wörtlichen Übernahmen bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann


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Letzte Bearbeitung dieser Seite: durch Benutzer:WiseWoman, Zeitstempel: 20130921173841

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