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Film und Propaganda im Ersten Weltkrieg. Propaganda als Medienrealität im Aktualitäten- und Dokumentarfilm

von Dr. Ulrike Oppelt

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Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Uo/Fragment 362 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-07-14 15:28:57 Sotho Tal Ker
Fragment, Gesichtet, Hörl 1996, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 362, Zeilen: 1-5, 11-14, 24-38, 101-104
Quelle: Hörl 1996
Seite(n): 98, 99, 100, 103, Zeilen: 98:17-18.26-34; 99:(1-6).7-8.(9-17); 100:1-5; 103:1-3.9-20; 104:(1-3)
Vertov sah das Vorgefundene als sein einzig legitimes Material. Er verfasste seine Theorie in Form von Manifesten mit einer sprachlichen Härte, die heute fremd klingt, auch wenn man sie als Mittel betrachtet, um Ideen in das öffentliche Bewusstsein zu bringen. Vertov schrieb 1924 über die Bewegung ,Kinoauge‘, die er begründet hat:

„Wir ziehen die trockene Chronik dem konstruierten Szenarium vor, wenn wir über die Lebensgewohnheiten und die Arbeit der Menschen berichten. Wir mischen uns niemals in das Leben ein. Wir nehmen Fakten auf, organisieren sie und bringen sie über die Filmleinwand in das Bewußtsein der Arbeitenden. Wir berücksichtigen, was die Welt erklärt, was uns klar macht, wie sie ist - das ist unsere Hauptaufgabe.“6

Griersons Sprache arbeitete mit verwirrend vielen Superlativen und war ebenfalls auf Wirkung ausgerichtet. Grierson wählte Zeitschriften als Forum, um seine Ideen öffentlich zu machen. Über die documentary-Bewegung, die er begründet hat, schrieb er 1932 in den ,First Principles':

„Wir glauben [...] die Studiofilme ignorieren größtenteils diese Möglichkeit, die Leinwand der realen Welt zu öffnen. Sie photografieren gespielte Geschichten vor künstlichem Hintergrund. Dokumentarfilm würde die lebendige Szene und die lebendige Story photografieren [...] Wir glauben, dass der ursprüngliche (oder natürliche) Darsteller, und die ursprüngliche (oder natürliche) Szene, besseren Zugang zu einer Leinwandinterpretation der modernen Welt bieten [...] Sie geben ihr Interpretationsgewalt über komplexere und erstaunlichere Geschehnisse in der realen Welt [...] Wir glauben, dass die Materialien und die Geschichten, die so unverfälscht verwendet werden, schöner sein können (realer im philosophischen Sinne) [...].“7

Interessant ist, dass der Impetus, der zur Anwendung dokumentarischer Prinzipien führte, bei Vertov und Grierson sehr ähnlich war. Der Moment, in dem der Film als eigenständiges Medium mit ureigenen Qualitäten erstmals ernst genommen wurde, ist sowohl für Vertovs Ideen als auch für die der documentary-Bewegung konstitutiv.

Symptomatisch für den Beginn des 20. Jahrhunderts war eine Annäherung der Künste. So entschieden sich das Kino vom Theater abzugrenzen versuchte, so nahe stand es mit seinen Interessen den anderen Künsten. Einige der Ideale, die sich in den 10er und 20er Jahren entwickelten und die in Griersons documentary- Verständnis wiederauftauchen, blieben nicht dem Dokumentarfilm vorbehalten. Sie finden sich ebenso in der damaligen Theatertheorie wie auch in den generellen Bemerkungen des Filmtheoretikers Balaszs [sic!] oder den Thesen der europäischen Avantgardisten wieder. So schrieb zum Beispiel Piscator 1920, er wolle auf Berufschauspieler verzichten und Darsteller aus der Mitte der Zuschauer, womit dem Theater ein bestimmter gesellschaftlicher Auftrag zugewiesen wurde. „Wir verbannten das Wort, Kunst* radikal aus unserem Programm, unsere ,Stüc[ke‘ waren Aufrufe, mit denen wir in das aktuelle Geschehen eingreifen, ,Politik treiben‘ wollten.“8]


6 Dsiga Vertov: Aus dem Reglement der Kinoki (1924), in: ders.: Aus den Tagebüchern, Bd. 1, Wien 1967, S. 10.

7 First Principles of Documentary, zit. nach Hardy: Grierson, 1946, S. 79/ 80 (Übers. v. d. Verf.).

8 Erwin Piscator: Das politische Theater, zit. nach Eduard Ditschek: Politisches Engagement und Medienexperiment, Tübingen 1989, S. 68.

[Seite 98]

Vertov sah das Vorgefundene als sein einzig legitimes Material. [...]

[...]

Vertov verfaßte seine Theorie in der Form von Manifesten. In ihnen entwickelt er eine sprachliche Härte, die heute fremd klingen mag, die sich aber plausibel macht, wenn man sie als Mittel betrachtet, um Ideen in das öffentliche Bewußtsein zu bringen. Griersons Sprache, das zeigten wir, arbeitet mit verwirrend vielen Superlativen und ist insofern ebenfalls eine auf Wirkung ausgerichtete Sprache. Außer­dem wählte Grierson Zeitschriften als Forum, um seine Ideen möglichst öffentlich zu machen. Vertov schrieb 1924 über die Bewegung 'Kinoauge', die er begründet hat:

[Seite 99]

"Wir ziehen die trockene Chronik dem konstruierten Szenarium vor, wenn wir über die Lebensgewohnheiten und die Arbeit der Menschen berichten. Wir mischen uns niemals in das Leben ein. Wir nehmen Fakten auf, organisieren sie und bringen sie über die Filmleinwand in das Bewußtsein der Arbeitenden. Wir berücksichtigen, was die Welt erklärt, was uns klar macht, wie sie ist - das ist unsere Hauptaufgabe."82

Grierson schrieb 1932 über die documentary-Bewegung, die er begründet hat, in den 'First Principles':

"We believe ... The studio films largely ignore this possibility of opening up the screen on the real world. They photograph acted stories against artificial backgrounds. Documentary would photograph the living scene and the living story. ... We believe that the original (or native) actor, and the original (or native) scene, are better guides to a screen interpretation of the modern world. ... They give it power of interpretation over more complex and astonishing happenings in the real world... . We believe that the materials and the stories thus taken from the raw can be finer (more real in the philosophic sense)..."83

[Seite 100]

Interessant ist, daß der Impetus, der zur Wahl bzw. Entdeckung dokumentarischer Prinzipien führte, bei beiden sehr ähnlich war. Der Moment, in dem der Film als eigenständiges Medium mit ureigenen Qualitäten erstmals ernst genommen wurde, ist sowohl für Vertovs Ideen als auch für die der documentary-Bewegung konstitutiv .

[Seite 103]

Die Annäherung der Künste aneinander war zeitsymptomatisch. So entschieden sich das Kino vom Theater abzustoßen versuchte, so nahe stand es doch in seinem Interesse den anderen Künsten der Zeit. [...]

Einige der neuen Ideale, die sich in den 20er Jahren entwickelten und die wir auch in Griersons documentary-Verständnis wiederfinden, wurden schon aufgezeigt. Sie blieben nicht an den Dokumentarfilm gebunden. Sie fanden sich auch in den generellen filmtheoretischen Bemerkungen Balaszs oder den Thesen der europäischen Avantgardisten. Und sie finden sich ebenso in der Theatertheorie der Zeit wieder, die sich ebenfalls mit Grierson'schen Gedankengängen parallelisieren läßt.

Bereits 1920 schrieb Piscator, er wolle auf den Berufsschauspieler ganz verzichten und Darsteller "aus der Mitte der Zuschauer"94 gewinnen. In gleicher Weise wie die Filmtheorie der Zeit wies er dem Theater einen bestimmten gesellschaftlichen Auftrag zu, der sich bald im Credo der documentary-Bewegung wiederfindet.

[Seite 104]

"Wir verbannten das Wort 'Kunst' radikal aus unserem Programm, unsere 'Stücke' waren Aufrufe, mit denen wir in das aktuelle Geschehen eingreifen, 'Politik treiben' wollten."96


82 Vertov, Dsiga: "Aus dem Reglement der Kinoki", 1924, in: Vertov, Dsiga: Band 1, "Aus den Tagebüchern", Österreichisches Filmmuseum, Wien, 1967, S.10.

83 Grierson, John: "First Principles of Documentary", in 'Cinema Quarterly' 1, no.2 (Winter 1932/33), zitiert nach: Hardy, Forsyth (Hrsg.): "Grierson on Documentary", London, 1946, S.79/80.

94 Piscator, E.: "Über Grundlagen und Aufgaben des proletarischen Theaters" (1920), in: 'Der Gegner', 2. (1920/21) 4, S.90-93.

96 Piscator, E.: "Das politische Theater", S.36, zitiert nach: Ditschek, Eduard: "Politisches Engagement und Medienexperiment", Tübingen, 1989, S.68.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme. Die Zitatauswahl entspricht der Hörls (dennoch wurden sie nicht in die Zeilenzählung mitaufgenommen). Jeder Hinweis auf Hörl selbst unterbleibt auf dieser Seite.

Sichter
(Graf Isolan), Sotho Tal Ker


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Letzte Bearbeitung dieser Seite: durch Benutzer:Sotho Tal Ker, Zeitstempel: 20130714153041

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