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Film und Propaganda im Ersten Weltkrieg. Propaganda als Medienrealität im Aktualitäten- und Dokumentarfilm

von Dr. Ulrike Oppelt

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Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Uo/Fragment 341 03 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-16 21:50:41 Graf Isolan
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Kaulbach 1987, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 341, Zeilen: 3-17, (18-34), 35-39 (komplett)
Quelle: Kaulbach 1987
Seite(n): 9, 10, 11, Zeilen: 9:2-7.10-12.(13-33).; 10:4-16.20-29; 11:3-5
Die Antwort der Bilder über Metaphern führt direkt zur Karikatur als kritischem Medium. Die Karikatur kann in einer relativ schnellen Reaktion auf politische Ereignisse und gesellschaftliche Entwicklungen produziert werden. Sie ist ein Teil der öffentlichen Auseinandersetzung und wird häufig im Zusammenhang mit Schlagzeilen, Nachrichten, Kommentaren, Reden und Slogans wahrgenommen. Ihre Formprinzipien und ihr Motiv- und Symbolrepertoire haben sich historisch entwickelt und enthalten daher auch Elemente vergangener Begriffsbildungen; zugleich sind sie jedoch allgemein verständlich und auf schnelle Wahrnehmung angelegt.170

Mit welchen Bildern kann die Vorstellung von Vernichtungsdrohungen erfasst und gedeutet werden? Mit welchen Vereinfachungen werden Ängste und Sicherheitsbedürfnisse bewältigt? Untersucht man die Bedeutung, Funktion und Geschichte von Metaphern, so lassen sich wirksame und vorherrschende Deutungsmuster hierfür ablesen. Ihre Funktion als Mittel der gesellschaftlichen Auseinandersetzung bietet zugleich Aufschlüsse über die Art der Argumentation. Bertha Suttner formulierte hierzu:

„Es ist nicht möglich, mit gefletschten Zähnen zu lächeln, und mit geballten Fäusten kann man nicht Hände schütteln. Es ist eigentlich unbegreiflich, daß man überhaupt zu leben und zu verkehren vermag inmitten all dieser Vernichtungsdrohungen, daß man ruhig lustwandelt auf den gelegten Minen und vor dem Schlund der allenthalben aufgereckten Kanonen. [...] Solche Anomalie besteht nur darum weiter, weil man durch Gewohnheit abgestumpft ist. Man blickt in die Dinge nicht hinein, man erfaßt sie nicht, man nimmt ihre Wirklichkeit nicht in sich auf“, wie dies so gut durch das englische Zeitwort ,to realize, ausgedrückt ist. [...] Bei den bestehenden, altgewohnten und nur allmählich wachsenden Dingen, die einen umgeben, tritt jenes volle Begreifen meist gar nicht ein. Man läßt Worte wie ,Krieg', ,Rüstungen' an sein Ohr schlagen, ihre Bedeutung huscht als Abstraktion am Geist vorbei. [...] ,Gerüstet' sein, das hat so einen Nebenklang von Sicherheit, von Geschützt- und Bereitsein gegen und für alle Eventualitäten. Man vergißt, daß die Eventualität eben in der Rüstung liegt, und in die Details des Gesamtbegriffs dringt man nicht ein; das überläßt man den Fachleuten [...] Zwar liest man in der Zeitung von den Neuanschaffungen und Neuerfindungen auf dem Gebiete der Kriegstechnik, aber man denkt nicht weiter darüber nach, wohin diese ewig wachsenden Vernichtungsinstrumente führen; desto verheerender ihre Wirkung beschrieben wird, als desto schützender empfindet man sie.“171

Beim politischen und ideologischen Umgang mit den Metaphern wird deutlich, dass ihr Zustandekommen, die Bilder mit Aussagen über Krieg, militärische Unterdrückung, Strategien und Aufrüstung in Bildvorstellungen verdichtet sind, mit denen das „Alltagsbewusstsein“ umzugehen hat. Eine Metapher ist ein verkürzter Vergleich, dessen Aussage nicht wörtlich ausgeführt, sondern in eine [anschauliche Zusammenfassung übertragen wird.]



170 Vgl. Hans-Martin Kaulbach: Bombe und Kanone in der Karikatur. Eine kunsthistorische Untersuchung zur Metaphorik der Vernichtungsdrohung, Marburg 1987, S. 10.

171 Bertha von Suttner, mit deren Arbeit und Schriften vor fast einhundert Jahren die organisierte Friedensbewegung in Deutschland begann, formulierte diese Einsichten und Feststellungen 1909. Vgl. Bertha von Suttner/Klaus Mannhardt/Winfried Schwamborn: Die Waffen nieder! Ausgewählte Texte, Köln 1978, S. 22.

[Seite 9]

In welchen Vorstellungen und Bildern versuchen wir, die Existenz immer größerer und gefährlicherer Vernichtungspotentiale zu erfassen und zu deuten? Mit welchen Vereinfachungen und Formeln versuchen wir, unsere Ängste und Sicherheitsbedürfnisse im bestehenden Abschreckungssystem zu bewältigen? [...]

Bertha von Suttner, mit deren Arbeit und Schriften vor fast einhundert Jahren die organisierte Friedensbewegung in Deutschland begann, formulierte 1909 den Zusammenhang dieser Fragen:

„Es ist nicht möglich, mit gefletschten Zähnen zu lächeln, und mit geballten Fäusten kann man nicht Hände schütteln. Es ist eigentlich unbegreiflich, daß man überhaupt zu leben und zu verkehren vermag inmitten all dieser Vernichtungsdrohungen, daß man ruhig lustwandelt auf den gelegten Minen und vor dem Schlund der allenthalben aufgereckten Kanonen. [...] Solche Anomalie besteht nur darum weiter, weil man durch Gewohnheit abgestumpft ist. Man blickt in die Dinge nicht hinein, man erfaßt sie nicht, man ’nimmt ihre Wirklichkeit nicht in sich auf’, wie dies so gut durch das englische Zeitwort ’to realize’ ausgedrückt ist. [...] Bei den bestehenden, altgewohnten und nur allmählich wachsenden Dingen, die einen umgeben, tritt jenes volle Begreifen meist gar nicht ein. Man läßt Worte wie ’Krieg’, ’Rüstungen’ an sein Ohr schlagen, ihre Bedeutung huscht als Abstraktion am Geist vorbei. [...] ’Gerüstet sein’, das hat so einen Nebenklang von Sicherheit, von Geschützt- und Bereitsein gegen und für alle Eventualitäten. Man vergißt, daß die Eventualität eben in der Rüstung liegt, und in die Details des Gesamtbegriffs dringt man nicht ein; das überläßt man den Fachleuten...

Zwar liest man in der Zeitung von den Neuanschaffungen und Neuerfindungen auf dem Gebiete der Kriegstechnik, aber man denkt nicht weiter darüber nach, wohin diese ewig wachsenden Vernichtungsinstrumente führen; desto verheerender ihre Wirkung beschrieben wird, als desto schützender empfindet man sie.“1

[...]

Antworten auf die zu Beginn gestellten Fragen lassen sich finden, wenn man Bedeutung, Funktion und Geschichte solcher Metaphern untersucht.

[Seite 10]

An ihnen lassen sich in der Gesellschaft wirksame und vorherrschende Deutungsmuster für die Vernichtungsdrohung, die von der Existenz der Massenvernichtungsmittel ausgeht, ablesen. Die Untersuchung ihrer Funtion [sic] als Mittel in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung bietet zugleich Aufschlüsse über die Art, wie in dieser Auseinandersetzung argumentiert wird.

Nicht Krieg, militärische Unterdrückung, Strategie und Aufrüstung sind der eigentliche Gegenstand der vorliegenden Untersuchung, sondern der politische und ideologische Umgang mit den Metaphern, die in der Auseinandersetzung über diese Probleme wirksam sind. Vor allem geht es um die Frage, wie solche Metaphern zustandekommen, zu welchen Bildern die Aussagen über diese Probleme zusammengefaßt und verdichtet sind. Die Frage nach Bildvorstellungen, mit denen unser 'Alltagsbewußtsein' bei der Verarbeitung der Vernichtungsdrohung umgeht, führt zum Ansatz einer kunsthistorischen Untersuchung, da die Antwort in den Bildern zu suchen ist. Als Bildgattung bietet sich für die Suche nach den Metaphern aus mehreren Gründen die Karikatur an:

- sie wird in einer relativ schnellen Reaktion auf politische Ereignisse und gesellschaftliche Entwicklungen produziert;

- sie ist ein Teil der öffentlichen Auseinandersetzung und wird häufig im Zusammenhang mit Schlagzeilen, Nachrichten, Kommentaren, Reden und Slogans wahrgenommen;

- ihre Formprinzipien und ihr Motiv- und Symbolrepertoire haben sich historisch entwickelt und enthalten daher Elemente vergangener Begriffsbildungen; zugleich sind sie jedoch allgemein verständlich und auf schnelle Wahrnehmung angelegt.

[Seite 11]

Unter einer Metapher wird allgemein ein verkürzter Vergleich verstanden: eine Aussage wird nicht wörtlich ausgeführt, sondern in eine anschauliche Zusammenfassung übertragen.


1 Suttner 1978, S. 22


Suttner 1978:
Bertha von Suttner, Die Waffen nieder! Ausgewählte Texte. (Hrsg. v. Klaus Mannhardt und Winfried Schwamborn) Köln 1978

Anmerkungen

Art und Umfang der weitenteils wörtlichen Übernahmen bleiben ungekennzeichnet.

Der einleitende Satz von Uo ist im Gegensatz zur Vorlage ohne erkennbaren Sinn, obwohl dasselbe Vokabular benutzt wird.

Das Zitat von von Suttner ist an denselben Stellen gekürzt worden wie bei Kaulbach (1987); mit großer Wahrscheinlichkeit hat hier also die Primärquelle nicht vorgelegen. Dennoch wurde es nicht in die Zeilenzählung aufgenommen.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann


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