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Film und Propaganda im Ersten Weltkrieg. Propaganda als Medienrealität im Aktualitäten- und Dokumentarfilm

von Dr. Ulrike Oppelt

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Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Uo/Fragment 363 03 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-07-14 16:30:03 Sotho Tal Ker
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Hörl 1996, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Uo

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 363, Zeilen: 3-27, 29-32, 101-103, 105, 108-110
Quelle: Hörl 1996
Seite(n): 104, 105, 106, Zeilen: 104:(1-3).4-12.(13).14-16.(17-18); 105:1-8.15-16.18-22.25-27; 106:10-12.14-19.26-31; 107:(1-3).4-5.11-14
[„Wir verbannten das Wort ,Kunst‘ radikal aus unserem Programm, unsere ,Stüc]ke‘ waren Aufrufe, mit denen wir in das aktuelle Geschehen eingreifen, ,Politik treiben‘ wollten.“8

Wie bei Piscator führte auch bei Grierson die angestrebte Wirklichkeitsnähe zur Ablehnung des Begriffes „Kunst“, der mit gesellschaftlichen [sic!] Desinteresse assoziiert wird. Piscator bevorzugte Ersatzbegriffe wie „Manifest“ oder „Propaganda“. Dieses ist zu beachten, wenn man Griersons Umgang mit dem Wort »Propaganda* verstehen will. Der Begriff stand im kulturellen Diskurs mehr für ein neues Verständnis der Aufgabe von Kunst als für eine konkrete parteipolitische Ansicht. Wenn Grierson sagt: „Ich betrachte das Kino als Kanzel, und benutze es als Propagandist“9 ist das ein kultur-technisches Statement ebenso wie seine Äußerung „die Technik des Propagandafilms ist daher nicht so sehr eine Technik für Propaganda als eine Technik, diese aufregend zu gestalten“10.

Die Situation in der Kunsttheorie ließ den Film auch zur Projektionsfläche für synkretistische Tendenzen werden. Alle Künste suchten nach einer gemeinsamen inhaltlichen Ausrichtung. Der im September 1919 von Schriftstellern, Theaterleuten, bildenden Künstlern und Arbeiterfunktionären gegründete „Bund für proletarische Kultur“ kann stellvertretend für kommende Vereinigungen von Künstlern stehen.11 Dahinter stand das Ideal einer gemeinsamen Kunst, die alle Menschen erreichen konnte. Zu den Gründern gehörten Vertreter aus allen Kunstsparten, u.a. Heinrich Mann, Erwin Piscator, Bela Balasz, Käthe Kollwitz. Die Idee des Films als neues Gesamtkunstwerk sollte nicht nur andere Künste zusammenfassen, sondern auch alle Menschen ansprechen. Der Film sollte als die neue Kunstform dem Phänomen der Masse gerecht werden. Zur selben Zeit zeigte sich die gleiche Tendenz auch in russischen Texten. Das Kino war Medium und Spiegel der Zeit. Die Internationalisierung nahm zu und damit die Möglichkeiten internationaler Verständigung. Der französische Intellektuelle André Malraux sagte 1927: „Dies ist der Tag einer Universalkultur. Die Weltbevölkerung zieht sich mehr oder weniger gleich an, und sie bekommen durch den Film die Idee, gleich zu sein“.12 Die Eigenheiten des Mediums Film mit den Möglichkeiten, durch Beobachtung die Welt zu vermitteln, ließ Pläne entstehen, die Welt im Film zu erfassen und dem anderen mitzuteilen. Man erkannte den Film als Symbol für eine globale Kommunikationsgesellschaft.


8 Erwin Piscator: Das politische Theater, zit. nach Eduard Ditschek: Politisches Engagement und Medienexperiment, Tübingen 1989, S. 68.

9 Grierson: Propaganda, in: Sight & Sound, 2. Jg. (1933), Nr. 4, S. 119. „I look on cinema as a pulpit, and use it as a propagandist“.

10 Grierson: Propaganda Film Technique, in: Kinematograph Weekly, 18.12.1930. „The technique of the propaganda film is therefore not so much a technique for propaganda as a technique for making it exciting“.

11 Der 1928 in Berlin gegründete ,Volksverband für Filmkunst“ (später ,Volksfilmverband‘) deckte sich mit den Zielen des Bundes für proletarische Kunst, sein Streben zum sozialen Engagement kann nur im ideellen Sinn als politisch bezeichnet werden.

12 Zit. n. Patrick Hörl: Film als Fenster zur Welt. Eine Untersuchung des filmtheoretischen Denkens von John Grierson, (kommunikation audiovisuell; Bd. 20), München 1996, S. 107 (Übers. v. d. Verf.).

[Seite 104]

"Wir verbannten das Wort 'Kunst' radikal aus unserem Programm, unsere 'Stücke' waren Aufrufe, mit denen wir in das aktuelle Geschehen eingreifen, 'Politik treiben' wollten."96

Wie bei Vertov und Grierson traten demnach Ersatzbegriffe auf den Plan, die das neue Verhältnis der Kunst zum Betrachter fassen sollen. Mit ihnen bevorzugte auch Piscator Bezeichnungen wie 'Manifest' oder 'Propaganda'.97 Dieser Hintergrund will beachtet sein, wenn man Griersons scheinbar sorglosen Umgang mit dem Wort 'Propaganda' verstehen will. Der Begriff stand im kulturellen Diskurs mehr für ein neues Verständnis der Aufgabe von Kunst und muß viel eher von daher verstanden werden als von einer konkreten parteipolitischen Ansicht. Wenn Grierson sagte:

"I look on cinema as a pulpit, and use it as a Propagandist;"98

war das eine Äußerung zum Sinn und Zweck einer Kunst in der Gesellschaft, ein quasi kultur-technisches Statement. Auch frühe Aussagen zum Thema können diese These untermauern.

"The technique of the propaganda film is therefore not so much a technique for propaganda as a technique for making it exciting."99

[Seite 105]

Diese Situation in der Kunsttheorie ließ den Film auch zur Projektionsfläche für synkretistische Tendenzen werden. Die Künste suchten nach einer gemeinsamen inhaltlichen Ausrichtung, mit der das ganze Volk erreicht werden konnte.

Was sich in dem im September 1919 von Schriftstellern, Theaterleuten, bildenden Künstlern und Arbeiterfunktionären gegründeten 'Bund für proletarische Kultur' andeutete, kann stellvertretend stehen für viele kommenden Vereinigungen von Künstlern:

[...]

Dahinter stand das Ideal einer gemeinsamen Kunst, die alle Menschen erreichen konnte. [...] Anfang 1928 entstand, wieder in Berlin, der 'Volksverband für Filmkunst' (später 'Volksfilmverband'). Die politische Ausrichtung deckte sich mit der des 'Bundes'. Zum Ausdruck kam ein Wille zum sozialen Engagement, der sich nicht im konkreten, sondern nur ideellen Sinne als politisch bezeichnen lassen wollte.

[...]

Zu den Gründern gehörten Vertreter aus allen Kunstsparten. Nur Heinrich Mann, Erwin Piscator, Bela Balasz, Käthe Kollwitz seien hier genannt.

[Seite 106]

Hier kommt die Idee des Films als Gesamtkunst zum Tragen, die nicht nur andere Künste zusammenfaßt, sondern auch die Gesamtheit der Menschen ansprechen kann. [...] Daß man den Film für die neue Kunstform hielt, die dem Phänomen der Menschheit als Masse, nichtmehr der überschaubaren und definierbaren Gruppe, gerecht werden konnte, zeigte sich zur selben Zeit genauso in russischen Texten. Man entdeckte den Film als Medium der Verständigung. [...]

[...]

Die Zeit erlebte den Film als ihr Medium, das ihr sowohl in seinen Möglichkeiten, wie auch seiner eigenen Konstitution nach entsprach. Das Kino selbst wurde zum Spiegel der Zeit. Es stand für die zunehmende Internationalisierung und für die Möglichkeit internationaler Verständigung. 1927 sagte der französische Intellektuelle André Maurois:

[Seite 107]

"This is the day of universal culture. The people of the world dress alike more or less, and it is from motion pictures that they get their idea of being alike."106

Aus dieser Erkenntnis des Films als Symbol für eine globale Kommunikationsgemeinschaft heraus kündigte im selben Jahr der frühere Governor des US-Bundesstaats Maine an:

[...]

Die Entdeckung der Eigenheiten des Mediums und damit verbunden die Einsicht in die Möglichkeiten, mit dem Film beobachtend Welt zu vermitteln, ließ Pläne entstehen, die Welt im Film zu erfassen und per Film dem jeweils anderen mitzuteilen.


96 Piscator, E.: "Das politische Theater", S.36, zitiert nach: Ditschek, Eduard: "Politisches Engagement und Medienexperiment", Tübingen, 1989, S.68.

97 Vgl. Ditschek, Eduard: "Politisches Engagement und Medienexperiment", Tübingen, 1989, S.68.

98 Grierson, John: "Propaganda", in 'Sight & Sound', Winter 1933/1934, S.119, auch JGA G3A:5.

99 Grierson, John: "Propaganda Film Technique", in: 'Kinematograph Weekly', 18.12.1930 (auch JGA G2:17:7).

106 zitiert in: Jowett, Garth: "American Domination of the Motion Picture Industry: Canada as a Test Case", in: Feldman, Seth/Nelson, Joyce: "Canadian Film Reader", Toronto/Montreal, 1977, S.9.

Anmerkungen

Es ist überhaupt nicht ersichtlich, dass diese Seite inhaltlich und in vielen Formulierungen wesentlich von Hörl stammt.

Die längeren Zitate, die wie alle Zitate, die auf dieser Seite präsentiert werden, ausnahmslos aus Hörl stammen, sind nicht in die Zeilenzählung aufgenommen worden.

Sichter
(Graf Isolan), Sotho Tal Ker


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Letzte Bearbeitung dieser Seite: durch Benutzer:Sotho Tal Ker, Zeitstempel: 20130714163246

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